Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Das Fleckfieber, das früher im Volksmund auch als Hunger-, Kriegs- oder Läusetyphus bekannt war, ist eine durch Läuse übertragene, bakterielle Infektionserkrankung.

Ausgelöst wird das Fleckfieber durch eine Infektion mit Bakterien der Gattung Rickettsia. Diese gelangen über befallene Läuse in den menschlichen Körper – zum Beispiel wenn man sich blutig kratzt und Rickettsien aus dem Läusekot in die Blutbahn gelangen.

In Kriegen oder während Hungersnöten herrschen schlechte hygienische Verhältnisse. Das fördert Lausbefall. Dementsprechend flammt das Fleckfieber in solchen Krisenzeiten immer wieder auf und es kommt zu einer Vielzahl von Infektionen. Die Erkrankung ist heute vor allem in den Höhenlagen der Tropen und Subtropen verbreitet.

Etwa ein bis zwei Wochen nach der Infektion kommt es zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem feinfleckigen Hautausschlag.

Bei frühzeitiger Therapie des Fleckfiebers mit Antibiotika ist die Prognose gut. Unbehandelt verläuft ein Fleckfieber mitunter mit schweren Komplikationen. Besonders wenn sich Gehirn oder der Herzmuskel entzünden, kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden oder Spätschäden wie Taubheit hervorrufen.

Um dem Fleckfieber vorzubeugen, sollten Sie konsequent hygienische Massnahmen einhalten und einen Läusebefall vermeiden. Das gilt vor allem dann, wenn Sie sich in Regionen aufhalten, in denen das Risiko für eine Ansteckung erhöht ist. Ein Impfstoff gegen Fleckfieber steht zwar zur Verfügung, es sollten sich jedoch lediglich besonders gefährdete Personen (z.B. Mitarbeiter in Speziallaboren) impfen lassen.

Beim Fleckfieber handelt es sich um eine meldepflichtige Erkrankung. Nachgewiesen werden kann die Infektion mit einer Blutprobe und einem Antikörpertest.

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2. Definition

Das zu den Rickettsiosen zählende Fleckfieber (auch: Flecktyphus, Typhus exanthematicus) ist eine akute bakterielle Infektionserkrankung. Ausgelöst wird die Erkrankung durch eine Infektion mit Bakterien der Gattung Rickettsia.

Häufigkeit

Fleckfieber tritt vor allem epidemisch, das heisst gehäuft zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Orten auf. Während das Fleckfieber früher besonders in Süd- und Osteuropa verbreitet war, kommt es heute eher in den Höhenlagen der Tropen und Subtropen vor. In Krisenzeiten (Hunger, Kriege) mit schlechten hygienischen Verhältnissen flammt die Erkrankung auf und es kommt zu einer Vielzahl von Infektionen. Bürgerkriege und Flüchtlingsbewegungen in Afrika haben aber auch in jüngerer Zeit zu hohen Erkrankungsraten geführt.

Rechtliches

Jede Fleckfieber-Infektion ist laut Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung.

3. Ursachen

Beim Fleckfieber sind die Ursachen Bakterien: Fleckfieber beruht auf einer Infektion mit dem Bakterium Rickettsia prowazekii, welches in der Regel durch Läuse übertragen wird.

Erreger

Der Erreger des Fleckfiebers gehört zur Familie der Rickettsia. Die genaue Bezeichnung lautet Rickettsia prowazecki. Rickettsien sind unbewegliche Stäbchen- oder Kugelbakterien (Kokken), die ähnlich wie Viren in lebende Zellen eindringen, um sich vor dem Immunsystem des befallenen Organismus (Wirt) zu schützen und sich vermehren zu können. Wissenschaftler bezeichnen sie als «obligat-intrazelluläre Parasiten».

Übertragungsweg

Rickettsia prowazekii vermehrt sich im Magen-Darm-Trakt von Läusen, bevorzugt in Kleiderläusen, und wird mit dem Kot der Läuse ausgeschieden. Dort sind die Bakterien längere Zeit überlebensfähig. Etwa zwei bis drei Wochen nach einer Infektion mit dem Erreger stirbt die Laus.

Kratzt sich ein Mensch und reibt dabei die Bakterien aus dem Läusekot in die Kratzwunde, kommt es zur Infektion. In manchen Fällen erfolgt die Ansteckung aber auch dadurch, dass die Bakterien eingeatmet werden. Im Körper angelangt werden die Erreger mit dem Blutstrom fortgeschwemmt und befallen bevorzugt die Zellen von kleinen Blutgefässen in Haut, Gehirn, Nieren oder dem Herzmuskel. Infolge der Entzündungsreaktion werden Blutgefässe zerstört (Gefässnekrosen).

Wird ein Erkrankter während der Fieberphase sowie etwa zwei bis drei Tage nach Abklingen des Fleckfiebers von einer Laus gebissen, so gelangen die Erreger des Fleckfiebers wieder in das Tier – und dieses kann erneut andere Menschen anstecken.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit des Fleckfiebers, das heisst die Zeit zwischen Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt etwa ein bis zwei Wochen.

4. Symptome

Bei Fleckfieber treten verschiedene Symptome auf: Plötzlich auftretende, schwere Kopf- und Gliederschmerzen sind typisch. Die Temperatur steigt schnell auf Werte bis 40 Grad Celsius und bleibt für etwa 8 bis 14 Tage auf diesem Niveau. Zusätzlich leiden die Betroffenen an Schüttelfrost und Muskelschmerzen. Sie fühlen sich schwer krank, das Gesicht ist oft gerötet und aufgedunsen. Bei Beteiligung des Gehirns im Rahmen einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) sind die Patienten benommen oder verwirrt, gelegentlich kommt es auch zu Taubheit oder Tinnitus.

Nach etwa vier bis sechs Tagen bildet sich ein typischer feinfleckiger Hautausschlag (petechiales Exanthem) aus, der an den Achselhöhlen und am Körperstamm beginnt. Dieser anfangs hellrote, linsengrosse Ausschlag breitet sich in wenigen Tagen auf den gesamten Körper aus, mit Ausnahme von Gesicht, Handflächen und Fusssohlen, und wird zunehmend dunkler.

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5. Diagnose

Besteht der Verdacht auf Fleckfieber spricht für diese Diagnose besonders, wenn die Betroffenen neben den typischen Symptomen auch von einem Aufenthalt in einem Risikogebiet berichten.

Der Erreger wird aus Sicherheitsgründen nur in Speziallaboratorien anhand einer Blutprobe nachgewiesen. Die Labormediziner testen hier, ob im Blut Antikörper gegen das Fleckfieber vorliegen. Eine Fleckfieber-Diagnose auf diese Art gelingt jedoch erst ab dem 14. Krankheitstag. Alternativ wird ein sogenannter Immunfluoreszenztest durchgeführt, eine spezielle Form der Lichtmikroskopie.

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6. Therapie

Beim Fleckfieber erfolgt die Therapie mit bestimmten Antibiotika. Anfangs erhalten die Patienten die Medikamente über die Vene, später in Form von Tabletten. Der Erkrankte bedarf sorgfältiger Pflege. Die betreuenden Ärzte müssen ausserdem die Kreislauffunktionen regelmässig überwachen und den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt ausgleichen (z.B. durch Infusionen).

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7. Verlauf

Nach überstandenem Fleckfieber erkranken die Patienten im Verlauf meist nicht erneut. Es bleibt eine langjährige Immunität zurück. Nach 10 bis 30 Jahren können allerdings Rückfälle auftreten, die jedoch wesentlich milder verlaufen. Der Hautausschlag kann fehlen. Diese späte Form des Fleckfiebers wird als Brill-Zinsser-Erkrankung bezeichnet.

Komplikationen

Zu den Komplikationen des Fleckfiebers gehört die Ertaubung nach einer Gehirnentzündung (Enzephalitis). Ohne Therapie kann es beim Fleckfieber sowohl infolge der Enzephalitis als auch infolge eines Kreislaufversagens bei schwerem Befall des Herzmuskels zum Tod kommen.

Prognose

Bei frühzeitiger Therapie des Fleckfiebers ist die Prognose gut. Verläuft die Erkrankung komplikationsfrei, bilden sich die Symptome auch ohne Therapie nach etwa zwei Wochen zurück. Bei unbehandeltem Fleckfieber ist die Prognose schlechter, besonders wenn die Patienten durch Mangelernährung geschwächt sind, so dass 10 bis 40 Prozent der Erkrankten versterben.

8. Vorbeugen

Sie können dem Fleckfieber vorbeugen, indem Sie konsequent hygienische Massnahmen einhalten und Läuse bekämpfen.

Besonders gefährdete Personengruppen wie medizinisches Personal in Endemiegebieten beziehungsweise Personen in Speziallaboratorien sollten sich gegen das Fleckfieber impfen lassen.

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