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Veröffentlicht am 17.05.2019

1. Überblick

Eine Blinddarmentzündung äussert sich meist durch Schmerzen im linken Unterbauch, Übelkeit oder Erbrechen. Sie sollte möglichst schnell behandelt werden.

Der Blinddarm ist das sackförmige Anfangsstück des Dickdarms. Kommt es zu einer Blinddarmentzündung (Appendizitis), entzündet sich aber nicht der Blinddarm selbst, sondern sein Anhängsel, der Wurmfortsatz. Obwohl man umgangssprachlich von einer Blinddarmentzündung spricht, ist dies so also nicht ganz korrekt. Die Blinddarmentzündung ist eine sehr häufige Erkrankung – oft sind jüngere Menschen davon betroffen.

Eine Blinddarmentzündung wird meistens durch eine Verstopfung des Wurmfortsatzes verursacht. Symptome, die bei einer Appendizitis auftreten, sind besonders starke Schmerzen im Unterbauch und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit weiteren Anzeichen wie Übelkeit und Erbrechen.

Anhand der Symptome und charakteristischer Druck- und Schmerzpunkte kann der Arzt in der körperlichen Untersuchung häufig schon vermuten, ob es sich um eine Blinddarmentzündung handelt. Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann bei der Diagnose helfen, im Zweifelsfall erfolgt bei einer Blinddarmentzündung aber eine Bauchspiegelung. Sie kann die Entzündung eindeutig bestätigen und der Arzt kann über denselben Zugang sofort operieren.

Besteht eine Blinddarmentzündung, ist meist eine rasche Therapie erforderlich, um Komplikationen und das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern. Die Therapie besteht in erster Linie in der operativen Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes.

Die Prognose ist in der Regel gut, aber auch davon abhängig, wie schnell die Erkrankung erkannt wird und wie weit sie bei Beginn der Therapie fortgeschritten ist. Der Grossteil der Erkrankten erholt sich vollständig.

Einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) kann man nicht generell vorbeugen. Bei Verdacht auf diese Entzündung sollte man rasch handeln und den Arzt aufsuchen.

Ein Mann fasst sich an die schmerzende rechte Bauchseite.

Bei einer Blinddarmentzündung merkt man zuerst Schmerzen beim Bauchnabel, die dann in den rechten Unterbauch wandern.

Quelle: Getty Images

2. Definition von Blinddarmentzündung

Unter einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) versteht man die (meist bakterielle) Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms. Dieses Anhängsel wird im Lateinischen auch als Appendix vermiformis bezeichnet. Die volkstümliche Bezeichnung Blinddarmentzündung ist daher nicht korrekt, hat sich aber eingebürgert.

Der Blinddarm ist der sackförmige Anfangsteil des Dickdarms, der neben der Einmündung des Dünndarms liegt. An seinem unteren Ende befindet sich ein etwa sieben Zentimeter langer und sieben Millimeter dicker Wurmfortsatz. Dieser ist bei einer Appendizitis entzündet.

Die Lage des Wurmfortsatzes ist sehr variabel. Er kann gemeinsam mit dem Blinddarm verlagert sein, wie es bei Schwangeren oft der Fall ist. Er kann ebenso über, vor oder hinter dem Blinddarm liegen oder sogar am Dünndarm fixiert sein.

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Häufigkeit

Die Blinddarmentzündung ist die häufigste Ursache für plötzlich auftretende, heftige Bauchschmerzen. Besonders ältere Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren sind besonders häufig von einer Appendizitis betroffen. Kleinkinder und alte Menschen erkranken hingegen selten.

3. Ursachen von Blinddarmentzündung

In der Regel ist eine Verstopfung des Wurmfortsatzes Ursache der Appendizitis (Blinddarmentzündung). Wenn der Appendix zum Beispiel abknickt oder harte Kotreste oder Fremdkörper seine Öffnung verschließen, kann der Inhalt nicht entweichen. Dadurch baut sich im Inneren Druck auf und die Durchblutung wird gestört. Beides begünstigt, dass Bakterien ins Gewebe eindringen und sich dort vermehren. So kommt es zur Infektion.

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4. Symptome von Blinddarmentzündung

Bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) zeigen sich meist Symptome wie:

Die Schmerzen treten zunächst in der Umgebung des Bauchnabels auf. Viele Betroffene beschreiben sie als dumpf oder diffus und können sie nicht genau orten. Die Schmerzen verlagern sich jedoch innerhalb von acht bis zwölf Stunden in den rechten Unterbauch.

Da die Lage des Wurmfortsatzes von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, können die Schmerzen aber auch in einer anderen Bauchregion auftreten. Bei manchen Menschen liegt der Appendix über, vor oder hinter dem Blinddarm, bei einigen ist er fest am Dünndarm verankert. Bei Schwangeren wird der ganze Darm von seiner üblichen Position verdrängt, wodurch sich auch der Wurmfortsatz verlagert.

Beim Laufen oder Hüpfen entstehen Erschütterungsschmerzen. Daher kommt es zu einem typischen Schonhinken und Beugen des rechten Beins.

Bei Kindern oder Personen höheren Alters sind die Anzeichen oft nicht so eindeutig. Die Beschwerden fallen bei ihnen häufig schwächer aus. Bei Kindern ist es ausserdem oft schwieriger, den Ort der Schmerzen einzugrenzen.

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5. Diagnose von Blinddarmentzündung

Um bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) die Diagnose zu sichern, befragt der Arzt den Erkrankten zunächst zu seinen Beschwerden (Anamnese).

In der anschliessenden körperlichen Untersuchung zeigt sich eine Blinddarmentzündung oft durch charakteristische Druck- und Schmerzpunkte, die in Einzelfällen aber auch fehlen können. Je jünger der Betroffene ist, desto untypischer sind die Symptome.

Personen mit einer Appendizitis weisen meist einen Temperaturunterschied von mehr als einem Grad zwischen der Achselhöhle und dem Enddarm auf, wobei die Temperatur im Enddarm höher ist. Zudem ist die Anzahl der weissen Blutkörperchen im Blut leicht vermehrt (Leukozytose). Darüber hinaus ist hier die Konzentration eines bestimmten Eiweisses (sog. C-reaktives Protein bzw. CRP), welches Entzündungen im Körper anzeigt, erhöht.

Heutzutage hat die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) bei der Blinddarmentzündung-Diagnose an Bedeutung gewonnen. Ein gesunder, nicht entzündeter Wurmfortsatz (Appendix) ist im Ultraschall nicht erkennbar, während der entzündete Appendix im Querschnitt als schiessscheibenartig gestreifte Struktur sichtbar sein kann. Auch eine Computertomographie (CT) kann Hinweise auf eine Entzündung geben. Sie ist in der Regel aber nicht aussagekräftiger als der Ultraschall und wird eher selten durchgeführt, zumal sie mit hoher Strahlenbelastung einhergeht.

Im Zweifelsfall erfolgt bei einer Blinddarmentzündung eine eindeutige Diagnose durch eine Bauchspiegelung. Bestätigt sie die Entzündung, kann die Ärztin über diesen Zugang auch sofort operieren.

Schmerzprovokation

Erste Hinweise auf eine Blinddarmentzündung erhält der Arzt oft durch eine bewusste Schmerzprovokation. Die Lage des Blinddarms sowie des Wurmfortsatzes lässt sich anhand von Verbindungslinien zwischen Bauchnabel und dem rechten Darmbeinvorsprung des Beckenknochens (Spina iliaca anterior superior) abschätzen. Der Blinddarm liegt etwa auf der Mitte dieser Linien – dem so genannten McBurney-Punkt – und ist bei einer Blinddarmentzündung druckschmerzhaft.

Der Lanz-Punkt zeigt die direkte Lage des Wurmfortsatzes an und liegt zwischen äusserem und mittlerem Drittel der Verbindungslinie zwischen dem rechten und linken Darmbeinvorsprung. Auch hier führt eine Schmerzprovokation durch Klopfen oder Drücken bei einer Blinddarmentzündung zu Schmerzen.

Darüber hinaus können weitere Tests bei einer Blinddarmentzündung die Diagnose sichern:

  • Blumberg-Zeichen/Loslass-Schmerz: Schmerzen im Bereich des Wurmfortsatzes, nachdem auf der Gegenseite die Bauchdecke eingedrückt und losgelassen wurde.
  • Rovsing-Zeichen: Schmerzen im Bereich des Dickdarms, wenn man den Dickdarm entgegen dem Uhrzeigersinn in Richtung Blinddarm ausstreicht.
  • Douglas-Schmerz:: Schmerzen bei rektaler Untersuchung; sie sind ein Hinweis auf eine Verlagerung des Wurmfortsatzes ins kleine Becken beziehungsweise auf eine Reizung des Bauchfells (peritoneale Reizung)
  • Psoas-Schmerz: Schmerzen im rechten Unterbauch beim Anheben des gestreckten Beins.


Bei Frauen müssen stets gynäkologische Erkrankungen wie eine Eileiterentzündung oder eine Eileiterschwangerschaft sowie eine reguläre Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

6. Therapie von Blinddarmentzündung

Bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) ist meist eine rasche Therapie erforderlich, um Komplikationen zu verhindern. Bei Verdacht auf eine leichte Form der Appendizitis (sog. appendizitische Reizung oder Appendikopathie) kann die Betroffene den Darm entlasten, indem sie

  • wenig isst (Tee, Zwieback),
  • Bettruhe hält und
  • den Unterbauch kühlt.

Oft bessern sich die Beschwerden dadurch, sodass kein Spitalaufenthalt nötig ist.

Besteht der Verdacht auf eine ausgeprägte Appendizitis, bleibt der Betroffene zunächst zur Beobachtung im Spital. Er darf in dieser Zeit nichts essen, da dies bei einer Vollnarkose zu Komplikationen führen kann und der Darm möglichst wenig arbeiten soll. Erhärtet sich die Vermutung einer Blinddarmentzündung, ist die Therapie der Wahl die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes. Je früher die Ärztin die Operation (Appendektomie) durchführt, umso wahrscheinlicher kann sie Komplikationen vermeiden.

Die sogenannte offene Operation mit Bauchschnitt (Laparatomie) wird immer häufiger von der minimal invasiven Operationsmethode abgelöst. Minimal invasiv bedeutet, dass der Arzt den Bauch mithilfe eines speziellen Geräts, dem Endoskop, einsieht. Dieser Eingriff wird auch Laparoskopie genannt. Dabei führt der Chirurg die Operationsinstrumente durch drei winzige Schnitte in der Bauchdecke ein, man spricht deshalb auch von Schlüssellochchirurgie.

Die Laparoskopie bietet den Vorteil, dass sie bei einer Blinddarmentzündung nicht nur zur Therapie, sondern auch zur Diagnose eingesetzt werden kann. Bei unklaren Fällen hilft sie den Verdacht zu bestätigen. Anschliessend kann der Arzt den entzündeten Wurmfortsatz direkt entfernen.

 

Wenn der Eingriff rechtzeitig und ohne Komplikationen stattgefunden hat, kann die Patientin das Krankenhaus in der Regel nach zwei bis drei Tagen wieder verlassen. Nach einem Durchbruch des Wurmfortsatzes ist eine längere Nachbehandlung mit Antibiotika nötig. In diesem Fall muss der Patient eine Woche oder länger im Krankenhaus bleiben.

 

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7. Verlauf von Blinddarmentzündung

Unbehandelt kommt es im Verlauf der Appendizitis meist zu gefährlichen Folgen. Mögliche Komplikationen sind etwa:

  • Durchbruch des Wurmfortsatzes: Wenn der Wurmfortsatz aufplatzt, entweicht sein infektiöser Inhalt in den Bauchraum und die Entzündung geht entweder auf das Bauchfell über (Peritonitis) oder es bilden sich Eiteransammlungen (Abszesse). Man spricht von einem Blinddarmdurchbruch oder einer Perforation.
  • Darmlähmung oder Darmverschluss: Als Reaktion auf die Appendizitis kann es in seltenen Fällen zu einer Lähmung des gesamten Darms (Darmparalyse) sowie zu einem Darmverschluss (Ileus) kommen.
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