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1. Überblick

Wer unter Stimmstörungen (medizinisch: Dysphonie) leidet, hat Schwierigkeiten bei der Stimmerzeugung. Die Stimme ist bei Stimmstörungen in unterschiedlichem Ausmass verändert und kann von rau über heiser bis piepsig klingen.

Die Ursachen der Dysphonie können dabei in organischen Schäden – zum Beispiel am Kehlkopf – liegen. Aber auch die Art und Weise wie man seine Stimme benutzt (usogene Ursache) und psychologische Ursachen können zu einer Dysphonie führen. Mediziner sprechen dann von funktionellen Stimmstörungen. Funktionell bedeutet, dass die Dysphonie keine organischen Ursachen hat. Manchmal können aus einer Fehlbelastung der Stimmbänder auch organische Schäden entstehen: sogenannte Stimmbandknötchen. Diese sind aber in der Regel harmlos. Bei Jungen treten teilweise in der Pubertät beim Stimmwechsel (Stimmbruch) Stimmstörungen (sog. Mutationsfistelstimme) auf. Die Stimme sollte in dieser Zeit deshalb möglichst geschont werden.

Die Diagnose von Stimmstörungen lässt sich mithilfe verschiedener Untersuchungen rasch stellen – die Suche nach den genauen Ursachen dauert aber mitunter länger. Die Stimme des Betroffenen gibt dem Arzt bereits erste Hinweise, dass eine Dysphonie vorliegen könnte. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt befragt den Patienten ausserdem zum Beispiel nach seinem Beruf, möglichen Allergien oder Medikamenten. So kann er mögliche Ursachen der Dysphonie erkennen. Weitere Untersuchungen wie eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) können die Diagnose sichern und helfen bei der Suche nach organischen Ursachen.

Therapeutisch stehen, je nach Ursache, sowohl ein operativer Eingriff als auch konservative Methoden (d.h. ohne OP) zur Auswahl. Eine wichtige Behandlungsform ist dabei immer die Stimmtherapie. In Stimm- und Atemübung lernen Personen mit Dysphonie, ihre Stimme richtig zu nutzen und nicht zu überlasten. Die Prognose kann bei Stimmstörungen sehr unterschiedlich ausfallen, behandelt nehmen sie jedoch meist einen positiven Verlauf.

2. Definition

Zu den Stimmstörungen (Dysphonie) zählen alle Störungen der Stimmerzeugung, die ihre Ursache in organischen Schädigungen der Stimmwerkzeuge (z.B. Kehlkopf) haben oder durch deren falschen Gebrauch hervorgerufen werden (usogene Ursache). Ausserdem können psychologische Ursachen zu einer Dysphonie führen. Verwendet ein Mediziner den Ausdruck funktionelle Stimmstörung, dann sind damit alle Dysphonien gemeint, denen keine organischen Ursachen zu Grunde liegen. Aufgrund der Stimmstörungen verändert sich die Qualität der Stimme, welche von schwach über rau bis angestrengt, zitternd oder hauchig klingen kann. Auch Tonlagenänderungen oder ein kompletter Ausfall der Stimme sind möglich.

Eine Dysphonie kann bei Kindern wie bei Erwachsenen auftreten. Dabei unterscheiden Mediziner, ob die Schwierigkeiten bei der Stimmbildung dauerhaft oder nur zeitweilig vorliegen, und ob sie belastungsabhängig sind oder auch unabhängig von Belastungen der Stimme auftreten. Es gibt verschiedene Schweregrade von Stimmstörungen: geringgradig, mittelgradig und hochgradig dysphon (heiser, rau) und aphon (stimmlos).

Anatomie

Der Kehlkopf (griechisch lárynx, láryngos = Kehle, larynein = gurren) hat beim Menschen drei Hauptaufgaben:

  • Lauterzeugung: Der Kehlkopf erfüllt eine wesentliche Aufgabe bei der Erzeugung der Stimme. Der Kehlkopf enthält zwei Stimmlippen, deren freie Ränder die Stimmbänder bilden. Beim Sprechen treten die Stimmlippen zusammen und verschliessen die Stimmritze fast vollständig (Phonationsstellung). Durch den Luftstrom bei der Ausatmungsbewegung können die Stimmlippen in Schwingung gebracht werden, wobei Töne entstehen. Je grösser die Spannung und je dünner und kürzer die schwingende Lippe ist, desto höher ist der entstehende Ton.
  • Aspirationsschutz: Der Kehldeckel schützt beim Schlucken davor, dass Nahrung oder Fremdkörper in die Luftröhre gelangen – bzw. eingeatmet (aspiriert) werden.
  • Hustenreflex: Das Schliessen der Stimmritze trägt dazu bei, dass sich der Druck im Brustkorb erhöht. Durch den Druckausgleich beim Wiederöffnen der Luftröhre entsteht Husten als Schutzmechanismus.

Während der Phase des Stimmwechsels (Stimmbruch) kommt es vor allem bei jugendlichen Männern zu einer normal auftretenden, also physiologischen, Stimmstörung. In der Pubertät nimmt der Kehlkopf stark an Grösse zu, wodurch die Stimmlippen länger werden und die Stimme tiefer wird. Durch den starken Wachstumsschub und die hormonelle Umstellung kommt es zu den typischen Auffälligkeiten. Die zwischen hoch und tief schwankende Stimme sollte in dieser Zeit weitestgehend geschont werden.

3. Ursachen

Eine Dysphonie (Stimmstörungen) kann organische oder funktionelle Ursachen haben. Für organische Stimmstörungen sind in der Regel Erkrankungen des Kehlkopfs die Ursachen. Die Gründe für eine funktionelle Dysphonie sind vielfältig, es liegen bei diesen jedoch keine organischen Schädigungen am Kehlkopf vor. Eine funktionelle Dysphonie hat oft mehrere verschiedene Ursachen.

Organische Dysphonie

Manche Erkrankungen behindern den Kehlkopf bei der Stimmbildung und verursachen dadurch eine Dysphonie. So schwellen bei akuten oder chronischen Entzündungen im Rahmen von Infektionen der oberen Luftwege mit Viren oder Bakterien häufig die Stimmlippen an. Es ist ratsam, bei solchen Entzündungen (z.B. Kehlkopfentzündung) die Stimme zu schonen, damit die Stimmmuskeln keinen Schaden nehmen. Sind die kleinen Muskeln bereits in Mitleidenschaft gezogen, kann es infolgedessen wiederum zu anhaltenden Stimmstörungen kommen. Können sich zum Beispiel die Stimmlippen beim Sprechen nicht mehr ausreichend schliessen (Internusschwäche), klingt die Stimme dauerhaft heiser. Oft bildet sich in diesen Fällen auch zäher Schleim auf der Oberfläche der Stimmlippen. Dadurch sind sie in ihrer Beweglichkeit vorübergehend eingeschränkt – die Stimme wird heiser und die Sprache klingt klossig verwaschen.

Auch sogenannte Stimmbandknötchen kommen bei einer chronischen Dysphonie als Ursachen infrage. Sie entstehen häufig infolge von wiederkehrenden Irritationen und Entzündungen des Kehlkopfs oder durch Vernarbungen des Gewebes. Bei einer Dysphonie bei Kindern im Schulalter sind sie die häufigsten Ursachen. Stimmbandknötchen treten meist beidseitig auf und variieren stark in ihrer Grösse. Eine weitere verbreitete Ursache der Stimmstörungen im Kindesalter ist eine angeborene oder erworbene Stimmbandlähmung. Bei Erwachsenen entstehen Stimmstörungen häufig durch Polypen. An den Stimmbändern treten Polypen meist einseitig auf. Häufige Irritationen und Rauchen begünstigen ihre Entstehung.

Bei einer Dysphonie kommen auch weitere mögliche organische Ursachen infrage, zum Beispiel Verletzungen aufgrund äusserer oder innerer Gewalteinwirkung (z.B. durch Unfälle, Verschlucken von Fremdkörpern, Verbrühungen, Verätzungen). Häufig entstehen so bleibende Schäden der Stimmwerkzeuge oder deren Nerven. Einengungen der Kehlkopfregion, zum Beispiel durch gutartige Geschwulste (Stimmlippenpolypen, Stimmlippenknötchen, Schleimhautwarzen) und bösartige Tumoren (Kehlkopfkrebs) können die Beweglichkeit der Stimmlippen einschränken und deshalb Heiserkeit und eine raue, nicht belastungsfähige Stimme hervorrufen.

Auch der gastrointestinale Reflux (Refluxkrankheit), bei dem Magensäure in die Speiseröhre zurückfliesst, ist bei manchen Menschen so stark ausgeprägt, dass die Magensäure den Kehlkopf angreift. Ausserdem können angeborene Fehlbildungen eine Dysphonie hervorrufen.

Funktionelle Dysphonie

Eine funktionelle Dysphonie hat meist mehrere verschiedene Ursachen. Bei funktionellen Stimmstörungen sind die Stimmwerkzeuge nur eingeschränkt funktionsfähig, ohne dass die stimmbildenden Anteile organisch geschädigt sind.

So können schwere psychische Belastungssituationen (z.B. Schreck oder Schmerz) dazu führen, dass sich die Stimmlippen beim Sprechen entweder nicht in der richtigen Stellung (sog. Phonationsstellung) anordnen oder sich fest zusammenpressen. Die Betroffenen verlieren plötzlich ihre klingende Stimme und können sich nur noch durch Flüstern verständigen. Da sich keine organischen Veränderungen am Kehlkopf nachweisen lassen, wird dieses Krankheitsbild funktionelle oder psychogene Dysphonie beziehungsweise Aphonie (=Stimmlosigkeit) genannt.

Die sogenannten dyskinetischen Stimmstörungen (griech. dys = Störung eines Zustands, kinesis = Bewegung) entstehen durch Überlastung der Stimme, falsche Belastung der Stimmlippen oder eine falsche Stimmtechnik. Dabei spannen sich die Stimmlippen beim Sprechen entweder zu stark oder zu wenig an. Die Stimme wird deshalb bereits bei geringen Belastungen heiser und rau. Zusätzlich fühlen die Betroffenen ein Druckgefühl im Kehlkopf und Kratzen im Hals. Vor allem Menschen, deren Stimme während ihrer beruflichen Tätigkeit stark gefordert ist (z.B. Lehrer, Erzieher, Pfarrer), neigen zu einer dyskinetische Dysphonie.

Dysphonie im Stimmbruch

In der Pubertät kann die Stimmumstellung (Stimmbruch) manchmal Probleme verursachen und eine Dysphonie hervorrufen. Grund für den Stimmbruch ist, dass der Kehlkopf während der Pubertät stark wächst. Die Stimmlippen sind dadurch stark gespannt. Im Stimmbruch kommt es deshalb vor allem bei Jungen häufig zu einer Dysphonie, nämlich einer sogenannten Mutationsfistelstimme (lat. mutare = verändern, fistula = Röhre), die sehr hoch und piepsig klingt.

4. Symptome

Bei einer Dysphonie sind die Symptome hörbar: In der Regel sind Veränderungen der Stimme die einzigen Symptome. Die Stimme kann rau, schwach, heiser oder piepsig klingen – entscheidend ist die Veränderung zur vorherigen Stimme. Die Diplophonie (zwei Stimmtöne zur gleichen Zeit) ist ein häufiges Zeichen bei Polypen der Stimmbänder. Je nach Ursache, können bei einigen körperlichen Erkrankungen des Kehlkopfs neben einer Dysphonie weitere Symptome wie Luftnot oder Probleme beim Husten auftreten.

5. Diagnose

Um bei einer Dysphonie die Diagnose zu stellen, beurteilt der Arzt – meist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt – zuerst die Stimme des Patienten, denn eine Stimmveränderung ist das Leitsymptom von Stimmstörungen, ergibt erste Hinweise auf die Diagnose und gibt häufig erste Aufschlüsse über die mögliche Ursache. Der Arzt befragt den Betroffenen ausserdem ausführlich, um weitere Hinweise auf eine Dysphonie zu erhalten. Wichtig sind dabei zum Beispiel der Beruf, mögliche Allergien oder Medikamente. Anschliessend untersucht der Arzt den Patienten und achtet dabei zum Beispiel auf die Artikulation, den Redefluss, Sprachgebrauch und Klang der Stimme.

Auch einige weitergehende Tests und Untersuchungen kommen zum Einsatz, um bei einer Dysphonie die Diagnose zu stellen. Vor allem die sogenannten Laryngoskopie spielt eine bedeutende Rolle: Bei dieser Kehlkopfspiegelung kann der Arzt den Kehlkopf und die Stimmritze mithilfe eines Endoskops und Licht einsehen und zum Beispiel auf organische Schäden absuchen. Je nach Befund können andere Techniken geeignet sein, um die Dysphonie besser einzuschätzen und die Diagnose zu stellen. Dazu zählen unter anderem ein Hörtest, Röntgenaufnahmen oder Lungenfunktionsprüfungen.

6. Therapie

Eine Dysphonie kann auf verschiedene Weisen behandelt werden – bei der Therapie stehen in der Regel konservative Massnahmen (ohne OP) im Vordergrund. Hierbei sind vor allem schulende Gespräche über den richtigen Stimmgebrauch und Stimmtherapie von Bedeutung. Bei Kindern sind Stimmveränderungen in der Regel harmlos und verschwinden manchmal auch von selbst. Es ist daher oft sinnvoll, erst einmal abzuwarten und eine Stimmtherapie erst bei länger bestehenden Beschwerden zu beginnen.

Bei einer organischen Dyshponie steht im Vordergrund der Therapie, die zugrunde liegenden Erkrankungen zu behandeln. Je nach Ursache bieten sich hier konservative oder operative Methoden an. Stimmbandknötchen oder Polypen, die sich konservativ – also ohne Operation – nicht beeinflussen lassen, können chirurgisch entfernt werden. Gerade bei Stimmbandknötchen ist dies aber nicht unbedingt immer notwendig. An die Operation schliesst sich eine Stimmtherapie an, da eine falsche Stimmnutzung innerhalb weniger Tage neue Stimmstörungen und Knötchen hervorrufen kann.

Sind Stimmbandlähmungen die Ursache der Dysphonie, gibt es verschiedene Therapie-Optionen. Manchmal reichen bereits Stimmübungen oder eine Elektrotherapie der Stimmbänder aus. In anderen Fällen ist eine Operation notwendig.

Bei den funktionellen Stimmstörungen liegt keine organische Schädigung am Stimmapparat vor. Es kommt daher nur eine konservative Therapie infrage. Bei falschem Gebrauch oder Überanstrengung der Stimme (sog. dyskinetischen Dysphonie) erlernt der Betroffene mithilfe von Stimm- und Atemübungen eine geeignete, wenig belastende Stimmtechnik zu entwickeln. Bei der psychogenen Dysphonie (psychogene Aphonie) müssen jeweils die psychischen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Je nach Krankheitsgeschichte kann der Patient seelische Probleme in einer geeigneten Psychotherapie aufarbeiten. Zusätzlich ergänzen bei psychogenen Stimmstörungen Stimm- und Atemübungen die Therapie.

7. Verlauf

Wird die Dysphonie behandelt, nimmt sie in den meisten Fällen einen positiven Verlauf. Konservative Massnahmen wie Stimm- oder Atemübungen können bei Dysphonie den Verlauf beeinflussen und sie oft beheben. Häufig verschwindet eine Stimmstörung auch von selbst (selbstlimitierender Verlauf). Eine Stimmtherapie hat meistens einen sehr guten Einfluss auf die Dysphonie, selbst bei organischen Ursachen. Wenn Sie länger anhaltende Stimmveränderungen an sich bemerken, sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen – besonders auch um beispielsweise bei Veränderungen oder Entzündungen am Kehlkopf Spätschäden zu vermeiden.

8. Vorbeugen

Eltern können einer Dysphonie bei ihrem Kind vorbeugen beziehungsweise sie frühzeitig entdecken, indem sie auf die Sprachentwicklung achten. Wenn Sie bei Ihrem Kind oder auch bei sich selbst Auffälligkeiten an der Stimme feststellen, ist es ratsam, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Er kann die nötigen Untersuchungen einleiten, um die Ursachen abzuklären. Wenn Sie einer Berufsgruppe (z.B. Lehrer) angehören, bei der Sie Ihre Stimme oft einsetzen müssen, kann das Risiko für eine Dysphonie erhöht sein. Achten Sie darauf, wie Sie Ihre Stimme benutzen, und versuchen Sie, Überbelastungen und einen falschen Gebrauch der Stimme zu vermeiden – so können Sie einer Dysphonie im Laufe Ihrer beruflichen Tätigkeit vorbeugen.