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Veröffentlicht am 4. November 2021 - 16:20 Uhr

1. Überblick

Bei der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel erhöht. Typische Symptome sind zum Beispiel vermehrtes Wasserlassen und Juckreiz.

Eine umgangssprachliche Bezeichnung für Diabetes lautet «Zuckerkrankheit». Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen von Diabetes mellitus: Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2. Darüber hinaus gibt es noch einige seltenere Diabetes-Sonderformen und den sogenannten Schwangerschaftsdiabetes.

Typische Symptome von Diabetes sind starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, Heisshunger und Juckreiz. Die Betroffenen fühlen sich abgeschlagen und sind anfälliger für Infekte. Wer ein paar Dinge beachtet (vor allem hinsichtlich der Ernährung) und seinen Blutzuckerspiegel regelmässig kontrolliert, kann trotz Zuckerkrankheit ein beschwerdefreies Leben führen und Folgeschäden vermeiden beziehungsweise hinauszögern.

Diabetes Typ 1 beginnt meist in der Kindheit oder Jugend und führt zu ausgeprägten Beschwerden. Bei Diabetes mellitus Typ 1 werden bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, die das Hormon Insulin bilden. Insulin ist notwendig, damit Zucker, der über die Nahrung ins Blut gelangt, von Zellen aufgenommen und verarbeitet werden kann. Ist zu wenig Insulin vorhanden, verbleibt der Zucker im Blut – der Blutzuckerspiegel steigt.

Diabetes Typ 2 betrifft dagegen meist ältere Menschen, weswegen er früher häufig Altersdiabetes genannt wurde. Dieser Begriff ist jedoch nicht ganz korrekt, denn zunehmend sind auch jüngere Personen und sogar Kinder betroffen. Beim Typ-2-Diabetes schüttet die Bauchspeicheldrüse zwar meist ausreichend Insulin aus. Die Körperzellen, die Insulin brauchen, um den Zucker aus dem Blut aufzunehmen, reagieren jedoch zunehmend unempfindlicher auf das Insulin. Auch in diesem Fall steigt der Blutzuckerspiegel. Diabetes mellitus Typ 2 kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen und erst durch Spätschäden auf sich aufmerksam machen.

Personen mit Diabetes Typ 1 müssen regelmässig Insulin spritzen, um den Mangel dieses Hormons auszugleichen. Menschen mit Diabetes Typ 2 können dagegen zu Beginn der Erkrankung viel bewirken, indem sie ihren Lebensstil ändern: Mit viel Bewegung, einem normalen Körpergewicht und einer ausgewogenen Ernährung können diese Diabetiker den Blutzuckerspiegel stabilisieren. Bei weit fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes helfen Medikamente in Tablettenform oder auch Insulinspritzen, den Blutzucker zu regulieren.

Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Blutgefässe, sodass infolge des Diabetes Folgeerkrankungen auftreten können. Zu solchen Spätschäden der Zuckerkrankheit gehören:

 

Durch geschädigte Nerven kann es infolge eines Diabetes mellitus zu Taubheitsgefühlen und Gefühlsstörungen kommen. Um solchen Beschwerden vorzubeugen, ist eine lebenslange und sorgfältige Blutzuckereinstellung entscheidend.

Eine übergewichtige Seniorin spritzt sich Insulin in den Arm.

Je nach Schwere und Art der Diabetes-Erkrankung, kann das regelmässige Spritzen von Insulin notwendig sein.

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2. Definition von Diabetes mellitus

Unter dem Begriff Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) werden Störungen des Zuckerstoffwechsels zusammengefasst, die den Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöhen (Hyperglykämie).

Der Zuckerstoffwechsel

Traubenzucker (Glukose) ist einer der wichtigsten Energielieferanten des Körpers. Vor allem das Gehirn ist auf die konstante Zufuhr von Glukose angewiesen, aber auch Muskelzellen und Fettzellen decken so ihren Energiebedarf. Der Körper versucht stets, einen ausreichenden Vorrat an Glukose im Blut bereitzuhalten. Die Konzentration von Zucker im Blut – der Blutzuckerspiegel – schwankt zwar im Tagesverlauf. Bei Gesunden bleibt er dabei aber in einem Bereich von circa 80 bis 120 mg/dl.

Glukose gelangt über die Nahrung ins Blut. Damit die Zellen Zucker aufnehmen und verarbeiten können, ist das Hormon Insulin notwendig. Insulin wird in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Nach einer Mahlzeit schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin ins Blut aus. Das Insulin dockt an bestimmten Rezeptoren der Zellen an und sorgt dafür, dass die Zellwände die mit der Nahrung aufgenommene Glukose passieren lassen. Ohne Insulin verbleibt die Glukose im Blut – und kann somit die Zellen auch nicht mit Energie versorgen. In diesem Fall steigt der Blutzuckerspiegel.

Insulin ist nicht nur für die Verwertung von Glukose von Bedeutung. Es spielt auch für den Fettstoffwechsel eine wichtige Rolle sowie für die Verwertung von Aminosäuren, aus denen sich Eiweisse zusammensetzen.

Häufigkeit

Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Die meisten von ihnen sind Typ-2-Diabetiker, nur etwa fünf Prozent der Diabetiker haben Typ-1-Diabetes. Auch in der Schweiz steigt besonders die Zahl der Typ-2-Diabetiker. Dies hängt in erster Linie damit zusammen, dass immer mehr Menschen übergewichtig sind – und Übergewicht ist der entscheidende Risikofaktor für Diabetes Typ 2.

In der Schweiz sind schätzungsweise rund 500'000 Menschen an Diabetes mellitus erkrankt, etwa 40'000 davon an Typ 1. In Europa gibt es rund 59 Millionen Diabetiker. Weltweit sind derzeit mindestens 463 Millionen Menschen von Diabetes mellitus betroffen. Man muss allerdings von weitaus mehr Diabetikern ausgehen: Da Typ-2-Diabetes aber lange Zeit keine Beschwerden bereitet, wissen viele Betroffene oft gar nicht, dass sie bereits erkrankt sind.

Beim Typ-2-Diabetes sind zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr mehr Männer als Frauen betroffen, ab dem 70. Lebensjahr kehrt sich das Verhältnis jedoch um. Generell steigt die Wahrscheinlichkeit, Diabetes zu bekommen, mit dem Alter. Mittlerweile erkranken jedoch immer häufiger auch jüngere Menschen an Diabetes mellitus Typ 2.

Historisches

Der Begriff Diabetes geht auf das griechische Wort für «hindurchlaufen» oder «hindurchfliessen» zurück. Diese Bezeichnung als «Durchfluss» bezieht sich auf ein typisches Symptom beim Diabetes – einen verstärkten Harndrang. Im 1. Jahrhundert nach Christus war der griechische Arzt Aretaios einer der ersten, die den Begriff Diabetes entsprechend verwendeten.

«Mellitus» ist lateinisch und bedeutet «honigsüss». Der Name Diabetes mellitus, also «honigsüsser Durchfluss» oder auch «Zuckerharnruhr», bezieht sich auf den süssen Geschmack des Urins von Diabetikern. Heute mag das befremdlich klingen – doch das Schmecken des Urins war bis in die Neuzeit ein gängiger Test auf verschiedene Erkrankungen: Der englische Mediziner und Naturphilosoph Thomas Willis stellte die Diagnose Diabetes im 17. Jahrhundert anhand dieser Geschmacksprobe.

Im 19. Jahrhundert beschrieb der Berliner Pathologe Paul Langerhans inselartige Zellformationen in der Bauchspeicheldrüse des Menschen, die heute auch seinen Namen tragen: langerhanssche Inseln. Allerdings wusste Langerhans noch nicht, dass diese Zellen das Hormon Insulin produzieren. 1893 gelang es dann Joseph Freiherr von Mering und Oskar Minkowski, den Zusammenhang zwischen der Bauchspeicheldrüse und Diabetes mellitus nachzuweisen. Sie entfernten einem Hund die Bauchspeicheldrüse – kurz darauf entwickelte das Tier typische Symptome für einen Diabetes mellitus.

1921 gelang es den kanadischen Physiologen Sir Frederick Grant Banting und Charles Herbert Best, Insulin aus Bauchspeicheldrüsengewebe zu gewinnen. Sie spritzten das Insulin einem Hund, dem zuvor die Bauchspeicheldrüse operativ entfernt worden war, und behandelten so dessen Diabetes. Einige Zeit später wurden auch Menschen mit dieser Therapie behandelt. 1935 beschrieb Roger Hinsworth, dass es zwei unterschiedliche Formen der Erkankung geben muss.

1955 konnten Wissenschaftler die chemische Struktur des Hormons Insulin aufklären. 1976 gelang es Forschern erstmals, aus Schweinen gewonnenes Insulin in für den Menschen verträgliches Insulin (Humaninsulin) umzuwandeln. Seit 1979 wird Humaninsulin synthetisch hergestellt.

Allerdings sind auch heute noch längst nicht alle Fragen bezüglich der Ursachen und vor allem der Folgen des Diabetes mellitus geklärt.

3. Ursachen von Diabetes mellitus

Die beiden Hauptformen von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Diabetes mellitus Typ 1 und Diabetes mellitus Typ 2, haben unterschiedliche Ursachen.

Diabetes mellitus Typ 1

Etwa fünf Prozent der Diabetiker sind Typ-1-Diabetiker. Da Diabetes mellitus Typ 1 in der Regel in einem jugendlichen Alter beginnt, wurde er früher auch als juveniler (jugendlicher) Diabetes bezeichnet. Heute geht man davon aus, dass es sich bei Diabetes mellitus Typ 1 um eine Autoimmunerkrankung handelt:  Das Immunsystem greift bestimmte Zellen (die Betazellen) der Bauchspeicheldrüse an und schädigt diese auf Dauer. Die Betazellen sind normalerweise dafür zuständig, Insulin zu produzieren. Über Jahre hinweg nehmen die Zellen jedoch so starken Schaden, dass sie kaum noch oder gar Insulin mehr herstellen.

Erst wenn etwa 80 Prozent der insulinbildenden Zellen zerstört sind, macht sich Diabetes mellitus Typ 1 durch typische Symptome wie einen erhöhten Blutzuckerspiegel bemerkbar. Denn dann kann das Organ den Insulinmangel nicht mehr ausgleichen. Zwischen Beginn der Erkrankung und Auftreten der ersten Symptome können Wochen, Monate oder auch Jahre vergehen.

Letztlich handelt es sich bei Diabetes Typ 1 also wahrscheinlich um eine Autoimmunerkrankung. Warum das Immunsystem bei manchen Menschen fälschlicherweise die eigene Bauchspeicheldrüse angreift, weiss man bislang nicht sicher. Die Erkrankung scheint jedoch durch bestimmte Erbfaktoren und möglicherweise weitere Einflüsse wie Virusinfektionen begünstigt zu werden.

Erbfaktoren

Bis auf wenige Ausnahmen tragen alle Personen mit Diabetes mellitus Typ 1 spezielle Merkmale auf ihren weissen Blutkörperchen (sog. HLA-Merkmale DR 3 und DR 4). Deshalb nimmt man an, dass genetische Veranlagungen für Diabetes mellitus Typ 1 als Ursachen eine Rolle spielen. Allerdings gibt es viele Menschen, die diese Erbinformationen tragen und dennoch nicht an der Zuckerkrankheit erkranken. Die genetische Veranlagung scheint demnach nur ein Faktor von mehreren zu sein. Dennoch kann diese Veranlagung dazu führen, dass in manchen Familien Typ-1-Diabetes gehäuft auftritt.

Hat der Vater Diabetes mellitus Typ 1, besteht für die Kinder ein Risiko von 5 Prozent, ebenfalls zu erkranken. Hat die Mutter Typ-1-Diabetes, besteht für die Kinder ein Erkrankungsrisiko von 2,5 Prozent. Haben beide Eltern Typ-1-Diabetes, steigt das Risiko auf etwa 20 Prozent. Das heisst, die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 1:5, dass ein gemeinsames Kind ebenfalls an Diabetes erkrankt.

Virusinfektion und Umwelteinflüsse

Möglicherweise erhöhen auch andere Faktoren das Erkrankungsrisiko für Diabetes mellitus Typ 1, zum Beispiel Virusinfekte wie Mumps oder Röteln oder auch Umwelteinflüsse. Welche Rolle solche Faktoren tatsächlich spielen, muss jedoch erst noch genauer untersucht werden.

Diabetes mellitus Typ 2

Ursache für Diabetes mellitus Typ 2 ist eine gestörte Insulinwirkung an den Zellen. Normalerweise schüttet die Bauchspeicheldrüse nach einer Mahlzeit Insulin aus. Bei Typ-2-Diabetes reagieren die Zellen jedoch gar nicht oder nicht mehr ausreichend auf das Insulin – sie sind insulinresistent geworden.

Insulin ist jedoch notwendig, um Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufzunehmen. Das funktioniert bei Typ-2-Diabetes früher oder später nicht mehr. Deshalb steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit stark an.

Nimmt man auf lange Sicht regelmässig zu viel Nahrung zu sich, kann das Ursache für solch eine Insulinresistenz sein. Denn als Folge kommt es meist zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Die hohe Konzentration an Glukose im Blut lässt gleichzeitig den Insulinspiegel steigen. Als Reaktion darauf sinkt die Zahl der Insulinrezeptoren auf den Körperzellen. Die Zellen werden dadurch weniger empfindlich für Insulin.

Obwohl die Bauchspeicheldrüse Insulin bilden und ins Blut abgeben kann, reicht aufgrund der Insulinresistenz bei Diabetes mellitus Typ 2 die Menge nicht mehr aus, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Es entwickelt sich ein sogenannter relativer Insulinmangel: Es ist zwar Insulin vorhanden, die Zellen reagieren jedoch nicht ausreichend darauf.

Um den Blutzuckerspiegel dennoch niedrig zu halten, arbeitet die Bauchspeicheldrüse auf Hochtouren, um noch mehr Insulin herzustellen. Die Inselzellen werden dabei so stark belastet, dass sie nach Jahren schliesslich erschöpfen und der Blutzuckerspiegel steigt.

In Europa ist Diabetes mellitus Typ 2 aufgrund ungesunder Ernährungsgewohnheiten sehr häufig. Etwa 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind stark übergewichtig und die Fettsucht (Adipositas, d.h. ein BMI von 30 oder höher) gilt als entscheidender Risikofaktor für die Entstehung dieser Form des Diabetes mellitus.

Die Mehrzahl der an Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankten weist körperliche Veränderungen auf, die unter dem Begriff metabolisches Syndrom oder «Wohlstandssyndrom» zusammengefasst sind. Dazu gehören:

 

  • starkes Übergewicht, vor allem am Bauch
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Bluthochdruck
  • gestörter Zuckerstoffwechsel (zunächst gestörte Glukosetoleranz, später Diabetes mellitus Typ 2)

Auch die erbliche Veranlagung spielt eine Rolle: Kinder, von denen ein Elternteil Diabetes mellitus Typ 2 hat, erkranken später mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 50 Prozent ebenfalls.

4. Symptome von Diabetes mellitus

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sind die Symptome davon abhängig, wie weit die Erkrankung bereits vorangeschritten ist. Zu Beginn treten sowohl bei Diabetes mellitus Typ 1 als auch bei Diabetes mellitus Typ 2 keine oder nur geringfügige Symptome auf.

Typische Diabetes-Symptome sind:

 

 

Ob bei Diabetes Typ 1 Symptome auftreten, hängt davon ab, wie weit die Schäden an der Bauchspeicheldrüse bereits fortgeschritten sind. Denn dadurch erhöhen sich allmählich die Blutzuckerwerte und es kommt zu einer Überzuckerung. Das kann zu verschiedenen Beschwerden führen.

Bei extrem hohen Blutzuckerwerten kann es zu Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusstlosigkeit, dem sogenannten diabetischen Koma, kommen. Während der Bewusstlosigkeit riecht die Ausatemluft typischerweise nach Aceton (also ähnlich wie Nagellackentferner oder sehr reifes Obst).

Diabetes mellitus Typ 2 verläuft zu Beginn häufig völlig beschwerdefrei und zeigt keine Symptome, so dass er oftmals nur zufällig bei Routineuntersuchungen festgestellt wird. Viele Typ-2-Diabetiker haben so geringe Symptome, dass sie lange keine Veranlassung sehen, einen Arzt aufzusuchen. Daher wird ein Typ-2-Diabetes oft erst spät erkannt – manchmal erst dann, wenn die Erkrankung bereits Spätschäden hervorgerufen hat. Zu solchen Folgeschäden zählen beispielsweise Erkrankungen der Netzhaut, der Nerven oder der Nieren, aber auch Erektionsstörungen oder Menstruationsstörungen.

Folgeerkrankungen

Damit es bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 nicht zu Spätfolgen kommt, ist es wichtig, die Stoffwechselerkrankung ausreichend zu behandeln und die Blutzuckerwerte in normalen Bereichen zu halten. Denn über Jahre erhöhte Blutzuckerwerte können im Körper Schäden verursachen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.

Egal, bei welchen Organen es zu gesundheitlichen Problemen kommt, Ursache sind letztlich immer Schäden an den Kapillaren. Also jenen kleinsten Blutgefässen, welche Organe und andere Körpergewebe mit Blut versorgen. Nehmen diese Gefässe Schaden, können sie nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe transportieren.

Zu möglichen Folgeschäden zählen beispielsweise Erkrankungen

  • der Netzhaut (diabetische Retinopathie),
  • der Nieren (diabetische Nephropathie) oder
  • der Nerven (diabetische Neuropathie).

Entstehen solche Gefässschäden im Auge, können sie im schlimmsten Fall das Sehvermögen bis hin zur Erblindung beinträchtigen. Schäden in den Nieren können die Nierenfunktion beeinträchtigen und bis zum Nierenversagen führen.

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können jene Kapillaren schädigen, die die kleinen Nervenfasern in Armen und Beinen versorgen. Meist mach sich solch eine diabetische Neuropathie zuerst an den Füssen oder in den Beinen bemerkbar.

Durch die Nervenschäden kann es zu Missempfindungen kommen, etwa in Form von Kribbeln («Ameisenlaufen»), Schmerzen oder Brennen. Auch die Temperaturwahrnehmung kann sich verändern, sodass ein Gefühl kalter Füsse entsteht.

Das beeinträchtigte Schmerzempfinden kann dazu führen, dass man kleine Verletzungen oder Druckstellen (meist an den Füssen) nicht so schnell bemerkt. Als Folge kann es zu schlecht heilenden Wunden kommen, insbesondere am Fuss (sog. diabetischer Fuss).

5. Diagnose von Diabetes mellitus

Bei Verdacht auf Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann der Arzt die Diagnose anhand der Blutzuckerwerte stellen. Die Zuckerkonzentration im Urin kann ebenfalls einen Hinweis geben. Für die Diagnose benötigt der Arzt Blutproben – und zwar einmal nüchtern (meist morgens) und einmal später am Tag. Mithilfe des HbA1c-Wertes lässt sich ausserdem feststellen, ob der Blutzucker in den letzten 8 bis 12 Wochen zu hoch war.

6. Therapie von Diabetes mellitus

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist die Therapie unter anderem davon abhängig, ob ein Typ-1- oder ein Typ-2-Diabetes vorliegt. Mithilfe der Therapie lässt sich der Blutzuckerspiegel gut einstellen, sodass Diabetiker ein beschwerdefreies Leben führen können. Auch mögliche Folgeerkrankungen und Spätschäden von Diabetes kann man mit einer konsequenten Blutzuckerkontrolle vermeiden. Wer an Diabetes erkrankt ist, kann selbst massgeblich dazu beitragen, dass die Therapie erfolgreich ist. Er sollte die wesentlichen Therapiemassnahmen in seinem persönlichen Alltag dauerhaft und eigenverantwortlich umsetzen. Diabetes mellitus ist zwar nicht heilbar – wer jedoch aktiv und verantwortungsvoll mit seiner Erkrankung umgeht und auf seinen Körper achtet, kann ohne grosse Einschränkung normal leben.

Typ-1-Diabetes

Bei Diabetes mellitus Typ 1 ist das Ziel der Therapie, den Blutzuckerspiegel in normale Bahnen zu lenken und das Risiko für Folgeerkrankungen zu senken.

Beim Typ-1-Diabetes liegt ein absoluter Insulinmangel vor, das heisst, dass die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin bildet. Da Insulin jedoch lebensnotwendig ist, müssen Betroffene es lebenslang spritzen.

Eine Therapie mit speziellen Medikamenten (sog. oralen Antidiabetika, OAD) ist bei Typ-1-Diabetes unwirksam. Der Grund: OAD sollen die Insulinausschüttung der Inselzellen erhöhen. Diese Zellen haben beim Typ-1-Diabetes jedoch ihre Funktion verloren.

Insulin kann man mithilfe spezieller Insulinpens unter die Haut (subkutan) spritzen. Also mit füllhalterähnlichen Injektionsgeräten, die das Insulin in vorgefertigten Patronen enthalten. Per Knopfdruck kann man so die gewünschte Insulindosis spritzen.

Eine kontinuierliche Insulinzufuhr ist dagegen nur mithilfe einer sogenannten Insulinpumpe möglich. Diese mit Insulin gefüllten Dosiergeräte sind etwa so gross wie eine Zigarettenschachtel und werden ständig am Körper getragen.

Die Insulinpumpe gibt über eine unter der Haut liegende Kanüle regelmässig eine bestimmte voreingestellte Insulinmenge ab. Darüber hinaus erlaubt sie es, vor den Mahlzeiten eine Extradosis Insulin abzurufen (Bolus).

Es gibt zwar Geräte, die kombiniert den Blutzuckerwert messen und Insulin verabreichen können. Bislang muss man die abzugebende Insulinmenge aber noch nach der Menge der gegessenen Kohlenhydrate errechnen und den Blutzucker auch selbst messen.

Typ-2-Diabetes

Ziel der Therapie bei Diabetes mellitus Typ 2 ist es, den Blutzuckerspiegel in normale Bahnen zu lenken und das Risiko für mögliche Folgeerkrankungen zu senken.

Bei Diabetes mellitus Typ 2 gibt es ein breiteres Therapie-Spektrum: Häufig liegt Diabetes mellitus Typ 2 eine ungesunde Ernährungsweise zugrunde – und damit verbunden auch Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas).

Wird Typ-2-Diabetes rechtzeitig erkannt, kann man den gestörten Glukosestoffwechsel in vielen Fällen noch ohne Medikamente normalisieren. Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten ist hier das A & O. Dazu gehört vor allem:

 

  • Abbau von Übergewicht
  • ausreichend körperliche Bewegung
  • ausgewogene Ernährung

Reichen diese Massnahmen nicht aus, um den Blutzuckerspiegel entscheidend zu senken, können zusätzlich Medikamente (sog. orale Antidiabetika) helfen. Ist die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse schliesslich erschöpft oder wirken die Tabletten nur unzureichend, kann eine Insulintherapie erforderlich sein, um die Blutzuckerwerte ausreichend zu senken.

Stufentherapie bei Typ-2-Diabetes

Je nachdem, wie weit der Typ-2-Diabetes fortgeschritten ist, können verschiedene Therapiestufen nötig sein. Wichtiger Baustein der Behandlung ist eine eingehende Schulung des Betroffenen.

 

Stufe 1

Stufe 1 ist die sogenannte Basistherapie. Sie kommt ohne Medikamente aus. Hier geht es vor allem darum, den bisherigen Lebensstil zu verändern und insgesamt gesünder zu leben.

Betroffene stellen zunächst ihre Ernährungsweise um und werden ausführlich geschult. Das Ziel ist es, Gewicht zu verlieren und die Blutfettwerte zu verbessern. Bewegung, Rauchverzicht und ein vernünftiger Umgang mit Alkohol gehören ebenfalls zum Therapieplan.

Nach 3 bis 6 Monaten überprüft man den Erfolg der Basistherapie anhand des HbA1c-Wertes. Werden alle vereinbarten Therapieziele erreicht, erübrigt sich die nächste Therapiestufe meist und man muss keine Medikamente einnehmen. Sind die Werte immer noch zu hoch, wird die Diabetes-Therapie erweitert.

Stufe 2

Reichen die Massnahmen in Stufe 1 nicht aus, verschreibt die Ärztin zusätzlich zur Basistherapie ein Diabetesmittel, das den Blutzuckerspiegel senkt. Meist handelt es sich um den Wirkstoff Metformin. Er gilt vor allem für Übergewichtige als Mittel der Wahl.

Bei Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen, kann man auf andere Wirkstoffe ausweichen. Dazu zählen zum Beispiel Insulin und Sulfonylharnstoffe wie der Wirkstoff Glibenclamid. Nach weiteren 3 bis 6 Monaten erfolgt eine erneute Kontrolle des HbA1c-Wertes.

Stufe 3

Sinkt der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend, verordnet der Arzt zusätzlich ein zweites Medikament. Alternativ zu einer Zweifachkombination kommt auch eine alleinige Therapie mit Insulin infrage. Ob die Behandlung erfolgreich ist, überprüft der Arzt nach 3 bis 6 Monaten anhand des HbA1c-Wertes.

Stufe 4

Bei Therapiestufe 4 kommen weiter angepasste Insulin- und Kombinationstherapieformen zum Einsatz.

Antidiabetika (Diabetesmittel)

Wenn die Blutzuckerwerte trotz Umstellung der Lebensgewohnheiten nicht zufriedenstellend sind, müssen Typ-2-Diabetiker auf sogenannte Antidiabetika (Diabetesmittel) zurückgreifen. Es gibt eine Reihe verschiedener Antidiabetika, wie zum Beispiel

  • Biguanide,
  • Sulfonylharnstoffe,
  • Alpha-Glukosidasehemmer,
  • Gliptine,
  • Glinide,
  • Glitazone oder
  • Inkretinmimetika.

Medikamente, die die Zuckeraufnahme aus dem Darm verzögern

Alpha-Glukosidasehemmer: Alpha-Glukosidasehemmer wie Acarbose und Miglitol verhindern, dass Glukosemoleküle im Darm aufgespalten und ins Blut aufgenommen werden. Beide Medikamente verzögern die Glukoseaufnahme im Darm und verhindern so den starken Blutzuckeranstieg nach den Mahlzeiten. Sie lassen sich mit vielen anderen Diabetesmitteln kombinieren. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes und einer Niereninsuffizienz sind sie jedoch möglicherweise nicht geeignet.

Sulfonylharnstoffe

Sulfonylharnstoffe wie die Wirkstoffe Glibenclamid, Gliquidon oder Glimepirid erhöhen die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Häufig wirkt die Therapie mit Sulfonylharnstoffen bei Typ-2-Diabetes zunächst gut. Mit fortschreitender Erkrankung, wenn die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zunehmend erschöpft sind, lässt ihre Wirkung in der Regel jedoch nach. Dann muss der Diabetiker zusätzlich Insulin spritzen.

Wenn Diabetiker Sulfonylharnstoffe einnehmen, müssen sie auf eine regelmässige Ernährung achten, da ohne Kohlenhydratzufuhr gefährliche Unterzuckerungen (sog. Hypoglykämien) entstehen können.

Betroffene mit Typ-2-Diabetes und einer Niereninsuffizienz haben durch Sulfonylharnstoffe zudem generell ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerung. Bei ihnen sollten Medikamente aus dieser Wirkstoffgruppe nur mit Vorsicht verschrieben werden.

Biguanide

Biguanide verbessern die Glukoseverwertung in den Zellen, zum Beispiel in der Muskulatur. Zusätzlich hemmen sie die körpereigene Herstellung von Glukose (sog. Glukoneogenese) aus anderen Stoffwechselprodukten wie Eiweissen. Ein bekannter Vertreter der Biguanide ist Metformin. Bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern ist Metformin das Mittel erster Wahl. Menschen mit schweren Nierenerkrankungen dürfen Biguanide nicht einnehmen.

Glinide

Glinide wie Repaglinid oder Nateglinid steigern wie die Sulfonylharnstoffe die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse. Ihr Wirkmechanismus ist jedoch ein anderer. Dennoch spricht man bei diesen Medikamenten von Sulfonylharnstoff-Analoga.

Glinide senken den Zuckerspiegel zwar weniger stark als die Sulfonylharnstoffe, ihre Wirkung setzt dafür schneller ein. Man nimmt sie unmittelbar vor dem Essen ein und sie können je nach Grösse der Mahlzeit dosiert werden. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht so stark. Wie die Sulfonylharnstoffe können auch die Glinide nur wirken, solange die Inselzellen noch in der Lage sind, Insulin herzustellen.

Glitazone

Glitazone (Thiazolidindione) erhöhen die Insulinempfindlichkeit im Leber-, Muskel- und Fettgewebe und senken so den Blutzuckerspiegel. Sie heissen daher auch Insulin-Sensitizer (engl. to sensitize = empfindlich machen). Auf die eigentliche Insulinausschüttung haben sie keinen Einfluss. In der Schweiz werden Glitazone entweder separat oder in Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Metformin verschrieben.

Die Wirkstoffe Troglitazon und Rosiglitazon sind in der Schweiz nicht mehr im Handel. Troglitazon ist lebertoxisch. Bei Rosiglitazon deuten Studien darauf hin, dass der Wirkstoff das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Weiter im Handel ist Pioglitazon. Studien deuten allerdings darauf hin, dass sich unter der Therapie mit Pioglitazon das Risiko für Blasenkrebs erhöhen könnte.

Gliptine

Die Wirkstoffe Sitagliptin und Vildagliptin zählen zur Gruppe der Gliptine. Sie hemmen ein Enzym namens DPP-4 und werden deshalb auch DDP-4-Inhibitoren genannt.

DDP-4 baut normalerweise das Hormon GLP-1 ab. GLP-1 zählt zu den sogenannten Inkretinen, einer Gruppe bestimmter Darmhormone, die den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Inkretine regulieren die Insulinfreisetzung und bewirken unter anderem, dass die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nach dem Essen mehr Insulin ausschütten, noch ehe die Blutzuckerwerte steigen.

Gliptine setzen dort an und unterstützen diesen Effekt. Sie werden in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Metformin eingesetzt, wenn diese nicht ausreichend wirken.

Inkretinmimetika

Exenatid und Liraglutid sind Wirkstoffe, die die Wirkung von Inkretin nachahmen. Sie werden deshalb auch Inkretinmimetika genannt. Eine andere Bezeichnung für diese Wirkstoffgruppe lautet GLP-1-Rezeptoragonisten.

Inkretinmimetika steigern die Sekretion von Insulin und hemmen zugleich die Sekretion von Glukagon, einem Hormon, das den Blutzuckerspiegel steigern kann.

Diabetiker-Schulung

Schulungen für Menschen mit Diabetes werden von zahlreichen Stellen angeboten, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. Über die verschiedenen Kursangebote können niedergelassene Ärzte, Diabetes-Ambulanzen von Kliniken, Selbsthilfegruppen und Diabetes-Schwerpunktpraxen informieren.

Bei der recht umfangreichen Schulung lernen Betroffene viel über ihre Erkrankung und die Behandlung – beispielsweise

 

  • seinen Blutzuckerspiegel zu messen,
  • mit Medikamenten umzugehen (z.B., wie man Insulin verabreicht),
  • wie eine angemessene Ernährung und Lebensführung aussehen sollte,
  • wie man Folgeschäden vermeiden kann.

Folgeerkrankungen vermeiden

Um Gefässschäden durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zu vermeiden, ist es bei Diabetes mellitus besonders wichtig, auch andere Risikofaktoren auszuschalten. Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen müssen ebenso engmaschig kontrolliert und konsequent behandelt werden wie der erhöhte Blutzucker. Nur durch eine solche umfassende Therapie kann man das Risiko für Diabetes-Spätfolgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. Die Therapieziele müssen Ärztin und Diabetikerin jedoch immer individuell, zum Beispiel abhängig von dem Alter und möglichen Begleiterkrankungen, vereinbaren.

Mögliche Therapieziele bei Typ-2-Diabetes sind:

 

  • HbA1c niedriger als 53 mmol/l (bzw. 7 %)
  • Nüchtern-Blutzucker niedriger als 120 mg/dl (bzw. 6,7 mmol/l)
  • schwere Unterzuckerungen vermeiden
  • LDL-Cholesterin niedriger als 100 mg/dl (bzw. 2,6 mmol/l)
  • HDL-Cholesterin bei Männern höher als 40 mg/dl, bei Frauen höher als 50 mg/dl
  • Triglyceride niedriger als 150 mg/dl (bzw. 1,7 mmol/l)
  • Blutdruck niedriger als 150/80 mmHg
  • Rauchverzicht
  • Normalgewicht erreichen

Unterzuckerung

Ein Blutzuckerwert unterhalb von 50 mg/dl (2.8 mmol/l) gilt als schwere Unterzuckerung, einer sogenannten Hypoglykämie. Besonders das Gehirn ist auf den Energielieferant Glukose im Blut angewiesen. Ist nicht mehr ausreichend Glukose vorhanden, kann es deshalb dazuführen, dass der Betroffene bewusstlos wird und einen hypoglykämischen Schock erleidet. Dieser Zustand ist lebensgefährlich.

Ein zu niedriger Blutzucker entsteht meist durch eine Überdosierung von Insulin, oder der Diabetiker hat versäumt, nach der Einnahme der Medikamente ausreichend zu essen. Auch Erkrankungen, körperliche Belastung oder starker Alkoholkonsum können der Auslöser sein.

Eine beginnende Unterzuckerung kündigt sich durch Beschwerden an, die Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ein Warnzeichen sein sollten. Mögliche Warnzeichen einer Hypoglykämie sind:

 

Bei Verdacht auf eine Unterzuckerung sollten Sie ihren Blutzucker kontrollieren und bei Bedarf schnell verwertbare Kohlenhydrate (z.B. Traubenzucker, Obstsäfte oder zuckerhaltige Limonade) zu sich nehmen.

7. Verlauf von Diabetes mellitus

Prognose

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) hängen Verlauf und Prognose davon ab, wie gut es gelingt, den Blutzuckerspiegel dauerhaft in normalen Grenzen zu halten. Wird die Zuckerkrankheit rechtzeitig erkannt und behandelt, ist die Prognose sehr gut. Ein schlecht eingestellter Diabetes hingegen senkt nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung.

Jeder Diabetiker kann jedoch eine Menge selbst dazu beitragen, um die Prognose deutlich zu verbessern. Konsequentes Blutzucker-Messen und eine entsprechende Behandlung mit Antidiabetika beziehungsweise Insulin sind dabei neben einem gesunden Lebensstil das A & O.

Der Verlauf von Diabetes wird hauptsächlich durch die Folgeerkrankungen bestimmt, die aufgrund der immer mehr geschädigten Gefässe entstehen können. Häufige Todesursachen als Folge von Diabetes mellitus sind Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen.

Die Prognose eines Typ-2-Diabetes kann jeder Betroffene entscheidend verbessern, wenn er Übergewicht abbaut. Wer seine Ernährung dauerhaft umstellt und körperlich aktiv ist, kann sein Gewicht abbauen und damit den Diabetes-Verlauf positiv beeinflussen.

Kontrolluntersuchungen

Regelmässige Arztbesuche sind für Betroffene mit Diabetes mellitus besonders wichtig. Dabei können Sie alle Fragen bezüglich der Therapie und der Erkrankung besprechen und Unklarheiten aus dem Weg räumen. Bei jedem Termin kontrolliert die Ärztin Gewicht, Blutdruck und Blutzucker.

In regelmässigen Abständen misst sie zusätzlich den sogenannten HbA1c-Wert, mit dessen Hilfe sie den Blutzuckerspiegel der letzten acht bis zehn Wochen beurteilen kann. Zudem überprüft sie die Blutfettwerte. Menschen mit Diabetes sollten besonders auf ihre Füsse achten und diese am besten täglich kontrollieren. Druckstellen, Hautrisse, Blasen oder andere Verletzungen an den Füssen sind bei Diabetes nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Schon kleinste Verletzungen können auf einen beginnenden diabetischen Fuss hinweisen. Solche Stellen sollten Betroffene deshalb dem Arzt zeigen. Eine sanfte und regelmässige Fusspflege sowie bequeme Schuhe tragen bei Diabetes zur Fussgesundheit bei.

Diabetes und Ernährung

Für alle Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine gesunde Ernährung von grosser Bedeutung. Besonders Typ-2-Diabetiker können davon profitieren. Häufig ist Übergewicht eine Ursache der Erkrankung. Eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung bei Diabetes senken das Körpergewicht, was die Zuckerwerte im Blut verbessert. Viele Diabetiker können auf diese Weise ihren Tabletten- beziehungsweise Insulinbedarf deutlich reduzieren.

 

Eine ausgewogene Ernährung, wie sie für ansonsten gesunde Menschen empfohlen wird, ist auch bei Typ-2-Diabetes gesund. Um in Beruf und Freizeit leistungsfähig zu sein, benötigt ein Diabetiker genauso wie ein Gesunder eine Kalorienzufuhr, die der körperlichen Tätigkeit angemessen ist.

Wichtig ist, dass die mit der Nahrung zugeführten Kalorien vom Körper auch verwertet werden können und Kohlenhydrate nicht einfach über den Harn wieder ausgeschieden werden. Mehrere kleine Mahlzeiten (fünf bis sechs) am Tag sind besser als wenige grosse, weil der Insulinbedarf dann geringeren tageszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Geeignete Nahrungsmittel

Als günstig hat sich bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) eine fettarme Kost in Verbindung mit viel Obst und Gemüse erwiesen. Vollkornprodukte setzen Kohlenhydrate langsamer frei und tragen auf diese Weise dazu bei, einen gleichmässigeren Blutzuckerspiegel zu gewährleisten.

Nahrungsmittel, die leicht verdauliche Kohlenhydrate wie reine Glukose oder Haushaltszucker enthalten, sollten Sie dagegen eher meiden, da sie den Blutzuckerspiegel rasch in die Höhe treiben. Allerdings müssen Diabetiker keinesfalls gänzlich darauf verzichten. Süssstoffe wie Saccharin, Cyclamat und Aspartam sowie Zuckeraustauschstoffe wie Fructose und Xylit können dabei helfen, den Zuckerkonsum einzuschränken. Notwendig sind sie für eine ausgewogene Diabetes-Ernährung jedoch nicht.

Eiweiss (fettarmes Fleisch, Fisch, pflanzliche Eiweisse z.B. aus Hülsenfrüchten und Getreide) können bei Diabetikern 10 bis 20 Prozent der Gesamtkalorienmenge ausmachen – falls jedoch die Nieren geschädigt sind, sollte man weniger Eiweiss zu sich nehmen.

Der Alkoholkonsum sollte auf ein gelegentliches Glas niedrigprozentigen Alkohol wie Bier oder Wein beschränkt bleiben – Alkohol erhöht die Gefahr einer Unterzuckerung. Daher sollten Sie zu Bier oder Wein immer ein paar Kohlenhydrate zu sich nehmen, am besten mit langsamen Kohlenhydraten wie aus Vollkornbrot.

Sport bei Diabetes

Vor allem für Menschen mit Diabetes Typ 2 ist Sport neben einer gesunden Ernährung eine gute Möglichkeit, aktiv etwas gegen ihre Zuckerkrankheit zu tun. Körperliche Aktivität steigert den Energieverbrauch, macht die Zellen empfindlicher für Insulin und senkt so den Blutzucker. Wichtig ist, dass man sich regelmässig und über eine gewisse Zeit bewegt (mind. 3 Mal in der Woche für 30 Minuten). Um an Gewicht zu verlieren, ist Sport unersetzlich. Allgemein gilt: Jedes Kilo Übergewicht, das man abnimmt, verbessert den Blutzucker, bremst den Diabetes und beugt Folgeschäden vor.

Allerdings sollten Sie es mit der körperlichen Betätigung nicht übertreiben. Wenn Sie Diabetes haben und normalerweise eher wenig Sport treiben, dann aber plötzlich körperliche Höchstbelastungen anstreben, können Sie Ihrer Blutzuckereinstellung sogar eher schaden als nützen. Unter Umständen kann der Gesamtstoffwechsel entgleisen. Am besten besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche sportlichen Aktivitäten und welche Belastungsintensität für Sie gesund sind.

Wenn sich bei Ihnen bereits Folgeschäden des Diabetes mellitus wie koronare Herzkrankheit, Niereninsuffizienz oder ein diabetischer Fuss zeigen, können sich Einschränkungen in der Wahl der Sportart ergeben. Es findet sich jedoch in aller Regel für jeden und jede eine geeignete Sportart.

Wenn Sie Insulin spritzen oder sogenannte Sulfonylharnstoffe einnehmen, haben Sie ein gewisses Risiko für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) beim Sport. Bei kurz dauerndem Training können Sie der Unterzuckerung mit einer Zwischenmahlzeit vorbeugen. Bei länger dauernden Anstrengungen müssen Sie zusätzlich die Insulindosis anpassen. Sportler kennen durch viele Messungen und Erfahrung die Reaktion ihres Körpers auf Belastungen meist sehr genau – sie können ihren Zuckerstoffwechsel auch unter extremen Bedingungen recht gut kontrollieren.

Arbeiten mit Diabetes

Menschen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) können – abgesehen von der notwendigen Therapie – ein weitgehend normales und beschwerdefreies Leben führen. Arbeiten mit Diabetes ist daher prinzipiell kein Problem.

Wegen des Risikos einer plötzlichen Unterzuckerung gibt es lediglich einige Einschränkungen bei Berufen mit hohem Gefahrenpotenzial. Zu den Berufen, die wegen Fremd- oder Eigengefährdung nicht ausgeübt werden dürfen, gehören beruflicher Waffengebrauch (Soldaten, Polizisten) und Überwachungsfunktionen mit alleiniger Verantwortung für das Leben anderer (z.B. Fluglotsen).

Ausserdem sind solche Arbeiten nicht geeignet, bei denen Diabetiker sich nicht um ihre Stoffwechselkontrolle kümmern können. So könnten Arbeiten, die eine Schutzkleidung erfordern (z.B. gegen Hitze, Kälte oder im Labor), problematisch sein, weil der Körper möglicherweise nicht direkt zugänglich ist.

Wer eine gute Stoffwechselkontrolle nachweisen kann – in Form eines ärztlichen Gutachtens – darf jedoch auch kritische Berufe ausüben. Dazu gehören die Tätigkeit als Taucher, Arbeiten in grosser Höhe (z.B. Dachdecker), Arbeiten an gefährlichen Maschinen (z.B. Hochöfen) und Arbeiten im Schicht- oder Nachtdienst.

Beim Führerschein gelten für Diabetiker gewisse Einschränkungen: Die Blutzuckereinstellung muss stabil sein, es dürfen keine anderen verkehrsrelevanten Stoffwechselerkrankungen und keine wesentliche Blutzuckererhöhung vorliegen. Auch das individuelle Unterzuckerungsrisiko muss ermittelt werden. Bei uneinsichtigen Patienten besteht eine ärztliche Meldepflicht.

Wenn Sie Diabetes mellitus haben, sollten Ihre Kollegen darüber Bescheid wissen, um im Notfall die richtigen Massnahmen ergreifen zu können. Diabetiker sind berechtigt, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, der einen besseren Kündigungsschutz, Extra-Urlaub und steuerliche Vergünstigungen ermöglicht.

Krankheit und Diabetes

Ob Durchfall, Fieber oder Erkältung: Wenn Betroffene mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) krank werden, ist eine sorgfältige Blutzuckerkontrolle besonders wichtig. Denn bei Erkrankungen kann der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten. Um dies zu vermeiden, sollten Sie im Krankheitsfall einige Tipps beachten:

 

  • Testen Sie Ihren Blutzuckerspiegel alle drei bis vier Stunden. Auch die regelmässige Messung des Ketongehalts im Urin kann sinnvoll sein.
  • Spritzen Sie weiterhin regelmässig Insulin beziehungsweise nehmen Sie Ihre Medikamente ein.
  • Bei Appetitlosigkeit ist es wichtig, trotzdem etwas Nahrung zu sich zu nehmen, um nicht zu unterzuckern.
  • Gerade bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall sollten Sie darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um eine Austrocknung (Dehydration) zu vermeiden. Ideal ist es, wenn Sie stündlich ein Glas zuckerfreie Flüssigkeit wie Wasser oder Tee aufnehmen. Ist der Blutzuckerspiegel zu niedrig, kann dieser durch die Zugabe von 15 Gramm Kohlenhydraten im Getränk angehoben werden. Dies entspricht beispielsweise etwa einem halben Glas Apfelsaft.
  • Suchen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt auf, insbesondere, wenn Sie...
    • ...unter Erbrechen oder Durchfall über mehr als sechs Stunden hinweg leiden.
    • ...länger als einen Tag Fieber haben.
    • ...merken, dass das Fieber steigt.
    • ...Ihren Blutzuckerspiegel nicht unter Kontrolle haben.
    • ...Bauchschmerzen haben.
    • ...über einen Zeitraum von mehr als zwölf Stunden hinweg Keton im Urin feststellen oder wenn der Ketonspiegel ansteigt.
  • Wenn Sie frei verkäufliche Medikamente einnehmen möchten, fragen Sie vorher Ihren Arzt, da einige Arzneimittel den Blutzuckerspiegel beziehungsweise den Blutdruck erhöhen können.

8. Vorbeugen gegen Diabetes mellitus

Einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 1 kann man nicht vorbeugen. Der Typ-2-Diabetes lässt sich jedoch recht zuverlässig verhindern, wenn seine Hauptursache ausgeschaltet wird: das Übergewicht.

Der beste Weg, um abzunehmen, besteht auch für Betroffene mit Diabetes darin, ihre Ernährung dauerhaft umzustellen: Ratsam ist eine Ernährung, die ausgewogen und abwechslungsreich ist, ohne teure Spezialprodukte auskommt, dauerhaft eingehalten werden kann und schmeckt. Sie sollte aus viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten bestehen und eher wenig Fett und schnell verdauliche Kohlenhydrate beinhalten.

Ernährung ist aber nur ein Faktor, um den Pfunden den Kampf anzusagen. Wer abnehmen und sein Normalgewicht halten will, muss fast zwangsläufig auch seine körperliche Aktivität steigern. Optimal sind etwa eine halbe Stunde Ausdauertraining pro Tag mit niedriger bis mittlerer Intensität. Auch Krafttraining mit Muskelaufbau ist beim Abnehmen hilfreich, da Muskelzellen sogar in Ruhe viele Kohlenhydrate verbrennen.

Mit viel Bewegung können Sie Diabetes mellitus Typ 2 gezielt vorbeugen: Das Training macht die Zellen zudem empfänglicher für Insulin. So können Sie den Teufelskreis aus erhöhter Insulinkonzentration im Blut und Insulinresistenz der Zellen durchbrechen.

Wenn die Gewichtsabnahme aus eigener Kraft nicht gelingt, lohnt es sich, den Arzt um Hilfe zu bitten. Er kann auf vielfältige Weise helfen: vom guten Rat bis zur medikamentösen Behandlung eines starken Übergewichts.

Stress scheint die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes zu fördern. Vielen Menschen helfen Entspannungstechniken wie Tai Chi oder Yoga dabei, ruhiger zu werden und mit den Belastungen des Alltags entspannter umzugehen.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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