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Depressive Verstimmung

(Saisonal abhängige Depression, Winterdepression)
von Onmeda-Ärzteteam

1.  Überblick

Die depressive Verstimmung hat immer Saison – im Winter treten depressive Verstimmungen jedoch besonders häufig auf. Die sogenannte Winterdepression hängt mit der Jahreszeit zusammen: Die Tage werden kürzer, es wird früher dunkel, es stürmt und regnet – spätestens im November schlagen vielen Menschen das nasskalte Wetter und der Lichtmangel aufs Gemüt. Dauert der lustlose, niedergeschlagene Zustand länger als zwei Wochen an, spricht man von einer saisonal abhängigen Depression (SAD) oder entsprechend der Jahreszeit auch von einer Winterdepression.

Die depressive Verstimmung (leichte bis mittelschwere Depressionen) zählt zu den häufigsten Krankheiten. Besonders bekannt ist die Winterdepression, die im Herbst und Winter auftritt. Es gibt viele Symptome, die auf eine depressive Verstimmung hinweisen können: Der Betroffene ist niedergeschlagen, lustlos, erschöpft und hat häufig Heisshunger auf Süsses. Die dauerhaft schlechte Stimmung schlägt wiederum aufs Gemüt, soziale Kontakte werden eingeschränkt. Ein Teufelskreis baut sich auf, denn der Betroffene fühlt sich immer einsamer. Dinge und Aktivitäten, die vorher Spass gemacht haben, bereiten während einer depressiven Verstimmung keine Freude mehr. Aber auch körperliche Beschwerden ohne organische Ursache wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme können Anzeichen für eine depressive Verstimmung wie die Winterdepression sein.

Die möglichen Ursachen für eine depressive Verstimmung sind vielfältig. Hierzu zählen beispielsweise permanenter Stress oder belastende Ereignisse. Bei einer Winterdepression ist in der Regel der Lichtmangel in den Herbst- und Wintermonaten für die depressive Verstimmung verantwortlich, der die Hormone und Botenstoffe im Gehirn aus der Balance bringt.

Bei einer saisonal abhängigen Depression ist der Verlauf oft typisch. Eine Winterdepression beginnt meist im Herbst und bildet sich im Frühjahr wieder vollständig zurück. Menschen, die anfällig für eine Winterdepression sind, können jedoch eine Menge tun, um die Beschwerden zu lindern. Die Therapie richtet sich in erster Linie danach, wie ausgeprägt die depressive Verstimmung ist.

Saisonal abhängigen Depressionen wie der Winterdepression können Sie vorbeugen. Viel Bewegung im Freien hilft beispielsweise dabei, ausreichend Licht zu tanken und das körpereigene Glückshormon Serotonin zu produzieren, welches die depressive Verstimmung mildert.

Depressive Verstimmungen, zu denen beispielsweise die Winterdepression zählt, sind laut Definition Gefühlszustände, in denen Gefühle von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit über einen längeren Zeitraum vorherrschen. Betroffene sind meist unfähig, Freude zu empfinden und schätzen ihre Situation negativ ein.

Kurzfristige Stimmungstiefs kennt jeder Mensch. Sie haben meist, aber nicht immer, einen bestimmten Anlass. Insbesondere nach belastenden Ereignissen, wie einer Trennung vom Partner oder dem Tod eines geliebten Menschen, erlebt fast jeder eine Phase, in der seine Stimmung gedrückt ist. Jedoch ist es den meisten Menschen auch während dieser Zeit möglich, zumindest kurzfristig ihren Kummer zu vergessen, wenn sie zum Beispiel im Gespräch mit anderen von ihren traurigen Gedanken abgelenkt werden. Auch wird bei normaler Traurigkeit dieses Gefühl mit der Zeit zurückgehen. Bleibt es jedoch über lange Zeit bestehen, kann sich der Zustand zu einer Depression vertiefen. Die Übergänge von Trauer und Traurigkeit zu einer Depression verlaufen dann fliessend.

Depressionen werden nach Symptomen, Schweregrad, Dauer und Verlauf unterteilt. Zum einen unterscheidet man in unipolare und bipolare Depressionen. Während einer unipolaren Depression treten ausschliesslich depressive Phasen auf. Bipolare Depressionen zeichnen sich durch einen Wechsel zwischen depressiven und manischen Phasen aus. Manische Phasen zeichnen sich zum Beispiel durch ein übersteigertes Hochgefühl aber auch durch Gereiztheit oder Aggression aus. Diese Art der Depression tritt weitaus seltener auf als die unipolare.

Ausserdem trennt man in leichte, mittelschwere und schwere Depressionen. Die depressiven Verstimmungen und somit die saisonal abhängige Depression (SAD) oder auch die Winterdepression zählen zu den leichten bis mittelschweren Depressionen.

Depressive Verstimmungen können unterschiedliche Ursachen haben. Auslöser für eine saisonal abhängige Depression (SAD) oder auch Winterdepressionen ist in der Regel der Lichtmangel, der in den Herbst- und Wintermonaten vorherrscht. Die kürzer werdenden Tage signalisieren dem Körper einen veränderten Tag-/Nachtrhythmus. Als Folge geraten Hormone und Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht, was zu schweren Stimmungsschwankungen, der Winterdepression oder auch SAD, führen kann.

Weitere Faktoren, die den Nervenstoffwechsel beeinflussen können und bei depressiven Verstimmungen als Ursachen infrage kommen, sind zum Beispiel

 

  • Dauerstress
  • Arbeitsplatzverlust
  • Trennung
  • Tod eines nahestehenden Menschen

Botenstoffe (Neurotransmitter)

Ohne Botenstoffe (Neurotransmitter) gäbe es keine Signalübertragung im Gehirn. Zu den wichtigsten Botenstoffen gehören Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Endorphine. Sie werden vom Körper selbst produziert und liegen in einem ganz bestimmten Verhältnis zueinander vor. Ist dieses Verhältnis gestört, etwa weil ein Botenstoff nicht ausreichend produziert wird, schlägt sich dies in Gefühlen, Verhalten und Wahrnehmung nieder.

So ist Dopamin in Kombination mit Noradrenalin für angenehme und erfreuliche Gefühle zuständig. Ein zu niedriger Dopaminspiegel führt zu Niedergeschlagenheit und Deprimiertheit.

Serotonin sorgt für Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und Ruhe. Ausserdem dämpft es Hungergefühle, Angst, Aggression, Kummer und Sorgen.

Noradrenalin macht den Körper wach, aufmerksam und motiviert.

Endorphine sind die körpereigenen Schmerzkiller. Ein zu niedriger Endorphinspiegel lässt Schmerzen stärker erscheinen.

Nervenzelle

Eine Nervenzelle besteht aus dem Zellkörper, aus dem zahlreiche lange Ausstülpungen hervorgehen. Diese leiten elektrische Signale weiter. Man bezeichnet die Ausstülpungen als Axon beziehungsweise als Dendriten. Mehrere Nervenzellen sind über die Synapsen miteinander verbunden. Signalgebender und -annehmender Teil der Synapse sind durch den sogenannten synaptischen Spalt voneinander getrennt.

Dendriten fangen Signale auf und leiten sie anschliessend über den Zellkörper und das Axon weiter bis zu den Synapsen. Damit das Signal von der Synapse einer Nervenzelle auf andere Zellen überspringen kann, schüttet die Synapse Botenstoffe (Neurotransmitter) in den synaptischen Spalt aus, also den Raum zwischen den Zellen. Auf diese Weise wandeln Synapsen das elektrische Signal in ein chemisches um. Die Botenstoffe breiten sich im synaptischen Spalt aus und erreichen die gegenüberliegende Zelle, wo sie wiederum ein elektrisches Signal auslösen.

Damit keine Dauererregung entsteht, müssen die Transmitter anschliessend aus dem synaptischen Spalt entfernt werden. Entweder bauen spezielle Enzyme die Botenstoffe ab, oder die Synapse nimmt sie wieder auf, damit das Signal abebben kann.

Die Übertragung zwischen den Synapsen kann unterschiedlich gestört werden:

 

  • keine oder zu wenige Botenstoffe
  • Transmitter werden zu schnell abgebaut
  • Transmitter können nicht an die Zielzelle binden
  • die Botenstoffe werden zu schnell wieder aufgenommen

Derartige Störungen können depressive Verstimmungen hervorrufen und haben verschiedene Ursachen:

 

  • Drogen
  • genetische Komponente
  • Gifte
  • schwere Erkrankungen
  • Wochenbett
  • Alkohol
  • Medikamente
  • gestörter Tag-/Nachtrhythmus

Eine depressive Verstimmung lässt sich anhand unterschiedlicher Symptome erkennen. Frauen leiden, vermutlich aufgrund häufiger Hormonschwankungen durch den menstruellen Zyklus, häufiger unter depressiven Verstimmungen als Männer. Die typischen Symptome einer depressiven Erkrankung wie zum Beispiel einer Winterdepression sind:

 

  • vermehrte Müdigkeit
  • gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust
  • Erschöpfung
  • Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel
  • sozialer Rückzug
  • Anspannung
  • Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Appetitmangel
  • Schlafstörungen
  • körperliche Beschwerden ohne organische Ursachen

Besonders bei Männern mit einer depressiven Verstimmung können ausserdem folgende Symptome auftreten:

 

  • erhöhte Risikobereitschaft
  • Kontrollverlust
  • Unruhe
  • Unzufriedenheit
  • aggressives Verhalten

Vermutet der Arzt eine depressive Verstimmung beziehungsweise Winterdepressionen oder eine saisonal abhängige Depression (SAD), stellt er die Diagnose anhand der Krankheitsgeschichte des Betroffenen (Anamnese). Für die sichere Diagnose müssen mindestens zwei der typischen Beschwerden (gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und Antriebsminderung) und zwei der übrigen Symptome (etwa Unruhe, Unzufriedenheit) über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen bestehen.

Eine depressive Verstimmung beziehungsweise eine Winterdepression oder eine andere saisonal abhängige Depression (SAD) benötigt eine Therapie, die sich nach der Schwere der Beschwerden richtet.

Gegen eine leichte depressive Verstimmung helfen oft einfache Therapie-Massnahmen: So kurbeln Spaziergänge zum Lichttanken, Sport und eine kohlenhydrat- und tryptophanreiche Ernährung die Produktion des Glückshormons Serotonin im Gehirn an. Bei stärkeren und länger anhaltenden Beschwerden ist es wichtig, zum Arzt zu gehen. Dabei müssen es nicht immer schwere Antidepressiva sein – eine Lichttherapie oder eine Behandlung mit natürlichen Arzneimitteln wie Johanniskraut können vielen Menschen mit SAD beziehungsweise einer Winterdepressionen helfen, ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Es ist wichtig, eine geplante Therapie mit Johanniskraut mit dem Arzt zu besprechen, um mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden

Wichtig bei der Therapie von depressiven Verstimmungen ist es, Angstzustände zu lindern, die Stimmung zu bessern und zu vermeiden dass sich chronische Depressionen ausbilden oder es zu Rückfällen (Rezidive) kommt.

Die Therapie setzt dabei dort an, wo die depressiven Verstimmungen wie eine Winterdepression entstehen: bei den Botenstoffen. Medikamente können die Ausschüttung der Neurotransmitter in den synaptischen Spalt beeinflussen, den Abbau hemmen, die Bindung an die Zielzelle unterstützen sowie die Wiederaufnahme nach der Reizübertragung hemmen. All dies führt dazu, dass wieder mehr Botenstoffe für die Signalübertragung zur Verfügung stehen.

Bei der Behandlung von Depressionen und depressiven Verstimmungen ist es wichtig, die Therapie fortzuführen, bis die Stimmung über längere Zeit stabil ist und auch Massnahmen getroffen wurden, um Rückfällen vorzubeugen. So entfalten bestimmte Arzneimittel wie Johanniskraut ihre volle Wirkung erst nach etwa drei Wochen; eine nachhaltige Wirkung wird sogar erst nach vier bis sechs Monaten erreicht.

Eine depressive Verstimmung – also saisonal abhängige Depressionen (SAD) oder Winterdepressionen – nehmen oft einen typischen Verlauf. In der Regel beginnen sie im Herbst und halten bis zum Frühjahr an. Die Symptome verschwinden dann häufig schlagartig. Unterstützung durch Angehörige sowie Eigeninitiative (z.B. gesunde Ernährung, viel Bewegung) begünstigen den Verlauf einer SAD und machen die Wintermonate für Betroffene erträglicher.

In allen Jahreszeiten kann sich eine depressive Verstimmung (SAD = saisonal abhängige Depression) wie eine Winterdepression entwickeln. Dieser lässt sich allerdings vorbeugen. Es ist empfehlenswert, die körpereigene Produktion des Glückshormons Serotonin anzukurbeln. Dabei helfen Spaziergänge oder Sport im Freien – denn wer ausreichend Licht tankt und sich bewegt, aktiviert die Ausschüttung von Serotonin. Auch über die Ernährung lässt sich der Serotoninspiegel heben. Vor allem eine an Kohlenhydraten reiche Kost sowie Lebensmittel, welche die Aminosäure Tryptophan enthalten (z.B. Fisch), beugen einem Mangel an Serotonin vor.