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1.  Überblick

Die Demenz gehört zu den folgenschwersten Alterskrankheiten: Etwa 107 000 Menschen in der Schweiz haben diese krankheitsbedingte Hirnleistungsstörung. Bei dieser nimmt das Gedächtnis und die Denkfähigkeit der Betroffenen ab, und sie sind – je nach Erkrankungsstadium – im Alltag deutlich beeinträchtigt bis stark pflegebedürftig.

Die Symptome einer Demenz sind sehr vielfältig: Dement zu sein bedeutet, dass mehrere geistige und verstandesmässige Bereiche beeinträchtigt sind, wie die Orientierung oder die Lern- und Urteilsfähigkeit. Der Begriff Demenz (lat. Dementia) leitet sich von de mente ab, was «ohne Geist» oder «von Sinnen» bedeutet. Sowohl das Sozialverhalten als auch die Motivation und die Persönlichkeit dementer Menschen verändern sich. Je nachdem, wie ausgeprägt die Beeinträchtigungen sind, unterscheidet man allgemein leichte, mittelgradig schwere und schwere Demenzen.

Hauptsymptom einer Demenzerkrankung ist die nachlassende Gedächtnisleistung, wobei zunächst das Kurzzeitgedächtnis betroffen ist. Weitere mögliche Demenz-Symptome sind:

  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
  • Unruhe mit erhöhter Anspannung, Enthemmung, Euphorie
  • Aggressionen
  • Weinanfälle
  • gesteigerte Bewegung, häufige Wiederholungen gleicher Bewegungsabläufe
  • depressive Phasen
  • Angst
  • körperliche Symptome (in späten Demenz-Stadien) wie:

Eine Demenz beginnt meist im höheren Lebensalter – die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig:

  • Am häufigsten ist die Alzheimer-Demenz, die mit einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen (sog. Neurodegeneration) einhergeht.
  • Die zweithäufigste Form ist die vaskuläre Demenz, die infolge von Gefässerkrankungen des Gehirns auftritt.

Drei weitere seltenere Demenzen, die wie die Alzheimer-Demenz mit einer Neurodegeneration einhergehen, sind:

  • frontotemporale Demenz (sog. Pick-Krankheit)
  • Parkinson-Demenz
  • Lewy Body Dementia (bzw. Lewy-Körperchen-Demenz)

All diese Formen von Demenz zeigen einen mehr oder weniger stetig fortschreitenden Verlauf. In sehr seltenen Fällen entstehen jedoch infolge von anderen Erkrankungen Demenzen, die sich auch zurückbilden können.

Eine fortschreitende Demenz ist zwar nicht heilbar, im Frühstadium kann eine geeignete Therapie die Demenz in ihrem Verlauf aber positiv beeinflussen: Eine Ganzheitstherapie aus Medikamenten, die das Fortschreiten der Demenz verzögern, sowie aus Gedächtnistraining, Verhaltens- und Soziotherapie erhält die Lebensqualität sowohl der Menschen mit Demenz als auch derer, die sie betreuen.

Demenz (lat. Dementia, von de mente = ohne Geist, von Sinnen) ist eine krankheitsbedingte Störung der Leistungsfähigkeit des Gehirns, durch die Gedächtnis und Denkfähigkeit abnehmen. Eine Demenz liegt per Definition vor, wenn neben einem beeinträchtigten Gedächtnis mindestens eines der folgenden Merkmale zutrifft:

  • Sprachstörung (sog. Aphasie)
  • beeinträchtigte Fähigkeit zur Ausführung motorischer Aktivitäten (sog. Apraxie)
  • Unfähigkeit zum Erkennen/Wiedererkennen von Gegenständen (sog. Agnosie)
  • Störung der zur Ausführung von Handlungen über mehrere Stufen hinweg nötigen Hirnleistungen (sog. Exekutivfunktionen) wie Planung, Organisation, Einhaltung von Reihenfolgen

Das Krankheitsbild Demenz umfasst mehrere Erkrankungen unterschiedlicher Ursachen. Sie sind dadurch gekennzeichnet,

  • dass mehrere geistige und verstandesmässige Bereiche betroffen sind, wie die Orientierung oder die Lern- und Urteilsfähigkeit, und
  • dass die betroffenen Menschen dadurch in ihren alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigt sind.

Die Demenz zählt zu den folgenschwersten Alterskrankheiten. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt die Bedeutung der Altersdemenz für die Gesellschaft weiter zu. So hat sich allein innerhalb des letzten Jahrhunderts die Lebenserwartung verdoppelt, die Zahl der über 80-Jährigen gar verzehnfacht.

Häufigkeit

Demenz tritt mit grösster Häufigkeit im höheren Lebensalter auf. In seltenen Fällen kann sie sich auch bei jungen Menschen entwickeln. In der Schweiz sind etwa 8 Prozent der Menschen ab dem 65. Lebensjahr von Alzheimer oder einer anderen Demenzkrankheit betroffen.

Eine Demenz kann unterschiedliche Ursachen haben. In den meisten Fällen handelt es sich um eine primäre Demenz – das heisst: Die Demenzerkrankung ist nicht die Folge einer anderen Krankheit, sondern die ursprüngliche Erkrankung:

  • Am häufigsten entsteht eine solche Hirnleistungsstörung, durch die sich Gedächtnis und Denkfähigkeit verringern, im Rahmen von Alzheimer, einer neurodegenerativen Erkrankung (d.h. sie geht mit einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen einher): Bei 60 bis 70 Prozent aller Demenzen handelt es sich um Alzheimer-Demenz. Die genaue Ursache für die Alzheimer-Krankheit ist unbekannt.
  • Die zweithäufigste Demenz-Form, die gefässbedingte (vaskuläre) Demenz, ist mit einem Anteil von etwa 10 bis 20 Prozent weitaus seltener. Ursachen hierfür sind gefässbedingte Schädigungen des Gehirns, zum Beispiel infolge von Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder durch einen Schlaganfall.
  • Es finden sich auch Mischformen zwischen Alzheimer- und vaskulärer Demenz, bei denen also die Alzheimer-Krankheit und eine Gefässschädigung die gemeinsame Ursache der Demenz bilden.
  • Drei weitere seltenere Formen von Demenz, bei denen (wie bei Alzheimer) ein fortschreitender Verlust von Nervenzellen vorliegt, sind:
    • die Pick-Krankheit beziehungsweise die frontotemporale Demenz, bei der Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns zugrunde gehen
    • die Demenz bei Parkinson
    • die sogenannte Lewy Body Dementia (bzw. Lewy-Körperchen-Demenz)

Diese primären Formen von Demenz sind grundsätzlich fortschreitende Erkrankungen. In seltenen Fällen kann eine Demenz ihre Ursachen aber in einer anderen Erkrankung haben (sog. sekundäre Demenz). Solche Demenzen sind in der Regel wieder umkehrbar (reversibel). Mögliche Auslöser für sekundäre Demenzen sind:

  • Infektionen: zum Beispiel AIDS (sog. AIDS-Demenz), Prionenerkrankungen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Drogenvergiftung: das sogenannte Wernicke-Korsakoff-Syndrom durch Alkohol
  • Sauerstoffmangel und raumfordernde Prozesse im Gehirn: Normaldruck-Wasserkopf (Hydrozephalus), Meningeome
  • Stoffwechselkrankheiten: Störungen der Schilddrüse, Diabetes mellitus

Eine Demenz ist eine Hirnleistungsstörung, deren Symptome typischerweise die kognitive Leistungsfähigkeit betreffen: Hauptsymptom aller Demenzen ist das nachlassende Erinnerungsvermögen. Während das Kurzzeitgedächtnis früh beeinträchtigt ist, verblasst die Erinnerung an Vertrautes und früher Erlerntes jedoch erst in späten Demenz-Stadien. Als weitere kognitive Symptome kommen bei einer Demenz unter anderem Störungen der Orientierung, der Sprache (z.B. Wortfindungsstörungen) und der Auffassung hinzukommen.

Wer dement ist, zeigt auch Beeinträchtigungen, die nicht die Denkfähigkeit betreffen: So treten bei einer Demenz auch verschiedene Verhaltens- und psychische Symptome auf, deren Häufigkeit, Dauer und Ausprägung von Fall zu Fall sehr unterschiedlich ist. Infolge der Hirnleistungsstörung ist die Gefühlskontrolle zunehmend gestört, wodurch sich die Persönlichkeit (bzw. das Wesen) dementer Menschen verändert. So kann es vermehrt zu Unruhe mit erhöhter Anspannung, Enthemmung, Euphorie oder zu Aggressionen oder zu Weinanfällen kommen. Oft sind bei einer Demenz eine gesteigerte Bewegung und häufige Wiederholungen gleicher Bewegungsabläufe zu beobachten. Häufigstes Verhaltenssymptom ist jedoch die Teilnahmslosigkeit (Apathie). Verbreitet sind Demenzen durch Phasen der Depression gekennzeichnet; seltener tritt Angst als Anzeichen einer Demenz auf.

In den Spätstadien einer Demenz können körperliche Symptome wie gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, Blasenschwäche (Inkontinenz) oder Verstopfung hinzukommen.

Die Symptome einer Demenz sind, auch abhängig vom Stadium der Erkrankung, sehr vielfältig. Nicht nur die Betroffenen selbst sind durch die Demenzerkrankung in ihren alltäglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigt – auch für Angehörige beziehungsweise betreuende Personen sind die Auswirkungen der Demenz teilweise extrem belastend.

Bei einer Demenz gelingt mit recht einfachen Mitteln eine verhältnismässig sichere Diagnose. Die typischen Anzeichen der Hirnleistungsstörung, die Art, wie demente Menschen auftreten und eine sorgfältige Untersuchung führen schnell zu dem Verdacht, dass eine Demenz vorliegt.

Die infolge der Demenz entstandenen Gedächtnisdefizite kann man durch neuropsychologische Tests beurteilen. Der zur Diagnose einer Demenz am häufigsten verwendete Test ist die 15-minütige MMSE (Mini Mental State Examination). Als erweiterte Version (SIDAM) dauert die Untersuchung bis zu 30 Minuten. Daneben stehen auch schnellere Tests zur Beurteilung einer Demenz zur Verfügung – und solche, die Schwächen der MMSE auszugleichen suchen: der DemTect (Demenz-Detections-Test) und der TFDD (Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung). Diese Tests können besonders im Frühstadium der Demenz wichtige diagnostische Hinweise liefern. Auch wer einem Menschen mit Demenz nahe steht und erste Veränderungen bemerkt hat, kann hilfreiche Informationen zur Feststellung und Beurteilung der Hirnleistungsstörung beisteuern.

Um die Ursachen der Demenz zu klären, folgen weitere Untersuchungen. Zur Basisdiagnostik gehören eine gründliche körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung sowie der Einsatz bildgebender ( CT, MRT) und elektrophysiologischer Verfahren (EKG). Je nach vermuteter Ursache können auch weitere, spezielle Verfahren zur Diagnose zum Einsatz kommen (z.B. Genanalysen, SPECT oder Hirnwasseruntersuchung).

Die häufigste Form von Demenz, die Alzheimer-Krankheit, ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, die Diagnose «Alzheimer-Demenz» erfolgt erst dann, wenn andere Ursachen nicht infrage kommen.

Bei einer Demenz zielt die Therapie darauf ab, die Symptome der Hirnleistungsstörung zu verbessern, ihr Fortschreiten zu verzögern und die Lebenssituation der Betroffenen zu erhöhen. Durch eine entsprechende Behandlung kann man Demenzen im Frühstadium positiv beeinflussen. Vollständig heilbar sind die meisten Formen jedoch nicht. Daher ist es wichtig, eine Demenz früh zu erkennen und zu behandeln.

Zur Demenz-Therapie stehen Medikamente und nicht-medikamentöse Massnahmen (wie das Trainieren alltäglicher Fertigkeiten, Gedächtnistraining, Psychotherapie, Verhaltens- und Soziotherapie) zur Verfügung. Eine Demenz kann mit unterschiedlichsten Symptomen und Problemen verbunden sein. Welche Medikamente und sonstigen Massnahmen zur Therapie einer Demenz geeignet sind, ist demnach von Fall zu Fall unterschiedlich.

Eine rechtzeitige medikamentöse Therapie und eine gute Einbindung in psycho- beziehungsweise soziotherapeutische Massnahmen sowie eine gute Hilfestellung helfen nicht nur den von Demenz Betroffenen selbst, sondern entlasten auch die für ihre Pflege und Betreuung zuständigen Menschen – meist Angehörige. Bei einer frühzeitig erkannten Demenz können die Betroffenen ihre Mündigkeit länger aufrechterhalten und eigenständige Entscheidungen treffen, ehe die Gedächtnisleistungen so nachlassen, dass sie entscheidungsunfähig sind.

Wenn Sie die Pflege eines dementen Menschen übernommen haben oder wenn Sie selbst dement sind, haben Sie so eine echte Chance, sich früh über die Demenz sowie über mögliche Hilfe und verfügbare Therapien zu informieren und im Voraus zu planen. Möglicherweise handelt es sich aber auch um eine der seltenen heilbaren (reversiblen) Demenzen, die durch eine frühzeitige Therapie verschwinden können.

Wenn der Verdacht auf eine Demenz besteht, informieren Sie daher den behandelnden Hausarzt und/oder Facharzt (Psychiater, Neurologe) am besten so früh wie möglich. Schweizweit gibt es Selbsthilfegruppen, in denen eine umfassende Beratung zu Demenzen möglich ist.

Nicht jede Demenz zeigt den gleichen Verlauf: Einerseits treten Demenzen in vielen Formen unterschiedlichster Ursachen auf, andererseits verlaufen auch Demenzerkrankungen ein und derselben Form (z.B. Alzheimer-Demenz) grundsätzlich individuell verschieden.

Die meisten Demenzen setzen im höheren Lebensalter ein und schreiten stetig langsam fort – über Jahre hinweg. Es gibt aber auch früher beginnende, sich rasch verschlechternde oder schwankende Formen von Demenz:

  • Zu den im höheren Lebensalter einsetzenden Demenzen mit langsam, aber stetig fortschreitendem Verlauf gehören die häufige Alzheimer-Demenz, die Parkinson-Demenz und die Lewy-Körperchen-Demenz – dies sind alles primäre Formen von Demenz, die mit einem stetigen Verlust von Nervenzellen (sog. Neurodegeneration) einhergehen.
  • Zur Gruppe der mit Neurodegeneration einhergehenden primären Demenzen zählt auch die frontotemporale Demenz, deren Verlauf jedoch deutlich früher einsetzt.
  • Die vaskuläre Demenz ist eine weitere primäre Demenzerkrankung, die aber nicht mit Neurodegeneration einhergeht, sondern infolge einer gefässbedingten Schädigung des Gehirns entsteht. Die vaskuläre Demenz kann einen schubweisen Verlauf nehmen: Dabei lösen plötzliche Stimmungsschwankungen und ein deutliches Nachlassen der Geistesfähigkeiten Phasen ab, in denen die Betroffenen so klar denken können wie vor ihrer Erkrankung beziehungsweise in frühen Krankheitsstadien.

In seltenen Fällen nimmt eine Demenz nicht zwangsläufig einen fortschreitenden Verlauf, sondern ist wieder umkehrbar (reversibel). Solche Demenzen entstehen sekundär (d.h. durch eine andere Grunderkrankung), zum Beispiel durch:

  • Infektionen (z.B. AIDS: sog. AIDS-Demenz, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit)
  • Drogenvergiftung (sog. Wernicke-Korsakoff-Syndrom durch Alkohol)
  • Sauerstoffmangel und raumfordernde Prozesse im Gehirn: Normaldruck-Wasserkopf (Hydrozephalus), Meningeome
  • Stoffwechselkrankheiten: Störungen der Schilddrüse, Diabetes mellitus

Prognose

Bei einer fortschreitenden Demenz kann man den Verlauf mithilfe der heute verfügbaren Medikamente bereits verzögern. Die Prognose ist dennoch nicht beeinflussbar, da keine Therapie das Fortschreiten der Demenz völlig stoppen kann. Daher ist trotz frühzeitiger Therapie damit zu rechnen, dass Menschen mit fortschreitender Demenz irgendwann Pflege benötigen und ihre Lebenserwartung vermindert ist.

Einer Demenz können Sie nicht gezielt vorbeugen, da die genauen Ursachen dieser Hirnleistungsstörung nicht vollständig geklärt sind. Allerdings sind einige Risikofaktoren bekannt, welche die Entstehung einer Demenz begünstigen. Dazu zählen:

  • Rauchen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • zu hohe Cholesterinwerte (Hyperlipidämie)
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Vorhofflimmern
  • frühere Kopfverletzungen (z.B. Schlaganfall, Boxertrauma)
  • Schilddrüsenunterfunktion (höheres Risiko für eine Alzheimer-Demenz)

Wenn Sie einer Demenz vorbeugen möchten, ist es daher wichtig, dass Sie Nikotinkonsum und Übergewicht vermeiden sowie die genannten Grunderkrankungen frühzeitig und wirksam behandeln (lassen). Allgemein ist es ratsam, auf eine ausgewogene Ernährung (z.B. mediterrane Kost) zu achten und sich regelmässig körperlich zu bewegen.

Da mit zunehmendem Bildungsniveau die Wahrscheinlichkeit sinkt, eine Demenz zu entwickeln, ist ausserdem ein aktives geistiges und soziales Leben zum Vorbeugen von Demenzerkrankungen empfehlenswert. Eine Kombination aus Gedächtnistraining und Bewegungstraining sowie ein funktionierendes, intellektuell anregendes soziales Netz können demenzielle Prozesse hinauszögern.