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1. Überblick

Ein Erysipel (Wundrose) ist eine bakterielle Entzündung der Haut, die vor allem bei Erwachsenen auftritt. Durch kleine Verletzungen der Haut (z.B. Risswunden, Ekzeme oder Pilzinfektionen zwischen den Fingern) gelangen Bakterien, meist A-Streptokokken, in die Lymphgefässe der Haut. Von dort können sie sich ausbreiten und zu Entzündungen der Haut führen.

Neben den Beinen ist das Gesicht besonders häufig von einem Erysipel betroffen. In diesem Fall spricht man auch von einer Gesichtsrose. Innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen entwickeln sich auf der betroffenen Haut flammenförmige, scharf begrenzte Rötungen. Teilweise schwellen bei einer Wundrose die Lymphknoten an und es entstehen ein Spannungsgefühl und Schmerzen an der entzündeten Hautstelle. Nicht selten treten hohes Fieber, Schüttelfrost, Gelenk- und Kopfschmerzen sowie Übelkeit auf.

Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächten Abwehrkräften – zum Beispiel Diabetiker oder Menschen mit Durchblutungsstörungen oder Autoimmunerkrankungen wie AIDS.

Der Arzt diagnostiziert ein Erysipel anhand der typischen Symptome und einer Blutuntersuchung. Bei der Diagnose ist es besonders wichtig, auch die Eintrittsstelle der Erreger ausfindig zu machen und diese zu reinigen.

Ein Erysipel wird medikamentös mit einem Antibiotikum, häufig Penizillin, behandelt. Der Patient erhält das Medikament zunächst als Infusion über die Vene (intravenös). Schlägt das Medikament an, reicht es nach wenigen Tagen aus, die Antibiotika als Tabletten einzunehmen. Sind Arme oder Beine von einem Erysipel betroffen, müssen die Betroffenen die entsprechenden Extremitäten hoch lagern und kühlen. Ohne Behandlung kann eine Wundrose zu schwerwiegenden Komplikationen, etwa eine Venenentzündung (Thrombophlebitis) oder Blutvergiftung, führen.

2. Definition

Ein Erysipel ist laut Definition eine bakterielle Entzündung der Haut. Sie wird meist durch sogenannte A-Streptokokken verursacht, die sich in den Lymphgefässen der Haut ausbreiten. Ein Erysipel wird oft auch als Wundrose oder – wenn es im Gesicht auftritt – auch als Gesichtsrose bezeichnet. Wundrosen können zu schmerzhaften Rötungen und gefährlichen Komplikationen führen. Dabei sind vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährdet.

3. Ursachen

Bei einem Erysipel (Wundrose) sind die Ursachen meist kleine Bagatellverletzungen der Haut. Bakterien können eindringen, in die Lymphgefässe der Haut gelangen und sich dort ausbreiten. Ausser über kleine Hautverletzungen kann der Erreger aber auch über Insektenstiche oder Pilzerkrankungen zwischen den Fingern (sog. Interdigitalmykose) oder Zehen (Fusspilz) in den Körper gelangen.

In den meisten Erysipel-Fällen sind die Ursachen Infektionen mit sogenannten A-Streptokokken. Diese Bakterienart produziert Giftstoffe, die eine Entzündung bewirken. In seltenen Fällen können auch andere Erreger die Ursache für eine Wundrose sein, so zum Beispiel Staphylokokken.

Gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem erkranken relativ selten an einem Erysipel (Wundrose). Gefährdet sind vor allem Personen mit geschwächten Abwehrkräften oder bestehender Grunderkrankung – zum Beispiel alte Menschen, Alkoholiker, Diabetiker, Menschen mit Durchblutungsstörungen oder AIDS-Erkrankte.

4. Symptome

Ein Erysipel (Wundrose) zeigt typische Symptome einer Entzündung der Haut. Besonders häufig entsteht die Wundrose am Bein oder im Gesicht (sog. Gesichtsrose). Innerhalb weniger Stunden oder Tage nach der Verletzung entwickeln sich im betroffenen Bereich der Haut flammenförmige, zumeist scharf begrenzte Rötungen, die sich warm anfühlen. Betrifft die Infektion auch tiefere Gewebebereiche, sind die Ausläufer der Rötungen eher unscharf begrenzt.

Bei schweren Verlaufsformen kann ein Erysipel folgende Symptome hervorrufen: Kleine, stecknadelkopfgrosse Blutungen unter der Haut (petechiale Blutungen), Blasen sowie abgestorbene Gewebeanteile (Nekrose). Häufig sind die in der Umgebung der Wundrose liegenden Lymphknoten geschwollen und schmerzen bei Druck.

Neben den sichtbaren Hautveränderungen können beim Erysipel auch weitere Symptome vorliegen: Tritt die Wundrose zum ersten Mal auf oder erstreckt sich die Entzündung über grössere Hautbereiche, entsteht hohes Fieber mit Schüttelfrost. Den Betroffenen ist übel und sie fühlen sich schwach und erschöpft. An einem Erysipel erkrankte Personen zeigen häufig auch Symptome wie Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Herzrasen (Tachykardie).

5. Diagnose

Oft kann der Arzt bei einem Erysipel die Diagnose schon aufgrund der typischen Symptome stellen: Rote, geschwollene und entzündete Hautstellen, gegebenenfalls Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl sprechen für eine vorliegende Wundrose.

Um den Grad der Entzündung festzustellen und den Erreger zu ermitteln, ist eine Blutuntersuchung sinnvoll.

Liegt ein Erysipel vor, muss der Arzt im Rahmen der Diagnose herausfinden, was die Eintrittspforte für die Krankheitserreger gewesen sein könnte (z.B. Wunden, Ekzeme oder Pilzinfektionen wie Tinea) und ob Begleit- beziehungsweise Grunderkrankungen vorliegen (Diabetes mellitus, Lymphödem, Durchblutungsstörungen und Gefässerkrankungen der Beine), welche die Entstehung einer Wundrose begünstigen. Hierbei spielt vor allem ein geschwächtes Immunsystem eine entscheidende Rolle, insbesondere bei wiederkehrenden Wundrosen.

6. Therapie

Die Erysipel-Therapie besteht im Allgemeinen in der Gabe von Antibiotika, meist Penizillin V oder Penizillin G. Diese Wirkstoffe bekämpfen die Bakterien (sog. A-Streptokokken), die ein Erysipel (Wundrose) in der Regel hervorrufen. Besteht der Verdacht auf eine Mischinfektion mit anderen Erregern, etwa Staphylococcus aureus, sind Cephalosporine wie Cefazolin geeignet.

Häufig ist bei einem Erysipel eine Therapie im Spital (stationär) notwendig, da die Antibiotika anfangs meist als Infusion über die Vene gegeben werden müssen. Die Antibiotika-Behandlung dauert 10 bis 14 Tage, oft ist zusätzlich auch die Einnahme schmerzstillender und fiebersenkender Medikamente sinnvoll. Schlägt die Erysipel-Therapie in Form einer intravenösen Antibiotika-Behandlung nach zwei bis drei Tagen an, können die Betroffenen die Medikamente ab dann in Tablettenform einnehmen.

Der Patient sollte den von der Wundrose betroffenen Körperteil nicht viel bewegen, daher ist Bettruhe wichtig. Sind die Extremitäten betroffen, ist eine Schiene geeignet, die das Bein oder den Arm ruhigstellt und hochlagert. Dies beugt einem Lymphstau vor. Eine zusätzliche Kühlung der betroffenen Stelle wirkt ausserdem schmerzlindernd und abschwellend.

Konnte der Arzt die Wunde, durch die der Krankheitserreger in den Körper eingedrungen ist (z.B. Pilzinfektion zwischen Fingern und Zehen oder Ekzeme), aufspüren, muss er diese behandeln. Beim Erysipel gehört also auch zur Therapie, dass die Wunde gereinigt und desinfiziert wird. Unter Umständen ist dabei auch ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig.

Liegt eine Grunderkrankung vor, die den Verlauf des Erysipels erschwert oder die Entstehung begünstigt, muss diese ebenfalls behandelt werden.

7. Verlauf

Bei Menschen mit intaktem Immunsystem sowie bei angemessener Behandlung mit Antibiotika nimmt ein Erysipel (Wundrose) einen günstigen Verlauf. Es heilt meist ohne Folgen nach einigen Tagen aus. Dennoch muss eine Wundrose immer ernst genommen werden. Ein unbehandeltes Erysipel breitet sich unter Umständen in tieferliegendes Körpergewebe aus, was im Verlauf schwere, mitunter lebensbedrohliche Komplikationen verursachen kann. Zu diesen Komplikationen zählen:

8. Vorbeugen

Personen mit geschwächter Immunabwehr, wie alte Menschen, Diabetiker oder Menschen mit Durchblutungsstörungen können einem Erysipel (Wundrose) vorbeugen, indem sie ihre Haut sorgfältig pflegen (z.B. regelmässig eincremen), um sie vor kleinen Verletzungen und Hautrissen zu schützen. Ausserdem ist es für solche Personen sinnvoll, den Körper nach möglichen Verletzungen zu untersuchen. Liegt eine Verletzung vor, sollte diese sauber gehalten werden. Direkte Massnahmen, die einem Erysipel vorbeugen, sind nicht bekannt.