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1. Überblick

Ein Dekubitus (Wundliegen) betrifft vor allem Menschen, die durch Alter, schwere Krankheit oder Lähmung pflegebedürftig sind: Bei jeder längeren Bettlägerigkeit können sich die Betroffenen wund liegen, wenn geeignete Gegenmassnahmen ausbleiben.

Ursache für die Entstehung eines Dekubitus ist Druck, der länger auf Hautgebiete einwirkt, ohne dass eine Entlastung der betroffenen Region durch Umlagern des Körpers stattfindet. Daher bezeichnet man ein Dekubitalgeschwür (bzw. Dekubitalulkus) auch als Druckgeschwür (bzw. Druckulkus). Alle Körperstellen, die nicht durch Muskeln oder Fettgewebe vor dem Auflagedruck geschützt sind, können Druckgeschwüre entwickeln: die Kreuzbeinregion, die Fersen, die Rollhügel der Oberschenkelknochen und die Knöchel. Eine durch Wundliegen entstandene Wunde gehört – ebenso wie beispielsweise ein diabetischer Fuss – zu den chronischen Wunden.

Erstes Anzeichen für ein drohendes Wundliegen ist eine bleibende Rötung; dabei kann die Haut auch erwärmt sein. In diesem Anfangsstadium bereitet der Dekubitus oft keine oder nur geringe Beschwerden.

In späteren Stadien, die von einer oberflächlichen Hautschädigung bis hin zu einer tiefen Wunde mit Absterben von Gewebe sowie gechädigtem Muskel- und Knochengewebe reichen, kann der betroffene Bereich jucken, brennen und stark schmerzen. Wenn sich der Dekubitus infiziert, kann er ausserdem übel riechen. Vor allem danach, wie tief sich der Dekubitus im Gewebe ausgedehnt hat, richtet sich die Gradeinteilung:

  • Ein Dekubitus vom Grad I befindet sich im Anfangsstadium und ist durch eine Hautrötung gekennzeichnet, die auch nach Entlastung der betroffenen Stelle nicht verschwindet,
  • Grad II bezeichnet ein oberflächliches Druckgeschwür (zu sehen ist eine Blase, eine Hautabschürfung oder oberflächliche Wunde),
  • Grad III bezeichnet eine Wunde, die durch alle Gewebsschichten bis in die umliegenden Muskeln, Sehnen oder Fettgewebe reicht,
  • Grad IV bezeichnet eine tiefe, bis zu den Knochen gehende Schädigung, wobei das betroffene Gewebe oft abgestorben (nekrotisch) und blauschwarz verfärbt ist.

Ist ein Dekubitus erst einmal entstanden, bedeutet er für die Betroffenen eine grosse Belastung: Dekubitalulzera erfordern eine aufwendige Therapie und heilen nur sehr langsam. Daher ist bei der Betreuung kranker und pflegebedürftiger Menschen eine geeignete Dekubitus-Prophylaxe wichtig. Dazu gehört es zum Beispiel, für häufige Lagewechsel zu sorgen, die Haut gut zu säubern und zu pflegen sowie die Stellen, die besonders schnell wund gelegen sind, zu polstern beziehungsweise zu entlasten (z.B. mit Anti-Dekubitus-Matratze, Anti-Dekubitus-Kissen). Dies gilt besonders bei Menschen, deren Risiko für ein Wundliegen erhöht ist: Zu den Risikofaktoren für die Bildung von Dekubitalgeschwüren gehören: eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus), Durchblutungsstörungen, ein schlechter Allgemein- oder Ernährungszustand sowie eine vorgeschädigte Haut.

2. Definition

Der Begriff Dekubitus oder Wundliegen bezeichnet per Definition eine Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die durch länger einwirkenden Druck entstanden ist. Die Haut- und Gewebeveränderung ist mit blossem Auge erkennbar. Der Dekubitus gehört (wie z.B. der diabetische Fuss) zu den chronischen Wundarten.

Weitere Bezeichnungen für das Wundliegen lauten Druckgeschwür (bzw. Druckulkus) oder Dekubitalgeschwür (bzw. Dekubitalulkus). Der Begriff Dekubitus leitet sich vom lateinischen Wort decumbere ab und bedeutet sich niederlegen, das Liegen. Gemeint ist damit das Sich-Durchliegen der Kranken. Ursprünglich bezeichnete man Dekubitalulzera als Gangraena per decubitum, was sich vom griechischen gangraina (= fressendes Geschwür) ableitet und faulige Wunde durch das Liegen bedeutete. Später blieb davon nur die Kurzform Dekubitus übrig. Das Wort Geschwür findet im deutschen Sprachraum seit dem 16. Jahrhundert Anwendung. Es leitet sich von schwären (althochdeutsch sweran) für schmerzen, schwellen, eitern ab und bedeutete ursprünglich das, was eitert.

Häufigkeit

Wie viele Menschen jährlich einen Dekubitus (Wundliegen) entwickeln, ist nicht genau bekannt: Die vorliegenden Angaben zur Häufigkeit von Druckgeschwüren variieren. Etwa 10 Prozent der Krankenhauspatienten, 20 Prozent der Pflegebedürftigen in häuslicher Umgebung und etwa 30 Prozent der Bewohner in Altenheimen und geriatrischen Kliniken haben Dekubitalgeschwüre.

3. Ursachen

Einem Dekubitus (Wundliegen) liegen als Ursachen Krafteinwirkungen auf die Haut zugrunde (v.a. durch langes Liegen), die zu einer Schädigung kleiner Blutgefässe führen. Dabei kann ein Druckgeschwür grundsätzlich an allen Körperstellen entstehen, die nicht durch Muskeln oder Fettgewebe vor erhöhtem Auflagedruck geschützt sind. Bei Rückenlage sind vor allem die Bereiche über dem Kreuzbein, die Fersen und die Ellbogen betroffen, bei Seitenlage die Rollhügel der Oberschenkel und die Fussknöchel.

Unter normalen Umständen kommt es auch bei längerer Bettruhe nicht zum Wundliegen, denn: Während des Schlafs beispielsweise wechselt ein Mensch mehrfach seine Lage, damit nicht einzelne Hautstellen längere Zeit zwischen den Knochen und der Unterlage zusammengepresst sind. Bei Bettlägerigkeit aber halten die Betroffenen mitunter dauerhaft eine bestimmte Lage ein, da sie sich nicht von allein bewegen oder drehen können. Der dabei länger anhaltende Druck auf die Haut drückt kleine Blutgefässe zusammen, so dass die entsprechende Region schlechter mit Sauerstoff aus dem Blut versorgt ist. Nachfolgend stirbt das Gewebe ab und es bildet sich ein Druckgeschwür. Als wesentliche Ursachen für die Entwicklung eines Dekubitus gelten neben der Druckeinwirkung auch Scherkräfte und dadurch entstehende Verschiebungen von Gewebeschichten mit Schädigung kleiner Blutgefässe: Solche Scherkräfte wirken beispielsweise beim Hochziehen oder Herunterrutschen im Bett.

Risikofaktoren

Manche Menschen entwickeln schneller einen Dekubitus (Wundliegen) als andere. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Risikofaktoren für ein Druckgeschwür sind:

  • Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit: So ist zum Beispiel bei Bettlägerigkeit wegen chronischer Erkrankungen (wie multiple Sklerose), nach einer Operation, einem Unfall oder einem Schlaganfall, bei Lähmungen oder Bewusstlosigkeit das Dekubitus-Risiko erhöht.
  • Stoffwechselerkrankungen und Durchblutungsstörungen: Hierzu gehören unter anderem Diabetes mellitus, Herzschwäche, periphere arterielle Verschlusskranheit, Thrombose und Ödeme, aber auch Schock: Bei schockbedingt stark herabgesetzter Durchblutung der Haut reicht sogar schon ein wenige Minuten erhöhter Auflagedruck, um einen Dekubitus zu verursachen.
  • Schlechter Allgemein- oder Ernährungszustand: So begünstigen zum Beispiel eine starke Abmagerung (Kachexie), eine Austrocknung (Exsikose), fieberhafte Erkrankungen sowie eine (durch Verletzung, Ekzeme, Pilze o. Bakterien) vorgeschädigte Haut die Entstehung von Dekubitalulzera.
  • Veränderungen der Haut und Schleimhaut: Vor allem Hautaufweichungen (Mazerationen) durch starkes Schwitzen oder Harninkontinenz sind oft für ein erhöhtes Dekubitus-Risiko verantwortlich.

Entsprechend den Dekubitus-Risikofaktoren gehören auch höheres Alter und starkes Übergewicht (Adipositas) zu den möglichen Ursachen für ein schnelleres Wundliegen:

  • Ältere Menschen liegen sich gehäuft wund, da sie häufiger eine schlechtere Durchblutung, eine geringere Herzleistung und Störungen des Nervensystems haben (auch Empfindungsstörungen können zur Bildung eines Dekubitus führen, da die Wahrnehmung von Schmerz und Druck herabgesetzt sein kann und die Betroffenen deshalb keinen Anreiz verspüren, ihre Liege- oder Sitzposition zu verändern); ausserdem verliert die Haut mit zunehmendem Alter an Widerstandskraft und Elastizität, was ebenfalls Druckgeschwüre fördern kann. Die im Alter nicht seltene Harninkontinenz begünstigt Dekubitalulzera bei bettlägerigen Menschen zusätzlich, da längeres Liegen in der Feuchtigkeit den Säure-Fett-Mantel der Haut verändert und sich auf den betroffenen Stellen schneller Keime ansiedeln.
  • Stark übergewichtige Menschen entwickeln schneller Dekubitalulzera, da sie bei Bettlägerigkeit einer höheren Druckbelastung ausgesetzt sind; ausserdem schwitzen Menschen mit Übergewicht oft übermässig, wodurch sich feuchte Kammern bilden und Hautaufweichungen (Mazerationen) entstehen können, was die Entwicklung eines Dekubitus ebenfalls begünstigt.

4. Symptome

Die von einem Dekubitus (Wundliegen) verursachten Symptome hängen von seiner Form und seinem Schweregrad ab. Erstes Anzeichen für ein sich bildendes Druckgeschwür ist eine bleibende Rötung; zusätzlich kann die Haut leicht erwärmt sein. In diesem Anfangsstadium verspüren die Betroffenen oft gar nichts oder nur wenig von dem Dekubitus. In den nachfolgenden Stadien, die von einer oberflächlichen Hautschädigung bis hin zu tiefen Wunden mit Beteiligung von Muskel- und Knochengewebe reichen, kann das Dekubitalgeschwür einen Juckreiz, ein Brennen und starke Schmerzen in der betroffenen Körperregion verursachen. Wenn das Dekubitalgeschwür infiziert ist, kann ausserdem ein übel riechender Geruch von ihm ausgehen. Dies und die ständigen Schmerzen können sich auf die Betroffenen unter Umständen so belastend auswirken, dass sie Ängste, Depressionen und eine Teilnahmslosigkeit entwickeln.

Mitunter bereitet das Wundliegen jedoch keine Beschwerden: Vor allem wenn eine Nervenschädigung infolge einer anderen Erkrankung (Polyneuropathie) vorliegt, spüren die Betroffenen die mit einem Dekubitus normalerweise einhergehenden Symptome nicht.

5. Diagnose

Bei einem Dekubitus (Wundliegen) gelingt die Diagnose anhand der vorliegenden Symptome: Die mit einem Druckgeschwür einhergehenden Haut- und Gewebeschädigungen kann man mit blossem Auge erkennen (Blickdiagnose). Ein Dekubitus durchläuft bei seiner Bildung verschiedene Stadien. Entsprechend teilt man Druckgeschwüre nach ihrem äusseren Erscheinungsbild sowie nach Art und Grad der Schädigung in verschiedene Schweregrade ein. Meist erfolgt die Dekubitus-Gradeinteilung vierstufig und richtet sich vor allem danach, wie tief sich die Wunde im Gewebe ausgedehnt hat:

  • Dekubitus Grad 1: Das vom Dekubitus betroffene Gewebe ist gerötet; die Rötung ist auch zwei Stunden nach Entlastung der betroffenen Körperregion noch vorhanden.
  • Dekubitus Grad 2: Die wund gelegene Haut ist oberflächlich geschädigt oder weist Blasen auf.
  • Dekubitus Grad 3: Die Schädigung durch den Dekubitus reicht durch alle Gewebsschichten bis in die umliegenden Muskeln, Sehnen oder Fettgewebe.
  • Dekubitus Grad 4: Das Dekubitalgeschwür reicht bis zum Knochen (d.h. Knochen oder Knochenhaut ist entzündet). Das betroffene Gewebe ist häufig abgestorben (Nekrosenbildung) und blauschwarz verfärbt.

Nachdem der Hautbefund die erste Dekubitus-Diagnose ermöglicht hat, liefern nachfolgend Gewebeabstriche wichtige Anhaltspunkte für die richtige Wundversorgung. Wenn der Verdacht besteht, dass das Wundliegen bis zu den Knochen reicht, sind Röntgenaufnahmen oder andere bildgebende Verfahren notwendig, um den Grad der Schädigung besser beurteilen zu können.

6. Therapie

Bei einem Dekubitus (Wundliegen) ist eine konsequente Therapie nötig, um zu verhindern, dass sich das Druckgeschwür weiter ausbreitet. Dazu gehört zunächst, für eine Druckentlastung durch wechselnde Lagerung zu sorgen: Bei einem Dekubitus ist regelmässiges Umlagern (mindestens alle 2 Stunden!) wichtig. Es ist ratsam, die Betroffenen – wenn möglich – aktiv zu mobilisieren. Bei dieser Bewegungsförderung ist darauf zu achten, dass auf das Geschwür selbst niemals Druck einwirkt. Spezielle Lagerungshilfen (Betteinlage, Anti-Dekubitus-Matratze, Anti-Dekubitus-Kissen) unterstützen eine gute und gleichmässige Druckverteilung.

Zur Dekubitus-Therapie gehört auch die richtige Wundversorgung: Das Druckgeschwür ist mindestens zweimal täglich mit sterilen feuchten Verbänden zu versorgen. Die Anwendung feuchter Verbände ist wichtig, damit das Verbandmaterial nicht mit der offenen Wunde verklebt. Trockene, verklebte Verbände lassen sich nur schwer und unter grossen Schmerzen entfernen und führen schnell dazu, dass die durchs Wundliegen entstandene Wunde erneut aufreisst. Darüber hinaus fördert ein feuchtes Klima die Wundheilung. Beim Verbandswechsel ist der Dekubitus sorgsam mit entsprechenden Spüllösungen (z.B. 0,9-prozentige Natriumchloridlösung) auszuspülen und anschliessend mit geeigneten Hydrogelen und Hydrokolloiden feucht abzudecken, so dass keine Bakterien von aussen in die Wunde eindringen können.

Wundauflagen, die Desinfektionsmittel, Parfüme oder Öle enthalten, sind bei der Dekubitus-Therapie nicht zur Wundversorgung zu empfehlen, da sie allergische Reaktionen auslösen können. Auch Salben, die die Hautporen luftundurchlässig verschliessen, sowie Puder, die eine harte Kruste auf der Wundoberfläche bilden, darf man nicht auf durch Wundliegen entstandene Wunden auftragen. Für die richtige Behandlung offener Druckgeschwüre steht spezielles Verbandsmaterial zur Verfügung. Die Angehörigen von Pflegebedürftigen halten deshalb bei einer ambulanten Pflege zu Hause am besten immer mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise dem Pflegepersonal Rücksprache.

Zudem ist es bei der Dekubitus-Therapie notwendig, abgestorbene Gewebereste chirurgisch zu entfernen. Hat das Wundliegen tiefe oder grossflächige Wunden hinterlassen, ist es möglich, diese durch Verpflanzung eigener Haut abzudecken.

Liegt infolge des Dekubitus eine allgemeine bakterielle Infektion des Körpers vor, kommt eine Behandlung mit Antibiotika zum Einsatz. Da trotz schneller und konsequenter Therapie die Heilung langwierig sein kann, ist es besonders wichtig, dem Wundliegen vorzubeugen.

7. Verlauf

Ein einmal entstandener Dekubitus (Wundliegen) nimmt meist einen langwierigen Verlauf: Es dauert häufig Monate, bis ein Dekubitalgeschwür abheilt, wobei die Abheilung mehrere Phasen durchläuft. Daher ist die regelmässige Inspektion der Wunde und eine eventuelle Anpassung der Wundbehandlung für den weiteren Heilungsverlauf von grosser Bedeutung. Um den Erfolg der Dekubitus-Therapie zu sichern, ist es daher wichtig, dass Betroffene und Angehörige, Pflegepersonal und Ärzte in dieser Phase eng miteinander zusammenarbeiten.

Auch nachdem der Dekubitus abgeheilt ist, besteht eine Zeit lang ein erhöhtes Risiko, dass es an der betroffenen Stelle erneut zum Wundliegen kommt (sog. Rezidiv).

Komplikationen

Ein Dekubitus (Wundliegen) kann im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen: Ein Druckgeschwür neigt stark dazu, sich in die Tiefe des Gewebes auszubreiten. Das betroffene Gewebe stirbt ohne rechtzeitige konsequente Behandlung ab. Dann ist es notwendig, es chirurgisch zu entfernen.

Da über den offenen Dekubitus Krankheitserreger in den Körper gelangen können, besteht bei jedem Wundliegen das Risiko einer bakteriellen Infektion. Reicht ein solch infiziertes Dekubitalgeschwür bis in den Knochen hinein, kann sich eine akute Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) ausbilden. Darüber hinaus kann sich der Erreger über den Blutweg im gesamten Körper ausbreiten, was weiteren Verlauf möglicherweise Knochenabszesse, eine Lungenentzündung bis hin zu einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) mit lebensbedrohlichen Organschädigungen zur Folge hat.

Breitet sich der Dekubitus in seinem Verlauf grossflächig über die Haut aus, verlieren die Betroffenen darüber ständig Eiweiss und Nährstoffe. Dies kann eine Mangelernährung verursachen, was wiederum zu Komplikationen bei der Wundheilung führt, die dann verzögert ist oder stoppt.

Neben den körperlichen kann ein Dekubitus auch psychische Komplikationen auslösen: Infolge der ständigen Schmerzen und des mit dem Wundliegen häufig einhergehenden Gefühls, bei lebendigem Leibe zu verfaulen (v.a. dann, wenn das Druckgeschwür infiziert ist und übel riecht), können im Verlauf der Wundbildung Angst, Depression und Teilnahmslosigkeit entstehen.

8. Vorbeugen

Da ein Dekubitus (Wundliegen) eine aufwendige Behandlung nötig macht und nur sehr langsam heilt, sind bei der Betreuung kranker und pflegebedürftiger Menschen Massnahmen zum Vorbeugen von Dekubitalulzera besonders wichtig: Jeder bettlägerige Mensch hat ein erhöhtes Risiko, ein Druckgeschwür auszubilden. Wenn Sie mit der Pflege eines solchen Menschen betraut sind, informieren Sie sich daher unbedingt umfassend über die Möglichkeiten der Dekubitus-Prophylaxe. Dabei ist es wichtig, dass Sie auch die Faktoren kennen, welche das Wundliegen begünstigen: Nur so ist es möglich, das Dekubitus-Risiko schon zu Beginn der Pflege richtig einzuschätzen und geeignete vorbeugende Massnahmen einzuleiten. Diese Riskoeinschätzung ist nachfolgend regelmässig zu wiederholen, um neue Risiken rechtzeitig erkennen und entsprechend darauf reagieren zu können.

Die wichtigste Massnahme zur Dekubitus-Prophylaxe besteht darin, länger andauernden Druck auf Hautbereiche mit erhöhten Risiko für ein Wundliegen zu vermindern. Dies geschieht am besten durch eine Mobilisation (Bewegungsförderung) der Pflegebedürftigen aus dem Bett. Dies bedeutet nicht, die Betroffenen nur von einer liegenden in eine sitzende Position umzulagern, sondern sie auch zum Stehen und zum Gehen anzuregen (falls nötig, mit Ihrer Unterstützung). Sind diese Massnahmen wegen des schlechten Allgemeinzustands der Betroffenen nicht möglich, ist eine Druckentlastung durch Lagerungstechniken ratsam: Das bedeutet, Sie können dem Dekubitus vorbeugen, indem Sie alle zwei Stunden die Lage der Betroffenen verändern.

Sind diese Massnahmen zur Dekubitus-Prophylaxe nicht ausreichend, können bei der Lagerung zusätzlich verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen, die das Risiko für ein Wundliegen deutlich senken: So können beispielsweise spezielle Dekubitus-Kissen (Lagerungskissen, Rollstuhlkissen), eine Dekubitus-Matratze oder Hüftprotektoren einem Wundliegen vorbeugen.

Allgemeine Pflegemassnahmen

Bei der Pflege eines Menschen mit erhöhtem Risiko für einen Dekubitus (Wundliegen) sind zum Vorbeugen auch allgemeine Pflegemassnahmen wichtig, mit denen Sie andere Risikofaktoren verringern oder beseitigen können. Dazu gehören die richtige Hautpflege und Ernährung sowie die konsequente Behandlung begünstigender Faktoren (z.B. Stuhlinkontinenz oder Harninkontinenz).

Für Menschen mit erhöhtem Dekubitus-Risiko ist eine eiweiss-, kohlenhydrat- und vitaminreiche Nahrung wichtig. Ausserdem ist eine Flüssigkeitszufuhr von täglich mindestens zwei Liter notwendig, um ein Austrocknen zu verhindern. Bei Fieber sind zum Vorbeugen eines Dekubitus Wadenwickel und möglicherweise fiebersenkende Medikamente ratsam. Ausserdem ist das Bett pflegebedürftiger Menschen regelmässig von Essensresten zu reinigen. Knöpfe und Nähte an der Bettwäsche liegen am besten so, dass sie nicht zu Druckstellen führen können. Bei Inkontinenz oder starkem Schwitzen ist es erforderlich, die Bettwäsche häufig zu wechseln, um ein Wundliegen zu verhindern.