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Bänderriss

(Bandruptur)
Von

Definition

Bei einem Bänderriss reissen die Fasern eines Bandes ganz oder teilweise. Ein Bänderriss kann ein oder mehrere Bänder eines Gelenks betreffen. Den Bänderriss bezeichnen Sportmediziner auch als Bandruptur (Ruptur = Riss).

Grundsätzlich teilt man in der Medizin Verletzungen an den Bändern in drei Schweregrade ein:

  • Grad 1: die Bandzerrung (auch als Bänderdehnung bezeichnet)
  • Grad 2: den teilweisen Bänderriss
  • Grad 3: den vollständigen Bänderriss

Manche Bänder sind an einigen Stellen teilweise in der Gelenkkapsel verankert. Eine Gelenkkapsel umschliesst ein Gelenk und verhindert, dass die Gelenkflüssigkeit austritt. In den meisten Fällen führt ein Bänderriss deswegen auch zu einer Verletzung der Gelenkkapsel. Aus diesem Grund sprechen Mediziner korrekterweise von einer Kapsel-Band-Verletzung.

Bänder (Ligamente)

Bänder (Ligamente) bestehen aus Bindegewebe und verbinden die Knochen eines Gelenks miteinander – im Gegensatz zu Sehnen, die Muskeln mit Knochen zusammenkoppeln. Die Bänder des Knies (z.B. das Kreuzband) sind zum Beispiel daran beteiligt, den Oberschenkelknochen mit dem Schien- und Wadenbein zu verbinden.

Bänder erfüllen unterschiedliche Funktionen. Aufgrund der jeweiligen Funktion unterteilt sie der Sportmediziner in drei Kategorien:

  • Verstärkungsbänder: Zusammen mit der Gelenkkapsel stabilisieren Verstärkungsbänder das Gelenk und geben ihm Halt.
  • Führungsbänder sind an der Bewegungsführung beteiligt.
  • Hemmungsbänder schränken Bewegungen ein, damit ein Gelenk nicht überstreckt wird.

Teilweise oder vollständige gerissene Bänder sind nicht mehr in der Lage, ihre Funktion ausreichend zu erfüllen. Aus diesem Grund verliert das betroffene Gelenk durch einen Bänderriss in den meisten Fällen an Stabilität. Zusätzlich kann sich die Bewegungsfähigkeit des Gelenks einschränken.

Häufigste Bänderrisse

Zu den häufigsten Bänderrissen zählen:

  • Aussenbandriss am oberen Sprunggelenk
  • Bänderriss am Daumengrundgelenk (sog. Skidaumen)
  • Kreuzbandriss

Darüber hinaus verletzen sich Sportler häufig am Innen- und Aussenband des Kniegelenks. Aber auch an den Gelenken des Ellenbogens, der Hand oder der Schulter treten Bänderrisse auf.

Häufigkeit

In der Schweiz kann von rund 200'000 Sportverletzung ausgegangen werden. Bei jedem Fünften diagnostizieren Sportmediziner eine Bänder- oder Meniskusverletzung.

Zu der häufigsten Diagnose zählt dabei eine Verletzung des Aussenbands am Sprunggelenk. Basketballspieler sind besonders gefährdet. Ihr Risiko für eine Aussenbandverletzung am Sprunggelenk ist bis zu sechsmal höher als bei anderen Sportlern.

Die häufigste Skiverletzung ist der Skidaumen: Bei knapp 70 Prozent aller Skiunfälle reisst das Seitenband des Daumengrundgelenks. Keine andere Wintersportverletzung an der Hand (z.B. Handgelenkbruch) müssen Mediziner so oft operieren wie den Skidaumen.

Sprunggelenk

Der Bänderriss im Sprunggelenk zählt zu der häufigsten Sportverletzung überhaupt. Das Sprunggelenk verbindet den Unterschenkel mit dem Fuss. Es besteht aus zwei Teilen: dem oberen und dem unteren Sprunggelenk.

In den meisten Fällen reisst das Aussenband am oberen Sprunggelenk (sog. Aussenbandriss). Das Aussenband verbindet den Knöchel mit Bausteinen des Fusses, zum Beispiel mit dem Sprungbein und dem Fersenbein. Es ist ein Verbund aus drei kleineren Bändern: dem hinteren, mittleren und vorderen Aussenband.

Ein Bänderriss im oberen Sprunggelenk wird meist durch ein Umknicken des Fusses nach aussen verursacht: Der äussere Fussrand senkt sich dabei zu stark ab. Dies führt in der Folge zu einer Überdehnung der Aussenbänder (sog. Supinationstrauma). Gerade bei Sportarten wie Leichtathletik, Fussball, Volleyball oder Badminton ist das Risiko für einen Bänderriss erhöht. Die vielen ruckartigen und schnellen Bewegungen vergrössern die Gefahr für ein Umknicken mit dem Fuss. Ein stumpfer Hallenboden oder Löcher im Rasen steigern das Risiko zusätzlich. Deshalb ist ein Bänderriss am oberen Sprunggelenk bei diesen Sportarten einer der häufigsten Gründe für eine verletzungsbedingte Sportpause. In vielen Fällen führt ein Supinationstrauma allerdings nicht zu schweren Folgen. Oftmals bleibt nur eine leichte Bänderdehnung zurück.

Natürlich kann es auch unabhängig vom Sport im Alltag zu einem Bänderriss kommen. Beim Gehen über eine Bordsteinkante kann man beispielsweise schnell mit dem Sprunggelenk umknicken und sich einen Bänderriss zuziehen. Frauen, die Schuhe mit hohen Absätzen tragen, sind ebenfalls gefährdeter.

Ein Bänderriss des Innenbands am oberen Sprunggelenk tritt dagegen selten auf. Der Grund: Das Innenband ist ausgesprochen stabil. Zu einem Riss des Innenbands führt ein Umknicken des Fusses nach innen: Der innere Rand des Fusses senkt sich dabei zu stark ab (sog. Pronationstrauma). Die Fussaussenkante hebt sich in einem solchen Fall zu stark, das Innenband reisst ganz oder teilweise. Ein Innenbandriss tritt meist zusammen mit einem Knochenbruch am Sprunggelenk auf (sog. Sprunggelenksfraktur).

Skidaumen

Was der Volksmund als «Skidaumen» bezeichnet, beschreiben Mediziner als einen Bänderriss des Seitenbands am Daumengrundgelenk (sog. ulnare Kollateralbandruptur). Das Daumengrundgelenk verbindet die Handknochen mit dem ersten Knochen des Daumens. Bei einem Skidaumen reisst das Seitenband des Daumengrundgelenks, das auf der Innenseite der Hand liegt (sog. ellenseitiges Seitenband).

Die Bezeichnung Skidaumen verdankt diese Form des Bänderrisses dem Umstand, dass die Verletzung meist als Folge eines Skiunfalls auftritt. Entweder, weil der Skifahrer bei einem Sturz auf den abgespreizten Daumen fällt, oder weil er mit dem Daumen in der Schlaufe eines Skistocks hängen bleibt. In beiden Fällen wird das Seitenband des Daumens überspreizt. Das Band wird überlastet und reisst ganz oder teilweise.

Aber auch Fussballer, Handballer oder Volleyballer können von einem Skidaumen betroffen sein. Bei diesen Ballsportarten kann der Ball den Daumen treffen und ihn überspreizen. Darüber hinaus verletzen sich auch Kampfsportler das Seitenband des Daumgrundgelenks, wenn sie den Daumen beim Karate oder Kung Fu neben – und nicht unter – der Faust halten. Liegt der Daumen bei einem Schlag neben der Faust an, kann der Daumen bei Kontakt mit einem Gegner oder einem Übungsgerät überspreizen.

Ursachen

Ein Bänderriss entsteht meist durch folgende Ursachen:

  • eine unnatürliche Bewegung, wie z.B. ein Umknicken mit dem Fuss oder das Verdrehen des Knies
  • ein Schlag von aussen auf das betroffene Gelenk (sog. Trauma), etwa beim Fussball ein Tritt auf das Sprunggelenk durch einen Gegenspieler

Beide Fälle überlasten das betroffene Band. Die Folge: Das Band wird so stark gedehnt, dass es ganz oder teilweise reisst. Solche und ähnliche Situationen entstehen oft beim Sport. Deswegen zählen Bänderrisse zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt.

Unter den Bandverletzungen belegt der Aussenbandriss im Sprunggelenk den ersten Platz. Bei diesem Bänderriss ist die Ursache in den allermeisten Fällen ein Umknicken des Fusses nach aussen. Der äussere Rand des Fusses wird dabei zu sehr gesenkt. In der Folge wird das Aussenband überdehnt und reisst. Besonders bei Sportarten wie Fussball, Basketball oder Volleyball verletzen sich Sportler häufig am Aussenband. Der Grund: Die vielen, kraftvollen Start-, Stopp- und Drehbewegungen – teilweise auf stumpfem Hallenboden oder auf unebenem Rasen – erhöhen das Risiko für ein Umknicken mit dem Fuss. Beim Fussball kann zudem ein Tritt eines Gegenspielers auf das Sprunggelenk das Aussenband zum Reissen bringen.

Ein Skidaumen, also ein Bänderriss am Daumengrundgelenk, hat unterschiedliche Ursachen. In der Regel entsteht die Verletzung beim Skifahren, wenn der Skifahrer auf den abgespreizten Daumen fällt oder während eines Sturzes mit dem Daumen in der Skistock-Schlaufe hängen bleibt. Ein Skidaumen tritt aber auch bei anderen Sportarten auf. Besonders bei Ballsportarten wie Handball oder Volleyball kann der Ball unglücklich den Daumen treffen und ihn überspreizen. Darüber hinaus kann bei Kampfsportarten eine falsche Haltung des Daumens neben – anstatt unter – der Faust einen Skidaumen verursachen.

Zu einem Kreuzbandriss kann es durch verschiedene «ungünstige» Bewegungen kommen. So kann das vordere Kreuzband reissen, wenn der Sportler den Körper schnell dreht, während der Fuss am Boden fixiert bleibt. Solche Situationen treten zum Beispiel beim Fussball oft auf, entstehen aber auch bei anderen Sportarten. Darüber hinaus ist das Risiko für einen Kreuzbandriss erhöht, wenn das Knie überstreckt wird oder sich der Oberschenkel plötzlich anspannt. Letzteres passiert beispielsweise bei einer Landung mit einem gebeugten Knie beim Skifahren oder Snowboarden.

Symptome

Ein Bänderriss zeigt sich durch verschiedene Symptome.

Reisst das Band teilweise oder ganz, spüren Betroffene einen sehr starken und stechenden Schmerz. Der Schmerz «schiesst» quasi ein, er tritt also sehr plötzlich auf.

Am betroffenen Gelenk bildet sich innerhalb weniger Minuten eine Schwellung. Beispielsweise entwickelt sich bei einem Aussenbandriss am Sprunggelenk ein charakteristisches Ei, also eine rundliche Schwellung am Knöchel.

Bei einer Bandverletzung werden auch Blutgefässe verletzt, die das Bandgewebe versorgen. Austretendes Blut lagert sich im umliegenden Gewebe ein. Innerhalb der nächsten Stunden nach dem Bänderriss kann sich aus diesem Grund ein Bluterguss (Hämatom) unter der Haut entwickeln. Bei einem Bänderriss am Sprunggelenk und am Daumengrundgelenk (sog. Skidaumen) ist das zum Beispiel häufig der Fall. Bei einem Kreuzbandriss bildet sich dagegen kein Bluterguss unter der Haut, da das Blut nicht aus dem Kniegelenk heraustritt.

Bänder tragen zusammen mit der Muskulatur zur Stabilität der Gelenke bei. Dementsprechend kann ein Gelenk durch einen Bänderriss massgeblich an Stabilität verlieren. Beispielsweise kann bei einem Aussenbandriss am Knöchel der Verletzte den Fuss oftmals nur noch teilweise belasten, da die nötige Stabilität fehlt. Ist die Belastung des Gelenks nicht mehr möglich, weist dies in der Regel auf einen vollständigen Aussenbandriss hin. Beim Skidaumen ist das Greifen gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich.

Diagnose

Bei Verdacht auf einen Bänderriss befragt der Arzt zur Diagnose zunächst den Verletzten nach seinen Symptomen. Ausserdem stellt er Fragen zum Unfallhergang. Anhand der Informationen zieht der Arzt erste Rückschlüsse auf die Art und das Ausmass der Verletzung.

Im Anschluss begutachtet er das betroffene Gelenk. So wird er beispielsweise nachprüfen, ob das Gelenk geschwollen ist und sich ein Bluterguss (Hämatom) gebildet hat. Spürt der Betroffene Schmerzen, sobald der Arzt auf das Band drückt (sog. Druckschmerz), weist dies zusätzlich auf einen Bänderriss hin.

Ausserdem umfasst bei einem Bänderriss die Diagnose – neben der Befragung und der ersten Begutachtung des Verletzten – folgende Verfahren:

  • eine Stabilitäts- und Funktionalitätsprüfung des betroffenen Gelenks
  • bildgebende Verfahren (z.B. Röntgen und MRT)

Stabilitäts- und Funktionalitätsprüfung

Bei einem Verdacht auf einen Bänderriss überprüft der Arzt zur Diagnose in der Regel die Stabilität und Funktionalität des betroffenen Gelenks. Denn ein Bänderriss schränkt in der Regel die Stabilität und die Beweglichkeit deutlich ein.

Bei einem Aussenbandriss im Sprunggelenk kippt er zum Beispiel den hinteren Teil des Fusses nach innen. Lässt sich der Fuss auf diese Weise «aufklappen», deutet das auf einen Aussenbandriss hin. Gleiches gilt, wenn sich das Sprungbein gegenüber dem Schienbein über das normale Mass hinaus verschieben lässt (sog. Talusvorschub).

Vermutet der Sportmediziner einen Bänderriss im Daumengrundgelenk (sog. Skidaumen), testet er, ob und inwiefern der Daumen noch funktioniert, beispielsweise mit dem sogenannten Papierstreifenhalte-Test: Der Verletzte versucht bei diesem Test ein Blatt Papier zwischen dem Daumen-Endglied und dem Endglied des Zeigefingers einzuklemmen. Liegt ein Bänderriss vor, kann der Betroffene das Papier aufgrund der fehlenden Stabilität im Gelenk nur mit gebeugtem Daumen zusammenpressen. Ist das Band unverletzt, gelingt ihm die Stabilitätsprüfung auch mit gestrecktem Daumen.

Für Verletzungen am Knie kann der Arzt mithilfe verschiedener Tests feststellen, ob und wenn ja, welche Bänder geschädigt wurden. Bei einem vorderen Kreuzbandriss lässt sich zum Beispiel der Unterschenkel des Sportlers wie eine «Schublade» nach vorne ziehen, während man den Oberschenkel festhält (sog. Lachmann-Test). Dagegen schiebt sich bei einem hinteren Kreuzbandriss der Unterschenkel beim liegenden Verletzten mit angewinkeltem Bein eher nach hinten.

Grundsätzlich gilt für die meisten Funktions- und Stabilitätsprüfungen – insbesondere bei einer akuten Verletzung: Die Aussagekraft ist oftmals begrenzt. Denn die Verletzten spannen die Muskeln wegen der auftretenden Schmerzen stärker an. Die erhöhte Muskelanspannung schränkt die Beweglichkeit des Gelenks ein und verfälscht unter Umständen die Aussagen der Funktionalitäts- und Stabilitätstests. Lassen Begutachtung sowie Stabilitäts- und Funktionalitätsprüfung keine gesicherte Diagnose für einen Bänderriss zu, kann der Arzt bildgebende Verfahren wie etwa ein MRT einsetzen, um die Diagnose zusätzlich abzusichern.

Bildgebende Verfahren

Auf dem Röntgenbild sieht der Arzt zwar keine Bänder. Die Röntgenuntersuchung ist dennoch wichtig, da bestimmte, auf dem Röntgenbild sichtbare Fehlstellungen des betroffenen Gelenks dem Arzt einen indirekten Hinweis auf einen Bänderriss liefern. In erster Linie dient die Röntgenuntersuchung allerdings dazu, Knochenverletzungen wie Brüche oder Knochenabrisse auszuschliessen.

Bei Verdacht auf einen Bänderriss kann der Arzt zur Diagnose eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen lassen. Das MRT bildet die Bänder in Schichten ab. Anhand der Bilder eines MRT kann der Arzt einen Bänderriss klar diagnostizieren. Insbesondere bei einem Verdacht auf einen Kreuzbandriss zählt das MRT zu der zentralen Diagnosemethode. Bei Aussenbandrissen am Sprunggelenk setzen Mediziner das MRT in der Regel nur ein, wenn Symptome und Stabilitätsprüfung keine gesicherte und eindeutige Diagnose zulassen.

Therapie

Bei einem Bänderriss beginnt die Therapie unmittelbar nach der Verletzung mit der Erstbehandlung. Sie folgt der sogenannten PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagern.

Erstmassnahme PECH-Regel

Jede sportliche Aktivität sollte bei einem Verdacht auf einen Bänderriss sofort unterbrochen werden. Ist der Verletzte etwa beim Fussball umgeknickt und hat er Schmerzen im Bereich des Sprunggelenks, sollte er den Fuss nach Möglichkeit vollständig entlasten. Ausserdem empfiehlt es sich, das verletzte Gelenk hochzulagern. Das wirkt möglichen Einblutungen durch verletzte Blutgefässe sowie Schwellungen entgegen. Eine dosierte Kühlung des betroffenen Gelenks hemmt ebenfalls die Schwellung und lindert zudem die Schmerzen. Hierfür eignen sich etwa sogenannte Eis-Lollis oder Cool-Packs. Aber Vorsicht: Das Kühlen sollte gut dosiert erfolgen, da sonst die Gefahr von lokalen Erfrierungen besteht.

Falls möglich, empfiehlt es sich, einen Druckverband um das betroffene Gelenk anzulegen. Die Kompression ist wichtig, weil es nach der Kühlung zu einer gesteigerten Durchblutung kommt: Die erhöhte Durchblutung würde ohne die Kompression des Druckverbandes die Schwellung verstärken. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus Kühlung und Druckverband. Hierfür eignen sich beispielsweise spezielle Kühlmanschetten.

Konservative Behandlung oder Operation

Nachdem der Arzt die Diagnose Bänderriss gestellt hat, stehen ihm für die weitere Therapie zwei Behandlungswege zur Verfügung:

  • Bei der konservativen Therapie werden die betroffenen Bänder durch eine Schiene sowie durch einen Stütz- oder Gipsverband entlastet und geschont.
  • Operation: Der Operateur strafft und näht das verletzte Band oder er ersetzt es durch eine körpereigene Sehne (sog. Bandplastik). Ist das Band an seinem Knochenansatz abgerissen, fixiert er es wieder an der ursprünglichen Stelle.

Das zentrale Ziel der Therapie liegt darin, den Bänderriss auszuheilen und die Stabilität und Belastbarkeit des betroffenen Gelenks wiederherzustellen. Welchen Behandlungsweg der Sportmediziner einschlägt, um die Therapieziele zu erreichen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem davon:

  • welches Gelenk vom Bänderriss betroffen ist
  • ob das betroffene Band teilweise oder vollständig gerissen ist
  • ob auch andere Teile des Gelenks, z.B. Knochen oder Knorpel verletzt wurden

Aussenbandriss am oberen Sprunggelenk

In der Therapie des Aussenbandrisses ist heutzutage die konservative Behandlung das Mittel der Wahl. Zunächst unterstützen Kühlung und Lymphdrainage das Abschwellen des verletzten Gelenks. Eine Stabilitätsschiene (sog. Orthese) entlastet zudem die verletzten Aussenbänder und stellt sie ruhig. Der Verletzte sollte die Stabilitätsschiene nach Möglichkeit rund sechs Wochen ohne Unterbrechung tragen, also auch beim Schlafen. Die Stabilitätsschiene fixiert das Sprunggelenk und verhindert so ein erneutes Umknicken des Fusses. Im Anschluss dienen physiotherapeutische Übungen dem Muskelaufbau und der Stabilisierung des Gelenks.

Eine Operation eines Aussenbandrisses kann insbesondere dann erforderlich sein, wenn zum Beispiel Teile des Knochens oder des Knorpels beschädigt wurden. Das gilt auch für Aussenbandrisse, bei denen das Sprunggelenk ganz oder teilweise ausgerenkt ist (sog. Luxation).

Skidaumen

Bei einem Skidaumen – einem Bänderriss am Daumengrundgelenk – ist die Operation die Behandlungsmethode der Wahl. Der Operateur versorgt das verletzte Band, indem er es näht und eventuell wieder am Knochen fixiert. Kam es etwa durch den Bänderriss zu einem Abriss des Bandes vom Knochen, befestigt der Arzt das Band mit einem Draht oder einer Schraube. Danach stellt ein Gipsverband den Daumen bis zu sechs Wochen ruhig. Die anschliessende Krankengymnastik dient der Mobilisierung des Gelenks und der Kräftigung der Muskulatur.

Ein nicht diagnostizierter oder nicht richtig behandelter und verheilter Skidaumen kann langfristig zu einem schmerzhaften Wackeldaumen führen. Das Gelenk bleibt infolge des Bänderrisses instabil. Auf Dauer besteht die Gefahr einer Arthrose. In einem solchen Fall lässt sich eine Operation oftmals nicht vermeiden. Der Operateur ersetzt dann das gerissene oder zerstörte Band durch eine sogenannte Bandplastik. Hierbei handelt es sich um ein Transplantat, das aus einer entbehrlichen Sehne des Unterarms gewonnen wird.

Kreuzbandriss

Ist das vordere Kreuzband gerissen, besteht die Therapie in der Regel in einer Operation am betroffenen Band. Der Operateur ersetzt dabei das gerissene Band durch ein Sehnentransplantat. Er bringt das Transplantat während einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) im geschädigten oder zerstörten Bereich des Kreuzbands an und befestigt es mit Schrauben oder durch Einpressen an Oberschenkelknochen und Schienbein. Nach der Operation dauert es sechs bis acht Monate, bis der Betroffene das Knie wieder voll belasten darf. In dieser Zeit steigert er mithilfe der Krankgengymnastik zunehmend die Belastung, kräftigt die Muskulatur und trainiert gezielt seine Koordinationsfähigkeit.

Reisst das hintere Kreuzband, kann eine konservative Therapie ausreichen. Der Verletzte erhält in diesem Fall eine spezielle Knieschiene, die er mindestens zwölf Wochen tragen muss. Wird der Kreuzbandriss allerdings erst Monate oder Jahre später erkannt – was aufgrund der oftmals fehlenden Symptome und Beschwerden häufig vorkommt – führt an einer Operation mit dem Einsatz einer Bandplastik kein Weg vorbei.

Verlauf

Bei einem Bänderriss hängt der Verlauf von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist dabei, welches Band von der Ruptur (= Riss) betroffen ist und wie früh die Behandlung beginnt. Bänderrisse, die frühzeitig erkannt und behandelt werden, heilen in der Regel gut aus. Der Betroffene kann nach einer gewissen Zeit das Gelenk wieder voll belasten und die gewohnte sportliche Aktivität ausüben.

Der Heilungsverlauf erfordert allerdings von den Betroffenen oftmals Geduld und Zeit. Bei einem Aussenbandriss im oberen Sprunggelenk dauert es – abhängig von der Schwere der Bandverletzungen – zwischen vier und zwölf Wochen, bis die Stabilität des Gelenks wieder vollständig hergestellt ist. Im Falle eines Skidaumens, also eines Bänderrisses im Daumengrundgelenk, kann der Verletzte nach ungefähr zwölf Wochen den Daumen wieder in gewohnter Weise einsetzen. Eine wesentlich längere Zeit der Genesung erfordert ein Kreuzbandriss. Mindestens sechs bis acht Monate Rehabilitation mit intensiver Physiotherapie sowie gezielten Kräftigungs- und Koordinationsübungen sind bei einer Kreuzbandruptur nötig, bevor der Betroffene wieder Sport treiben darf.

Bei einem Bänderriss ist der Verlauf zudem entscheidend von der Therapiemotivation des Betroffenen abhängig. So kann eine zu frühe und intensive Belastung des verletzten Gelenks aus falschem Ehrgeiz heraus – und gegen den Rat des Arztes – den Heilungsverlauf verzögern oder im Sinne einer Verschlechterung umkehren. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, den Anweisungen des behandelnden Mediziners zu folgen.

Komplikationen

Ein Bänderriss kann trotz guter Behandlung Spuren hinterlassen und zu Komplikationen führen. Ein charakteristisches Beispiel ist der Kreuzbandriss, den Sportmediziner in der Regel operieren: Sie setzen bei der Operation eine Bandersatzplastik ein. Dieser Ersatz kann die ursprünglichen Funktionen zum Grossteil wiederherstellen. Allerdings wird das Knie nicht mehr seine ursprüngliche Stabilität zurückgewinnen, da eine gewisse Instabilität erhalten bleibt. Auch bei einem Skidaumen können trotz angemessener Behandlung leichte Einschränkungen zum Beispiel beim Greifen zurückbleiben. Auch bei einem Aussenbandriss im oberen Sprunggelenk geben 10 bis 20 Prozent der Betroffenen Restbeschwerden an.

Die grösste Gefahr bei einem Bänderriss besteht darin, dass der Betroffene die Verletzung unterschätzt – im schlimmsten Fall sogar weiter Sport treibt und trotz Schwellung und Schmerzen nicht zum Arzt geht. Die Ursache für das mögliche Unterschätzen begründet sich durch den Umstand, dass der akute Schmerz nach einer gewissen Zeit wieder nachlässt. Vollständige Bänderrisse, etwa im Bereich des oberen Sprunggelenks, können nach einigen Tagen sogar gar keine Schmerzen mehr bereiten.

Zudem sind gut trainierte Sportler in der Lage, den Stabilitätsverlust bei einem Kreuzband- oder Aussenbandriss mit ihren Muskeln für eine gewisse Zeit auszugleichen. Langfristig bereitet die Verletzung allerdings Probleme. Abhängig vom betroffenen Gelenk äussert sich der Bänderriss durch bestimmte Folgeerscheinungen:

  • Skidaumen: Ein nicht entdeckter oder nicht ausreichend verheilter Skidaumen führt auf Dauer zu einer schmerzhaften Instabilität. Man spricht auch vom sogenannten Wackeldaumen. Der Wackeldaumen geht mit einer Bewegungseinschränkung einher. Das Greifen, z.B. das Umgreifen eines Balls, ist nur noch eingeschränkt möglich.
  • Aussenbandriss im Sprunggelenk: Es kann sich eine anhaltende Aussenbandinstabilität entwickeln. Der Betroffene knickt immer wieder um, gerade auf unebenen Böden.
  • Kreuzbandriss: Die Betroffenen spüren regelmässig Schmerzen im Knie und der Gang fühlt sich instabil an. Ausserdem kann es im Laufe der Jahre zu Verletzungen an Meniskus und/oder Knorpel kommen.

Eine dauerhafte Bandverletzung kann in den meisten Fällen nur noch operativ behandelt werden. Der Operateur strafft dann das vorhandene Band, sodass es die Stabilisationsfunktionen wieder übernehmen kann. Oder er ersetzt das verletzte Band durch Sehnengewebe, das dem Körper vorher an anderer Stelle entnommen wurde (sog. Bandersatzplastik). Unbehandelt kann eine chronische Bandverletzung zu einem Gelenkverschleiss (Arthrose) führen.

Vorbeugen

Einem Bänderriss können Sie vorbeugen, indem Sie sich fit halten und Ihre Koordinationsfähigkeit regelmässig schulen. Beides ist natürlich keine Garantie dafür, dass durch eine "unglückliche" Bewegung nicht doch einmal ein Band verletzt wird oder gar reisst. Wer allerdings Fitness und Koordination regelmässig trainiert, verringert nicht nur das Risiko für einen Bänderriss, sondern senkt auch die Gefahr für andere Sportverletzungen, wie zum Beispiel das Risiko einer Muskelzerrung oder eines Muskelfaserrisses.

Koordinationsübungen tragen in besonderer Weise dazu bei, einem Bänderriss vorzubeugen. So schulen sportartspezifische Technik- und Gleichgewichtsübungen gezielt die Fähigkeit der Muskulatur, die Gelenke in ihrer Stabilität zu unterstützen. Wer zum Beispiel regelmässig versucht, auf einem Wackelbrett das Gleichgewicht zu halten, trainiert damit effektiv die Koordination der Beinmuskulatur und schützt Knie und Sprunggelenk vor Verletzungen.

Passende Sportschuhe

Neben Fitness und Koordination kann auch ein passender Sportschuh einem Bänderriss vorbeugen. Vermeiden Sie beispielsweise, Sportschuhe mit erhöhten Absätzen zu tragen. Mit solchen Schuhen knickt man leichter um. Mit erhöhten Absätzen sind zum Beispiel viele Laufschuhe ausgestattet. Die Laufschuhe haben höhere Absätze, weil die Hersteller zusätzlich Dämpfungssohlen eingearbeitet haben. Eine besondere Dämpfung benötigen aber nur die wenigsten Läufer.

Gute Sportschuhe können das Risiko für Bandverletzungen verringern.

Basketball-Spieler tragen zudem nicht ohne Grund spezielle Sportschuhe. Sie müssen häufig springen und können beim Landen auf dem harten Hallenboden leichter umknicken. Deshalb sind Basketballschuhe am Schaft über die Knöchel hinweg erhöht. Die Erhöhung stützt die Bänder und vermindert die Gefahr des Umknickens. Aussenbandrisse am Sprunggelenk sollen dadurch vermieden werden.

Für Fussball-Spieler gilt: Sie sollten keine Fussballschuhe tragen, die mit besonders "griffigen" Stollen ausgestattet sind. Solche Stollen können die Gefahr eines Kreuzbandrisses erhöhen. Denn beim Fussball kann ein Kreuzbandriss entstehen, wenn der Fussballer den Körper schnell dreht, während der Fuss am Boden fixiert bleibt. Griffige Stollen verhindern ein "Mitdrehen" des Fusses, was die Kreuzbänder entlasten würde. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Fussballschuhe mit weniger "griffigen" Stollen zu tragen. Solche Schuhe bieten zwar weniger Standfestigkeit, erlauben dem Fuss dafür aber eine gewisse Flexibilität und entlasten dadurch die Bänder.