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Diabetes insipidus

(Wasserharnruhr)
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1. Überblick

Beim Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) ist der Wasserhaushalt des Körpers gestört, da die Nieren vermehrt Wasser ausscheiden. Die Folge der Erkrankung: Die Betroffenen verspüren starken Harndrang, haben grossen Durst und trinken entsprechend viel.

Bei gesunden Menschen ist die Menge des ausgeschiedenen Urins davon abhängig, wie viel Flüssigkeit sie zu sich nehmen. Dabei ist ein bestimmtes Hormon für die Steuerung der Flüssigkeitsausscheidung der Nieren verantwortlich: Vasopressin, auch als antidiuretisches Hormon (ADH) bezeichnet. Es sorgt in den Nieren für die Wiederaufnahme (sog. Rückresorption) von Wasser in den Körper und so für eine Harnkonzentration. Bei Menschen mit Diabetes insipidus sind die Nieren jedoch nicht in der Lage, den Harn durch Wasserentzug zu konzentrieren. Der Körper scheidet daher sehr grosse Mengen Urin aus, der typischerweise stark verdünnt ist. Je nachdem, warum dies so ist, lassen sich zwei Formen von Wasserharnruhr unterscheiden:

  • Beim Diabetes insipidus centralis ist die Herstellung des Hormons ADH in der Hypophyse des Gehirns gestört, es liegt also ein Hormonmangel vor.
  • Beim selteneren Diabetes insipidus renalis sind die Gründe für die Erkrankung in den Nieren selbst zu finden: Das Hormon ADH ist zwar vorhanden, doch die Nieren sprechen nicht darauf an.

Beide Formen von Diabetes insipidus können verschiedene Ursachen haben. Dabei entsteht eine Wasserharnruhr meist im Lauf des Lebens; nur wenige Fälle sind erblich bedingt. Neben Harndrang, Durst und Urinausscheidung äussert sich ein Diabetes insipidus durch weitere Symptome wie Schlafstörungen, Gereiztheit, Krämpfe, trockene Haut oder Verstopfung.

Bei Verdacht auf einen Diabetes insipidus umfasst die Diagnostik zum einen die längerfristige Protokollierung von Trink- und Urinmenge über mindestens zwei Tage, zum anderen den sogenannten Durstversuch, einen Wasserentzugs-Test unter ärztlicher Aufsicht. Beim Diabetes insipidus centralis ist es zur Behandlung nötig, den Hormonmangel zu beheben, indem man zum Beispiel dem Körper das fehlende Hormon zuführt – dies erfolgt meist in Form von Nasentropfen oder -sprays. Mithilfe geeigneter Medikamente können die Betroffenen in der Regel ein normales Leben führen. Beim Diabetes insipidus renalis kann die Therapie in harntreibenden Mitteln zur Steigerung der Natrium-Ausscheidung über die Niere sowie in einer salz- und eiweissarmen Diät bestehen.

2. Definition

Der Begriff Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) bezeichnet per Definition eine Erkrankung, die durch einen gestörten Wasserhaushalt des Körpers gekennzeichnet ist: Die Nieren sind beim Diabetes insipidus nicht in der Lage, den Harn durch Wasserentzug (Rückresorption) zu konzentrieren, weshalb die Betroffenen sehr grosse Mengen Urin ausscheiden und dementsprechend verstärkten Durst und Harndrang verspüren. Ohne konsequenten Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts trocknet der Körper bei Wasserharnruhr aus.

Beim gesunden Menschen besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Menge der zu sich genommenen Flüssigkeit und der Höhe der Urinausscheidung. Dabei spielt ein als antidiuretisches Hormon (ADH) oder auch Vasopressin bezeichnetes Hormon eine wichtige Rolle: Seine Wirkung besteht darin, für die Wiederaufnahme (Rückresorption) von Wasser in den Nieren und somit für die Steuerung der Flüssigkeitsausscheidung zu sorgen. Beim Diabetes insipidus liegt eine Störung dieses Steuerungsmechanismus vor. Je nach Stelle, an der die Ursache für diese Störung zu finden ist, lassen sich zwei Formen von Wasserharnruhr unterscheiden:

  • Zentraler Diabetes insipidus: Die Bildung des Hormons ADH findet im Gehirn statt – genauer gesagt im Hinterlappen der Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Ist der Diabetes insipidus auf eine gestörte Herstellung oder Ausschüttung von ADH im Gehirn zurückzuführen, ist sie also zentral bedingt, liegt eine als Diabetes insipidus centralis bezeichnete Hormonmangelerkrankung vor. Diese Form der Wasserharnruhr ist am häufigsten.
  • Renaler (nierenbedingter) Diabetes insipidus: Bei dieser Form der Wasserharnruhr hingegen sprechen die Nieren nicht auf vorhandenes ADH an. Der Diabetes insipidus renalis ist eher selten.

Achtung: Trotz ähnlich klingender Namen sind Diabetes insipidus und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) zwei voneinander unabhängige Krankheitsbilder. Im Gegensatz zum Diabetes insipidus liegt beim Diabetes mellitus eine Störung bei der Insulinproduktion beziehungsweise -verarbeitung vor.

3. Ursachen

Die bei Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) unzureichende Harnkonzentration in den Nieren durch Wiederaufnahme von Wasser kann zwei verschiedene Ursachen haben:

  1. Entweder es besteht ein Mangel an im Gehirn (genauer: im Hypophysenhinterlappen) gebildeten, für die Steuerung der Flüssigkeitsausscheidung verantwortlichen Hormon Vasopressin, auch als antidiuretisches Hormon (ADH) bezeichnet – dann liegt eine zentral bedingte Wasserharnruhr beziehungsweise ein Diabetes insipidus centralis vor.
  2. Oder die Ursache für die übermässige Urinausscheidung ist eine mangelhafte Verarbeitung dieses Hormons durch die Nieren – dann handelt es sich um eine renale (nierenbedingte) Wasserharnruhr beziehungsweise einen Diabetes insipidus renalis.

Für beide Formen von Diabetes insipidus kommen verschiedene Ursachen infrage. Allgemein entsteht eine Wasserharnruhr meist im Lauf des Lebens; nur etwa ein Prozent der Fälle ist er erblich bedingt.

Mögliche Auslöser des Diabetes insipidus centralis sind Tumoren, Operationen wie beispielsweise die Entfernung der Hypophyse, entzündliche Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen sowie Gehirnverletzungen beziehungsweise -blutungen. Zudem kann ein Diabetes insipidus centralis seine Ursachen in Erkrankungen des Hypothalamus haben – dem Zentrum im Gehirn, das die Funktion der Hypophyse steuert. Gelegentlich können auch Systemerkrankungen wie die Sarkoidose, die Tuberkulose oder sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis eine zentral bedingte Wasserharnruhr verursachen.

Für den Diabetes insipidus renalis kommen Vergiftungen, Medikamente, Schwangerschaft, chronische Nierenerkrankungen wie Niereninsuffizienz, Zystennieren oder Nierenbeckenentzündung als Ursachen infrage. Ausserdem können für die nierenbedingte Wasserharnruhr Blutveränderungen wie ein geringer Eiweissanteil, erhöhte Kalziumwerte oder verminderte Kaliumwerte verantwortlich sein. Häufigste Ursachen für den renalen Diabetes insipidus im Erwachsenenalter sind Hyperkalzämie und die dauerhafte Einnahme von Lithium (z.B. zur Therapie einer affektiven Störung). Bei Kindern ist eine nierenbedingte Wasserharnruhr dagegen meist erblich.

In zwei Dritteln der Fälle sind die Ursachen der Wasserharnruhr unbekannt. In dem Fall liegt ein sogenannter idiopathischer Diabetes insipidus vor (idiopathisch = ohne erkennbare Ursache).

4. Symptome

Bei einem Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) können die Symptome plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln. Charakteristische Beschwerden sind eine vermehrte Ausscheidung von Urin, der stark verdünnt (hypoton) ist, und ein dadurch bedingter starker Durst. Menschen mit Diabetes insipidus scheiden Harnmengen von 5 bis 25 Liter pro Tag aus, verspüren starken Harndrang und trinken erhebliche Mengen (Polydypsie), besonders auch nachts, was oft zu starken Schlafstörungen führt. Häufig sind die Betroffenen gereizt, zeigen psychische Auffälligkeiten und bekommen Krämpfe.

Die für Diabetes insipidus typischen Regulationsstörungen im Wasserhaushalt führen ausserdem zu Störungen im Elektrolythaushalt. Weitere Symptome der Wasserharnruhr sind trockene Haut und Schleimhäute sowie Verstopfungen. Säuglinge mit Diabetes insipidus entwickeln Durstfieber.

5. Diagnose

Bei Verdacht auf einen Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) gelingt die Diagnose durch eine Überprüfung der Trink- und Urinmenge sowie der Natriumkonzentration im Blut: Dazu ist es notwendig, über mindestens zwei Tage hinweg die tägliche Menge zu sich genommener Flüssigkeit und ausgeschiedenen Urins sowie zweimal täglich die Natriumwerte zu bestimmen. Voraussetzung für die Diagnose ist, dass die Betroffenen alle Medikamente absetzen, die harntreibend oder -hemmend wirken. Liegt die gemessene Urinmenge unter 2,5 Liter pro 24 Stunden, spricht das Ergebnis gegen das Vorliegen eines Diabetes insipidus. Bei erhöhter Ausscheidung sind zunächst andere Ursachen wie beispielsweise ein Diabetes mellitus auszuschliessen.

Um die Diagnose eines Diabetes insipidus zu sichern und den hierbei gesteigerten Durst (Polydypsie) von der sogenannten psychogenen Polydipsie – einem vermehrten Trinken, das bei psychischen Erkrankungen auftreten kann – abzugrenzen, ist ein sogenannter Durstversuch geeignet. In der Regel findet der Test stationär unter Aufsicht eines Facharztes für Endokrinologie statt. Der Test besteht in einer zwölfstündigen Durstperiode, während der eine mehrfache Kontrolle von Gewicht, Urinproduktion und Blutelektrolytwerten (Natrium) erfolgt.

Ob die Wasserharnruhr zentral bedingt ist (Diabetes indipidus centralis) – also ob die Betroffenen zu wenig antidiuretisches Hormon (ADH, auch: Vasopressin) haben – oder ob eine nierenbedingte Wasserharnruhr (Diabetes insipidus renalis) vorliegt, ist durch eine einfache Diagnostik feststellbar: Hierbei erhalten die Betroffenen Vasopressin. Bei einem Diabetes insipidus centralis steigt die Harnkonzentrationsfähigkeit durch die Zufuhr dieses Hormons an; beim Diabetes insipidus renalis führt die Hormongabe hingegen zu keinem nennenswerten Anstieg. Des Weiteren ist es bei der Diagnose des Diabetes indipidus wichtig, die Erkrankungsursache zu klären: So ist zum Beispiel bei der zentralen Wasserharnruhr eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Hypophysenregion empfehlenswert, um dort nach Tumoren zu suchen.

6. Therapie

Bei einem Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) besteht der erste Schritt der Therapie darin, den Elektrolythaushalt auszugleichen und den Kreislauf zu stabilisieren. Die weitere Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache beziehungsweise der Grunderkrankung. Bei Hypophysentumoren sind beispielsweise eine Operation und/oder eine Strahlentherapie möglich, während sich der Diabetes insipidus nach Schädel-Hirn-Traumata und Operationen gelegentlich von selbst zurückbildet.

Behandlungsbedürftig sind die meisten Betroffenen allerdings aufgrund der gestörten Nachtruhe und der Beeinträchtigung des Arbeitsalltags infolge des starken Harndrangs.

7. Verlauf

Der Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) nimmt im Allgemeinen einen guten Verlauf. Dabei ist die Prognose von der auslösenden Grunderkrankung abhängig: Wenn sich die Ursachen des Diabetes insipidus beseitigen lassen (z.B. bei erhöhten Kalziumwerten im Blut, nach Absetzen auslösender Medikamente oder bei Gehirntumoren), ist sogar seine vollständige Heilung möglich. Doch auch wenn dies nicht gelingt, können die Betroffenen mithilfe einer angemessenen medikamentösen Therapie in der Regel ein ganz normales Leben führen, wobei mindestens eine Kontrolluntersuchung im Jahr ratsam ist.

8. Vorbeugen

Einem Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) können Sie nicht vorbeugen, da die Entstehung der Erkrankungsursachen nicht beeinflussbar ist.