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1. Überblick

Eine Blutvergiftung (Sepsis) entsteht, wenn eine Infektion nicht örtlich begrenzt bleibt, sondern sich auf dem Blutweg im gesamten Körper ausbreitet. Dann ist schnelles Handeln erforderlich – denn schon innerhalb der ersten Stunden kann ein lebensbedrohlicher Zustand entstehen, der sich mit einer frühzeitigen Therapie meist vermeiden lässt.

Eine Blutvergiftung kann sich vom Krankheitsbild einer reinen Entzündungsreaktion, die sich auf den gesamten Körper auswirkt, zu einer schweren Sepsis bis hin zu einem septischen Schock entwickeln:

  • Die Sepsis ist durch Symptome einer umfassenden Entzündungsreaktion gekennzeichnet.
  • Eine schwere Sepsis liegt vor, wenn zusätzlich mindestens ein Organ in seiner Funktion akut eingeschränkt ist.
  • Ein septischer Schock ist dadurch charakterisiert, dass ausserdem (trotz Infusionstherapie) der Blutdruck zu niedrig ist.

Ursache einer Blutvergiftung ist meistens eine Infektion mit Bakterien, seltener mit Viren oder Pilzen. Dabei kommen die unterschiedlichsten Infektionsstellen als Ausgangspunkt der Sepsis infrage, zum Beispiel:

Es ist nicht immer leicht, eine Blutvergiftung zu erkennen, denn: Die mit einer Sepsis verbundenen Symptome können unterschiedlich ausfallen.

Das Problem dabei ist: Die von der Blutvergiftung verursachten Symptome können sich schnell verschlimmern. So kann die Sepsis innerhalb kurzer Zeit zu schwerwiegenden Schäden in lebenswichtigen Organen wie Lunge, Herz, Niere und Leber führen. Typische Symptome einer Blutvergiftung sind zum Beispiel:

  • schneller Herzschlag
  • niedriger Blutdruck
  • Fieber oder Unterkühlung (evtl. mit Schüttelfrost)
  • Schmerzen
  • schnelle oder erschwerte Atmung
  • Unruhe, Verwirrtheit
  • leichte Benommenheit bis hin zum Koma

Entgegen der landläufigen Meinung weist ein roter Strich, der in Richtung Herz wandert, nicht auf eine Blutvergiftung hin. Dies ist vielmehr Anzeichen für eine Lymphangitis.

Eine Blutvergiftung gilt als medizinischer Notfall, für dessen Heilungsaussichten eine schnelle Therapie ausschlaggebend ist. Da meistens Bakterien hinter einer Blutvergiftung stecken, kommen zur Behandlung in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Eine schwere Sepsis und ein septischer Schock machen eine unterstützende Therapie notwendig: Dann ist zunächst vor allem dafür zu sorgen, dass die Sauerstoffversorgung und der Blutdruck ausreichend hoch sind. Daneben können weitere Massnahmen (wie Dialyse oder künstliche Beatmung) erforderlich sein.

2. Definition

Eine Blutvergiftung (Sepsis) ist eine umfassende, sich auf den gesamten Körper auswirkende (systemische) Entzündungsreaktion auf eine Infektion (meist mit Bakterien, seltener mit Pilzen oder Viren). Dabei bleibt die Infektion nicht örtlich begrenzt, sondern breitet sich auf dem Blutweg im Körper aus und bereitet massive Schäden an lebenswichtigen Organen.

Das Krankheitsbild, das bei einer Blutvergiftung durch die typischen Entzündungsreaktionen auf eine Infektion entsteht, bezeichnet man als SIRS (= systemisches Inflammationsreaktionssyndrom, engl.: Systematic Inflammatory Response Syndrome). Dieses Syndrom kann auch nicht-infektiös entstehen (z.B. durch eine schwere Entzündung der Bauchspeicheldrüse, durch Verbrennungen oder andere Arten von Schock). Sobald jedoch eine Infektion für ein SIRS verantwortlich ist, gilt es per Definition als Sepsis. Somit ist die Blutvergiftung eine durch Infektion ausgelöste Sonderform des SIRS, deren Symptome sich nicht von einem SIRS anderer Ursache unterscheiden.

Sowohl das nicht-infektiöse SIRS als auch die Sepsis können sich schnell verschlimmern und bis zum Schock führen. Je nach Schweregrad teilt man die Blutvergiftung wie folgt ein:

  • Sepsis: SIRS infolge einer Infektion
  • schwere Sepsis: Sepsis, bei der mindestens ein Organ (z.B. Gehirn, Nieren) in seiner Funktion akut eingeschränkt ist
  • septischer Schock: Sepsis, bei der zusätzlich trotz Behandlung (durch Flüssigkeitsgabe per Infusion) der Blutdruck zu niedrig ist

Entgegen der landläufigen Meinung ist ein roter Streifen, der in Richtung Herz wandert, kein Anzeichen einer Blutvergiftung. Ein solcher roter Streifen zeigt sich vielmehr bei der (häufig fälschlicherweise als Blutvergiftung bezeichneten) Lymphangitis. Bei der Lymphangitis bestehen im Gegensatz zur Blutvergiftung bessere Heilungschancen. Eine Sepsis kann jedoch aus einer Lymphangitis entstehen, wenn es bei dieser zu Komplikationen kommt.

In der Vergangenheit kam es aufgrund mangelnder Hygiene bei chirurgischen Eingriffen häufig zu Komplikationen in Form von Wundinfektionen. Diese Wundfäule bezeichnete man als Sepsis – ohne zu wissen, dass es sich um eine Blutvergiftung durch Erreger handelt.

Häufigkeit

Eine schwere Sepsis endet in etwa 4 von 10 Fällen tödlich, ein septischer Schock in bis zu 6 von 10 Fällen (u.a. weil die Blutvergiftung zu lange unerkannt bleibt). Dabei steigt mit zunehmendem Alter auch das Risiko für einen lebensbedrohlichen Verlauf.

3. Ursachen

Eine Blutvergiftung (Sepsis) hat ihre Ursachen darin, dass das Immunsystem nicht in der Lage ist, eine bestehende Infektion an ihrem Ursprung ausreichend zu bekämpfen. Die Erreger können sich dann über den Blutweg im Körper ausbreiten. Als Folge kommt es zu umfassenden Entzündungsreaktionen, die sich auf den gesamten Körper auswirken.

Meistens entsteht eine Blutvergiftung infolge einer Infektion mit Bakterien. Eher selten sind Viren oder Pilze die Ursachen für eine Sepsis.

Dabei kommen die unterschiedlichsten Infektionsherde als Auslöser der Blutvergiftung infrage. Mögliche Ursachen für die Entstehung einer Sepsis sind zum Beispiel:

  • Lungenentzündung
  • Hirnhautentzündung (führt in 1 von 100 Fällen zur Meningokokken-Sepsis, bei der ein schwerer septischer Schock – das sog. Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom – entstehen kann)
  • Wundinfektion
  • Katheterinfektion
  • künstliche Beatmung, die länger als 48 Stunden andauert (da über den Beatmungsschlauch bzw. Endotrachealtubus Erreger in die Atemwege gelangen und eine Lungenentzündung auslösen können: die sog. ventilatorassoziierte Pneumonie, VAP)
  • chirurgische Infektionen

4. Symptome

Die Blutvergiftung (Sepsis) ist durch Symptome einer Entzündungsreaktion gekennzeichnet, die den gesamten Organismus erfasst. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als SIRS (Systematic Inflammatory Response Syndrome, systemisches Inflammationsreaktionssyndrom). Bei der Sepsis ist diese Entzündungsreaktion die Folge einer Infektion (meist durch Bakterien); ein SIRS kann aber auch nicht-infektiös entstehen.

Man kann eine Blutvergiftung allein anhand der Symptome nicht von einem SIRS anderer Ursache unterscheiden.

Eine Blutvergiftung kann recht unterschiedliche Symptome auslösen. Mögliche Anzeichen für eine Sepsis sind:

  • schneller Herzschlag (Tachykardie)
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Fieber oder eine Unterkühlung (evtl. mit Schüttelfrost)
  • Schmerzen
  • schnelle Atmung (Tachypnoe), erschwerte Atmung (Dyspnoe)
  • Austrocknung des Organismus
  • Unruhe, Verwirrtheit
  • leichte Benommenheit bis hin zum Koma

Typisch für die Blutvergiftung ist, dass sich ihre Anzeichen schnell verschlimmern und über eine schwere Sepsis bis hin zum septischen Schock führen können. Eine schwere Sepsis entsteht, wenn im weiteren Verlauf die Funktion eines oder mehrerer lebenswichtiger Organe eingeschränkt ist. Ist zum Beispiel das Gehirn von der schweren Blutvergiftung betroffen, sind folgende Symptome typisch:

  • Benommenheit
  • Desorientiertheit
  • Unruhe
  • Verwirrtheit

Ein septischer Schock liegt vor, wenn bei einer schweren Blutvergiftung zusätzlich der Blutdruck (trotz angemessener Flüssigkeitsgabe durch Infusion) niedrig bleibt. Ein septischer Schock kann verschiedene Symptome auslösen, nach denen man die folgenden zwei Formen unterscheidet:

  • Hyperdynamischer Schock (auch warmer oder roter Schock): Die Symptome (schneller Herzschlag, niedriger Blutdruck, oft gut durchblutete und warme Haut, erhöhte Pumpleistung des Herzens) unterscheiden sich stark von anderen Schockformen. Ein septischer Schock kann nur dann in dieser hyperdynamischen Form auftreten, wenn das Gefäßsystem genügend mit Blut gefüllt ist und das Herz ausreichend arbeitet.
  • Hypodynamischer Schock (auch kalter oder weisser Schock): Entsteht aus dem hyperdynamischen Schock und zeigt teils entgegengesetzte Symptome (schlecht durchblutete und daher blasse und kalte Haut, niedrige Pumpleistung des Herzens).

Entgegen der häufigen Annahme ist ein roter Strich, der sich zum Herzen hin ausbreitet, kein Anzeichen für eine Blutvergiftung. Ein solcher roter Streifen ist vielmehr das Symptom einer Lymphangitis, die viele Menschen mit der Sepsis verwechseln.

5. Diagnose

Bei einer Blutvergiftung (Sepsis) erfolgt die Diagnose aufgrund der wenig kennzeichnenden und unterschiedlichen Symptome häufig sehr spät. Es ist jedoch wichtig, eine Blutvergiftung schnell zu erkennen – denn: Blutvergiftungen können sich sehr schnell verschlimmern und zum Schock führen, was eine möglichst frühe Behandlung notwendig macht.

Bei Verdacht auf eine Blutvergiftung sind zur Diagnose folgende Kriterien zu überprüfen:

1. Sind Erreger (Bakterien, Viren oder Pilze) im Blut nachweisbar?

2. Liegt ein Systematic Inflammatory Response Syndrome (SIRS) vor? Mindestens zwei Kriterien müssen zutreffen: 

  • Fieber höher als 38 Grad Celsius oder Körpertemperatur niedriger als 36 Grad Celsius (Hypothermie)
  • Herzfrequenz höher als 90 pro Minute (Tachykardie)
  • Atemfrequenz höher als 20 pro Minute (Tachypnoe) oder Hyperventilation
  • Vermehrung der weissen Blutkörperchen (Leukozytose) oder Verminderung der weissen Blutkörperchen (Leukopenie) oder mindestens 10 Prozent unreife Formen
     

3. Sind Organfunktionen akut gestört? Mindestens ein Kriterium muss zutreffen:

  • akute krankhafte Hirnveränderung (Enzephalopathie)
  • relative oder absolute Verminderung der Anzahl Blutplättchen (Thrombozytopenie), die nicht durch akute Blutung oder immunologische Ursachen entsteht
  • herabgesetzter Sauerstoffgehalt im Blut (arterielle Hypoxämie); Herzerkrankungen oder Lungenerkrankungen sind als Ursache auszuschliessen)
  • Funktionsstörung der Nieren (renale Dysfunktion)
  • stoffwechselbedingte Übersäuerung (metabolische Azidose)

Auch den Schweregrad der Sepsis kann der Arzt bei der Diagnose mithilfe dieser Kriterien bestimmen:

  • Eine Sepsis liegt vor, wenn die Punkte 1 und 2 zutreffen.
  • Eine schwere Sepsis ist durch alle drei Punkte gekennzeichnet.
  • Ein septischer Schock besteht dann, wenn die Punkte 1 und 2 zutreffen und gleichzeitig mindestens eine Stunde lang der systolische Blutdruck einen niedrigeren Wert als 90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) oder der mittlere arterielle Blutdruck einen höheren Wert als 65 Millimeter Quecksilbersäule aufweist.

6. Therapie

Eine Blutvergiftung (Sepsis) macht eine schnelle Therapie nötig, denn: Schon innerhalb der ersten Stunden kann sich ein schwerer, akut lebensbedrohlicher Zustand entwickeln.

Daher gilt jede Blutvergiftung ebenso wie ein akuter Herzinfarkt oder Schlaganfall als medizinischer Notfall, der rasch und angemessen zu behandeln ist, da dies für die Heilungsaussichten ausschlaggebend sein kann.

Die gegen eine Blutvergiftung eingesetzte Therapie zielt darauf ab, die Ursachen der Infektion – also die Krankheitserreger – zu bekämpfen. Da meist Bakterien die Auslöser der Blutvergiftung sind, kommen zur Behandlung in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Es ist wichtig, dass dies sofort (innerhalb einer Stunde) nach Diagnose der Sepsis geschieht.

Eine Dauer von 7 bis 10 Tagen ist bei der ursächlichen Therapie einer Blutvergiftung meist ausreichend. Im Verlauf der Behandlung ist es empfehlenswert, die Wirkung der eingesetzten Mittel alle zwei bis drei Tage neu zu bewerten: So kann der Arzt die Behandlung der Sepsis gezielter auf bestimmte Erreger abstimmen und das Risiko verringern, dass sich eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen die Antibiotika entwickelt.

Wenn sich Ihre Blutvergiftung durch die Behandlung mit Antibiotika nicht bessert, ist Ihre Blutbahn womöglich durch Pilze der Gattung Candida infiziert: In dem Fall sind zur ursächlichen Sepsis-Therapie Mittel gegen Pilzerkrankungen (sog. Antimykotika) ratsam.

Neben der Bekämpfung der Erreger kommen je nach Schwere der Blutvergiftung zur Behandlung weitere Maßnahmen zum Einsatz. So erfordert es eine schwere Sepsis oder ein septischer Schock noch vor Beginn der ursächlichen Therapie, dafür zu sorgen, dass die Sauerstoffversorgung und der Blutdruck ausreichend hoch sind. Hierzu erhalten Sie zunächst Flüssigkeit über eine Infusion (sog. Volumentherapie). Wenn trotzdem Ihr Blutdruck zu niedrig oder die Organdurchblutung nicht gewährleistet ist, bekommen Sie bestimmte Hormone, um das Herz-Kreislauf-System anzuregen: sogenannte Katecholamine (wie Noradrenalin, Dopamin). Mittel der ersten Wahl ist hierbei Noradrenalin.

Darüber hinaus kann eine schwere Blutvergiftung oder ein septischer Schock beispielsweise folgende zusätzliche Therapie-Maßnahmen nötig machen:

  • Nierenersatzverfahren (Dialyse, Hämofiltration)
  • Beatmung
  • Ersatz von Blutzellen und -stoffen

Liegt eine schwere Sepsis oder ein septischer Schock vor, führt die Therapie nur dann zum Erfolg, wenn es gelingt, die für die Blutvergiftung verantwortliche Infektionsquelle (z.B. eine Katheter- oder Wundinfektion, einen Harnwegsinfekt oder eine Lungenentzündung) vollständig zu heilen.

7. Verlauf

Prognose

Bei einer Blutvergiftung (Sepsis) sind Verlauf und Prognose entscheidend davon abhängig, wie viel Zeit bis zum Behandlungsbeginn verstreicht:

Eine rechtzeitig erkannte Blutvergiftung ist in den meisten Fällen gut mit Antibiotika behandelbar.

Wenn es jedoch nicht gelingt, die Blutvergiftung rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, kann sie akut lebensbedrohlich sein, denn: Blutvergiftungen können sich rasch zu einer schweren Sepsis und einem septischem Schock entwickeln.

Komplikationen

Eine Blutvergiftung (Sepsis) führt durch ihren schnellen Verlauf rasch zu schwerwiegenden Komplikationen!

Da sich die Blutvergiftung über die Blutbahnen ausbreitet, erreicht die Infektion in kurzer Zeit lebenswichtige Organe im Körper. Nach wenigen Stunden sind Organe wie Lunge, Herz und Leber befallen und versagen – infolge der Blutvergiftung kommt es also zu:

8. Vorbeugen

Einer Blutvergiftung (Sepsis) können Sie nicht direkt vorbeugen. Grundsätzlich ist es ratsam, Infektionen rechtzeitig behandeln zu lassen, damit diese erst gar keine Gelegenheit bekommen, sich auf den restlichen Körper auszubreiten.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass möglicherweise eine Blutvergiftung vorliegen könnte, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen! Zeit ist ein ausschlaggebender Faktor bei der Behandlung einer Sepsis – ein rasches Eingreifen kann das Risiko für lebensbedrohliche Verläufe senken.