1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Clostridium-difficile-Infektion

1. Überblick

Clostridium difficile – das ist der Name eines Bakteriums, das in den letzten Jahren immer häufiger zu teils schweren Darminfektionen führt.

Gesunde Menschen, die sich mit Clostridium difficile anstecken, haben in der Regel keine Beschwerden. Zum Problem wird eine Clostridium difficile-Infektion (CDI) meist erst, wenn die  Darmflora gestört ist, etwa nach langer Antibiotikaeinnahme. Die Symptome reichen von leichten Durchfällen bis hin zu schweren Darmentzündungen und damit einhergehenden Komplikationen.

Das Bakterium Clostridium difficile tragen bis zu fünf von hundert gesunde Erwachsene in sich, ohne etwas davon zu bemerken. Sie sind infiziert, werden durch den Erreger aber nicht krank. Anders sieht es bei Personen aus, deren Darmflora stark geschädigt ist. Bei ihnen kann sich das Bakterium im Darm ausbreiten und zu Beschwerden führen. Bestimmte Giftstoffe (Toxine), die die Bakterien produzieren, greifen dabei die Darmschleimhaut an.

Nicht jeder Mensch, der sich mit Clostridium difficile angesteckt hat, wird dadurch krank. Gefährdet sind vor allem Personen, die vor Kurzem Antibiotika eingenommen haben oder ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Besonders häufig kommt es zu Infektionen in Spitälern.

Clostridium difficile ist ein widerstandsfähiges Bakterium. Es ist in der Lage, in Form von Sporen für lange Zeit in der Umwelt zu überdauern – etwa auf Türklinken oder Telefonhörern. Über solche kontaminierten Gegenstände kann sich eine Person mit dem Keim anstecken. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, denn Clostridium difficile wird mit dem Stuhl ausgeschieden und kann zum Beispiel beim Händeschütteln weitergegeben werden.

Beschwerden durch Clostridium-difficile-Infektionen nehmen weltweit zu – insbesondere in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sind Durchfallerkrankungen durch das Bakterium keine Seltenheit. Dabei berichten Wissenschaftler auch über eine Zunahme besonders schwerer Verläufe. Seit Beginn der 2000er Jahre beobachten Forscher einen neuen Stamm von Clostridium difficile (sog. Riboytyp 027), der besonders viele Giftstoffe bildet und schwer zu bekämpfen ist.

Nicht immer bedarf eine Clostridium-difficile-Infektion einer medikamentösen Therapie – haben beispielsweise Antibiotika die Infektion begünstigt, klingen die Symptome manchmal von selbst ab, wenn die Antibiotika abgesetzt werden. In anderen Fällen verläuft die Erkrankung jedoch so schwer, dass Medikamente oder chirurgische Eingriffe nötig sind. Insbesondere die sogenannte pseudomembranöse Kolitis kann mit Komplikationen wie etwa einem Darmdurchbruch verbunden sein. Die pseudomembranöse Kolitis ist eine schwere Darmentzündung, die in über 95 Prozent aller Fälle durch Clostridium difficile ausgelöst wird.

Etwa 20 von 100 Durchfallerkrankungen, die im Zusammenhang mit einer Antibiotikaeinnahme entstanden sind (sog. Antibiotika-assoziierte Diarrhö), sind auf eine Clostridium-difficile-Infektion zurückzuführen.

2. Definition

Eine Infektion mit Clostridium difficile (CDI = Clostridium-difficile-Infektion) kann eine Erkrankung der Darmschleimhaut auslösen, die vor allem mit Durchfall einhergeht. Ärzte sprechen auch von einer Clostridium difficile assoziierten Diarrhö, kurz CDAD. Die Erkrankung kann dabei unterschiedlich schwer ausgeprägt sein.

Clostridium difficile ist ein stäbchenförmiges Bakterium und zählt zur Gattung der Clostridien. Clostridien sind anaerob, das heisst: Sie können nur dort wachsen, wo kein Sauerstoff vorhanden ist, so wie etwa im Darm. Allerdings sind Clostridien in der Lage, auch in sauerstoffreicher Umgebung zu überleben, indem sie sogenannte Sporen bilden. Sporen sind widerstandsfähige Dauerformen der Bakterien. Die Sporen von Clostridium difficile sind besonders resistent gegen Hitze, Trockenheit und verschiedene Chemikalien, so zum Beispiel gegen viele Desinfektionsmittel. Gelangen die Sporen in den Körper, können sie dort wieder zu «aktiven» Bakterien werden und sich ausbreiten.

Nicht jeder Mensch, der Clostridium difficile in sich trägt, wird davon krank: Bei bis zu 5 von 100 Menschen gehört das Bakterium zur normalen Darmflora. Sie tragen das Bakterium in sich, ohne dass sie davon krank werden.

In der Schweiz fehlen genaue Daten zur Verbreitung der Krankheit. Ebenso gehört die CDI nicht zu den meldepflichtigen Krankheiten.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge sind 2 bis 4 von 10 Spitalpatienten mit Clostridium difficile infiziert. Die wenigsten werden tatsächlich davon krank, da ihre Darmflora widerstandsfähig genug ist – jedoch können sie den Keim auf andere Patienten übertragen. Clostridium difficile gilt als häufigster Erreger eines im Spital erworbenen Durchfalls.

 

Immer mehr Fälle

Forscher beobachten seit 2003 einen weltweiten Anstieg von Clostridium-difficile-Infektionen. Zudem werden vermehrt besonders schwere Verläufe verzeichnet. Viele von ihnen sind auf neue, aggressive Stämme des Keims zurückzuführen, Stämme vom sogenannten Ribotyp 027. Diese Variante von Clostridium difficile produziert besonders viele Giftstoffe – bis zu 20-mal mehr als andere Stämme – und ist gegen einige Antibiotika resistent. Die Folge sind schwere Erkrankungen, die tödlich verlaufen können.

3. Ursachen

Clostridium difficile ist hoch ansteckend. In den meisten Fällen entstehen die Infektionen im Rahmen eines Spitalaufenthaltes.

Viele Menschen tragen das Bakterium in sich, ohne davon krank zu werden. Nur wenn die Darmflora sehr gestört ist, kann sich Clostridium difficile übermässig vermehren und zu Durchfall führen – bis hin zu einer schweren Darmentzündung (sog. pseudomembranöse Kolitis). Dies passiert meist

  • nach einer Therapie mit Antibiotika innerhalb der letzten drei Monate und / oder
  • bei älteren, geschwächten Menschen, insbesondere, wenn sie unter schweren Vorerkrankungen leiden.

Oft sind Antibiotika die Ursache für eine Durchfallerkrankung durch Clostridium difficile. Normalerweise sind die in der natürlichen Darmflora vorkommenden Keime in der Lage, fremde Erreger in Schach zu halten. Antibiotika reduzieren jedoch vorübergehend die Zahl der schützenden Keime im Darm, sodass sich andere Erreger wie etwa Clostridium difficile ausbreiten können. Durch die Antibiotika wird das natürliche Gleichgewicht der Darmflora gestört – die Bakterien können sich übermässig vermehren.

Aber auch Personen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) oder einem schwachen Immunsystem (z.B. aufgrund einer Chemotherapie) sind gefährdet, durch Clostridium difficile krank zu werden. Grosse bauchchirurgische Eingriffe erhöhen ebenfalls das Erkrankungsrisiko, ebenso wie eine Behandlung mit Protonenpumpenhemmern. Protonenpumpenhemmer kommen zum Einsatz, um die Bildung von Magensäure zu reduzieren.

Was genau führt zu den typischen Symptomen einer Clostridium-difficile-Infektion? Das Bakterium – genauer gesagt einige Stämme des Keims – bildet Giftstoffe (Toxine), die für die Beschwerden verantwortlich sind. Dies sind vor allem:

  • Enterotoxin A: Das Toxin stört u.a. den Elektrolythaushalt im Darm und ist z.B. für den Flüssigkeitsverlust in Form von wässrigen Durchfällen verantwortlich.
  • Zytotoxin B: Dieses Gift schädigt die Schleimhautzellen im Darm, was sich z.B. durch Entzündungen und Blut im Stuhl bemerkbar machen kann.

Übertragung

Das Bakterium kann auf verschiedenen Wegen in den menschlichen Körper gelangen:

  • Übertragung von Mensch zu Mensch: Sporen von Clostridium difficile werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Das Bakterium kann durch eine Schmierinfektion weitergegeben werden, etwa beim Händeschütteln, wenn die Hände nach dem Toilettengang nicht ausreichend gereinigt wurden. Ist das Bakterium auf die Hand einer Person gelangt, kann es leicht in den Körper geraten – etwa, wenn die Person anschließend etwas isst oder sich an den Mund fasst.
  • Übertragung über kontaminierte Gegenstände: Die Sporen können an Gegenständen haften und somit an einen anderen Menschen geraten, so zum Beispiel über eine Türklinke, den Telefonhörer oder über die Brille einer Toilettenschüssel.

Zudem ist es möglich, dass sich die Sporen über die Luft verbreiten.

Während der akuten Krankheitsphase ist die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch. Aber auch, wenn die Symptome bereits verschwunden sind, kann das Bakterium noch für einige Zeit im Stuhl zu finden sein und andere Menschen infizieren.

Darmentzündungen durch Clostridium difficile treten am häufigsten im Spital auf (als sog. nosokomiale Infektion). Im Spital kann sich der Keim besonders gut ausbreiten – gegen viele Desinfektionsmittel ist er resistent. Auch in Alters- und Pflegeheimen ist die Gefahr einer Ansteckung erhöht.

4. Symptome

Ist die Darmflora entsprechend gestört, etwa nach einer Antibiotikatherapie, kann sich Clostridium difficile ausbreiten und zu Beschwerden führen. Die Symptome einer Clostridium-difficile-Infektion können unterschiedlich schwer sein: Sie reichen von

  • Durchfall (sog. Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö, kurz CDAD) bis hin zu
  • schweren Darmentzündungen (sog. pseudomembranöse Kolitis) mit möglichen Komplikationen wie etwa einem Darmdurchbruch.

Sind Antibiotika der Auslöser für die Erkrankung, treten die ersten Symptome während oder wenige Tage nach der Behandlung auf. Seltener vergeht mehr Zeit, bis die Erkrankung ausbricht (bis zu Monaten).

Typische Symptome

Eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) führt zu wässrigem Durchfall, der plötzlich einsetzt und selten mit Blut im Stuhl einhergehen kann. Charakteristisch ist dabei ein fauliger Geruch.

Weitere Symptome einer durch Clostridium difficile ausgelösten Durchfallerkrankung sind vor allem

 

Pseudomembranöse Kolitis

Die pseudomembranöse Kolitis ist eine schwere Form der Darmentzündung. Sie wird fast immer durch Clostridium difficile ausgelöst.

Eine pseudomembranöse Kolitis geht mit starken entzündlichen Schäden der Darmschleimhaut einher. Auf der Darmschleimhaut entstehen weisslich bis gelbliche Auflagerungen, die auch als Pseudomembranen bezeichnet werden.

5. Diagnose

Erste Hinweise auf eine mögliche Clostridium-difficile-Infektion (CDI) geben übelriechende Durchfälle sowie eine kürzlich durchgeführte Therapie mit Antibiotika. In den meisten Fällen ist die Infektion im Spital oder in einem Alters- oder Pflegeheim entstanden. Aber auch bei Durchfällen ohne Spitalaufenthalt, die länger als drei Tage anhalten, sollte der Arzt Clostridium difficile als Ursache ausschliessen.

Hat der Arzt den Verdacht, dass es sich bei den Beschwerden um eine Darmentzündung durch Clostridium difficile handeln könnte, wird er den Stuhl seines Patienten untersuchen lassen. Bei einem positiven Befund kann das Labor im Stuhl Giftstoffe (Toxine) nachweisen, die das Bakterium abgesondert hat.

In schweren Fällen kann zur Diagnose eine Darmspiegelung erforderlich sein. Haben die Bakterien eine schwere Darmentzündung hervorgerufen (sog. pseudomembranöse Kolitis), kann der Arzt bei einer Spiegelung des Darms erhabene, weiss-gelbliche Auflagerungen auf der Darmschleimhaut des entzündeten Bereichs erkennen: sogenannte Pseudomembranen. Die Darmschleimhaut ist geschwollen und stark entzündet.

6. Therapie

Bei Beschwerden durch eine Clostridium-difficile-Infektion (CID) ist es wichtig, den durch den Durchfall entstandenen Wasser- und Elektrolytverlust wieder auszugleichen, etwa durch eine Infusion. Darüber hinaus sollte der Patient in einem Einzelzimmer untergebracht werden, damit sich andere Menschen nicht anstecken.

Falls die Beschwerden nach der Einnahme eines Antibiotikums aufgetreten sind, wird der Arzt das Medikament nach Möglichkeit absetzen, wenn dies ärztlich vertretbar ist. Diese Therapie kann zu einem Rückgang der Symptome innerhalb einiger Tage führen. Ist dies nicht der Fall, ist es nötig, dass der Arzt Antibiotika verschreibt.

Eine Therapie mit Antibiotika ist in jedem Fall notwendig

  • bei schweren Verläufen einer Clostridium-difficile-Infektion, etwa in Form einer pseudomembranösen Kolitis,
  • bei fortbestehenden Symptomen,
  • bei älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen oder
  • wenn es nicht möglich ist, die ursächlichen Antibiotika abzusetzen.

Zu häufig verschriebenen Antibiotika zählen Präparate mit den Wirkstoffen Metronidazol, Vancomycin oder Fidaxomicin.

Treten durch Clostridium-difficile Komplikationen auf – etwa ein Darmdurchbruch –, müssen diese im Rahmen der Therapie eventuell chirurgisch behandelt werden. In diesem Fall kann es nötig sein, den Dickdarm zu entfernen (Kolektomie).

Bringen die Medikamente nicht den gewünschten Erfolg, kann über eine Stuhltransplantation (Fäkaltransplantation) nachgedacht werden. Diese Art der Therapie sollte in einem entsprechenden gastroenterologischen Zentrum erfolgen. Dabei wird der Stuhl einer gesunden Person in den Körper des Erkrankten gebracht – entweder über eine Sonde oder mithilfe eines Einlaufs. Ziel ist es, das Gleichgewicht der Darmflora durch die Spende wiederherzustellen und Clostridium difficile zurückzudrängen.

7. Verlauf & Vorbeugen

Beschwerden durch eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) können einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Manche Betroffene haben leichte Durchfälle und Bauchschmerzen. Andere Patienten wiederum entwickeln eine schwere Darmentzündung, die unterschiedliche Komplikationen nach sich ziehen kann.

Besonders gefährdet für einen schweren Erkrankungsverlauf sind Senioren und Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist. Für diese Personengruppen ist das Risiko für Komplikationen besonders hoch.

Zu möglichen Komplikationen zählen zum Beispiel

  • eine Blutvergiftung,
  • ein Darmdurchbruch oder
  • eine akute, durch die Entzündung bedingte Überdehnung des Dickdarms (toxisches Megakolon) mit Gefahr eines Darmrisses (Darmperforation).

Diese Komplikationen sind lebensbedrohlich und müssen sofort behandelt werden. Schätzungen zufolge sterben 1 bis 2 von 100 Menschen an den Folgen einer durch Clostridium difficile ausgelösten Darmentzündung – bei bestimmten Personengruppen kann diese Rate aber deutlich höher liegen, so etwa bei Senioren. Zudem führt eine Infektion mit Clostridium difficile vom aggressiven Ribotyp 027 häufiger zu schweren Verläufen mit Todesfolge als bei anderen Stämmen.

Ältere Menschen bekommen nach einer Infektion häufiger einen Rückfall als jüngere Personen, das heisst, die Entzündung flammt wieder auf. Ein solcher Rückfall tritt in der Regel zwischen zwei bis sechs Wochen nach Beenden der Therapie auf.

Wie kann man vorbeugen?

Vor und während einer Therapie mit Antibiotika können sogenannte Probiotika das Risiko für eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) senken. Probiotika sind spezielle, lebende Bakterienkulturen, die es zum Beispiel als Joghurt zu kaufen gibt. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt, welche Präparate geeignet sind.

Die meisten Clostridium-difficile-Infektionen entstehen im Spital. Daher ist eine sachgerechte Hygiene dort besonders wichtig: Um zu verhindern, dass infizierte Spitalpatienten andere Personen anstecken, sollte man die Betroffenen dort isolieren. Zur Desinfektion von potenziell verunreinigten Flächen sollten im Spital spezielle sauerstoffabspaltene Mittel (Peroxide) zum Einsatz kommen – gegen herkömmliche Desinfektionsmittel sind die Sporen von Clostridium difficile resistent. Da der Erreger auch durch viele Händedesinfektionsmittel nicht abstirbt, ist es sehr wichtig, die Hände nicht nur zu desinfizieren, sondern anschließend auch gründlich zu waschen und zu trocknen. So verringert sich das Risiko einer Übertragung.

Wenn Sie unter sehr starkem Durchfall leiden, der Durchfall Sie sehr schwächt oder wenn er länger als drei Tage anhält, sollten Sie den Arzt aufsuchen. Insbesondere, wenn Sie in letzter Zeit Antibiotika einnehmen mussten oder zu einer Risikogruppe zählen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Clostridium-difficile-Infektion handelt, erhöht. Achten Sie zudem darauf, ausreichend zu trinken, um den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen.