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Ektropium

(Auswärtskehrung des Augenlides)
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1. Überblick

Ein Ektropium ist eine Auswärtskehrung des Augenlides. Dabei ist meist das Unterlid betroffen. Augen, deren Lid auswärts gekehrt ist, sind gerötet und trocken; häufig tränen sie. Bei einem rechtzeitig behandelte Ektropium ist die Prognose gut.

Ein Ektropium ist meistens keine angeborene, sondern eine erworbene Fehlstellung des Augenlides. Hierfür kommen verschiedene Auslöser infrage. Entsprechend der Ursache für die Auswärtskehrung des Augenlides lassen sich folgende Formen unterscheiden:

  • Am häufigsten führt ein Missverhältnis bei der Zugkraft verschiedener Augenlidmuskeln dazu, dass sich das Augenlid auswärts kehrt. Dieses Missverhältnis entsteht vor allem im Alter, wenn bestimmte Lidmuskeln erschlaffen. Die Bezeichnung dieser Form lautet daher Ectropium senile (altersbedingtes Ektropium).
  • Weitere Ursache der Auswärtsdrehung des Augenlides kann ein gelähmter Gesichtsnerv (Fazialisparese) sein. Die durch Lähmung bedingte Form nennt sich paralytisches Ektropium.
  • Die Lidfehlstellung kann auch durch Narben (sogenanntes Ectropium cicatriceum beziehungsweise Narbenektropium) oder Tumoren (sogenanntes mechanisches Ektropium) bedingt sein, die das Augenlid auswärts ziehen.


Ein Ektropium ist anhand der typischen Lidfehlstellung leicht diagnostizierbar. Es zeigen sich rote und trockene Augen als Zeichen einer chronischen Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Welche Massnahmen gegen die Auswärtskehrung des Augenlides getroffen werden, hängt von deren Ursache ab. Zur kurzfristigen Behandlung eignen sich Salben oder Augentropfen. Langfristig kommt bei einem Ektropium zur Therapie nur eine Operation des Augenlides infrage – auch wenn das Augenlid nur leicht auswärts gekehrt ist. Hierbei fixiert der Operateur das fehlgestellte Lid am Auge. Bei einer frühzeitigen Therapie heilt die Lidfehlstellung je nach Ursache ohne Folgeschäden aus.

Um einem Ektropium vorzubeugen, ist es grundsätzlich ratsam, Entzündungen der Bindehaut und der Lidränder gründlich behandeln zu lassen. Ausserdem ist es wichtig, nach Möglichkeit Verletzungen der Augen mit nachfolgender Narbenentwicklung zu vermeiden und bei Tränenfluss alle Wischbewegungen nicht nach unten/aussen, sondern nach innen/oben auszuführen.

2. Definition

Ein Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides) ist eine Lidfehlstellung, bei der das Augenlid nach aussen gekehrt ist. Diese Auswärtskehrung des Augenlides ist in der Regel nicht angeboren, sondern erworben. Das betroffene Auge tränt ständig und weist eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) auf.

Das Ektropium tritt vor allem in vier verschiedenen Formen auf:

  • altersbedingtes Ektropium (Ectropium senile)
  • Narbenektropium (Ectropium cicatriceum)
  • durch Lähmung bedingtes (paralytisches) Ektropium
  • mechanisches Ektropium

Das altersbedingte Ektropium ist die häufigste Form und kommt nur am Unterlid vor. Die anderen Formen hingegen können sowohl am Unter- als auch am Oberlid auftreten. In sehr seltenen Fällen besteht die Auswärtskehrung des Augenlides von Geburt an (sogenanntes Ectropium congenitum).

3. Ursachen

Einem Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides) können verschiedene Ursachen zugrunde liegen – abhängig davon lassen sich mehrere Formen der Auswärtsdrehung unterscheiden:

  • Die Ursache für ein altersbedingtes Ektropium (Ectropium senile) ist ein erschlaffter Halteapparat des Unterlids. Das menschliche Auge ist von einem ringförmigen Schliessmuskel (Musculus orbicularis oculi) umschlossen. Beim Ektropium liegt meistens eine verminderte Spannung dieses Muskels vor. Dadurch entsteht ein Missverhältnis zur Zugkraft des Lidöffner-Muskels – das Augenlid rollt sich auswärts. Eine Entzündung des Lidrands und der Bindehaut sowie Wischbewegungen bei tränenden Augen wirken sich begünstigend auf die Auswärtskehrung des Augenlides aus.
  • Ein paralytisches Ektropium ist die Folge einer Lähmung des Augenschliessmuskels durch einen geschädigten Gesichtsnerv (sogenannte Fazialisparese).
  • Beim Narbenektropium sind Narben und Schrumpfung der Lidhaut die Ursachen dafür, dass sich das Augenlid auswärts kehrt. Dies kann beispielsweise die Folge einer vorangegangenen kosmetischen Augenlidoperation sein.
  • Ein mechanisches Ektropium entsteht durch Tumoren, die das Lid vom Auge wegziehen.
  • Das sehr seltene Ectropium congenitum (angeborenes Ektropium) hat erbliche Ursachen; der Grund für die von Geburt an bestehende Auswärtskehrung des Augenlides ist vermutlich eine fehlende Ausbildung der Lidplatte (Tarsus).

4. Symptome

Die ein Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides) kennzeichnenden Symptome sind die nach aussen gewendete Lidkante (meistens ist das Unterlid betroffen) und die dadurch frei liegende und somit leicht austrocknende Bindehaut. Dies kann – als weiteres Anzeichen für das Ektropium – eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) zur Folge haben, die sich durch gerötete Augen äussert. Weitere mögliche Symptome der entzündeten Bindehaut sind Juckreiz, Augenbrennen und ein Fremdkörpergefühl.

Ein hängendes Augenlid kann nicht nur die Bindehaut nicht mehr schützen, sondern auch die Hornhaut (Kornea) nicht mehr befeuchten, sodass sich bei einem Ektropium im weiteren Verlauf neben der Bindehaut auch die Hornhaut entzünden kann (Keratokonjunktivitis). Typische Symptome der Hornhautentzündung sind, dass die Hornhaut getrübt ist, das betroffene Auge empfindlicher auf Licht reagiert und sein Sehvermögen eingeschränkt ist. Auch der Tränenfluss ist bei einer entzündeten Hornhaut oft vermindert. Ausserdem treten bei einer Hornhautentzündung meist schwache bis starke Augenschmerzen auf.

Die durch ein Ektropium ausgelösten Symptome können zusätzlich tränende Augen umfassen: Da das Unterlid durch die Auswärtskehrung herabhängt, besteht kein Kontakt mehr zwischen dem Lid und dem Augapfel. Somit liegt auch das untere Tränenpünktchen des Augenlides, durch das normalerweise die Tränenflüssigkeit abfliesst, nicht mehr dem Auge an. Dadurch kann die Tränenflüssigkeit bei einem Ektropium nicht über ihren physiologischen Weg in den Nasen-Rachen-Raum ablaufen, sondern läuft über den Lidrand auf die Wangen: Es entsteht ein als Epiphora bezeichneter Tränenfluss. Die Betroffenen wischen sich ihre Tränen häufig aus den Augen und verstärken das Ektropium und die damit einhergehenden Symptome dadurch.

5. Diagnose

Bei einem Ektropium ergibt sich die Diagnose schnell aus der auffälligen Lidfehlstellung: Die Kante des betroffenen Augenlides (meistens das Unterlid) ist nach aussen gewendet, sodass das Augenlid hängt und die Bindehaut frei liegt. Untersucht der Augenarzt zusätzlich das Auge mithilfe einer Spaltlampe, kann er feststellen, in welchem Ausmass die Bindehaut durch das auswärts gekehrte Lid gereizt ist: Die frei liegende Bindehaut trocknet leicht aus, weshalb ein Ektropium eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) hervorrufen kann. Auch mögliche Auswirkungen der durch die Auswärtskehrung des Augenlides mangelhaften Befeuchtung der Hornhaut lassen sich durch eine Untersuchung an der Spaltlampe überprüfen: Ist die Hornhaut (Kornea) durch das Ektropium über längere Zeit unzureichend befeuchtet, kann sie sich ebenfalls entzünden.

Je nach Ursache für die Auswärtskehrung des Augenlides können zur Diagnose weitere Untersuchungen erfolgen: Besteht der Verdacht, dass es sich bei dem Ektropium um die durch Lähmung erzeugte (paralytische) Form handelt, ist es ratsam, die Funktion des versorgenden Gesichtsnervs mithilfe weiterer Tests zu überprüfen.

6. Therapie

Bei einem Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides) hängt die Therapie von der Ursache der Lidfehlstellung ab: Handelt es sich bei dem Ektropium um einen vorübergehenden Zustand, reichen zur Behandlung Augentropfen oder -salben aus. Meistens besteht die Auswärtskehrung des Augenlides jedoch langfristig, wie bei dem häufigen altersbedingten Ektropium. In dem Fall kommt nur eine Operation infrage. Auch wenn das Augenlid nur in geringem Mass auswärts gekehrt ist, empfiehlt es sich, das Ektropium operativ behandeln zu lassen. Dabei fixiert der Operateur das Lid wieder näher am Auge.

Bei einem mechanischen Ektropium, das durch einen Tumor entstanden ist, besteht die Therapie nach Möglichkeit darin, den Tumor zu entfernen. Liegt ein paralytisches Ektropium aufgrund einer Lähmung eines Gesichtsnervs vor, kann man vorerst abwarten, ob sich die Lähmung wieder zurückbildet. Dann ist es ratsam, das Auge zeitweise durch Salben und Tropfen feucht zu halten. Hat sich eine chronische Bindehautentzündung entwickelt, ist eine Behandlung der betroffenen Augen mit entsprechenden Augentropfen oder Salben hilfreich.

7. Verlauf

Ein Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides) nimmt einen günstigen Verlauf mit für das Auge guter Prognose, wenn eine frühzeitige und ausreichende Behandlung erfolgt. Die Lidfehlstellung heilt dann, je nach Ursache, ohne Folgeschäden aus.

Unbehandelt führt die Auswärtskehrung des Augenlides im weiteren Verlauf zunehmend zu Beschwerden: Es entsteht eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Die dadurch trockenen, gereizten Augen beeinträchtigen das Wohlbefinden der Betroffenen stark. Da das auswärts gekehrte Augenlid nicht nur die Bindehaut nicht mehr schützen kann, sondern auch die Hornhaut (Kornea) nicht mehr befeuchtet, kann bei einem Ektropium im weiteren Verlauf neben der Bindehautentzündung eine Hornhautentzündung entstehen (Keratokonjunktivitis). Bleibt dies unbehandelt, kann die Hornhaut Schaden nehmen: Es können sich Narben bilden und die Hornhaut kann sich ablösen. Zu den möglichen Folgen gehören Schmerzen sowie ein stark eingeschränktes Sehvermögen bis hin zur Blindheit.

8. Vorbeugen

Da ein Ektropium (Auswärtskehrung des Augenlides) in den meisten Fällen nicht angeboren, sondern erworben ist, kann man vorbeugen, indem man mögliche Auslöser für die Lidfehlstellung vermeidet. Hierzu sind folgende Massnahmen geeignet:

  • Lassen Sie Entzündungen der Bindehaut (Konjunktivitis) und der Lidränder (Blepharitis) gründlich behandeln.
  • Versuchen Sie, Verletzungen der Augen mit nachfolgender Narbenentwicklung zu vermeiden, um einem Narbenektropium vorzubeugen.
  • Führen Sie bei Tränenfluss alle Wischbewegungen nicht nach unten/aussen, sondern nach innen/oben aus. Dies gilt vor allem dann, wenn schon eine Auswärtsdrehung des Lids besteht.