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1. Überblick

Darmpolypen sind gutartige Vorwölbungen der Darmschleimhaut, die von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern gross sein können. Mit einem Anteil von über 90 Prozent sind sind die häufigsten aller gutartigen Geschwülste.

In den meisten Fällen handelt es sich bei Darmpolypen um Wucherungen des Drüsengewebes, die bösartig entarten können, wenn sie eine bestimmte Grösse erreicht haben. Da Darmpolypen mit etwa einem Millimeter pro Jahr nur sehr langsam wachsen, entarten sie in der Regel erst nach mehreren Jahren.

Über 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus Wucherungen des Drüsengewebes. Daher ist entscheidend, vorhandene Darmpolypen frühzeitig zu erkennen und zu entfernen, um einer Krebsentstehung vorzubeugen.

In den meisten Fällen verursachen Darmpolypen keinerlei Beschwerden und sind Zufallsbefunde bei einer Darmspiegelung. Grössere Darmpolypen können durch Stuhlunregelmässigkeiten, Bauchschmerzen oder Blut und Schleim im Stuhl auffallen.

Bei der Diagnose von Darmpolypen sind die Austastung des Enddarms mit dem Finger, ein Test auf nicht sichtbares (okkultes) Blut im Stuhl und vor allem die Darmspiegelung von Bedeutung. Hierbei lassen sich Darmpolypen nicht nur feststellen, sondern gleichzeitig auch entfernen. Eine mikroskopische Untersuchung des Gewebes bringt schliesslich Gewissheit darüber, ob der Polyp gut- oder bösartig ist. Dass dies frühzeitig geschieht, ist entscheidend für die Prognose. Daher ist es wichtig, die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und Darmbeschwerden auf jeden Fall abklären zu lassen.

2. Definition

Darmpolypen sind Vorwölbungen der Darmschleimhaut, die in den Darmkanal hineinragen. In über 50 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um gutartige Adenome, also Wucherungen, die vom Drüsengewebe der Schleimhaut ausgehen. Diese können in Form und Grösse variieren, breitbasig aufsitzen oder gestielt sein, sowie einzeln oder in grosser Zahl auftreten.

Adenome wachsen langsam, etwa einen Millimeter pro Jahr. Ab einer bestimmten Größe kann sich aus einem gutartigen Darmpolypen aber eine bösartige Geschwulst – ein Karzinom – entwickeln. Mediziner bezeichnen dies als maligne Entartung.

Häufigkeit

Darmpolypen weisen in den westlichen Industrieländern mit zunehmendem Alter eine grössere Häufigkeit auf. Insgesamt haben rund 30 bis 50 Prozent der über 50-Jährigen Darmpolypen; bei Menschen über 70 beträgt die Häufigkeit 75 Prozent. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In vielen anderen Teilen der Erde ausserhalb von Westeuropa und den USA sind Darmpolypen sehr selten.

3. Ursachen

Für Darmpolypen kommen verschiedene Ursachen infrage: sowohl erblich bedingte als auch von aussen wirkende Faktoren. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Darmpolypen spielt die Ernährung. Dies erklärt auch, warum Darmpolypen nur in den westlichen Industrieländern weit verbreitet sind. Es ist anzunehmen, dass ein hoher Anteil tierischer Fette und ein niedriger Ballaststoffanteil in der Nahrung die Entwicklung von Darmpolypen fördern. Auch Rauchen, Alkohol und Übergewicht können diese begünstigen.

Darmpolypen können in seltenen Fällen auch erblich bedingte Ursachen haben: Bei einer Reihe von Erbkrankheiten treten vermehrt Darmpolypen auf; daher sind diese Krankheiten mit einem teilweise erheblich gesteigerten Darmkrebsrisiko verbunden. Zu diesen Krankheiten zählen die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), das Gardner-Syndrom, das Peutz-Jeghers-Syndrom und das Cowden-Syndrom.

Familiäre adenomatöse Polyposis

Die mit vermehrtem Auftreten von Darmpolypen im Dickdarm einhergehende familiäre adenomatöse Polyposis(FAP) – auch adenomatöse Polyposis des Colons genannt – hat erbliche Ursachen: Auslöser ist ein Schaden an einem Träger der Erbanlage (sog. Gendefekt). Die familiäre adenomatöse Polyposis ist bei einem von 10'000 Neugeborenen feststellbar und entsteht durch autosomal-dominante Vererbung. Dies bedeutet, dass die Kinder eines betroffenen Elternteils ein 50-prozentiges Risiko haben, dieselbe Krankheit zu bekommen, sofern der andere Elternteil gesund ist. Allerdings lässt sich bei etwa einem Drittel der Betroffenen kein eindeutiger Erbgang nachweisen, sodass der Gendefekt spontan entstanden sein muss. Die Polypen im Darm bei der familiären adenomatösen Polyposis können bösartig entarten. Menschen mit dieser Erbkrankheit haben ein 100-prozentiges Risiko, einen Darmkrebs zu entwickeln. Die familiäre adenomatöse Polyposis ist für etwa ein 1 aller Karzinome im Enddarm verantwortlich.

Gardner-Syndrom

Das ebenfalls durch zahlreiche Darmpolypen im Dickdarm gekennzeichnete Gardner-Syndrom hat seine Ursache in einem ähnlichen Gendefekt wie die familiäre adenomatöse Polyposis. Die Dickdarmpolypen können bösartig entarten. Ausserdem treten beim Gardner-Syndrom andere gutartige Tumoren, beispielsweise der Knochen (Osteome), des Fettgewebes (Lipome), des Bindegewebes (Fibrome) und Zysten der Talgdrüsen auf. Das Risiko, Darmkrebs zu entwickeln, beträgt für Menschen mit Gardner-Syndrom 100 Prozent.

Peutz-Jeghers-Syndrom

Das durch zahlreiche Darmpolypen und Polypen im Magen gekennzeichnete Peutz-Jeghers-Syndrom hat auch erblich bedingte Ursachen. Neben den Polypen treten beim Peutz-Jeghers-Syndrom braune Flecken an Armen, Beinen und der Mundschleimhaut auf. Das Risiko, Darmkrebs zu bekommen, ist bei dieser Krankheit deutlich erhöht, die Wahrscheinlichkeit liegt aber nicht bei 100 Prozent.

Cowden-Syndrom

Dem oft mit zahlreichen Darmpolypen und Magenpolypen einhergehenden Cowden-Syndrom liegen autosomal-dominant vererbte Ursachen zugrunde. Neben den Polypen treten beim Cowden-Syndrom gehäuft Fälle von Brust- und Schilddrüsenkrebs auf. Das Darmkrebsrisiko ist bei dieser Erbkrankheit ebenfalls erhöht.

4. Symptome

Die meisten Darmpolypen zeigen keine Symptome. Bei grösseren Polypen im Darm kann es zu Beschwerden in Form von Stuhlunregelmässigkeiten (Durchfall, Verstopfung) oder Bauchschmerzen kommen.

Gelegentlich finden sich als weitere Symptome der Darmpolypen Spuren von Blut oder Schleim im Stuhl oder es tritt eine Schwarzfärbung des Stuhls auf.

5. Diagnose

Bei Darmpolypen, die im unteren Bereich des Enddarms wachsen, kann die Diagnose durch eine rektale Tastuntersuchung mit einem Finger erfolgen. Verursachen die Polypen im Darm eine leichte Blutung, lässt sich diese über einen Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl, einen sogenannten Hämocculttest, diagnostizieren.

Daneben ist bei Verdacht auf Darmpolypen eine Darmspiegelung (Koloskopie) zur Diagnose empfehlenswert: Diese Untersuchung ermöglicht es nicht nur, vorhandene Polypen im Darm zu entdecken, sondern sie auch gleichzeitig zu entfernen und anschliessend unter dem Mikroskop zu untersuchen.

Ausserdem lässt sich durch eine Darmspiegelung klären, ob eine andere Ursache, wie beispielsweise Darmkrebs oder eine entzündliche Darmerkrankung, den Beschwerden zugrunde liegt. Treten die Darmpolypen im Rahmen einer Erbkrankheit auf, sind regelmässige Darmspiegelungen unumgänglich, denn: Diese Erbkrankheiten bedeuten ein deutlich erhöhtes Darmkrebsrisiko.

6. Therapie

Grundsätzlich besteht bei allen Darmpolypen die Therapie wegen der Entartungsgefahr darin, sie zu entfernen und feingeweblich (histologisch) zu untersuchen. Dies gilt besonders für Polypen, die grösser als fünf Millimeter sind.

Die Abtragung der Darmpolypen kann im Rahmen der diagnostischen Darmspiegelung erfolgen: Durch den Arbeitskanal des Endoskops lässt sich der Darmpolyp mit einer kleinen Schlinge umfassen und an der Basis abtragen. In der Regel verursacht diese endoskopische Behandlung keinerlei Schmerzen.

Wenn Darmpolypen sehr gross sind (mit mehr als 3-5 cm Durchmesser) und wenn sie im Rahmen einer Erbkrankheit in grosser Zahl auftreten, erfolgt anstelle der endoskopischen Therapie eine Operation zur Entfernung der Darmpolypen.

7. Verlauf

Prognose

Ursprünglich handelt es sich bei Darmpolypen um gutartige Wucherungen, die im weiteren Verlauf jedoch bösartig entarten können. Rechtzeitig entfernte Adenome (gutartige Wucherungen, die vom Drüsengewebe der Schleimhaut ausgehen) haben jedoch eine günstige Prognose. Allerdings treten in 30 bis 50 Prozent der Fälle die Darmpolypen später wieder auf.

Komplikationen

Darmpolypen können im weiteren Verlauf mit verschiedenen Komplikaionen verbunden sein: So kann ein Darmpolyp ab einer gewissen Grösse das Darmlumen stark einengen. Da dies die Stuhlpassage erheblich behindert, kann es zum Darmverschluss kommen. Chronische Blutverluste durch blutende Darmpolypen können ausserdem zu einer Blutarmut (Anämie) führen.

Adenome können bösartig entarten. Dies geschieht bei den nicht-erblich bedingten Darmpolypen allerdings erst nach längerem Wachstum und ab einer gewissen Grösse. Das Risiko einer Entartung liegt bei 2 bis 10 Prozent. Über 90 Prozent aller kolorektalen Karzinome entwickeln sich aus einem Adenom.

8. Vorbeugen

Wenn Sie Darmpolypen vorbeugen möchten, ist es empfehlenswert, auf eine ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Fetten und vielen Ballaststoffen zu achten. Wenn Sie auf Rauchen und übermässigen Alkoholkonsum verzichten, regelmässig Sport treiben und Übergewicht vermeiden, können Sie Ihr Risiko einer Polypenentstehung und somit Ihr Darmkrebsrisiko verringern.

Die Bildung von Darmpolypen lässt sich aber nicht grundsätzlich verhindern. Um mögliche Darmpolypen früh entdecken und entfernen lassen zu können, ist die Wahrnehmung der empfohlenen und von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlten Vorsorgeuntersuchungen ratsam. Dazu zählt ab dem 50. Lebensjahr ein jährlicher Hämocculttest, alternativ ab dem 56. Lebensjahr eine Darmspiegelung. Ausserdem ist es vorbeugend hilfreich, Beschwerden wie beispielsweise Stuhlunregelmässigkeiten, Blut oder Schleim im Stuhl auf jeden Fall abklären zu lassen.

Wenn Sie bereits Darmpolypen in Form gutartiger Wucherungen hatten, die vom Drüsengewebe der Schleimhaut ausgingen (Adenome), und diese entfernen liessen, sind in regelmässigen Abständen weitere Darmspiegelungen zur Kontrolle empfehlenswert. Grösse, Form und Anzahl der Adenome sowie das Vorhandensein von atypischen Zellen ermöglichen es, das individuelle Rückfall- und Entartungsrisiko abzuschätzen und die Abstände der Kontrolluntersuchungen entsprechend anzupassen.