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Eileiterentzündung und Eierstockentzündung

(Adnexitis)
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1. Überblick

Eine Adnexitis ist eine Entzündung von Eileiter und Eierstock, den Anhangsgebilden der Gebärmutter. Im englischsprachigen Raum fasst man die Adnexitis mit anderen Entzündungen im kleinen Becken unter pelvic inflammatory disease (PID), also Unterleibsentzündung, zusammen. Die Adnexitis wird auch als das «Chamäleon» der gynäkologischen Erkrankungen bezeichnet, denn die Symptome können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein.

Eine Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung tritt in der Regel beidseitig auf und entsteht häufig nach einer Scheidenentzündung, deren Erreger, meist Bakterien, durch Scheide und Gebärmutter in die Eileiter und Eierstöcke aufsteigen. Die Adnexitis tritt akut oder chronisch auf. Im Gegensatz zur akuten Adnexitis, die plötzlich mit starken Unterbauchschmerzen, Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl beginnt, treten bei der chronischen Adnexitits weniger auffällige Beschwerden wie Druckgefühl und Schweregefühl im Unterleib auf.

Wird die akute Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung rasch behandelt, können sowohl akute Komplikationen als auch der Übergang in ein chronisches Stadium verhindert werden. Bei der Adnexitis-Therapie spielen vor allem Antibiotika eine entscheidende Rolle. Auch eine gute Schmerzbehandlung und unterstützende Massnahmen, wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr, sind wichtig. Wenn es durch die Eileiterentzündung und Eierstockentzündung zu Komplikationen kommt, muss die betroffene Frau gegebenenfalls operiert werden. Eine Operation ist zum Beispiel dann vonnöten, wenn sich Eiter in der Bauchhöhle oder in abgekapselten Herden (Abszessen) gesammelt hat. Mittels chirurgischer Eingriffe müssen die behandelnden Ärzte dann den Eiter entfernen und ausleiten.

Wird eine Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung nicht behandelt, kann die Krankheit lange, auch unbemerkt, andauern – nicht zuletzt besteht die Gefahr einer bleibenden Unfruchtbarkeit. In manchen Fällen können Spätfolgen wie Verwachsungen oder spätere Eileiterschwangerschaften (Extrauteringravidität) auch dann auftreten, wenn die Behandlung der Adnexitis ursprünglich erfolgreich war.

2. Definition

Eine Adnexitis ist laut Definition eine Entzündung von Eileiter und Eierstock. Beide Organe werden unter dem Begriff «Adnexe» zusammengefasst, was so viel wie «Gebärmutteranhängsel» bedeutet. Die beiden Eileiter sind etwa bleistiftdicke Schläuche, die seitlich von der Gebärmutter abgehen und mit ihrem freien trichterförmigen Ende den Eierstöcken anliegen. Von dort nehmen sie nach dem Eisprung die Eizelle auf und transportieren sie zur Gebärmutter. Eine Befruchtung der Eizelle findet bereits im Eileiter statt.

Eine alleinige Eileiterentzündung bezeichnet man als Salpingitis, eine alleinige Entzündung des Eierstocks als Oophoritis. Da eine isolierte Eierstockentzündung so gut wie nie vorkommt, sondern eine Eierstockentzündung vorwiegend infolge einer Eileiterentzündung entsteht, wird allgemein nur von Adnexitis gesprochen. In der Regel sind auch beide Seiten von einer Adnexitis betroffen.

Die Adnexitis zählt zu den ernstzunehmenden gynäkologischen Erkrankungen: Zum einen dauert die Erkrankung meist sehr lange an und beeinträchtigt das Leben der Patientin erheblich, zum anderen ist eine Eileiter- oder Eierstockentzündung häufig die Ursache für eine Unfruchtbarkeit der Frau.

Häufigkeit

Von einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung sind vorwiegend Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter betroffen. Am häufigsten erkranken Frauen zwischen dem 16. und 24. Lebensjahr. Die Häufigkeit der Adnexitis hängt in hohem Masse von der sexuellen Aktivität und von der persönlichen Hygiene ab. Bei Mädchen vor der Pubertät sowie bei Frauen nach der letzten Regelblutung (Menopause) ist eine Adnexitis sehr selten.

3. Ursachen

Einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung (Adnexitis) liegen als Ursachen meist bakterielle Infektionen zugrunde, seltener spielen Viren eine Rolle. Die Entzündungen werden häufig durch Gonokokken, die Erreger der Gonorrhoe beziehungsweise des Trippers, verursacht. In der Mehrzahl der Fälle liegen jedoch Mischinfektionen vor, insbesondere mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis, das an bis zu 40 Prozent aller Eierstockentzündungen und Eileiterentzündungen beteiligt ist. Weitere Ursachen sind beispielsweise Erreger wie Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken, Mykoplasmen sowie Anaerobier, also Bakterien, die ohne Sauerstoff überleben. Eine Adnexitis durch Mycobacterium tuberculosis im Rahmen einer Tuberkulose ist ebenfalls möglich.

Infektionsweg

Die Erreger von Eileiterentzündungen und Eierstockentzündungen können auf verschiedenen Wegen zu den Eierstöcken und Eileitern (Adnexen) gelangen. Je nach Ursprungsort unterscheidet man eine von der Scheide aufsteigende (aszendierende) Infektion von einer absteigenden (deszendierenden) Infektion. Gelangen die Erreger auf dem Blutweg zu den Adnexen, spricht man von einer hämatogenen Infektion.

Eine aufsteigende (aszendierende) Infektion kommt praktisch nur während der Geschlechtsreife bei sexuell aktiven Frauen vor und beruht darauf, dass Erreger aus der Scheide über die Gebärmutter bis zu den Eileitern aufsteigen. Vorraussetzung für diese Infektion ist, dass die Erreger in der Scheide vorkommen, wie beispielsweise bei einer Scheidenentzündung. Zum anderen müssen Bedingungen vorliegen, die es den Erregern erlauben, die natürlich vorhandenen Barrieren, wie beispielsweise den äusseren und inneren Muttermund, zu überwinden und in die Gebärmutter einzudringen. Zu diesen Faktoren gehören:

  • die monatliche Regelblutung
  • Geburten und Fehlgeburten
  • Eingriffe an der Gebärmutter von der Scheide aus, wie beispielsweise das Einsetzen der Spirale
  • Schleimhautveränderungen am Gebärmutterhals
  • übermässig gesteigerte Bildung von alkalischem Schleim aus dem Gebärmutterhals
  • Myome oder Polypen, also gutartige Tumoren, im Bereich des Muttermunds und des Gebärmutterhalses

Von einer deszendierenden Infektion spricht man, wenn die Erreger von entzündeten Nachbarorganen, beispielsweise bei einer Entzündung des Blinddarms (Appendizitis) oder des Dickdarms (Proktitis), auf die Adnexe «herabsteigen». Dies geschieht durch den engen räumlichen Kontakt der Organe: Die Entzündung kann von dem einen Organ direkt auf das andere übergreifen. Mediziner verwenden dafür den Begriff per continuitatem. Krankheitserreger können aber auch über den Lymphweg zu den Adnexen gelangen.

In seltenen Fällen kommt es nach Bauchoperationen zur Adnexitits, beispielsweise nach einer Entfernung des Blinddarms (Appendektomie). Die Infektion geht aus dem Operationsbereich in der Umgebung der inneren Geschlechtsorgane auf die Adnexe Eileiter und Eierstöcke über. Innere Blutergüsse und durch die Operation bedingte Gewebeschäden begünstigen diesen Infektionsweg.

Eine Infektion auf dem Blutweg (hämatogen) ist typisch für eine Adnexitis, die durch Mycobacterium tuberculosis, den Erregern der Tuberkulose, verursacht wird.

4. Symptome

Bei einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung (Adnexitis) hängen die Symptome davon ab, wie weit die Entzündung sich ausdehnt und wie gut die Behandlung anschlägt. Man unterscheidet zwischen akuter Andexitis und chronischer Adnexitis.

Akute Adnexitis

Die akute Adnexitis beginnt mit plötzlich einsetzenden starken Schmerzen im Unterbauch. Der Bauch ist aufgetrieben und die Bauchdecke ist gespannt. Das Allgemeinbefinden ist stark beeinträchtigt. Die Erkrankten haben oft Fieber – vor allem wenn die Eileiterentzündung und Eierstockentzündung durch bestimmte Bakterien hervorgerufen wird (zum Beispiel Gonokokken und Anaerobier). Allerdings spricht eine nur leicht erhöhte Temperatur nicht gegen eine akute Adnexitis, vor allem bei einer Chlamydien-Infektion. Brechreiz und Übelkeit gehören ebenso zu den Beschwerden der akuten Adnexitis wie Verstopfung oder Durchfälle. Schmerzen beim Wasserlassen und Zwischenblutungen passen ebenfalls ins Beschwerdebild.

Häufig treten bei einer Eileiterentzündung und Eierstockentzündung (Adnexitis) auch folgende Symptome auf:

  • eitriger Ausfluss aus der Scheide
  • die Gebärmutter ist oft vergrössert und druckschmerzhaft
  • mit zunehmender Krankheitsdauer sind die Eileiter und Eierstöcke (Adnexen) geschwollen und ebenfalls druckschmerzhaft
  • berührt oder bewegt der Arzt im Rahmen der gynäkologische Untersuchung den Gebärmutterhals, empfinden die erkrankten Frauen dies als äusserst schmerzhaft.

Chronisches Stadium

Von einer chronischen Adnexitis spricht man, wenn nach dem Abklingen der akuten Eileiterentzündung und Eierstockentzündung weiterhin beziehungsweise erneut Symptome auftreten. Sie sind entweder auf eine fortbestehende Entzündung bei nicht erfolgreicher Therapie zurückzuführen oder aber die Folge von narbigen Veränderungen nach abgeheilter Entzündung. Narben und Verwachsungen der Adnexe mit den Nachbarorganen können uncharakteristische Schmerzen im Kreuz auslösen, die besonders häufig nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.

Viele Erkrankte klagen auch über Verstopfung, Blähungen, Schmerzen sowie Unregelmässigkeiten bei der Regelblutung. Bei der chronischen Adnexitis ist die Gefahr einer dauernden Unfruchtbarkeit besonders hoch. Das chronische Stadium kann Monate bis Jahre dauern. Betroffene Frauen berichten in dieser Phase von einer generellen Leistungsverminderung, die das tägliche Leben beeinträchtigt.

5. Diagnose

Bei einer Eileiterentzündung und Eierstockentzündung (Adnexitis) beginnt die Diagnose mit einer Befragung durch den Arzt (Anamnese). Der Gynäkologe kann während der Untersuchung Veränderungen feststellen, die auf eine Adnexitis hinweisen. Dazu gehört beispielsweise eine vergrösserte und druckschmerzhafte Gebärmutter, Schmerz beim Bewegen des Muttermunds (Portioschiebeschmerz) und Ausfluss (Fluor genitalis). Eine tastbare Vergrösserung ist zu Beginn einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung nicht und im Verlauf der Erkrankung nur bei etwa der Hälfte der betroffenen Frauen feststellbar.

Um die Erreger nachzuweisen, nimmt der Arzt einen Abstrich vom Gebärmutterhals und lässt ihn unter dem Mikroskop auf Erreger und vermehrte weisse Blutkörperchen (Leukozyten) untersuchen. Ausserdem wird Abstrichmaterial in ein Labor zur kulturellen Anzüchtung der Erreger und zur Resistenzbestimmung geschickt, um festzustellen, welche Antibiotika gegen die Keime wirksam sind. Anhand einer Blutuntersuchung können sogenannte Entzündungszeichen nachgewiesen werden. Dazu gehört eine beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit sowie ein Anstieg der weissen Blutkörperchen (Leukozytose).

Bei Eileiterentzündung und Eierstockentzündung setzt der Arzt zur Diagnose auch bildgebende Verfahren ein. Im Ultraschall lassen sich verdickte Eileiter, Eiteransammlungen an den Eierstöcken oder Abszesse und Flüssigkeit in der Bauchhöhle hinter der Gebärmutter erkennen.

Eine Spiegelung der Bauchhöhle (Laparoskopie) in Narkose ermöglicht eine direkte Beurteilung der Eierstöcke und Eileiter sowie der benachbarten Organe. Auf diesem Weg kann auch unmittelbar von der Oberfläche der Adnexe Material zum Erregernachweis entnommen werden.

6. Therapie

Bei einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung erfolgt die Therapie in erster Linie konservativ mit Medikamenten und unterstützenden Methoden. Operative Verfahren sind nötig, wenn es zu Komplikationen, zum Beispiel Abszessen (verkapselte Eiterherde), im Beckenbereich kommt.

Konservative Therapie

Sobald sich der Verdacht auf eine Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung bestätigt hat, leitet der behandelnde Arzt eine Antibiotika-Therapie ein. Sie beginnt normalerweise mit einem Breitband-Antibiotikum, also einem gegenüber mehreren Erregern wirksamen Präparat. Sind der auslösende Erreger und mögliche Resistenzen bekannt, wählt der Arzt das am besten wirksame Präparat aus.

Neben Antibiotika werden Medikamente eingesetzt, die antiphlogistisch wirken, also dem Entzündungsprozess entgegenwirken, und die eine schmerzlindernde (analgetische) Wirkung, haben. Dazu gehören beispielsweise die nichtsteroidalen Antiphlogistika wie Diclofenac.

Die Behandlung dauert in der Regel bis zu 20 Tage und sollte auch nach Abklingen der akuten Beschwerden nicht unterbrochen werden, damit die Adnexitis komplett ausheilen kann und es nicht zur Unfruchtbarkeit kommt. Ausserdem ist eine ausreichende Behandlungsdauer wichtig, damit sich keine Erreger vermehren, die gegen das Antibiotikum resistent sind.

Um Unregelmässigkeiten der Regelblutung zu behandeln, können Hormonpräparate eingesetzt werden. Bei der akuten Adnexitis ist es sinnvoll, auf Geschlechtsverkehr zu verzichten – auch nach der Einnahme schmerzlindernder Medikamente. Oftmals ist bei einer Eierstockentzündung oder Eileiterentzündung (Adnexitis) auch sinnvoll, den Sexualpartner der Betroffenen zu behandeln, damit sie sich nach der Therapie nicht erneut bei ihrem Partner ansteckt.

Frauen mit einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung im akuten Stadium sollten Bettruhe einhalten. Häufig ist es sinnvoll, dass die Patientinnen stationär im Spital bleiben. Die Ernährung sollte möglichst wenig belasten. Frauen, die an einer Adnexitis erkrankt sind, sollten ausserdem darauf achten, Blase und Darm regelmässig zu entleeren.

Besonders bei Fieber ist es wichtig, dass die Betroffenen viel Flüssigkeit zu sich nehmen – in Form von Getränken oder auch als Infusionen.

Operative Therapie

Eine operative Therapie der Adnexitis ist nötig, wenn im akuten oder chronischen Stadium Komplikationen auftreten, die sich mit konservativen Massnahmen nicht behandeln lassen.

Eine Operation einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung im akuten Stadium wird notwendig, wenn Komplikationen in Form eines sogenannten akuten Abdomens auftreten. Dazu gehören die Bauchfellentzündung (Peritonitis), ein Darmverschluss (Ileus) oder eine begleitende Blinddarmentzündung (Appendizitis). Haben sich Eiteransammlungen (Abszesse) in der Bauchhöhle gebildet, können sie durch eine Punktion beseitigt werden. Ein typischer Ort für Eiteransammlungen ist der sogenannte Douglas-Raum zwischen Gebärmutter und Enddarm. Man spricht dann von einem Douglas-Abszess.

Im chronischen Stadium einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung kann eine Operation dann angebracht sein, wenn es immer wieder zu Beschwerden kommt. Dann müssen eventuell einer oder beide Eileiter, die Eierstöcke sowie die Gebärmutter entfernt werden.

7. Verlauf

Bei einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung (Adnexitis) können im Verlauf Komplikationen auftreten, zum Beispiel wenn die Entzündung auf Nachbarorgane wie Bauchfell oder Blinddarm übergreift und ein sogenanntes akutes Abdomen auslöst.

Ein chronischer Adnexitis-Verlauf hat für die betroffenen Frauen langwierige Beschwerden, wie beispielsweise Schmerzen, zur Folge und kann zu einer bleibenden Unfruchtbarkeit führen.

Bei Eileiterentzündung und Eierstockentzündungen ist für den Verlauf entscheidend, dass die Betroffene schnell eine Therapie mit geeigneten Antibiotika erhält.

8. Vorbeugen

Sie können einer Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung (Adnexitis) vorbeugen. Dabei ist eine gute Sexual- sowie persönliche Hygiene wichtig. Indem Sie Kondome verwenden, schützen Sie sich vor einer Scheidenentzündung, die häufig eine Voraussetzung der Adnexitis ist.