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Erektile Dysfunktion

(erektile Impotenz)
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1. Überblick

Die erektile Dysfunktion (erektile Impotenz) ist eine Form der Potenzstörung. Eine erektile Impotenz liegt dann vor, wenn ein Mann mindestens sechs Monate oder länger unfähig ist, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten und ein befriedigender Geschlechtsverkehr nicht möglich ist.

Eine erektile Dysfunktion tritt bei etwa 50 Prozent der über 40-jährigen Männer zumindest zeitweise auf. Der Anteil der Männer mit Impotenz nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Aber auch Männer unter 40 können von einer erektilen Dysfunktion betroffen sein. Die erektile Impotenz kann sowohl die Lebensqualität und das Wohlbefinden des Betroffenen, als auch der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners erheblich einschränken.

Die Ursachen für eine Impotenz sind vielfältig. Psychische Faktoren (etwa Stress, sexuelle Versagensängste) kommen als Auslöser für die erektile Impotenz ebenso infrage wie innere Erkrankungen, Hormonstörungen, Nervenschädigungen oder Nebenwirkungen bestimmter Medikamente. Körperliche Risikofaktoren und auch Ursache für eine erektile Dysfunktion können unter anderem sein:


Liegt eine erektile Dysfunktion vor, besteht die Therapie der Impotenz in den meisten Fällen aus einer medikamentösen Behandlung in Tablettenform. Sollten sich die Erektionsprobleme dadurch nicht wie gewünscht verbessern, lässt sich eine Erektion jedoch auch über eine Wirkstoffinjektion in den Penis-Schwellkörper, einen Harnröhrenapplikator oder mechanische Hilfsmittel fördern (zum Beispiel Vakuumpumpe). Eine Behandlung mit Medikamenten sollte bei einer erektilen Impotenz immer unter ärztlicher Betreuung erfolgen. Sind psychische Probleme die Ursache der erektilen Dysfunktion, kann eine psychiatrisch-psychologische Behandlung helfen.

Je früher Betroffene mit einer erektilen Dysfunktion therapeutische Hilfe suchen, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Erste Anlaufstelle bei Impotenz sollte ein Urologe sein.

Eine andere, inzwischen veraltete Bezeichnung für die erektile Dysfunktion ist Impotentia coeundi.

2. Definition

Unter einer erektilen Dysfunktion (erektile Impotenz) versteht man die Unfähigkeit des Mannes, Geschlechtsverkehr auszuüben. Dabei kommt es beim Mann zu keiner ausreichend langen Erektion (Versteifung des Glieds) für den Beischlaf. Erst wenn diese Potenzprobleme seit sechs Monaten oder länger auftreten, handelt es sich per Definition um eine erektile Dysfunktion. Ein veralteter Begriff für die erektile Dysfunktion ist Impotentia coeundi.

Eine erektile Dysfunktion kommt bei etwa jedem zweiten Mann über 40 Jahren zumindest zeitweise vor. Der Anteil nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Ist die erektile Dysfunktion schon immer vorhanden gewesen, spricht man von einer primären Erektionsstörung. Tritt die erektile Dysfunktion dagegen spontan oder nur in bestimmten Situationen auf, spricht man von einer sekundären Erektionsstörung.

Zum Teil treten neben der erektilen Dysfunktion auch sexuelle Funktionsstörungen auf: Hierbei kann der Zeitpunkt des Orgasmus nicht kontrolliert werden, sodass es zum vorzeitigen oder verzögerten Samenerguss kommt. In der Regel tritt der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) jedoch häufiger auf.

3. Ursachen

Die Ursachen für eine erektile Dysfunktion (erektile Impotenz) sind vielfältig und treten oft kombiniert auf. Bei jüngeren Männern führen häufiger psychische Ursachen zu erektiler Impotenz. Mit fortschreitendem Alter steigt dagegen der Anteil körperlicher Ursachen an. Insgesamt betrachtet liegen bei einer erektilen Dysfunktion jedoch in 70 bis 80 Prozent der Fälle körperliche Ursachen zugrunde.

Körperliche Ursachen

Zu den möglichen körperlichen Ursachen einer erektilen Dysfunktion zählen:

  • Durchblutungsstörungen
  • Arteriosklerose
  • erhöhter Blutzucker (Diabetes mellitus)
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Hodenentzündung
  • Nebenhodenentzündung
  • Prostataentzündung
  • Hormonstörungen
  • chronisches Nierenversagen
  • chronisches Leberleiden
  • vorhergehende Gefässoperationen im Bauchraum
  • Blasen- und Darmoperationen
  • Bestrahlung im kleinen Becken
  • neurologische Erkrankungen (zum Beispiel multiple Sklerose, Polyneuropathie)
  • Querschnittslähmung

Medikamente

Auch Medikamente können eine erektile Impotenz hervorrufen:

  • Magen-Darm-Mittel (zum Beispiel Cimetidin, Ranitidin)
  • Herzmedikamente (zum Beispiel Digitalis, Propafenon, Verapamil)
  • entzündungshemmende Medikamente (zum Beispiel Kortison)
  • Medikamente zur Entwässerung (zum Beispiel Thiazide, Spironolacton)
  • blutdrucksenkende Medikamente (zum Beispiel Clonidin, Dihydralazin)
  • Haarwuchsmittel (Finasterid)
  • Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva)
  • angstlösende Medikamente, sog. Tranquilizer (zum Beispiel Phenothiazine, Butyrophenone, Thioxanthene)
  • Betablocker (Propranolol, Atenolol)
  • Antiandrogene (Wirkstoffe, die die Wirkung männlicher Geschlechtshormone hemmen)

Psychische Ursachen

Mögliche psychische Ursachen für eine erektile Impotenz sind zum Beispiel:

  • sexueller Leistungsdruck
  • Versagensängste
  • Stress (zum Beispiel mit dem Partner, in anderen Lebensbereichen)
  • unbewältigte Konflikte
  • mangelndes sexuelles Interesse
  • Depressionen


Für das Zugrundeliegen psychischer Ursachen bei Impotenz können folgende Punkte sprechen:

  • Die erektile Dysfunktion hat relativ plötzlich begonnen.
  • Es scheint keine körperlichen Ursachen für die Impotenz zu geben.
  • Vor Beginn der erektilen Dysfunktion gab es belastende Situationen im Leben des Betroffenen.
  • Die Erektionsprobleme kommen und gehen.
  • Die Erektionsprobleme treten nur in bestimmten Situationen auf (zum Beispiel im Beisein der Lebenspartnerin), nicht aber bei der Selbstbefriedigung.
  • Nachts oder morgens kommt es weiterhin zu spontanen Erektionen.
  • Beim Betroffenen liegen keine körperlichen Risikofaktoren für eine erektile Impotenz vor (zum Beispiel Diabetes mellitus, erektionshemmende Medikamente, Alkohol- oder Drogenmissbrauch).
  • Der Betroffene ist jünger als 50 Jahre.

4. Symptome

Eine erektile Dysfunktion (erektile Impotenz) äussert sich dadurch, dass sich das männliche Glied für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr nicht ausreichend versteift beziehungsweise dass die Erektion nicht andauert. Zum Teil treten als weitere Symptome der Impotenz gleichzeitig sexuelle Funktionsstörungen wie der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) oder der verzögerte Samenerguss (Ejaculatio retarda) auf.

Da sich die meisten Männer in ihrer Männlichkeit auch über die Fähigkeit zur Erektion beziehungsweise zum Vollzug des Geschlechtsverkehrs definieren, kann sich eine erektile Dysfunktion stark auf das Selbstwertgefühl des Betroffenen auswirken. Häufig beeinträchtigt Impotenz die Lebensqualität deshalb stark und kann zu einem grossen Leidensdruck führen.

5. Diagnose

Um festzustellen, ob beim Betroffenen eine erektile Dysfunktion (erektile Impotenz) vorliegt, ist vor allem ein ausführliches Patientengespräch für die Diagnose wichtig, in dem der Arzt auf die sexuellen Probleme eingeht. Es ist sinnvoll, auch die Lebenspartnerin oder den Lebenspartner mit in das Gespräch einzubeziehen.

Da eine erektile Dysfunktion vielfältige Ursachen haben kann, sollte zuerst abgeklärt werden, ob eventuell eine andere Erkrankung der Auslöser ist (zum Beispiel Diabetes mellitus). Um die Ursachen zu klären, nimmt der Arzt in der Regel eine körperliche Untersuchung und auch eine Blutuntersuchung (zum Beispiel zur Abklärung des Hormonstatus, Blutzuckerspiegels) vor.

Beim gesunden Mann treten in der Regel nachts, aber auch morgens spontane Erektionen auf. Kommt es beim Betroffenen während des Schlafs zu Erektionen, spricht dies eher gegen eine körperliche Ursache, kann diese jedoch nicht vollständig ausschliessen. Auch mit morgendlichen Erektionen kann eine Erektionsstörung vorliegen.

Können körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, sollte man psychische Ursachen für die erektile Dysfunktion in Erwägung ziehen.

Im Rahmen der Diagnose einer erektilen Dysfunktion können verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel:

 

  • Schwellkörper-Injektionstest (SKIT)
  • Farb-Dopplersonographie
  • Kavernosographie
  • Neurologische Untersuchung

Schwellkörper-Injektionstest (SKIT)

Beim Schwellkörper-Injektionstest (SKIT) spritzt der Arzt dem Betroffenen ein männliches Sexualhormon aus der Gruppe der Prostaglandine in die Penis-Schwellkörper. Auf diese Weise tritt für gewöhnlich innerhalb kurzer Zeit eine Erektion ein. Wenn für eine länger anhaltende Erektion bereits geringe Mengen ausreichen, sind die Ursachen für die erektile Dysfunktion mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gefässbedingt.

Farb-Dopplersonographie

Mittels der Farb-Dopplersonographie, einer Form der Ultraschalluntersuchung, kann der Arzt die Durchblutung des Glieds überprüfen und Aufschluss darüber erhalten, ob eine gefässbedingte Ursache für die erektile Dysfunktion vorliegt.

Kavernosographie

Um festzustellen, ob der Blutabfluss über die Penis-Venen krankhaft gesteigert und eine Erektion deshalb nicht möglich ist (zum Beispiel durch ein venöses Leck), kann eine Kavernosographie durchgeführt werden. Hierbei wird beim Betroffenen zunächst mit Medikamenten eine Erektion hervorgerufen. Anschliessend bringt der Arzt in die Schwellkörper Kontrastmittel ein und verfolgt mithilfe von Röntgenbildern in regelmässigen Abständen (alle paar Sekunden) den Blutabfluss aus den Schwellkörpern.

Neurologische Untersuchung

Eine erektile Dysfunktion kann auch durch eine Störung der Nervenversorgung im Penis hervorgerufen werden. Um diese Möglichkeit zu testen, gibt es verschiedene neurologische Untersuchungen, wie zum Beispiel die Elektroneurographie oder die Elektromyographie.

6. Therapie

Hat die erektile Dysfunktion (erektile Impotenz) körperliche Ursachen, ist eine Therapie mithilfe von Medikamenten oder über verschiedene Hilfsmittel möglich. Liegt der Impotenz eine Erkrankung zugrunde (zum Beispiel Diabetes mellitus), muss diese behandelt werden. Nur in seltenen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff nötig, um die Impotenz zu beheben.

Bei einer psychisch bedingten erektilen Dysfunktion ist eine psychiatrisch-psychologische Therapie zu empfehlen.

Medikamente

Eine erektile Dysfunktion kann in vielen Fällen mithilfe von Medikamenten behandelt werden. In der Regel ist auf diese Weise problemlos eine Erektion zu erreichen und auch aufrecht zu halten. Sogenannte Phosphodiesterasehemmer (PDE-Hemmer) beispielsweise führen zu einer besseren Durchblutung des Penis. Die Einnahme der Medikamente erfolgt im Allgemeinen vor dem geplanten Geschlechtsverkehr und nicht häufiger als einmal in 24 Stunden. Da es zu Wechselwirkungen und Nebenwirkungen kommen kann, sind diese Potenzmittel verschreibungspflichtig. Mögliche Nebenwirkungen sind zum Beispiel:

Besonders der Wirkstoff Sildenafil kann zu einer Blutdrucksenkung führen und damit die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente verstärken. Die gleichzeitige Einnahme von Nitraten (zum Beispiel bei Herzpatienten) wie dem Wirkstoff Molsidomin kann lebensbedrohlich sein und ist daher zu vermeiden.

Ausserdem sollte beachtet werden, dass jegliche sexuelle Aktivität auch ohne die Verwendung von Medikamenten mit einer Belastung des Herz-Kreislauf-Systems einhergeht. Personen mit Herzinsuffizienz, Brustenge (Angina pectoris), einem kürzlich erlittenen Schlaganfall oder Herzinfarkt sollten keine Potenzmittel verwenden.

Alle derzeit auf dem Markt erhältlichen Medikamente gegen erektile Dysfunktion sind verschreibungspflichtig und sollten genau nach den Angaben des Arztes eingenommen werden.

Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT)

Die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) kommt vor allem für Betroffene mit erektiler Impotenz infrage, bei denen eine Medikamenten-Einnahme in Tablettenform keine Besserung brachte. Bei dieser Methode wird ein gefässerweiternder Wirkstoff (Alprostadil) in einen Schwellkörper des Penis injiziert. Die Injektion kann der Betroffene mit etwas Übung selbst vornehmen. Wenige Minuten nach der Injektion tritt eine Erektion ein, die etwa eine Stunde anhält. Bei sachgerechter Anwendung sind die Nebenwirkungen gering. Wird die Injektion vom Betroffenen selbst durchgeführt, sollte alle drei Monate eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Die Schwellkörperinjektion ist nicht schmerzhaft. Sie wird mit einer extrem dünnen Kanüle durchgeführt. Die Verwendung von Fertigspritzen erleichtert die Handhabung.

Bei der Anwendung der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie kann es zu Nebenwirkungen wie Blutergüssen, Penis- und Erektionsschmerzen oder Schwellkörperinfektionen kommen.

Personen, die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Geschlechtskrankheiten oder Sichelzellenanämie betroffen sind oder innerhalb des letzten Jahres einen Herzinfarkt hatten, sollten die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie nicht anwenden.

In seltenen Fällen kann bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie ein Priapismus auftreten. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Erektion, die länger als zwei Stunden anhält und ärztlich behandelt werden muss. Unbehandelt führt ein Priapismus zu einer Fibrose (Gewebeverhärtung) und einer dauerhaften erektilen Dysfunktion.

Transurethrale Therapie

Die transurethrale Therapie ist eine weitere Behandlungsmöglichkeit der erektilen Dysfunktion (erektile Impotenz). Diese Therapieform kann infrage kommen, wenn eine Tabletteneinnahme nicht zum gewünschten Erfolg führte.

Bei der transurethralen Therapie verwenden die Betroffenen einen stäbchenförmigen Applikator aus Kunststoff. Der Applikator besteht aus einem 1,4 Millimeter dicken und 3 Zentimeter langem Stäbchen, welches den Wirkstoff Alprostadil enthält. Nach dem Wasserlassen wird der Applikator in die Harnröhre eingeführt. Durch Knopfdruck gibt der Applikator, ein kleines, wirkstoffhaltiges «Zäpfchen» in die Harnröhre ab.

Nach Entfernung des Applikators wird der Penis zwischen den Handflächen gerollt und massiert, damit sich der Wirkstoff in der Harnröhre auflösen, verteilen und durch die Harnröhrenwand aufgenommen werden kann. Der Wirkstoff Alprostadil entspannt die glatte Muskulatur des Penis, steigert die Durchblutung und bewirkt wenige Minuten später eine Erektion, die 70 bis 80 Minuten anhält.

Bei der transurethralen Therapie können Nebenwirkungen wie Schmerzen, Kopfschmerzen, Harnröhrenverletzungen, Schwindelanfälle, Blutdruckabfall oder kurze Bewusstlosigkeit eintreten. Bei zuvor aufgetretenen anhaltenden schmerzhaften Erektionen (Priapismus), Blutgerinnungsstörungen oder Harnröhrenentzündungen sollte auf diese Methode nicht zurückgegriffen werden. Die transurethrale Therapie ist ebenfalls nicht zu empfehlen, wenn die Sexualpartnerin schwanger ist, da der Wirkstoff Alprostadil ein Risiko für das ungeborene Kind darstellen kann.

Mechanische Hilfsmittel

Vakuumpumpen sind bei allen Formen von erektiler Dysfunktion anwendbar. Vakuumpumpen bestehen aus einem durchsichtigen Kunststoffzylinder, der über einen Schlauch mit einer Handpumpe verbunden wird. Über das Zylinderende wird ein stramm sitzender Gummiring gezogen. Anschliessend wird der Zylinder auf den Penis aufgesetzt. Die Pumpe erzeugt im Zylinder einen Unterdruck, der Penis füllt sich mit Blut und es kommt zur Erektion.

Anschliessend wird der auf dem Kunststoffzylinder sitzende Gummiring auf die Peniswurzel abgestreift. Dieser verhindert, dass das Blut wieder abläuft und erhält so die Erektion. Wird der Ring nach dem Verkehr entfernt, lässt die Erektion wieder nach.

Komplikationen

Bei dieser Methode kann es zu Durchblutungsstörungen im Penis kommen. Daher sollten Vakuumpumpen nicht angewendet werden, wenn Priapismus, Durchblutungsstörungen oder andere Formen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegen.

Operative Massnahmen

Patienten, bei denen medikamentöse oder mechanische Verfahren zur Behandlung der erektilen Dysfunktion versagen, bleibt eine Penisprothese (Penisimplantat) als Option. Hierbei setzt man operativ eine Prothese in die Penis-Schwellkörper ein. Die Langzeitergebnisse dieser Methode sind jedoch widersprüchlich, weshalb diese Methode nur vereinzelt zum Einsatz kommt.

Man unterscheidet bei einer Penisprothese sogenannte semirigide («halbsteife») Prothesen aus Kunststoff von hydraulischen Prothesen:

  • Semirigide Penisprothese: Eine semirigide Penisprothese ist kosmetisch unbefriedigend, weil sie zu einer Dauererektion beim Betroffenen führt. Für den Geschlechtsverkehr müssen Betroffene den Penis hochbiegen.
  • Hydraulische Penisprothese: Eine hydraulische Penisprothese kann der Betroffene selbst über eine Pumpe, die in den Hodensack implantiert wird, aufpumpen. Über die Pumpe wird Flüssigkeit aus einem operativ angelegten Reservoir im Bauchraum in zylindrische Behälter im Penisschwellkörper geleitet. Um die Erektion wiederaufzulösen, wird ein Knopf an der Pumpe betätigt.

Komplikationen

Das Einsetzen einer Penisprothese ist aufgrund des komplizierten Mechanismus aufwendig. Als unerwünschte Nebenwirkungen können Gewebeverhärtungen (Fibrosen) und Infektionen auftreten. Bei der Prothesenimplantation werden die Schwellkörper teilweise entfernt. Der Zustand vor dem Eingriff lässt sich deshalb nach einer derartigen Operation nicht wiederherstellen.

In seltenen Fällen kann eine Bypass-Operation notwendig sein – etwa bei Verletzungen oder Gefässverschlüssen im Penis. Während der Bypass-Operation wird eine neue Verbindung für das ausgefallene Gefäss geschaffen. Diese Operation kommt jedoch eher selten zum Einsatz.

Psychiatrisch-psychologische Therapie

Eine psychiatrisch-psychologische Therapie richtet sich vor allem danach aus, welche psychischen Ursachen der erektilen Dysfunktion (erektile Impotenz) zugrunde liegen. Eventuell kommen im Rahmen der Therapie auch Psychopharmaka zum Einsatz (zum Beispiel Antidepressiva). Welche Therapieform (zum Beispiel kognitive Therapie, Einzel- oder Paartherapie) die geeignete ist, muss individuell entschieden werden.

7. Verlauf

Der Verlauf einer erektilen Dysfunktion (erektile Impotenz) hängt davon ab, in welchem Mass die Ursache behandelt werden kann. In den meisten Fällen können die Erektionsprobleme mithilfe von Medikamenten (wie Phosphodiesterasehemmern) behoben werden. Im Gegensatz zu einer erektilen Dysfunktion aufgrund körperlicher Ursachen ist eine erektile Dysfunktion aus psychischen Gründen häufig ein vorübergehendes Problem.

Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Aussichten, eine erektile Dysfunktion zu heilen.

8. Vorbeugen

Eine erektile Dysfunktion (erektile Impotenz) kann verschiedenste Ursachen haben. Daher kann man einer erektilen Dysfunktion nur bedingt vorbeugen. Man sollte auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung achten. Übergewicht, Nikotin und übermässiger Alkoholkonsum sind zu vermeiden. Darüber hinaus sollte man sich selbst, aber auch die Lebenspartnerin/den Lebenspartner nicht unter sexuellen Leistungsdruck setzen.

Treten Symptome einer erektilen Dysfunktion auf, sollte man nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen. Zum einen sind die Erfolgsaussichten einer Therapie besser, je früher sie beginnt. Zum anderen können sich hinter einer erektilen Dysfunktion andere Erkrankungen verstecken (etwa Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen), die einer Behandlung bedürfen.