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Epiglottitis

(Kehldeckelentzündung)
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1. Überblick

Eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) ist eine akut lebensbedrohliche bakterielle Erkrankung. Die Epiglottitis tritt heutzutage aber immer seltener auf und heilt, frühzeitig behandelt, folgenlos aus. Die Kehldeckelentzündung tritt vorwiegend bei Kindern im Vorschulalter auf, kommt aber auch bei Erwachsenen vor.

Die Epiglottitis ist eine bakterielle Infektion, deren Erreger bei Kindern meist das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B ist. Bei Erwachsenen wird die Epiglottitis überwiegend durch Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) oder Staphylococcus aureus ausgelöst. Seitdem immer mehr Kinder gegen Haemophilus influenzae Typ B geimpft werden, wird die Epiglottitis immer seltener.

Bei Verdacht auf eine Epiglottitis sollte das Kind oder auch der Erwachsene umgehend ins Spital gebracht werden, da der Zustand akut lebensbedrohlich ist: Durch die entzündliche Schwellung des Kehldeckels werden die Atemwege verengt und im schlimmsten Fall vollständig verschlossen. Bei Erstickungsgefahr muss der Arzt daher intubieren (also künstlich Sauerstoff über einen Schlauch zuführen). Seltener ist es nötig zu tracheotomieren, also einen Luftröhrenschnitt durchzuführen, um Atemluft zuzuführen.

Eine Kehldeckelentzündung äussert sich durch schnell zunehmende Atemnot – diese kann aber auch durch einen Fremdkörper im Hals oder eine andere Erkrankung mit ähnlichen Symptomen, zum Beispiel Pseudokrupp, verursacht worden sein. Kinder mit Epiglottitis weigern sich allerdings meistens, sich hinzulegen. Sie sitzen stattdessen vornübergebeugt und auf die Arme aufgestützt. Hinzu kommen starker Speichelfluss und hohes Fieber. Bei Verdacht auf Epiglottitis sollten Sie daher schnell handeln und ins Spital fahren, auch wenn sich am Ende herausstellt, dass die Ursache für die Symptome eine andere war.

Eine Epiglottitis, die rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt wird, heilt in der Regel folgenlos aus.

2. Definition

Die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) ist eine akute, lebensbedrohliche Entzündung des Kehldeckels (Epiglottis) und dessen unmittelbarer Umgebung. Die Schleimhaut des Kehldeckels schwillt dabei massiv an.

Häufigkeit

Die Epiglottitis ist zwar gefährlicher, aber deutlich seltener als der meist weniger bedrohliche Pseudokrupp, der ähnliche Symptome zeigt. An einer Kehldeckelentzündung erkranken überwiegend Kinder vor dem fünften Lebensjahr, seltener Erwachsene. Die Krankheitsfälle treten vereinzelt auf und es besteht kein eindeutiger Zusammenhang mit Jahreszeit, Allergien oder Luftverschmutzung. Seit für Säuglinge die Impfung gegen den häufigsten Erreger der Epiglottitis, das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B, empfohlen wird, ist die Zahl der Erkrankungen stark zurückgegangen.

Anatomie

Durch den Kehlkopf (Larynx) gelangt die Luft in die Luftröhre (Trachea) und weiter in die Lunge. Der Kehlkopf besteht aus einem Gerüst aus mehreren Knorpeln, die durch die Kehlkopfmuskulatur bewegt werden. Etwa in der Mitte des Kehlkopfs liegen die Stimmbänder, die durch die Stimmritze getrennt sind. Wird die Stimmritze durch Muskelarbeit verengt, so entsteht durch den Luftstrom beim Ausatmen ein Ton. Durch unterschiedliche Eng- und Weitstellung wird somit die Stimme gebildet.

Ausserdem trennt der Kehlkopf mithilfe des Kehldeckels (Epiglottis>) die Luftröhre von der Speiseröhre. Beim Schlucken legt sich der Kehldeckel über den Kehlkopfeingang, lenkt so die Nahrung in die Speisröhre und schützt die Luftröhre vor Nahrungspartikeln. Gleich nach dem Schlucken öffnet sich der Kehldeckel wieder und gibt die Luftröhre zum Atmen frei.

Ist der Bereich um den Kehldeckel entzündet und geschwollen, kann er die Luftröhre dauerhaft teilweise oder ganz verschliessen, was schwere Atemnot nach sich ziehen kann.

Ursachen

Die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) bei Kindern hat ihre Ursachen für gewöhnlich in einer Infektion mit dem Bakterium Haemophilus influenzae Typ B. Der Erreger wird über Tröpfchen- und Kontaktinfektion übertragen und kommt ausschliesslich beim Menschen vor, wo er in erster Linie die Schleimhäute des oberen Atemtrakts besiedelt.

Bei Erwachsenen entsteht eine Epiglottitis eher durch Pneumokokken ( Streptococcus pneumoniae ) oder Staphylococcus aureus.

3. Symptome

Die Symptome einer Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) entwickeln sich meist sehr rasch und die betroffenen Personen – meist Kinder – wirken innerhalb weniger Stunden schwer krank. Typische Symptome einer Epiglottitis sind:

  • (schwere) Atemnot
  • hohes Fieber
  • starker Speichelfluss
  • schwere Halsschmerzen
  • Schmerzen beim Schlucken
  • angeschwollene Lymphknoten im Halsbereich
  • Nahrungsverweigerung
  • Probleme beim Sprechen

Da der Kehlkopf rasch weiter eingeengt wird, kann der Atem beim Einatmen pfeifen. Die gefährlichsten Symptome der Epiglottitis sind schwere Atemnot bis hin zur Ateminsuffizienz, also einer schweren Einschränkung der Atmung, bei der Ersticken droht.

Kinder mit Epiglottitis sitzen meistens nach vorne auf die Arme aufgestützt und verweigern die Rückenlage.

Anders als beim Pseudokrupp müssen die betroffenen Personen bei der Epiglottitis meistens nicht husten.

Diagnose

Die Diagnose der Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) stellt der Arzt anhand der typischen Symptome. Die Untersuchung wird in der Regel auf das Nötigste beschränkt, da gerade bei akuter Atemnot ein Erstickungsanfall ausgelöst werden kann. Meist wird die Diagnose einer Epiglottitis aufgrund der typischen Beschwerden auf Verdacht gestellt und die betroffene Person umgehend ins Spital überstellt.

Bei einem weniger schweren Verlauf der Epiglottitis können mithilfe eines Blutbilds die Infektion und gegebenenfalls der Erreger ermittelt werden.

4. Therapie

Da es sich bei der Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, wird die Untersuchung möglichst kurz gehalten und umgehend eine Therapie eingeleitet. Schon bei Verdacht auf eine Epiglottitis sollte daher ein Spital aufgesucht werden. Der Transport sollte möglichst kurz sein und aufrecht sitzend in (not-)ärztlicher Begleitung erfolgen. Beruhigungsmittel werden für gewöhnlich nicht verabreicht, da sie einen Atemstillstand bewirken können – daher sollte man mit anderen Mitteln versuchen, Aufregung zu vermeiden.

Bei einer Epiglottitis wird in der Regel ein Schlauch zur Beatmung eingeführt, um die Atemwege offen zu halten (Intubation). Das sollte möglichst frühzeitig erfolgen, da eine Intubation immer schwieriger wird, je zugeschwollener der Kehldeckel ist. Mögliche lebensrettende Alternativen sind dann ein Adrenalin-Spray, Beatmung sowie ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) – diese Methoden kommen bei einer Epiglottitis aber selten zum Einsatz, da die Intubation meistens erfolgreich ist.

Wenn die akute Atemnot mithilfe der Intubation eingedämmt ist, wird die eigentliche Therapie eingeleitet, um die Epiglottitis zu bekämpfen. Das geschieht mithilfe von Antibiotika: bei Kindern für gewöhnlich mit dem Wirkstoff Cefotaxim, bei Erwachsenen mit Cefuroxim. Zusätzlich können Kortikosteroide eingesetzt werden, die die Entzündung hemmen und die Schwellung im Kehlkopfbereich vermindern.

Zusätzlich wird über die Vene (intravenös) Flüssigkeit verabreicht, um einem Flüssigkeitsmangel (der durch die Schluckbeschwerden besonders bei Kindern schnell auftreten kann) vorzubeugen beziehungsweise einen Flüssigkeitsmangel zu beheben.

5. Verlauf

Eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) wird in ihrem Verlauf gefährlicher, da der Bereich um den Kehldeckel immer weiter zuschwillt und die Atemnot bis hin zur Erstickungsgefahr zunimmt. Rechtzeitig therapiert, bessern sich die Symptome der Epiglottitis aber innerhalb weniger Tage und die Kehldeckelentzündung heilt meist folgenlos aus.

Komplikationen

Eine gefürchtete Komplikation der Epiglottitis ist die Einengung der Atemwege mit drohender Erstickung. Ausserdem kann sich aus einer Infektion mit Haemophilus influenzae Typ B eine Lungenentzündung entwickeln (Haemophilus influenzae-Pneumonie). Unbehandelt verläuft eine Epiglottitis meist tödlich.

6. Vorbeugen

Durch eine Schutzimpfung (aktive Immunisierung) gegen Haemophilus influenzae Typ B kann das Risiko für eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) deutlich reduziert werden. Die geläufige Abkürzung für diese Impfung lautet Hib.