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Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Mit zunehmendem Alter, aber auch durch eine ungesunde Lebensweise, verlieren die Gefässe an Elastizität und können sich verengen. Die Folge sind Durchblutungsstörungen, die plötzlich oder im Rahmen einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) auftreten. Doch jeder kann selbst eine Menge tun, um vorzubeugen.

Eine Durchblutungsstörung kann entweder plötzlich (akut) auftreten oder auch sehr langsam (chronisch) verlaufen. Dabei können zahlreiche Stellen im menschlichen Körper betroffen sein: Häufig sind Durchblutungsstörungen der Extremitäten (Arme oder Beine, evtl. nur Hände bzw. Finger oder Zehen), aber auch im Gehirn, Darm, Herzmuskel oder anderen Organen kann die Durchblutung gestört sein. Entsprechend können Durchblutungsstörungen unterschiedliche Symptome hervorrufen. Häufig treten Schmerzen in den entsprechenden Bereichen auf; unzureichend durchblutete Bereiche können zudem in ihrer Funktion beeinträchtigt sein oder gar absterben.

Zu den typischen Erkrankungen, die mit Durchblutungsstörungen einhergehen, gehören unter anderem die sogenannte Schaufensterkrankheit und die koronare Herzkrankheit (KHK):

  • Bei der Schaufensterkrankheit, die man auch als periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bezeichnet, sind die Beine nicht ausreichend durchblutet.
  • Die koronare Herzkrankheit ist hingegen durch eine mangelnde Durchblutung des Herzmuskels gekennzeichnet.

Durchblutungsstörungen können unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Arteriosklerose
  • Gefässverschluss (Embolie)
  • Gefässentzündung (Vaskulitis)

Ausserdem fördern Faktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes mellitus das Risiko für Durchblutungsstörungen.

Die Behandlung von Durchblutungsstörungen verfolgt zwei Ziele:

  1. die Beschwerden lindern und
  2. die zugrunde liegende Gefässerkrankung aufhalten.

Ob Letzteres gelingt, hat entscheidenden Einfluss auf den weiteren Verlauf von Durchblutungsstörungen – im schlimmsten Fall können Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch der Verlust einer Extremität die Folge einer Durchblutungsstörung sein. Daher ist es wichtig, mithilfe von ausreichend Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und dem Verzicht auf Nikotin die Wahrscheinlichkeit für eine gestörte Durchblutung zu minimieren.

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2. Definition

Durchblutungsstörungen sind – meist durch verengte oder verstopfte Arterien entstandene – Behinderungen des Blutflusses, was zu einer schlechteren Versorgung der betroffenen Körperbereiche mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut führt: Eine gute Durchblutung ist notwendig, um die Organe und Gewebe mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Darüber hinaus nimmt das Blut Substanzen auf beziehungsweise gibt diese ab, damit Organe und Gewebe optimal arbeiten können. Andere Substanzen wiederum, zum Beispiel Kohlendioxid, transportiert das Blut aus den Organen wieder ab. Grundsätzlich gilt: Je weniger Sauerstoff ein Organ erhält, desto weniger leistungsfähig ist es. Die Fähigkeit der Zellen, ohne Sauerstoff zu überleben, unterscheidet sich von Organ zu Organ, so dass sich auch eine massive Durchblutungsstörung unterschiedlich auswirkt: Während das Gehirn nur wenige Minuten ohne Sauerstoff überlebt, können Niere und Leber drei bis vier Stunden und das ruhende Herz sogar mehrere Stunden überleben.

Sauerstoffmangel entsteht, wenn ein bestimmter Bereich nicht ausreichend durchblutet ist. Wenn infolge dieser Durchblutungsstörungen ein gewisser Grad des Sauerstoffmangels erreicht, kommt es zu einer Funktionsstörung, die sich jedoch wieder zurückbilden kann – so zum Beispiel die Lähmung eines Beins. Hält der Sauerstoffmangel länger an, stirbt das betroffene Gewebe ab: Es entstehen beispielsweise ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder Raucherbein.

Durchblutungsstörungen können entweder plötzlich (akut) oder auch sehr langsam (chronisch) an jeder Stelle im Körper entstehen.

Häufigkeit

Durchblutungsstörungen zeigen mit steigendem Lebensalter eine zunehmende Häufigkeit: Bei den 60- bis 70-Jährigen beträgt sie zehn Prozent. Männer haben viermal häufiger eine gestörte Durchblutung als Frauen. Meist betrifft eine Durchblutungsstörung die Beine, seltener die Arme. Noch seltener kommt es zu Störungen der Darmversorgung oder anderen Sonderformen.

3. Ursachen

Durchblutungsstörungen können viele Ursachen haben, zum Beispiel:

Ausserdem fördern verschiedene Risikofaktoren die Entstehung von Gefässerkrankungen und somit von Durchblutungsstörungen. Zu den möglichen Ursachen für ein erhöhtes Risiko, eine Durchblutungsstörung zu entwickeln, gehören:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • erhöhte Blutfettwerte (Hypercholesterinämie und Hyperlipidämie)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Auch Übergewicht, zu wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung können unter den Ursachen für Durchblutungsstörungen zu finden sein.

Arterienverkalkung (Arteriosklerose)

Zu den häufig für Durchblutungsstörungen verantwortlichen Ursachen zählt die Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Sie tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf. Bei einer Arteriosklerose kommt es in den Blutgefässen, die das Blut vom Herz weg transportieren (d.h. in den Arterien), zur Abnutzung. Durch die Strömungsverhältnisse in den Arterien sind bestimmte Bereiche besonders betroffen, so zum Beispiel Gefässaufzweigungen. An der inneren Gefässwand (Endothel) entstehen kleinste Verletzungen, was das Immunsystem aktiviert – ähnlich wie bei einer Wunde in der Haut. Durch komplizierte biochemische Prozesse wachsen auf der Gefässinnenwand Ablagerungen, die den Durchmesser der Blutgefässe mit der Zeit immer mehr einengen. Bei langsam fortschreitenden Durchblutungsstörungen übernehmen zu Beginn kleinere, zuvor eher unbedeutende Blutgefässe die Blutversorgung. Es entstehen sogenannte Umgehungskreisläufe (Kollateralkreisläufe). Die Beschwerden treten dadurch erst verzögert ein.

Gefässverschluss (Embolie)

Zu den für Durchblutungsstörungen infrage kommenden Ursachen zählt auch der Gefässverschluss: Wenn ein Gefäss plötzlich verstopft, stört dies die Durchblutung oder macht sie unmöglich. Ein solcher akuter Gefässverschluss entsteht häufig durch eine Embolie: Dabei blockiert eingeklemmtes Material (ein sog. Embolus = ein über die Blutbahn verschleppter Blutpfropf) ein Blutgefäss. Das kann zum Beispiel ein Blutgerinnsel (Thrombose) sein, aber auch Teile von Tumorgewebe, Fruchtwasser oder auch Luft.

Gefässentzündungen (Vaskulitiden)

Selten treten Gefässveränderungen mit nachfolgenden Durchblutungsstörungen als Folge von Gefässentzündungen (Vaskulitiden) auf. Ursachen für ein entzündetes Gefäss sind wahrscheinlich Prozesse, in denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet (autoimmunologische Prozesse).

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4. Symptome

Durchblutungsstörungen äussern sich ja nach Ort und Ausmass durch unterschiedliche Symptome.

Akute Durchblutungsstörungen der Arme und Beine

Akute Durchblutungsstörungen der Arme und Beine (Extremitäten), also ein akuter Gefässverschluss in der Arterie eines Arms oder Beins, führen innerhalb weniger Minuten zu heftigsten Beschwerden im betroffenen Bereich. Die typischen Symptome nennt man auch nach ihren englischen Bezeichnungen die sechs P:

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Schleichend verlaufende, chronische Durchblutungsstörungen der Arme und Beine bezeichnet man als periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Ihre Symptome hängen vom Stadium der Durchblutungsstörung ab.

Sind die Beine infolge chronischer Durchblutungsstörungen nicht ausreichend mit Blut versorgt, müssen die Betroffenen – bedingt durch die Schmerzen in der unterversorgten Muskulatur – häufig Gehpausen einlegen. Dies kann einem Betrachter wie ein Schaufensterbummel erscheinen, bei dem die Person alle paar Meter halt macht. Der Volksmund spricht deswegen auch von der Schaufensterkrankheit, wenn die pAVK in den Beinen auftritt.

Die pAVK ist auch unter der Bezeichnung chronische arterielle Verschlusskrankheit (AVK) bekannt. Man kann diese chronischen Durchblutungsstörungen in Arm oder Bein anhand der Symptome in vier Stadien unterteilen:

  • Stadium I: Im ersten Stadium der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit bereiten die Gefässveränderungen keine Beschwerden.
  • Stadium II: Im zweiten Stadium haben die Betroffenen typischerweise Schmerzen bei Belastung, zum Beispiel beim Gehen. In Ruhe lassen die Schmerzen rasch wieder nach. Wenn man zu Fuss mehr als 200 Meter ohne Schmerzen zurücklegen kann, spricht man vom Stadium IIa. Sind es weniger als 200 Meter, liegt das Stadium IIb vor.
  • Stadium III: Im dritten Stadium ist die Durchblutungsstörung so stark, dass die Schmerzen auch in Ruhe, vor allem beim Hochlagern der Beine oder beim Liegen, auftreten. Im Sitzen ist die Durchblutung der Beine durch die Wirkung der Schwerkraft wieder besser.
  • Stadium IV: Die Durchblutungsstörungen sind im vierten Stadium bereits so schwer, dass Gewebeschäden auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium liegt ein sogenanntes Raucherbein vor. Je nachdem, wo sich der Gefässverschluss befindet, unterscheidet man drei Typen:
    • Beckentyp
    • Oberschenkeltyp
    • Unterschenkeltyp

Fast immer betreffen chronische Durchblutungsstörungen beide Beine – wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Da im Rahmen von Diabetes mellitus oft die Nerven geschädigt sind, verspüren die Betroffenen lange Zeit keine Schmerzen. Gerade bei Diabetikern gelingt es daher oft erst im Stadium IV, die periphere arterielle Verschlusskrankheit zu diagnostizieren.

Durchblutungsstörungen im Darm

Zu Durchblutungsstörungen im Darm kommt es im Rahmen der sogenannten Viszeralarterien-Insuffizienz. Die versorgenden Arterien des Darms sind hierbei verengt oder verschlossen. Typische Symptome dieser Durchblutungsstörungen im Darm sind Bauchschmerzen, die nach dem Essen auftreten. Da die Schmerzen den Appetit verringern, möchten die Betroffenen nichts essen und verlieren an Gewicht. Diese Anzeichen bezeichnet man auch als Angina intestinalis.

In seltenen Fällen können Durchblutungsstörungen im Darm zum Beispiel durch ein Blutgerinnsel entstehen, das eine Darmarterie verschliesst. Dann liegt ein sogenannter akuter Verschluss vor. Er kann lebensbedrohlich sein und verläuft in drei Stadien, bei denen verschiedene Symptome vorherrschen:

  • Stadium I (Initialstadium)
    Ein akuter Verschluss einer Darmarterie ruft zunächst heftige Bauchschmerzen hervor. Weitere mögliche Symptome im Stadium I (Initialstadium) sind Übelkeit und Erbrechen. Es können auch Anzeichen für einen Schock auftreten.
  • Stadium II (stilles Intervall)
    Einige Stunden nach dem akuten Verschluss bessern sich die Schmerzen, der Allgemeinzustand der Betroffenen verschlechtert sich im Stadium II (stilles Intervall) jedoch langsam.
  • Stadium III (Endstadium)
    Ein akuter Verschluss einer Arterie im Darm zeigt im Stadium III (Endstadium) lebensbedrohliche Symptome: Im weiteren Verlauf entwickeln sich eine Darmlähmung (paralytischer Ileus) und eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). Zudem stirbt das Darmgewebe ab (Darmgangrän).
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Durchblutungsstörungen des Herzmuskels (koronare Herzkrankheit)

Bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels liegt eine sogenannte koronare Herzkrankheit (KHK) vor. Wenn der Herzmuskel nicht ausreichend durchblutet ist, kann dies Schmerzen in der Brust (Angina pectoris) oder einen Herzinfarkt hervorrufen. Deren wichtigstes Symptom ist ein beengender und angstauslösender Brustschmerz.

Durchblutungsstörungen der Finger

Plötzlich auftretende Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen bezeichnet man als Raynaud-Syndrom. Die Symptome der Durchblutungsstörung zeigen sich, wenn die Gefässe einzelner Finger oder Zehen durch äussere Einwirkungen – zum Beispiel bei Stress oder Kälte – verkrampfen: Dann erscheinen die betroffenen Finger zunächst weiss, danach bläulich und – sobald die Durchblutung wieder einsetzt – rot. Schmerzen treten eher selten auf. Von dieser meist harmlosen Durchblutungsstörung der Finger oder Zehen sind vor allem Frauen betroffen.

Darüber hinaus können Durchblutungsstörungen der Finger Symptome verschiedener Erkrankungen sein und häufig mit Schmerzen und Gewebeschäden einhergehen. Ein Beispiel hierfür ist die progressive systemische Sklerodermie, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das Bindegewebe angreift.

5. Diagnose

Bei Durchblutungsstörungen ist eine erste, vorläufige Diagnose meist schon anhand der typischen Beschwerden und klinischen Untersuchungen möglich. Aufwendigere Untersuchungen helfen dabei, die Verdachtsdiagnose zu bestätigen, den Schweregrad der Durchblutungsstörung zu bestimmen und bisher unbekannte Risikofaktoren zu ermitteln.

Blutdruckmessung

Bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen kann der erste Schritt zur Diagnose in einer Blutdruckmessung bestehen: Weichen die Blutdruckwerte des rechten und linken Arms deutlich voneinander ab, dann weist dies auf eine einseitige Gefässveränderung hin.

Provokationstests

Bei Durchblutungsstörungen kommen zur Diagnose auch sogenannte Provokationstests zum Einsatz: Dabei testet der Arzt anhand verschiedener Bewegungsprüfungen, ob sich Symptome der vermuteten Durchblutungsstörung hervorrufen lassen, um die Störung zu beurteilen. So kann er zum Beispiel den Schweregrad der Durchblutungsstörung ermitteln, indem er untersucht, wie weit die Betroffenen ohne Schmerzen in einer bestimmten Geschwindigkeit gehen können.

Dopplersonographie der Gefässe

Bei Durchblutungsstörungen kann zur Diagnose auch eine Dopplersonographie der Gefässe beitragen. Die dopplersonographische Blutdruckmessung zum Beispiel ist eine Standarduntersuchung bei Durchblutungsstörungen der Extremitäten (pAVK). Der Betroffene ruht dabei zunächst mindestens 15 Minuten. Im Anschluss an die Ruhephase misst der Arzt unter Einsatz eines Ultraschallkopfs den sogenannten systolischen Blutdruck an beiden Oberarmen sowie an beiden Knöcheln. Der systolische Blutdruck entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und dabei Blut aus der linken Hauptkammer in den Körper presst. Der entstehende Druck überträgt sich dabei auf die Hauptschlagader (Aorta) und weiter auf die folgenden Arterien und Arteriolen.

Anhand der Werte, die die Blutdruckmessung unter Einsatz der Dopplersonographie ergeben hat, ermittelt der Arzt für die Diagnose den sogenannten Knöchel-Arm-Index (bzw. Doppler-Index), indem er das Verhältnis des gemessenen Drucks von Knöchel und Oberarm bestimmt. Ein Index unterhalb eines bestimmten Werts deutet auf eine Durchblutungsstörung hin. Auf einem ähnlichen Prinzip basiert die sogenannte Oszillographie, die es ermöglicht, genaue Puls-Volumen-Kurven aufzuzeichnen.

Angiographie

Bei Durchblutungsstörungen ist eine sogenannte Angiographie zur weiteren Diagnose hilfreich: Die Angiographie ermöglicht es, die minderdurchbluteten Arterien eingehender zu untersuchen. Dazu spritzt der Arzt ein Röntgenkontrastmittel direkt in eine Schlagader. Eine Angiographie kann mit Nebenwirkungen wie zum Beispiel einer Kontrastmittelallergie, Nachblutungen oder einem Blutgerinnsel (Thrombose) verbunden sein. Daher führt man sie nur dann durch, wenn eine operative Behandlung der Durchblutungsstörung notwendig ist.

6. Therapie

Die gegen Durchblutungsstörungen eingesetzte Therapie hat zwei Ansatzpunkte:

  1. Zum einen behandelt der Arzt die jeweiligen Beschwerden,
  2. zum anderen zielt die Behandlung von Durchblutungsstörungen darauf ab, die zugrunde liegende Gefässerkrankung aufzuhalten.

Erstmassnahmen bei akutem Gefässverschluss

Schnelle Hilfe ist nötig, wenn bei Durchblutungsstörungen ein akuter Gefässverschluss auftritt: Bei Verdacht auf einen akuten Gefässverschluss in einem Arm oder Bein ist sofort ein Arzt zu verständigen. Die weiteren Erstmassnahmen bei akutem Gefässverschluss bestehen darin, die betroffene Extremität sofort zu polstern und tief zu lagern, da dies die Durchblutung fördert. Der Arzt kann zur Therapie schmerzlindernde Medikamente und Heparin verabreichen. Heparin verdünnt das Blut. Bei einem schlechten Allgemeinzustand erhalten die Betroffenen zusätzlich Flüssigkeit über Infusionen sowie Sauerstoff. Ein akuter Gefässverschluss ist ein medizinischer Notfall, den man am besten innerhalb kürzester Zeit in einer gefässchirurgischen Klinik versorgen lässt.

Medikamente

Bei Durchblutungsstörungen können zur Therapie auch Medikamente zum Einsatz kommen. Diese Behandlung wirkt aber nur indirekt. So kann man bei einer gestörten Durchblutung beispielsweise:

  • Risikofaktoren behandeln (z.B. Diabetes mellitus)
  • Begleiterkrankungen behandeln, die sich auf die Sauerstoffversorgung des Körpers auswirken (z.B. Herz- oder Lungenerkrankungen)
  • Fliesseigenschaften des Bluts verbessern (z.B. mithilfe von sogenannten Thrombozyten-Aggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure und anderen Medikamenten wie Naftidrofuryl, Pentoxifyllin)
  • Durchblutung fördern (z.B. durch Infusionstherapien mit Prostaglandinen, durch Plasmaexpander oder durch Substanzen, welche die Flexibilität der roten Blutkörperchen steigern und so den Blutfluss erleichtern)
  • Schmerzen lindern; je nach Stärke der Schmerzen mit herkömmlichen Schmerzmitteln – sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika – oder mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opiate (z.B. Morphium)

Allgemeine Massnahmen

Bei Durchblutungsstörungen sind zur Therapie verschiedene allgemeine Massnahmen geeignet, die sich positiv auf die Durchblutung auswirken.

Medizinische Eingriffe

Je nach Verlauf können bei Durchblutungsstörungen zur Therapie verschiedene medizinische Eingriffe sinnvoll oder gar notwendig sein.

Bewegungstherapie

Ein hilfreiches Mittel gegen Durchblutungsstörungen ist die konsequente Bewegungstherapie: Wenn Sie sich gezielt bewegen, verbessern Sie Ihre Durchblutung. So können Sie zum Beispiel durch gezieltes Gehtraining zur Therapie beitragen, wenn Ihre Beine unzureichend durchblutet sind, weil Sie eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder Schaufensterkrankheit haben. Auch aktive Krankengymnastik, Schwimmtraining oder Velotraining (Ergometer) sind bei Durchblutungsstörungen der Beine sehr wirksam.

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Physiotherapie durch Bäder

Neben dem Bewegungstraining sind bei Durchblutungsstörungen im Rahmen einer Physiotherapie auch bestimmte Bäder geeignet, da sie sich positiv auf die Durchblutung auswirken: Dazu zählen das Kohlensäurebad und warm aufsteigende Armbäder. Wechselwarme Bäder sind nur als Therapie gegen arterielle Durchblutungsstörungen im Frühstadium geeignet.

Entfernen eines Blutpfropfs (Embolektomie)

Falls ein über die Blutbahn verschleppter Blutpfropf (Embolus) für die Durchblutungsstörung verantwortlich ist, besteht die Therapie darin, den Pfropf unter örtlicher Betäubung zu entfernen. Diesen medizinischen Eingriff nennt man auch Embolektomie.

Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen (Raynaud-Syndrom)

Bei Durchblutungsstörungen der Finger oder Zehen (Raynaud-Syndrom) ist es ratsam, vor Beginn einer Therapie zunächst festzustellen, ob eine Erkrankung hinter der gestörten Durchblutung steckt – und wenn ja, diese zu behandeln. Wenn Sie vom Raynaud-Syndrom betroffen sind (wenn sich also z.B. Ihre Finger bei Stress oder Kälte weiss, dann bläulich und später rot verfärben), ist es wichtig, dass Sie Kälte und Nikotin möglichst meiden. Zudem ist es hilfreich, eine Entspannungstechnik zu erlernen, so zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. In schweren Fällen kann es sinnvoll sein, den Sympathikusnerv operativ zu durchtrennen (sog. transaxilläre, transthorakale Sympathektomie), denn: Der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems und verengt unter anderem Gefässe.

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Dehnung des Gefässes (Gefässdilatation)

Vor allem wenn bei Durchblutungsstörungen kurzstreckige Gefässverschlüsse vorliegen, eignet sich zur Therapie eine Dehnung des betroffenen Gefässes (sog. Gefässdilatation) von innen. Bei diesem medizinischen Eingriff kommt ein Ballonkatheter zum Einsatz. Nachdem der Arzt das Gefäss mit dem Ballon aufgedehnt hat, kann er möglicherweise eine Drahthülse (Stent) einsetzen, die das Gefäss langfristig offen hält.

Blutverdünnung (Lysetherapie)

Wenn bei Durchblutungsstörungen frische Blutgerinnsel vorliegen, ist in manchen Fällen eine medikamentöse Therapie zur Blutverdünnung (Lysetherapie) geeignet: Hierbei kommen bestimmte blutverdünnende Medikamente zum Einsatz, die das Blutgerinnsel auflösen sollen – sogenannte Fibrinolytika. Der Arzt spritzt das Medikament in eine Vene oder direkt in das betroffene Gefäss. Die Lysetherapie erhöht allerdings die Blutungsgefahr, sodass eine intensive Überwachung der Betroffenen nötig ist.

Operation

Bei manchen Durchblutungsstörungen ist zur Therapie eine Operation erforderlich. Zu einem wichtigen Operationsverfahren zählt die Ausschälplastik (Desobliteration). Der Operateur legt dabei den jeweiligen Gefässabschnitt frei und entfernt die Substanzen, die für den Verschluss verantwortlich sind. Nach dem Eingriff verschliesst er die Arterie mit einem sogenannten Patch. Ausserdem ist es möglich, mit einem Bypass eine "Umleitung" um die verengte Stelle zu bilden.

Ist bei Durchblutungsstörungen im Arm oder Bein eine Extremität durch eine solche Operation nicht mehr zu retten, ist zur Therapie ihre Amputation notwendig.

Bei Durchblutungsstörungen des Darms gilt: Je schwerer die Symptome sind, umso rascher ist zur Therapie eine Operation nötig, um den Blutfluss wiederherzustellen. Bei einem akuten Gefässverschluss stirbt das Darmgewebe ab (Darmgangrän), was unbehandelt zum Tod führt. Bei einer Operation ist es zum Beispiel möglich, den geschädigten oder bereits abgestorbenen Darmteil zu entfernen, die Arterie zu rekonstruieren oder beide Techniken zu kombinieren.

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7. Verlauf

Durchblutungsstörungen können einen plötzlichen (akuten) oder auch sehr langsamen (chronischen) Verlauf zeigen. Je nachdem, in welchem Bereich des Körpers die Durchblutung gestört ist, treten unterschiedliche Beschwerden auf. Wie Durchblutungsstörungen weiter verlaufen, hängt in erster Linie davon ab, ob es gelingt, die auslösenden Ursachen zu beseitigen.

Gefässschäden bei Durchblutungsstörungen, die als Folge einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) entstanden sind, bilden sich nicht mehr zurück. Es ist jedoch möglich, die Arteriosklerose zu stoppen oder ihren fortschreitenden Verlauf zu verlangsamen, indem man die Risikofaktoren wie

minimiert. Bleiben die Risikofaktoren bestehen oder hat die Erkrankung schon ein fortgeschrittenes Stadium erreicht, so kann es im weiteren Verlauf zum Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen. In seltenen Fällen kann es bei Durchblutungsstörungen der Arme oder Beine erforderlich sein, die betroffene Extremität zu amputieren – wenn man jedoch rechtzeitig vorbeugt, muss es dazu nicht kommen.

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8. Vorbeugen

Durchblutungsstörungen können Sie vorbeugen, indem Sie darauf achten, Risikofaktoren zu vermeiden. So ist es zum Beispiel empfehlenswert, dass Sie:

  • mit dem Rauchen aufhören,
  • Übergewicht abbauen,
  • für ausreichend Bewegung sorgen und
  • sich gesund und ausgewogen zu ernähren.

Darüber hinaus ist es zum Vorbeugen von Durchblutungsstörungen sinnvoll, dass Sie Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, durch die es zu einer gestörten Durchblutung kommen kann, entsprechend behandeln (lassen).

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