1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Flugangst (Aviophobie)

Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Eine Flugangst (Aviophobie) liegt vor, wenn die Angst vor dem Fliegen so starke Ausmasse annimmt, dass sie das Leben der Betroffenen beeinträchtigt.

Die scheinbaren Gründe für die Angst vorm Fliegen sind unterschiedlich: Einige Betroffene haben unangenehme Erfahrungen während eines Flugs gemacht, andere sind noch nie geflogen. Die Flugangst ist nicht zu verwechseln mit einer gewissen Furcht vor dem Fliegen, die wie viele andere Sorgen und Ängste in verschiedenen Situationen des täglichen Lebens verständlich und normal ist – Aviophobie ist eine krankhafte Angststörung beziehungsweise eine Phobie. Typisch für alle Phobien ist, dass:

  • die Angst ausschliesslich oder überwiegend durch ganz bestimmte, eigentlich ungefährliche Situationen entsteht,
  • die Betroffenen die angstauslösenden Situationen oft vermeiden,
  • bei der reinen Vorstellung, dass die angstauslösende Situation eintreten könnte, meist schon eine Erwartungsangst entsteht.

Typischerweise ist die Erkenntnis, dass andere das Fliegen nicht als gefährlich oder bedrohlich betrachten, keine Hilfe bei Flugangst: Die Angstsymptome lassen sich dadurch nicht bekämpfen. Welches Verhalten Menschen mit einer Aviophobie in einer angstauslösenden Situation zeigen und welche körperlichen Symptome auftreten, hängt unter anderem vom Ausmass der Angst ab, die von leichtem Unbehagen bis zur Panik reichen kann. Mögliche körperliche Beschwerden bei Flugangst sind:

Die Behandlung der Flugangst richtet sich nach dem Ausmass der Phobie: Die therapeutischen Mittel gegen Flugangst reichen von Entspannungsmethoden über kognitive Therapie bis hin zur Verhaltenstherapie. Zudem bieten viele Fluggesellschaften und Institutionen spezielle Flugangst-Seminare an: Ein solches Seminar gegen Flugangst vermittelt, dass die Aviophobie rational unbegründet ist; anschliessend steht ein Flug auf dem Plan.

Um zu verhindern, dass sich die Angstreaktion im Lauf der Zeit verstärkt, ist es ratsam, schon bei ersten Anzeichen für eine Angst vorm Fliegen gegenzusteuern und gegebenenfalls Hilfe zu suchen, um die Flugangst überwinden zu können.

Anzeige

2. Definition

Bei Flugangst (Aviophobie) besteht eine objektiv unbegründete Angst vor dem Fliegen. Damit ist die Flugangst eine Angststörung – genauer: eine Phobie. Phobien unterteilt man per Definition in drei Gruppen:

  1. Agoraphobie (sog. Platzangst, d.h. die Angst vor bestimmten Orten oder Situationen, z.B. öffentlichen Plätzen, Menschenmengen oder auch Reisen)
  2. soziale Phobie (übertriebene Angst vor anderen Menschen)
  3. spezifische (isolierte) Phobie (Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer speziellen Situation)

Die Flugangst ist eine spezifische Phobie. Weitere typische Beispiele für spezifische Phobien sind die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) und die Angst vor geschlossenen Räumen (Klaustrophobie). Typisch für alle Phobien ist, dass:

  • die Angst ausschliesslich oder überwiegend durch ganz bestimmte, eigentlich ungefährliche Situationen entsteht,
  • die Betroffenen die angstauslösenden Situationen oft vermeiden,
  • bei der reinen Vorstellung, dass die angstauslösende Situation eintreten könnte, meist schon eine Erwartungsangst entsteht.

In Bezug auf die Flugangst bedeutet dies, dass:

  • Menschen mit Flugangst, denen beispielsweise vor allem die Flughöhe oder ein möglicher Flugzeugabsturz Angst macht, nicht automatisch in anderen Situationen Höhenangst oder Angst beim Autofahren haben – auch wenn sie wissen, dass die statistische Wahrscheinlichkeit, einen Autounfall zu erleben, grösser ist als die, mit dem Flugzeug abzustürzen,
  • viele Menschen mit Aviophobie Flüge meiden und lieber mit anderen Verkehrsmitteln reisen,
  • bei bestehender Flugangst schon eine geplante Flugreise Angstsymptome auslöst.

Spezifische Phobien wie die Flugangst beginnen oft schon in der Kindheit. Sie gelten per Definition erst dann als krankhaft, wenn sich die Betroffenen durch die Angst in ihrem Leben beeinträchtigt fühlen – wobei die möglichen Angstsymptome von leichtem Unwohlsein bis hin zu deutlichen Angstreaktionen reichen können.

Anzeige

3. Ursachen

Wie eine Flugangst (Aviophobie) genau entsteht, ist nicht bekannt: Es kommen viele verschiedene Ursachen für Angststörungen, zu denen die Flugangst zählt, infrage:

Flugangst könnte ihre Ursachen beispielsweise in einem Lernprozess haben, der nach und nach zu der Fehlreaktion «Angst vorm Fliegen» führt: Zu Beginn des Lernprozesses steht ein Flug, der mit einer schlechten Erfahrung (z.B. Turbulenzen) verbunden ist. Dies verursacht Angstgefühle, die wiederum zu einem Vermeidungsverhalten führen: Die erlernte Angst vor dem Fliegen hält die Betroffenen davon ab, sich der angstauslösenden Situation erneut auszusetzen. Damit erhalten die Betroffenen ihre Aviophobie jedoch aufrecht: Durch ihr Vermeidungsverhalten belohnen sie sich selbst, da die Angst ja ausbleibt.

Erlernte Phobien wie die Flugangst müssen ihre Ursachen aber nicht in eigenen Erfahrungen haben – sie können auch dadurch entstehen, dass jemand das Angstverhalten eines anderen Menschen miterlebt: Dieses sogenannte Imitationslernen (soziales Lernen) kommt vor allem als Auslöser für spezifische Phobien infrage, zu denen neben der Aviophobie beispielsweise die Angst vor Tieren oder vor engen Räumen gehört. Beobachtet ein Kind zum Beispiel, wie seine Mutter panisch auf den Anblick einer Spinne reagiert, kann es durch Imitationslernen ebenfalls Angst vor Spinnen entwickeln. Diese Entstehungsweise von Ängsten kann ein Grund dafür sein, dass Angststörungen gehäuft in Familien auftreten können. Daneben kommen für eine familiäre Häufung von Angststörungen auch erbliche Ursachen infrage.

Doch nicht jeder Mensch, der bei einem Flug schlechte Erfahrungen macht oder bei anderen Flugpassagieren Angstreaktionen beobachtet, entwickelt nachfolgend eine Flugangst – demnach müssen bei der Entstehung der Aviophobie weitere Ursachen beteiligt sein. So können bestimmte individuelle Faktoren das Entstehen von Flugangst begünstigen, zum Beispiel Stress, mangelnde Erfahrung oder eine ängstliche Grundhaltung. Ein biologischer Faktor, der als Auslöser für Phobien wie die Flugangst infrage kommt, ist das autonome Nervensystem: Es reguliert und kontrolliert die Funktionen der inneren Organe (z.B. Herz, Atmung). Bei Menschen, die eine Phobie haben, können verschiedenste Reize das autonome Nervensystem besonders schnell erregen, so dass sich Angstsymptome besonders schnell ausbilden können. Diese Eigenschaft des autonomen Nervensystems ist offenbar angeboren.

Bei den meisten Menschen mit Aviophobie trat die erste Angstattacke während eines normal verlaufenden Flugs auf, woraus sich anschliessend eine immer schlimmer werdende Angststörung entwickelte. Etwa 33 Prozent aller Aviophobiker geben als auslösende Ursachen für ihre Flugangst ein unangenehmes Erlebnis während eines Flugs an, wie zum Beispiel Turbulenzen. Ein geringerer Prozentsatz der Betroffenen ist noch nie geflogen und hat Angst vor dem Unbekannten.

Anzeige

4. Symptome

Die für Flugangst (Aviophobie) typischen Symptome sind Anzeichen von Angst. Für die Betroffenen fühlt sich die durch ihre Phobie ausgelöste Angst genauso an wie jede andere Angst oder Furcht.

Das Verhalten von Menschen mit Flugangst hängt wie die auftretenden körperlichen Symptome unter anderem vom Ausmass der Angst ab, die von leichtem Unbehagen bis zur Panik reichen kann. Die Betroffenen empfinden die Situation, in denen die Angstreaktion auftritt, häufig als lebensbedrohlich. Die Angst kann sich auf unterschiedliche Vorstellungen konzentrieren: Während einige Aviophobiker befürchten, das Flugzeug könne abstürzen, empfinden andere die fehlende Fluchtmöglichkeit und die Enge als bedrohlich. Häufige körperliche Beschwerden im Rahmen einer Aviophobie sind:

Die ersten Symptome einer Flugangst treten häufig schon auf, sobald der Flug gebucht ist – auch wenn bis zum eigentlichen Flugtermin noch Wochen vergehen. Typisches Anzeichen für eine ausgeprägte spezifische Phobie wie die Aviophobie ist das Vermeidungsverhalten: Viele Menschen mit Flugangst umgehen ihre Angst, indem sie Flugreisen meiden. Diese Vermeidungsstrategie führt in der Regel dazu, dass sich die Angst weiter verstärkt. Teilweise versuchen die Betroffenen auch, ihre Flugangst mithilfe von Alkohol oder Betäubungsmitteln zu bekämpfen. Die Erkenntnis, dass andere das Fliegen nicht als gefährlich oder bedrohlich betrachten, kann die Angstsymptome nicht mildern.

Anzeige

5. Diagnose

Bei einer Flugangst (Aviophobie) erfolgt die Diagnose durch ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen, in dem der Arzt die bestehenden Symptome erfasst. Entscheidend für die Diagnose der Flugangst ist die Frage, wie stark die Angstsymptome ausgeprägt sind und wie lange sie anhalten.

Als wichtiges diagnostisches Hilfsmittel kommen häufig sogenannte Angsttagebücher zum Einsatz. Da das Verhalten und die körperliche Symptome von Menschen mit Flugangst allein nicht ausreichen, um die Diagnose einer Aviophobie zu stellen und sie von anderen Angstformen zu unterscheiden, kann der Arzt mithilfe dieser gesammelten Informationen abgrenzen, ob es sich bei der Phobie tatsächlich um eine reine Flugangst handelt oder ob eine andere Angsterkrankung wie zum Beispiel eine Klaustrophobie (Angst in beziehungsweise vor geschlossenen Räumen) vorliegt. Zudem dienen die im Angsttagebuch gesammelten Informationen darüber, wie oft, in welchen Situationen und wie stark die Flugangst innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgetreten ist, auch dazu, die Therapie individuell zu planen.

Anzeige

6. Therapie

Bei der Flugangst (Aviophobie) hängt die Therapie davon ab, wie stark die Phobie ausgeprägt ist und welche Bedürfnisse die Betroffenen haben.

Entspannungstechniken

Bei Flugangst (Aviophobie) sind zur Therapie unter anderem verschiedene Entspannungstechniken empfehlenswert: Gezielte Entspannungsübungen können ein Fliegen ohne Angst ermöglichen oder zumindest die Symptome der Flugangst mildern. Es ist notwendig, die Techniken vorab zu trainieren, damit Sie im Bedarfsfall darauf zurückgreifen können. Bei Flugangst häufig verwendete Entspannungsübungen sind zum Beispiel:

  • autogenes Training
  • Atemübungen

Kognitive Therapie

Die gegen eine Flugangst (Aviophobie) eingesetzte kognitive Therapie zielt darauf ab, Ihnen zu vermitteln, welche Denkabläufe dazu beitragen, Ihre Phobie aufrechtzuerhalten. Haben Sie diese Denkmuster in Zusammenarbeit mit dem Therapeuten aufgedeckt und analysiert, können Sie sie anschliessend umstrukturieren, um die Flugangst zu überwinden.

Verhaltenstherapie

Bei der gegen Flugangst (Aviophobie) eingesetzten Therapie kann die Verhaltenstherapie eine wichtige Rolle spielen: Hierbei geht es vor allen Dingen darum, Sie dazu zu bringen, die angstauslösenden Situationen und Objekte nicht mehr zu meiden. Diese Therapie erfolgt entweder schrittweise – das heisst sie beginnt bei der am wenigsten gefürchteten Situation – oder Sie setzen sich sofort der intensivsten Angstsituation aus. So könnte beispielsweise ein erster Schritt darin bestehen, dass Sie sich ein Flugzeug nur anschauen, ohne gleich fliegen zu müssen. Sie sollen durch diese Konfrontation merken, dass die befürchteten Konsequenzen ausbleiben, und so Ihre Flugangst besiegen.

Im Rahmen der Verhaltenstherapie einer Flugangst können Ihnen spezielle Seminare helfen, die Angst vor dem Fliegen abzubauen. Dabei vermitteln die Seminarleiter Ihnen zunächst die theoretischen Hintergründe des Fliegens, damit Sie lernen, dass Sie rational keine Angst vorm Fliegen haben müssen. Im Anschluss an das Seminar steht dann ein Flug auf dem Plan.

Vielen Betroffenen mit leichterer Flugangst hilft es auch, sich während des Flugs gezielt abzulenken, so zum Beispiel durch Lesen, Gespräche mit Sitznachbarn, Musik oder Filme.

Medikamente

Sollten Sie die Flugangst (Aviophobie) nicht anders überwinden können, kommen zur Therapie verschiedene Medikamente – unter ärztlicher Aufsicht eingenommen – infrage. Wenn Sie bis zum Flugtag noch mehrere Wochen Zeit haben, ist es empfehlenswert, als Beruhigungsmittel wirkende Naturprodukte wie Johanniskraut oder Baldrian gegen die Flugangst über einen längeren Zeitraum einzunehmen. Helfen Ihnen diese Mittel nicht gegen die Flugangst, stehen zur medikamentösen Therapie Tabletten, Zäpfchen, Kaugummis oder sogar Injektionslösungen mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat zur Verfügung.

Anzeige

7. Verlauf

Spezifische Phobien wie die Flugangst (Aviophobie) treten in der Regel in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter auf. Ihr weiterer Verlauf hängt vor allem davon ab, ob und wie schnell die Betroffenen professionelle Hilfe gegen ihre Flugangst suchen:

Tritt die Angstreaktion zum ersten Mal auf, kann sich die Flugangst ohne geeignete Behandlung im weiteren Verlauf immer mehr verstärken. Viele Betroffene meiden das Fliegen schliesslich ganz. Dieses Vermeidungsverhalten bestimmt schliesslich das Ausmass der mit der Aviophobie einhergehenden Funktionsbeeinträchtigung. Je früher die Betroffenen den Angstkreislauf unterbrechen, desto eher gelingt es ihnen, die Flugangst zu besiegen.

Anzeige

8. Vorbeugen

Einer spezifischen Phobie wie der Flugangst (Aviophobie) können Sie nicht gezielt vorbeugen. Wenn Sie die ersten Anzeichen für eine Angst vorm Fliegen bemerken, ist es allerdings empfehlenswert, rechtzeitig zu reagieren und keinesfalls Flüge zu meiden – nur wenn Sie sich dem Problem stellen, können Sie verhindern, dass sich die Angst verstärkt. Vor allem dann, wenn die Flugangst schon vor längerer Zeit aufgetreten ist, ist es wichtig, dass Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, denn: Je länger Sie bei Flugangst damit warten, desto mehr Überwindung wird es Sie kosten, sich Ihren Ängsten zu stellen und sie zu bewältigen.

Anzeige