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Chronisches Erschöpfungssyndrom

(Chronic-Fatigue-Syndrom)
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1. Überblick

Das chronische Erschöpfungssyndrom wird auch chronisches Müdigkeitssyndrom oder Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) genannt. Es zeichnet sich durch einen dauerhaften Erschöpfungszustand mit begleitendem Krankheitsgefühl aus, der länger als sechs Monate andauert.

Durch die lähmende körperliche und geistige Erschöpfung kommt es bei den Betroffenen zu einer verminderten Leistungsfähigkeit und körperlichen Beschwerden, die von Kopfschmerzen über Schlafstörungen bis hin zu Verdauungsproblemen reichen. Die Betroffenen finden zudem keine Erholung im Schlaf.

Als mögliche Auslöser des chronischen Erschöpfungssyndroms werden chronische Infekte – insbesondere durch Viren –, aber auch Immunfehlfunktionen diskutiert. Darüber hinaus stehen unter anderem eine einseitige Ernährung sowie belastende Lebenserfahrungen als Auslöser für das Chronic-Fatigue-Syndrom unter Verdacht. Was jedoch die tatsächlichen Ursachen der Erkrankung sind, ist immer noch ungeklärt – das chronische Erschöpfungssyndrom ist noch wenig erforscht. Obwohl es bislang keine aussagekräftigen Hinweise auf mögliche körperliche Ursachen gibt, scheint das chronische Müdigkeitssyndrom keine psychische Erkrankung oder etwa die Folge einer Depression zu sein. Allerdings ist eine depressive Verstimmung oder Depression bei vielen Betroffenen eine Folge des CFS, die auch behandelt werden sollte.

Da die genauen Ursachen des chronischen Erschöpfungssyndroms nicht geklärt sind, zielen Therapieversuche vor allem darauf ab, die bestehenden Symptome zu lindern und die durch die Erkrankung oft eingeschränkte Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern. Je früher sich Betroffene ärztliche Hilfe suche, desto günstiger sind insgesamt die Aussichten auf eine Besserung der Beschwerden.

Die Diagnose des chronischen Erschöpfungssyndroms wird mittels einer intensiven Untersuchung und durch den Ausschluss anderer infrage kommender Erkrankungen gestellt. Manchen Ärzten ist die Erkrankung jedoch kaum bekannt. Viele Patienten kommen deshalb erst nach einer regelrechten Ärzte-Odyssee zu einer Diagnose.

2. Definition

Das chronische Erschöpfungssyndrom zeichnet sich vor allem durch einen chronischen, stark belastenden Erschöpfungszustand mit begleitendem Krankheitsgefühl aus, der plötzlich beginnt und länger als sechs Monate andauert. Auch nach ausreichend Schlaf fühlen sich Betroffene nicht erholt.

Häufigkeit

Über die Häufigkeit des chronischen Erschöpfungssyndroms in der Schweiz gibt es keine genauen Zahlen. In den USA sollen Schätzungen zufolge mehr als eine Million Menschen vom Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) betroffen sein. Die Schwankungen in den Schätzungen beruhen unter anderem auf unterschiedlichen Auslegungen des Krankheitsbildes. Insgesamt scheinen Frauen häufiger als Männer betroffen zu sein.

3. Ursachen

Bislang ist noch nicht geklärt, welche Ursachen das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) hat. Es wird vermutet, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren Auslöser für das chronische Erschöpfungssyndrom ist. Hierbei ist es wichtig, Auslöser nicht mit Ursache gleichzusetzen.

Verschiedene Infektionskrankheiten beziehungsweise deren Krankheitserreger standen in der Vergangenheit immer wieder als mögliche Auslöser für das Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) zur Debatte, so zum Beispiel:

 

Allerdings gibt es bisher keinen Nachweis dafür, dass ein einzelner Krankheitserreger die Ursache für ein späteres chronisches Erschöpfungssyndrom ist. Kurzzeitig dachte man, ein bestimmtes Virus (XMRV, Xenotropic murine leukemia virus) als Auslöser für das Chronic-Fatigue-Syndrom identifiziert zu haben. Mittlerweile hat man dieses Virus jedoch als Ursache ausschliessen können. Dennoch ist nicht auszuschliessen, dass Infektionskrankheiten zum Entstehen eines CFS beitragen können.

Andere Wissenschaftler vermuteten verschiedene Fehlfunktionen des Immunsystems als Ursache für das chronische Erschöpfungssyndrom. Dies liess sich bisher jedoch nicht bestätigen. Allergische Erkrankungen und eine dadurch bedingte ständige Aktivierung des Immunsystems scheinen möglicherweise eine Rolle zu spielen, sie können jedoch nicht der einzige Auslöser sein, da nicht alle CFS-Betroffene Allergien haben.

Neben akute Belastungen wie Infektionen scheinen auch psychische Belastungen eine Rolle als Auslöser zu spielen. Viele Betroffene berichten von belastenden Lebenserfahrungen vor Beginn des chronischen Erschöpfungssyndroms, wie zum Beispiel dem Tod eines nahestehenden Menschen oder einer Trennung.

Bisher gibt es keine Hinweise, die belegen, dass eine einseitige Ernährung beziehungsweise ein Nährstoffmangel Ursache des chronischen Müdigkeitssyndroms sein könnte.

Ebenfalls ungeklärt ist, ob Giftstoffe aus dem Lebensumfeld des Betroffenen Auslöser des chronischen Müdigkeitssyndroms sein können.

4. Symptome

Das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) ist ein komplexes Krankheitsbild, das die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen oft jahrelang massiv beeinträchtigt.

Charakteristische Symptome des Chronic-Fatigue-Syndroms (CFS) sind eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung, die plötzlich beginnt und durch welche die Betroffenen ihre gewohnten Aktivitäten um bis zu 50 Prozent oder mehr verringern. Die Beschwerden müssen seit sechs Monaten oder länger bestehen. Schlaf und Schonung führen bei den Betroffenen zu keinerlei Erholung und verbessern den Zustand nicht.

Die Erschöpfung oder Müdigkeit, die die Patienten empfinden, ist keinesfalls mit jener Müdigkeit zu vergleichen, die gesunde Menschen etwa nach paar schlaflosen Nächten oder nach einem anstrengenden Arbeitstag empfinden. Das Unverständnis der Umwelt, für die die Beschwerden in der Regel kaum nachzuvollziehen sind, kann Betroffene zusätzlich belasten.

Typisch für das chronische Erschöpfungssyndrom ist zudem, dass bereits durchschnittliche körperliche oder psychische Belastungen beziehungsweise Anstrengungen den Erschöpfungszustand verschlechtern. Die Verschlechterung tritt teilweise nicht sofort nach der Belastung auf, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu 12 bis 48 Stunden und kann auch einige Tage oder Wochen andauern.

Darüber hinaus können verschiedene weitere Symptome auftreten, wie zum Beispiel:

Die Ausprägung des chronischen Erschöpfungssyndroms ist individuell sehr verschieden. Während einige Betroffene eine eher schwächere Form der Erkrankung haben, sind andere Patienten so schwer beeinträchtigt, dass ein normaler Alltag kaum noch möglich ist. Informationen des britischen Gesundheitsministeriums zufolge könnte man beim CFS folgende Abstufungen unterscheiden:

 

  • Milde Form: Das chronische Erschöpfungssyndrom schränkt den Alltag der Betroffenen nur zum Teil ein. Sie können sich immer noch um sich selbst und ihren Haushalt kümmern, wenn auch unter leichten Schwierigkeiten. Die meisten können ihren Beruf noch ausüben, was jedoch viel Energie kostet. Viele Betroffene schrauben deshalb alle anderen Aktivitäten immer mehr zurück und verwenden ihre Freizeit inklusive des Wochenendes vor allem darauf, genug Energie zu sammeln, um die nächste Woche bewältigen zu können.
  • Moderate Form: Der Alltag und die Mobilität der Betroffen sind deutlich eingeschränkt und viele nicht mehr fähig, ihrem Beruf nachzukommen. Immer wieder sind Ruhepausen über den Tag notwendig, Betroffene kommen tagsüber oft nicht ohne ein bis zwei Stunden Schlaf aus. Der Nachtschlaf ist gestört und meist von schlechter Qualität.
  • Schwere Form: Betroffene können nur noch kleinste Aufgaben bewältigen (z.B. Gesicht waschen, Zähneputzen), Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit sind stark beeinträchtigt. Möglicherweise ist ein Rollstuhl notwendig. Das Zuhause können sie kaum noch verlassen und wenn, verschlechtert die Anstrengung die Beschweren danach deutlich.
  • Sehr schwere Form: Das CFS schränkt den Alltag extrem ein. Betroffene sind kaum fähig, sich zu bewegen, geschweige denn, sich um sich selbst zu kümmern. Viele verbringen den Grossteil des Tages im Bett und sind sehr lärm- und helligkeitsempfindlich.

5. Diagnose

Das Krankheitsbild des chronischen Erschöpfungssyndroms (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) ähnelt auf den ersten Blick dem vieler anderer Krankheiten, wie etwa Infektionen der inneren Organen (z.B. Hepatitis oder Tuberkulose), einer Schilddrüsenunterfunktion oder allergischen Erkrankungen. Daher muss der Arzt zuerst andere Erkrankungen ausschliessen, bevor er ein chronisches Erschöpfungssyndrom in Erwägung ziehen kann.

Um andere Krankheiten oder auch einen Nährstoffmangel auszuschliessen, nimmt der Arzt in der Regel verschiedene Blut- und Urinuntersuchungen vor. Er klärt ausserdem eventuell bestehende allergische Erkrankungen ab.

Auch die Lebensumstände des Betroffenen sollten näher unter die Lupe genommen werden: Bestehen ständige Stresssituationen? Liegt möglicherweise eine depressive Verstimmung vor?

Für ein chronisches Erschöpfungssyndrom sprechen folgende Kriterien:

  • Die Beschwerden bestehen seit über sechs Monaten.
  • Die permanente Erschöpfung führt zu deutlichen Einschränkungen im beruflichen und privaten Bereich.
  • Der Erschöpfungszustand bessert sich auch nach Schlaf und Schonung nicht.
  • Permanente Überlastung scheidet als Ursache aus.
  • Das Beschwerdebild besteht nicht schon lebenslang, sondern es gibt einen eindeutigen zeitlichen Beginn.
  • Neben der lähmenden Erschöpfung treten zusätzlich allgemeine Beschwerden wie vermehrte/ungewohnte Kopfschmerzen, Muskelschmerzen oder erkältungsähnliche Symptome auf.

6. Therapie

Da die Ursachen des chronischen Erschöpfungssyndroms (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) bislang unklar sind, richtet sich die Therapie vor allem nach dem individuellen Beschwerdebild und versucht, die Symptome zu lindern.

Psychologische Unterstützung

Durch die Belastungen des chronischen Erschöpfungssyndroms entstehen beim Betroffenen häufig weitere Beschwerden, wie zum Beispiel Ängste, depressive Verstimmungen oder Depressionen. Viele Patienten empfinden zudem einen hohen Leidensdruck sowie Gefühle der Wut oder Verzweiflung über die häufig mit dem Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) einhergehende Leistungseinschränkung. Eine psychologische Betreuung, zum Beispiel in Form einer Psychotherapie, kann Betroffenen dabei helfen, mit der Erkrankung zurechtzukommen. Je nach Situation kann auch eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten sinnvoll sein.

Kognitive Verhaltenstherapie

Insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, einer Form der Psychotherapie, kann Betroffenen mit chronischem Erschöpfungssyndrom nachweislich helfen, die Symptome zu lindern. Mit Hilfe der kognitiven Verhaltenstherapie lassen sich ungünstige Denkmuster oder Verhaltensweisen aufdecken, die zu einer nachteiligen Stressverarbeitung führen und so das CFS verstärken können.

Bewegung

Viele Betroffene mit chronischem Erschöpfungssyndrom (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) beginnen, sich permanent zu schonen. Sie trauen sich kaum noch körperliche Aktivitäten zu, aus Angst, die extreme Erschöpfung weiter zu steigern. Dauerhaftes Schonverhalten und längere Inaktivität steigern jedoch die körperlichen Beschwerden und verstärken die Erschöpfungszustände sogar. Gemässigte körperliche Bewegung scheint sich dagegen positiv auf die Beschwerden auszuwirken.

Die eigenen Grenzen zu respektieren, ist hierbei ein zentraler Aspekt für Betroffene mit chronischem Erschöpfungssyndrom – ein Training sollte nur jeweils soweit ausgeführt werden, dass sich keine weitere Erschöpfung einstellt. Das richtige Mass zwischen Aktivität und Ruhe zu finden, muss individuell ausgetestet werden. Ein straffes Sportprogramm wirkt sich beispielsweise in der Regel eher nachteilig aus. Denn belasten sich Patienten mit Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) über ihre Grenzen hinaus, verschlechtern sich die Beschwerden unter Umständen – häufig zeitverzögert erst nach 12 bis 48 Stunden. Bis Betroffene sich von dieser Verschlechterung wieder erholen, dauert es zum Teil Tage oder Wochen.

Dennoch ist es wichtig, beim chronischen Erschöpfungssyndrom körperliche Aktivität nicht zu meiden, damit sich der Zustand nicht durch zu viel Schonung verschlechtert. Hierbei ist es jedoch darauf zu achten, mit sanften, nicht zu lang dauernden Bewegungsübungen zu beginnen und sich nicht zu übernehmen. Anfangs genügen in der Regel bereits fünf Minuten tägliches Training mit leichten Dehnungsübungen sowie Übungen, die den eigenen Bewegungsumfang verbessern. Später kann man die sportlichen Aktivitäten nach und nach steigern – ganz nach den eigenen Möglichkeiten. Viele Betroffene erreichen so eine Linderung ihrer Beschwerden.

Symptom-orientierte Behandlung

Neben der lähmenden körperlichen und geistigen Erschöpfung können beim chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) zahlreiche weitere Symptome in unterschiedlicher Stärke auftreten. Je nachdem, welche Beschwerden den Betroffenen individuell am meisten beeinträchtigen, können diese in Absprache mit dem Arzt behandelt werden. Häufige Probleme sind zum Beispiel Schlafstörungen, Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen, aber auch Magen-Darm-Beschwerden oder depressive Verstimmungen. Ob und welche Medikamente helfen können, muss der Arzt entscheiden.

Viele Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom belasten vor allem Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Hier können zum Beispiel Meditations- und Entspannungsübungen die Beschwerden verbessern, aber auch einfache Gedächtnisstützen sind hilfreich, etwa in Form eines Terminplaners.

Schmerztherapie

Im Verlauf eines chronischen Erschöpfungssyndroms (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) berichten viele Betroffene von schmerzhaften Beschwerden, wie zum Beispiel Muskel- und Gelenkschmerzen, aber auch Kopfschmerzen oder einer Überempfindlichkeit der Haut, bei der bereits leichte Berührungen als Schmerz wahrgenommen werden. In solchen Fällen können schmerzlindernde Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen helfen. Je nach individueller Situation ist abzuwägen, ob ein Schmerztherapeut hinzugezogen werden sollte.

Bestehende Schmerzen lassen sich auch ohne Medikamente behandeln, zum Beispiel mit:

  • Physiotherapie
  • Massage
  • Wärmebehandlungen
  • Hydrotherapie
  • Entspannungstechniken
  • Akupunktur

Ernährung

Hinweise, dass ein Nährstoffmangel Ursache für das chronische Erschöpfungssyndrom sein könnte, gibt es zwar nicht – eine ausgewogene Ernährung wirkt sich jedoch prinzipiell positiv auf die Gesundheit und auch auf viele chronische Erkrankungen günstig aus. Für Betroffene mit chronischem Erschöpfungssyndrom empfiehlt es sich daher, auf eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen und Ballaststoffen zu achten.

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken wie

  • progressive Muskelentspannung,
  • Atemübungen,
  • autogenes Training,
  • Yoga,
  • Tai-Chi oder
  • Qigong, aber auch
  • Massagen

können dabei helfen, die Beschwerden bei chronischem Erschöpfungssyndrom zu lindern, indem sie Anspannungen und Stress abbauen.

Selbsthilfegruppen

Viele Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) finden in Selbsthilfegruppen Unterstützung durch andere Betroffene. Der Austausch mit anderen Erkrankten, die nachvollziehen können, wie sehr das Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) das alltägliche Leben einschränken kann, wirkt oft erleichternd, insbesondere, da die Erkrankung in der Umwelt der Patienten häufig auf Unverständnis trifft. Einige Betroffene empfinden einen Austausch mit anderen Betroffenen jedoch möglicherweise eher als zusätzlich belastend. Ob eine Selbsthilfegruppe das Richtige ist, muss daher jeder selbst abwägen.

Die richtige Schlafhygiene

Typisch für Personen mit chronischem Erschöpfungssyndrom (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) ist, dass sie sich auch nach ausreichend Schlaf nicht erholt fühlen. Gleichzeitig berichten viele Betroffene von Schlafstörungen. Eine gute Schlafhygiene kann die Schlafqualität verbessern. Unter Schlafhygiene versteht man allgemeine Massnahmen, die sich positiv auf den Schlaf auswirken, so zum Beispiel:

  • Einschlafrituale: Wer vor dem Schlafengehen die Dinge immer auf dieselbe Weise und in derselben Reihenfolge tut, stimmt sich innerlich schon auf das baldige Schlafen ein.
  • Mittagsschlaf vermeiden: Wer nicht gut schläft, ist möglicherweise geneigt, nachmittags ein kleines Schläfchen zu halten. Das wirkt sich jedoch ungünstig auf den Nachtschlaf aus. Wer auf den Mittagsschlaf verzichtet, erhöht also den Schlafdruck für die Nacht.
  • Vor dem Schlafengehen sollte man sich genug Zeit zum Abschlaffen lassen.
  • Bett nicht zweckentfremden: Essen, arbeiten, fernsehen oder lesen im Bett können sich ungünstig auf den Schlaf auswirken.
  • Zimmertemperatur: Die zum Schlafen ideale Zimmertemperatur liegt bei 16 bis 18 Grad Celsius.
  • Dunkelheit und Ruhe: Das Schlafzimmer sollte sich abdunkeln lassen und Lärmquellen sind möglichst auszuschalten. Bei lauten Nachbarn oder anderen Störgeräuschen können Ohrstöpsel helfen.
  • Koffein, Alkohol und Tabak: Koffeinhaltige Getränke wie Cola, Kaffee, schwarzer Tee oder Energydrinks, aber auch Alkohol und Zigaretten können den Schlaf stören.

Antidepressiva

Auch wenn es bisher keine konkreten Hinweise auf mögliche körperliche Ursachen gibt, scheint das chronische Erschöpfungssyndrom dennoch keine psychische Erkrankung oder Folge einer Depression zu sein. Allerdings entwickeln viele Betroffene durch die Belastungen des chronischen Erschöpfungssyndroms eine depressive Verstimmung oder Depression, die einer Behandlung bedarf. Welche Antidepressiva in solchen Fällen individuell infrage kommen, muss der Arzt entscheiden.

7. Verlauf

Typisch für das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) ist der relativ plötzliche Beginn. Die meisten Betroffenen können einen konkreten Zeitraum bestimmen. Die typische lähmende körperliche und geistige Erschöpfung, bei der auch Schlaf keine Erholung bringt, dauert dabei länger als sechs Monate an. Sie wird in der Regel von weiteren Beschwerden, wie etwa Muskelschmerzen, Halsschmerzen oder Schlafstörungen begleitet.

Wie stark ausgeprägt die Beschwerden beim Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) sind, ist dabei individuell ganz verschieden. Zum Teil sind Betroffene kaum noch in der Lage, ihren täglichen Aktivitäten nachzukommen. Andere können noch genug Energien dafür aufbringen, ihren Beruf auszuüben, benötigen jedoch ihre komplette restliche Freizeit, um sich von den Belastungen zu erholen. Im Verlauf eines chronischen Erschöpfungssyndroms beginnen viele, sich immer mehr zurückzuziehen und Aktivitäten – seien sie sportlicher, sozialer oder anderer Natur – nach und nach zurückzuschrauben.

Häufig verläuft das chronische Erschöpfungssyndrom zyklisch, das heisst die Beschwerden bessern sich nach einiger Zeit, nehmen schliesslich jedoch wieder zu. Möglicherweise verschwinden die Symptome für eine gewisse Zeit auch ganz. Hier besteht das Risiko, dass sich Betroffene in dieser Zeit zu viel zu muten und es dadurch zu einem Rückfall kommt. Je früher sich Betroffene ärztliche Hilfe suche, desto günstiger sind insgesamt die Aussichten auf eine Besserung der Beschwerden.

8. Vorbeugen

Da bisher keine genauen Informationen zu den möglichen Ursachen des chronischen Erschöpfungssyndroms (Chronic-Fatigue-Syndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) vorliegen, gibt es keine konkreten Empfehlungen, mit denen man der Erkrankung vorbeugen könnte.

Prinzipiell kann es jedoch nicht schaden, schon frühzeitig Strategien zu entwickeln, um angemessen mit Stress umzugehen. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, Bewegung und ausgewogener Ernährung trägt zudem in jeder Hinsicht dazu bei, das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.