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Borderline-Syndrom

(instabile Persönlichkeitsstörung)
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1. Überblick

Das Borderline-Syndrom wird auch als Borderline-Störung bezeichnet und ist eine Persönlichkeitsstörung. Die Borderline-Störung zeichnet sich durch ein fortlaufendes Muster von Instabilität in sozialen Beziehungen, im Selbstbild und der Stimmung aus.

Menschen mit Borderline-Syndrom haben Probleme damit, ihre Gefühle zu regulieren und reagieren oft impulsiv. Ihre Gefühlslage ist sehr wechselhaft: Bei meist gedrückter Stimmung können Phasen starker Erregung, Angst, Verzweiflung oder auch Wut auftreten, die die Betroffenen kaum kontrollieren können. Zugleich berichten Menschen mit Borderline-Syndrom über ein Gefühl innerer Leere. Mediziner bezeichnen Borderline daher auch als emotional-instabile Persönlichkeitsstörung.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigt sich zum Beispiel in einer Abfolge intensiver, aber häufig wechselnder Beziehungen. Zunächst wird der Partner oft idealisiert und für sich eingenommen, dann jedoch rasch abgewertet, wenn er die Erwartungen nicht erfüllen kann. Häufig zeigen Menschen mit Borderline-Syndrom ein selbstgefährdendes Verhalten. Manche konsumieren beispielsweise Drogen, fahren zu schnell Auto oder verspielen ihr Geld. Aber auch direkte Selbstschädigungen treten im Rahmen der Borderline-Störung auf: Die Betroffenen fügen sich Schnittverletzungen oder Brandwunden zu oder drohen mit Selbstmord. Hintergrund ist oft, ein «Verlassenwerden» zu vermeiden, aber auch, sich selbst zu bestrafen oder zu spüren.

In der Lebensgeschichte der Betroffenen finden sich häufig massive Missbrauchserfahrungen oder andere traumatische Erlebnisse wie etwa körperliche Gewalt. Wahrscheinlich spielen auch genetische Faktoren eine Rolle, wenn Personen einen Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickeln.

Die Therapie des Borderline-Syndroms erweist sich als schwierig: Da der Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung emotional instabil ist, kann auch die zwischenmenschliche Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Betroffenem darunter leiden. Im Vordergrund der Therapie steht, die Person im Alltag zu stabilisieren. Anschliessend können die traumatischen Erfahrungen, die als Ursache für die Borderline-Störung angesehen werden, bearbeitet werden.

Der Begriff Borderline entstand aus der Annahme, dass sich die Erkrankten im Grenzbereich (engl. borderline) zwischen Neurose und Psychose bewegen.

Oft nimmt die Intensität der Borderline-Persönlichkeitsstörung ab, wenn die Betroffenen älter werden. Im Erwachsenenalter sind viele sowohl im privaten wie im beruflichen Bereich psychisch stabiler.

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2. Definition

Beim Borderline-Syndrom, auch als Borderline-Störung bezeichnet, handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung. Mediziner verwenden für das Borderline-Syndrom auch den Begriff «emotional instabile Persönlichkeitsstörung». Menschen mit Persönlichkeitsstörungen zeigen anhaltende und weitgehend gleich bleibende Verhaltensmuster, die durch starre unangemessene Reaktionen in unterschiedlichen persönlichen und sozialen Lebenslagen gekennzeichnet sind.

Problematisch bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung ist, dass nicht einzelne Verhaltensweisen als «Störung» bezeichnet werden, wie bei anderen psychischen Erkrankungen (z.B. Angststörungen), sondern eine Beurteilung des gesamten Verhaltens beziehungsweise des Charakters erfolgt. Auch sind die Grenzen von persönlichen «Macken» beziehungsweise hervorstechenden

Persönlichkeitseigenschaften zu einer gestörten Persönlichkeit oft schwer zu ziehen. Deshalb sollte die Diagnose Borderline-Syndrom nur gestellt werden, wenn die sozialen Beziehungen des Betroffenen so stark beeinträchtigt sind, dass seine berufliche und private Leistungsfähigkeit deutlich herabgesetzt ist. Meist entsteht für Personen, die unter einer Persönlichkeitsstörung leiden, erhebliches persönliches Leid.

Die Borderline-Störung zeichnet sich durch ein fortlaufendes Muster von Instabilität in sozialen Beziehungen, im Selbstbild und der Stimmung aus. Der Borderline-Begriff entstand aus der Annahme, dass sich diese Störung im Grenzbereich (engl.: borderline) zwischen Neurose und Psychose bewegt, da die Betroffenen neben einer gestörten Charakterstruktur auch vereinzelt psychotische Symptome zeigen, beispielsweise Verfolgungsideen. In den letzten Jahren ist in Presse und Fernsehen vermehrt über das Borderline-Syndrom berichtet worden, vermutlich angeregt durch die gesteigerte Aufmerksamkeit, die der Themenbereich des körperlichen und sexuellen Missbrauchs vor allem bei Kindern erhalten hat: Diese extrem belastenden Lebenserfahrungen spielen bei der Entstehung der Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig eine Rolle.

Häufigkeit

Etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung leiden unter dem Borderline-Syndrom. Der überwiegende Teil der Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, die sich in ärztlicher Behandlung befinden,ist weiblich (bis zu 80 Prozent). Die meisten Betroffenen sind zwischen 15 und 45 Jahre alt. Bei einem grossen Anteil der Betroffenen finden sich neben der Borderline-Störung weitere psychische Probleme wie Depressionen oder Symptome anderer Persönlichkeitsstörungen.

3. Ursachen

Leidet ein Mensch an einem Borderline-Syndrom, können als Ursachen traumatische Erfahrungen in der Kindheit eine Rolle spielen. Vermutlich kommen beim Borderline-Syndrom auch genetische Faktoren als Ursachen infrage. Wahrscheinlich müssen mehrere dieser Risiken zusammenkommen, damit eine Borderline-Störung auftritt.

Nach Ansicht psychoanalytischer Erklärungsmodelle handelt es sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung um eine sogenannte Frühstörung. Das bedeutet, dass bei den Betroffenen Strukturen und Denkmuster bestehen geblieben sind, die typisch für die frühe Kindheit sind. In dieser Zeit stehen Hass- und Neidkonflikte im Vordergrund, es besteht noch keine differenzierte Wahrnehmung der eigenen oder fremder Personen, sondern eine starre Bewertung von Menschen als «ganz gut» oder «ganz böse».

In den letzten Jahren wurde zunehmend der Einfluss von Missbrauchserfahrungen bei der Entstehung der Borderline-Störung untersucht. Dabei zeigte sich, dass über 80 Prozent aller Betroffener mit Borderline-Syndrom über schwere traumatische Erlebnisse wie sexuellen oder körperlichen Missbrauch oder extreme häusliche Gewalt berichten.

Dabei ist in vielen Fällen der misshandelnde Täter eine wichtige Bezugsperson, so dass die Betroffenen mit dem Widerspruch konfrontiert werden, dass eine geliebte Person, die sie schützen sollte, identisch ist mit der Person, vor der man selbst Schutz bedarf. In diesem Widerspruch ist es für Betroffene nur schwer möglich, seine Reaktionen von Wut und Ekel gegenüber der Bezugsperson wahrzunehmen und zu äussern. Möglicherweise kehren sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung diese negativen Gefühle dann gegen die eigene Person, sodass der Missbrauch durch die eigene «Schlechtigkeit» gerechtfertigt werden kann.

Missbrauchserfahrungen können auch die spätere Beziehungsgestaltung entscheidend prägen, da gleichzeitig unvereinbare Emotionen erlebt werden: zum Beispiel die Zärtlichkeit des Täters, verbunden mit der gleichzeitigen Angst vor ihm. Dazu das Gefühl, bevorzugt zu werden, aber auch intensive Scham. Diese extreme Widersprüchlichkeit der Gefühle lässt die Betroffenen auch später im Umgang mit anderen Menschen zwischen extremen Polen hin und her schwanken.

Erinnerung wird zur Belastung

Die Therapie von Personen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, ergab, dass die emotionalen Reaktionen der meisten schwächer werden, wenn sie über das Trauma sprechen. Bei Borderline-Patienten zeigt sich hingegen, dass ein wiederholtes Erinnern des Missbrauchs bei ihnen zu einer Zunahme der belastenden Gefühle führt. Es scheint bei ihnen eine erhöhte neurobiologische Erregbarkeit vorzuliegen. Zudem scheint die wiederholte und oft willkürliche Traumatisierung bei den von einer Borderline-Störung Betroffenen dazu zu führen, dass sie ein ausgeprägtes Gespür für mögliche Bedrohungen entwickeln.

Als Konsequenz können auf scheinbar harmlose Reize extreme Reaktionen folgen, zum Beispiel sogenannte dissoziative Symptome. Dabei verlieren Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung jeglichen Realitätsbezug und fühlen sich selbst fremd. Eigene Handlungen oder Empfindungen können sie nicht mit ihrer Person in Verbindung bringen (sog. Depersonalisation). Dissoziative Symptome können beim Borderline-Syndrom in Momenten subjektiv wahrgenommener Bedrohung auftreten.

Sie sind vergleichbar mit dem Totstellreflex bei Tieren: Wenn der Person keine Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, auf die Bedrohung zu reagieren, helfen die dissoziativen Symptome dabei, sich der Situation zu entziehen. Damit ist den Borderline-Betroffenen aber die Chance genommen, zu lernen, dass sie eine wahrgenommene Gefahr bewältigen können, indem sie selbst handeln.

Die dissoziativen Symptome, wie Veränderungen der Raum- und Zeitwahrnehmung, das Gefühl, neben sich zu stehen und nichts mehr spüren zu können, erleben Personen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung als sehr beängstigend. Häufig beenden sie diesen unangenehmen Zustand durch selbstverletzendes Verhalten, zum Beispiel durch Schneiden und Ritzen mit scharfen Gegenständen, um sich wieder zu spüren.

Aber nicht bei allen Personen, die unter einem Borderline-Syndrom leiden, liegen Missbrauchserfahrungen vor. Allen Betroffen scheint aber gemeinsam zu sein, dass sie in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem Verhalten und Menschen immer als entweder «vollkommen gut» oder «vollkommen böse» bewertet werden. Ein typisches erlerntes Verhaltensmuster könnte zum Beispiel sein, als "gutes" Kind nie wütend sein zu dürfen. Das führt dazu, dass die Betroffen nicht lernen, angemessen mit schwierigen Situationen oder negativen Gefühlen umzugehen. Auch prägen in der Vorgeschichte einer Borderline-Störung häufig extreme emotionale Vernachlässigung oder übermässige Strenge die Erziehung.

4. Symptome

Beim Borderline-Syndrom hängen die Symptome mit der Schwierigkeit zusammen, Emotionen zu regulieren. Diese Borderline-Symptome können sich auf verschiedenen Ebenen zeigen:

  • Die Borderline-Betroffenen sind oft verzweifelt bemüht, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. Dabei werden beispielsweise schon zeitlich begrenzte Trennungen oder auch minimale Verspätungen des anderen als sehr bedrohlich empfunden und lösen starke Ängste aus. Häufig schätzen sich Personen, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, selbst als «böse» ein, weil sie «doch schliesslich» verlassen worden sind.
  • Bei Menschen mit einem Borderline-Syndrom findet sich oft eine Abfolge intensiver, aber häufig wechselnder partnerschaftlicher Beziehungen. Dabei zeigt sich am Anfang einer Beziehung meist eine starke Idealisierung des Anderen, die dann sehr schnell durch eine Abwertung derselben Person abgelöst werden kann, wenn diese der Erwartung «immer für den anderen da zu sein» nicht genügt. Während der Beziehungen kommt es zu häufigen Trennungen und Versöhnungen.
  • Die Wahrnehmung und Einschätzung der eigenen Person ist bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sehr wechselhaft. Diese Instabilität bezüglich der eigenen Identität zeigt sich zum Beispiel in einem häufigen Wechsel von Berufswünschen oder Wertvorstellungen. Im Selbstbild sehen sie sich oft als «böse» oder «sündig» oder haben zeitweise, insbesondere bei angenommenem "Verlassensein" das Gefühl, gar nicht zu existieren.
  • Beim Borderline-Syndrom zeigen sich Symptome auch in Form von selbstgefährdendem Verhalten. Dies wird zum einen deutlich in einer starken Impulsivität in Bereichen, die potentiell selbstschädigend sind, zum Beispiel riskantes Autofahren, Glücksspiel, Essstörungen oder Drogenmissbrauch. Aber auch direkte Selbstschädigungen wie Selbstverletzungen, zum Beispiel indem man sich selbst Schnitte oder Brandwunden zufügt, oder Selbstmordandrohungen und Selbstmordversuche treten im Rahmen der Borderline-Störung häufig auf. Diese selbstschädigenden Handlungen stehen oft im Zusammenhang mit dem Versuch, ein Verlassenwerden zu vermeiden, können aber auch als eine Art von Strafe für die eigene «Sündigkeit» dienen oder den Betroffenen helfen, sich selbst wieder zu spüren.
  • Die Gefühlslage von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist sehr wechselhaft, so kommt es bei eher gedrückter Grundstimmung zu Phasen von starker Erregbarkeit, Angst oder Verzweiflung. Diese sind häufig Ausdruck der Neigung, sehr schnell und extrem auf zwischenmenschliche Belastungen zu reagieren. Insbesondere wenn der Betroffene Vernachlässigung oder Zurückweisung erlebt, kommt es oftmals zu Wutausbrüchen, die für die Betroffenen kaum zu kontrollieren sind.
  • Menschen mit einem Borderline-Syndrom klagen vielfach über ein anhaltendes Gefühl innerer Leere; sie leiden unter einem quälenden Gefühl der Langeweile und sind häufig auf der Suche nach einer Beschäftigung.
  • Unter extremen Belastungen, wie beispielsweise unter Drogeneinfluss oder bei einem tatsächlichen oder erwarteten Verlassenwerden, begleiten vorübergehend Verfolgungsideen oder sogenannte dissoziative Symptome wie Selbstentfremdung das Borderline-Syndrom. Diese Borderline-Symptome können sich beispielsweise in einer veränderten Wahrnehmung der eigenen Person oder des eigenen Körpers oder in einer Schmerzunempfindlichkeit äussern.
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5. Diagnose

Um beim Borderline-Syndrom die Diagnose stellen zu können, müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien beim Betroffenen vorliegen:

  • verzweifelte Bemühungen, befürchtetes oder tatsächliches Verlassenwerden zu vermeiden (nicht: selbstverletzendes Verhalten oder Selbstmordversuche/-drohungen)
  • instabile, aber intensive zwischenmenschliche Beziehungen mit häufigem Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Abwertung des Partners
  • Identitätsstörung in Form eines ausgeprägten und andauernden instabilen Selbstbilds oder Selbstwahrnehmung
  • starke Impulsivität in mindestens zwei möglicherweise selbstschädigenden Bereichen, zum Beispiel Drogenmissbrauch, Essstörungen (nicht: selbstverletzendes Verhalten oder Selbstmordversuche/-drohungen)
  • Selbstverletzungen, Selbstmordversuche oder Androhen von Selbstmord
  • andauerndes Gefühl der inneren Leere
  • unangemessene, sehr heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B. häufige Wutanfälle)
  • vorübergehend paranoide Vorstellungen oder dissoziative Gefühle wie Selbstentfremdung infolge von Belastungen

Die auffälligen Verhaltensweisen sind beim Borderline-Syndrom dauerhaft vorhanden und nicht auf einen umrissenen Zeitraum begrenzt. Die Störungen treten bereits in der Kindheit oder Jugend auf und zeigen sich dauerhaft auch noch im Erwachsenenalter. Mithilfe von strukturierten Interviews erfragt der Arzt, ob Symptome vorliegen, die für die Borderline-Persönlichkeitsstörung typisch sind.

Borderline-Test

Dem untersuchenden Arzt oder Psychologen steht beim Borderline-Syndrom für die Diagnose auch ein Borderline-Test – das sogenannte diagnostische Interview für das Borderline-Syndrom (DIB) – zur Verfügung. In einem circa zweistündigen Gespräch versucht der Untersucher, durch Fragen und Beobachten Informationen zu verschiedenen Teilbereichen zu sammeln. Je nachdem, was der Patient sagt oder wie er reagiert, kann der Untersucher die einzelnen Bereiche und den gesamten Borderline-Test mithilfe eines Punktesystems («Scores») auswerten.

Das DIB setzen Ärzte in der stationären Psychiatrie oder in der ambulanten psychoanalytischen Praxis ein. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um einen Borderline-Test, der vom Patienten selbst durchgeführt wird. Solche Selbsttests, die zum Beispiel im Internet abrufbar sind, können nur Hinweise auf eine möglicherweise bestehende Borderline-Persönlichkeitsstörung geben – sie ersetzen keinesfalls die Diagnose durch einen Spezialisten.

6. Therapie

Beim Borderline-Syndrom gestaltet sich die Therapie oft für beide Seiten – Betroffene wie Therapeuten – schwierig. Dies liegt vor allem daran, dass die Erkrankten auch in der Therapie – wie in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen – häufig zwischen Idealisierung und Herabsetzung des Therapeuten schwanken. Unter anderem aus diesem Grund wechseln viele Betroffene mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig ihren Therapeuten.

Der psychoanalytische Ansatz der Borderline-Therapie versteht die Schwierigkeiten der Betroffenen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen als Ausdruck innerpsychischer Konflikte. Im Mittelpunkt der Behandlung steht deshalb, diese Probleme zu deuten.

In den 1980er Jahren ist ein stark strukturiertes Programm speziell für die Therapie von Personen mit Borderline-Syndrom entwickelt worden. Diese sogenannte dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) ist das wissenschaftlich am besten belegte Behandlungsverfahren bei Borderline und gliedert sich in folgende Abschnitte:

  • In einer Vorbereitungsphase informiert der Therapeut den Betroffenen über das Borderline-Syndrom und das Therapieprogramm. Er bespricht dabei auch eventuelle frühere Therapieabbrüche oder -wechsel. Dies soll den Betroffenen in die Lage versetzen, mögliche Frühwarnzeichen zu erkennen, die darauf hindeuten können, dass er die Therapie frühzeitig beenden könnte. Auf diese kann er dann reagieren.
  • In der ersten Therapiephase stehen problematische Verhaltensweisen, die im Rahmen der Borderline-Störung auftreten im Mittelpunkt, vor allem:
    • Selbstschädigendes Verhalten und Selbstmordversuche: Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Therapeuten erarbeiten gemeinsam, welche Bedingungen und Situationen zu diesem Verhalten führen und entwickeln andere Möglichkeiten, wie die Person mit Borderline-Persönlichkeitsstörung mit schwierigen Situationen und Gefühlen umgehen kann.
    • Therapiegefährdendes Verhalten: Bei der Borderline-Therapie besprechen der Therapeut und der Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung auch Faktoren, welche das Fortführen und den Erfolg der Behandlung gefährden. Dabei kommen sowohl Ursachen auf Seiten des Betroffenen zur Sprache, zum Beispiel wiederholtes Versäumen der Termine, als auch auf Therapeutenseite, die beispielsweise in einer Überforderung des Betroffenen liegen können.
    • Verhalten, das die Lebensqualität beeinträchtigt: Verhaltensweisen wie Drogenmissbrauch oder finanzielle Probleme beim Borderline-Syndrom stehen in dieser Phase der Therapie im Mittelpunkt. Auch erfolgt eine erste Annäherung an die traumatischen Erlebnisse, zunächst aber stark bezogen auf den derzeitigen Alltag. Dazu gehört eine Veränderung der Lebensbedingungen, die unter Umständen fortlaufend traumatische Erfahrungen zur Folge haben. Weitere Therapieschritte in diesem Behandlungsabschnitt bestehen darin, die mit dem Trauma verbundenen Gefühle besser zu steuern und die dissoziativen Symptome zu behandeln.
    • Verhaltensfähigkeiten verbessern: Gemeinsam erarbeiten Therapeut und Erkrankter anhand von Übungen an verschiedenen Problembereichen Verhaltenstechniken, um mit bestimmten Situationen umzugehen. Dazu gehört zum Beispiel ein Stressbewältigungstraining. So wird zum Beispiel die Wahrnehmung und Steuerung eigener Gefühle oder der Umgang mit Stress geübt – meist im Rahmen einer Gruppe mit anderen von der Borderline-Persönlichkeitsstörung Betroffenen.
  • Erst in der zweiten Therapiephase geht es darum, die Folgen traumatischer Erlebnisse zu behandeln. Diese belastenden Lebensereignisse beim Borderline-Syndrom stellt der Therapeut bewusst erst dann in das Zentrum der Therapie, wenn der Betroffene zuvor den Umgang mit intensiven Gefühlen, die in diesem Zusammenhang auftreten, erarbeitet hat und sich seine Lebensumstände stabilisiert haben. Diese Stabilisierung kann darin bestehen, dass der Borderline-Patient sich nicht mehr selbst verletzt, um emotionale Spannungen abzubauen und keine Suizidgefahr mehr besteht. Es geht in dieser Phase nicht darum, das erlebte Trauma wiederzuerleben. Vielmehr sollen Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung lernen, dass die negativen Erfahrungen der Vergangenheit angehören und wie sie sich vor Situationen schützen können, die Erinnerungen an die traumatischen Erfahrungen hervorrufen.
  • In der dritten Phase soll der Betroffene die in der Therapie erlernten Verhaltensweisen in die tägliche Lebensgestaltung einbinden. Er steigert dadurch seine Selbstachtung und entwickelt und setzt individuelle Ziele um.

Die dialektisch-behaviorale Therapie der Borderline-Störung wurde als ambulante Behandlungsmethode entwickelt. Unter manchen Umständen, zum Beispiel bei anhaltendem lebensbedrohlichem Verhalten, ist aber zumindest vorübergehend eine stationäre Therapie ratsam. Bisherige Untersuchungen zur dialektisch-behavioralen Therapie zeigen, dass insbesondere in den Bereichen der Selbstverletzungen, stationären Aufenthalte, Depressivität und sozialer Einbindung deutliche Verbesserungen bei den Betroffenen erreicht werden konnten.

Weitere Therapieverfahren

Neben der dialektisch-behavioralen Borderline-Therapie (DBT) gibt es weitere verhaltenstherapeutische Ansätze, deren Wirksamkeit aber weniger gut belegt ist als bei der DBT:

  • Schema-fokussierte Therapie (SFT)
  • Mentalisierungs-basierte Therapie (MBT)
  • Übertragungs-fokussierte Psychotherapie (TFP)

Der Schema-fokussierten Borderline-Therapie liegt die Annahme zugrunde, dass negative Denkmuster (Schemata) die Ursache der Persönlichkeitsstörung sind. Sie können zum Beispiel infolge von negativen Kindheitserlebnissen entstehen. Bei der SFT versuchen Therapeut und Betroffener gemeinsam, diese Schemata zu erkennen und zu verändern. Dies geschieht in drei Phasen:

  • Der von Borderline Betroffene und der Therapeut bauen zunächst als Grundlage ein positives und vertrauensvolles Verhältnis zueinander auf. Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung lernen in dieser Phase ausserdem, angemessen mit ihren Gefühlen umzugehen.
  • Die zweite Phase ist die eigentliche Therapiephase, in der es darum geht, die erlernten negativen Denkmuster aufzubrechen und zu verändern.
  • Die dritte Phase dient der psychischen Stabilisierung. Betroffene setzen die erarbeiteten Strategien in ihrem Alltag um und lösen sich dabei immer weiter vom Therapeuten.

Die Mentalisierungs-basierte Therapie kombiniert psychoanalytische Ansätze mit der sogenannten Bindungstheorie. Grundlage ist die Annahme, dass Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung die Fähigkeit fehlt, die eigenen Erlebnisse und Gefühle sowie die anderer nachzuvollziehen und zu verstehen – also zu mentalisieren. Bei der MBT stehen daher das Erleben der Betroffenen und die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen in den Mittelpunkt gestellt. Die Mentalisierungs-basierte Borderline-Therapie erfolgt in Gruppen.

Die Übertragungs-fokussierte Psychotherapie setzt sich aus einer Vorbereitungs- und mehreren Therapiephasen zusammen. In der Vorbereitungsphase schliessen der Betroffene und der Therapeut mündlich einen Behandlungsvertrag, in dem die Therapieziele festgelegt werden. Die einzelnen Therapieziele werden anschliessend in unterschiedlichen Therapiephasen bearbeitet. So kann zum Beispiel in einer Therapiephase zu Beginn der Behandlung das Ziel, das eigene Verhalten besser zu kontrollieren und eigene Gefühle zu verarbeiten im Vordergrund stehen.

Medikamente (sog. Psychopharmaka) können beim Borderline-Syndrom die Therapie ergänzen: zum Beispiel Neuroleptika, die auch in der Schizophrenie-Therapie verwendet werden, oder selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

7. Verlauf

Beim Borderline-Syndrom kann der Verlauf sehr unterschiedlich sein. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Intensität der Störung meist ab, so dass viele Betroffene im Erwachsenenalter sowohl im privaten wie im beruflichen Bereich psychisch stabiler sind.

Das Borderline-Syndrom nimmt oft einen chronischen Verlauf. Neben anhaltender Instabilität in verschiedenen Bereichen verlieren Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig phasenweise vollkommen die Kontrolle über ihre Gefühle. Beim Borderline-Syndrom hängt der Verlauf stark von einer angemessenen Therapie ab. Da die Borderline-Persönlichkeitsstörung durch vielfältige Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und selbstschädigendes Verhalten gekennzeichnet ist, ist die Behandlung oft schwierig. So wechseln Betroffene mit Borderline-Syndrom zum Beispiel häufig den Therapeuten.

Typische Verhaltensweisen bei einer Borderline-Störung sind häufig bei den Betroffenen schon in der Kindheit und Jugend zu beobachten. Die Diagnose sollte aber nicht vor dem 14. Lebensjahr gestellt werden, da bis dahin die Persönlichkeit eines Menschen noch starken Entwicklungen unterliegt.

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8. Vorbeugen

Allgemeine Massnahmen, die einem Borderline-Syndrom vorbeugen, sind bis heute nicht bekannt. Eine frühzeitige Information über das Borderline-Syndrom kann dazu beitragen, dass Betroffene früher eine geeignete Behandlung aufsuchen.

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