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  4. Blasenkrebs (Harnblasenkrebs, Harnblasenkarzinom, Blasenkarzinom)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Blasenkrebs – auch Blasenkarzinom, Harnblasenkrebs oder Harnblasenkarzinom genannt – macht etwa 3,4 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Er geht fast immer von der Schleimhaut aus, die die Harnblase innen auskleidet. Der Tumor tritt gehäuft im höheren Lebensalter auf, bei Männern etwa dreimal häufiger als bei Frauen. Etwa drei Viertel der Erkrankungen werden als oberflächliche Form erkannt – und lassen sich im Rahmen einer Blasenspiegelung (sog. TUR) gut behandeln.

Zigarettenrauchen ist der Hauptrisikofaktor für Blasenkrebs, aber auch Passivrauchen birgt ein erhöhtes Risiko. Bestimmte chemische Stoffe, zu denen manche Berufsgruppen Kontakt hatten oder haben, begünstigen ebenfalls, dass ein Blasenkarzinom entsteht. Ebenso gelten manche Medikamente als Risikofaktor. In tropischen Regionen (vor allem in Afrika, Asien und Südamerika) ist eine langjährig anhaltende Infektion, die sogenannte Bilharziose, eine mögliche Ursache für Blasenkrebs. Einzeller, die in Seen und Flüssen leben, lösen die Infektion aus. Bei Menschen mit einer chronischen Blasenentzündung (Zystitis) ist das Risiko, ein Harnblasenkarzinom zu bekommen, ebenfalls erhöht.

Beim Blasenkrebs spielt die Früherkennung eine entscheidende Rolle. Je früher er entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Sichtbares oder unsichtbares Blut im Urin ist neben häufigem oder schmerzhaftem Wasserlassen das Haupt- und Frühsymptom von Blasenkrebs. Wer eine solche Veränderung bei sich feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen, um die genaue Ursache zu klären. Oft stecken harmlosere Erkrankungen hinter den Beschwerden – dies kann aber nur der Arzt feststellen.

Die wichtigste Untersuchung, um Blasenkrebs bestätigen oder ausschliessen zu können, ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Dabei kann der Arzt Gewebeproben entnehmen (Biopsien), die ein Gewebespezialist dann unter dem Mikroskop beurteilt. Er klärt, ob ein bösartiger Blasentumor vorliegt, und stellt Tumorart und Tiefe des Tumorwachstums fest. Die Röntgendarstellung der Harnwege (Urographie) macht den gesamten Harntrakt sichtbar. Das dabei entstehende Bild heisst Ausscheidungsurogramm. Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Kernspinuntersuchung (MRT) helfen dabei, festzustellen oder auszuschliessen, ob der Krebs sich schon auf Nachbarorgane oder Lymphknoten ausgebreitet hat, oder ob das Blasenkarzinom Tochtergeschwulste (Metastasen) in entfernt liegende Organe gestreut hat.

Die Blasenkrebs-Behandlung richtet sich wesentlich nach der Tumorart, dem Sitz, dem Stadium und der Ausbreitung des Harnblasenkarzinoms. Oberflächliche Tumoren können über die Harnröhre mittels einer endoskopischen Operation (sog. TUR) entfernt werden – bei ihnen bestehen sehr gute Aussichten auf vollständige Heilung. Fortgeschrittene Formen des Harnblasenkarzinoms erfordern meist eine offene Operation, während der der Arzt die Blase und benachbarte Organe komplett entfernt. Der Eingriff heisst Zystektomie. Auch eine Einzeltherapie oder eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie kommt zum Einsatz.

Jeder kann viel dazu beitragen, keinen Harnblasenkrebs zu bekommen: Wer gar nicht erst mit dem Rauchen anfängt oder es aufgibt, senkt nicht nur das Blasenkrebs-Risiko, sondern schützt sich zudem vor einer Reihe weiterer bösartiger Tumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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2. Definition

Blasenkrebs (Blasenkarzinom) ist ein bösartiger Tumor, der in der Harnblase entsteht – deshalb finden auch die Bezeichnungen Harnblasenkrebs oder Harnblasenkarzinom Verwendung. In der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich Blasenkrebs aus speziellen Schleimhautzellen der Blase, den sogenannten Übergangszellen. In der Fachsprache heissen die Übergangszellen Urothel. Der Krebs heisst folglich Übergangszellkarzinom oder Urothelkarzinom. Diese Zellen kleiden die Harnblase von innen aus und bilden gewissermassen die Innenhaut der Blase.

Sehr viel seltener bildet sich das Harnblasenkarzinom aus anderen Zelltypen (z.B. Plattenepithel- oder Drüsenzellen). Es handelt sich dann entsprechend um Plattenepithelkarzinome oder Adenokarzinome (griech. aden = Drüse).

Je nach Tumorwachstum unterscheidet man oberflächlichen und ins Gewebe einwachsenden infiltrierenden Blasenkrebs. Die einwachsende Form erreicht die unter den Übergangszellen gelegene Muskelschicht der Harnblase und kann sich im weiteren Verlauf auf Nachbarorgane (beim Mann z.B. Prostata, bei der Frau bsp. Gebärmutter) ausbreiten. Bei 75 Prozent der Erkrankungen, die bei einer Erstuntersuchung festgestellt werden, handelt es sich um relativ gutartige oberflächliche Harnblasenkarzinome. In den restlichen Fällen liegt der Blasenkrebs im fortgeschrittenen Stadium vor, ist also schon mindestens bis in die Muskelschicht eingedrungen.

Häufigkeit

Etwa 3,4 Prozent aller bösartigen Tumoren sind Harnblasenkarzinome. In der Schweiz erkranken pro Jahr 1200 Menschen an Blasenkrebs. Männer sind circa dreimal so oft betroffen wie Frauen. Bei Männern ist Harnblasenkrebs der vierthäufigste Tumor (nach Lungenkrebs, Prostatatumoren und Darmkrebs). Blasenkrebs tritt in der Regel erst im höheren Lebensalter auf (meist zwischen dem 73. und 77. Lebensjahr). In mittlerem oder jungem Erwachsenenalter ist das Blasenkarzinom selten.

3. Ursachen

Zahlreiche Faktoren können die Entstehung von Blasenkrebs (Blasenkarzinom; Harnblasenkrebs, Harnblasenkarzinom) begünstigen – Ursachen sind:

Rauchen

Zigarettenkonsum ist der wesentliche Risikofaktor für Blasenkrebs; auch Passivrauchen erhöht das Risiko, daran zu erkranken. Je länger man raucht, desto höher ist das Risiko für ein Harnblasenkarzinom. Experten schätzen, dass 30 bis 70 Prozent aller Fälle von Harnblasenkarzinom auf Rauchen zurückzuführen sind.

Berufsrisiken

Insgesamt sind über 50 verschiedene chemische Substanzen als Auslöser von Blasenkrebs bekannt. Darunter auch chemische Stoffe (sog. aromatische Amine), die in der Gummi- oder Anilinindustrie verwendet wurden oder werden, wie etwa Beta-Naphthylamin oder Benzidin. Blasenkrebs wird bei chronischem Kontakt mit diesen und anderen aromatischen Aminen als Berufskrankheit anerkannt.

Entzündungen

Eine chronische Harnblasenentzündung ist ein weiterer Risikofaktor für Blasenkrebs. Gefördert wird sie durch dauerhafte Harnwegsinfektionen, durch einen Dauerkatheter oder Blasensteine. Als Tumortyp entsteht in der Regel ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom.

In tropischen Ländern ist die Bilharziose (auch Schistosomiasis genannt) einer der wichtigsten Risikofaktoren für das Harnblasenkarzinom. Schistosomen sind Einzeller, die in Wasserschnecken leben. Bei Kontakt mit Wasser, in dem sich die Zwischenwirte (Wasserschnecken) aufhalten, können Schistosomenlarven in den Menschen eindringen. In manchen Landstrichen Afrikas sind nahezu alle Einwohner erkrankt, weil sie in verseuchten Flüssen oder Seen baden oder das verseuchte Wasser als Trinkwasser nutzen. Etwa 300 Millionen Menschen sind weltweit von Bilharziose betroffen. Besteht die Infektion über viele Jahre und erfolgt keine Therapie, tritt nicht selten Blasenkrebs als Spätfolge auf. Es handelt sich dann um Plattenepithelkarzinome. Tourismus verbreitet die Bilharziose auch in Europa. Bei Durchfall, blutigem Stuhl und rotem Harn nach einem Tropenaufenthalt sollte man an diese Erkrankung denken und einen Arzt aufsuchen.

Medikamente

Auch Medikamente mit dem Wirkstoff Cyclophosphamid oder seit 1988 nicht mehr zugelassene Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Phenacetin können ein Blasenkarzinom verursachen.

4. Symptome

Blasenkrebs-Symptome sind zu Beginn der Erkrankung häufig kaum vorhanden oder uncharakteristisch. Dies ist bei vielen bösartigen Tumoren der Fall. Als Hauptsymptom und zugleich oft erstes Anzeichen findet sich bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) Blut im Urin. Der Fachausdruck lautet Hämaturie. Blut im Urin tritt in zwei Formen auf: Ist die Blutbeimengung im Urin mit blossem Auge sichtbar, der Urin also rötlich bis bräunlich verfärbt, handelt es sich um eine sogenannte Makrohämaturie. Braucht der Arzt ein Mikroskop, um die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zu sehen, spricht er von einer Mikrohämaturie.

Die Ursache für beide Formen stellt der blutende Tumor dar. Obwohl Blut im Urin bei vielen Erkrankungen im Harnblasen- und Nierensystem vorkommt (z.B. einem Harnwegsinfekt, etwa einer schmerzhaften Blasenentzündung), muss der Betroffene das Symptom sehr ernst nehmen und durch einen Arzt abklären lassen, was dahinter steckt.

Blasenkrebs kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Blut im Urin (schmerzlos)
  • Veränderungen beim Wasserlassen (z.B. verstärkter Harndrang, gestörtes Wasserlassen, Druck auf der Blase)

Insbesondere wenn Beschwerden ähnlich wie bei einer Harnblasenentzündung hinzukommen (z.B. häufiges oder schmerzhaftes Wasserlassen), könnte dies ein Hinweis auf ein Blasenkarzinom sein. Oft ist es erst der deutlich blutige Urin, der die Betroffenen zum Arzt führt. In diesem Fall hat sich der Krebs mitunter schon ausgebreitet. In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung können auch Schmerzen als Blasenkrebs-Symptome auftreten. Sie entstehen ebenfalls zum Beispiel, wenn ein Harnleiter – durch ihn fliesst der Urin von der Niere zur Blase – oder die Harnröhre durch den Tumor verlegt sind. Dann können auch die Nierengegend oder der Rücken wegen der Stauung oder Entzündung in der betroffenen Niere schmerzen.

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5. Diagnose

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) ergeben sich erste Hinweise auf die Diagnose aus der Krankengeschichte, der ärztlichen Tastuntersuchung der Nierengegend, des Unterbauchs und der inneren Geschlechtsorgane sowie einer Ultraschalluntersuchung der unteren Bauchregion, der Blase und der Nieren.

Fachleute für Harnblasenkrebs sind Urologen. Wichtige Fragen des Urologen könnten im Rahmen der Blasenkrebs-Diagnose sein:

  • Seit wann ist Blut im Urin zu sehen?
  • Bestehen Schmerzen und wenn ja, seit wann?
  • Hat sich beim Wasserlassen etwas verändert?
  • Liegen Vorerkrankungen vor (z.B. eine chronische Blasenentzündung oder Nierenerkrankungen)?
  • Bestehen Risikofaktoren für Blasenkrebs (z.B. Rauchen oder beruflicher Kontakt zu bestimmten chemischen Stoffen)?

Mit einem Urin-Teststreifen lässt sich eine Blutbeimengung bestätigen.

Die wichtigste Untersuchung bei Blasenkrebs ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Unter örtlicher Betäubung (Gleitmittel mit betäubender Wirkung) schiebt der Arzt vorsichtig einen dünnen, weichen und flexiblen Schlauch (Endoskop) durch die Harnröhre in die Harnblase vor. Die Untersuchung ist weitgehend schmerzfrei. Über in den Schlauch eingebaute optische Instrumente kann der Arzt die Schleimhaut der Harnblase Stück für Stück nach verdächtigen Stellen absuchen und bei Bedarf mit einer kleinen Zange Gewebeproben (Biopsien) entnehmen. Ein Gewebespezialist (Pathologe) untersucht diese Proben dann unter dem Mikroskop. Bei der Blasenspiegelung kann der Arzt auch die Mündungen der beiden Harnleiter in die Harnblase sehen und erkennen, ob das Blut eventuell aus einem der beiden Harnleiter kommt, also an anderer Stelle oberhalb der Blase eine Blutungsquelle liegt.

Eine mikroskopische Untersuchung des Harns auf bösartige Zellen, die sogenannte Urinzytologie, erfolgt dann, wenn die Blasenspiegelung den Verdacht auf eine Vorstufe eines oberflächlichen Tumors ergibt. Prinzipiell scheint diese Urinuntersuchung bei Tumoren, deren Zellen wenig Ähnlichkeit mit gesunden Zellen der Harnblase haben (sog. niedrig differenzierten Tumoren) eine höhere Treffsicherheit und Aussagekraft zu haben als bei solchen, deren Zellen dem Ursprungsgewebe stärker ähneln.

Ergibt die Blasenspiegelung den Verdacht auf die Diagnose Blasenkrebs, schliesst sich eine Röntgenuntersuchung der Harnwege mit Kontrastmittel an, die sogenannte Urographie. Das dabei entstehende Röntgenbild heisst Ausscheidungsurogramm und stellt die ableitenden Harnwege wie die Nierenbecken, die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre dar. Zudem kommen in manchen Fällen als ergänzende Untersuchungen Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) zum Einsatz. Sie ermöglichen es, die genaue Ausbreitung des Tumors im Beckenbereich zu beurteilen.

Ist der Blasenkrebs weiter fortgeschritten und bereits in die Muskelschicht der Harnblase oder in benachbarte Organe eingewachsen, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass er Tochtergeschwulste (Blasenkrebs-Metastasen) bildet. Solche Metastasen finden sich dann vor allem in Lunge, Leber oder Skelett (Knochenmetastasen). Entsprechend dienen eine Röntgenuntersuchung der Lungen, eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine sogenannte Skelett- oder Knochenszintigraphie dem Zweck, ebensolche Tochtergeschwulste auszuschliessen.

Eine neue Technik, um ein Harnblasenkarzinom zu erkennen, ist die sogenannte Proteinmuster-Analyse. Diese Methode erfolgt bisher nicht routinemässig. Die Proteinmuster-Analyse basiert darauf, dass sich Krankheiten auf die Konzentrationen bestimmter Eiweisse (Proteine) in Körperflüssigkeiten wie Urin auswirken – häufig lange bevor Symptome auftreten. Für jede Krankheit bildet sich damit ein charakteristisches Proteinmuster (sog. Pattern, engl. pattern = Muster). Ein Vorteil der Proteom-Pattern-Analyse liegt darin, dass sie im Gegensatz zu Bluttests und Biopsien vollkommen schmerzfrei ist und nicht mit Risiken einhergeht. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Proteinmuster-Analyse auch zur Bestimmung des Tumorstatus bei Blasenkrebs geeignet ist. Die Genauigkeit der Unterscheidung zwischen oberflächlichen und das Gewebe infiltrierenden Tumoren ist dabei hoch.

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6. Therapie

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom, Harnblasenkrebs) hängt die Therapie massgeblich von der Art, dem Sitz und dem Stadium des Tumors ab. Grundsätzlich lässt sich die Behandlung von oberflächlichen und weiter in das Gewebe wachsenden Tumoren (sog. infiltrierend oder invasiv wachsenden Tumoren) unterscheiden.

Oberflächliche Harnblasenkarzinome

Die meisten Blasenkarzinome – etwa 70 Prozent – werden in einem sehr frühen, oberflächlichen Stadium entdeckt. Mediziner unterscheiden an der Schleimhaut der Harnblase (Urothel) zwei Formen der oberflächlichen Tumoren: papillenartige (papilläre) und flächenhafte Neubildungen. Entsprechend der international geltenden TNM-Klassifikation ergeben sich daraus folgende Bezeichnungen oder Stadien (wobei das «T» für «Tumorgrösse» steht):

  • Stadium pTa: auf die Schleimhaut begrenztes papilläres Karzinom
  • Stadium pTis oder CIS: sog. Carcinoma in situ (wächst flach und betrifft nur die oberste Schicht der Schleimhaut)
  • Stadium pT1: Tumor breitet sich auf das unterhalb der Schleimhaut gelegene Bindegewebe aus

Der Krebs beschränkt sich bei den oberflächlichen Harnblasenkarzinomen auf die innerste Schicht der Blasenwand, er dringt nicht bis zu der unter der Schleimhaut und dem Bindegewebe gelegenen Muskulatur vor. Bei diesem Blasenkrebs-Stadium genügt als Therapie eine relativ kleine, sehr schonende endoskopische Operation, die im Rahmen einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) in Narkose erfolgt: die sogenannte transurethrale Resektion (TUR). Transurethral bedeutet: durch die Harnröhre («trans» = durch, «Urethra» = Harnröhre).

Bei der TUR führt der Urologe ein starres Rohr vorsichtig über die Harnröhre in die Harnblase ein. Durch das dünne Rohr kann er feine Operationsinstrumente wie eine stromführende Schlinge vorschieben. Mit deren Hilfe entfernt der Arzt auffälliges beziehungsweise erkranktes Gewebe, indem er den oberflächlichen Tumor schichtweise abträgt. Zudem entnimmt er Gewebeproben (Biopsien), die ein Pathologe unter anderem daraufhin untersucht, bis in welche Schicht der Tumor vorgedrungen ist.

Bestimmte feingewebliche Befunde machen es nötig, dass in einem etwa ein- bis sechswöchigen Abstand zur ersten TUR ein zweiter Eingriff folgt, bei dem der Urologe erneut Gewebe entnimmt. Dies ermöglicht dem Arzt eventuell, während des ersten Eingriffs nicht entfernte bösartige Bereiche zu entdecken und zu entfernen.

Um zu vermeiden, dass ein Blasenkrebs erneut auftritt, schliesst der Arzt bei bestimmten Tumoren unmittelbar nach der TUR eine örtliche (sog. topische oder lokale) Chemotherapie an. Über einen Blasenkatheter bringt er Medikamente in die Harnblase ein, wo sie für kurze Zeit verbleiben. Diese sogenannte Instillationstherapie erfolgt mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Krebsmittel (Zytostatika) wie Adriamycin, Epirubicin oder Mitomycin. Die Medikamente wirken nur im Inneren der Blase, andere Organe betreffende Nebenwirkungen wie etwa Übelkeit, Erbrechen oder Haarausfall bleiben daher aus.

Eine weitere Möglichkeit besteht in einer Immuntherapie mit dem Impfstoff BCG (Bacillus Calmette-Guérin), der wahrscheinlich die Immunabwehr in der Blase steigert. Im Falle eines sogenannten Carcinoma in situ, das definitionsgemäss nur die oberste Schicht der Schleimhaut betrifft, schliesst sich immer eine solche Immuntherapie an die TUR an, da hier das Rückfallrisiko hoch ist. Sie erfolgt mit etwas Abstand zum ersten Eingriff und wiederholt sich dann wöchentlich für einige Zeit.

Prinzipiell sind regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Arzt (zu Beginn alle drei Monate) nach der Therapie oberflächlicher Blasentumoren sehr wichtig, da diese dazu neigen, erneut aufzutreten (sog. Rezidiv).

Infiltrierende bzw. fortgeschrittene Harnblasenkarzinome

Wenn der Blasenkrebs (Harnblasenkrebs) bereits in die Muskulatur der Blasenwand einwächst, sprechen Mediziner von einem infiltrierenden oder invasiven Blasenkarzinom. Dann genügt die Behandlung im Rahmen einer Blasenspiegelung (TUR) nicht. Die Standardbehandlung eines auf die Blase begrenzten Tumors stellt die Entfernung der Harnblase sowie der Lymphknoten des Beckens dar: die sogenannte radikale Zystektomie.

Beim Mann entfernt der Urologe ausserdem die Vorsteherdrüse (Prostata) sowie die Samenblasen und durchtrennt die Samenleiter. Der Mann ist nach diesem Eingriff nicht mehr zeugungsfähig. Je nach Operationsverfahren können Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) auftreten, die sich in vielen Fällen mit Medikamenten, einer Vakuumpumpe oder Schwellkörperimplantaten gut behandeln lassen.

Bei der Frau entfernt der Arzt ausser der Harnblase die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke sowie einen Teil der Scheidenwand. Dies hat körperliche und häufig auch psychische Auswirkungen, da diese Organe für das Selbstverständnis vieler Frauen sehr bedeutsam sind. Nach der Entfernung der Gebärmutter kann die Frau keine Kinder mehr bekommen – aufgrund des eher fortgeschrittenen Alters der Betroffenen ist dieser Aspekt in der Regel weniger entscheidend, wenn man es nur auf die Fortpflanzung bezieht. Darüber hinaus führen die fehlenden Eierstöcke bei jüngeren Patientinnen, die noch nicht in den Wechseljahren (Klimakterium) waren, zu kurzfristigen Änderungen im Hormonhaushalt. Sollten Beschwerden und Fragen aufkommen, empfiehlt es sich, diese auch mit einem Frauenarzt zu besprechen.

Blasenersatz und Harnableitung

Die entfernte Harnblase muss ersetzt werden, damit der Urin sich in einer künstlich geschaffenen «Ersatzblase» sammeln kann oder auf direktem Wege abgeleitet wird. Es gibt folgende Möglichkeiten, die sich in sogenannte kontinente und inkontinente Harnableitungen gliedern:

Kontinente («dichte») Harnableitungen

  • Neoblase: Schaffung einer Ersatzblase aus Teilen des Dünndarms (Ileum)
  • Pouch: Harnreservoir aus Dünn- oder Dickdarm mit dichter Öffnung zur Bauchdecke (Stoma)
  • Einpflanzung der Harnleiter in den Mastdarm: Harnableitung in den Mastdarm, kontrolliertes Absetzen des Harns über den After

Bei der Ersatzblase (Neoblase) verbindet der Operateur ein vom restlichen Dünndarm entkoppeltes Stück Darm einerseits mit den beiden Harnleitern und andererseits mit der Harnröhre. Die Harnleiter transportieren normalerweise den Urin von den Nieren in die Blase, die Harnröhre leitet den Urin beim Mann über den Penis und bei der Frau über die Mündung der Harnröhre im Bereich der Vulva nach aussen. Das so geschaffene innere Darmreservoir ermöglicht ein nahezu natürliches Wasserlassen. In manchen Fällen muss der Betroffene die Darmersatzblase (mehrmals täglich und einmal nachts) über einen Katheter entleeren. Beckenbodengymnastik hilft, die Kontrolle über das Wasserlassen wieder zu erlangen oder zu verbessern und Harnträufeln (eine Inkontinenz) zu vermeiden.

Kommt eine Ersatzblase nicht als Harnreservoir infrage, kann als weitere kontinente Methode die Schaffung eines Pouchs dienen. Hierbei handelt es sich um ein Reservoir, dass der Operateur aus einer «stillgelegten» Schlinge des Dünndarms oder Dickdarms bildet. Er schliesst die Harnleiter an dieses Darmstück an und schafft eine direkte Öffnung zur Bauchdecke, ein sogenanntes Stoma. Das geschaffene Stoma schliesst dicht ab und arbeitet wie ein Ventil, sodass nicht unwillkürlich Urin aus dem Reservoir nach aussen entweichen kann. Mit einem Katheter kann der Betroffene den gespeicherten Urin über das Stoma entleeren.

Die Einpflanzung der Harnleiter in den Mastdarm (letzter Teil des Dickdarms) stellt die dritte Möglichkeit der kontinenten Harnableitung dar. Im Mastdarm mischt sich der Urin mit dem Stuhl und der Betroffene kann ihn willkürlich über den After absetzen (Kontrolle über den Schliessmuskel).

Alle drei Alternativen sind nur dann sinnvoll, wenn die Nieren gut arbeiten, da die lange Kontaktzeit des Urins mit dem Darmgewebe dazu führt, dass bestimmte Stoffe zurück ins Blut gelangen, die die Nieren dann wieder filtern müssen.

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Strahlentherapie und Chemotherapie

Ist eine radikale Harnblasenentfernung bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom, auch Harnblasenkrebs, Harnblasenkarzinom genannt) nicht möglich oder lehnen die Betroffenen diese ab, können sie mit einer Strahlentherapie (Radiotherapie) behandelt werden. In der Regel kombiniert der Arzt die Bestrahlung mit einer Chemotherapie (sog. Radiochemotherapie). Zuvor sollte der Blasentumor möglichst im Zuge einer Blasenspiegelung (TUR) komplett entfernt worden sein. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass die Blase erhalten bleibt. Eine möglichst genaue Planung der Behandlung schont das umliegende, gesunde Gewebe – die Risiken einer Strahlenbehandlung sind gering. Sollte nach der Behandlung ein Tumorrest verbleiben oder der Blasenkrebs erneut auftreten, kann der Arzt in Rücksprache mit dem Betroffenen das weitere Vorgehen bestimmen und unter Umständen eine Blasenkrebs-Operation vorschlagen.

Bei fortgeschrittenem Harnblasenkarzinom, das über die Muskelschicht hinaus gewachsen ist und in manchen Fällen bereits benachbarte Organe erreicht hat (sog. T3- und T4-Stadium), kann eine auf den gesamten Körper (systemisch) wirkende Chemotherapie angezeigt sein. Zwei Varianten kommen infrage – in beiden Fällen gelangen die Krebsmittel (Zytostatika), die bei der Chemotherapie zum Einsatz kommen, über den Blutstrom (mithilfe einer Infusion) zu den bösartigen Zellen im Gebiet der Blase oder den Organen, wo sich Tochtergeschwulste (Metastasen) befinden, und töten sie ab.

Gibt der Arzt die Medikamente vor der Operation, spricht er von einer neoadjuvanten Chemotherapie. Ihr Ziel ist es, den Tumor zu verkleinern und damit die Operation zu vereinfachen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Erfolgt die Therapie nach der Operation, heisst sie adjuvante Chemotherapie. Sie eignet sich bei bestimmten Tumorstadien (Lymphknotenbefall im Becken und/oder Tumorwachstum über die Blasenwand hinaus) und soll helfen, das Risiko für Tochtergeschwulste zu mindern. Die adjuvante Chemotherapie beginnt in der Regel innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Blasenkrebs-Operation.

Sind bereits Fernmetastasen vorhanden (z.B. in Knochen, Leber), ist die Chemotherapie oft die einzige Therapiemöglichkeit, um die Überlebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität des Betroffenen zu bessern. Allerdings geht eine Chemotherapie mit Nebenwirkungen einher, die sich aber gut beherrschen lassen. Medikamente beziehungsweise Wirkstoffe, die dabei der Chemotherapie zur Anwendung kommen, sind unter anderem Cisplatin, Gemcitabin, Paclitaxel, Carboplatin, Methotrexat, Adriamycin und Epirubicin.

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Inkontinente Harnableitungen

  • Ileum-Conduit: Schaffung eines künstlichen Harnausgangs aus Teilen des Dünndarms (Ileum), sog. Harnleiterfistel

Eine Harnleiterfistel ist folgendermassen aufgebaut: Die Harnleiter enden in einem kurzen Dünndarmstück (dem Krummdarm, auch Ileum genannt), das wiederum direkt mit der Bauchdecke verbunden ist und dort über eine undichte Öffnung (Stoma) mündet. Auf diesem Stoma klebt von aussen auf dem Körper ein Sammelbeutel, in den der Urin direkt hineinläuft.

7. Verlauf

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) sind Verlauf und Prognose umso besser, je früher der Tumor erkannt wird. In den meisten Fällen (etwa 75 Prozent) wird Krebs der Harnblase in sehr frühen Stadien (Tumorstadium pTa, T1 oder CIS) entdeckt. Es handelt sich dann laut Definition um oberflächlichen Blasenkrebs, der papillenartig (papillär) oder flach wachsen kann. In den meisten Fällen ist diese Art heilbar. Entfernt der Arzt den Krebs im Zuge einer speziellen Blasenspiegelung (TUR), so muss der Betroffene im Verlauf der folgenden fünf Jahre in vielen Fällen (50 bis 70 Prozent) mit einem erneuten Auftreten des Harnblasenkarzinoms rechnen. Deshalb ist eine regelmässige Nachkontrolle sehr wichtig. Meist lässt sich durch den wiederholten Eingriff das oberflächliche Harnblasenkarzinom langfristig gut therapieren.

Eine anschliessende örtliche Chemotherapie oder Immuntherapie (sog. Instillation) senkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Blasenkrebs wieder auftritt, um bis zu 20 Prozent. Circa jeder vierte Blasenkrebs-Patient weist schon zu Beginn oder im weiteren Verlauf einer oberflächlichen Tumorerkrankung ein Blasenkarzinom mit höherem Stadium auf. Genau wie bei den Fällen, bei denen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ein infiltrierendes Karzinom festgestellt wurde, muss dann eine komplette Blasenentfernung oder eine kombinierte Strahlenchemotherapie im Anschluss an eine TUR erfolgen.

Die Lebenserwartung bei Harnblasenkrebs hängt vom Stadium, der Therapie sowie weiteren Faktoren ab. Tumoren, die infiltrierend wachsen, also bereits die Muskelschicht der Blasenwand erreicht haben, kann der Arzt in der Regel nicht im Rahmen einer Blasenspiegelung (TUR) behandeln. Hier erfolgt eine offene Operation, bei der die Blase und die bei Mann und Frau unterschiedlichen angrenzenden Organe (wie Prostata oder Gebärmutter) entfernt werden. Der Eingriff heisst Zystektomie.

Die Prognose der fortgeschrittenen Stadien des Blasenkrebses hängt von vielen Faktoren ab. Ein ganz entscheidender davon ist, ob der Krebs bereits Absiedlungen in Organe wie Leber, Lunge oder Knochen gebildet hat (sog. Fernmetastasen). Da sich eine Krebserkrankung nicht bei jedem Menschen gleich entwickelt, sind allgemeingültige Aussagen zum weiteren Verlauf schwer zu treffen.

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8. Vorbeugen

Blasenkrebs (Blasenkarzinom oder Harnblasenkrebs, Harnblasenkarzinom) können Sie vorbeugen, indem Sie die Risikofaktoren verringern beziehungsweise meiden. Verzichten Sie auf das Rauchen und achten Sie darauf, sich bei beruflichem Kontakt mit aromatischen Aminen (z.B. Anilin, Naphthalin) entsprechend zu schützen. Auch bestimmte Medikamente (Wirkstoffe wie Phenacetin oder Cyclophosphamid) erhöhen das Risiko für ein Harnblasenkarzinom.

In tropischen und subtropischen Ländern sollten Sie das Baden in Seen und Flüssen meiden, um sich nicht mit sogenannten Schistosomen, den Erregern der Bilharziose, anzustecken. Besteht diese Erkrankung über viele Jahre und wird sie nicht behandelt, steigt das Risiko für Harnblasenkrebs. Eine chronische Blasenentzündung sollte möglichst wirksam therapiert werden, da auch sie ein Risikofaktor für Blasenkrebs sein kann.

Nach einer Blasenkrebs-Behandlung sollten Sie sich regelmässig, zunächst vierteljährlich, ärztlich untersuchen lassen. Dies ist sehr wichtig, da es so möglich ist, ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) oder Komplikationen durch die Harnableitung früh zu erkennen und wirksam zu behandeln.

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