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Veröffentlicht am 07.10.2020

1. Überblick

Bis zu einem Fünftel der Menschen erlebt mindestens einmal im Leben eine depressive Episode: Man fühlt sich niedergeschlagen, antriebslos und ohne Freude.

Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Freudlosigkeit und verminderter Antrieb sind die wichtigsten Anzeichen einer Depression. Darüber hinaus lösen Depressionen häufig weitere Symptome aus, zu denen auch körperliche Beschwerden gehören: So können bei einer Depression als zusätzliche Symptome zum Beispiel Schlafstörungen, Ängste, Selbstzweifel und Konzentrationsstörungen auftreten.

Eine Depression kann vielfältige Ursachen haben: So können biologische und psychologische Einflüsse Menschen anfälliger für eine depressive Verstimmung machen. Auch die Lebensumstände und persönliche Faktoren können grossen Einfluss auf die Entstehung einer Depression haben. Belastungen wie beispielsweise der Tod eines nahestehenden Menschen oder Stress im Berufsleben sind häufige Auslöser für Depressionen, vor allem bei erhöhter Anfälligkeit.

Die Diagnose einer Depression stellt der Arzt oder die Psychologin nur, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Es müssen mindestens zwei der drei für Depressionen typische Kernsymptome vorliegen, die mindestens zwei Wochen lang auftreten.

Hilfe bei Depressionen bieten Medikamente und eine Psychotherapie. Häufig kommt bei der Behandlung einer Depression beides zusammen zum Einsatz.

  • Bei einer Depression besteht die medikamentöse Therapie in erster Linie aus sogenannten Antidepressiva. Nachdem die Symptome abgeklungen sind, ist es ratsam, diese Mittel nach Rücksprache mit dem Therapeuten noch eine Zeit lang einzunehmen, um Rückfälle zu vermeiden (sog. Erhaltungstherapie).
  • Die psychotherapeutische Behandlung einer Depression zielt unter anderem darauf ab, das Leben der Betroffenen aktiver zu gestalten und negative Denkmuster abzubauen. Zusätzlich vermittelt die Psychotherapie Strategien, die den Betroffenen helfen können, wiederkehrenden Symptomen ihrer Depression frühzeitig entgegenzuwirken.

Der Verlauf einer Depression hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie viele depressive Episoden traten bereits auf? Wie lang und wie intensiv waren sie? Wie lange dauerte die beschwerdefreie Zeit zwischen den depressiven Phasen? Grundsätzlich gilt: Mit einer geeigneten Therapie geht die depressive Episode meist schneller vorüber.

Scheuen Sie sich also nicht, bei Anzeichen einer Depression professionelle Hilfe zu suchen! Scham- oder Schuldgefühle sind hier völlig fehl am Platz: Wer depressiv ist, ist ernsthaft krank – und die Medizin kann helfen, eine Depression zu überwinden.

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2. Definition von Depression

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung – genauer: eine affektive Störung: Affektive Störungen sind Erkrankungen, bei der es häufig zu Schwankungen der Stimmung und des Antriebs kommt.

Häufig besteht bei einer Depression eine tiefe Traurigkeit. Gefühle von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit kennt jeder Mensch. Vor allem nach belastenden Ereignissen kommt es fast immer zu einer Phase, in der die Stimmung gedrückt ist. Solche Ereignisse sind beispielsweise der Tod eines geliebten Menschen oder Liebeskummer nach dem Ende einer Partnerschaft.

Die meisten Menschen sind allerdings auch während dieser Zeit in der Lage, kurzfristig ihren Kummer zu vergessen: Sie können sich zum Beispiel im Gespräch mit Freunden oder Bekannten von ihren traurigen Gefühlen ablenken. Bei einem normalen Trauerprozess lassen Gefühle der Traurigkeit oder der Niedergeschlagenheit mit der Zeit nach. Bleiben sie jedoch über lange Zeit bestehen, kann sich der Zustand zu einer Depression entwickeln.

Eine Frau schaut mit traurigem Gesicht aus dem Fenster ins Grüne.

Viele Betroffene empfinden eine quälende emotionale Leere.

Quelle: Getty Images

Statt oder zusätzlich zu tiefer Traurigkeit sind Depressionen auch oft mit einer quälenden emotionalen Leere verbunden. Die Betroffenen fühlen sich in ihrer gesamten Lebensführung von der Depression stark beeinträchtigt. Ihnen gelingt es häufig nur schwer, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, wie sie zum Beispiel im Haushalt anfallen. Viele Betroffene machen sich starke Selbstvorwürfe und interessieren sich nicht mehr für Dinge, die ihnen früher wichtig waren. Auch Ablenkung und der Zuspruch anderer verschaffen einem depressiven Menschen keine Erleichterung.

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Häufigkeit

Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Gemäss der Weltgesundheitsorganisation leiden drei bis vier Prozent der Weltbevölkerung an Depressionen. Das sind etwa 264 Millionen Menschen.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, wird auf ca. 20 Prozent geschätzt, d.h. jeder Fünfte von uns macht wahrscheinlich in seinem Leben irgendwann eine Depression durch. Leichte, vorübergehende depressive Verstimmungen bleiben wohl keinem Menschen erspart.

Eine Depression kann in jedem Alter entstehen – vorwiegend erkranken zwar Ältere, aber auch viele junge Menschen sind betroffen. Bei Frauen wird eine Depression doppelt so häufig diagnostiziert wie bei Männern. Nach einer depressiven Phase entwickeln 50 bis 70 Prozent aller Betroffenen irgendwann erneut eine Depression (sog. rezidivierende Depression).

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3. Ursachen von Depression

Worin eine Depression ihre Ursachen hat, ist nicht immer eindeutig auszumachen. Wie genau eine Depression entsteht, dazu gibt es unterschiedliche Hypothesen und Erklärungsmodelle. Experten gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren im Zusammenspiel eine Depression auslösen. Dabei spielen sowohl psychosoziale als auch biologische Einflüsse eine Rolle.

Zu möglichen Risikofaktoren zählen:

  • genetische Faktoren: Depressionen treten in machen Familien gehäuft auf. Das Risiko für eine Depression ist deutlich erhöht, wenn nahe Verwandte bereits depressiv sind oder waren.
  • belastende Lebensereignisse: Wenn eine Person zu Depressionen neigt, können belastende Lebensereignisse oder Lebensumstände die Erkrankung auslösen, z.B. andauernde Überforderung oder Stress im Beruf, Beziehungsprobleme und Liebeskummer, Arbeitslosigkeit, körperlicher oder psychischer Missbrauch, der Tod eines geliebten Menschen.
  • Traumata in der Kindheit: z.B. der Verlust eines Elternteils, sexueller Missbrauch.
  • Lichtmangel: Einige Personen reagieren im Herbst und Winter mit Depressionen, wenn sie zu wenig Licht ausgesetzt sind.
  • frühere Depressionen: Wer bereits eine oder mehrere depressive Phasen erlebt hat, hat ein höheres Risiko, erneut zu erkranken. Das gleiche gilt für frühere Suizidversuche.
  • belastende körperliche oder psychische Erkrankungen: Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch hormonelle Krankheiten wie eine Schilddrüsenunterfunktion können Depressionen begünstigen.
  • Alkohol-, Drogen- oder Tablettenmissbrauch können das Risiko ebenfalls erhöhen.
  • mangelnde soziale Unterstützung: Menschen, die kein soziales Netz haben, das sie bei Problemen auffängt, werden eher depressiv als andere.
  • hormonelle Veränderungen, etwa nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.
  • bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, z.B. mangelndes Selbstvertrauen.

Der Gehirnstoffwechsel ist bei einer Depression verändert; die Konzentration beziehungsweise Wirkung verschiedener Botenstoffe zwischen den Nervenzellen (z.B. Serotonin, Noradrenalin) ist dabei aus dem Gleichgewicht geraten. Die auch als Neurotransmitter bezeichneten Botenstoffe spielen bei der Entstehung und Regulation von Gefühlen eine wichtige Rolle.

Wenn eine Depression ein Symptom für eine andere psychische oder körperliche Erkrankung ist, handelt es sich um eine sogenannte sekundäre Depressionen. Eine sekundäre Depression kann ihre Ursachen zum Beispiel in einer Epilepsie oder Schilddrüsenerkrankung haben. Auch Medikamente, die etwa in der Krebsbehandlung zum Einsatz kommen, können eine Depression verursachen.

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4. Symptome von Depression

Typische Symptome (Hauptsymptome) einer Depression sind:

  • eine gedrückte, depressive Stimmung (besonders morgens)
  • Interessenverlust, Freundlosigkeit
  • ein verminderter Antrieb und rasche Ermüdbarkeit (schon nach kleinsten Anstrengungen)

Diese Symptome können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Betroffene beschreiben ein Gefühl der inneren Leere. Andere haben so wenig inneren Antrieb, dass sie sich nicht aufraffen können, einer Aktivität nachzugehen. Bei wieder anderen stehen Gefühle von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund. Viele Betroffene machen sich Selbstvorwürfe und fühlen sich minderwertig. Sie glauben, selbst an ihrer Situation Schuld zu sein und blicken der Zukunft pessimistisch entgegen. Auch Erfolge oder angenehme Aktivitäten können die Symptome nicht lindern. Für Außenstehende, die noch nie depressiv waren, ist es manchmal schwer nachvollziehbar, wie sich eine depressive Person fühlt.

Vor allem nach belastenden Ereignissen (wie Liebeskummer oder dem Verlust eines geliebten Menschen) sind Phasen einer vorübergehenden gedrückten Stimmung ganz normal. Die meisten Menschen sind auch während dieser Zeit in der Lage, kurzfristig ihren Kummer zu vergessen: Sie können sich zum Beispiel im Gespräch mit Freunden oder Bekannten von ihren traurigen Gefühlen ablenken.

Bei einem normalen Trauerprozess lassen Gefühle der Traurigkeit oder der Niedergeschlagenheit mit der Zeit nach. Bleiben sie jedoch über lange Zeit bestehen, kann sich der Zustand zu einer Depression entwickeln. Ablenkung und der Zuspruch anderer verschaffen einem depressiven Menschen keine Erleichterung.

Viele Depressive empfinden eine tiefe Traurigkeit. Umgekehrt ist nicht jeder Depressive automatisch traurig. Manche berichten eher von Gefühlen innerer Leere oder der Unfähigkeit, Gefühle empfinden zu können.

Weitere Anzeichen für eine Depression können sein:

 

Bei ausgeprägten Depressionen berichten die Betroffenen häufig von einem lähmenden Gefühl der Gefühllosigkeit.

Viele Patienten wachen in den frühen Morgenstunden auf und können nicht mehr schlafen. Morgens sind die Beschwerden häufig besonders stark ausgeprägt: Ärzte sprechen von einem Morgentief.

In seltenen schweren Fällen treten bei einer Depression psychotische Symptome auf. Das bedeutet: Der Bezug zur Realität oder zum eignen Selbst ist vorübergehend gestört. Zu psychotischen Symptomen zählen etwa Wahnvorstellungen oder Halluzinationen. Betroffene glauben etwa, vor dem finanziellen Ruin zu stehen (sog. Verarmungswahn) oder sie sind davon überzeugt, große Schuld auf sich geladen zu haben.

Ausserdem haben manche Menschen mit einer Depression eine Vielzahl körperlicher Symptome, für die keine körperliche Erklärung zu finden ist. Neben Schlafstörungen und Appetitlosigkeit zählen dazu:

  • Schwindel
  • Gewichtsverlust
  • Kopfschmerzen
  • Klossgefühl im Hals
  • Kreislaufprobleme
  • Herzrhythmusstörungen, Herzrasen
  • Atemnot
  • verringertes sexuelles Interesse


Manche Menschen mit einer Depression sind in ihrem körperlichen Ausdruck (Bewegung, Mimik) gehemmt. Sie fühlen sich wie erstarrt und bewegen sich langsamer als sonst. Andere kommen dagegen nur schwer zur Ruhe und haben einen starken Bewegungsdrang.

In einigen Fällen sind die körperlichen Symptome der Depression so stark ausgeprägt, dass die psychischen Anzeichen der Depression in den Hintergrund geraten. Dies bezeichnet man als maskierte oder larvierte Depression. Vor allem bei Kindern äußern sich Depressionen häufig in körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Bauchschmerzen oder Übelkeit.

Eine Frau liegt im Dunkeln auf dem Sofa und hält sich die Hände vors Gesicht.

Eine gedrückte Stimmung, Müdigkeit und ein verminderter Antrieb gehören zu den Kernsymptomen einer Depression.

Quelle: Getty Images

5. Diagnose von Depression

Eine Depression bleibt oft lange Zeit unbehandelt. Viele Betroffene – besonders Männer – schämen sich für ihre Beschwerden und suchen daher möglicherweise den Arzt nicht auf. Auch kann es sein, dass körperliche Symptome im Vordergrund stehen, sodass die Depression nicht auf Anhieb erkannt wird.

Um die Diagnose Depression zu stellen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Bei einer Depression hat der oder die Betroffene

  • mindestens zwei der drei Hauptsymptome (gedrückte Stimmung, Interessenverlust/Freudlosigkeit, Antriebsminderung/erhöhte Ermüdbarkeit) und
  • diese Symptome bleiben mindestens zwei Wochen lang bestehen.

Je nachdem, wie viele Zusatzsymptome bestehen, ist die Depression leicht, mittel oder schwer ausgeprägt. Zu solchen Zusatzsymptomen zählen zum Beispiel Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder Schuldgefühle.

 

Bei Verdacht auf eine Depression sind zur Diagnose ausführliche Gespräche unerlässlich: Nur so kann die Ärztin oder der Psychologe feststellen, welche und wie viele Anzeichen einer Depression vorliegen. Mögliche Fragen sind zum Beispiel:

  • Welche Beschwerden haben Sie?
  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Fühlen Sie sich seit einiger Zeit niedergeschlagen, hoffnungslos oder bedrückt?
  • Haben Sie in letzter Zeit kaum noch Freude an Dingen, die Ihnen früher Spass gemacht haben?
  • Haben Sie weniger Antrieb als früher? Können Sie sich einfach zu nichts mehr aufraffen?
  • Sind Sie schneller erschöpft als früher?
  • Haben sich die Beschwerden verstärkt?
  • Leiden Sie unter Schlaflosigkeit?
  • Haben Sie an Gewicht verloren oder ungewöhnlich viel zugenommen?
  • Verändern sich die Symptome im Laufe des Tages?
  • Haben Sie Konzentrationsprobleme?
  • Inwiefern können Sie Ihrer Arbeit und Ihren täglichen Pflichten nachgehen?
  • Denken Sie manchmal darüber nach, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist?

 

Ausserdem steht eine Reihe von Fragebögen zur Verfügung, um zu erfassen, ob und in welchem Ausmass zuvor Symptome einer Depression vorlagen.

Andere psychische Erkrankungen können zu Symptomen führen, die einer Depression ähneln, oder sie können mit Depressionen einhergehen. Dazu zählen zum Beispiel Angststörungen, eine posttraumatische Belastungsstörung, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch oder eine Zwangserkrankung. Daher wird der Arzt oder der Psychologe möglicherweise gezielt nach weiteren Symptomen fragen, die auf eine solche Erkrankung hinweisen könnten.

Depressionen können auch als Begleitsymptom verschiedener Erkrankungen auftreten. Um solche Erkrankungen auszuschließen, gehören zur Diagnose auch immer körperliche und neurologische Untersuchungen.

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6. Therapie von Depression

Zur Behandlung einer Depression haben sich vor allem zwei Therapieansätze bewährt:

  • Psychotherapie, und
  • die Gabe von Antidepressiva

Bei einer besonders schweren Depression sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, ihren Haushalt zu führen. Manche haben Suizidgedanken oder -absichten. Dann ist es sinnvoll, sich in einer Klinik behandeln zu lassen (stationäre Therapie). Bei leichten oder mittelschwere Depressionen reicht in der Regel eine ambulante Psychotherapie aus.

Welche Behandlung im Einzelfall zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen spielen die persönlichen Wünsche des Betroffenen eine Rolle, zum anderen aber auch die Schwere der Erkrankung. Die Schweregrade von Depressionen sind:

  • Leicht: Bei leichten Depressionen kann man zunächst zuwarten, ob sich die Beschwerden auch ohne Therapie bessern (sog. "watchful waiting"). Tritt nach zwei Wochen keine Besserung ein, sollte mit der Behandlung begonnen werden. Im Falle einer leichten Depression wird eine Psychotherapie empfohlen. Medikamente sollten hingegen eher zurückhaltend zum Einsatz kommen. Der Grund: Antidepressiva zeigen bei leichten Depressionen kaum Wirkung.
  • Mittel: Bei einer mittelschweren Depression empfiehlt sich entweder eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten.
  • Schwer: Schwere depressive Episoden sollten bevorzugt mit einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden.

Wichtig ist bei der Behandlung einer Depression auch die richtige Unterstützung durch Angehörige: Nahestehende Personen können zur Genesung beitragen, indem sie die Person mitfühlend und geduldig unterstützen.

Psychotherapie

Es gibt viele verschiedene Formen von Psychotherapie. Die wichtigsten sind die Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse:

  • Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass sich Denken, Verhalten und Gefühle gegenseitig beeinflussen. Das bedeutet zum Beispiel: Negative Gedanken wirken sich zugleich auch auf das Verhalten und die Stimmung negativ aus. Ziel der Therapie ist, solche Muster zu erkennen und schrittweise zu verändern.
  • In den psychoanalytisch begründeten Therapien geht es vor allem darum, mögliche Konflikte aufzudecken und aufzulösen, die zu der Depression geführt haben könnten. Dies können Konflikte sein, die bereits in der Kindheit entstanden sind, aber auch aktuelle Probleme.

Als besonders wirkungsvoll bei Depressionen hat sich die Verhaltenstherapie erwiesen. Welche Therapie jedoch im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt auch von den persönlichen Vorlieben des Patienten ab.

Medikamente

Bei einer Depression sind für die medizinische Therapie sogenannte Antidepressiva besonders wichtig. Dabei gilt: Je schwerer die Depression, desto wirkungsvoller sind Antidepressiva. Die Medikamente beeinflussen das Gleichgewicht der Hirnbotenstoffe – zu Beginn ist also etwas Geduld gefragt. Es dauert in der Regel bis zu zwei, manchmal auch bis zu vier Wochen, bis eine Besserung einsetzt. Vor allem in der Anfangszeit können auch Nebenwirkungen auftreten (z.B. verstärkte Müdigkeit, Übelkeit). Erst nach dieser Zeit können Sie feststellen, ob Ihnen das verabreichte Medikament gegen die Depression hilft.

Ist dies nicht der Fall oder lassen die Nebenwirkungen nach den ersten zwei bis drei Wochen nicht nach, ist eine Behandlung mit einem anderen Antidepressivum sinnvoll. Wenn die Symptome der Depression abgeklungen sind, nehmen Sie die Antidepressiva noch eine Zeit lang – in der Regel mindestens sechs Monate – weiter ein, um Rückfälle (Rezidive) zu vermeiden (sog. Erhaltungstherapie). Nach dem Absetzen der Medikamente kann die Depression allerdings erneut auftreten (sog. rezidivierende depressive Störung).

Was machen Antidepressiva?

Antidepressiva beeinflussen auf unterschiedliche Weise das Gleichgewicht verschiedener Botenstoffe im Gehirn (sog. Neurotransmitter), vor allem der Botenstoffe Serotonin und/oder Noradrenalin. Neurotransmitter sind im menschlichen Körper unerlässlich. Egal, ob der Mensch ein Bild betrachtet, jemandem zuhört oder sich über etwas freut: Jedes Mal werden im Gehirn ganze Netzwerke an Nervenzellen aktiv. Die Nervenzellen besitzen Kontaktstellen, sogenannte Synapsen, die es ermöglichen, Informationen in Form von elektrischen Impulsen von Nervenzelle zu Nervenzelle an ihren Zielort weiterzuleiten. Sobald sie einem Reiz ausgesetzt werden, werden die dafür zuständigen Nervenzellen erregt und leiten die Information weiter.

Zwischen jeder Kontaktstelle einer Nervenzelle befindet sich ein Spalt, den ein elektrischer Impuls ohne Hilfsmittel nicht überwinden könnte. Damit ein elektrischer Impuls von Zelle zu Zelle springen kann, kommen die chemischen Botenstoffe, die Neurotransmitter, ins Spiel. Sie werden bei Bedarf von einer Nervenzelle ausgeschüttet und überbrücken den Spalt zur benachbarten Nervenzelle. Haben die Transmitter ihre Aufgabe erfüllt, werden sie von der ausschüttenden Nervenzelle wiederaufgenommen oder vom Körper abgebaut.

Wie gut eine Person auf ein Antidepressivum anspricht, kann sehr unterschiedlich sein. Auch können je nach Person und Wirkstoff verschiedene Nebenwirkungen auftreten, insbesondere zu Beginn der Einnahme. Zudem muss der Arzt mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten, bevor er ein Antidepressivum verschreibt.

Geht es dem Patienten trotz einer eventuellen Dosiserhöhung nicht besser, wird der Arzt unter Umständen eine Behandlung mit einem anderen Antidepressivum in Erwägung ziehen. Das gleiche gilt, wenn die Nebenwirkungen zu stark sind oder nach den ersten zwei bis drei Wochen nicht nachlassen.

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Tri- und tetrazyklische Antidepressiva

Tri- und tetrazyklische Antidepressiva beeinflussen die Konzentration unterschiedlicher Botenstoffe im Gehirn, indem sie ihre Aufnahme in die Nervenzellen hemmen. So stehen die Botenstoffe, die für die Weiterleitung von Reizen zuständig sind, in höherer Konzentration zwischen den Nervenzellen zur Verfügung. Da tri- und tetrazyklische Antidepressiva gleich mehrere Botenstoffe beeinflussen, zeigen sie meist eine gute Wirkung – sind aber auch mit relativ vielen Nebenwirkungen verbunden.

Zu den tri- und tetrazyklischen Antidepressiva zählen zum Beispiel die Wirkstoffe Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Nortriptylin und Trimipramin.

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Herzrhythmusstörungen, Gewichtszunahme, Verstopfung, Sehstörungen, trockener Mund , Probleme beim Wasserlassen und Schwindel.

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SSRI und SNRI

Bei einer Depression mit und ohne Angstsymptomatik kommen zur medikamentösen Therapie häufig selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) wie Citalopram, Fluoxetin und Setralin beziehungsweise Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin und Duloxetin zum Einsatz.

Diese Medikamente, die zu den Antidepressiva zählen, hemmen gezielt die Wiederaufnahme der Hirnbotenstoffe Serotonin beziehungsweise Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzelle, so dass die Botenstoffe im Gehirn länger wirken können. Das hellt Ihre Stimmung auf und lindert Ängste. Mögliche häufige Nebenwirkungen der Behandlung sind Herz-Kreislauf-BeschwerdenKopfschmerzen, Übelkeit und Verdauungsprobleme.

Zu Beginn der Behandlung kann in seltenen Fällen ein sogenanntes Serotoninsyndrom entstehen. Dazu kommt es, wenn zu viel Serotonin vorhanden ist. Ein Serotoninsyndrom kann lebensbedrohlich sein. In der Regel besteht die Gefahr eines solchen Syndrom jedoch nur, wenn ähnlich wirkende Medikamente miteinander kombiniert werden. Daher muss die Ärztin bei der Wahl der Medikamente sorgfältig auf solche Wechselwirkungen achten. Mögliche Anzeichen eines Serotoninsyndroms sind motorische Störungen, Schwitzen, Verwirrtheit oder Fieber. Auch Suizidgedanken sind möglich.

Nach Beendigung der Therapie kann es zu Absetzerscheinungen kommen. Mögliche Symptome sind Schwindel, Schlaf- und Verdauungsprobleme, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen. Um solche Absetzphänomene zu lindern beziehungsweise zu verhindern, ist es wichtig, die Dosis schrittweise und langsam zu reduzieren.

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MAO-Hemmer

MAO-Hemmer wie Moclobemid oder Tranylcypromin beeinflussen das Enzym Monoaminoxidase (MAO), das normalerweise die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin abbaut. Durch den MAO-Hemmer wird die Wirkung des Enzyms unterdrückt, sodass die Botenstoffe in höherer Konzentration zur Verfügung stehen.

Nebenwirkungen sind zum Beispiel Mundtrockenheit, Unruhe, Schlafstörungen oder Blutdruckveränderungen. Die Einnahme von Tranylcypromin erfordert zudem eine spezielle Diät, bei der Patienten zum Beispiel auf Käse und Rotwein verzichten müssen.

Lithium

Lithium sollte nur dann zum Einsatz kommen, wenn andere Antidepressiva nicht ausreichend geholfen haben und wenn der Patient von einem erfahrenden Facharzt begleitet wird. Lithiumsalze zählen nicht zu den Antidepressiva, können aber die Wirkung von Antidepressiva verstärken. Mögliche Nebenwirkungen sind zum Beispiel Durchfälle, Muskelschwäche und vermehrte Harnausscheidung.

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Weitere Antidepressiva

Alpha-2-Antagonisten wie Mianserin und Mirtazapin unterdrücken Stoffe, die verhindern, dass sich Serotonin und Noradrenalin bilden können. Mögliche Nebenwirkungen sind etwa Gewichtszunahme oder Müdigkeit.

Se­lektive No­radrenalin- und Dopamin-Wie­der­auf­nahme-Hem­mer mit dem Wirkstoff Bu­propi­on verhindern, dass die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin von der ausschüttenden Nervenzelle wiederaufgenommen werden können. Zu unerwünschten Wirkungen zählen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Mundtrockenheit, Schlafstörungen und Krämpfe.

Der Wirkstoff Agomelatin beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus und soll den Schlaf und die Stimmung verbessern. Agomelatin ist chemisch mit dem Botenstoff Melatonin verwandt. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel und Veränderungen der Leberwerte.

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Johanniskraut gegen leichte Depressionen

Gegen eine leichte bis mittelgradige depressive Episode können pflanzliche Medikamente auf Basis von Johanniskraut wirksam sein.

Vor der Einnahme ist es ratsam, sich vom behandelnden Arzt über die geeignete Dosierung beraten zu lassen. Außerdem ist zu bedenken, dass ein pflanzliches Arzneimittel nicht automatisch harmloser ist als ein Medikament. Bei der Therapie mit Johanniskraut sind ebenfalls Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich. Die Behandlung mit Johanniskraut kann unter anderem

  • allergische Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit verursachen sowie
  • die Wirksamkeit der Pille, anderer Antidepressiva, blutgerinnungshemmender Medikamente und verschiedener Mittel gegen Epilepsie herabsetzen.
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Weitere Therapiemöglichkeiten

Neben Psychotherapie und Medikamenten können bei einer Depression noch weitere Behandlungsmöglichkeiten hilfreich sein, so etwa:

  • Wachtherapie: Mithilfe von Schlafentzug kann sich das Befinden kurzzeitig bessern. Häufig verschlechtern sich die Symptome erneut, wenn der Patient wieder eine Nacht geschlafen hat. Dennoch kann allein die Erfahrung, dass eine zumindest kurzfristige Besserung möglich ist, dem Patienten neue Hoffnung geben.
  • Lichttherapie: Die Behandlung mit künstlichem Licht ist insbesondere für Personen geeignet, die an einer saisonal abhängigen Depression leiden.
  • Sport: Regelmäßige, moderate Bewegung kann Symptome einer Depression lindern. Studien zufolge kann Sport in einem gewissen Maße dazu beitragen, das Wohlbefinden zu steigern. Als alleinige Therapie gegen eine Depression ist körperliche Aktivität jedoch nicht geeignet. Es entstehen dabei sogenannte Myokine, die sowohl die psychische Stabilität als auch das Immunsystem positiv beeinflussen.
  • Elektrokrampftherapie (Elektrokonvulsive Therapie, EKT): Die EKT kommt vor allem bei schweren Depressionen infrage, wenn andere Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Besonders bei der schwersten Form einer gehemmten Depression, dem depressiven Stupor (Erstarrung), ist die EKT geeignet. Bei der EKT wird das Gehirn mit Elektroden versehen und unter Narkose gezielt mit Stromstößen gereizt, um einen epileptischen Anfall auszulösen. Warum die EKT bei vielen Patienten hilft, ist noch nicht bekannt. Besonders bei Schwangeren kann man dadurch auf die problematischeren Antidepressiva verzichten. Der Eingriff findet in der Regel im Krankenhaus statt und muss mehrmals wiederholt werden. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen vorübergehende Gedächtnisstörungen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Bleibende Schäden verursacht die EKT nach dem jetzigen Forschungsstand jedoch nicht.
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7. Verlauf von Depression

Nicht jede Depression zeigt den gleichen Verlauf. Wie sich Depressionen entwickeln, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Im Einzelfall entscheidend für den Verlauf sind beispielsweise die Anzahl bisher erlebter depressiver Episoden, die Länge dieser Episoden und der Schweregrad der Depression.

Die einzelnen Krankheitsphasen sind meist begrenzt und klingen häufig auch ohne eine Behandlung ab. Mit einer geeigneten Therapie geht die depressive Episode jedoch meist schneller vorüber. Darüber hinaus sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine erneute depressive Episode.

Während manche Betroffene nur eine einzelne depressive Episode erleben und sich danach vollständig wieder erholen, erleben andere erneute Phasen von Depression. Schätzungen zufolge erleiden etwa 50 bis 70 von 100 Betroffenen irgendwann einen Rückfall. Es kann passieren, dass sich der Patient nach einer depressiven Episode zwar wieder besser fühlt, jedoch nicht mehr so gut wie vor der Depression. Bei etwa zwei von zehn Betroffenen wird eine Depression chronisch – das heißt, die Beschwerden halten mindestens zwei Jahre hinweg an.

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8. Vorbeugen gegen Depression

Folgen einer Depression

Eine Depression kann die Leben je nach Schwere und Dauer stark beeinträchtigen:

  • Manchen Betroffenen ist es während einer depressiven Episode nicht möglich, ihrer Arbeit nachzugehen oder eigenständig den Haushalt zu führen.
  • Weil sich Depressive häufig zurückziehen, haben sie oft nur wenige soziale Kontakte – was Gefühle von Einsamkeit und innerer Leere weiter verstärken kann.
  • Eine Depression kann zu Konflikten in Partnerschaft und Familie führen; Angehörige müssen oft ein hohes Maß und Verständnis und Geduld mitbringen.

Nicht zuletzt kann eine Depression mit Suizidgedanken und -absichten einhergehen. Das Risiko, dass sich eine depressive Person das Leben nimmt, ist etwa 30-mal so hoch wie bei einem gesunden Menschen. Daher ist es besonders wichtig, rechtzeitig zu reagieren und professionelle Hilfe zu holen.

Vorbeugen

Viele verschiedene Einflüsse bestimmen, ob jemand an einer Depression erkrankt oder nicht. Daher lässt sich ihr nur bedingt vorbeugen.

Faktoren, die das Risiko einer Depression senken, sind zum Beispiel:

  • ein gutes soziales Netz mit hoher Unterstützung
  • Aktivität, z.B. in Form von Sport oder anderen Hobbies
  • konstruktive Bewältigungsstrategien: Personen, die gelernt haben, Probleme konstruktiv zu lösen – zum Beispiel, indem sie aktiv nach einem Ausweg suchen, anstatt sich zurückzuziehen –, können einer Depression ein Stück weit vorbeugen.

Menschen, die zu Depressionen neigen, können erneuten Schüben vorbeugen. Bei ersten Anzeichen für eine wiederkehrende Depression können sie gegensteuern – indem sie sich professionelle Hilfe suchen oder konsequent die Strategien anwenden, die sie in einer Therapie gelernt haben.

Telefonische Hilfe

Sie sind depressiv und wissen nicht weiter? Oder ein Ihnen nahe stehender Mensch hat eine Depression und Sie möchten erfahren, was Sie tun können? Telefonische Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfallsituationen bekommen Sie zum Beispiel unter der Notfallnummer der «Dargebotenen Hand», der Nummer 143.

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