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1. Überblick

Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie) beschränkt sich nicht nur auf bestimmte Stellen des Kopfs, vielmehr fallen die Haare über den Kopf verteilt aus. Diese Form des Haarausfalls unterscheidet sich von dem typischen Erscheinungsbild des anlagebedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie) und des kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata).

Diffuser Haarausfall hat vielfältige Ursachen, die von Krankheiten über falsche Ernährung und Stress bis hin zu hormonellen Umstellungen und Nebenwirkungen mancher Medikamente reichen.

Mit jedem Haar, das verloren geht, wächst meist auch der Leidensdruck der Betroffenen – denn der natürliche Kopfschmuck hat auch Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein. Die Grenze zwischen natürlichem und therapiebedürftigem Haarausfall verläuft fliessend. Mitunter befürchten Menschen an Haarausfall zu leiden, obwohl sie pro Tag gar nicht zu viele Haare verlieren. Der optische Eindruck – etwa ein Waschbecken voller Haare – täuscht oft, da schon ein paar lange Haare schnell nach Mehr aussehen.

Da diffuser Haarausfall die Folge sehr unterschiedlicher Störungen und Umstände sein kann, fragt der Arzt im sogenannten Anamnesegespräch eine ganze Reihe möglicher Auslöser ab. Betroffene sollten versuchen, alle in den letzten Monaten eingenommenen Medikamente, erlittene Krankheiten und Änderungen ihres Lebens- und Ernährungsstils aufzuzählen. Dies hilft dem Arzt, mögliche Ursachen aufzuspüren und in der Folge behandeln zu können.

Die Therapie des diffusen Haarausfalls besteht im Wesentlichen darin, die Ursache zu beseitigen oder zu behandeln. Meist wachsen die Haare dann innerhalb von sechs Monaten wieder nach.

Eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise beugen Mangelzuständen vor, die zu einer diffusen Alopezie führen können.

2. Definition

Unter Haarausfall versteht man einen übermässigen Ausfall der Kopfhaare (Effluvium capillorum). Dabei wird laut Definition die Rate von 100 ausgefallenen Haaren pro Tag überschritten. Besteht eine sichtbare Haarausdünnung oder Kahlheit, bezeichnen Mediziner dies als Alopezie. Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie) ist eine bestimmte Form von Haarausfall, bei der die Haare über den gesamten Kopf verteilt ausfallen.

Ein gewisses Mass an Haarverlust ist völlig natürlich, da sich das einzelne Haar ständig erneuert. Jede Haarwurzel durchläuft einen Zyklus aus Wachstum (Anagenphase), Übergangsphase (Katagenphase) und Ruhephase mit anschliessendem Haarausfall (Telogenphase). In der Anagenphase wird das Haar über die Wurzel mit Nährstoffen versorgt, in der Katagenphase stoppt die Versorgung und am Ende der Ruhephase wird das Haar schliesslich abgestossen. Befinden sich durch eine Verkürzung der vorangegangenen Phasen gleichzeitig überdurchschnittlich viele Haarfollikel in der Telogenphase, kommt es zu Haarausfall. Diffuser Haarausfall ist eine Form des telogenen Effluviums, Effluvium lautet der Fachbegriff für Haarausfall.

Diffuse Alopezie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein mögliches Symptom oder mögliche Folge einer zugrundeliegenden Krankheit, von bestimmten Medikamenten oder hormonellen Umstellungen (zum Beispiel Entbindung, Absetzen der Pille).

3. Ursachen

Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie) kann eine Reihe unterschiedlicher Ursachen haben. Er führt in den meisten Fällen zu einer Ausdünnung der Haare, die gleichmässig über den Kopf verteilt ist. Diffuser Haarausfall kann sich in Folge einer Krankheit entwickeln, ebenso können eine schlechte Ernährung, äussere Einwirkungen und Medikamente diffusen Haarausfall nach sich ziehen.

Diffuser Haarausfall kann im Einzelnen folgende Ursachen haben:

Krankheiten

 

Äussere Umstände

 

  • Stress
  • Operation, Vollnarkose

Hormonelle Umstellungen

Diffuser Haarausfall entwickelt sich bei manchen Frauen etwa zwei bis vier Monate nach der Geburt eines Kindes. Der Grund ist ein relativer Östrogenmangel: Während der Schwangerschaft steigt die Konzentration an weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen) im Blut und die Haare wachsen stärker als sonst. Fällt die Konzentration nach der Entbindung wieder auf das Ausgangsmass zurück, verlieren viele Frauen die überschüssig produzierten Haare. Auch der Stress während der Entbindung trägt dazu bei. Dies ist ein natürlicher Prozess ohne Krankheitswert – es besteht kein Anlass zur Sorge.

Auch das plötzliche An- oder Absetzen von Medikamenten zum Empfängnisschutz (z.B. die Pille) oder der Beginn der Wechseljahre (Klimakterium) kann aufgrund eines Mangels an Östrogen zu diffuser Alopezie führen. Bei der Einnahme von Verhütungsmitteln kann die künstlich gesteigerte Konzentration an männlichen Hormonen (Androgenen) bewirken, dass sich minderwertige Haaren bilden und die Haarwurzeln letztlich absterben.

Ernährung

 

  • einseitige, ungesunde Ernährung
  • radikale Diäten
  • Eiweissmangel
  • Eisenmangel
  • sehr selten: Vitamin-, Biotin- oder Zinkmangel

Medikamente

Auch eine Reihe von Medikamenten kann zu diffuser Alopezie führen, Beispiele sind:

 

  • Chemotherapie mit sog. Zytostatika
  • ACE-Hemmer (u.a. gegen hohen Blutdruck)
  • Betablocker (u.a. gegen hohen Blutdruck)
  • Lipidsenker (Arzneimittel, die die Blutfette senken)
  • Retinoide (Vitamin-A-Abkömmlinge wie der Wirkstoff Acitretin)
  • Schilddrüsenmedikamente (sog. Thyreostatika)
  • Heparin (Blutverdünner)
  • Antibiotika
  • Schmerzmittel (Analgetika)

Strahlentherapie und Strahlenunfälle

Diffuser Haarausfall kann durch Strahlentherapie oder Strahlenunfälle entstehen. Der Verlust von Haaren wird durch ionisierende Strahlung ab etwa 3,8 Gray ausgelöst. Gray steht für die sogenannte Energiedosis, das ist die Energiemenge, die beim Durchstrahlen von Materie auf ein bestimmtes Volumen übertragen beziehungsweise von der Materie absorbiert wurde. Nach ungefähr zwei Monaten wachsen die Haare in der Regel nach. Eine Strahlendosis über 8 Gray kann zu einem dauerhaften Verlust der Haare führen.

4. Symptome

Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie) ist nicht auf bestimmte Stellen des Kopfs beschränkt.

Im Gegensatz zum kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata), bei dem abgegrenzte, kahle Hautbereiche entstehen, wird das Haar beim diffusen Haarausfall über den Kopf verteilt insgesamt dünner.

Auch wenn beim diffusen Haarausfall sehr viele Haare ausgehen können, führt diese Form des Haarausfalls in aller Regel nicht zur völligen Kahlheit oder Glatzenbildung.

5. Diagnose

Die Diagnose Haarausfall wird anhand eines einfachen Tests gestellt: Wenn regelmässig täglich mehr als 100 Haare ausfallen und ein erheblicher Unterschied zwischen der Anzahl abgestossener und nachgewachsener Haare besteht, liegt Haarausfall vor. Ein paar Haare im Waschbecken, in der Bürste oder auf dem Kopfkissen belegen demnach noch keinen Haarausfall.

Um die Ursache des diffusen Haarausfalls (diffuse Alopezie) zu bestimmen, stellt der Arzt beispielsweise Fragen zur Dauer, Art und Lokalisation des Haarausfalls sowie zu möglichen weiteren Beschwerden. Diese ausführliche Erfassung der Krankengeschichte (Anamnese) ist ein erster Schritt zur Diagnosestellung.

Angaben zu folgenden Punkten können ebenfalls hilfreich sein, um eine genaue Diagnose zu stellen:

 

  • bestehende oder ausgeheilte internistische Erkrankungen, wie zum Beispiel Infektionen (Grippe), Schilddrüsen- oder Autoimmunerkrankungen
  • derzeitig oder in den letzten Monaten eingenommene Medikamente
  • Haarausfall im Kreise der Familie, z.B. erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
  • Diäten oder radikale Ernährungsumstellung
  • bei Frauen ggf. Frage nach Verhütungsmethoden und Wechseljahren
  • Häufigkeit der Haarwäsche und verwendete Haarwaschmittel

In der klinischen Untersuchung überprüft der Arzt die Menge der Haare, ihre Struktur und den Haaransatz und untersucht die Follikel. Zudem stellt er fest, wie die Kopfhaut beschaffen ist und wie fest die Haare verankert sind.

Mithilfe von Laborbefunden (z.B. durch Ermitteln der Konzentration der Geschlechtshormone im Blut, der Schilddrüsenhormone oder der Eisenwerte im Blut) kann die Verdachtsdiagnose diffuser Haarausfall untermauert werden.

6. Therapie

Für eine erfolgreiche Behandlung des diffusen Haarausfalls (diffuse Alopezie) gilt es zunächst, mögliche Ursachen aufzuspüren und diese auszuräumen. Diffuser Haarausfall bessert sich meist durch die Therapie der zugrundeliegenden Krankheit beziehungsweise das Absetzen der verursachenden Medikamente. Das normale Haarwachstum setzt dann innerhalb eines halben Jahrs wieder ein.

Auch wenn diffuser Haarausfall in den meisten Fällen nicht zwingend eine Therapie erfordert, so ist der Leidensdruck für die Betroffenen häufig hoch. Aus diesem Grund kann eine unterstützende Behandlung mit Wirkstoffen wie Minoxidil (2%ige Lösung zum Auftragen auf die Kopfhaut) durchaus angebracht sein.

Umstritten ist, ob auch eine gezielte Nahrungsergänzung einen positiven Therapieeffekt haben kann. Von bestimmten Substanzen – etwa Zink, Folsäure oder Vitamin C – kann der Körper keine Depots bilden, so dass er auf eine regelmässige Versorgung angewiesen ist. Mangelsituationen können daher zu diffusem Haarausfall führen. Tatsächlich kommt es in der Bevölkerung der westlichen Industrienationen aber nur selten zu relevanten Mangelerscheinungen, weshalb Haarausfall in den allermeisten Fällen nicht auf eine unzureichende Versorgung mit diesen Nährstoffen zurückgeführt werden kann.

7. Verlauf

Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie) zeigt von Person zu Person einen sehr unterschiedlichen Verlauf. Er hängt massgeblich von der zugrundeliegenden Ursache, etwa einer Krankheit, ab: Lässt sich der Grund für den Haarausfall beseitigen, vergeht das Problem mit dem Haarverlust oft recht schnell.

In den meisten Fällen wachsen die Haare dann innerhalb von sechs Monaten wieder nach.

8. Vorbeugen

Eine gesunde Ernährung trägt dazu bei, einem diffusen Haarausfall (diffuse Alopezie) durch Mangel an Eiweiss, Eisen oder anderen Nährstoffen vorzubeugen.

Wer seinen Haaren mit einer ausgewogenen, gesunden Ernährung etwas Gutes tun möchte, sollte auf Vollkorn- und Milchprodukte zurückgreifen, reichlich Obst und Gemüse essen und sich ausreichend mit Vitaminen versorgen.