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Veröffentlicht am 11.03.2020

1. Überblick

Eine Sepsis (Blutvergiftung) ist eine Infektion, die sich über das Blut im Körper ausbreitet. Unbehandelt kann sie innert Stunden zum Tod führen.

 

Wird der Körper von Bakterien, Viren oder Pilzen angegriffen, wehrt er sich und es kommt zur Entzündung der betroffenen Stelle. Von einer Sepsis spricht man dann, wenn die Krankheitserreger ins Blut gelangen und sich ausbreiten, worauf der Körper im Kampf gegen die Infektion auch die eigenen Organe angreift. Dies kann zu einem tödlichen Organversagen führen. Umgangssprachlich wird die Sepsis auch Blutvergiftung genannt.

Ursache einer Blutvergiftung ist meistens eine Infektion mit Bakterien, seltener mit Viren oder Pilzen. Dabei kommen die unterschiedlichsten Infektionsstellen als Ausgangspunkt der Sepsis infrage, zum Beispiel:

 

Die von der Sepsis verursachten Symptome können sich schnell verschlimmern. So kann die Sepsis innerhalb kurzer Zeit zu schwerwiegenden Schäden in lebenswichtigen Organen wie Lunge, Herz, Niere und Leber führen. Typische Symptome einer Blutvergiftung sind:

 

  • niedriger Blutdruck
  • Fieber oder Unterkühlung (evtl. mit Schüttelfrost)
  • beschleunigte Atmung (mehr als 22 Atemzüge pro Minute)
  • plötzliche Bewusstseinstrübung (Verwirrtheit oder Schläfrigkeit)

Entgegen der landläufigen Meinung weist ein roter Strich, der in Richtung Herz wandert, nicht auf eine Blutvergiftung hin. Dies ist vielmehr Anzeichen für eine Lymphangitis.

Eine Sepsis gilt als medizinischer Notfall, für dessen Heilungsaussichten eine schnelle Therapie ausschlaggebend ist. Wer an einer Infektion erkrankt ist und Symptome einer Sepsis bei sich beobachtet, sollte deshalb so schnell wie möglich ins Spital.

Da meistens Bakterien hinter einer Blutvergiftung stecken, kommen zur Behandlung in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Eine schwere Sepsis und ein septischer Schock machen eine unterstützende Therapie notwendig: Dann ist zunächst vor allem dafür zu sorgen, dass die Sauerstoffversorgung und der Blutdruck ausreichend hoch sind. Daneben können weitere Massnahmen (wie Dialyse oder künstliche Beatmung) erforderlich sein.

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2. Definition von Blutvergiftung

Eine Sepsis (umgangssprachlich auch Blutvergiftung) ist eine umfassende, sich auf den gesamten Körper auswirkende (systemische) Entzündungsreaktion auf eine Infektion (meist mit Bakterien, seltener mit Pilzen oder Viren). Dabei bleibt die Infektion nicht örtlich begrenzt, sondern breitet sich auf dem Blutweg im Körper aus. Die starke Immunreaktion darauf verursacht massive Schäden an lebenswichtigen Organen. Die Sepsis wird deshalb definiert als lebensbedrohliche Organdysfunktion.

Eine Immunüberreaktion mit Entzündungen im ganzen Körper kann auch ohne Krankheitserreger entstehen – zum Beispiel durch eine schwere Entzündung der Bauchspeicheldrüse, durch Verbrennungen oder andere Arten von Schock. Eine solche nicht-infektiöse Entzündungsreaktion bezeichnet man als systemisches Inflammationsreaktionssyndrom (SIRS) und wird heutzutage von der Sepsis unterschieden.

Sterblichkeit

Eine Sepsis endet in etwa 4 von 10 Fällen tödlich. Die schwerste Form der Sepsis ist der septische Schock, der sich durch tiefen Blutdruck und dadurch eine ungenügende Durchblutung des Gewebes auszeichnet. Ein septischer Schock führt bei mehr als der Hälfte der Fälle zum Tod. Dabei steigt mit zunehmendem Alter auch das Risiko für einen lebensbedrohlichen Verlauf.

3. Ursachen von Blutvergiftung

Eine Blutvergiftung (Sepsis) hat ihre Ursachen darin, dass das Immunsystem nicht in der Lage ist, eine bestehende Infektion an ihrem Ursprung ausreichend zu bekämpfen. Die Erreger können sich dann über den Blutweg im Körper ausbreiten. Als Folge kommt es durch die starke Immunreaktion des Körpers zu umfassenden Entzündungsreaktionen, die das Gewebe beschädigen und zu einem Organversagen führen können.

Meistens entsteht eine Sepsis infolge einer Infektion mit Bakterien. Eher selten sind Viren oder Pilze die Ursachen für eine Sepsis.

Dabei kommen die unterschiedlichsten Infektionsherde als Auslöser der Blutvergiftung infrage. Mögliche Ursachen für die Entstehung einer Sepsis sind zum Beispiel:

 

  • Lungenentzündung
  • Hirnhautentzündung (führt in 1 von 100 Fällen zur Meningokokken-Sepsis, bei der ein schwerer septischer Schock – das sog. Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom – entstehen kann)
  • Entzündung im Bauchraum (zum Beispiel Bauchfellentzündung)
  • Wundinfektion
  • Harnwegsinfektion

Ein erhöhtes Risiko für eine Sepsis haben vor allem Menschen mit Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen:

 

  • Krebspatienten, die eine Chemotherapie erhalten
  • Patienten, die eine immunsuppressive Therapie erhalten
  • ältere Menschen
  • Diabetiker
  • Menschen mit chronischen Nieren- und Lebererkrankungen
  • Alkohol- und Drogenabhängige
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4. Symptome von Blutvergiftung

Die drei wichtigsten Anzeichen für eine Sepsis sind:

 

Typisch für eine Sepsis ist ausserdem ein starkes Krankheitsgefühl ähnlich einer Grippe. Bei manchen Patienten führt die Sepsis zudem zu Unterkühlung (unter 36 Grad Körpertemperatur) mit Schüttelfrost oder zu Fieber.

Ähnliche Symptome können zwar auch bei anderen, harmloseren Krankheiten vorkommen. Treten sie aber in Verbindung mit einem Infekt und/oder bei immungeschwächten Patienten auf, besteht immer das Risiko einer Sepsis. Meist sind die Beschwerden dann viel stärker als bei harmlosen Infekten. Da eine Sepsis ein lebensbedrohlicher Zustand ist, sollte man damit in jedem Fall so schnell wie möglich ins Spital oder zum Notarzt.

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5. Diagnose von Blutvergiftung

Bei einer Sepsis erfolgt die Diagnose aufgrund der wenig kennzeichnenden und unterschiedlichen Symptome häufig sehr spät. Es ist jedoch wichtig, eine Sepsis schnell zu erkennen – denn: Blutvergiftungen können sich sehr schnell verschlimmern und zum Schock führen, was eine möglichst frühe Behandlung notwendig macht. Je eher die Behandlung eingeleitet wird, desto höher sind die Überlebenschancen.

Bei Verdacht auf eine Sepsis sind zur Diagnose folgende drei Symptome zu überprüfen:

 

  1. Bewusstseinsveränderung
  2. niedriger Blutdruck
  3. beschleunigte Atmung

Diese drei Diagnosekriterien nennen Ärzte qSOFA-Score. Die Abkürzung steht für quick sepsis-related organ failure assessment, also: schnelle Bewertung des durch die Sepsis verursachten Organversagens.

Nach dieser schnellen Bewertung leitet der Arzt zuerst intensivmedizinische Notfallmassnahmen ein, um den Infekt unter Kontrolle zu bringen und den Patienten zu stabilisieren. Erst dann folgen weitere Diagnose-Schritte, bei denen der Arzt prüft, welche Organe wie stark beschädigt sind. Beispielsweise prüft er:

 

  • die Lungenfunktion
  • die Blutgerinnung
  • die Nierenwerte und
  • die Leberwerte.

Aus den Untersuchungsergebnissen kann der Arzt Rückschlüsse auf den Zustand der Organe ziehen. Diesen beurteilt er auf einer Skala von 1 (leicht beeinträchtigt) bis 4 (stark beeinträchtigt). Aus den Punkten errechnet der Arzt den Gesamt-SOFA-Score. Je höher dieser ist, umso weiter fortgeschritten ist die Sepsis.

Die schwerste Form der Sepsis ist der sogenannte septische Schock, der mit deutlich verringerten Überlebenschancen verbunden ist. Die beiden wichtigsten Anzeichen für einen septischen Schock sind ein stark abgesunkener Blutdruck und erhöhte Laktat-Werte im Blut. Laktat sammelt sich im Körpergewebe an, wenn dieses nicht mehr ausreichend durchblutet wird, was beim septischen Schock der Fall ist.

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6. Therapie von Blutvergiftung

Eine Blutvergiftung (Sepsis) macht eine schnelle Therapie nötig, denn: Schon innerhalb der ersten Stunden kann sich ein schwerer, akut lebensbedrohlicher Zustand entwickeln.

Daher gilt jede Blutvergiftung ebenso wie ein akuter Herzinfarkt oder Schlaganfall als medizinischer Notfall, der rasch und angemessen zu behandeln ist, da dies für die Heilungsaussichten ausschlaggebend sein kann. Bei einer Sepsis soll man deshalb nicht zuerst zum Hausarzt, sondern muss so schnell wie möglich ins Spital oder zum Notarzt.

Die gegen eine Blutvergiftung eingesetzte Therapie zielt zuerst darauf ab, den Zustand des Patienten zu stabilisieren und die Ursachen der Infektion – also die Krankheitserreger – einzudämmen. Da meist Bakterien die Auslöser der Blutvergiftung sind, kommen zur Behandlung in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Es ist wichtig, dass dies sofort (innerhalb einer Stunde) nach Diagnose der Sepsis geschieht.

Die Sepsis geht oft einher mit schmerzhaften und beängstigenden körperlichen Beschwerden. Auch die Behandlungsmassnahmen – etwa die künstliche Beatmung – können teils unangenehm oder belastend sein. In manchen Fällen verabreicht der Arzt dem Patienten deshalb ein Beruhigungsmittel oder versetzt ihn in ein künstliches Koma.

Da die Art der Bakterien anfangs noch unbekannt ist, wird dem Patienten zuerst ein Breitbandantibiotikum, das gegen verschiedene Bakterien wirkt, verabreicht. Wenn die Therapie anschlägt und sich der Zustand verbessert, sollte der Arzt ermitteln, welche Art von Erreger die Sepsis ausgelöst hat, damit das Breitbandantibiotikum durch ein Antibiotikum ersetzt werden kann, das sich gezielt gegen den vorliegenden Erreger richtet.

Wenn Antibiotika nicht helfen, haben möglicherweise Pilze die Infektion ausgelöst. In dem Fall eignen sich zur Therapie Mittel gegen Pilzerkrankungen (sogenannte Antimykotika).

Neben der Bekämpfung der Erreger kommen je nach Schwere der Blutvergiftung zur Behandlung weitere Maßnahmen zum Einsatz. So erfordert es eine schwere Sepsis oder ein septischer Schock noch vor Beginn der ursächlichen Therapie, dafür zu sorgen, dass die Sauerstoffversorgung und der Blutdruck ausreichend hoch sind. Hierzu erhält der Patient zunächst grosse Mengen Flüssigkeit über eine Infusion (sog. Volumentherapie). Zusätzlich kann dem Patienten Noradrenalin zur Anregung des Herz-Kreislauf-Systems und zur Steigerung des Blutdrucks verabreicht werden.

Darüber hinaus kann eine schwere Blutvergiftung oder ein septischer Schock je nachdem, welche Organe betroffen sind, folgende zusätzliche Therapie-Maßnahmen nötig machen:

 

  • Nierenersatzverfahren (Dialyse, Hämofiltration)
  • künstliche Beatmung
  • Ersatz von Blutzellen und -stoffen

Rehabilitation

Ist die intensivmedizinische Behandlung abgeschlossen, ist der Patient in der Regel stark geschwächt. Wenn er während der Behandlung im künstlichen Koma war und künstliche beatmet wurde, muss er danach zuerst wieder lernen, selbständig zu atmen. Zudem hilft ein Physiotherapeut dabei, die Muskulatur wieder aufzubauen.

Welche weiteren Rehabilitierungsmassnahmen notwendig sind, richtet sich danach, welche Schäden die Sepsis im Körper angerichtet hat. Auch benötigt der Betroffene möglicherweise Unterstützung durch einen Psychotherapeuten, um das traumatische Erlebnis zu verarbeiten und mit den bleibenden Folgen der Erkrankung zurechtzukommen.

7. Verlauf von Blutvergiftung

Prognose

Bei einer Sepsis (Blutvergiftung) sind Verlauf und Prognose entscheidend davon abhängig, wie viel Zeit bis zum Behandlungsbeginn verstreicht.

Eine rechtzeitig erkannte Blutvergiftung ist in den meisten Fällen gut mit Antibiotika behandelbar.

Wenn es jedoch nicht gelingt, die Sepsis rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, kann sie akut lebensbedrohlich sein und innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Daneben hängen die Überlebenschancen unter anderem vom Alter, der sonstigen gesundheitlichen Verfassung und dem Auslöser der Infektion ab.

Grundsätzlich gilt: Je eher der Patient behandelt wird, umso wahrscheinlicher ist es, dass er überlebt. Denn je länger die Entzündung im Körper wütet, desto mehr Organe nehmen Schaden.

Folgen

Die Genesung von einer Sepsis kann Jahre dauern. Häufig hinterlässt sie bleibende Spuren, weil die Organe sich nicht wieder vollständig von der Schädigung durch die Entzündung erholen. Wurden durch die entzündlichen Prozesse Nerven beschädigt, kann es sein, dass sich die betroffene Körperregion dauerhaft taub anfühlt.

Wurde durch die Sepsis die Durchblutung einzelner oder mehrerer Gliedmassen gestört, erhalten diese vorübergehend nicht ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe. Diese Unterversorgung kann dazu führen, dass Gewebe abstirbt. Dann ist eine Amputation nicht zu vermeiden.

Auch die psychischen Folgen einer Sepsis können belastend sein. Viele Betroffene entwickeln eine posttraumatische Belastungsstörung. In diesem Fall ist es wichtig, sich von einem Psychotherapeuten helfen zu lassen.

8. Vorbeugen gegen Blutvergiftung

Zu einer Sepsis kommt es immer infolge einer Infektion mit Krankheitserregern. Die wichtigsten Massnahmen, um Infektionen aller Art vorzubeugen, ist Hygiene. Vor allem an Orten wie Spitälern und Arztpraxen, wo sich viele kranke Menschen aufhalten, sollte man Hygienemassnahmen treffen:

 

  • Waschen Sie sich gründlich die Hände, wenn Sie mit Gegenständen, Oberflächen oder Menschen in Berührung gekommen sind, die von Krankheitserregern besiedelt sein könnten.
  • Wenn Sie Händedesinfektionsmittel verwenden, lassen Sie dieses mindestens 30 Sekunden einwirken. Nur so werden alle Keime abgetötet.
  • Krankenhausmitarbeiter achten normalerweise selbst auf ausreichende Hygiene. Wenn nicht, sollten Sie sie darauf ansprechen.

Bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, besteht ein erhöhtes Sepsis-Risiko. Betroffen sind vor allem ältere Personen und Menschen, denen die Milz entfernt wurde. Für sie ist es besonders wichtig, dass sie alle empfohlenen Impfungen erhalten haben.

Da die häufigsten Auslöser von Lungenentzündungen Pneumokokken-Bakterien sind, die Lungenentzündungen auslösen, ist auch eine Impfung gegen Pneumokokken empfehlenswert.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass möglicherweise eine Sepsis vorliegen könnte, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen! Zeit ist ein ausschlaggebender Faktor bei der Behandlung einer Sepsis – ein rasches Eingreifen kann das Risiko für lebensbedrohliche Verläufe senken.

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