1. Home
  2. Gesundheit
  3. Chondrokalzinose (Pseudogicht)

Chondrokalzinose

(Pseudogicht)
Von

1. Überblick

Die Chondrokalzinose (Pseudogicht) ist eine Gelenkerkrankung, bei der vor allem die Knorpel der Knie-, Hand- und Hüftgelenke verkalken. Auch Sehnen, Bänder und Bandscheiben können betroffen sein. In vielen Fällen bleiben Symptome aus.

Wenn bei der Chondrokalzinose Beschwerden auftreten, können sie der Gicht ähneln, sind jedoch weniger stark. Aus dieser Ähnlichkeit leitet sich die Bezeichnung Pseudogicht für die Chondrokalzinose ab. Anders als bei einem Gichtanfall, bei dem typischerweise das Grundgelenk einer Grosszehe schmerzhaft entzündet ist (sog. Podagra), kommt es bei der Pseudogicht aber vor allem im Knie zu entzündungsbedingten Beschwerden. Ein weiterer Unterschied zwischen Gicht und Pseudogicht besteht in den Kristallen, die sich bei beiden Erkrankungen vermehrt in den Gelenken ablagern: Bei Gicht handelt es sich um Harnsäurekristalle, bei der Pseudogicht bestehen die Ablagerungen aus Kalziumpyrophosphat.

Die Ursachen für das Auftreten einer Pseudogicht lassen sich häufig nicht feststellen (sog. idiopathische Chondrokalzinose). Erblich bedingte Faktoren, Stoffwechselerkrankungen und bereits vorhandene Gelenkveränderungen begünstigen die Entstehung der Chondrokalzinose.

Zur Diagnose der Chondrokalzinose eignen sich eine Röntgenuntersuchung und eine Gelenkpunktion: In der bei der Punktion gewonnenen Gelenkflüssigkeit sind die für eine Chondrokalzinose kennzeichnenden Kristalle mikroskopisch nachweisbar.

Zur Chondrokalzinose-Therapie kommen – wie bei anderen Gelenkerkrankungen – Medikamente (nicht-steroidale Antirheumatika) zum Einsatz, um akute Attacken zu lindern. Gegen akute Pseudogicht-Beschwerden kann ausserdem eine Kältebehandlung helfen, während im chronischen Stadium der Chondrokalzinose Wärme zur Behandlung empfehlenswert ist. Unter Umständen kann bei chronischen Formen auch eine Operation notwendig sein.

Um der Entstehung einer Chondrokalzinose entgegenzuwirken, ist es ratsam, alle Erkrankungen frühzeitig behandeln zu lassen, die sich begünstigend auf die Entwicklung einer Pseudogicht auswirken könnten (z.B. Stoffwechselerkrankungen oder Gelenkveränderungen).

2. Definition

Der Begriff Chondrokalzinose (Pseudogicht) bezeichnet per Definition eine Gelenkerkrankung, bei der sich Kristalle aus Kalziumpyrophosphat in den Gelenken ablagern – dabei sind vor allem Knie, Hände und Hüfte betroffen. Die Verkalkung kann neben den Gelenken auch in Sehnen, Bänder und Bandscheiben stattfinden. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Kristallarthropathie.

Die Bezeichnung Pseudogicht rührt daher, dass die Symptome der Chondrokalzinose denen der Gicht ähneln können. Der Unterschied zwischen Gicht und Pseudogicht besteht vor allem darin, dass

 

  • bei der Pseudogicht vor allem im Knie entzündungsbedingte Beschwerden auftreten, während bei einem Gichtanfall typischerweise das Grundgelenk einer Grosszehe schmerzhaft entzündet ist (sog. Podagra),
  • die Kristalle, die sich bei beiden Gelenkerkrankungen vermehrt in den Gelenken ablagern, bei der Pseudogicht aus Kalziumpyrophosphat bestehen, bei der Gicht jedoch aus Harnsäure.

Die Chondrokalzinose tritt in zwei Formen auf:

 

  • Primäre Chondrokalzinose: Die primäre Form der Pseudogicht tritt meist chronisch ohne erkennbare Ursachen (d.h. idiopathisch) und vor allem in höherem Alter auf; Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
  • Sekundäre Chondrokalzinose: Die sekundäre Form der Pseudogicht tritt als Symptom verschiedener Störungen (wie z.B. Gicht, primäre Eisenspeicherkrankheit, Nebenschilddrüsen-Überfunktion oder Kupferspeicherkrankheit) auf.

Da die Chondrokalzinose oft ohne Beschwerden verläuft, gibt es keine verlässlichen Angaben zu ihrer Häufigkeit.

3. Ursachen

Die einer Chondrokalzinose (Pseudogicht) zugrunde liegenden Ursachen sind häufig nicht feststellbar: Bei der Gelenkerkrankung lagert sich kristallines Kalziumpyrophosphat in den Gelenkknorpeln, den Sehnen, den Bändern oder den Bandscheiben ab, wobei jedoch nicht zwangsläufig der Kalziumstoffwechsel des Organismus gestört ist. Lässt sich die Ursache hierfür nicht erfassen, bezeichnen Mediziner die Entstehung der Chondrokalzinose als idiopathisch. Die idiopathische Chondrokalzinose tritt vor allem im Alter auf.

Auslöser für mögliche Beschwerden einer Pseudogicht sind die abgelagerten Kristalle, die den Knorpel im Lauf der Zeit zerstören beziehungsweise aus dem Knorpel freigesetzt werden und so eine Gelenkentzündung verursachen. Im Allgemeinen treten erst ab diesem Zeitpunkt Beschwerden auf. Es sind mehrere Faktoren bekannt, die die Entstehung einer Chondrokalzinose begünstigen: Zu den möglichen Ursachen einer Pseudogicht gehören erblich bedingte Faktoren, Stoffwechselerkrankungen und bereits bestehende Gelenkveränderungen.

Genetische Faktoren

Für die primäre Form der Chondrokalzinose (Pseudogicht) kommen in einigen Fällen als Ursachen erblich bedingte (genetische) Faktoren infrage: Die primäre Chondrokalzinose kann familiär gehäuft auftreten, was auf eine Vererbung der Gelenkerkrankung hindeutet. Diese familiäre Chondrokalzinose beginnt meist bereits im jüngeren Erwachsenenalter und zeigt einen schwereren Verlauf.

Begünstigende Stoffwechselerkrankungen

Unter den für die sekundäre Form der Chondrokalzinose (Pseudogicht) verantwortlichen Ursachen können verschiedene begünstigende Stoffwechselerkrankungen eine Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel die Gicht, die Nebenschilddrüsen-Überfunktion, die Eisenspeicherkrankheit, möglicherweise die Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson) oder die Schilddrüsenunterfunktion.

Vorbestehende Gelenkveränderungen

Für eine sekundäre Chondrokalzinose (Pseudogicht) kommen als weitere mögliche Ursachen vorbestehende Gelenkveränderungen infrage. Dazu gehören sowohl entzündliche Erkrankungen (wie z.B. die chronische Polyarthritis) als auch Gelenkveränderungen, die durch Gelenkfehlstellungen, Unfälle oder Operationen entstehen.

4. Symptome

Eine Chondrokalzinose (Pseudogicht) kann lange Zeit ohne spürbare Symptome verlaufen: Die ersten Beschwerden treten häufig erst dann auf, wenn die Gelenkerkrankung fortgeschritten ist (d.h., wenn die abgelagerten Kristalle den Knorpel zerstört haben beziehungsweise aus dem Knorpel freigesetzt werden). Die Symptome der Chondrokalzinose sind sehr unterschiedlich und lassen sich in vier Typen unterteilen:

  • Plötzlich auftretende Entzündung eines oder weniger Gelenke: Die hierfür typischen Chondrokalzinose-Symptome sind plötzliche Schmerzen und eine Schwellung in einem Gelenk, wobei besonders häufig die Gelenke von Knie und Hand betroffen sind. Diese sogenannten Pseudogichtanfälle äussern sich zwar so ähnlich wie ein akuter Gichtanfall, aber nicht so stark. Nach einem Tag bis vier Wochen klingt solch ein akuter Anfall wieder ab. Er kann sich nach einer längeren beschwerdefreien Zeit allerdings wiederholen.
  • Relativ plötzlich, wiederholt auftretende, entzündliche Erkrankung mehrerer Gelenke: Hierbei entwickeln sich die mit der Chondrokalzinose einhergehenden Symptome der Gelenkentzündung etwas langsamer, aber schubweise, wobei ein Schub mehrere Wochen bis Monate andauert.
  • Chronische Gelenkschmerzen: Die Chondrokalzinose führt zu bleibenden Schmerzen und zu einer Arthrose. Diese Zerstörung der Gelenke betrifft meist das Knie, aber auch andere Gelenke wie Schulter, Hüfte oder Handgelenk (einzeln oder gleichzeitig). Das Beschwerdebild tritt besonders häufig bei der erblich bedingten Form der Pseudogicht auf. Die Chondrokalzinose kann dann auch mit hohem Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl verbunden sein.
  • Kalziumpyrophosphat-Ablagerungen ausserhalb der Gelenke: Bei einer Chondrokalzinose können sich auch an Sehnen (z.B. Achillessehne), Bändern und Bandscheiben Kristalle aus Kalziumpyrophosphat ablagern.

5. Diagnose

Bei der Chondrokalzinose (Pseudogicht) erfolgt die Diagnose anhand einer Röntgenuntersuchung des betroffenen Gelenks. Vor allem die Knorpel der Knie-, Hand- und Hüftgelenke sind von den für die Chondrokalzinose kennzeichnenden Kristallablagerungen betroffen. Typischerweise finden sich bei der Pseudogicht auf dem Röntgenbild feine streifige Verkalkungen des Gelenkknorpels, die parallel zum Knochen verlaufen.

Zur Chondrokalzinose-Diagnose kann auch eine Gelenkpunktion zum Einsatz kommen: Die für eine Pseudogicht typischen Kalziumpyrophosphatkristalle sind in der durch Punktion gewonnenen Gelenkflüssigkeit mit dem Mikroskop nachweisbar.

6. Therapie

Bei der Chondrokalzinose (Pseudogicht) erhalten Sie zur Therapie – wie bei anderen Gelenkerkrankungen – nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure. Diese Medikamente bringen die akute Attacke meist rasch zum Stillstand. Im akuten Stadium der Chondrokalzinose kann auch eine Kältebehandlung, im chronischen Stadium eine Wärmebehandlung Ihre Beschwerden lindern.

Bei chronischen Verlaufsformen der Chondrokalzinose sind zur Therapie – wie bei einer rheumatoiden Arthritis – möglicherweise Operationen notwendig. Der Zweck der operativen Chondrokalzinose-Behandlung kann beispielsweise darin bestehen, zerstörte Menisken der Kniegelenke zu entfernen.

Wenn Sie neben der Chondrokalzinose gleichzeitig eine Stoffwechselerkrankung beziehungsweise andere Gelenkveränderungen aufweisen, ist es ratsam, auch dagegen mit einer gezielten Therapie vorzugehen.

7. Verlauf

Eine Chondrokalzinose (Pseudogicht) zeigt häufig einen beschwerdefreien Verlauf. Spürbare Symptome einer Gelenkentzündung treten meist erst nach längerer Zeit auf und sprechen dann sehr schnell auf die medikamentöse Behandlung an.

Bei der Chondrokalzinose ist jedoch auch ein chronischer Verlauf möglich, bei dem es zur Zerstörung der betroffenen Gelenke durch Arthrose kommen kann. Die daraus entstehenden Komplikationen sind schmerzende und in ihrer Funktion eingeschränkte Gelenke.

8. Vorbeugen

Einer Chondrokalzinose (Pseudogicht) können Sie nur eingeschränkt vorbeugen, indem Sie konsequent alle Erkrankungen frühzeitig behandeln lassen, die sich begünstigend auf die Entstehung einer Chondrokalzinose auswirken. Dazu gehören beispielsweise Stoffwechselerkrankungen oder bereits bestehende Gelenkveränderungen.