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1. Überblick

Zu den Farbsehstörungen oder Farbsinnstörungen zählen die Farbenschwachsichtigkeit und unterschiedliche Formen der Farbenblindheit. Sie können angeboren oder erworben sein. Die häufigsten Farbsinnstörungen sind angeboren und erblich.

Personen mit einer Farbenschwachsichtigkeit können manche Farben weniger gut sehen als andere. Besonders häufig können sie die Farbe Grün nicht richtig erkennen (sog. Grünschwäche = Deuteranomalie). Bei der Farbenblindheit unterschieden Mediziner Menschen, die überhaupt keine Farben wahrnehmen können (Achromasie) – also vollkommen farbenblind sind – von solchen, die nur eine Farbe wahrnehmen können (Monochromasie). Ausserdem gibt es farbenblinde Personen, die verschiedene Farben sehen können, aber Schwierigkeiten haben, zwei Farben voneinander zu unterscheiden (Dichromasie). Die Achromasie kommt wie Gelb-Blau-Störungen nur sehr selten vor.

Männer sind häufiger von Farbsinnstörungen betroffen als Frauen. Das liegt daran, dass angeborene Farbsehstörungen geschlechtsabhängig vererbt werden. Besonders häufig ist die Rot-Grün-Blindheit. Bei dieser Dichromasie können Betroffene die Farben Rot und Grün nicht unterscheiden.

Durch eine Untersuchung mithilfe von Farbtafeln oder speziellen Geräten (z.B. Anomaloskop) kann man Farbsehstörungen feststellen. Der Arzt kann durch die Untersuchungen bestimmen, um welche Farbsinnstörung es sich genau handelt.

Eine Therapie oder vorbeugende Massnahmen gibt es für die meisten Farbsinnstörungen wie die Rot-Grün-Blindheit und die Farbenblindheit nicht. Im Gegensatz zu den angeborenen Farbsehstörungen können erworbene Farbsinnstörungen manchmal behandelt werden: Die Therapie richtet sich dann auf die zugrunde liegende Erkrankung.

Angeborene Farbsehstörungen – etwa die Rot-Grün-Blindheit – bleiben im Verlauf konstant – sie verschlechtern sich nicht. Die anderen Sehfunktionen wie die Sehschärfe sind durch Farbsinnstörungen nicht beeinträchtigt. Erworbene Farbsehstörungen können sich verschlechtern, wenn die Ursache nicht behoben werden kann.

2. Definition

Es gibt verschiedene Arten von Farbsehstörungen, die wiederum unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Man unterscheidet die Farbenschwachsichtigkeit, bei der Betroffene bestimmte Farben weniger gut wahrnehmen, und verschiedene Formen der Farbenblindheit:

  • Achromasie: völlige Farbenblindheit, Betroffene nehmen nur Graustufen und Schwarz/Weiss wahr
  • Monochromasie: teilweise Farbenblindheit, Betroffene nehmen nur eine Farbe wahr
  • Dichromasie: teilweise Farbenblindheit, Betroffene verwechseln zwei Farben:
    • Rotblindheit (Protanopie): Form der Rot-Grün-Blindheit, da eine bestimmte Sinneszellenart (L-Zapfen) im Auge fehlt, kann der Betroffene die Farbe Rot nicht wahrnehmen und verwechselt sie deshalb mit der Farbe Grün
    • Grünblindheit (Deuteranopie): Form der Rot-Grün-Blindheit, hier fehlt eine andere Zellart, die M-Zapfen. Die Betroffenen nehmen die Farbe Grün nicht wahr und verwechseln sie deshalb mit der Farbe Rot.
    • Blaublindheit (Tritanopie): sog. Blau-Gelb-Blindheit, da hier die sogenannten S-Zapfen fehlen, können Betroffene die Farbe Blau nicht wahrnehmen und verwechseln sie mit Gelb.
  • Anomale Trichromasie: Farbenschwachsichtigkeit – Betroffene können Rot (Protanomalie = Rotschwäche), Grün (Deuteranomalie = Grünschwäche) oder Blau (Tritanomalie = Blauschwäche) schlechter sehen als andere Farben; sie verwechseln die Farben aber nur bei ungünstigen Bedingungen, z.B. schlechten Lichtverhältnissen.

Anatomie

Mithilfe bestimmter Sinneszellen, der sogenannten Zapfen, in der Netzhaut des Auges gelingt es gewöhnlich, Farben zu unterscheiden. Es gibt drei verschiedene Zapfen-Typen:

  • L-Zapfen für lange Wellenlängen
  • M-Zapfen für mittlere Wellenlängen
  • S-Zapfen für kurze Wellenlängen

Lichtstrahlen von Wellenlängen zwischen etwa 780 nm (rot) und 380 nm (blau) können die Zapfen als Sinneseindruck wahrnehmen. In den Zapfen befinden sich drei verschiedene Farbpigmente. Diese werden je nach Wellenlänge des einfallenden Lichts in unterschiedlicher Weise gereizt und führen im Gehirn zu verschiedenen Farbempfindungen. Durch Mischung der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau entstehen im Gehirn sämtliche Farbtöne des sichtbaren Spektrums.

Häufigkeit

Die häufigsten Farbsehstörungen sind angeboren und werden geschlechtsgebunden vererbt. Deutlich mehr Männer (etwa 8 Prozent aller Männer) als Frauen (etwa 0,4 Prozent aller Frauen) sind betroffen.

Am häufigsten tritt eine Grünschwäche (Deuteranomalie) auf (50 Prozent der angeborenen Fälle). Störungen im Blaubereich sind – ebenso wie eine totale Farbenblindheit – sehr selten.

3. Ursachen

Die Rot-Grün-Blindheit und andere Farbsehstörungen können angeboren sein oder erworbene Ursachen haben. Meistens sind sie angeboren. Farbsehstörungen infolge von erworbenen Ursachen äussern sich zum Beispiel durch ein ein- oder beidseitig verkleinertes Gesichtsfeld für Farben. Manche Erkrankungen führen auch dazu, dass die Betroffenen vollkommen farbenblind werden. Verschiedene Erkrankungen der Netzhaut oder des Sehnervs kommen bei Farbsehstörungen als Ursachen infrage.

4. Symptome

Je nach Ursache treten bei Menschen mit Farbsehstörungen Symptome mehr oder weniger stark ausgeprägt auf. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten beim Unterscheiden verschiedener Farben, am häufigsten im Rot-Grün-Bereich. Vor allem die Unterscheidung der Farben Rot und Grün kann für Betroffene mit Farbsinnstörungen schwer sein – die Grünschwäche und die Rot-Grün-Blindheit sind häufige Farbsehstörungen. Grüne Farbeindrücke empfinden diese Personen als gräulich. Bei der sehr seltenen totalen Farbenblindheit (Achromasie) können die Betroffenen keine Farben, sondern lediglich Helligkeitsunterschiede wahrnehmen.

Bei erworbenen Farbsinnstörungen können je nach zugrunde liegender Erkrankung auch andere Funktionen eingeschränkt sein. Die Farbsehstörungen äussern sich dann zum Beispiel durch Symptome wie Lichtempfindlichkeit, reduzierte Sehschärfe oder eine Gesichtsfeldverkleinerung.

5. Diagnose

Um bei Farbsehstörungen wie der Rot-Grün-Blindheit die Diagnose zu stellen, kann der Augenarzt zunächst den Farbsinn mit bestimmten Farbtafeln (Ishihara-Tafeln) überprüfen. Diese Tafeln enthalten aus verschiedenen Farbflecken zusammengesetzte Zahlen. Der Untergrund ist ebenfalls gefleckt und andersfarbig, jedoch von der gleichen Helligkeit. Patienten mit Farbsehstörungen – zum Beispiel einer Rot-Grün-Blindheit – erkennen die Zahlen nicht oder nur falsch. Der Augenarzt kann nun auswerten, welche der gezeigten Zahlenproben der Patient erkannt hat und welche nicht. Anhand dieses Ergebnisses kann der er auf die Art der vorliegenden Farbsehstörung schliessen.

Eine weitere Möglichkeit, bei Farbsehstörungen die Diagnose zu stellen, ist eine Untersuchung mit dem sogenannten Anomaloskop. Der Betroffene mit Farbsehstörungen schaut durch ein Rohr auf eine zweigeteilte Prüfscheibe. Die untere Hälfte hat einen bestimmten Gelbton, der nur in seiner Helligkeit verändert werden kann. Auf der oberen Hälfte der Prüfscheibe muss der Untersuchte versuchen, diesen Gelbton nachzuahmen, indem er Rot und Grün mischt. Je nach Farbsehstörung wird er zu viel von einer Farbe zugeben und ein für ihn vergleichbares Gelb erzeugen. Der Augenarzt kann daran erkennen, welche Farbsehstörung vorliegt und so die Diagnose stellen.

6. Therapie

Bei den angeborenen Farbsehstörungen ist keine Therapie möglich. Wenn eine andere Augenerkrankung die Ursache für eine Farbsehstörung ist, wählt der Arzt Massnahmen, die zur Therapie der Grunderkrankung geeignet sind.

7. Verlauf

Angeborene Farbsehstörungen bleiben in ihrem Verlauf konstant und verschlechtern sich nicht weiter. Alle anderen Funktionen, zum Beispiel die Sehschärfe, sind dabei nicht gefährdet oder beeinflusst. Bei anderen Ursachen von Farbsehstörungen hängen die Prognose und der Verlauf jeweils von der auslösenden Erkrankung ab.