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Veröffentlicht am 26.06.2017

1. Überblick

Eine verkrümmte Wirbelsäule, unterschiedlich lange Beine, verspannte Muskeln – ein Beckenschiefstand kann viele Ursachen haben. Ein leichter Beckenschiefstand fällt meist kaum auf und führt nur selten zu Problemen.

Ist der Beckenschiefstand jedoch stärker ausgeprägt, können verschiedene Symptome wie

die Folge sein.

Ein leichter Beckenschiefstand ist nichts Ungewöhnliches! Viele Menschen in den westlichen Industrienationen weisen einen leichten Beckenschiefstand auf – oft, ohne es zu merken. 

Der Grund: Der Körper kann einen leichten Beckenschiefstand meist problemlos ausgleichen – eine Behandlung ist daher nur relativ selten erforderlich.

Ist der Beckenschiefstand jedoch stärker ausgeprägt, muss sich die Wirbelsäule stark verkrümmen, um diese Fehlhaltung auszugleichen. Experten sprechen dann von einer sogenannten Skoliose. Bei einer Skoliose können auf Dauer vor allem im unteren Rücken Schmerzen auftreten.

Die wenigsten Menschen haben exakt gleich lange Beine. Wer jedoch hinter jedem Beckenschiefstand stets Beinlängendifferenzen vermutet, liegt falsch! Meistens ist ein Beckenschiefstand die Folge muskulärer Verspannungen der Gesässmuskulatur und der unteren Rückenmuskulatur. Das Becken weicht sozusagen in einen Schiefstand aus, um Schmerzen zu vermeiden.

Auch muskuläre Dysbalancen – zum Beispiel wenn eine Körperhälfte wesentlich besser trainiert ist als die andere – können das Becken aus dem Gleichgewicht bringen. Bei einem solchen muskulären Ungleichgewicht kann der Eindruck entstehen, dass das eine Bein länger ist als das andere – obwohl beide tatsächlich gleich lang sind. Experten sprechen dann von einer sogenannten «funktionellen Beinlängendifferenz».

Verschiedene Massnahmen können dabei helfen, einen Beckenschiefstand zu beheben – dazu zählen zum Beispiel

  • Chirotherapie,
  • manuelle Therapie und
  • Physiotherapie (gezieltes Muskeltraining).

Wenn Muskelverspannungen oder muskuläre Dysbalancen der Grund für den Beckenschiefstand sind, können bereits Kraftübungen oder Entspannungsmassnahmen dazu beitragen, die Schieflage zu korrigieren. Ein solches Training kann zum Beispiel aus Übungen bestehen, die die Rückenmuskulatur sowohl dehnen als auch stärken. 

Erst wenn der Arzt eine tatsächliche, reelle Beinlängendifferenz feststellt, können orthopädische Schuheinlagen zur Behandlung sinnvoll sein. Unterscheiden sich die Beinlängen um mehrere Zentimeter, kommt in seltenen Fällen auch eine operative Beinverlängerung oder -verkürzung infrage.

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2. Definition

Das Becken verbindet die Wirbelsäule mit den Beinen – es besteht aus den beiden Hüftbeinen und dem Kreuzbein, die zusammen den Beckengürtel bilden.

Das Becken spielt eine wichtige Rolle für die gesamte Körperhaltung. Normalerweise befindet es sich in einer annähernd waagerechten Position – ein leichter Beckenschiefstand ist nichts Ungewöhnliches und führt nur selten zu Problemen.

Je stärker ein Beckenschiefstand ausgeprägt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Beschwerden entwickeln.

Ein Beckenschiefstand kann verschiedene Ursachen haben: Grundsätzlich unterscheiden Ärzte zwischen einem strukturellen und einem funktionellen Beckenschiefstand.

  • Struktureller Beckenschiefstand: Wenn man sich gerade hinstellt und beide Beine gleich lang sind, befindet sich das Becken in einer waagerechten Position. Ist jedoch ein Bein länger als das andere, kippt das Becken im Stehen zu einer Seite. Sind unterschiedlich lange Beine für den Beckenschiefstand verantwortlich, spricht man von einem strukturellen Beckenschiefstand.
  • Funktioneller Beckenschiefstand: Bei einem funktionellen Beckenschiefstand liegt keine echte Beinlängendifferenz vor. Vor allem muskuläre Verspannungen oder einseitig trainierte Muskeln führen dazu, dass das Becken in Schieflage gerät.

Häufigkeit

Wie viele Menschen unter einem Beckenschiefstand leiden, ist nicht genau bekannt. Schätzungen zufolge sollen etwa zwei von drei Menschen in den westlichen Industrienationen einen Beckenschiefstand aufweisen – klinische Beschwerden treten allerdings nur selten auf.

Besonders häufig kommt ein Beckenschiefstand bei jungen Menschen vor, die sich noch im Wachstum befinden. Der Grund: Die einzelnen Knochen des Menschen wachsen nicht immer im gleichen Tempo. Wächst ein Bein schneller als das andere, stellt sich zumindest kurzfristig ein Beckenschiefstand ein. Im weiteren Wachstumsverlauf gleichen sich die unterschiedlichen Beinlängen meist wieder aus.

3. Ursachen

Zu den Hauptursachen für einen Beckenschiefstand zählen

  • Muskeldysbalancen,
  • verspannte Rückenmuskeln und
  • unterschiedlich lange Beine.

Die linke und rechte Körperhälfte eines Menschen erscheinen nur auf den ersten Blick identisch. Fast jeder Mensch hat eine bevorzugte, besser trainierte Seite. In einem gewissen Masse ist es also normal, dass die Muskeln auf einer Seite besser ausgebildet sind als auf der anderen.

Wer jedoch

  • im Alltag viel und lange sitzen muss,
  • sich in der Freizeit wenig bewegt
  • und beim Sport oder im Alltag vor allem eine Körperseite belastet,

trainiert sein Muskelsystem ungleichmäßig oder nur mangelhaft. Auf Dauer können sich dann sogenannte Muskeldysbalancen entwickeln, die unter Umständen Haltungsschwächen wie beispielsweise einen Beckenschiefstand hervorrufen.

Darüber hinaus können Bewegungsmangel und Fehlhaltungen zu Muskelverspannungen führen. Insbesondere Menschen, die viel oder falsch vor dem Computer oder im Auto sitzen, haben häufig mit verspannten Rückenmuskeln zu kämpfen. Bei Muskelverspannungen ist der Spannungszustand (Tonus) im Muskel erhöht – dadurch verkürzt sich der Muskel und fühlt sich hart an.

Wenn sich die Rücken- und Gesässmuskeln nur auf einer Körperhälfte verspannen und verkürzen, kann dies einen Beckenschiefstand zur Folge haben. Löst sich die Verspannung, kehrt das Becken meist wieder in seine ursprüngliche Position zurück.

Eine weitere Ursache für einen Beckenschiefstand sind Beinlängendifferenzen –  das heisst, ein Bein ist um einige Millimeter oder gar Zentimeter kürzer als das andere. Die wenigsten Menschen haben exakt gleich lange Beine. Da es sich hierbei jedoch meist nur um wenige Millimeter handelt, kann der Körper diese Differenz problemlos korrigieren – ein leichter Beckenschiefstand ist keine Seltenheit und führt nur selten zu Symptomen. 

Je grösser der Längenunterschied ist, desto mehr wirkt er sich auf die Wirbelsäule und das Becken aus. Um den Beckenschiefstand auszugleichen und um Beschwerden zu vermeiden, können spezielle Schuheinlagen helfen.

Eine angeborene Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) kann ebenfalls für einen Beckenschiefstand verantwortlich sein. Demnach ist eine Skoliose nicht immer die Folge eines schiefen Beckens – es kann auch umgekehrt sein.

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4. Symptome

Steht das Becken schief, versucht der Rücken dies auszugleichen. Während ein geringer Beckenschiefstand meist nicht zu Problemen führt, muss sich die Wirbelsäule bei einem grösseren Beckenschiefstand schon stark verkrümmen, um diese Fehlhaltung auszugleichen.

Fachsprachlich nennt man diese seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule Skoliose.

Ein Beckenschiefstand und eine damit verbundene Skoliose verursachen zunächst meist keine Schmerzen – erst mit der Zeit kann es vor allem nach längerem Sitzen oder Stehen im unteren Rücken zu Beschwerden kommen.

Neben den typischen Rückenschmerzen kann ein Beckenschiefstand auch mit

  • Schulterschmerzen,
  • Nackenschmerzen und
  • Kopfschmerzen

einhergehen – manchmal tun auch die Knie- und Fussgelenke weh.

Bei einem stark ausgeprägten Beckenschiefstand muss sich die Wirbelsäule dauerhaft verkrümmen. Dadurch nutzt sie sich verstärkt ab. Dieser vorzeitige Verschleiss führt dazu, dass die mit dem Beckenschiefstand verbundenen Symptome – wie zum Beispiel Rückenschmerzen – mit der Zeit zunehmen.

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5. Diagnose

Um einen Beckenschiefstand festzustellen, bedarf es oft keiner aufwändigen Diagnose. Einen deutlichen Beckenschiefstand kann der Arzt häufig schon durch Abtasten der Beckenknochen und der Wirbelsäule erkennen.

Typischerweise betrachtet der Arzt das Becken von hinten im Stehen und vergleicht die Höhen der äusseren Beckenknochen miteinander.

Um einen möglichen Beckenschiefstand genauer zu beurteilen, kann eine Röntgenuntersuchung in zwei Ebenen folgen – das heisst von vorne und von der Seite. Auf den Röntgenbildern lässt sich häufig schon erkennen, ob unterschiedlich lange Beine für den Beckenschiefstand verantwortlich sind.

Mittels einer sogenannten 3D-Wirbelsäulenmessung kann der Arzt den Beckenschiefstand genau ermitteln. Dabei handelt es sich um ein relativ neues Untersuchungsverfahren, mit dem sich der Körper des Patienten mit Lichtstrahlen vermessen lässt.

Bei diesem Verfahren projiziert der Arzt mit einem Lichtprojektor zunächst mehrere parallele Messlinien auf den Rücken des Patienten. Eine Kamera erfasst den Verlauf der Linien und gibt die Daten an einen Computer weiter, der sie anschliessend verwertet. So ergibt sich auf dem Computer ein genaues dreidimensionales Bild der Wirbelsäule und des Beckens. Weil die 3D-Wirbelsäulenmessung ohne Röntgenstrahlung auskommt, kann der Arzt die Messung beliebig oft wiederholen, was vor allem bei Kindern hilfreich ist.

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6. Therapie

Bei einem minimalen Beckenschiefstand ist oft keine Therapie notwendig, weil der Körper eine leicht schiefe Position des Beckens problemlos ausgleichen kann. Hin und wieder ist jedoch eine Therapie ratsam, zum Beispiel wenn

  • der Beckenschiefstand Beschwerden verursacht oder
  • sich die Wirbelsäule deswegen stark verkrümmt.

Welche Behandlung im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt von der Ursache und dem Ausmass der Fehlstellung sowie dem Alter der Betroffenen ab. Stecken zum Beispiel Muskeldysbalancen oder -verspannungen hinter dem Beckenschiefstand, helfen häufig schon krankengymnastische Übungen.

Wer im Alltag oder im Sport vor allem eine Körperhälfte belastet, trainiert auch seine Muskulatur nur einseitig – dies begünstigt einen Beckenschiefstand. Darüber hinaus führt das dauerhafte Sitzen, am Arbeitsplatz wie auch daheim, zu Rückenschmerzen und Haltungsschäden, was wiederum einen Beckenschiefstand zur Folge haben kann. 

Die gute Nachricht: Mit speziellen Übungen zur Kräftigung Ihres Rückens können Sie Muskeldysbalancen ausgleichen und somit eine aufrechte symmetrische Haltung fördern.

Da ein Beckenschiefstand nicht selten mit Muskelverspannungen einhergeht, können auch Entspannungstechniken Teil der Behandlung sein. Dazu zählen zum Beispiel

  • Yoga,
  • progressive Muskelentspannung und
  • Massagen.

Beinlängendifferenzen

Lässt sich der Beckenschiefstand auf unterschiedliche Beinlängen zurückführen, verordnen Ärzte meist eine Sohlenerhöhung beziehungsweise spezielle Einlagen für die Schuhe.

Beinlängendifferenzen von bis zu einem Zentimeter lassen sich gut mit einer Ferseneinlage ausgleichen – bei einem Unterschied von bis zu drei Zentimetern wird der Arzt zusätzlich den Absatz oder die komplette Schuhsohle erhöhen lassen.

Eine Operation kommt bei einer Beinlängendifferenz und einem daraus resultierenden Beckenschiefstand nur selten infrage – etwa

  • wenn ein Bein mehr als drei Zentimeter kürzer ist als das andere oder
  • wenn aus ästhetischen Gründen eine deutliche Sohlenerhöhung nicht infrage kommt.

Eine operative Beinverlängerung ist eine langwierige Behandlung – je nach Ausmass kann sie mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Bei dieser Methode bohrt der Arzt den Knochen an, sodass eine Art künstliche Wachstumsfuge entsteht. Anschliessend fixiert er das Bein mit einem Gestell, das den Knochen ganz leicht auseinanderzieht. Im Laufe der Zeit wächst der Knochen wie bei einem Kind nach – nur schneller.

7. Verlauf

Bei einem Beckenschiefstand hängt der Verlauf vor allem von der Ursache und von dem Ausmass der Fehlstellung ab – auch das Alter der Betroffenen beeinflusst den Heilungsverlauf.

Bei Kindern und Jugendlichen reguliert sich der Beckenschiefstand meist von selbst. Der Grund: Die Knochen des Menschen wachsen unterschiedlich schnell – daher sind geringe Beinlängendifferenzen in jungen Jahren keine Seltenheit. Oft verschwinden diese aber im Laufe des weiteren Wachstums.

Bei Erwachsenen hängt der Behandlungsverlauf hauptsächlich von der Ursache ab. Steckt eine echte Beinlängendifferenz hinter dem Beckenschiefstand, kommt meist eine Ferseneinlage oder eine Sohlenerhöhung zum Einsatz. Manchmal verursacht jedoch gerade diese Behandlungsmethode zunächst Probleme, da sich der Körper an die ungewohnte Belastung gewöhnen muss.

Im weiteren Verlauf wird der Orthopäde die Einlage daher unter Umständen noch etwas verkleinern beziehungsweise vergrössern.

Sind muskuläre Probleme für den Beckenschiefstand verantwortlich, etwa Verspannungen oder Dysbalancen, lässt sich der Beckenschiefstand in der Regel gut behandeln. Sobald sich die Verspannungen lösen oder die Muskeldysbalancen ausgeglichen werden, kehrt das schiefe Becken wieder in seine ursprüngliche waagerechte Position zurück.

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8. Vorbeugen

Einem Beckenschiefstand können Sie nur bedingt vorbeugen. Vielmehr sollten Sie mit regelmässiger Bewegung Ihren Rücken stärken und so für eine aufrechte Haltung sorgen. Vor allem wenn Sie im Alltag oft und lange vor dem Computer sitzen, ist es wichtig, dass Sie Ihre Muskeln nicht vernachlässigen – sondern trainieren!

Dazu müssen Sie nicht gleich im Fitnessstudio Gewichte stemmen. Oft reicht es schon aus, wenn Sie sich im Alltag etwas mehr bewegen: Nehmen Sie zum Beispiel

  • die Treppe statt des Aufzugs,
  • gehen Sie regelmässig spazieren und
  • fahren Sie häufiger mit dem Fahrrad.

Achten Sie auch darauf, dass Sie im Alltag hin und wieder zur Ruhe kommen. Wenn Sie ständig unter Strom stehen und von einem Termin zum anderen hetzen, kann sich dies nachteilig auf Ihre Gesundheit auswirken. Muskelverspannungen, Rückenschmerzen und ein Beckenschiefstand können die Folgen sein.

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