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Veröffentlicht am 23. April 2021 - 11:11 Uhr

1. Überblick

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) spielt die Früherkennung eine entscheidende Rolle. Je früher er entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Blasenkrebs – auch Blasenkarzinom, Harnblasenkrebs oder Harnblasenkarzinom genannt – macht gemäss Krebsliga Schweiz etwa 3 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Er geht meistens von speziellen Schleimhautzellen aus, die die Harnblase innen auskleiden. Der Tumor tritt gehäuft im höheren Lebensalter auf, bei Männern etwa dreimal häufiger als bei Frauen. Etwa drei Viertel der Erkrankungen werden als oberflächliche Form erkannt – und lassen sich im Rahmen einer Blasenspiegelung (sog. TUR) gut behandeln.

Zigarettenrauchen ist der Hauptrisikofaktor für Blasenkrebs, auch Passivrauchen birgt ein erhöhtes Risiko. Bestimmte chemische Stoffe, zu denen manche Berufsgruppen Kontakt hatten oder haben, begünstigen ebenfalls, dass ein Blasenkarzinom entsteht. Ebenso gelten manche Medikamente als Risikofaktor. In tropischen Regionen (vor allem in Afrika, Asien und Südamerika) ist eine langjährig anhaltende Infektion, die sogenannte Bilharziose, eine mögliche Ursache für Blasenkrebs. Würmer, die in Seen und Flüssen leben, lösen die Infektion aus. Bei Menschen mit einer chronischen Blasenentzündung (Zystitis) ist das Risiko, ein Harnblasenkarzinom zu bekommen, ebenfalls erhöht.

Beim Blasenkrebs spielt die Früherkennung eine entscheidende Rolle. Je früher er entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Sichtbares oder unsichtbares Blut im Urin ist neben häufigem oder schmerzhaftem Wasserlassen das Haupt- und Frühsymptom von Blasenkrebs. Wer eine solche Veränderung bei sich feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen, um die genaue Ursache zu klären. Oft stecken harmlosere Erkrankungen hinter den Beschwerden – dies kann aber nur der Arzt feststellen.

Die wichtigste Untersuchung, um Blasenkrebs bestätigen oder ausschliessen zu können, ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Dabei kann die Ärztin bei Bedarf Gewebeproben entnehmen (Biopsien), die ein Gewebespezialist dann unter dem Mikroskop beurteilt. Er klärt, ob ein Blasentumor vorliegt und stellt die Tumorart fest. Die Röntgendarstellung der Harnwege (Urographie) macht den gesamten Harntrakt sichtbar. Das dabei entstehende Bild heisst Ausscheidungsurogramm. Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie (MRT) helfen dabei, die genaue Ausbreitung des Blasenkarzinoms im Beckenbereich zu beurteilen.

Die Blasenkrebs-Behandlung richtet sich wesentlich nach der Tumorart, dem Ort, dem Stadium und der Ausbreitung des Harnblasenkarzinoms. Oberflächliche Tumoren können über die Harnröhre mittels einer Art Blasenspiegelung (sog. TUR) entfernt werden – bei ihnen bestehen sehr gute Aussichten auf vollständige Heilung. Fortgeschrittene Formen des Harnblasenkarzinoms erfordern meist eine offene Operation, während der die Ärztin die Blase und benachbarte Organe komplett entfernt. Der Eingriff heisst Zystektomie. Auch eine Einzeltherapie oder eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie kann zum Einsatz kommen.

Jeder kann viel dazu beitragen, keinen Harnblasenkrebs zu bekommen: Wer gar nicht erst mit dem Rauchen anfängt oder es aufgibt, senkt nicht nur das Blasenkrebs-Risiko, sondern schützt sich zudem vor einer Reihe weiterer bösartiger Tumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine Frau hält die Hände auf ihren schmerzenden Unterbauch.

Ein Druckgefühl auf der Blase kann ein Anzeichen für Blasenkrebs sein.

Quelle: Getty Images
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2. Definition von Blasenkrebs

Blasenkrebs (Blasenkarzinom) ist ein bösartiger Tumor, der in der Harnblase entsteht – deshalb finden auch die Bezeichnungen Harnblasenkrebs oder Harnblasenkarzinom Verwendung. In der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich Blasenkrebs aus speziellen Schleimhautzellen der Blase, den sogenannten Übergangszellen. In der Fachsprache heissen die Übergangszellen Urothel. Der Krebs heisst dann folglich Übergangszellkarzinom oder Urothelkarzinom. Diese Zellen kleiden die Harnblase von innen aus und bilden gewissermassen die Innenhaut der Blase.

Sehr viel seltener bildet sich das Harnblasenkarzinom aus anderen Zelltypen (z.B. Plattenepithel- oder Drüsenzellen). Es handelt sich dann entsprechend um Plattenepithelkarzinome oder Adenokarzinome (griech. aden = Drüse).

Je nach Tumorwachstum unterscheidet man oberflächlichen und ins Gewebe einwachsenden infiltrierenden (muskelinvasiven) Blasenkrebs. Die einwachsende Form erreicht die unter den Übergangszellen gelegene Muskelschicht der Harnblase und kann sich im weiteren Verlauf auf Nachbarorgane (beim Mann z.B. Prostata, bei der Frau bsp. Gebärmutter) ausbreiten.

Bei 75 Prozent der Erkrankungen, die bei einer Erstuntersuchung festgestellt werden, handelt es sich um relativ gutartige oberflächliche Harnblasenkarzinome. In den restlichen Fällen liegt der Blasenkrebs im fortgeschrittenen Stadium vor, ist also schon mindestens bis in die Muskelschicht eingedrungen.

Häufigkeit

Etwa 3 Prozent aller Krebserkrankungen sind Harnblasenkarzinome – bei Frauen bei Frauen 1.8 und bei Männern 4.7 Prozent. In der Schweiz erkranken pro Jahr etwa 1300 Menschen an Blasenkrebs. Männer sind circa dreimal so oft betroffen wie Frauen. Bei Männern ist Harnblasenkrebs der fünfthäufigste Tumor (nach Lungenkrebs, HautkrebsProstatatumoren und Darmkrebs). Blasenkrebs tritt in der Regel erst im höheren Lebensalter auf (bei Männern im Durchschnitt mit 74, bei Frauen mit 76). In mittlerem oder jungem Erwachsenenalter ist das Blasenkarzinom selten.

3. Ursachen von Blasenkrebs

Blasenkrebs (Blasenkarzinom) entsteht, wenn Zellen der Harnblase entarten. Das Erbgut hat sich bei ihnen auf eine Weise verändert, die sie dazu bringt, nicht mehr normal zu wachsen, sich zu teilen und nach einer gewissen Zeit abzusterben. Stattdessen beginnen die Zellen, sich unkontrolliert zu teilen – und das ohne programmierten Zelltod. Auf diese Weise können entartete Zellen einen Tumor hervorbringen.

Zur Entstehung von Blasenkrebs können Einflüsse beitragen, die Erbgutveränderungen in den Zellen der Harnblase fördern, wie zum Beispiel Rauchen. Für Blasenkrebs sind verschiedene solcher Risikofaktoren bekannt. Manchmal kann sich Blasenkrebs aber scheinbar auch ohne erkennbare Ursachen entwickeln beziehungsweise ohne, dass bei den Betroffenen bekannte Risikofaktoren im Spiel waren.

Rauchen

Zigarettenkonsum ist der grösste Risikofaktor für Blasenkrebs; auch Passivrauchen erhöht das Risiko, daran zu erkranken. Je länger man raucht, desto höher ist das Risiko für ein Harnblasenkarzinom. Experten schätzen, dass etwa jede zweite Blasenkrebs-Erkrankung auf Rauchen zurückzuführen ist.

Berufsrisiken

Bestimmte chemische Substanzen stehen im Verdacht, Blasenkrebs zu verursachen. Darunter auch chemische Stoffe (sog. aromatische Amine), die in der Gummi- oder Anilinindustrie verwendet wurden oder werden, wie etwa Beta-Naphthylamin oder Benzidin. Blasenkrebs wird bei chronischem Kontakt mit diesen und anderen aromatischen Aminen als Berufskrankheit anerkannt.

Strahlung

Eine Strahlentherapie der Blasenregion kann das Risiko für Blasenkrebs erhöhen.

Entzündungen

Eine unbehandelte chronische Harnblasenentzündung über mehrere Jahre hinweg ist ein weiterer Risikofaktor für Blasenkrebs. Entstehen kann sie durch dauerhafte Harnwegsinfektionen, durch einen Dauerkatheter oder Blasensteine. In tropischen Ländern ist eine Blasenentzündung infolge einer Bilharziose einer der wichtigsten Risikofaktoren für das Harnblasenkarzinom.

Medikamente

Bestimmte Medikamente gelten als Risikofaktor für Blasenkrebs, so beispielsweise Krebsmittel, die den Wirkstoff Cyclophosphamid enthalten. Krebspatienten, die solche Medikamente benötigen, erhalten deshalb gleichzeitig blasenschützende Medikamente.

Auch das Diabetesmittel Pioglitazon kann offenbar Blasenkrebs begünstigen. In einigen europäischen Ländern ist der Wirkstoff deshalb nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zugelassen. In der Schweiz wird empfohlen, die Behandlung auf zwei Jahre zu beschränken und bei Anzeichen auf Harnwegsbeschwerden rasch zu reagieren.

Erbliche Einflüsse

In manchen Familien tritt Blasenkrebs gehäuft. Forscher gehen deshalb davon aus, dass auch die Vererbung eine Rolle bei der Entstehung spielen kann. Hatte ein Elternteil Blasenkrebs, erhöht sich dadurch das Erkrankungsrisiko für die Kinder.

4. Symptome von Blasenkrebs

Blasenkrebs-Symptome sind zu Beginn der Erkrankung häufig kaum vorhanden oder uncharakteristisch. Als Hauptsymptom und zugleich oft erstes Anzeichen findet sich bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) Blut im Urin. Der Fachausdruck dafür lautet Hämaturie. Das heisst, der Urin ist rötlich oder bräunlich verfärbt. Schmerzen gehen nicht damit einher.

Auf Blasenkrebs können neben Blut im Urin ausserdem weitere Symptome hinweisen, wie zum Beispiel ein verstärkter Harndrang, bei dem man dann auf der Toilette jedoch kaum oder gar kein Wasser lassen muss. Auch ein Druckgefühl auf der Blase ähnlich wie bei einer Blasenentzündung kann ein Anzeichen für Blasenkrebs sein.

In fortgeschrittenen Stadien können bei Blasenkrebs auch Schmerzen auftreten. Schmerzen entstehen ebenfalls, wenn zum Beispiel der Harnleiter – durch ihn fliesst der Urin von der Niere zur Blase – oder die Harnröhre durch das Blasenkarzinom verlegt sind. Dann können auch die Nierengegend oder der Rücken wegen der gestauten und/oder entzündeten Niere schmerzen.

Hinweis: Die genannten Symptome sind kein sicheres Anzeichen für Blasenkrebs. Solche Beschwerden können bei vielen Erkrankungen im Harnblasen- und Nierensystem vorkommen (z.B. einem Harnwegsinfekt wie einer Blasenentzündung). Um sicherzugehen, was genau dahintersteckt, sollte man solche Symptome jedoch ernstnehmen und von einem Arzt abklären lassen.

5. Diagnose von Blasenkrebs

Besteht aufgrund von Blut im Urin und der Krankengeschichte der Verdacht auf Blasenkrebs (Blasenkarzinom), müssen verschiedene Untersuchungen veranlasst werden, um eine Diagnose zu stellen. Möglicherweise stellt der Arzt auch einige Fragen wie diese:

  • Haben Sie Blut im Urin bemerkt? Wenn ja, seit wann?
  • Haben Sie Schmerzen? Wenn ja, seit wann?
  • Hat sich beim Wasserlassen etwas verändert?
  • Liegen Vorerkrankungen vor (z.B. eine chronische Blasenentzündung oder Nierenerkrankungen)?
  • Bestehen Risikofaktoren für Blasenkrebs (z.B. Rauchen oder beruflicher Kontakt zu bestimmten chemischen Stoffen)?

Im Anschluss nimmt der Arzt gegebenenfalls folgende Untersuchungen vor:

  • Tastuntersuchung von
    • Nierengegend
    • Unterbauch
    • inneren Geschlechtsorganen
  • Ultraschalluntersuchung von
    • unterer Bauchregion
    • Blase
    • Nieren

Mit einem Urin-Teststreifen kann der Arzt feststellen, ob sich (verstecktes) Blut im Urin befindet.

Die wichtigste Untersuchung bei Blasenkrebs ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Unter örtlicher Betäubung (Gleitmittel mit betäubender Wirkung) schiebt der Arzt vorsichtig einen dünnen, weichen und flexiblen Schlauch (Endoskop) durch die Harnröhre bis in die Harnblase vor. Die Untersuchung ist weitgehend schmerzfrei. In manchen Fällen kann sie jedoch auch unangenehm bis leicht schmerzhaft sein. Über in den Schlauch eingebaute optische Instrumente kann der Arzt die Schleimhaut der Harnblase Stück für Stück nach verdächtigen Stellen absuchen und bei Bedarf mit einer kleinen Zange Gewebeproben (Biopsien) entnehmen. Ein Gewebespezialist (Pathologe) untersucht diese Proben dann unter dem Mikroskop. Bei der Blasenspiegelung kann die Ärztin auch die Mündungen der beiden Harnleiter in die Harnblase sehen und erkennen, ob das Blut eventuell aus einem der beiden Harnleiter kommt, also an anderer Stelle oberhalb der Blase eine Blutungsquelle liegt.

Gab es bei den bisherigen Untersuchungen Hinweise auf Blasenkrebs nimmt der Arzt unter Umständen eine transurethrale Resektion (TUR) von Blasengewebe vor. Ähnlich wie bei der Blasenspiegelung führt der Arzt hierbei ein Untersuchungsinstrument über die Harnröhre in die Blase ein, um Gewebe zu entnehmen. Der Betroffene ist dabei ganz oder teilweise in Narkose. Wird dabei ein Blasenkarzinom erkannt, kann es je nach Grösse auch gleich mit entfernt werden.

Eine mikroskopische Untersuchung des Harns auf bösartige Zellen, die sogenannte Urinzytologie, erfolgt dann, wenn die Blasenspiegelung den Verdacht auf eine Vorstufe eines oberflächlichen Tumors ergibt.

Ergibt die Blasenspiegelung den Verdacht auf die Diagnose Blasenkrebs, schliesst sich eine Röntgenuntersuchung der Harnwege mit Kontrastmittel an, die sogenannte Urographie. Das dabei entstehende Röntgenbild heisst Ausscheidungsurogramm und stellt die ableitenden Harnwege (Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre) dar. Zudem kommen in manchen Fällen als ergänzende Untersuchungen Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) zum Einsatz. Sie ermöglichen es, die genaue Ausbreitung des Tumors im Beckenbereich zu beurteilen.

Ist der Blasenkrebs weiter fortgeschritten und bereits in die Muskelschicht der Harnblase oder in benachbarte Organe eingewachsen, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass er Tochtergeschwulste (Blasenkrebs-Metastasen) bildet. Solche Metastasen finden sich dann vor allem in Lunge, Leber oder Skelett (Knochenmetastasen). Entsprechend dienen eine Röntgenuntersuchung der Lungen, eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine sogenannte Skelett- oder Knochenszintigraphie dem Zweck, ebensolche Tochtergeschwulste festzustellen oder auszuschliessen.

Liegt Blasenkrebs vor, wird ein Gewebespezialist mithilfe des Mikroskops untersuchen, aus welchen Zelltyp der Tumor hervorgegangen ist. In der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich Blasenkrebs aus speziellen Schleimhautzellen der Blase, den sogenannten Übergangszellen (auch Urothel genannt). Diese Zellen kleiden die Harnblase von innen aus und bilden gewissermassen die Innenhaut der Blase. Krebs, der aus diesen Zellen entsteht, heisst Übergangszellkarzinom oder Urothelkarzinom.

Sehr viel seltener bildet sich das Blasenkarzinom aus anderen Zelltypen (z.B. Plattenepithel- oder Drüsenzellen). Es handelt sich dann entsprechend um ein Plattenepithelkarzinom oder Adenokarzinom (griech. aden = Drüse).

Je nach Tumorwachstum unterscheidet man zwischen oberflächlichem und ins Gewebe einwachsendem, muskelinvasiven Blasenkrebs. Die einwachsende Form erreicht die unter den Übergangszellen gelegene Muskelschicht der Harnblase und kann sich im weiteren Verlauf auf Nachbarorgane (beim Mann z.B. Prostata, bei der Frau z.B. Gebärmutter) ausbreiten.

Der NMP22-Test soll als Blasenkrebs-Schnelltest mithilfe einer Urinprobe zeigen, ob dort Substanzen vorkommen, die auf Blasenkrebs hindeuten. Die Aussagekraft und Verlässlichkeit des NMP22-Tests jedoch fraglich. Die bisher vorliegenden Studien zur Wirksamkeit reichen nicht aus, um einen Nutzen dieses Schnelltests erkennen zu lassen. Es besteht die Gefahr, damit Blasenkrebs zu übersehen oder fälschlicherweise festzustellen.

6. Therapie von Blasenkrebs

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom, Harnblasenkrebs) hängt die Therapie massgeblich von der Tumorart, dem Sitz, dem Stadium und der Ausbreitung des Tumors ab. Grundsätzlich lässt sich die Behandlung von oberflächlichen und weiter in das Gewebe wachsenden Tumoren (sog. infiltrierend oder invasiv wachsenden Tumoren) unterscheiden.

Oberflächliche Harnblasenkarzinome

Die meisten Blasenkarzinome – etwa 75 Prozent – werden in einem frühen, oberflächlichen Stadium entdeckt. Diese haben meist gute Aussicht auf Heilung. Mediziner unterscheiden an der Schleimhaut der Harnblase (Urothel) zwei Formen der oberflächlichen Tumoren: papillenartige (papilläre) und flächenhafte Neubildungen.

Der Krebs beschränkt sich bei den oberflächlichen Harnblasenkarzinomen auf die innerste Schicht der Blasenwand, er dringt nicht bis zu der unter der Schleimhaut und dem Bindegewebe gelegenen Muskulatur vor, ist also nicht muskelinvasiv. Bei diesem Blasenkrebs-Stadium genügt als Therapie eine relativ kleine, sehr schonende endoskopische Operation, die im Rahmen einer Blasenspiegelung erfolgt: die sogenannte transurethrale Resektion (TUR). Transurethral bedeutet: durch die Harnröhre («trans» = durch, «Urethra» = Harnröhre).

Bei der TUR führt der Urologe ein starres Rohr vorsichtig über die Harnröhre in die Harnblase ein. Durch das dünne Rohr kann er feine Operationsinstrumente wie eine stromführende Schlinge vorschieben. Mit deren Hilfe entfernt die Ärztin auffälliges beziehungsweise erkranktes Gewebe, indem sie den oberflächlichen Tumor schichtweise abträgt. Zudem entnimmt sie Gewebeproben (Biopsien), die ein Pathologe unter anderem daraufhin untersucht, bis in welche Schicht der Tumor vorgedrungen ist.

Bestimmte feingewebliche Befunde machen es nötig, dass in einem etwa ein- bis sechswöchigen Abstand zur ersten TUR ein zweiter Eingriff folgt, bei dem der Urologe erneut Gewebe entnimmt. Dies ermöglicht dem Arzt eventuell, während des ersten Eingriffs nicht entfernte bösartige Bereiche zu entdecken und zu entfernen.

Um zu vermeiden, dass ein Blasenkrebs erneut auftritt, schliesst die Ärztin bei bestimmten Tumoren unmittelbar nach der TUR eine örtliche (sog. topische oder lokale) Chemotherapie an. Über einen Blasenkatheter bringt sie Medikamente in die Harnblase ein, wo diese für kurze Zeit verbleiben. Diese sogenannte Instillationstherapie erfolgt mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Krebsmittel (Zytostatika) wie Doxorubicin, Epirubicin oder Mitomycin. Die Medikamente wirken nur im Inneren der Blase, andere Organe betreffende Nebenwirkungen wie etwa Übelkeit, Erbrechen oder Haarausfall bleiben daher aus.

Eine weitere, ergänzende Möglichkeit besteht in einer Immuntherapie mit dem Impfstoff BCG (Bacillus Calmette-Guérin), der wahrscheinlich die Immunabwehr in der Blase steigert. Im Falle eines sogenannten Carcinoma in situ, das definitionsgemäss nur die oberste Schicht der Schleimhaut betrifft, schliesst sich immer eine solche Immuntherapie an die TUR an, da hier das Rückfallrisiko hoch ist. Sie erfolgt mit etwas Abstand zum ersten Eingriff und wiederholt sich dann wöchentlich für einige Zeit.

Prinzipiell sind regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Arzt (zu Beginn alle drei Monate) nach der Therapie oberflächlicher Blasentumoren sehr wichtig, da diese dazu neigen, erneut aufzutreten (sog. Rezidiv).

Infiltrierende bzw. fortgeschrittene Harnblasenkarzinome

Wenn der Blasenkrebs (Harnblasenkrebs) bereits in die Muskulatur der Blasenwand einwächst, sprechen Mediziner von einem infiltrierenden oder muskelinvasiven Blasenkarzinom. Dann genügt die Behandlung im Rahmen einer Blasenspiegelung (TUR) nicht. Die Standardbehandlung eines auf die Blase begrenzten Tumors stellt die operative Entfernung der Harnblase sowie der Lymphknoten des Beckens dar: die sogenannte radikale Zystektomie.

Beim Mann entfernt der Urologe ausserdem die Vorsteherdrüse (Prostata) sowie die Samenblasen (dabei werden auch die Samenleiter durchtrennt). Der Mann ist nach diesem Eingriff nicht mehr zeugungsfähig. Je nach Operationsverfahren können Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) auftreten, die sich in vielen Fällen mit Medikamenten, einer Vakuumpumpe oder Schwellkörperimplantaten gut behandeln lassen.

Bei der Frau entfernt die Ärztin ausser der Harnblase die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke sowie einen Teil der Scheidenwand. Dies hat körperliche und häufig auch psychische Auswirkungen, da diese Organe für das Selbstverständnis vieler Frauen sehr bedeutsam sind. Nach der Entfernung der Gebärmutter kann die Frau keine Kinder mehr bekommen – aufgrund des eher fortgeschrittenen Alters der Betroffenen ist dieser Aspekt in der Regel weniger entscheidend, wenn man es nur auf die Fortpflanzung bezieht. Darüber hinaus führen die fehlenden Eierstöcke bei jüngeren Patientinnen, die noch nicht in den Wechseljahren (Klimakterium) waren, zu Änderungen im Hormonhaushalt. Sollten Beschwerden und Fragen aufkommen, empfiehlt es sich, diese auch mit einer Frauenärztin zu besprechen.

Blasenersatz und Harnableitung

Die entfernte Harnblase muss ersetzt werden, damit der Urin sich in einer künstlich geschaffenen «Ersatzblase» sammeln kann oder auf direktem Wege abgeleitet wird. Es gibt folgende Möglichkeiten, die sich in sogenannte kontinente und inkontinente Harnableitungen gliedern:

Kontinente («dichte») Harnableitungen

  • Neoblase: Ersatzblase aus Teilen des Dünndarms (Ileum)
  • Pouch: Harnreservoir aus Dünn- oder Dickdarm mit dichter Öffnung zur Bauchdecke (Stoma)
  • Einpflanzung der Harnleiter in den Mastdarm: Harnableitung in den Mastdarm, kontrolliertes Absetzen des Harns über den After

Bei der Ersatzblase (Neoblase) verbindet die Operateurin ein vom restlichen Dünndarm entkoppeltes Stück Darm einerseits mit den beiden Harnleitern und andererseits mit der Harnröhre. Die Harnleiter transportieren normalerweise den Urin von den Nieren in die Blase. Die Harnröhre leitet den Urin beim Mann über den Penis und bei der Frau über die Mündung der Harnröhre im Bereich der Vulva nach aussen. Das so geschaffene innere Darmreservoir ermöglicht ein nahezu natürliches Wasserlassen. In manchen Fällen muss der oder die Betroffene die Darmersatzblase (mehrmals täglich und einmal nachts) über einen Katheter entleeren. Beckenbodengymnastik hilft, die Kontrolle über das Wasserlassen wiederzuerlangen oder zu verbessern und Harnträufeln (eine Inkontinenz) zu vermeiden.

Kommt eine Ersatzblase nicht als Harnreservoir infrage, kann als weitere kontinente Methode die Schaffung eines Pouchs dienen. Hierbei handelt es sich um ein Reservoir, dass der Operateur aus einer «stillgelegten» Schlinge des Dünndarms oder Dickdarms bildet. Er schliesst die Harnleiter an dieses Darmstück an und schafft eine direkte Öffnung zur Bauchdecke, ein sogenanntes Stoma. Das geschaffene Stoma schliesst dicht ab und arbeitet wie ein Ventil, sodass nicht unwillkürlich Urin aus dem Reservoir nach aussen entweichen kann. Mit einem Katheter kann der oder die Betroffene den gespeicherten Urin über das Stoma entleeren.

Die Einpflanzung der Harnleiter in den Mastdarm (letzter Teil des Dickdarms) stellt die dritte Möglichkeit der kontinenten Harnableitung dar. Im Mastdarm mischt sich der Urin mit dem Stuhl und der oder die Betroffene kann ihn willkürlich über den After absetzen (Kontrolle über den Schliessmuskel).

Alle drei Alternativen sind nur dann sinnvoll, wenn die Nieren gut arbeiten, da die lange Kontaktzeit des Urins mit dem Darmgewebe dazu führt, dass bestimmte Stoffe zurück ins Blut gelangen, die die Nieren dann wieder filtern müssen.

Inkontinente Harnableitungen

Harnleiter-Hautfistel: Hierbei näht man die beiden Harnleiter in die Bauchdecke ein und klebt über die Öffnung (Stoma) einen Sammelbeutel (Stomabeutel). Der Urin tröpfelt fortwährend in den Beutel hinein.

Ileum-Conduit: Beim Ileum-Conduit schafft der Chirurg einen künstlichen Harnausgang aus Teilen des Dünndarms, der auch Harnleiterfistel genannt wird. Die Harnleiter enden also in einem kurzen Dünndarmstück (dem Krummdarm, auch Ileum genannt), das wiederum direkt mit der Bauchdecke verbunden ist und dort in eine Öffnung (Stoma) mündet. Auch bei der Harnleiterfistel ist das Stoma inkontinent. Das heisst, es fliesst kontinuierlich Urin über die Öffnung in einen Sammelbeutel, der von außen auf dem Stoma aufklebt.

Strahlentherapie und Chemotherapie

Ist eine radikale Harnblasenentfernung bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom, auch Harnblasenkrebs oder Harnblasenkarzinom genannt) nicht möglich oder lehnen die Betroffenen diese ab, können sie mit einer Strahlentherapie (Radiotherapie) behandelt werden. In der Regel kombiniert der Arzt die Bestrahlung mit einer Chemotherapie (sog. Radiochemotherapie).

Zuvor sollte der Blasentumor möglichst im Zuge einer Blasenspiegelung (TUR) komplett entfernt worden sein. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass die Blase erhalten bleibt. Eine möglichst genaue Planung der Behandlung schont das umliegende, gesunde Gewebe – die Risiken einer Strahlenbehandlung sind gering.

Sollte nach der Behandlung ein Tumorrest verbleiben oder der Blasenkrebs erneut auftreten, kann die Ärztin in Rücksprache mit dem oder der Betroffenen das weitere Vorgehen bestimmen und unter Umständen eine Blasenkrebs-Operation vorschlagen.

Bei fortgeschrittenem Harnblasenkarzinom, das über die Muskelschicht hinausgewachsen ist und in manchen Fällen bereits benachbarte Organe erreicht hat (sog. T3- und T4-Stadium), kann eine auf den gesamten Körper wirkende Chemotherapie angezeigt sein. Zwei Varianten kommen infrage – in beiden Fällen gelangen die Krebsmittel (Zytostatika), die bei der Chemotherapie zum Einsatz kommen, über den Blutstrom (mithilfe einer Infusion) zu den bösartigen Zellen im Gebiet der Blase oder den Organen, wo sich Tochtergeschwulste (Metastasen) befinden, und töten sie ab.

  • Gibt die Ärztin die Medikamente vor der Operation, spricht man von einer neoadjuvanten Chemotherapie. Ihr Ziel ist es, den Tumor zu verkleinern und damit die Operation zu vereinfachen oder überhaupt erst zu ermöglichen.
  • Erfolgt die Therapie nach der Operation, heisst sie adjuvante Chemotherapie. Sie eignet sich bei bestimmten Tumorstadien (Lymphknotenbefall im Becken und/oder Tumorwachstum über die Blasenwand hinaus) und soll helfen, das Risiko für Tochtergeschwulste zu mindern. Die adjuvante Chemotherapie beginnt in der Regel innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Blasenkrebs-Operation.

Sind bereits Fernmetastasen vorhanden (z.B. in KnochenLeber oder Lunge), ist die Chemotherapie oft die einzige Therapiemöglichkeit, um die Überlebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität des Betroffenen zu bessern. Zwar geht eine Chemotherapie mit Nebenwirkungen einher, diese lassen sich aber heutzutage gut beherrschen. Medikamente beziehungsweise Wirkstoffe, die bei der Chemotherapie zur Anwendung kommen, sind unter anderem Cisplatin, Gemcitabin, Paclitaxel, Carboplatin, Methotrexat, Doxorubicin und Epirubicin.

7. Verlauf von Blasenkrebs

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) sind Verlauf und Prognose umso besser, je früher der Tumor erkannt wird. In den meisten Fällen (etwa 75 Prozent) wird Krebs der Harnblase in sehr frühen Stadien (Tumorstadium pTa, T1 oder CIS) entdeckt. Es handelt sich dann laut Definition um oberflächlichen Blasenkrebs, der papillenartig (papillär) oder flach wachsen kann. In den meisten Fällen ist diese Art heilbar.

Entfernt der Arzt den Krebs im Zuge einer speziellen Blasenspiegelung (TUR), so muss der Betroffene im Verlauf der folgenden fünf Jahre in vielen Fällen mit einem erneuten Auftreten des Harnblasenkarzinoms rechnen. Deshalb ist eine regelmässige Nachkontrolle sehr wichtig. Meist lässt sich durch den wiederholten Eingriff das oberflächliche Harnblasenkarzinom langfristig gut therapieren. Eine anschliessende örtliche Chemotherapie oder Immuntherapie (sog. Instillation) senkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Blasenkrebs wieder auftritt, um bis zu 20 Prozent.

Circa jeder vierte Blasenkrebs-Patient weist schon zu Beginn oder im weiteren Verlauf einer oberflächlichen Tumorerkrankung ein Blasenkarzinom in einem höheren Stadium auf. Genau wie bei den Fällen, bei denen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ein infiltrierendes Karzinom festgestellt wurde, muss dann eine komplette Blasenentfernung oder eine kombinierte Strahlenchemotherapie im Anschluss an eine TUR erfolgen.

Tumoren, die infiltrierend wachsen, also bereits die Muskelschicht der Blasenwand erreicht haben, kann die Ärztin in der Regel nicht im Rahmen einer Blasenspiegelung (TUR) behandeln. Hier erfolgt eine offene Operation, bei der die Blase und die bei Mann und Frau unterschiedlichen angrenzenden Organe (wie Prostata oder Gebärmutter) entfernt werden.

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) hängt die Lebenserwartung neben anderen Faktoren vor allem davon ab, welches Krebsstadium vorliegt und davon ob und wie die Erkrankung behandelt wird. Bei fortgeschrittenem, muskelinvasivem Blasenkrebs ist zudem ein ganz entscheidender Faktor, ob das Blasenkarzinom bereits Absiedlungen in Organen wie Leber, Lunge oder Knochen gebildet hat (sog. Fernmetastasen).

Ohne Fernmetastasen und mit Harnblasenentfernung (weil der Tumor muskelinvasiv war) leben nach fünf Jahren nach der Behandlung statistisch gesehen noch etwa acht von zehn Betroffenen. Waren bereits Lymphknoten befallen, ist die Lebenserwartung niedriger: Fünf Jahre nach der Behandlung leben noch etwa zwei von zehn Betroffenen.

Da sich eine Krebserkrankung nicht bei jedem Menschen gleich entwickelt, sind allgemeingültige Aussagen zum weiteren Verlauf von Blasenkrebs und zur Lebenserwartung jedoch kaum möglich.

8. Vorbeugen gegen Blasenkrebs

Blasenkrebs (Blasenkarzinom / Harnblasenkrebs / Harnblasenkarzinom) können Sie indirekt vorbeugen, indem Sie mögliche Risikofaktoren verringern beziehungsweise meiden:

  • Rauchen Sie nicht. Etwa jeder zweite Fall von Blasenkrebs entsteht wahrscheinlich durch Rauchen.
  • Achten Sie darauf, sich bei beruflich bedingtem häufigem Kontakt mit aromatischen Aminen (z.B. Anilin) entsprechend zu schützen.
  • Lassen Sie eine chronische Blasenentzündung behandeln, da sie ein Risikofaktor für ein Blasenkarzinom sein kann.
  • Verzichten Sie in tropischen und subtropischen Ländern auf das Baden in Seen und Flüssen. Auf diese Weise besteht keine Gefahr, sich mit sogenannten Schistosomen, den Erregern der Bilharziose, anzustecken. Besteht diese Erkrankung über viele Jahre und bleibt unbehandelt, steigt das Risiko für Blasenkrebs.

Nach einer Blasenkrebs-Behandlung sollten Sie sich regelmässig, zunächst meist vierteljährlich, ärztlich untersuchen lassen. Dies ist sehr wichtig, da es so möglich ist, ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) oder Komplikationen durch die Harnableitung früh zu erkennen und wirksam zu behandeln.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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