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Fersensporn

(Kalkaneussporn)
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1. Überblick

Der Fersensporn (Kalkaneussporn) kommt sehr häufig vor. Dies ist ein Knochenauswuch im Bereich der Ferse, wo die Sehnenstränge der Muskeln am Knochen (dem sog. Fersenbein oder Kalkaneus) ansetzen – oft ohne dass man ihn spürt. In manchen Fällen bereitet ein Fersensporn aber Beschwerden.

Fersensporne beziehungsweise durch sie bedingte Beschwerden entstehen durch Druck und Zug bei Überbelastung; besonders oft findet sich ein Fersensporn bei Fussfehlformen wie dem Knick-Senkfuss), bei denen an der Sehnenplatte im Bereich der Fusssohle eine erhöhte Zugbelastung herrscht. Ausserdem können zum Beispiel schlechte Schuhe, Übergewicht und höheres Alter die Entstehung eines Fersensporns fördern. Wenn sich ein Kalkaneussporn hinten am Fuss bildet, dann überwiegend entweder an der Fusssohle unterhalb der Hacke oder am Ansatz der Achillessehne:

 

  • Meistens bildet sich ein Kalkaneussporn als sogenannter unterer beziehungsweise plantarer Fersensporn unterhalb der Ferse.
  • Vergleichsweise selten entsteht ein Kalkaneussporn am Ansatz der Achillessehne. Ein solcher oberer beziehungsweise dorsaler Fersensporn ist auch als Haglund-Ferse oder Haglund-Exostose bekannt (Exostose = knöcherner Auswuchs).

 

Wenn ein Fersensporn Symptome hervorruft, dann vor allem in Form von Schmerzen, die bei Belastung oder durch Druck entstehen. Grund hierfür ist eine Entzündung im Bereich der Sehnenansätze an den Knochenvorsprüngen. Am häufigsten entstehen Fersenschmerzen beim Kalkaneussporn dadurch, dass mechanische Reize von aussen im Sehnenstrang der Fusssohle (sog. Plantarfaszie) im Bereich der Ferse eine Entzündung hervorrufen (sog. Fasciitis plantaris = Plantarfasziitis bzw. Fusssohlenentzündung). Der Sehnenstrang führt von der Ferse bis zu den Zehen und hält den Fuss in Längsrichtung aufrecht. Ist der Fusssohlensehnenstrang durch eine ständige Überbelastung entzündet, entstehen vor allem an der Innenseite der Ferse stechende Schmerzen, die besonders morgens und zu Beginn des Gehens stärker sind.

Hilfe bei einem Fersensporn bieten vor allem Einlagen (Fersenkissen) und entzündungshemmende Medikamente. Eine Operation erfolgt bei einem Fersensporn als letzte Möglichkeit erst dann, wenn die nicht-operative Behandlung versagt hat. Sie kommt daher sehr selten zum Einsatz.

2. Definition

Ein Fersensporn (Kalkaneussporn) ist ein unnatürlicher dornartiger Knochenauswuchs, der sich im Ansatzbereich eines Muskels (an der sog. Sehnenplatte) am Fersenbein bilden kann. Das Fersenbein, auch Kalkaneus oder Calcaneus genannt, ist ein Knochen der Fusswurzel.

Ein Fersensporn bereitet oft keine oder nur so geringe Beschwerden, dass die Betroffenen keinen Anlass für einen Arztbesuch sehen. Deshalb bleibt ein solcher Sporn in der Regel unerkannt, bis man ihn zufällig (bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Röntgenuntersuchung) entdeckt. Ein Kalkaneussporn kann jedoch zur Entzündung des umliegenden Gewebes und damit zu Schmerzen führen. Andererseits kann auch eine Entzündung bewirken, dass sich ein Sporn ausbildet.

Fersensporne treten überwiegend an zwei verschiedenen Stellen hinten am Fuss auf – entsprechend unterscheidet man zwei Formen von Fersensporn:

  • Sporn unterhalb der Ferse = unterer (plantarer) Fersensporn
  • Sporn am Ansatz der Achillessehne = oberer (dorsaler) Fersensporn, auch Haglund-Ferse oder Haglund-Exostose genannt

Plantarer Fersensporn

Meistens befindet sich ein Fersensporn (Kalkaneussporn) hinten unterhalb der Ferse an der Innenseite der Fusssohle des Fersenbeins und ist zehenwärts gerichtet. Ein solcher unterer oder plantarer Fersensporn entsteht durch Verschleiss aufgrund andauernder Fehl- und Überbelastung (z.B. durch Übergewicht, langes Stehen). Gelegentlich geht der plantare Fersensporn mit einer Entzündung des umliegenden Gewebes der Fusssohle einher. Ist der ansetzende Sehnenstrang (Plantarfaszie) entzündet, bezeichnet man dies als Plantarfasziitis. Diese Entzündung kann starke Schmerzen verursachen.

Haglund-Ferse oder Haglund-Exostose

Ein Fersensporn (Kalkaneussporn) kann sich nicht nur unterhalb der Ferse (sog. plantarer Fersensporn) bilden, sondern (seltener) auch als Knochenerhebung am seitlichen Rand des Fersenbeins (Kalkaneus) am Ansatz der Achillessehne auftreten. Ein solcher oberer oder dorsaler Fersensporn heisst auch Haglund-Ferse oder Haglund-Exostose (eine Exostose ist ein knöcherner Auswuchs). Die Haglund-Ferse ist angeboren und nicht zwingend mit Beschwerden verbunden. Tragen die Betroffenen falsche Schuhe und belasten sie die Ferse falsch oder übermässig, kann diese Dauerreizung beim oberen Fersensporn jedoch zu Entzündungen und Fersenschmerzen führen. Häufig steht diese Form von Kalkaneussporn in Verbindung mit einem entzündlichen Schleimbeutel und einer Entzündung der Achillessehne.

Häufigkeit

Ein Fersensporn (Kalkaneussporn) tritt mit relativ grosser Häufigkeit auf: Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung kann man einen Fersensporn nachweisen. Dies geschieht in vielen Fällen als Zufallsbefund ohne Beschwerden oder sonstige Anzeichen. Insgesamt haben mehr Frauen als Männer einen Fersensporn. Das Durchschnittsalter der Betroffenen beträgt 40 bis 60 Jahre.

3. Ursachen

Ein Fersensporn (Kalkaneussporn) kann seine Ursachen in Druck oder Zug infolge von Überbelastung haben. Durch die übermässige Belastung kann der Sehnenstrang der Fusssohle (sog. Plantarfaszie) an seiner Ansatzstelle an der Ferse derart beansprucht sein, dass er kleine Risse bekommt. Dies reizt das umliegende Gewebe beziehungsweise die Knochenhaut. Es entsteht eine schmerzhafte, örtlich begrenzte Entzündung – ein unterer Fersenschmerz. Nachfolgend lagert der Körper Kalk an den betroffenen Stellen ab – möglicherweise, um die kleinen Sehnenrisse zu heilen. Entlang der Sehnen bildet sich daraus allmählich der sogenannte Fersensporn. Andererseits kann auch (erblich bedingt oder durch Überbelastungen) zunächst ein Fersensporn entstehen, der seinerseits die Sehnen reizt und zu einer Entzündung des umliegenden Gewebes führt.

Höheres Alter kann einen Kalkaneussporn begünstigen. Für Überbelastungen, die zu einem Fersensporn führen können, kommen ausserdem folgende Ursachen infrage:

  • schlechtes Schuhwerk
  • besonders intensiver Sport in untrainiertem Zustand
  • Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Fussfehlstellungen
  • schwere körperliche Arbeiten
  • langes Stehen am Arbeitsplatz

Ein Kalkaneussporn bildet sich oft bei Fussfehlformen, die durch ein flach stehendes Fersenbein (Kalkaneus) gekennzeichnet sind – wie beim Knick-Senkfuss. Dies hat seine Ursachen darin, dass dann eine vermehrte Zugbelastung an der Sehnenplatte im Bereich der Fusssohle besteht: Dieser Zug kann dazu führen, dass der Ansatzbereich eines Muskels verknöchert – es entsteht ein plantarer oder unterer Fersensporn.

4. Symptome

Ein Fersensporn (Kalkaneussporn) verursacht selten deutliche Symptome, weshalb er oft unentdeckt bleibt. Wenn beim Fersensporn überhaupt Beschwerden auftreten, handelt es sich um Schmerzen im Bereich der Sehnenansätze. Je nachdem, wo der Sporn liegt, unterscheiden sich die von ihm ausgelösten Symptome:

Ist ein hinterer unterer (plantarer) Fersensporn für die schmerzhaften Symptome verantwortlich, sind die Schmerzen an den Fusssohlen stechend und belastungsabhängig und schränken die Aktivität des täglichen Lebens ein. Der plantare Kalkaneussporn ist besonders durch morgendlichen Schmerz bei den ersten Schritten gekennzeichnet (sog. Anlaufschmerz). Die schmerzfreie Gehstrecke ist deutlich eingeschränkt. Durch Druck kann man einen deutlich begrenzten Schmerz (Druckschmerz) am Ansatz der Sehnenplatte (sog. Aponeurose) im Bereich der Fusssohle auslösen.

Ein hinterer oberer (dorsaler) Fersensporn (bzw. Haglund-Exostose) äussert sich vor allem durch zwei Symptome: Druckschmerz beim Abtasten der Achillessehne und Belastungsschmerzen. Der hintere Schuhrand drückt auf den Kalkaneussporn, wodurch die Haut gerötet und entzündet ist. Der Druck des Schuhrands verursacht ausserdem meist eine Entzündung am Ansatz der Achillessehne, die mit einer Schleimbeutelentzündung verbunden ist.

5. Diagnose

Bei einem Fersensporn (Kalkaneussporn) erfolgt die Diagnose in der Regel zufällig (bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Röntgenuntersuchung), da sich der Sporn meist kaum bemerkbar macht. Bereitet ein Fersensporn doch Beschwerden, weisen diese meist deutlich auf eine durch mechanische Reize von aussen entstandene Entzündung des Fusssohlenstrangs (Plantarfasziitis) beziehungsweise auf einen Fersensporn hin. Die Beschwerden können jedoch auftreten, noch bevor sich infolge der Entzündung ein knöcherner Fersensporn gebildet hat. Klarheit schaffen eine Untersuchung und Röntgenaufnahmen:

  • Ob ein plantarer Fersensporn (hinterer unterer Kalkaneussporn) vorliegt, zeigt sich in einer seitlichen Röntgenaufnahme des Rückfusses: Dort ist meist ein zehenwärts gerichteter, ein bis fünf Millimeter langer knöcherner Sporn erkennbar.
  • Bei der Haglund-Exostose (hinterer oberer bzw. dorsaler Fersensporn) gelingt die Diagnose häufig anhand der Tatsache, dass die Knochenverwachsung im Röntgenbild kleiner ist als der klinisch tastbare Befund, da die Spitze vom Fersensporn knorpelig ausgebildet sein kann.

Deuten die Beschwerden auf einen Fersensporn hin, sind bei der Diagnose andere Erkrankungen als Ursachen auszuschliessen: Hierzu gehören etwa Rheuma, Morbus Bechterew und Gicht. Eine Bestimmung der Blutwerte kann hierzu beitragen. Ein Kalkaneussporn, der die Gehfähigkeit beeinträchtigt, ist auch leicht mit dem Morbus Ledderhose zu verwechseln: Hierbei bilden sich im Bereich der Fusssohle Knoten, ähnlich wie bei der Dupuytren-Krankheit der Hand.

6. Therapie

Konservative Behandlung

Ein Fersensporn (Kalkaneussporn) macht nur dann eine Therapie nötig, wenn er Beschwerden bereitet. Schwerpunktmässig kommt gegen einen Fersensporn eine konservative (d.h. nicht-operative) Behandlung zum Einsatz. Häufig reicht es schon, den Fersensporn durch Entlastung zu behandeln. Welche Massnahmen für Sie die beste Hilfe bedeuten, hängt davon ab, wo sich Ihr Kalkaneussporn befindet:

 

  • Plantarer Fersensporn: Ist ein hinterer unterer Fersensporn für Ihre Beschwerden verantwortlich, können Sie ein Fersenkissen mit Locheinlage über der druckempfindlichen Stelle tragen. Dies lindert die Schmerzen. Zusätzlich sind bei einem plantaren Fersensporn bei Bedarf Einlagen (Locheinlagen) sinnvoll, die das Längsgewölbe des Fusses unterstützen und entlasten.
  • Haglund-Exostose: Bereitet Ihnen ein solcher hinterer oberer (dorsaler) Fersensporn Probleme, erreichen Sie bereits durch einen Wechsel Ihrer Schuhe Besserung. Verzichten Sie bei einem oberen Fersensporn auf zu starres Schuhwerk und vermeiden Sie Schuhe, die auf Höhe des Sporns abschliessen.

Reichen diese Massnahmen nicht aus, um die mit dem Fersensporn einhergehenden Beschwerden zu lindern, stehen für die konservative Behandlung folgende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:

  • Physikalische Massnahmen: Hilfe bei einem Fersensporn bietet eine physikalische Therapie in Form von Kälte- und Wärmebehandlung sowie einer örtlichen Ultraschallbehandlung.
  • Medikamente: Für die medikamentöse Behandlung beim Fersensporn eignen sich Salbenverbände. Zum Einsatz kommen meist Lokalanästhetika- und Kortikoid-Gemische, das heisst die Salbe enthält Kortison und Mittel zur örtlichen Betäubung. Sie ist im Bereich des Muskelansatzes aufzutragen. Daneben kann Ihnen der Arzt ein entsprechendes schmerzstillendes und entzündungshemmendes Gemisch aus einem Glukokortikoid (z.B. Dexamethason) und einem Mittel zur örtlichen Betäubung (z.B. Procain) direkt an Ihren Kalkaneussporn zu spritzen.
  • Stosswellentherapie: Energiereiche Ultraschallwellen (sog. extrakorporale Stosswellen) regen Blutgefässe zum Wachstum an und lindern die Entzündung. Ausserdem tragen sie Kalkablagerungen ab.

Operation

Bei einem Fersensporn (Kalkaneussporn) ist für eine erfolgreiche Therapie in der Regel keine Operation notwendig. Nur wenn Ihnen die konservativen Massnahmen gegen den Fersensporn nach mindestens neun bis zwölf Monaten noch keine Besserung verschafft haben, ist eine operative Behandlung in Erwägung zu ziehen. Bei der Operation trägt der Operateur den Kalkaneussporn mit einem Meissel ab und entfernt ein Stück des Sehnenstrangs.

Es ist ratsam, dass Sie bei einem Fersensporn vor einer Operation alle Möglichkeiten der nicht-operativen Behandlung ausschöpfen, denn: Die Operation birgt das Risiko in sich, dass sich Narben bilden, die zu anhaltenden Schmerzen führen. Darum ist es wichtig, die zur konservativen Fersensporn-Behandlung eingesetzten Einlagen von einem erfahrenen Ortho-Schuhmacher sorgfältig anpassen zu lassen.

7. Verlauf

Ein behandelter Fersensporn (Kalkaneussporn) nimmt in der Regel einen guten Verlauf: In über 95 Prozent der Fälle kann man beim Fersensporn durch eine konservative Behandlung eine Heilung erreichen. Bei unter 5 Prozent kann ein Fersensporn jedoch nach jahrelangem Verlauf eine Operation notwendig machen. In diesen Fällen beträgt die Heilungsrate 80 bis 90 Prozent. Allerdings ist nach einer operativen Behandlung des Fersensporns mit einer langen Erholungsphase zu rechnen.

8. Vorbeugen

Einem Fersensporn (Kalkaneussporn) können Sie vorbeugen, indem Sie die Sehnen Ihrer Fusssohle schonen. Dies erreichen Sie zum Beispiel, indem Sie:

  • sich vor dem Sport ausreichend aufwärmen und dehnen
  • passende und nicht zu enge Schuhe tragen
  • gelegentlich Ihre Haltung am Arbeitsplatz ändern (stehen/sitzen)

Wenn Sie einem Fersensporn vorbeugen möchten, ist es ausserdem ratsam, Übergewicht zu vermeiden beziehungsweise abzubauen.