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Depression

(Schwermut)

Überblick

von Onmeda-Ärzteteam

Die Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen: 16 bis 20 Prozent aller Menschen erleben irgendwann einmal eine depressive Episode. Wer sich ständig niedergeschlagen und freudlos fühlt, das Interesse an vielen Dingen verliert und sich nur schwer zu einfachen Aktivitäten aufraffen kann, fragt sich also zu Recht: «Bin ich depressiv?»

Denn: Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Freudlosigkeit und verminderter Antrieb sind die wichtigsten Anzeichen einer Depression. Darüber hinaus lösen Depressionen häufig weitere Symptome aus, zu denen auch körperliche Beschwerden gehören: So können bei einer Depression als zusätzliche Symptome zum Beispiel Schlafstörungen, Ängste, Selbstzweifel und Konzentrationsstörungen auftreten.

Eine Depression kann vielfältige Ursachen haben: So können biologische und psychologische Einflüsse Menschen anfälliger für eine depressive Verstimmung machen. Auch die Lebensumstände und persönliche Faktoren können grossen Einfluss auf die Entstehung einer Depression haben. Belastungen wie beispielsweise der Tod eines nahestehenden Menschen oder Stress im Berufsleben sind häufige Auslöser für Depressionen, vor allem bei erhöhter Anfälligkeit.

Die Diagnose einer Depression stellt der Arzt oder Psychologe nur, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Es müssen mindestens vier für Depressionen typische Anzeichen vorliegen, wobei mindestens zwei davon zu den Kernsymptomen (Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit) gehören und die Symptome mindestens zwei Wochen lang auftreten müssen.

Hilfe bei Depressionen bieten Medikamente und eine Psychotherapie. Häufig kommt bei der Behandlung einer Depression beides zusammen zum Einsatz.

  • Bei einer Depression besteht die medikamentöse Therapie in erster Linie aus sogenannten Antidepressiva. Nachdem die Symptome abgeklungen sind, ist es ratsam, diese Mittel nach Rücksprache mit dem Therapeuten noch eine Zeit lang einzunehmen, um Rückfälle zu vermeiden (sog. Erhaltungstherapie).
  • Die psychotherapeutische Behandlung einer Depression zielt unter anderem darauf ab, das Leben der Betroffenen aktiver zu gestalten und negative Denkmuster abzubauen. Zusätzlich vermittelt die Psychotherapie Strategien, die den Betroffenen helfen können, wiederkehrenden Symptomen ihrer Depression frühzeitig entgegenzuwirken.

Der Verlauf einer Depression hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie viele depressive Episoden traten bereits auf? Wie lang und wie intensiv waren sie? Wie lange dauerte die beschwerdefreie Zeit zwischen den depressiven Phasen? Grundsätzlich gilt: Je früher die Behandlung einer Depression beginnt, desto besser sind die Heilungschancen.

Scheuen Sie sich also nicht, bei Anzeichen einer Depression professionelle Hilfe zu suchen! Scham- oder Schuldgefühle sind hier völlig fehl am Platz: Wer depressiv ist, ist ernsthaft krank – und die Medizin kann helfen, eine Depression zu überwinden.

Definition

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung – genauer: eine affektive Störung: Affektive Störungen sind Erkrankungen, bei der es häufig zu Schwankungen der Stimmung und des Antriebs kommt.

Häufig besteht bei einer Depression eine tiefe Traurigkeit. Gefühle von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit kennt jeder Mensch. Vor allem nach belastenden Ereignissen kommt es fast immer zu einer Phase, in der die Stimmung gedrückt ist. Solche Ereignisse sind beispielsweise der Tod eines geliebten Menschen oder Liebeskummer nach dem Ende einer Partnerschaft.

Die meisten Menschen sind allerdings auch während dieser Zeit in der Lage, kurzfristig ihren Kummer zu vergessen: Sie können sich zum Beispiel im Gespräch mit Freunden oder Bekannten von ihren traurigen Gefühlen ablenken. Bei einem normalen Trauerprozess lassen Gefühle der Traurigkeit oder der Niedergeschlagenheit mit der Zeit nach. Bleiben sie jedoch über lange Zeit bestehen, kann sich der Zustand zu einer Depression entwickeln.

Viele Betroffene empfinden eine quälende emotionale Leere.
Viele Betroffene empfinden eine quälende emotionale Leere.

Statt mit tiefer Traurigkeit sind Depressionen auch oft mit einer quälenden emotionalen Leere verbunden. Die Betroffenen fühlen sich in ihrer gesamten Lebensführung von der Depression stark beeinträchtigt. Ihnen gelingt es häufig nur schwer, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, wie sie zum Beispiel im Haushalt anfallen. Wer depressiv ist, verspürt starke Selbstzweifel und interessiert sich nicht mehr für Dinge, die ihnen früher wichtig waren. Auch Ablenkung und der Zuspruch anderer verschaffen einem depressiven Menschen keine Erleichterung.

Häufigkeit

Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Gemäss der Weltgesundheitsorganisation leiden pro Tag drei bis fünf Prozent der Weltbevölkerung an Depressionen. Das sind täglich 120-200 Millionen Menschen.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, wird auf ca. 20 Prozent geschätzt, d.h. jeder Fünfte von uns macht wahrscheinlich in seinem Leben irgendwann eine schwere Depression durch. Leichte, vorübergehende depressive Verstimmungen bleiben wohl keinem Menschen erspart.

Eine Depression kann in jedem Alter entstehen – mit grösster Häufigkeit treten Depressionen jedoch erstmals im Alter von 18 bis 25 Jahren auf. Nach einer depressiven Phase entwickelt etwa die Hälfte aller Betroffenen erneut eine Depression (sog. rezidivierende Depression).

Ursachen

Worin eine Depression ihre Ursachen hat, ist nicht immer eindeutig auszumachen – die möglichen Gründe für die Entstehung von Depressionen sind sehr vielschichtig. Manche Menschen sind auch anfälliger für eine Depression als andere. Diese erhöhte Anfälligkeit für Depressionen ist durch das Zusammenspiel unterschiedlicher biologischer und psychischer Ursachen bedingt.

Besonders wenn eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen besteht, können belastende Lebensereignisse eine depressive Erkrankung auslösen. In diesen Fällen liegt eine sogenannte primäre Depression vor. Mögliche auslösende Ursachen für primäre Depressionen sind zum Beispiel:

  • lang andauernde Überforderungen beziehungsweise Stress im Berufsleben,
  • Beziehungsprobleme,
  • Liebeskummer oder
  • der Tod eines geliebten Menschen.

Wie sich Depressionen entwickeln und was sie aufrechterhält, hängt dabei unter anderem vom Ausmass positiver Erfahrungen ab, die man als Reaktion auf sein Verhalten erlebt. So spielen unter den einer Depression zugrunde liegenden Ursachen folgende Faktoren eine zentrale Rolle:

  • Zum einen beeinflussen die Lebensumstände eines Menschen, wie oft er positive Gefühle wie Freude oder Zufriedenheit erlebt. So kann jemand, der arbeitssuchend ist und dessen Partner verstorben ist, möglicherweise über weniger positive Erlebnisse berichten als jemand, der Arbeit hat und glücklich mit seinem Partner zusammenlebt.
  • Zum anderen beeinflusst das eigene Verhalten den Grad an angenehmen Folgen: Wer auf andere offen zugehen kann, erhält beispielsweise mehr positive Rückmeldungen von seinen Mitmenschen. Depressives Verhalten hingegen zeichnet sich durch Rückzug und Passivität aus, was wiederum zu negativen Rückmeldungen und zu Misserfolgen führt. Dies verstärkt das depressive Verhalten: Die Betroffenen ziehen sich noch mehr zurück und erhalten somit die Depression aufrecht.

Depressiv zu sein kann aber auch ein Symptom für eine andere psychische oder körperliche Erkrankung sein: In dem Fall handelt es sich um sogenannte sekundäre Depressionen. Eine sekundäre Depression kann ihre Ursachen zum Beispiel in einer Epilepsie oder Schilddrüsenerkrankung haben. Auch Medikamente, die etwa in der Krebsbehandlung zum Einsatz kommen, können eine Depression verursachen.

Biologische Faktoren

Unter den für eine Depression infrage kommenden Ursachen spielen biologische Faktoren eine grosse Rolle:

  • Mögliche Auslöser beziehungsweise Risikofaktoren für primäre Depressionen sind Besonderheiten im Aufbau und in der Aktivität des Gehirns. So sind zum Beispiel bei depressiven Menschen die Regionen im Gehirn, die für die Entwicklung von Zielen und die Entstehung positiver Gefühle zuständig sind, weniger aktiv. Gleichzeitig sind Hirngebiete, die das Verhalten in neuen Situationen und bei sozialen Kontakten steuern, deutlich weniger ausgeprägt als bei Menschen ohne Depression. Hirngebiete, die an der Erzeugung negativer Gefühle beteiligt sind, sind bei Menschen mit Depression hingegen übermässig aktiv. Auch die Gehirnstrukturen, welche die Ausschüttung von Stresshormonen regeln, sind bei Depressionen überaktiv.
  • Bei Depressionen liegen Besonderheiten im Hirnstoffwechsel vor: Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin sind bei einigen Menschen, die depressiv sind, in geringerem Ausmass vorhanden. Diese auch als Neurotransmitter bezeichneten Botenstoffe spielen bei der Entstehung und Regulation von Gefühlen eine wichtige Rolle.
  • Ausserdem gibt es Hinweise darauf, dass die Anfälligkeit für Depressionen erbliche Ursachen haben kann: Das Risiko für eine Depression ist erhöht, wenn nahe Verwandte bereits depressiv sind oder waren.

Psychologische Faktoren

Einer Depression können als Ursachen unter anderem auch psychologische Faktoren zugrunde liegen: In der Kindheit erworbene negative Denkmuster sind häufig dafür verantwortlich, dass eine Depression entstehen kann. Gleiches gilt für negative Erfahrungen mit früheren Bezugspersonen, wie beispielsweise Missachtung durch die Eltern oder Gewalt. Solche Erlebnisse führen häufig dazu, dass man sich selbst ablehnt oder ein negatives Selbstbild entwickelt. Die Betroffenen neigen dazu, ihrer Umwelt misstrauisch und pessimistisch zu begegnen. In der Folge deuten sie selbst neutrale Ereignisse als etwas Negatives und als Bestätigung ihrer pessimistischen Weltsicht. Sie sehen vieles durch eine dunkle Brille. Neue positive Ereignisse, die nicht in ihr Weltbild passen, nehmen sie als solche oft gar nicht wahr. Sie graben in einem Teufelskreis, den sie durch ihren Blick auf die Welt aufrechterhalten.

Der Umgang mit Misserfolgen ist ein weiterer wichtiger Faktor bei der Entstehung von Depressionen. Wer depressiv ist, hat vor der Depression häufig Situationen erlebt, in denen es nicht möglich war, die Umstände zu beeinflussen oder zu kontrollieren. Daraus entstand ein Gefühl der Hilflosigkeit. Dieses Gefühl spiegelt sich bei depressiven Menschen darin wider, dass sie sich gerade im Umgang mit Problemen sehr passiv verhalten. Sie sehen sich nicht in der Lage, ihr Leben positiv zu beeinflussen.

Menschen mit erhöhter Anfälligkeit für Depressionen neigen bei negativen Ereignissen dazu, die Ursachen hierfür allein bei sich selbst zu suchen. Verlieren sie beispielsweise ihren Job, sehen sie die Gründe für die Kündigung alleine in ihren angeblich mangelnden Fähigkeiten. Andere Erklärungen, wie etwa die angespannte wirtschaftliche Lage der Firma, ziehen sie als Kündigungsgrund nicht in Betracht.

Symptome

Eins vorweg: Die mit einer Depression verbundenen Symptome mögen nicht jedem wie Krankheitszeichen vorkommen. Dennoch sind Depressionen ernst zu nehmende Erkrankungen – aber ärztliche Hilfe verspricht gute Aussicht auf Besserung!

Bei einer Depression können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Dabei sind vor allem zu Beginn von Depressionen die Symptome oft wenig kennzeichnend, so dass die Betroffenen gar nicht auf die Idee kommen, dass sie eine seelische Erkrankung haben könnten: Anfangs fühlen sie sich zum Beispiel oft müde und energielos oder sind schlecht gelaunt.

Solche oder ähnliche Veränderungen können vor allem dann auf eine Depression hinweisen, wenn die Symptome zwei Wochen anhalten. Typische Anzeichen für eine Depression sind:


Ausserdem haben manche Menschen mit einer Depression eine Vielzahl körperlicher Symptome, für die keine medizinische Erklärung zu finden ist. Beispiele für oft bei Depressionen auftretende körperliche Symptome sind:


Bei ausgeprägten Depressionen tritt ein lähmendes Gefühl der Gefühllosigkeit auf. Die Stimmungslage ist dann weitgehend unabhängig von äusseren Einflüssen – das heisst: Auch Erfolge oder angenehme Aktivitäten können bei einer ausgeprägten Depression die Symptome nicht verbessern. Die Betroffenen wirken oft teilnahmslos.

Manche Menschen mit einer Depression fühlen sich in ihrem körperlichen Ausdruck (Bewegungen, Mimik) gehemmt. Andere kommen nur schwer zur Ruhe und müssen sich ständig bewegen. Bei einer Depression sind als begleitende Symptome auch starke Ängste und Reizbarkeit möglich. Viele Betroffene machen sich Selbstvorwürfe aufgrund relativ unbedeutender Vorfälle und entwickeln eine irrationale Angst vor möglichen Folgen. Meist blicken sie der Zukunft pessimistisch entgegen. Wer depressiv ist, zieht sich oft aus seinem sozialen Umfeld zurück. Häufig treten bei Depressionen auch Gedanken an Selbstmord (Suizid) auf.

In seltenen schweren Fällen können bei einer Depression auch psychotische Symptome auftreten: Die Betroffenen hören dann zum Beispiel Stimmen, die sie beschimpfen, oder entwickeln Wahnvorstellungen.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Depression sind zur Diagnose ausführliche Gespräche unerlässlich: Nur so kann der Arzt oder Psychologe feststellen, welche und wie viele Anzeichen einer Depression vorliegen. Sogenannte Interviewleitfäden dienen während des Gesprächs als Hilfestellung. Ausserdem steht eine Reihe von Fragebögen zur Verfügung, um zu erfassen, ob und in welchem Ausmass zuvor Symptome einer Depression vorlagen.

Dabei müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, um eine Depression zu diagnostizieren. Die Diagnose lautet nur dann «Depression», wenn:

  • zwei der Kernsymptome (gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsminderung) vorliegen und
  • zwei weitere Symptome wie Schlafstörungen, Ängste oder Konzentrationsstörungen auftreten und
  • diese Symptome mindestens zwei Wochen lang bestehen.


Auch den Schweregrad und die Form der Depression kann der Arzt oder Psychologe mit den bei der Diagnose erfassten Informationen bestimmen:

  • Je nachdem, wie viele Symptome einer Depression auftreten, liegt eine leichte oder mittelgradige depressive Episode oder eine schwere Depression vor.
  • Kam es nur zu einer einzelnen Phase depressiver Beschwerden, handelt es sich um eine sogenannte depressive Episode.
  • Traten solche Episoden wiederholt auf, liegt eine rezidivierende depressive Störung vor.
  • Bei manchen Betroffenen sind die Symptome nicht stark genug ausgeprägt, um eine depressive Episode feststellen zu können; die depressive Verstimmung hält aber über Jahre an. Bei einer solchen anhaltenden Stimmungsbeeinträchtigung handelt es sich um eine Dysthymie.

Depressionen können auch das Symptom verschiedener Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer und Demenz sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infektionskrankheiten sein. Um solche Erkrankungen als Ursachen der Depression auszuschliessen, gehören zur Diagnose auch körperliche und neurologische Untersuchungen.

Therapie

Gegen eine Depression hilft eine Therapie! Und je früher sie beginnt, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Aber auch wer sich erst später mit einer Depression in Behandlung begibt, kann noch damit rechnen, seinen Zustand zu verbessern und wieder Spass am Leben zu haben. Wenn Sie sich fragen: «Bin ich depressiv?», dann scheuen Sie sich also nicht, ärztliche Hilfe zu suchen!

Auch die richtige Unterstützung durch Angehörige ist bei Depressionen wichtig: Ständige Aufmunterungsversuche, Ratschläge oder gar Vorwürfe sind im Umgang mit einem depressiven Menschen fehl am Platz. Versuchen Sie stattdessen mitfühlend und geduldig, ihn dazu zu bringen, sich mit seiner Depression in Therapie zu begeben.

Bei einer Depression verläuft die Therapie meist auf zwei Ebenen:

  1. medizinisch (hier kommen v.a. Medikamente zum Einsatz, aber auch andere Behandlungsmethoden wie z.B. Schlafentzug und Lichttherapie – Letztere meist gegen im Winter auftretende saisonale Depressionen)
  2. psychotherapeutisch

Die Kombination beider Ansätze ermöglicht es oft, eine Depression leichter zu überwinden. Eine solche kombinierte Therapie kann bei Depressionen deshalb helfen, weil die Stimmungsstörungen sowohl auf biologische als auch auf psychologische Ursachen zurückzuführen sind. Welche Massnahmen im Einzelfall bei einer Depression zur Behandlung zum Einsatz kommen, hängt von den individuellen Umständen der Erkrankung und den persönlichen Wünschen der Betroffenen ab.

Sie sind depressiv und wissen nicht weiter? Oder ein Ihnen nahe stehender Mensch hat eine Depression und Sie möchten erfahren, was Sie tun können? Telefonische Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfallsituationen bekommen Sie zum Beispiel unter der Notfallnummer der «Dargebotenen Hand» : 143

Medikamente

Bei einer Depression sind für die medizinische Therapie sogenannte Antidepressiva besonders wichtig: Diese Medikamente beeinflussen das Gleichgewicht der Hirnbotenstoffe – zu Beginn ist also etwas Geduld gefragt. Vor allem in der Anfangszeit können Nebenwirkungen auftreten (z.B. verstärkte Müdigkeit, Übelkeit). Erst nach dieser Zeit können Sie feststellen, ob Ihnen das verabreichte Medikament gegen die Depression hilft.

Ist dies nicht der Fall oder lassen die Nebenwirkungen nach den ersten zwei bis drei Wochen nicht nach, ist eine Behandlung mit einem anderen Antidepressivum sinnvoll. Wenn die Symptome der Depression abgeklungen sind, nehmen Sie die Antidepressiva noch eine Zeit lang weiter ein, um Rückfälle (Rezidive) zu vermeiden (sog. Erhaltungstherapie). Nach dem Absetzen der Medikamente kann die Depression allerdings erneut auftreten (sog. rezidivierende depressive Störung).

SSRI und SNRI

Bei einer Depression mit und ohne Angstsymptomatik kommen zur medikamentösen Therapie häufig selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) wie Citalopram, Fluoxetin beziehungsweise Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin zum Einsatz.

Diese Medikamente, die zu den Antidepressiva zählen, hemmen gezielt die Wiederaufnahme der Hirnbotenstoffe Serotonin beziehungsweise Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzelle, so dass die Botenstoffe im Gehirn länger positiv wirken können. Das hellt Ihre Stimmung auf und lindert Ängste. Mögliche, aber seltene Nebenwirkungen der Behandlung sind Herz-Kreislauf-BeschwerdenKopfschmerzen, Übelkeit und Verdauungsprobleme.

Wenn Sie nach dem Abklingen der Symptome Ihrer Depression die Therapie mit SNRI noch länger fortführen (langfristige Erhaltungstherapie), ist ein Rückfall unwahrscheinlicher. Beachten Sie bei der medikamentösen Behandlung Ihrer Depression unbedingt, dass Sie SNRI und Triptan-Präparate (z.B. Medikamente gegen Migräne) nicht zusammen einnehmen dürfen.

Weitere Antidepressiva

Bei einer Depression sind für die Therapie neben den SSRI und SNRI weitere Medikamente geeignet, die ebenfalls zu den Antidepressiva gehören: sogenannte MAO-Hemmer wie Moclobemid und tri- und tetrazyklische Antidepressiva wie Doxepin:

  • MAO-Hemmer verhindern den Abbau bestimmter Hirnbotenstoffe (der sog. Monoamine Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin). Dadurch liegen diese Botenstoffe in höherer Konzentration vor und lindern somit Gefühle der Angst und Depression.
  • Tri- und tetrazyklische Antidepressiva lösen Angstzustände und beruhigen. Diese Medikamente beeinflussen die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn, indem sie ihre Aufnahme in die Nervenzellen hemmen. So stehen die Botenstoffe in höherer Konzentration zur Weiterleitung zwischen den Nervenzellen zur Verfügung.

Benzodiazepine

Da die bei einer Depression zur Therapie verabreichten Antidepressiva nicht sofort wirken, verschreibt Ihnen Ihr Arzt womöglich zusätzlich andere Medikamente, um diese Zeit zu überbrücken: sogenannte Benzodiazepine. Diese Mittel beruhigen rasch und fördern den Schlaf.

Bitte beachten Sie: Benzodiazepine können abhängig machen. Daher ist es ratsam, diese Medikamente in Absprache mit dem Arzt nur kurze Zeit beziehungsweise nur so lange wie nötig gegen die Depression einzunehmen!

Psychotherapie

Bei einer Depression kann neben der medikamentösen Therapie auch eine begleitende Psychotherapie dazu beitragen, die Erkrankung zu überwinden. Die psychotherapeutische Behandlung hat unter anderem zum Ziel, depressive Verhaltensweisen und Denkstrukturen abzubauen und durch positive zu ersetzen.

Um gegen den für Depressionen typischen Aktivitäts- und Interessenverlust und den damit einhergehenden Mangel an positiven Erfahrungen anzugehen, erarbeitet Ihr Therapeut mit Ihnen eine aktivere Tagesstruktur. Hierzu gehört, bewusst angenehme Tätigkeiten in den Tagesplan einzubauen. Ein regelmässiger und aktiver Tagesablauf ist eine grosse Hilfe bei Depressionen: Er ermöglicht es Ihnen, Ihr Rückzugsverhalten zu verringern. Sie können wieder positive Erfahrungen sammeln und verlorene Interessen mit zunehmender Zeit neu entdecken.

Wenn Sie eine Depression haben, fällt es Ihnen zu Beginn der Therapie womöglich schwer, Ihr Leben wieder aktiver zu gestalten. Mit der Zeit spüren Sie aber wahrscheinlich, dass die Aktivierung Ihre Stimmung aufhellt. Um auch in Ihrem sozialen Umfeld wieder befriedigendere Beziehungen herzustellen, kommen bei der Psychotherapie Kommunikationsübungen und Rollenspiele zum Einsatz, in denen Sie den positiven Umgang mit anderen Menschen üben können (soziales Kompetenztraining).

Ein weiterer Punkt, an dem die psychotherapeutische Therapie ansetzt, ist das bei Depressionen typischerweise negative Denkmuster: Dieses äußert sich beispielsweise durch eine negative Weltsicht, durch Selbstabwertung oder Selbstzweifel. Mithilfe der Psychotherapie können Sie Einstellungen herausarbeiten, die diesen Denkweisen zugrunde liegen, und ermittelt, ob diese mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Dann können Sie überprüfen, wie sich diese Einstellungen auf Ihr eigenes Befinden auswirken. Anschliessend entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Therapeuten realistische Denkweisen, die Ihren depressiven Denkstrukturen entgegenwirken und Ihnen so Wege aus der Depression bieten.

Wenn Sie eine besonders schwere Depression haben, kann es sinnvoll sein, sich in einer Klinik behandeln zu lassen (stationäre Therapie). Gegen leichte oder mittelschwere Depressionen reicht in der Regel eine ambulante Psychotherapie aus.

Wenn die akuten Symptome Ihrer Depression abgeklungen sind, kann es ausserdem hilfreich sein, in einer tiefenpsychologischen Behandlung den Ursachen der Depression genauer auf den Grund zu gehen: Dabei bearbeiten Sie und Ihr Therapeut in erster Linie Erlebnisse aus Ihrer Kindheit und Jugend und besprechen Störungen in aktuellen sozialen Beziehungen.

Verlauf

Nicht jede Depression zeigt den gleichen Verlauf. Wie sich Depressionen entwickeln, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Im Einzelfall entscheidend für den Verlauf sind beispielsweise die Anzahl bisher erlebter depressiver Episoden, die Länge dieser Episoden und der Schweregrad der Depression.

Eine depressive Episode dauert in der Regel etwa fünf Monate. Die Zeit zwischen den depressiven Phasen beträgt durchschnittlich etwa vier bis fünf Jahre. Eine geeignete Behandlung kann bis zu zwei Drittel der Depressionen weitgehend verbessern bis heilen. Das Risiko, dass eine Depression einen chronischen Verlauf nimmt, beträgt 10 bis 20 Prozent. Etwa 15 Prozent der Betroffenen finden den einzigen Ausweg aus der Depression im Selbstmord (Suizid).

Die Prognose einer Depression hängt sowohl vom Verlauf der psychischen Erkrankung als auch vom Geschlecht der Betroffenen ab: Frauen haben ein erhöhtes Risiko, eine Depression zu entwickeln. Und Menschen, bei denen bereits in jungen Jahren eine depressive Episode oder Depressionen auftraten, erleben mit höherer Wahrscheinlichkeit eine weitere depressive Episode. Gerade in diesen Fällen ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen durch eine medikamentöse Erhaltungstherapie und durch psychotherapeutische Strategien vorbeugen.

75 Prozent der Menschen mit Depression entwickeln im Verlauf ihrer psychischen Erkrankung zusätzliche Beschwerden: Hierzu zählen nicht nur körperliche Erkrankungen wie Asthma und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch begleitende psychische Störungen wie Angsterkrankungen, Essstörungen und Substanzmissbrauch, die bei Depressionen häufig vorkommen.

Vorbeugen

Einer Depression können Sie durch bestimmte Verhaltensweisen bedingt vorbeugen: So können Sie sich zum Beispiel für kleine Erfolge loben und wertschätzen sowie sich selbst aktivieren und positive Aktivitäten planen. Darüber hinaus wirken positive Gedankengänge einer depressiven Erkrankung entgegen. Besonders in schwierigen Lebensphasen, in denen das Risiko für Depressionen erhöht ist, sind solche Verhaltensweisen besonders wichtig.

Dennoch können Sie sich nicht sicher davor schützen, eine Depression zu entwickeln. Oft sind Depressionen nicht leicht zu erkennen: Für viele Menschen ist es schwierig zu unterscheiden, ob ihr Befinden eine normale Reaktion auf kritische Lebensumstände ist oder ob sie eine Depression haben. Wenn Sie depressiv verstimmt sind und diese Symptome beispielsweise trotz einer Verbesserung Ihrer Lebenssituation andauern, nehmen Sie lieber professionelle Hilfe in Anspruch. Je früher bei Depressionen die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen. Unbehandelt verfestigen sich negative Denkmuster mit der Zeit und Sie erleben durch den fortschreitenden Rückzug immer seltener positive Ereignisse.

Es ist wichtig, dass die Behandlung der Depression mindestens so lange andauert, bis Sie sich stabilisiert haben: So können Sie einem Rückfall weitgehend vorbeugen. Dazu gehört es auch, die in der Therapie erlernten Verhaltensweisen weiter anzuwenden und Ihr eigenes Befinden ständig zu beobachten. Dabei kann Ihnen beispielsweise ein Tagebuch helfen. Bei ersten Warnzeichen für eine wiederkehrende Depression können Sie dann schnell gegensteuern – indem Sie sich professionelle Hilfe suchen oder indem Sie Strategien anwenden, die Sie in der Therapie gelernt haben.