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Diabetes mellitus

(Zuckerkrankheit)
von Onmeda-Ärzteteam

1.  Überblick

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist.

Eine umgangssprachliche Bezeichnung für Diabetes lautet «Zuckerkrankheit» – sie lässt sich historisch erklären: Der Begriff geht darauf zurück, dass unbehandelte Diabetiker mit ihrem Urin Zucker ausscheiden und dieser dadurch süsslich schmeckt. Medizinisch korrekter ist jedoch der Ausdruck Diabetes mellitus.

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen von Diabetes mellitus: Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2. Darüber hinaus gibt es noch einige seltenere Diabetes-Sonderformen und den sogenannten Schwangerschaftsdiabetes.

Typische Symptome von Diabetes – insbesondere Typ-1-Diabetes – sind starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, Heisshunger und Juckreiz. Die Betroffenen fühlen sich abgeschlagen und sind anfälliger für Infekte. Wer ein paar Dinge beachtet (vor allem hinsichtlich der Ernährung) und seinen Blutzuckerspiegel regelmässig kontrolliert, kann trotz Zuckerkrankheit ein beschwerdefreies Leben führen und Folgeschäden vermeiden beziehungsweise hinauszögern.

Diabetes Typ 1 beginnt meist in der Jugend und führt zu ausgeprägten Beschwerden. Bei Diabetes mellitus Typ 1 werden bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zerstört, die das Hormon Insulin bilden. Insulin ist notwendig, damit Zucker, der über die Nahrung ins Blut gelangt, von Zellen aufgenommen und verarbeitet werden kann. Ist zu wenig Insulin vorhanden, verbleibt der Zucker im Blut – der Blutzuckerspiegel steigt.

Diabetes Typ 2 betrifft dagegen meist ältere Menschen, weswegen er früher häufig Altersdiabetes genannt wurde. Dieser Begriff ist jedoch nicht ganz korrekt, denn zunehmend sind auch jüngere Personen und sogar Kinder betroffen. Beim Typ-2-Diabetes schüttet die Bauchspeicheldrüse zwar meist ausreichend Insulin aus. Die Körperzellen, die Insulin brauchen, um den Zucker aus dem Blut aufzunehmen, reagieren jedoch zunehmend unempfindlicher auf das Insulin. Auch in diesem Fall steigt der Blutzuckerspiegel. Diabetes mellitus Typ 2 kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen und erst durch Spätschäden auf sich aufmerksam machen.

Personen mit Diabetes Typ 1 müssen regelmässig Insulin spritzen, um den Mangel dieses Hormons auszugleichen. Menschen mit Diabetes Typ 2 können dagegen zu Beginn der Erkrankung viel bewirken, indem sie ihren Lebensstil ändern: Mit viel Bewegung, einem normalen Gewicht und ausgewogener Ernährung können diese Diabetiker den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Bei weit fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes helfen Medikamente in Tablettenform oder auch Insulinspritzen, den Blutzucker zu regulieren.

Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Blutgefässe, sodass infolge des Diabetes Folgeerkrankungen auftreten können. Zu solchen Spätschäden der Zuckerkrankheit gehören:

  • Herzinfarkt,
  • Schlaganfall,
  • Durchblutungsstörungen der Beine und Füsse,
  • Veränderungen der Netzhaut,
  • Störungen der Nierenfunktion und
  • Erektionsstörungen.

Durch geschädigte Nerven kann es infolge eines Diabetes mellitus zu Taubheitsgefühlen und Gefühlsstörungen kommen. Um solchen Beschwerden vorzubeugen, ist eine lebenslange und sorgfältige Blutzuckereinstellung entscheidend.

Unter dem Begriff Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) werden Störungen des Zuckerstoffwechsels zusammengefasst, die den Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöhen (Hyperglykämie).

Der Zuckerstoffwechsel

Traubenzucker (Glukose) ist einer der wichtigsten Energielieferanten des Körpers. Vor allem das Gehirn ist auf die konstante Zufuhr von Glukose angewiesen, aber auch Muskelzellen und Fettzellen decken so ihren Energiebedarf. Der Körper versucht stets, einen ausreichenden Vorrat an Glukose im Blut bereitzuhalten. Die Konzentration von Zucker im Blut – der Blutzuckerspiegel – schwankt zwar im Tagesverlauf. Bei Gesunden bleibt er dabei aber in einem Bereich von circa 80 bis 120 mg/dl.

Glukose gelangt über die Nahrung ins Blut. Damit die Zellen Zucker aufnehmen und verarbeiten können, ist das Hormon Insulin notwendig. Insulin wird in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Nach einer Mahlzeit schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin ins Blut aus. Das Insulin dockt an bestimmten Rezeptoren der Zellen an und sorgt dafür, dass die Zellwände die mit der Nahrung aufgenommene Glukose passieren lassen. Ohne Insulin verbleibt die Glukose im Blut – und kann somit die Zellen auch nicht mit Energie versorgen. In diesem Fall steigt der Blutzuckerspiegel.

Die Zellen, in denen Insulin hergestellt wird, sind die nach ihrem Entdecker Paul Langerhans benannten langerhansschen Inseln (auch Inselzellen oder Beta-Zellen genannt). Sie liegen inselartig gruppiert über die gesamte Bauchspeicheldrüse verteilt. Ein gesunder Erwachsener hat etwa eine Million solcher Inselzellen.

Insulin ist nicht nur für die Verwertung von Glukose von Bedeutung. Es spielt auch für den Fettstoffwechsel eine wichtige Rolle sowie für die Verwertung von Aminosäuren, aus denen sich Eiweisse zusammensetzen.

Häufigkeit

Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Die meisten von ihnen sind Typ-2-Diabetiker, nur etwa fünf Prozent der Diabetiker haben Typ-1-Diabetes. Auch in der Schweiz steigt besonders die Zahl der Typ-2-Diabetiker. Dies hängt in erster Linie damit zusammen, dass immer mehr Menschen übergewichtig sind – und Übergewicht ist der entscheidende Risikofaktor für Diabetes Typ 2.

Aber auch die gesteigerte Lebenserwartung führt dazu, dass es immer mehr Menschen mit Diabetes mellitus gibt. In Europa gibt es rund 55 Millionen Diabetiker. Weltweit sind derzeit etwa 285 Millionen Menschen von Diabetes mellitus betroffen. Man muss allerdings von weitaus mehr Diabetikern ausgehen: Da Typ-2-Diabetes aber lange Zeit keine Beschwerden bereitet, wissen viele Betroffene oft gar nicht, dass sie bereits erkrankt sind.

Etwa gleich viele Frauen wie Männer sind Typ-1-Diabetiker. Beim Typ-2-Diabetes sind zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr mehr Männer als Frauen betroffen, ab dem 60. Lebensjahr kehrt sich das Verhältnis jedoch um. Generell steigt die Wahrscheinlichkeit, Diabetes zu bekommen, mit dem Alter.

Historisches

Der Begriff Diabetes geht auf das griechische Wort für «hindurchlaufen» oder «hindurchfliessen» zurück. Diese Bezeichnung als «Durchfluss» bezieht sich auf ein typisches Symptom beim Diabetes – einen verstärkten Harndrang. Im 1. Jahrhundert nach Christus war der griechische Arzt Aretaios einer der ersten, die den Begriff Diabetes entsprechend verwendeten.

«Mellitus» ist lateinisch und bedeutet «honigsüss». Der Name Diabetes mellitus, also «honigsüsser Durchfluss» oder auch «Zuckerharnruhr», bezieht sich auf den süssen Geschmack des Urins von Diabetikern. Heute mag das befremdlich klingen – doch das Schmecken des Urins war bis in die Neuzeit ein gängiger Test auf verschiedene Erkrankungen: Der englische Mediziner und Naturphilosoph Thomas Willis stellte die Diagnose Diabetes im 17. Jahrhundert anhand dieser Geschmacksprobe.

Im 19. Jahrhundert beschrieb der Berliner Pathologe Paul Langerhans inselartige Zellformationen in der Bauchspeicheldrüse des Menschen, die heute auch seinen Namen tragen: langerhanssche Inseln. Allerdings wusste Langerhans noch nicht, dass diese Zellen das Hormon Insulin produzieren. 1893 gelang es dann Joseph Freiherr von Mering und Oskar Minkowski, den Zusammenhang zwischen der Bauchspeicheldrüse und Diabetes mellitus nachzuweisen. Sie entfernten einem Hund die Bauchspeicheldrüse – kurz darauf entwickelte das Tier typische Symptome für einen Diabetes mellitus.

1921 gelang es den kanadischen Physiologen Sir Frederick Grant Banting und Charles Herbert Best, Insulin aus Bauchspeicheldrüsengewebe zu gewinnen. Sie spritzten das Insulin einem Hund, dem zuvor die Bauchspeicheldrüse operativ entfernt worden war, und behandelten so dessen Diabetes. Einige Zeit später wurden auch Menschen mit dieser Therapie behandelt. 1935 beschrieb Roger Hinsworth, dass es zwei unterschiedliche Formen der Erkankung geben muss.

1955 konnten Wissenschaftler die chemische Struktur des Hormons Insulin aufklären. 1976 gelang es Forschern erstmals, aus Schweinen gewonnenes Insulin in für den Menschen verträgliches Insulin (Humaninsulin) umzuwandeln. Seit 1979 wird Humaninsulin synthetisch hergestellt.

Allerdings sind auch heute noch längst nicht alle Fragen bezüglich der Ursachen und vor allem der Folgen des Diabetes mellitus geklärt.

Die beiden Hauptformen von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Diabetes mellitus Typ 1 und Diabetes mellitus Typ 2, haben ganz unterschiedliche Ursachen.

Diabetes mellitus Typ 1

Etwa fünf Prozent der Diabetiker sind Typ-1-Diabetiker. Da Diabetes mellitus Typ 1 in der Regel in einem jugendlichen Alter beginnt, wurde er früher auch als juveniler (jugendlicher) Diabetes bezeichnet. Heute geht man davon aus, dass es sich bei Diabetes mellitus Typ 1 um eine Autoimmunerkrankung handelt, die durch bestimmte Erbfaktoren und Virusinfektionen begünstigt wird.

Erbfaktoren

Bis auf wenige Ausnahmen tragen alle Personen mit Diabetes mellitus Typ 1 spezielle Merkmale auf ihren weissen Blutkörperchen (sog. HLA-Merkmale DR 3 und DR 4). Deshalb nimmt man an, dass es genetische Veranlagungen für Diabetes mellitus Typ 1 als Ursachen eine Rolle spielen. Allerdings gibt es viele Menschen, die diese Erbinformationen tragen und dennoch nicht an der Zuckerkrankheit erkranken.

Virusinfektion

Die genetische Veranlagung ist also nur ein Faktor, der die Erkrankung begünstigt. Experten gehen davon aus, dass zusätzlich zu den Erbanlagen auch bestimmte Virusinfektionen zum Ausbruch von Diabetes mellitus Typ 1 beitragen können: Als Ursachen kommen Mumps- und Rötelnviren infrage. Neben den Virusinfektionen werden auch Chemikalien oder Giftstoffe als mögliche Zusatzfaktoren diskutiert, die bei genetisch vorbelasteten Menschen dann eine sogenannte Autoimmunreaktion auslösen. Dabei bildet das Abwehrsystem Antikörper gegen körpereigenes Gewebe – in diesem Fall gegen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Diese Inselzellantikörper (ICA) zerstören nach und nach die insulinbildenden Zellen. Beim Diabetes mellitus Typ 1 liegt schliesslich ein echter (absoluter) Insulinmangel vor. Die Insulingabe ist die einzige Therapie, die die Beschwerden bessern und Folgeschäden verhindern kann.

Erst nachdem etwa 80 Prozent der insulinbildenden Zellen (Inselzellen) verschwunden sind, macht sich Diabetes mellitus Typ 1 mit seinen typischen Beschwerden bemerkbar. Zwischen dem Beginn der Erkrankung und dem Auftreten der ersten Symptome können Wochen, Monate oder auch Jahre vergehen.

Zu Beginn kann es durch die Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen (sog. Immunsuppressiva) zu einer zeitweiligen Erholung der Beta-Zellen kommen. Mediziner sprechen von einer Remissionsphase. Diese kurzfristige Regeneration ist jedoch nur vorübergehend: Tatsächlich schreitet der Krankheitsprozess beim Diabetes mellitus Typ 1 fort, bis schliesslich alle insulinproduzierenden Inselzellen zerstört sind und kein eigenes Insulin mehr bilden.

Diabetes mellitus Typ 1 wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,5 bis 5 Prozent von der Mutter oder dem Vater auf die nachfolgende Generation vererbt. Sind beide Eltern Typ-1-Diabetiker, steigt das Risiko auf etwa 20 Prozent. Das Erkrankungsrisiko von Geschwister hängt davon ab wie sehr sich die HLA-Merkmale ähneln. Es kann bist zu 18 Prozent hoch oder – bei HLA-verschiedenen Geschwistern – kaum erhöht sein. Bei eineiigen Zwillingen liegt das Risiko für das Geschwisterkind eines Betroffenen bei 35 Prozent, ebenfalls an Diabetes mellitus Typ 1 zu erkranken.

Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 2 hat andere Ursachen als Typ-1-Diabetes. Mehrere Störungen der Insulinbildung in der Bauchspeicheldrüse und vor allem der Insulinwirkung an den Zellen spielen dabei eine Rolle.

Die gestörte Insulinbildung beim Diabetes mellitus Typ 2 kann die nahrungsbedingten Blutzuckerwert-Schwankungen nicht auffangen: Die Bauchspeicheldrüse schüttet nach einer Mahlzeit nicht ausreichend Insulin aus. Die Folge sind zu hohe Blutzuckerspiegel nach dem Essen – der medizinische Fachausdruck lautet postprandiale Hyperglykämie.

Bei einem Typ-2-Diabetes reagieren die Zellen nicht oder nicht mehr ausreichend auf das körpereigene Hormon Insulin: Es besteht eine sogenannte Insulinresistenz. Insulin ist jedoch notwendig, um Glukose aus dem Blut zu verarbeiten. Eine Insulinresistenz kann die Folge einer dauerhaft überreichen Nahrungszufuhr sein, die zu häufig erhöhten Blutzuckerspiegeln führt. Die hohe Konzentration an Glukose im Blut lässt dann auch den Insulinspiegel steigen. Als Reaktion darauf sinkt die Zahl der Insulinrezeptoren an den Körperzellen und sie werden weniger empfindlich.

Obwohl die Bauchspeicheldrüse Insulin bilden und ins Blut abgeben kann, reicht aufgrund der Insulinresistenz bei Diabetes mellitus Typ 2 die Menge nicht mehr aus, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Es entwickelt sich ein sogenannter relativer Insulinmangel: Es ist zwar Insulin vorhanden, die Zellen reagieren jedoch nicht ausreichend darauf.

Um den Blutzuckerspiegel dennoch niedrig zu halten, arbeitet die Bauchspeicheldrüse auf Hochtouren, um noch mehr Insulin herzustellen. Die Inselzellen werden dabei so stark belastet, dass sie nach Jahren schliesslich erschöpfen.

In Europa ist Diabetes mellitus Typ 2 aufgrund ungesunder Ernährungsgewohnheiten sehr häufig. Mehr als 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig und die Fettsucht (Adipositas) gilt als der entscheidende Risikofaktor für die Entstehung von dieser Form des Diabetes mellitus.

Die Mehrzahl der an Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankten weist körperliche Veränderungen auf, die unter dem Begriff metabolisches Syndrom oder «Wohlstandssyndrom» zusammengefasst sind. Dazu gehören:

  • starkes Übergewicht, vor allem am Bauch
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Bluthochdruck
  • gestörter Zuckerstoffwechsel (zunächst gestörte Glukosetoleranz, später Diabetes mellitus Typ 2)

Auch die erbliche Veranlagung spielt eine Rolle: Kinder, von denen ein Elternteil Diabetes mellitus Typ 2 hat, erkranken später mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 50 Prozent ebenfalls. Das Risiko für eineiige Zwillinge beträgt 100 Prozent.

LADA (latent autoimmune diabetes with adult onset)

Beim LADA (latent autoimmune diabetes with adult onset) handelt es sich um eine Sonderform des Typ-1-Diabetes, die erst im Erwachsenenalter auftritt. Ähnlich wie beim Diabetes mellitus Typ 1 besteht ein absoluter Insulinmangel, das heisst, die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse produzieren gar kein oder nicht mehr ausreichend Insulin. Zudem befinden sich bei einem LADA Antikörper im Blut, die belegen, dass das Immunsystem die Inselzellen angreift. Viele Betroffene sind zunächst – wie bei einem Typ-2-Diabetes – nicht auf Insulin von aussen angewiesen. Tritt ein Insulinmangel-Diabetes vor dem 25. Lebensjahr bei erwachsenen Personen auf, die nicht übergewichtig sind und keine starke familiäre Diabetesbelastung aufweisen, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein LADA. Wenn der Betroffene stark übergewichtig ist, kann es sich auch um einen der immer häufiger vorkommenden frühzeitig auftretenden Typ-2-Diabetesfälle handeln.

MODY (maturity onset diabetes of the young)

Der MODY (maturity onset diabetes of the young) ist eine Sonderform des Diabetes mellitus, die auf einem genetischen Defekt der insulinproduzierenden Inselzellen beruht. Die Erkrankung tritt im Kindes- oder frühen Erwachsenenalter bei Normalgewichtigen auf und betrifft etwa ein Prozent aller Diabetiker. Bisher sind sechs MODY-Typen mit unterschiedlichem Verlauf bekannt. Bei Verdacht auf MODY-Diabetes kann die Diagnose durch eine genetische Untersuchung gesichert werden.

Diabetes durch Schäden der Bauchspeicheldrüse

Diabetes mellitus kann auch entstehen, wenn die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) geschädigt ist (sog. pankreopriver Diabetes). Fällt das Organ in seiner Funktion teilweise oder vollständig aus, produziert es nicht mehr ausreichend Insulin. In einem solchen Fall ist eine Behandlung mit Insulin unumgänglich.

Ursachen für einen kompletten Ausfall der Bauchspeicheldrüse können sein:

  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), ausgelöst z.B. durch chronischen Alkoholmissbrauch oder Gallensteine
  • Bauchspeicheldrüsen-Geschwulste (Tumoren), die eine operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse erfordern, z.B. Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
  • Mukoviszidose (cystische Fibrose), Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)

Schwangerschaftsdiabetes

Erhöhte Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft bezeichnet man als Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). 3 Prozent aller Schwangeren erkranken daran. Meistens bildet sich diese Form des Diabetes mellitus nach der Geburt wieder zurück. Betroffene Frauen haben allerdings ein Risiko von mehr als 50 Prozent, in den darauf folgenden 10 Jahren an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das Risiko, in der nächsten Schwangerschaft wieder einen Diabetes zu entwickeln, liegt bei etwa 50 Prozent.

Erhöhte Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft können beim Kind zu Grosswuchs und Fehlbildungen führen und erhöhen die Gefahr von Fehlgeburten. Der Arzt muss einen Schwangerschaftsdiabetes daher besonders sorgfältig behandeln, meist mit Insulin.

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sind die Symptome davon abhängig, wie weit die Erkrankung bereits vorangeschritten ist. Zu Beginn treten sowohl bei Diabetes mellitus Typ 1 als auch bei Diabetes mellitus Typ 2 keine oder nur geringfügige Symptome auf.

Typische Diabetes-Symptome sind:


Diabetes mellitus Typ 2 verläuft zu Beginn häufig völlig beschwerdefrei und zeigt keine Symptome, so dass er oftmals nur zufällig bei Routineuntersuchungen festgestellt wird. Viele Typ-2-Diabetiker haben so geringe Symptome, dass sie lange keine Veranlassung sehen, einen Arzt aufzusuchen. Daher wird ein Typ-2-Diabetes oft erst spät erkannt – manchmal erst dann, wenn die Erkrankung bereits Spätschäden hervorgerufen hat. Zu solchen Folgeschäden zählen beispielsweise Erkrankungen der Netzhaut oder der Nieren, aber auch Erektionsstörungen oder Regelstörungen. Meist sind ältere Menschen betroffen (daher auch die Bezeichnung als «Altersdiabetes»), zunehmend erkranken jedoch auch jüngere Menschen an Diabetes mellitus Typ 2.

Auch bei Diabetes mellitus Typ 1 treten Symptome oft erst nach Monaten auf. Meist trifft diese Form Jugendliche. Erst wenn etwa 80 Prozent der insulinproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört sind, kann der Körper den Insulinmangel nicht mehr ausgleichen, sodass es zu Beschwerden kommt. Allerdings sind bei Diabetes Typ 1 die Symptome dann in der Regel sehr viel ausgeprägter als bei einem Diabetes vom Typ 2. So kann mitunter ein durch extrem hohe Blutzuckerwerte bedingtes diabetisches Koma (Coma diabeticum) ein erstes Anzeichen für Diabetes mellitus Typ 1 sein. Symptome eines diabetischen Komas sind Bewusslosigkeit und ein typischer Geruch der Ausatemluft nach Aceton.

Folgeerkrankungen

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann im Laufe der Zeit mit Folgeerkrankungen verbunden sein. Wer seinen Blutzucker jedoch konsequent gut einstellt und auf eine gesunde Lebensweise achtet, kann Folgeschäden vorbeugen.

Schädigung der kleinen Blutgefässe

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen besonders die kleinen Blutgefässe. Dies bezeichnet man auch als diabetische Mikroangiopathie. Dabei werden die Gefässwände durchlässig, so dass Blutungen auftreten können. Darüber hinaus entstehen Verdickungen an den Gefässwänden, die Gefässverschlüsse und somit auch Durchblutungsstörungen verursachen können. Die diabetische Mikroangiopathie kommt vor allem an der Netzhaut des Auges (Retina) und an den Nieren vor und kann dort schwerwiegende Erkrankungen zur Folge haben. Diese sogenannte diabetische Retinopathie und diabetische Neuropathie gehören zu den häufigen Diabetes-Folgeerkrankungen.

Schädigung der Netzhaut (diabetische Retinopathie)

Werden die Gefässe über einen längeren Zeitraum hinweg dauerhaft geschädigt, nimmt die Durchblutung der Netzhaut ab. Man spricht auch von einer sogenannten diabetischen Retinopathie. Dieser Diabetes-Folgeerkrankung kann man vorbeugen, wenn man auf seine Blutzuckerwerte achtet. Durch die Gefässveränderungen wandelt sich der Augenhintergrund (Innenwand des Augapfels) um: Es bilden sich Narben, die zu Sehstörungen bis hin zur Erblindung führen können. 30 Prozent der Erblindungen in Europa gehen auf eine diabetische Retinopathie zurück. Etwa 90 Prozent der Typ-1-Diabetiker und 25 Prozent der Typ-2-Diabetiker erkranken nach 15 Jahren zumindest an einer milden Form der diabetischen Retinopathie.

Schädigung der Nieren (diabetische Nephropathie)

Die diabetische Nephropathie zählt zu den weit verbreiteten Diabetes-Folgeerkrankungen. Sind die Blutzuckerwerte über lange Zeit hinweg schlecht eingestellt, können die dadurch entstehenden Gefässschäden die Nieren in Mitleidenschaft ziehen. Die Folge: eine sogenannte diabetische Nephropathie. Dies kann zu einem Nierenversagen (Niereninsuffizienz) führen und eine regelmässige künstliche Blutwäsche (Dialyse) notwendig machen. Als Folge starker Nierenschädigung kann sich zudem der Blutdruck erhöhen (Hypertonie). In Europa und den USA sind mehr als 50 Prozent aller Dialyse-Patienten Diabetiker. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, den Blutzucker konsequent einzustellen.

Schädigung der Nerven

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen neben den Gefässen vor allem die kleinen Nerven. Diabetes führt daher zu Folgeerkrankungen wie Gefühlsstörungen, auch als diabetische Polyneuropathie bezeichnet. Betroffene klagen zum Beispiel über brennende Schmerzen in den Füssen (engl.: «burning feet syndrome»). Auch die Temperaturwahrnehmung kann sich durch die diabetische Polyneuropathie verändern, so dass ein Gefühl kalter Füsse entsteht. Durch gezieltes Vorbeugen kann man eine Menge tun, um solche Nervenschäden zu verhindern.

Diabetischer Fuss

Nervenschäden und Durchblutungsstörungen in den Füssen führen zu offenen, schlecht heilenden Wunden und Geschwüren (diabetische Gangrän). Schon kleine Verletzungen können zu langwierigen Beschwerden führen. Ältere Diabetiker sollten daher täglich ihre Füsse auf Druckstellen und Einrisse kontrollieren und sofort zum Arzt gehen, falls sie solche entdecken. Auch auf bequeme Schuhe und sanfte Fusspflege sollte man besonderen Wert legen. Der diabetische Fuss ist die häufigste Komplikation bei Diabetes mellitus. Der diabetische Fuss lässt sich, wie die anderen Diabetes-Komplikationen auch, vermeiden, wenn die Betroffenen sorgfältig den Blutzucker kontrollieren und auf eine gesunde Lebensführung achten. Eine Amputation ist nur in schweren, nicht mehr anders therapierbaren Fällen notwendig.

Schädigung der grossen Blutgefässe

Diabetes mellitus ruft zudem Folgeerkrankungen hervor, die mit den grossen Blutgefässen zusammenhängen. Der Grund: Diabetes beschleunigt in erheblichem Ausmass die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) an den grösseren Blutgefässen. Man spricht auch von einer diabetischen Makroangiopathie. Vor allem in Verbindung mit erhöhten Blutfettwerten, hohem Blutdruck, Übergewicht und Nikotingenuss erhöht sich das Risiko für Erkrankungen wie:

  • Herzinfarkt,
  • Schlaganfall,
  • Koronare Herzerkrankung (KHK) und
  • Durchblutungsstörungen der Beine (sog. periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK).

Erektionsprobleme und Regelstörungen

Durch die im Rahmen von Diabetes entstehenden Nervenschäden und Durchblutungsstörungen können auch Potenzprobleme, Störungen der sexuellen Erregbarkeit und Erektionsschwierigkeiten auftreten. Bei Frauen kann die Monatsblutung ausbleiben.

Bei Verdacht auf Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann der Arzt die Diagnose anhand der Blutzuckerwerte stellen. Die Zuckerkonzentration im Urin kann ebenfalls einen Hinweis geben.

Blutzucker

Der Blutzucker liegt normalerweise nüchtern unter 90 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) im Vollblut beziehungsweise 100 mg/dl im Blutplasma. Er steigt nach dem Essen auf Werte von etwa 140 mg/dl.

Für einen Diabetes mellitus sprechen folgende Werte:

  • entweder klassische Symptome und ein Gelegenheits-Blutzuckerwert von über 200 mg/dl oder
  • Nüchtern-Blutzuckerwert von über 110 mg/dl im Vollblut bzw. 126 mg/dl im Blutplasma oder
  • sogenannter oGTT-2-h-Wert von über 200 mg/dl (oGTT = oraler Glukosetoleranztest).

Harnuntersuchungen

Glukose im Urin (Glukosorie): Glukose im Urin ist ein Hinweis auf die Zuckerkrankheit. Bei einer erhöhten Ausscheidung von Glukose im Harn spricht man von einer Glukosurie. Ab einem Blutzucker von etwa 180 mg/dl wird die sogenannte Nierenschwelle für Glukose überschritten, bei der der Körper beginnt, überschüssige Glukose mit dem Urin auszuscheiden. Bei Schwangeren liegt diese Nierenschwelle etwas niedriger. Der ausgeschiedene Zucker kann mithilfe von Glukose-Teststreifen im Harn nachgewiesen werden. Auch in der Schwangerschaft gesunder Frauen können geringe Mengen Glukose im Urin vorkommen; durch weitere Untersuchungen schliesst der Arzt einen Schwangerschaftsdiabetes aus.

Ketonkörper im Urin (Ketonurie): Wenn die Körperzellen aufgrund eines Insulinmangels keinen Zucker verwerten können, decken sie ihren Energiebedarf durch sogenannte Ketonkörper, einem Produkt des Kohlenhydratstoffwechsels in der Leber. Eine erhöhte Konzentration von Ketonkörpern ist ein Warnsignal dafür, dass der Diabetes «entgleist» und es zu einer Übersäuerung des Organisums kommt (sog. Ketoazidose). Der Arzt kann die Ketonkörper mithilfe eines Teststreifens nachweisen (Ketonurie).

Glukosetoleranztest

Stellt der Arzt bei ersten Untersuchungen Blutzuckerwerte fest, die im Grenzbereich liegen, kann er zusätzlich einen Glukosetoleranztest (oGTT) vornehmen. Beim oGTT nimmt der Arzt dem Betroffenen zunächst Blut ab, um den Blutzuckerspiegel zu bestimmen. In den drei Tagen vor dem Test darf der Patient nicht hungern, sondern muss sich mit ausreichend Kohlenhydraten ernähren. Mindestens 10 Stunden vor dem Test muss der Patient dann nüchtern bleiben, das heisst: 10 bis 16 Stunden ohne Nahrung, Alkohol und Rauchen. Am Test-Tag trinkt der Patient dann 75 Gramm Glukose in 250 bis 300 Milliliter Wasser gelöst. Diese Lösung muss er innerhalb von 5 Minuten langsam einnehmen. 2 Stunden später nimmt der Arzt erneut Blut ab.

Beim Nicht-Diabetiker liegen die Blutzuckerwerte im Blutplasma nüchtern unter 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) und 2 Stunden nach dem Test unter 140 mg/dl. Liegen die Nüchternwerte bei Werten über 100 bis maximal 125 mg/dl, spricht man von einer abnormen Nüchternglukose, bei einem nach zwei Stunden gemessenen Wert von über 140 bis maximal 199 mg/dl von einer gestörten Glukosetoleranz.

Ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) liegt vor, wenn die Werte für den Nüchternblutzucker im Blutplasma mindestens 126 mg/dl oder mehr (bzw. im Blutserum mindestens 110 mg/dl oder mehr) und für den nach zwei Stunden gemessenen Wert (oGTT-2-h-Wert) über 200 mg/dl betragen. Bei Schwangeren liegen die Grenzwerte für den oGTT niedriger.

HbA-Wert

Um den Zuckerstoffwechsel einer Person über einen längeren Zeitraum betrachten zu können, kann der Arzt den HbA1c-Wert bestimmen. Dieser gibt die Menge des mit Glukose verbundenen roten Blutfarbstoffs an, der normalerweise bei 20 bis 42 mmol/l (4-6%) liegt und direkt von der Höhe des Blutzuckers abhängt. Mithilfe des HbA1c-Werts kann der Arzt den Blutzuckerspiegel der letzten acht bis zehn Wochen beurteilen. Für eine gut verlaufende Therapie sollte der HbA1c unter 53 mmol/l (7%), optimalerweise unter 48 mmol/l (6,2%) liegen.

Ärzte nutzen den HbA1c-Wert auch zur Diagnose eines Diabetes mellitus. Allerdings besitzt der HbA1c-Wert als Diagnosekriterium nur bei Erwachsenen genug Aussagekraft. Um bei Kindern einen Diabetes nachzuweisen, reicht der HbA1c-Wert alleine nicht aus, da sich die der Grenzwert von 48 mmol/mol beziehungsweise 6,5 Prozent nicht ohne Weiteres auf Kinder übertragen lässt. Zur Diagnose bei Kindern müssen deshalb immer auch andere Methoden herangezogen werden.

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist die Therapie unter anderem davon abhängig, ob ein Typ-1- oder ein Typ-2-Diabetes vorliegt. Mithilfe der Therapie lässt sich der Blutzuckerspiegel gut einstellen, sodass Diabetiker ein beschwerdefreies Leben führen können. Auch mögliche Folgeerkrankungen und Spätschäden von Diabetes kann man mit einer konsequenten Blutzuckerkontrolle vermeiden. Wer an Diabetes erkrankt ist, kann selbst massgeblich dazu beitragen, dass die Therapie erfolgreich ist. Er sollte die wesentlichen Therapiemassnahmen in seinem persönlichen Alltag dauerhaft und eigenverantwortlich umsetzen. Diabetes mellitus ist zwar nicht heilbar – wer jedoch aktiv und verantwortungsvoll mit seiner Erkrankung umgeht und auf seinen Körper achtet, kann ohne grosse Einschränkung normal leben.

Typ-1-Diabetes

Beim Typ-1-Diabetes liegt ein absoluter Insulinmangel vor, das heisst, dass die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin bildet. Da Insulin jedoch lebensnotwendig ist, müssen Betroffene es lebenslang spritzen. Insulin ist eine aus verschiedenen Aminosäuren (Bausteine der Eiweisse) zusammengesetzte Substanz. Zur Diabetes-Therapie stehen Normalinsulin und auch sogenannte Insulinanaloga zur Verfügung. Bei den Insulinanaloga sind im Gegensatz zum Normalinsulin einige Aminosäuren ausgetauscht.

Eine Therapie mit speziellen Medikamenten (sog. oralen Antidiabetika) ist bei Typ-1-Diabetes unwirksam. Der Grund: Orale Antidiabetika (OAD) sollen die Insulinausschüttung der Inselzellen erhöhen. Diese Zellen haben beim Typ-1-Diabetes jedoch ihre Funktion verloren.

Typ-2-Diabetes

Beim Diabetes mellitus Typ 2 gibt es ein breiteres Therapie-Spektrum: Häufig liegt dem Diabetes mellitus Typ 2 eine ungesunde Ernährungsweise zugrunde – und damit verbunden auch Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas).

Wird der Typ-2-Diabetes rechtzeitig erkannt, kann man den gestörten Glukosestoffwechsel in vielen Fällen noch ohne Medikamente normalisieren. Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten ist hier das A & O. Dazu gehört vor allem:

  • Abbau von Übergewicht
  • viel körperliche Bewegung
  • ausgewogene Ernährung

Reichen diese Massnahmen nicht aus, um den Blutzuckerspiegel entscheidend zu senken, können zusätzlich Medikamente (sog. orale Antidiabetika) helfen. Ist die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse schliesslich erschöpft oder wirken die Tabletten nur unzureichend, kann eine Insulintherapie erforderlich sein, um die Blutzuckerwerte ausreichend zu senken.

Stufentherapie bei Typ-2-Diabetes

Je nachdem, wie weit der Typ-2-Diabetes fortgeschritten ist, können verschiedene Therapiestufen nötig sein.

Stufe 1

In Stufe 1 der Therapie stellt der Diabetiker zunächst seine Ernährungsweise um. Das Ziel ist hierbei, an Gewicht zu verlieren. Bewegung und Rauchverzicht gehören ebenfalls zum Therapieplan. Wenn der Betroffene alle mit dem Arzt besprochenen Ziele erreicht, muss er oft keine Medikamente einnehmen.

Stufe 2

Reichen die Massnahmen in Stufe 1 nicht aus, verschreibt der Arzt übergewichtigen Diabetikern meist Metformin, ein Wirkstoff, der den Blutzuckerspiegel senkt. Normalgewichtige Diabetiker nehmen dagegen sogenannte Sulfonylharnstoffe oder Sulfonylharnstoff-Analoga (z.B. Repaglinid) ein ein.

Stufe 3

Sinkt der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend, verordnet der Arzt zusätzlich ein zweites Medikament. Gängige Kombinationen bei Übergewichtigen sind: Metformin + Acarbose oder Sulfonylharnstoff oder ein Sulfonylharnstoff-Analogon oder ein Glitazon. Bei Normalgewichtigen werden Sulfonylharnstoffe zum Beispiel mit Acarbose oder Glitazonen kombiniert. Neuere Medikamente sind die DPP-4-Inhibitoren (sog. Gliptine) und die Inkretin-Mimetika (z.B. Exenatide). Diese Substanzen können die Therapie mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen ergänzen.

Stufe 4

Lässt sich der Blutzuckerspiegel mit Tabletten alleine nicht mehr zufriedenstellend regulieren, muss sich der Diabetiker zusätzlich Insulin zuführen.

Stufe 5

Wenn die Insulinproduktion erschöpft ist, erfolgt die Behandlung ausschliesslich mit Insulin.

Antidiabetika (Diabetesmittel)

Wenn die Blutzuckerwerte trotz Umstellung der Lebensgewohnheiten nicht zufriedenstellend sind, müssen Typ-2-Diabetiker auf sogenannte Antidiabetika (Diabetesmittel) zurückgreifen. Es gibt eine Reihe verschiedener Antidiabetika.

Medikamente, die die Zuckeraufnahme aus dem Darm verzögern

Alpha-Glukosidasehemmer: Alpha-Glukosidasehemmer wie Acarbose und Miglitol verhindern, dass Glukosemoleküle im Darm aufgespalten und ins Blut aufgenommen werden. Als unerwünschte Nebenwirkung können Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Beide Medikamente verzögern die Glukoseaufnahme im Darm und verhindern so den starken Anstieg der Blutzuckerkonzentration nach den Mahlzeiten.

Guar-Präparate: Guar-Präparate quellen im Darm stark auf und erzeugen ein Völlegefühl. Dadurch isst man weniger, sodass auch entsprechend weniger Kohlenhydrate ins Blut gelangen können.

Sulfonylharnstoffe

Sulfonylharnstoffe erhöhen die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Häufig wirkt die Therapie mit Sulfonylharnstoffen bei Typ-2-Diabetikern zunächst gut. Mit fortschreitender Erkrankung, wenn die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zunehmend erschöpft sind, lässt ihre Wirkung in der Regel jedoch nach. Dann muss der Diabetiker zusätzlich Insulin spritzen. Wenn Diabetiker Sulfonylharnstoffe einnehmen, müssen sie auf eine regelmässige Ernährung achten, da ohne Kohlenhydratzufuhr gefährliche Unterzuckerungen (sog. Hypoglykämien) entstehen können. Als Nebenwirkung kann es zu einer Gewichtszunahme kommen. Sulfonylharnstoffe verursachen häufig Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, zum Beispiel Betablockern oder Acetylsalicylsäure.

Biguanide

Biguanide verbessern die Glukoseverwertung in den Zellen, zum Beispiel in der Muskulatur. Zusätzlich hemmen sie die körpereigene Herstellung von Glukose (sog. Glukoneogenese) aus anderen Stoffwechselprodukten wie Eiweissen. Ein bekannter Vertreter der Biguanide ist das Metformin. Bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern ist Metformin das Mittel erster Wahl. Als Nebenwirkung kann es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz und Durchfällen kommen. Menschen mit Nierenerkrankungen dürfen Biguanide nicht einnehmen.

Glinide

Glinide wie das Repaglinid steigern wie die Sulfonylharnstoffe die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse, ihr Wirkmechanismus ist jedoch ein anderer. Dennoch spricht man bei diesen Medikamenten von Sulfonylharnstoff-Analoga. Glinide senken den Zuckerspiegel zwar weniger stark als die Sulfonylharnstoffe, ihre Wirkung setzt dafür sehr schnell ein. Man nimmt sie unmittelbar vor dem Essen ein und sie können je nach Grösse der Mahlzeit dosiert werden. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht so stark. Wie die Sulfonylharnstoffe können auch die Glinide nur wirken, solange die Inselzellen noch in der Lage sind, Insulin herzustellen. Als Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden und Unterzuckerungen möglich. Ob Glinide sich auch positiv auf mögliche Folgeerkrankungen auswirken, zum Beispiel Durchblutungsstörungen, ist bislang noch unklar.

Glitazone

Glitazone (Thiazolidindione) erhöhen die Insulinempfindlichkeit im Leber-, Muskel- und Fettgewebe und senken so den Blutzuckerspiegel. Auf die eigentliche Insulinausschüttung haben sie keinen Einfluss. In der Schweiz werden Glitazone entweder separat oder in Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Metformin verschrieben. Es gibt Hinweise darauf, dass Glitazone die Entstehung des Typ-2-Diabetes verzögern können, da die Bauchspeicheldrüse entlastet wird. Voraussetzung ist, dass sie frühzeitig in der Therapie zum Einsatz kommen. Als Nebenwirkungen sind in manchen Fällen Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) möglich. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen daraufhin, dass der Wirkstoff Rosiglitazon das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen leicht erhöht. Seit November 2010 sind Medikamente mit dem Wirkstoff Rosiglitazon in Apotheken deshalb nicht mehr erhältlich.

Sitagliptin und Exenatide

Die Wirkstoffe Exenatide und Sitagliptin sorgen dafür, dass die Anzahl bestimmter Darmhormone (sog. Inkretine) steigt. Inkretine regulieren die Insulinfreisetzung und bewirken unter anderem eine vermehrte Freisetzung von Insulin aus den Beta-Zellen nach dem Essen, noch bevor die Blutzuckerwerte ansteigen.

Exenatide ist ein Wirkstoff, der die Wirkung von Inkretin nachahmt (sog. Inkretin-Mimetikum). Es steigert die Insulinsekretion und hemmt zugleich die Sekretion von Glukagon, einem Hormon, welches einen Anstieg des Blutzuckerspiegels bewirkt. Bislang liegen allerdings noch keine Langzeitdaten zur Wirkung von Exenatide vor. Als Nebenwirkungen können Übelkeit und Durchfall auftreten.

Sitagliptin ist ein sogenannter DDP-4-Inhibitor. Der Wirkstoff hemmt ein Enzym (DPP-4), das die Konzentration von Glukose im Blut beeinflusst.

Sowohl Exenatide als auch Sitagliptin werden in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Metformin eingesetzt, wenn diese nicht ausreichend wirken.

Insulin

Insulin kann man nicht als Tablette einnehmen, weil die Magensäure das Eiweiss dann zerstören würde. Daher muss man die Substanz spritzen. Als die Insulintherapie eingeführt wurde, waren nur kurzwirksame Insuline (Altinsulin) verfügbar. In den 1930er Jahren veränderte sich die Insulintherapie durch die Einführung von sogenannten Verzögerungsinsulinen grundlegend. Verzögerungsinsuline werden nach der Injektion langsam aus der Injektionsstelle unter der Haut in den Körper abgegeben, so dass sie über einen längeren Zeitraum wirken. Menschen, die zuvor drei bis vier Injektionen am Tag benötigten, brauchen jetzt nur noch ein bis zwei Insulindosen täglich. Verzögerungsinsuline haben die Lebensqualität der Diabetiker entscheidend verbessert. Durch die Kombination von «schnellem» und «langsamem» Insulin kann man den Blutzuckerspiegel heute gut kontrollieren.

Konventionelle Insulintherapie

Bei der konventionellen Insulintherapie spritzt sich der Diabetiker kurzwirksames Normalinsulin und langwirksames Verzögerungsinsulin in einem festen Mischverhältnis ein- bis zweimal täglich. Vorteil dieser Methode: die einfache Handhabung. Ein Nachteil ist die starre Wirkung, die den Diabetiker zwingt, sich in seinem Tagesablauf sowie in Menge und Zeitpunkt seiner Mahlzeiten an einen festen Ablauf zu halten.

Intensivierte/ergänzende Insulintherapie

Die Weiterentwicklung von Insulinpräparaten und Insulin-Verabreichung ermöglichte es, die sogenannte intensivierte Insulintherapie einzuführen. Bei ihr passt der Diabetiker die Insulindosis ständig seinem aktuellen Blutzuckerwert an.

Die Therapie erfolgt nach dem sogenannten Basis-Bolus-Prinzip. Die Behandlung ahmt die natürliche Insulinsekretion des Körpers nach: Ihr liegt eine fortlaufende Insulinabgabe (sog. basale Sekretion) zugrunde, die zu Mahlzeiten gesteigert und bei körperlicher Betätigung vermindert wird. Ein zwei- bis dreimal täglich gespritztes Verzögerungsinsulin bildet die Basis. Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird mit der zusätzlichen Injektion von schnell wirksamem Normalinsulin als Bolus abgedeckt. Die erforderliche Dosis berechnet der Betroffene, nachdem er seinen Blutzuckerwert gemessen hat. Erhöhte Blutzuckerwerte vor dem Essen kann er durch die zusätzliche Gabe von Normalinsulin nach einem Korrekturplan senken.

Die Basis-Bolus-Therapie bietet dem Diabetiker die Möglichkeit, seine Mahlzeiten frei zu gestalten, da die Insulinmenge an die verzehrten Kohlenhydrate angepasst wird und nicht umgekehrt. Voraussetzung für diese Therapie ist die regelmässige Bestimmung des Blutzuckerspiegels und eine gute Schulung des Betroffenen.

Die intensivierte Insulintherapie ist derzeit Standard bei Diabetes mellitus Typ 1. Hier erreicht sie bessere Behandlungsergebnisse und eine verbesserte Lebensqualität als die konventionelle Insulintherapie. Auch bei der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 gehört das Basis-Bolus-Prinzip zu den Therapie-Möglichkeiten, meist als sogenannte supplementäre Insulintherapie (= ergänzende Insulintherapie). Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird hierbei durch ein schnell und kurz wirksames Normalinsulin oder Insulinanalogon gedeckt. Nur bei Bedarf ergänzt ein lang wirksames Insulinpräparat nachts beziehungsweise zum Abendessen die Therapie.

Es gibt zurzeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Langzeitstudien zur Frage, ob kurzwirksame Insulinanaloga für Menschen mit Typ-2-Diabetes gesundheitliche Vorteile gegenüber Humaninsulin haben und wie sicher Insulinanaloga langfristig sind. Deshalb gilt Normal- beziehungsweise Humaninsulin derzeit als das Standardinsulin.

Insulin-Injektionen

Insulin kann man mithilfe spezieller Insulinpens unter die Haut (subkutan) spritzen. Dabei handelt es sich um füllhalterähnliche Injektionsgeräte, die das Insulin in vorgefertigten Patronen enthalten und aus denen man die gewünschte Insulindosis per Knopfdruck spritzen kann.

Eine kontinuierliche Insulinzufuhr ist dagegen nur mithilfe sogenannter Insulinpumpen möglich. Diese mit Insulin gefüllten Dosiergeräte sind etwa so gross wie eine Zigarettenschachtel und werden ständig am Körper getragen. Die Insulinpumpe gibt über eine unter der Haut liegenden Kanüle regelmässig eine bestimmte voreingestellte Insulinmenge ab. Darüber hinaus erlaubt sie es, vor den Mahlzeiten eine Extradosis Insulin abzurufen (Bolus).

Es gibt zwar Geräte, die kombiniert den Blutzuckerwert messen und Insulin verabreichen können. Bislang muss man die abzugebende Insulinmenge aber noch nach der Menge der gegessenen Kohlenhydrate errechnen und den Blutzucker auch selber von Hand messen. Ziel der technischen Weiterentwicklungen könnte sein, dass Diabetiker weitgehend unabhängig von ihrer Erkrankung werden.

Diabetiker-Schulung

Eine umfangreiche Diabetiker-Schulung ist für jeden Erkrankten sehr wichtig. Sie vermittelt wichtige Informationen über Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und seine Behandlung. So sollte jeder Diabetiker lernen,

  • seinen Blutzuckerspiegel zu messen,
  • mit Medikamenten umzugehen (vor allem Insulin),
  • wie eine angemessene Ernährung und Lebensführung aussehen sollte,
  • wie man Folgeschäden vermeiden kann.

Umfassende Therapie

Um Gefässschäden durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zu vermeiden, ist es bei Diabetes mellitus besonders wichtig, auch andere Risikofaktoren auszuschalten. Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen müssen ebenso engmaschig kontrolliert und konsequent behandelt werden wie der Blutzucker. Nur durch eine solche umfassende Therapie kann man das Risiko für Diabetes-Spätfolgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. Die Therapieziele müssen Arzt und Diabetiker jedoch immer individuell, zum Beispiel abhängig von dem Alter und möglichen Begleiterkrankungen, vereinbaren.

Ideale Therapieziele bei Typ-2-Diabetes sind:

  • HbA1c < 48 mmol/l (alte Einheit: < 6,5%)
  • Nüchtern-Blutzucker: 80-110 mg/dl (4,4-6,1 mmol/l)
  • Vermeidung von schweren Unterzuckerungen
  • LDL-Cholesterin < 100 mg/dl (< 2,6 mmol/l)
  • HDL-Cholesterin > 45 mg/dl (> 1,2 mmol/l)
  • Triglyzeride < 150 mg/dl (< 1,7 mmol/l)
  • Blutdruck: < 130/< 80 mmHg (bei Nierenschäden: < 125/< 85 mmHg)
  • Nikotinverzicht
  • Erreichen von Normalgewicht

Unterzuckerung

Ein Blutzuckerwert unterhalb von 50 mg/dl gilt als Unterzuckerung, einer sogenannten Hypoglykämie. Besonders das Gehirn ist auf den Energielieferant Glukose im Blut angewiesen. Ist nicht mehr ausreichend Glukose vorhanden, kann es deshalb dazuführen, dass der Betroffene bewusstlos wird und einen hypoglykämischen Schock erleidet. Dieser Zustand ist lebensgefährlich.

Ein zu niedriger Blutzucker entsteht meist durch eine Überdosierung von Insulin oder Sulfonylharnstoffen, oder der Diabetiker hat versäumt, nach der Einnahme der Medikamente ausreichend zu essen. Auch Erkrankungen, körperliche Belastung oder starker Alkoholkonsum können der Auslöser sein.

Eine beginnende Unterzuckerung kündigt sich durch Beschwerden an, die Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ein Warnzeichen sein sollten. Mögliche Warnzeichen einer Hypoglykämie sind:

  • Heisshunger
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schwäche
  • Unruhe
  • Schwitzen
  • Herzrasen
  • Zittern
  • weite Pupillen
  • Kopfschmerzen
  • Verstimmung, Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit
  • Müdigkeit

Bei Verdacht auf eine Unterzuckerung sollten Sie ihren Blutzucker kontrollieren und bei Bedarf schnell verwertbare Kohlenhydrate (z.B. Traubenzucker oder Obstsäfte) zu sich nehmen.

Prognose

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) hängen Verlauf und Prognose davon ab, wie gut es gelingt, den Blutzuckerspiegel dauerhaft in normalen Grenzen zu halten. Wird die Zuckerkrankheit rechtzeitig erkannt und behandelt, ist die Prognose sehr gut. Ein schlecht eingestellter Diabetes hingegen senkt nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung. Jeder Diabetiker kann jedoch eine Menge selbst dazu beitragen, um die Prognose deutlich zu verbessern. Konsequentes Blutzucker-Messen und eine entsprechende Behandlung mit Antidiabetika beziehungsweise Insulin sind hier das A & O.

Der Verlauf von Diabetes wird hauptsächlich durch die Folgeerkrankungen bestimmt, die aufgrund der immer mehr geschädigten Gefässe entstehen können. Häufige Todesursachen als Folge von Diabetes mellitus sind Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen.

Die Prognose eines Typ-2-Diabetes kann jeder Betroffene entscheidend verbessern, wenn er Übergewicht abbaut. Wer seine Ernährung dauerhaft umstellt und körperlich aktiv ist, kann sein Gewicht abbauen und damit den Diabetes-Verlauf positiv beeinflussen.

Kontrolluntersuchungen

Regelmässige Arztbesuche sind für Betroffene mit Diabetes mellitus besonders wichtig. Mit dem Arzt können Sie alle Fragen bezüglich der Therapie und der Erkrankung besprechen und Unklarheiten aus dem Weg räumen. Bei jedem Termin kontrolliert der Arzt Gewicht, Blutdruck und Blutzucker.

In regelmässigen Abständen misst er zusätzlich den sogenannten HbA1c-Wert, mit dessen Hilfe er den Blutzuckerspiegel der letzten acht bis zehn Wochen beurteilen kann. Zudem überprüft er die Blutfettwerte. Diabetiker sollten ihre Füsse regelmässig vom Arzt kontrollieren lassen – denn schon kleinste Verletzungen können auf einen beginnenden diabetischen Fuss hinweisen. Zudem sollten Diabetiker regelmässig zum Augenarzt gehen, um eine Gefässveränderung an den Augen (diabetische Retinopathie) rechtzeitig erkennen und behandeln zu lassen.

Diabetes und Ernährung

Für alle Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine gesunde Ernährung von grosser Bedeutung. Besonders Typ-2-Diabetiker können davon profitieren. Häufig ist Übergewicht eine Ursache der Erkrankung. Eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung bei Diabetes senken das Körpergewicht, was die Zuckerwerte im Blut verbessert. Viele Diabetiker können auf diese Weise ihren Tabletten- beziehungsweise Insulinbedarf deutlich reduzieren.

Eine für Diabetes angemessene Ernährung entspricht keineswegs automatisch einer strengen Diät. So muss ein Diabetiker nicht zwangsläufig auf Süssigkeiten oder Alkohol verzichten – er muss den Konsum aber unter Kontrolle haben. Eine ausgewogene Ernährung, wie sie für gesunde Menschen empfohlen wird, ist auch bei Diabetes gesund. Um in Beruf und Freizeit leistungsfähig zu sein, benötigt ein Diabetiker genauso wie ein Gesunder eine Kalorienzufuhr, die der körperlichen Tätigkeit angemessen ist.

Wichtig ist, dass die mit der Nahrung zugeführten Kalorien vom Körper auch verwertet werden können und Kohlenhydrate nicht einfach über den Harn wieder ausgeschieden werden. Mehrere kleine Mahlzeiten (fünf bis sechs) am Tag sind besser als wenige grosse, weil der Insulinbedarf dann geringeren tageszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Geeignete Nahrungsmittel

Als günstig hat sich bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) eine fettarme Kost in Verbindung mit viel Obst und Gemüse erwiesen. Vollkornprodukte setzen Kohlenhydrate langsamer frei und tragen auf diese Weise dazu bei, einen gleichmässigeren Blutzuckerspiegel zu gewährleisten. Nahrungsmittel, die leicht verdauliche Kohlenhydrate wie reine Glukose oder Kochzucker enthalten, sollten Sie dagegen eher meiden, da sie den Blutzuckerspiegel rasch in die Höhe treiben. Allerdings müssen Diabetiker keinesfalls gänzlich darauf verzichten. Erlaubte Süssstoffe sind Saccharin, Cyclamat und Aspartam, sowie die Zuckeraustauschstoffe Fruktose und Xylit.

Eiweiss (fettarmes Fleisch, Fisch, pflanzliche Eiweisse) können bei Diabetikern 10 bis 20 Prozent der Gesamtkalorienmenge ausmachen – falls jedoch die Nieren geschädigt sind, sollte man weniger Eiweiss zu sich nehmen.

Um die Nieren gut durchzuspülen, sollten Sie darauf achten, ausreichend zu trinken – mindestens 1,5 Liter täglich.

Der Alkoholkonsum sollte auf ein gelegentliches Glas niedrigprozentigen Alkohol wie Bier oder Wein beschränkt bleiben – Alkohol erhöht die Gefahr einer Unterzuckerung. Daher sollten Sie zu Bier oder Wein immer ein paar Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Sport bei Diabetes

Vor allem für Menschen mit Diabetes Typ 2 ist Sport neben einer gesunden Ernährung eine gute Möglichkeit, aktiv etwas gegen ihre Zuckerkrankheit zu tun. Körperliche Aktivität steigert den Energieverbrauch, macht die Zellen empfindlicher für Insulin und senkt so den Blutzucker. Wichtig ist, dass man sich regelmässig und über eine gewisse Zeit bewegt (mind. 3 Mal in der Woche für 30 Minuten). Um an Gewicht zu verlieren, ist Sport unersetzlich. Allgemein gilt: Jedes Kilo Übergewicht, das man abnimmt, verbessert den Blutzucker, bremst den Diabetes und beugt Spätschäden vor.

Allerdings sollten Sie es mit der körperlichen Betätigung nicht übertreiben. Wenn Sie Diabetes haben und normalerweise eher wenig Sport treiben, dann aber plötzlich körperliche Höchstbelastungen anstreben, können Sie Ihrer Blutzuckereinstellung sogar eher schaden als nutzen. Unter Umständen kann der Gesamtstoffwechsel entgleisen. Am besten besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche sportlichen Aktivitäten und welche Belastungsintensität für Sie gesund sind.

Wenn sich bei Ihnen bereits Folgeschäden des Diabetes mellitus wie koronare Herzkrankheit, Niereninsuffizienz oder ein diabetischer Fuss zeigen, können sich Einschränkungen in der Wahl der Sportart ergeben. Der Marathonlauf mag nicht für jeden Diabetiker das Richtige sein; es findet sich jedoch in aller Regel eine geeignete Sportart.

Wenn Sie Insulin spritzen oder sogenannte Sulfonylharnstoffe einnehmen, haben Sie ein gewisses Risiko für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) beim Sport. Bei kurz dauerndem Training können Sie der Unterzuckerung mit einer Zwischenmahlzeit vorbeugen. Bei länger dauernden Anstrengungen müssen Sie zusätzlich die Insulindosis anpassen. Sportler kennen durch viele Messungen und Erfahrung die Reaktion ihres Körpers auf Belastungen meist sehr genau – sie können ihren Zuckerstoffwechsel auch unter extremen Bedingungen gut kontrollieren.

Diabetes bei Kindern

Kinder mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) leiden meist an einem Typ-1-Diabetes. Stark übergewichtige Kinder können jedoch auch schon an einem Typ-2-Diabetes erkranken, der eigentlich erst in höherem Alter auftritt. Insbesondere unmittelbar nach der Diagnose müssen sie erst lernen, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Viel Zuwendung und Aufmerksamkeit helfen den Kindern, ihre Angst zu verlieren und ein Verständnis für den Diabetes zu entwickeln.

Viele Kinder lehnen sich zunächst gegen die Krankheit auf und reagieren aggressiv oder mit depressiven Verstimmungen. Manche Kinder haben auch Schuldgefühle. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, wenn die Eltern professionelle Hilfe von einem Kinderpsychologen in Anspruch nehmen.

Für eine effektive Therapie ist es unerlässlich, dass das Kind Schritt für Schritt verantwortungsvoll mit der Zuckerkrankheit umgeht. Eltern können die Stoffwechselkontrolle kaum selbst übernehmen und sollten die Verantwortung für den Diabetes so früh – und so behutsam – wie möglich auf das Kind übertragen. Typ-1-Diabetiker, die schon als Kinder erkrankten, haben den Diabetes meist sehr gut in ihr Leben integriert und werden wenig dadurch beeinträchtigt.

Arbeiten mit Diabetes

Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) können – abgesehen von der notwendigen Therapie – ein normales und beschwerdefreies Leben führen. Arbeiten mit Diabetes ist daher prinzipiell kein Problem. Wegen des Risikos einer plötzlichen Unterzuckerung gibt es lediglich einige Einschränkungen bei Berufen mit hohem Gefahrenpotenzial. Zu den Berufen, die wegen Fremd- oder Eigengefährdung nicht ausgeübt werden dürfen, gehören die berufliche Personenbeförderung, beruflicher Waffengebrauch (Soldaten, Polizisten) und Überwachungsfunktionen mit alleiniger Verantwortung für das Leben anderer (z.B. Fluglotsen).

Ausserdem sind solche Arbeiten nicht geeignet, bei denen Diabetiker sich nicht um ihre Stoffwechselkontrolle kümmern können. So könnte bei Arbeiten in schwierigem, unzugänglichem Gelände oder unter grosser Hitze oder Kälte die Lagerung des Insulins problematisch sein. Schutzkleidung kann die regelmässige Insulin-Gabe unmöglich machen (z.B. bei Tauchern oder Gefahrstoffentsorgern).

Wer eine gute Stoffwechselkontrolle nachweisen kann – in Form eines ärztlichen Gutachtens – darf jedoch auch kritische Berufe ausüben. Dazu gehören die Tätigkeit als Taucher, Arbeiten in grosser Höhe (z.B. Dachdecker), Arbeiten an gefährlichen Maschinen (z.B. Hochöfen) und Arbeiten im Schicht-, Akkord- oder Nachtdienst.

Wenn Sie Diabetes mellitus haben, sollten Ihre Kollegen darüber Bescheid wissen, um im Notfall die richtigen Massnahmen ergreifen zu können. Diabetiker sind berechtigt, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, der einen besseren Kündigungsschutz, Extra-Urlaub und steuerliche Vergünstigungen ermöglicht.

Krankheit und Diabetes

Ob Durchfall, Fieber oder Erkältung: Wenn Betroffene mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) krank werden, ist eine sorgfältige Blutzuckerkontrolle besonders wichtig. Denn bei Erkrankungen kann der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten. Um dies zu vermeiden, sollten Sie im Krankheitsfall einige Tipps beachten:

  • Testen Sie Ihren Blutzuckerspiegel alle drei bis vier Stunden. Auch die regelmässige Messung des Ketongehalts im Urin kann sinnvoll sein.
  • Spritzen Sie weiterhin regelmässig Insulin beziehungsweise nehmen Sie Ihre Medikamente ein.
  • Bei Appetitlosigkeit ist es wichtig, trotzdem etwas Nahrung zu sich zu nehmen, um nicht zu unterzuckern.
  • Gerade bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall sollten Sie darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um eine Austrocknung (Dehydratation) zu vermeiden. Ideal ist es, wenn Sie stündlich ein Glas zuckerfreie Flüssigkeit wie Wasser oder Tee aufnehmen. Ist der Blutzuckerspiegel zu niedrig, kann dieser durch die Zugabe von 15 Gramm Kohlenhydraten im Getränk angehoben werden. Dies entspricht beispielsweise etwa einem halben Glas Apfelsaft.
  • Suchen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt auf, insbesondere, wenn...
    • ...Sie unter Erbrechen oder Durchfall über mehr als sechs Stunden hinweg leiden.
    • ...Sie länger als einen Tag Fieber haben.
    • ...das Fieber steigt.
    • ...Sie Ihren Blutzuckerspiegel nicht unter Kontrolle haben.
    • ...Sie Bauchschmerzen haben.
    • ...Sie über einen Zeitraum von mehr als zwölf Stunden hinweg Keton im Urin feststellen oder wenn der Ketonspiegel ansteigt.
  • Wenn Sie frei verkäufliche Medikamente einnehmen möchten, fragen Sie vorher Ihren Arzt, da einige Arzneimittel den Blutzuckerspiegel beziehungsweise den Blutdruck erhöhen können.

Einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 1 kann man nicht vorbeugen. Der Typ-2-Diabetes lässt sich jedoch recht zuverlässig verhindern, wenn seine Hauptursache ausgeschaltet wird: das Übergewicht.

Der beste Weg, um abzunehmen, besteht auch für Betroffene mit Diabetes darin, ihre Ernährung dauerhaft umzustellen: viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, weniger Fett und schnell verdauliche Kohlenhydrate. Mit Hau-Ruck-Diäten verlieren Sie zwar zunächst an Gewicht, auf lange Sicht sind strenge Abnehm-Kuren aber nicht erfolgreich. Sobald man wieder zur ursprünglichen Ernährung zurückkehrt, kommen auch die Kilos zurück – meist noch mehr, als es ursprünglich waren.

Eine empfehlenswerte Diät ist ausgewogen und abwechslungsreich, kommt ohne teure Spezialprodukte aus, kann dauerhaft eingehalten werden und schmeckt.

Ernährung ist aber nur ein Faktor, um den Pfunden den Kampf anzusagen. Wer abnehmen und sein Normalgewicht halten will, muss fast zwangsläufig auch seine körperliche Aktivität steigern. Optimal sind etwa eine halbe Stunde Ausdauertraining pro Tag mit niedriger bis mittlerer Intensität. Auch Krafttraining mit Muskelaufbau ist beim Abnehmen hilfreich, da Muskelzellen sogar in Ruhe viele Kohlenhydrate verbrennen.

Mit viel Bewegung können Sie Diabetes mellitus Typ 2 gezielt vorbeugen: Das Training macht die Zellen empfänglicher für Insulin. Durchbrechen Sie den Teufelskreis aus erhöhter Insulinkonzentration im Blut und Insulinresistenz der Zellen!

Wenn die Gewichtsabnahme aus eigener Kraft nicht gelingt, lohnt es sich, den Arzt um Hilfe zu bitten. Er kann auf vielfältige Weise helfen: vom guten Rat bis zur medikamentösen Behandlung eines starken Übergewichts.

Stress scheint die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes zu fördern. Vielen Menschen helfen Entspannungstechniken wie Tai Chi oder Yoga dabei, ruhiger zu werden und mit den Belastungen des Alltags entspannter umzugehen.