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Divertikel im Darm

(Divertikulose)
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1. Überblick

Divertikel im Darm treten vor allem im Dickdarm auf. Treten mehrere Divertikel im Dickdarm auf, sprechen Mediziner von einer Divertikulose. Divertikel im Dünndarm sind dagegen eher selten und verursachen meist keine Beschwerden.

Als Divertikel bezeichnet man generell alle pilz-, birnen- oder sackförmige Ausstülpungen in der Wand eines Hohlorgans, wie zum Beispiel im Darm. Divertikel können aber auch in anderen Organen auftreten, wie etwa der Harnblase oder in der Speiseröhre – sind sie in der Darmwand zu finden, handelt es sich entsprechend um Darmdivertikel.

Vor allem bei älteren Menschen kommen Divertikel im Darm häufig vor. Wiederholte Verdauungsprobleme in Form von Verstopfung und Blähungen deuten bei ihnen darauf hin, dass Divertikel im Darm vorliegen könnten. Eine Divertikulose kann der Arzt deshalb meist bereits an dem Beschwerdebild und einer Blutuntersuchung ablesen. Eine Darmspiegelung sichert die Diagnose. Häufig bereitet eine Divertikulose jedoch kaum Beschwerden, weshalb sie oft unbemerkt bleibt. Eine beschwerdefreie Divertikulose erfordert keine Therapie

Treten bei einer Divertikulose Beschwerden auf, werden in der Regel nur die Symptome behandelt. Zur Therapie der Beschwerden gehört vor allem eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten auf eine ausgewogene und ballaststoffreiche Kost sowie je nach Situation auch Abführmittel.

Eine Komplikation der Divertikulose ist die sogenannte Divertikulitis: Bei etwa 20 Prozent aller Betroffenen, bei denen die Divertikel im Darm bereits jahrelang bestehen, entzünden sich im Verlauf die Divertikel und es kommt zur Divertikulitis. Sie entsteht, wenn Stuhl die Divertikel verschliesst. Eine Divertikulitis macht sich durch Beschwerden wie länger anhaltende, hauptsächlich im linken Unterbauch angesiedelte, teils starke Bauchschmerzen, Verstopfung oder auch Durchfälle bemerkbar. In seltenen Fällen kann es dabei zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen Divertikelblutung kommen.

2. Definition

Divertikel im Darm sind Ausstülpungen der Darmwand und treten vor allem im Dickdarm auf. Liegen viele Darmdivertikel vor, sprechen Mediziner von einer Divertikulose.

Divertikel (lat. diverticulum = Abweg, Abweichung) sind im Grunde alle pilz-, birnen- oder sackförmige Ausstülpungen in der Wand eines Hohlorgans. Divertikel treten beispielsweise im Darm (Darmdivertikel) auf, aber auch in anderen Organen, wie zum Beispiel in der Harnblase oder in der Speiseröhre. Sie können entweder angeboren sein oder erst im Laufe des Lebens entstehen.

Experten unterscheiden echte und unechte Divertikel:

  • Echte Divertikel: Als echte Divertikel im Darm bezeichnet man Ausstülpungen aller Darmwandanteile. Sie sind in der Regel angeboren und treten einzeln auf (z.B. das sog. Meckel-Divertikel des Dünndarms).
  • Unechte Divertikel: Bei unechten Darmdivertikeln sind nur die innersten Schichten der Darmwand ausgestülpt, nämlich die Schleimhaut (Mukosa) und die darunterliegende Schicht (Submukosa). Sie werden auch als falsche Divertikel oder Pseudodivertikel bezeichnet. Unechte Divertikel im Darm sind nicht angeboren, sondern entstehen meist erst im Laufe der Zeit, sind also erworben. Herrscht innerhalb des Darms ein grösserer Druck oder ziehen bindegewebige Strukturen wie zum Beispiel Narben von aussen an der Wand des Organs, dann können schwache Stellen der Wand nachgeben, sich nach aussen wölben und somit zu einem Divertikel führen.

Die meisten Divertikel im Darm sind Pseudodivertikel.

In den Darmdivertikeln kann sich Stuhl ablagern und diese verschliessen. Die Divertikel im Darm können sich dadurch entzünden und zu einer sogenannten Divertikulitis führen.

Häufigkeit

Divertikel im (Dick-)Darm kommen bei Personen unter 40 Jahren kaum vor. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit von Darmdivertikeln stark an. Es handelt sich dabei im weiteren Sinne um eine altersbedingte Veränderung des unteren Dickdarms. In den westlichen Ländern sind etwa 60 Prozent der über 70-Jährigen von Divertikeln im Darm betroffen. In über 80 Prozent der Fälle befinden sich die Divertikel im hinteren Darmabschnitt vor dem Mastdarm, im sogenannten Sigma (oder Sigmoideum), und treten in grösserer Zahl auf. Erst wenn Darmdivertikel beim Betroffenen zahlreich vorkommen, spricht man per Definition von einer Divertikulose.

Im Gegensatz zu europäischen Ländern treten in Asien und Afrika Divertikel im Darm auch im höheren Lebensalter seltener auf: Hier sind nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung betroffen. Diese regionalen Unterschiede in der Häufigkeit führen Experten vor allem auf die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten zurück – insbesondere die eher ballaststoffarme Ernährung in den europäischen Ländern scheint eine Divertikulose bei älteren Menschen zu fördern.

3. Ursachen

Divertikel im Darm (Divertikulose) können verschiedene Ursachen haben – der genaue Entstehungsmechanismus ist aber noch nicht völlig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenspiel zwischen einem hohen Druck im Darminneren und einer Schwäche der Darmwand: In der Muskelschicht der Darmwand gibt es anatomisch bedingte Lücken, in denen die versorgenden Blutgefässe verlaufen. Der altersbedingte Abbau des Bindegewebes, das die Gefässe umgibt, macht diese Schwachstellen zusätzlich empfindlich. Steigt im Inneren des Darms der Druck – etwa durch eine ballaststoffarme Ernährung – wird die Schleimhaut durch die Lücken in der Muskelschicht gepresst, sodass ein sogenanntes Pseudodivertikel entsteht.

Eine ballaststoffarme Ernährung begünstigt auf Dauer die Entstehung von Divertikeln im Darm. Durch die geringe Menge unverdaulicher Fasern entsteht wenig Stuhl, der aufgrund des mangelnden Nachschubs nur langsam durch den Dickdarm befördert wird. Dabei muss sich die Wand des Darms stark zusammenziehen, um den wenigen Inhalt vorwärts zu bewegen. Der Druck im Inneren des Darms steigt. Während der Passage durch den Dickdarm wird vom Körper Wasser aus dem Stuhl aufgenommen, so dass die Menge des Stuhls weiter abnimmt. Eine ballaststoffarme Ernährung zählt daher bei Divertikeln im Darm beziehungsweise einer Divertikulose mit zu den möglichen Ursachen.

Der Darmabschnitt vor dem Mastdarm (Enddarm), der wegen seines S-förmigen Verlaufs nach dem entsprechenden griechischen Buchstaben Sigma oder Sigmoideum genannt wird, ist am stärksten von der Divertikelbildung betroffen. Divertikel im Darm entstehen dort vermehrt, weil die Ursachen Druck und Darmwandschwäche hier häufig zusammentreffen.

4. Symptome

Divertikel im Darm (Divertikulose) rufen in etwa 80 Prozent der Fälle keinerlei Symptome hervor. Mediziner sprechen dann von einer asymptomatischen Divertikulose. Solange keine Beschwerden auftreten, ist in der Regel auch keine Therapie erforderlich.

Bei manchen Betroffenen verursacht die Divertikulose hin und wieder Bauchschmerzen, ein Völlegefühl oder Stuhlunregelmässigkeiten wie Verstopfung, Blähungen oder Durchfälle. Erst bei Komplikationen wie Entzündungen (Divertikulitis) rufen die Divertikel im Darm schwerere Symptome wie starke Schmerzen (meist im linken Unterbauch), Fieber und Verstopfung hervor.

5. Diagnose

Divertikel im Darm (Divertikulose) erfordern eine eindeutige Diagnose, um bösartige Darmturmoren (Darmkrebs) auszuschliessen. Dazu erfragt der Arzt zunächst die genauen Beschwerden und veranlasst anschliessend verschiedene Untersuchungen.

Wiederholte Verdauungsprobleme in Form von Verstopfung und Blähungen deuten bei älteren Menschen darauf hin, dass Divertikel im Darm vorliegen können. Um andere Erkrankungen wie ein Reizdarm-Syndrom oder auch Darmtumoren auszuschliessen, wird beim Verdacht auf eine Divertikulose die Diagnose in der Regel mithilfe einer Darmspiegelung und einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln gestellt.

Divertikulitis

Liegt eine Divertikulitis vor, haben sich also Darmdivertikel entzündet, ergibt sich die Diagnose bereits aus dem meist akuten Beschwerdebild, der körperlichen Untersuchung und den Laborbefunden: Im Blut ist eine starke Erhöhung der weissen Blutkörperchen (Leukozytose) und eine erhöhte Senkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen nachweisbar. Tritt die Entzündung auf die Harnblase über, so befinden sich weisse oder rote Blutkörperchen im Urin.

Um bei einer Divertikulitis die Diagnose zu sichern, ist auch hier eine Darmspiegelung notwendig, die jedoch nur mit äusserster Vorsicht durchgeführt werden darf – denn die Darmwand ist in diesem Fall bereits stark beansprucht und möglicherweise geschädigt. Dadurch kann das Endoskop die Darmwand bei der Spiegelung leichter verletzen. Im akuten Krankheitsstadium ist eine Darmspiegelung daher nicht sinnvoll.

Anstelle der Darmspiegelung kommen beim Verdacht auf eine Divertikulitis deswegen häufig andere Untersuchungsverfahren zur Diagnose zum Einsatz, etwa eine Ultraschalluntersuchung, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

6. Therapie

Hat der Arzt beim Betroffenen zahlreiche Divertikel im Darm (Divertikulose) festgestellt, richtet sich die Therapie danach, ob Beschwerden auftreten und ob sich die Divertikel im Darm bereits entzündet haben, also eine Divertikulitis vorliegt.

Zufällig entdeckte beschwerdefreie Divertikel im Darm bedürfen keiner besonderen Therapie. Verursachen die Darmdivertikel jedoch Symptome, können Massnahmen, die den Stuhl regulieren, die Beschwerden verbessern: Divertikel im Darm lassen sich am besten mit einer kombinierten Therapie aus einer ballaststoffreichen Ernährung, reichlich trinken und ausreichend Bewegung behandeln. Ballaststoffe und viel Flüssigkeit sorgen dafür, dass die Stuhlmenge steigt und der Druck im Darm sinkt. Bewegung regt ausserdem die Darmaktivität an und sorgt so dafür, dass der Stuhl besser transportiert wird. Dadurch sinkt der Druck ebenfalls.

Eine Operation, bei der die Divertikel im Darm und gegebenenfalls auch grössere Darmabschnitte entfernt werden, ist bei einer einfachen Divertikulose normalerweise nicht nötig. Erst wenn Komplikationen wie eine Entzündung der Divertikel auftreten, kann ein operativer Eingriff erforderlich sein.

Divertikulitis

Bei einer Entzündung der Darmdivertikel (Divertikulitis) ist eine nicht-operative (konservative) oder eine operative Therapie möglich. Wie die Behandlung genau aussieht, hängt davon ab, wie schwer die Symptome der Divertikulitis sind.

Bei einer leichten Divertikulitis besteht die konservative Therapie aus einer Antibiotika-Behandlung. Zusätzlich können krampflösende Medikamente (Spasmolytika) die Divertikulitis-Therapie unterstützen und die Beschwerden lindern.

Eine schwere Divertikulitis macht eine Therapie im Spital erforderlich. Dort können mögliche Komplikationen rechtzeitig erkannt und gegebenenfalls behandelt werden. Dazu werden die Betroffenen engmaschig untersucht.

Eine Operation ist notwendig, wenn der Darm infolge der Entzündung reisst oder es zu einer starken Divertikelblutung kommt, die anders nicht gestillt werden kann. Treten Blutungen wiederholt auf oder bilden sich Verbindungsgänge zu anderen Darmabschnitten oder Organen (sog. Fisteln), ist es möglicherweise sinnvoll, die betroffenen Darmbereiche operativ zu entfernen. Manchmal ist eine Operation auch ratsam, um auszuschliessen, dass Darmkrebs vorliegt.

Divertikulitis und Ernährung

Eine wichtige Rolle bei der Divertikulitis-Therapie spielt die Ernährung. Während bei der Divertikulose viele Ballaststoffe empfehlenswert sind, ist bei einer Divertikulitis eine ballaststoffarme Ernährung wichtig. Da der Darm durch die Entzündung bei einer Divertikulitis stark geschwächt ist, wäre eine ballaststoffreiche Ernährung zu belastend. Ein hohes Stuhlvolumen, wie es durch eine ballaststoffreiche Ernährung erreicht wird, kann dann die Beschwerden noch verstärken.

Bei einer leichten Divertikulitis ist manchmal eine künstliche Ernährung sinnvoll, die bereits im Dünndarm aufgenommen wird. Bei einer schweren Divertikulitis sollten Betroffene nichts essen und Nährstoffe über eine Vene erhalten.

Nach etwa zwei bis vier Tagen sollten Betroffene mit leichter Divertikulitis keine Beschwerden mehr haben. Dann ist es ratsam, die Ernährung wieder auf ballaststoffreiche Nahrung umzustellen.

7. Verlauf

Divertikel im Darm (Divertikulose) zeigen – besonders bei gesunder Lebensweise – in der Regel einen günstigen Verlauf: Die Prognose der Darmdivertikel ist im Allgemeinen gut. Die Betroffenen erleben meist keinerlei Einschränkungen. Nur in seltenen Fällen entstehen Komplikationen, die einer chirurgischen Behandlung bedürfen. Wird eine solche Operation notwendig, sind die Betroffenen anschliessend meist beschwerdefrei.

Der Divertikulose-Verlauf lässt sich über eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung positiv beeinflussen. In vielen Fällen lassen sich hierdurch schwere Komplikationen wie eine Divertikulitis, also eine Entzündung der Divertikel, verhindern.

Komplikationen

Darmdivertikel-Komplikationen entstehen meist entzündungsbedingt: Sammelt sich Stuhl in den Divertikeln im Darm an, können sie sich entzünden – eine Divertikulitis tritt auf. Etwa 20 Prozent aller Betroffenen mit langjähriger Divertikulose bekommt eine Divertikulitis, welche damit die häufigste Divertikulose-Komplikation darstellt. Sie tritt meist mit Fieber und einem starken, anfallartigem Schmerz im linken Unterbauch in Erscheinung. Der gesamte Bauch ist dann äusserst druckempfindlich. Mitunter lässt sich der betroffene Abschnitt des Dickdarms – meist das sogenannte Sigma – durch die Haut wie eine «Walze» tasten. Als Folge einer Divertikulitis können sich Bakterien in den Divertikeln ansammeln und abgekapselte Eiterherde (Abszesse) in der Darmwand bilden.

Breitet sich die Entzündung aus, wird das umliegende Gewebe geschädigt. Darüber hinaus kann die Entzündung auch auf andere Organe wie den Dünndarm oder die Harnblase übergreifen.

Eine gefürchtete Komplikation ist der Durchbruch eines entzündeten Darmdivertikels in die Bauchfellhöhle. Der bakterienhaltige Inhalt des Divertikels ergiesst sich dann in die Bauchhöhle und verursacht eine lebensbedrohliche infektiöse Bauchfellentzündung (kotige Peritonitis). Wiederholte Entzündungen von Divertikeln führen häufig zu Vernarbungen in der Darmwand. Darmverengungen bis hin zu Verschlüssen (Ileus) können die Folge sein.

Da sich Darmdivertikel bevorzugt an Stellen bilden, an denen grössere Blutgefässe von der Muskelschicht zur Schleimhaut der Darmwand verlaufen, zählen auch Darmblutungen zu den Komplikationen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass die Gefässe bei einer Schädigung der Schleimhaut durch die Entzündungsreaktionen verletzt werden. In vielen Fällen hören die Blutungen von selbst wieder auf. Da Divertikelblutungen jedoch dazu neigen, immer wieder aufzubrechen (Rezidivbildung), sind in solchen Fällen häufig chirurgische Massnahmen zur Blutstillung beziehungsweise die operative Entfernung des Divertikels ratsam.

8. Vorbeugen

Bislang ist noch nicht im Detail geklärt, welche Ursachen Divertikel im Darm (Divertikulose) haben. Experten geht jedoch davon aus, dass durch eine ballaststoffreiche Ernährung Divertikel im Darm seltener auftreten und man ihnen dadurch vorbeugen kann. Ausreichendes Trinken und regelmässige körperliche Bewegung beeinflussen die Darmtätigkeit zusätzlich positiv.