1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Binge Eating (Binge-Eating-Störung, Binge Eating Disorder)

Von

1. Überblick

Das Binge Eating beziehungsweise die Binge-Eating-Störung (BES oder BED = Binge Eating Disorder) gehört zu der Gruppe der Essstörungen. Die Betroffenen konsumieren dabei innerhalb von kurzer Zeit ungewöhnlich grosse Mengen an Nahrungsmitteln, die häufig sehr kalorienreich sind.

Binge Eating ist ein relativ neuer Krankheitsbegriff: Erst seit 1994 gilt die Binge Eating Disorder als eigenständiges Krankheitsbild. An einer Binge-Eating-Störung erkrankte Personen können nicht kontrollieren, wie viel sie essen oder wann sie mit dem Essen aufhören müssen. Im Gegensatz zur Bulimia nervosa ergreifen die Betroffenen nicht systematisch Massnahmen wie Erbrechen oder exzessives Sporttreiben, um einer möglichen Gewichtszunahme entgegenzuwirken. Personen mit einer Binge Eating Disorder sind deshalb meistens übergewichtig.

Vermutlich sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung von der Binge Eating Disorder betroffen. Bei Übergewichtigen kommt die Binge-Eating-Störung deutlich häufiger vor: Etwa vier bis neun Prozent sind betroffen.

Anders als bei Magersucht oder Bulimiesind auch viele Männer betroffen – sie machen etwa ein Drittel der Erkrankten aus. Die Ursachen für das Binge Eating sind weitgehend unbekannt. Psychische Faktoren tragen aber sehr wahrscheinlich dazu bei, dass eine Binge-Eating-Störung auftritt.

Bei der Therapie der Binge Eating Disorder wirken vor allem verhaltenstherapeutische Ansätze. Medikamente sind dagegen zur Behandlung von Binge Eating nicht zugelassen. Manchmal kommen aber Antidepressiva oder Medikamente, die die Gewichtsabnahme erleichtern, zum Einsatz. Ob dies tatsächlich einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Binge Eating Disorder hat, ist aber bislang nicht geklärt.

Da die Binge-Eating-Störung ein relativ neues Krankheitsbild ist, gibt es bisher wenige Studien dazu, wie sie verläuft. Eine angemessene Behandlung spielt für den Verlauf und die Prognose eine wichtige Rolle – auch um Komplikationen durch Übergewicht zu vermeiden.

2. Definition

Als eigenständiges Krankheitsbild gilt die Binge Eating beziehungsweise die Binge Eating Disorder (Binge-Eating-Störung, BED oder BES) erst seit 1994. Das Wort «binge» bedeutet im Englischen so viel wie «ein Gelage abhalten».

Eine Binge Eating Disorder liegt dann vor, wenn wenigstens an zwei Tagen in der Woche über einen Zeitraum von sechs Monaten Essattacken (Binge Eating) auftreten. Dabei nehmen die Betroffenen innerhalb kurzer Zeit eine ungewöhnlich grosse Nahrungsmenge auf. Sie können nicht kontrollieren, wie viel sie essen oder wann sie mit dem Essen aufhören. Sie essen auch dann, wenn sie nicht hungrig sind, bis ein unangenehmes Völlegefühl einsetzt. Die Essattacken empfinden Personen mit einer Binge Eating Disorder als Belastung.

Da sich die Betroffenen in der Regel für ihre unkontrollierten Essattacken schämen, essen sie bevorzugt allein. Nach dem Essen treten Ekel- und/oder Schuldgefühle auf und es kann zu Depressionen kommen.

Häufigkeit

Zur Häufigkeit der Binge-Eating-Störung gibt es bislang wenige Daten. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung haben eine Binge Eating Disorder; die genaue Zahl ist aber nicht bekannt. Etwa ein Drittel der Betroffenen sind Männer. Anders als bei Magersucht oder Bulimie leiden also auch verhältnismässig viele Männer an einer Binge Eating Disorder. Übergewichtige entwickeln häufiger eine Binge-Eating-Störung: Eine Untersuchung in den USA ergab, dass bei etwa vier bis neun Prozent der Adipösen eine Binge Eating Disorder vorliegt.

3. Ursachen

Für Binge Eating beziehungsweise für die Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder, BES oder BED) sind die genauen Ursachen bisher nicht bekannt. Es scheint mehrere ursächliche Faktoren zu geben – wie auch bei anderen Essstörungen.

Häufig führen Gefühle von Ärger, Frustration, Langeweile oder Depressionen zu einer Binge Eating Disorder und sind damit Ursachen der Essattacken. Experten vermuten, dass der Essvorgang unangenehme Empfindungen auf angenehme Empfindungen umlenkt. Auch sind Menschen mit emotionalen Schwierigkeiten manchmal unfähig, Hunger von unangenehmen Gefühlen zu unterscheiden.

Übergewichtige haben ein höheres Erkrankungsrisiko für die Binge-Eating-Störung als Normalgewichtige. Damit scheint Übergewicht sowohl eine Ursache als auch eine Folge der Binge Eating Disorder zu sein. Für Betroffene ergibt sich daraus ein Teufelskreis. Deshalb ist es wichtig, dass sie ihr Gewicht im Rahmen der Therapie normalisieren.

Häufig gehen eine lang andauernde Unzufriedenheit mit der eigenen Figur und vielfache Diätversuche einem Binge Eating voraus. Auch Modetrends wie der Schlankheitswahn und ein Überfluss an Nahrungsmitteln scheinen Einfluss auf die Binge-Eating-Störung zu haben.

4. Symptome

Regelmässige unkontrollierte Essattacken sind bei Binge Eating beziehungsweise der Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder, BES oder BED) die typischen Symptome. Dabei verschlingen die Betroffenen enorme Nahrungsmengen in relativ kurzer Zeit. Nach dem übermässigen Essen entwickeln sich ausgeprägte Ekelgefühle gegen die eigene Person sowie Schuldgefühle und depressive Verstimmungen .

Übergewichtige haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für die Binge-Eating-Störung als Normalgewichtige. Bei der Binge Eating Disorder nehmen die Betroffenen ausserdem noch weiter zu – ein Teufelskreis entsteht und die Symptome werden also in Form von Übergewicht sichtbar. Das unterscheidet zum Beispiel die Binge Eating Disorder von der Bulimie, bei der Betroffene versuchen, die Essattacken durch Erbrechen, übermässige körperliche Aktivität oder Abführmittelgebrauch zu kompensieren.

Viele Betroffene neigen zu depressiven Verstimmungen oder Depressionen. Binge Eating kann von weiteren Symptomen begleitet sein, zum Beispiel Ängsten, einer erhöhten Leistungsorientierung oder Schlafstörungen.

5. Diagnose

Bei Binge Eating beziehungsweise einer Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder, BES oder BED) ergibt sich die Diagnose durch die ausführliche Erfassung der Krankengeschichte (Anamnese).

Sind folgende Kriterien erfüllt, ist eine Binge Eating Disorder als Diagnose sehr wahrscheinlich:

  • Essanfälle an mindestens zwei Tagen pro Woche
  • hoher Leidensdruck durch die Essanfälle
  • die Betroffenen ergreifen nach den Essattacken keine Massnahmen, die einer Gewichtszunahme vorbeugen

Die Abgrenzung der Binge Eating Disorder zur sogenannten Ess-Brech-Sucht (Bulimie) ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnose. Bei dieser Essstörung treten ebenfalls Essattacken auf. An Bulimie Erkrankte versuchen aber typischerweise, durch drastische Massnahmen zu verhindern, dass die aufgenommene Nahrungsmenge zu einer Gewichtszunahme führt – so zum Beispiel durch:

  • selbst ausgelöstes Erbrechen
  • Fasten
  • übermässige körperliche Anstrengung zum Verbrennen von Kalorien
  • Missbrauch von Abführ- oder Entwässerungsmedikamenten

Weil diese Verhaltensweisen bei der Binge Eating Disorder in der Regel nicht auftreten, kann der Arzt die Diagnose klar zur Bulimie abgrenzen.

6. Therapie

Um Binge Eating beziehungsweise eine Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder, BES oder BED) erfolgreich zu behandeln, verfolgt die Therapie mehrere Ziele: Zum einen sollen Betroffene zu einem normalen Essverhalten finden und ihr Gewicht normalisieren. Zum anderen geht es darum, die zugrunde liegenden psychischen Ursachen zu behandeln. Dies geschieht bei einer Binge Eating Disorder im Rahmen einer Psychotherapie.

Kognitive Verhaltenstherapie

Als die am besten untersuchte Behandlungsform in Bezug auf Binge Eating – auch Binge-Eating-Störung (BES) oder Binge Eating Disorder (BED) genannt – gilt die kognitive Verhaltenstherapie. Die verhaltenstherapeutische Therapie des Binge Eatings ähnelt den Behandlungsstrategien, die für die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) entwickelt wurden. Das Ziel ist dabei, das Essverhalten zu normalisieren und den Essrhythmus zu regulieren. Oft wird dazu ein Tagebuch über die aufgenommene Nahrungsmittel und ihre Menge geführt. Dies hilft, Stimmungen, Gefühle und Gewohnheiten herauszufinden, die zu Essattacken führen können.

Verhaltenstherapeutische Strategien können den Betroffenen mit Binge Eating Disorder helfen, sich wieder besser zu kontrollieren. Sie lernen ausserdem, wie sie Stresssituationen ohne Essattacken bewältigen können.

Medikamentöse Therapie

Manchmal verschreiben Ärzte bei der Binge-Eating-Störung Antidepressiva (sog. selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer). Bei sehr starkem Übergewicht infolge der Binge Eating Disorder kommen manchmal auch Medikamente in Betracht, die Betroffene bei der Gewichtsreduktion unterstützen sollen. Bislang ist aber nicht bewiesen, dass beim Binge Eating eine medikamentöse Therapie sinnvoll ist. Manchmal sind aber Medikamente notwendig, um die Folgeerkrankungen, die durch die Binge Eating Disorder entstehen können, zu behandeln – zum Beispiel Diabetes mellitus oder Bluthochdruck (Hypertonie).

7. Verlauf

Bisher gibt es nur wenige Studien über die Binge Eating Disorder (Binge-Eating-Störung) und ihren Verlauf. Einige Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Binge Eating Disorder bei vielen Betroffenen auch ohne Therapie im Verlauf von selbst legt. Andere Studien gehen dagegen davon aus, dass das Binge Eating ohne Behandlung über Jahre hinweg bestehen bleibt. Es gibt ausserdem Hinweise darauf, dass sich bei Betroffenen Phasen mit Essattacken und symptomfreie Zeiten abwechseln.

Wird die Binge Eating Disorder dagegen behandelt, ist der Verlauf meistens gut. Viele Betroffene können mit der Therapie ihre Essstörung überwinden.

Komplikationen

Die Essattacken im Rahmen der Binge Eating Disorder führen zu sichtbaren Komplikationen: Die Betroffenen nehmen an Gewicht zu, da sie während der Attacken grosse Nahrungsmengen und häufig sehr kalorienreiche Nahrungsmittel zu sich nehmen. Aufgrund des möglichen Übergewichts haben Menschen mit Binge Eating Disorder ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen wie zum Beispiel:

  • Diabetes mellitus
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt oder andere Herzerkrankungen
  • Gallenblasenerkrankungen
  • Gelenkleiden

Psychische Folgen von Binge Eating können beispielsweise Antriebslosigkeit, Depressionen oder soziale Isolation sein.

8. Vorbeugen

Dem Binge Eating beziehungsweise einer Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder) kann man nur bedingt vorbeugen. Den eigenen Körper zu akzeptieren und ein positives Selbstbild helfen allgemein, weniger anfällig für Essstörungen zu sein. Fällt Ihnen bei einem Familienmitglied oder Freund ein unkontrolliertes Essverhalten auf, ist es ratsam, mit der Person darüber zu sprechen und sie zu einer Beratung zu motivieren. Dadurch können Sie möglicherweise die Ausprägung und den Verlauf der Binge-Eating-Störung positiv beeinflussen und Komplikationen vorbeugen.