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Dentalphobie

(«Zahnarztangst»)
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1. Überblick

Für Menschen mit Dentalphobie («Zahnarztangst») ist jeder Zahnarztbesuch ein Horrorszenario: Die grelle Lampe blendet, ein weiss vermummter Mann beugt sich mit angestrengtem Gesicht über die eher selten geputzten Zähne und plötzlich jault ein grelles Geräusch auf, dessen Ursprung, eine riesengrosse rotierende Nadel, sich dem Gesicht gefährlich nähert und in der Mundhöhle verschwindet. Und ab jetzt heisst es nur noch: Zähne zusammenbeissen!

Ungefähr 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung geben an, Angst vorm Zahnarzt zu haben. Bis zu 20 Prozent davon haben eine überdurchschnittlich grosse Angst (sog. Dental- oder Oralophobie). Im Volksmund ist auch der Begriff «Zahnarztangst» verbreitet. Die Bezeichnung «Zahnarztangst» ist aber nicht ganz korrekt, da sich die Dentalphobie nicht ausschliesslich gegen den Zahnarzt richtet, sondern gegen die Zahnbehandlung und was damit verbunden ist. Zu den spezifischen Ängsten beim Zahnarztbesuch gehören zum Beispiel:

  • Vibration des Bohrers spüren

  • Bohrer hören

  • Betäubungsspritze sehen

  • Bohrer sehen

Die Angst vorm Zahnarzt stellt für einen Teil der Bevölkerung ein ernstzunehmendes Problem dar, das eine Therapie erfordert.

Die Dentalphobie ist grundsätzlich heilbar. Voraussetzung dafür ist, dass Betroffene erkennen, dass sie etwas gegen ihre «Zahnarztangst» tun können und Hilfe in Anspruch nehmen. Spezialisierte Zahnärzte bieten verschiedene Verfahren an, welche die Angst vorm Zahnarzt lindern können. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Entspannungsverfahren, Akupunktur oder Hypnose.

Ist eine zahnärztliche Behandlung dringend notwendig, können auch Medikamente gegen die Dentalphobie eingesetzt werden. Langfristig ist eine medikamentöse Therapie der «Zahnarztangst» aber nicht sinnvoll, da die ursprüngliche Angst weiterhin bestehen bleibt.

Wie eine Dentalphobie verläuft, ist davon abhängig, ob Betroffene Hilfe annehmen. Ohne eine entsprechende Behandlung kann die «Zahnarztangst» ein Leben lang anhalten – und verschiedene Folgen nach sich ziehen, etwa grössere Schäden an den Zähnen, aber auch depressive Verstimmungen.

Mit einer angemessenen Therapie ist die Dentalphobie aber heilbar.

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2. Definition

Die krankhafte Angst vor dem Zahnarztbesuch bezeichnet der Zahnarzt als Zahnbehandlungsphobie oder auch als Dentalphobie oder Oralophobie.

Umgangssprachlich ist der Begriff «Zahnarztangst» oder «Zahnarztphobie» geläufiger als Dentalphobie. Die Begriffe «Zahnarztangst» oder «Zahnarztphobie» sind allerdings streng genommen nicht korrekt, da neben dem Zahnarzt auch andere Faktoren, die zu einer Zahnbehandlung gehören, Ängste hervorrufen können. Die Dentalphobie richtet sich nicht auf den Zahnarzt als Person, sondern auf die Zahnbehandlung und das, was damit verbunden ist.

Die Dentalphobie äussert sich einerseits in körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern, andererseits in einer grossen Angst vor der Zahnbehandlung und den damit verbundenen Schmerzen. Hinzu kommen des Öfteren Schamgefühle, denn der Mund ist für viele Menschen ein sehr intimer Bereich. Selbstwertprobleme aufgrund der schlechten Zähne können ebenfalls eine Rolle spielen.

Auch ein Vermeidungsverhalten, also das kurzfristige Absagen von Zahnarztterminen oder das Hinauszögern zahnärztlicher Kontrollen, bis die Schmerzen unerträglich sind, ist Teil der Dentalphobie. Dabei ist ein geringes Mass an Angst vor einer Zahnbehandlung durchaus normal.

Handlungsbedarf besteht jedoch, wenn die Angst vorm Zahnarzt in einem übergrossen Mass auftritt – die Angst also sehr lange andauert und sehr stark ist. Betroffene mit Dentalphobie beziehungsweise «Zahnarztangst» vermeiden rigoros zum Zahnarzt zu gehen. Ihnen ist durchaus bewusst, dass ihre Ängste übertrieben sind. Dennoch hilft gutes Zureden bei Menschen mit Dentalphobie nicht, die Angst vorm Zahnarzt zu überwinden.

Bei vielen Betroffenen ist die Toleranzgrenze bezüglich unbehandelter Zahnschäden sehr hoch – das heisst sie nehmen sogar grosse Schmerzen oder abgestorbene Zähne beziehungsweise Zahnlücken in Kauf. Deshalb ist es für die Dentalphobiker wichtig, die Angst vorm Zahnarztbesuch gemeinsam mit einem Arzt und/oder Therapeuten anzugehen.

3. Ursachen

Eine Dentalphobie (Angst vorm Zahnarzt bzw. «Zahnarztangst») entsteht meist durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Ursachen können traumatische Erlebnisse im Mundraum sein. Diese Traumatisierung entsteht in der Regel, wenn die Person schlechte Erfahrungen bei Zahnarztbesuchen gemacht hat.

Dabei sind nicht nur die bei der Behandlung empfundenen Schmerzen von Bedeutung – auch der Zahnarzt kann durch psychologisches Fehlverhalten die Angst schüren (z.B. durch Abwertung des Betroffenen, Verharmlosen der Angst, geringes Einfühlungsvermögen).

Doch auch übernommene unangenehme Erlebnisse (Erzählungen aus dem sozialen Umfeld) kommen bei der Zahnarztangst als Ursachen infrage. 

Nicht immer ist der Zahn selbst beziehungsweise dessen Behandlung bei der Entwicklung einer Dentalphobie von Bedeutung. Auch Unfälle, Operationen, sexueller Missbrauch, Gewalterfahrungen und vieles mehr können bei der Dentalphobie beziehungsweise «Zahnarztangst» als Ursachen infrage kommen.

In einigen Fällen ist die Traumatisierung auf ein einschneidendes Erlebnis im Kindes- oder Jugendalter zurückzuführen. Für Eltern ist es daher wichtig, ihre Kinder sehr behutsam und auf spielerische Weise an den Besuch beim Zahnarzt heranzuführen, um Angst und eine Dentalphobie zu vermeiden.

4. Symptome

Die krankhafte Angst vom Zahnarzt (Dentalphobie) äussert sich einerseits durch körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern. Andererseits ist sie mit einer grossen Angst vor der Zahnbehandlung und den Schmerzen verbunden.

Auch ein Vermeidungsverhalten ist Teil des Krankheitsbilds der Angst: Menschen mit Dentalphobie sagen beispielsweise Zahnarzttermine kurzfristig ab oder sie zögern Kontrolluntersuchungen hinaus. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Viele Betroffene suchen den Zahnarzt erst dann auf, wenn die Zahnschmerzen unerträglich geworden sind. Dann ist oft eine kompliziertere Behandlung notwendig – die Angst vorm Zahnarzt wächst weiter und der nächste Zahnarzttermin wird wieder herausgeschoben.

Auf das Gebiss kann sich dieses Verhalten teilweise sehr negativ auswirken – im Extremfall führt es dazu, dass Zähne verloren gehen.

5. Diagnose

Die Betroffenen sind sich ihrer «Zahnarztangst» (Dentalphobie) im Allgemeinen bewusst. Bis ein Arzt die Diagnose dieser Angst vorm Zahnarzt stellt, kann jedoch viel Zeit vergehen – denn die Phobiker zeigen in der Regel ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten.

Weil die Betroffenen nötige Behandlungen oftmals aufschieben, leiden sie zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits unter starken, teilweise chronischen Zahnproblemen und Zahnschmerzen.

Gespräche über die «Zahnarztangst» mit dem Arzt, gegebenenfalls mit Psychologen oder Psychiatern, können bei Dentalphobie helfen, die Diagnose zu stellen und die Ursache der Angst vor dem Zahnarztbesuch zu ermitteln. Dabei können zum Beispiel besondere Angst-Fragebögen helfen.

6. Therapie

Bei Dentalphobie (Angst vorm Zahnarzt bzw. «Zahnarztangst») steht am Anfang der Therapie die Einsicht des Betroffenen, dass er etwas gegen seine Dentalphobie unternehmen kann. Er muss erkennen, dass es ratsam ist, etwas gegen seine Dentalphobie zu unternehmen.

Im zweiten Schritt empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, zu dem man Vertrauen hat. Dies kann beispielsweise ein Zahnarzt sein, der spezielle Behandlungen für Angstpatienten anbietet. Mit diesem können Menschen mit Zahnarztangst dann herausfinden, wie stark die Angst vorm Zahnarzt  beziehungsweise die Dentalphobie ist und welche Therapie geeignet ist.

Das allgemeine Ziel der Therapieverfahren ist es, dem Betroffenen zu zeigen, wie er selbst mit kleinen Hilfsmitteln seiner Dentalphobie begegnen kann. Er soll sich seiner Angst bewusst werden und es schaffen, den Teufelskreis aus Angst und Vermeiden zu durchbrechen.

Um dies zu erreichen, stehen angstlösende und schmerzreduzierende Verfahren zur Verfügung. Bei Dentalphobie verspricht insbesondere eine Therapie mit nicht-medikamentösen angstlösenden Verfahren einen langfristigen Erfolg.

Methoden zur Entspannung

Bei einer Dentalphobie (Angst vorm Zahnarzt) haben sich psychotherapeutische Massnahmen bewährt, vor allem die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie. Hierbei lernt der Betroffene mit Zahnarztangst zunächst, sich seiner Gedanken und Ängste bewusst zu werden. Im nächsten Schritt geht es darum, dass er sein Denken – und damit auch die Angst – bewusst steuern kann, um auf diese Weise Angstsituationen gelassener begegnen zu können. Die Ängste werden nach und nach gelöst, bauen sich also langsam ab.

Weiter kommen zur Behandlung einer Dentalphobie Entspannungsverfahren, wie entspannende Musik über Kopfhörer während der Behandlung, zum Einsatz. Betroffene empfinden Schmerzen dadurch weniger stark. Manche Personen mit Zahnarztangst bevorzugen es, statt Entspannungsmusik ihre Lieblingsmusik zu hören – hier steht die Ablenkung von der Zahnbehandlung im Vordergrund. Diese akustische Beruhigung oder Ablenkung kann durch beruhigende Bilder unterstützt werden, die man über eine Videobrille sieht.

Auch Duftstoffe können helfen, die Zahnbehandlung gelassener und durchzustehen. Manchen Betroffenen mit Dentalphobie helfen auch besondere Atemtechniken gegen ihre Zahnarztangst.

Neben diesen Entspannungs- und Ablenkungsverfahren können bei Dentalphobie auch Methoden die Therapie unterstützen, welche die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen. Etwa die Hypnose kann dabei helfen, das Betroffene weniger Schmerz empfinden. Hierbei versucht der Therapeut, dem Patienten angenehme Gedanken und Vorstellungen zu vermitteln.

Der Zahnarzt, der Hypnose anbietet, versetzt den Patienten zunächst in eine leichte Trance. Er leitet die hypnotisierte Person dazu an, die Zahnbehandlung vom Bewusstsein fernzuhalten beziehungsweise gar nicht erst in das Bewusstsein «hineinzulassen». Die Hypnose ist bei einer Dentalphobie eine sehr wirkungsvolle Therapie, da sie direkt angstlösend wirkt.

Akupunktur ist eine weitere geeignete Methode bei Dentalphobie (Angst vorm Zahnarzt): Die Akupunktur-Therapie reduziert bei Zahnarztangst vor allem die Schmerzen.

Auch Medikamente können das Schmerzempfinden mildern. Dadurch ist es möglich, dringend notwendige Behandlungen bei Menschen mit Zahnarztangst durchzuführen. Langfristig sind Medikamente bei Dentalphobie aber nicht zur Therapie geeignet, da die Ängste in der Regel weiter bestehen.

Vollnarkose

Sind komplizierte, langwierige und unter Umständen schmerzhafte Zahnbehandlungen bei einem Patienten mit Dentalphobie unumgänglich, so kann in letzter Konsequenz auch eine Zahnbehandlung unter Vollnarkose ratsam sein. Als gängige Methode der Angstbekämpfung ist diese Massnahme jedoch nicht geeignet, da sich dadurch an der Angst an sich nichts ändert. Ausserdem ist mit jeder Vollnarkose ein gewisses Risiko verbunden, weswegen sie bei Menschen mit Dentalphobie als «Dauermethode» zur Therapie nicht empfehlenswert ist.

7. Verlauf

Bei Angststörungen im Allgemeinen, sowie bei der Dentalphobie («Zahnarztangst») im Speziellen, hängt der Verlauf stark von der Art und dem Ausmass der Angst vor dem Zahnarzt ab.A ber auch die jeweilige Behandlungsmethode beeinflusst den Verlauf der übersteigerten Angst. Eine Dentalphobie kann über Jahre bestehen, dabei aber in ihrer Intensität schwanken.

Manchmal sind mit dieser Störung depressive Symptome verbunden, die bis zu Selbstmordgedanken führen können. Es ist wichtig, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich mit seiner Angst auseinanderzusetzen.

8. Vorbeugen

Der Dentalphobie (Angst vor dem Zahnarzt bzw. Zahnarztangst) kann man nicht wirklich vorbeugen. Wenn Sie unter einer Dentalphobie leiden, sollten Sie sich mit ihr auseinandersetzen. Suchen Sie sich dazu Unterstützung und Hilfe bei einem Arzt und/oder Therapeuten. So können Sie gemeinsam versuchen, die Angst zu reduzieren, damit Sie in Zukunft der Angst vor dem Zahnarzt – und nötigen Zahnbehandlungen – nicht länger aus dem Weg gehen müssen.

Damit bei Kindern eine Dentalphobie gar nicht erst entsteht, ist es wichtig, dass Eltern sie frühzeitig in einer ruhigen Atmosphäre spielerisch an Zahnbehandlungen heranzuführen. Dadurch lässt sich einer Dentalphobie bei Kindern begrenzt vorbeugen.