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Veröffentlicht am 14.01.2021

1. Definition von Bänderriss

Bei einem Bänderriss schwillt der Knöchel an und das Gelenk wird instabil. Damit die Bänder in Ruhe heilen können, erhalten Betroffene meist eine Schiene.

Bänder verbinden die Knochen eines Gelenks miteinander – im Gegensatz zu Sehnen, die Muskeln mit Knochen verbinden. Die Bänder ist stabilisieren zusammen mit der Gelenkkapsel das Gelenk und geben ihm Halt. Das ist ihre wichtigste Aufgabe.

Bänder können entweder durch ungünstige Bewegungen oder Erschütterungen von aussen reissen. Dazu kommt es meist beim Sport. Betroffen sind meist die Bänder

  • im Sprunggelenk,
  • im Daumengrundgelenk («Skidaumen») oder
  • im Kniegelenk (z.B. Innenbandriss, Aussenbandriss, Kreuzbandriss).

Mögliche Ursachen sind

  • Umknicken mit dem Fuss,
  • Verdrehen des Knies oder
  • ein Tritt gegen das Sprunggelenk (z.B. beim Fussball durch einen Gegenspieler).

Je nachdem, wie stark die Bänder beschädigt sind, spricht man von einer Bänderdehnung (Bänderzerrung) oder einem Bänderriss. Bei einem Bänderriss reissen die Fasern eines Bandes ganz oder teilweise, zum Beispiel, wenn das betroffene Gelenk stark verdreht oder geknickt wird. Mediziner sprechen auch von einer Bandruptur (Ruptur = Riss).

Sprunggelenk

Das Sprunggelenk ist das Gelenk zwischen Unterschenkel und Fuss. Eigentlich handelt es sich dabei um zwei Gelenke. Denn zwischen dem unteren Ende der Unterschenkelknochen (Schienbein und Wadenbein) und den Knochen des Fusses befindet sich noch ein kurzer Verbindungsknochen, das sogenannte Sprungbein. Das Gelenk zwischen Wadenbein und Sprungbein nennt man oberes Sprunggelenk, das Gelenk zwischen Sprungbein und Fuss unteres Sprunggelenk.

Knie

Das Knie wird durch vier Bänder stabilisiert: Innenband, Aussenband, vorderes Kreuzband und hinteres Kreuzband. Am häufigsten reisst das Innenband, gefolgt vom Aussenband. Kreuzbandrisse kommen seltener vor, sind aber deutlich schwerwiegender. Wenn, ist meist das vordere Kreuzband betroffen. Der äußerst seltene hintere Kreuzbandriss ist die schwerste Verletzung des Kniegelenks.

Daumen

Von einem Skidaumen spricht man, wenn das ellenseitige Seitenband des Daumengrundgelenks reisst. Das Daumengrundgelenk verbindet die Handknochen mit dem ersten Knochen des Daumens. Bei einem Skidaumen reisst das Seitenband des Daumengrundgelenks, das auf der Innenseite der Hand liegt.

Ein Mann trägt eine Schiene, um das Knie zu stabilisieren.

Bei einem leichteren Bänderriss wird das betroffene Gelenk mit einer Schiene stabilisiert.

Quelle: Getty Images

2. Ursachen von Bänderriss

Bänderriss im Sprunggelenk

Die Sprunggelenke werden durch zahlreiche Bänder stabilisiert. Ein Bänderriss ereignet sich meist an den Aussenbändern des oberen Sprunggelenks. Sie können reissen, wenn der Fuss nach aussen umknickt. Ein Risiko dafür besteht vor allem bei Sportarten, die mit vielen ruckartigen und schnellen Bewegungen verbunden sind, zum Beispiel Fussball, Volleyball oder Basketball.

Ein Bänderriss des Innenbands am oberen Sprunggelenk tritt selten auf. Der Grund: Das Innenband ist ausgesprochen stabil. Zu einem Riss des Innenbands kann es kommen, wenn der Fuss nach innen umknickt: Der innere Rand des Fusses senkt sich dabei zu stark ab (sog. Pronationstrauma). Die Fussaussenkante hebt sich in einem solchen Fall zu stark, das Innenband reisst ganz oder teilweise. Ein Innenbandriss tritt meist zusammen mit einem Knochenbruch am Sprunggelenk auf (sog. Sprunggelenksfraktur).

«Skidaumen»

Die Bezeichnung Skidaumen kommt daher, dass die Verletzung meist als Folge eines Skiunfalls auftritt. Entweder, weil der Skifahrer bei einem Sturz auf den abgespreizten Daumen fällt, oder weil er mit dem Daumen in der Schlaufe eines Skistocks hängen bleibt. In beiden Fällen wird das Seitenband des Daumens überspreizt. Das Band wird überlastet und reisst ganz oder teilweise.

Aber auch Fussballer, Handballer oder Volleyballer können von einem Skidaumen betroffen sein. Bei diesen Ballsportarten kann der Ball den Daumen treffen und ihn überspreizen. Darüber hinaus verletzen sich auch Kampfsportler das Seitenband des Daumgrundgelenks, wenn sie den Daumen beim Karate oder Kung Fu neben – und nicht unter – der Faust halten. Liegt der Daumen bei einem Schlag neben der Faust an, kann er bei Kontakt mit einem Gegner oder einem Übungsgerät überspreizen.

3. Symptome von Bänderriss

Am Sprunggelenk

Bei einem Aussenbandriss am Sprunggelenk entsteht typischerweise eine rundliche Schwellung am Knöchel – ein «Ei». Innerhalb der nächsten Stunden nach dem Bänderriss kann sich auch ein Bluterguss (Hämatom) unter der Haut entwickeln. Das liegt daran, dass bei einem Bänderriss auch Blutgefässe verletzt werden, die das Bandgewebe versorgen. Das austretende Blut lagert sich im umliegenden Gewebe ein.

Spätfolgen

Bei den meisten Betroffenen dauert es nach einem Bänderriss höchstens zwölf Wochen, bis das Gelenk wieder stabil ist. Spätfolgen können jedoch drohen, wenn sie die Verletzung unterschätzen und den Fuss weiter belasten.

Oft lässt der akute Schmerz nach einer gewissen Zeit nach, obwohl die Bänder noch nicht verheilt sind. Vollständige Bänderrisse, etwa im Bereich des oberen Sprunggelenks, können schon nach einigen Tagen sogar gar keine Schmerzen mehr bereiten. Vor allem Athletinnen und Athleten machen daher häufig den Fehler, nicht zum Arzt zu gehen. Im schlimmsten Fall treiben sie sogar weiter Sport.

Die Bänder können dann nicht richtig heilen. Sie werden locker und können ihre stabilisierende Funktion nicht mehr richtig erfüllen. Der Fuß lässt sich nicht mehr wie gewohnt belasten. Die Betroffenen knicken immer wieder um, vor allem auf unebenen Böden. Auch das Gelenk selbst kann dauerhaft Schaden nehmen: Unbehandelt kann eine chronische Bandverletzung zu einem Gelenkverschleiß (Arthrose) führen.

4. Therapie von Bänderriss

Bei Verdacht auf einen Bänderriss beginnt die Behandlung mit der sogenannten PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagern.

  • Pause: Wenn möglich, sollte die oder der Verletzte den betroffenen Körperteil vollständig entlasten.
  • Eis: Die Schwellung und Schmerzen lassen sich durch Kühlen lindern. Aber Vorsicht: Das Kühlpack sollte nicht zu kalt sein, da sonst die Gefahr von lokalen Erfrierungen besteht.
  • Compression: Falls möglich, empfiehlt es sich, einen Druckverband (Compression) um das betroffene Gelenk anzulegen. Die Kompression ist wichtig, weil es nach der Kühlung zu einer gesteigerten Durchblutung kommt: Die erhöhte Durchblutung würde ohne die Kompression des Druckverbandes die Schwellung verstärken. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus Kühlung und Druckverband. Hierfür eignen sich beispielsweise spezielle Kühlmanschetten.
  • Hochlagern: Außerdem empfiehlt es sich, das verletzte Gelenk hochzulagern. Das wirkt möglichen Einblutungen durch verletzte Blutgefässe sowie Schwellungen entgegen.

Das sind aber nur Erste-Hilfe-Maßnahmen. Mit einem Bänderriss sollte man zu einer Orthopädin oder einem Orthopäden gehen. Sie oder er kann beurteilen, welche Massnahmen zur Therapie notwendig sind. Das richtet sich in erster Linie danach,

  • welches Gelenk betroffen ist,
  • ob das Band ganz oder nur teilweise gerissen ist und
  • ob zusätzlich noch weitere Schäden am Gelenk entstanden sind.

Ist das Band nur angerissen, reicht es mitunter, das Gelenk mit einer Schiene etwa sechs Wochen lang ruhigzustellen. Nach einigen Wochen kann die Ärztin oder der Arzt eine Bewegungstherapie verordnen, bei die oder der Verletzte die Schiene zunächst anbehält.  

Wenn das Band komplett gerissen ist, sollte es operiert werden, und zwar innerhalb von zwei bis drei Wochen nach der Verletzung. Vergeht zwischen Riss und OP zu viel Zeit, kann sich das Band so stark verkürzen, dass es sich nicht mehr zusammennähen lässt.

5. Verlauf von Bänderriss

Wie lange es dauert, bis man sich nach einem Bänderriss wieder wie gewohnt bewegen und trainieren kann, hängt davon ab, welches Gelenk betroffen ist: 

  • Bei einem Aussenbandriss im oberen Sprunggelenk dauert es – abhängig von der Schwere der Bandverletzungen – zwischen vier und zwölf Wochen, bis die Stabilität des Gelenks wieder vollständig hergestellt ist.
  • Ein Skidaumen muss mindestens fünf Wochen geschient bleiben. Mit schonenden Beweglichkeitsübungen kann die Patientin oder der Patient aber häufig bereits nach drei Wochen beginnen. Das gilt sowohl, wenn das Band nur teilweise gerissen war und keine Operation notwendig ist, als auch für die Genesung nach einer Operation.
  • Eine wesentlich längere Zeit der Genesung erfordert ein Kreuzbandriss. Hat sich die oder der Verletzte gegen eine Operation entschieden, kann er in der Regel schon nach wenigen Monaten wieder mit leichtem Sport beginnen. Nach einer OP ist leichtes Training erst nach 4 bis 6 Monaten erlaubt. Mit Ball- oder Kampfsportarten sollten die Betroffenen erst nach 9 bis 12 Monaten wieder beginnen.

Ist eine Krankschreibung nötig?

Wann man nach einem Bänderriss wieder arbeitsfähig ist, hängt vom Beruf und vom betroffenen Gelenk ab: Wer einen Skidaumen hat, kann für einige Wochen keine Tätigkeiten ausüben, für die er beide Hände braucht – zum Beispiel Kisten tragen oder Tippen. Mit einem Kreuzbandriss oder Bänderriss im Sprunggelenk kann man Schreibtisch-Aufgaben normalerweise problemlos erledigen. Erfordert der Job aber, dass man gehen, stundenlang stehen oder Autofahren muss, ist es oft notwendig, sich von der Ärztin oder vom Arzt eine Krankschreibung ausstellen zu lassen.