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Veröffentlicht am 3. Februar 2021 - 17:37 Uhr

1. Überblick

Die Ursachen von Gallensteinen sind nicht genau bekannt. Gewisse Faktoren erhöhen aber das Erkrankungsrisiko. Drei von vier Betroffene haben keine Symptome.

Gallensteine entstehen, wenn zum Beispiel Cholesterin oder Eiweiss in der Gallenblase oder im Gallengang verklumpen. Ein Gallensteinleiden (medizinisch: Cholelithiasis von griech. chole = Galle, lithos = Stein) ist die häufigste und bedeutendste Erkrankung der Gallenblase und der Gallengänge. Fast alle anderen Krankheiten der Gallenwege entstehen aufgrund von Gallensteinen.

Die Gallensteine führen aber nur bei etwa jedem vierten Betroffenen zu Beschwerden. Frauen erkranken etwa doppelt bis dreimal so oft wie Männer. Zu den Risikofaktoren für die Cholelithiasis gehören vor allem Übergewicht beziehungsweise Adipositas und erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin).

Das typische Symptom des Gallensteinleidens (Cholelithiasis) ist ein heftiger, rechtsseitiger Oberbauchschmerz, die sogenannte Gallenkolik, der von Übelkeit begleitet sein kann. Die Diagnose der Cholelithiasis erfolgt in erster Linie anhand des Beschwerdebilds und durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie). Manchmal sind aber weitere Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Spiegelung der Gallenblase und Gallengänge(Endoskopie) nötig.

Wie die Cholelithiasis behandelt wird, hängt vor allem davon ab, ob die Gallensteine Beschwerden verursachen. Treten keine Symptome auf, ist eine Therapie in der Regel nicht notwendig. Kommt es zu Gallenkoliken oder anderen Beschwerden, entfernt der Arzt die Gallenblase (sog. Cholezystektomie). Zwar gibt es auch nicht-operative Möglichkeiten, Gallensteine zu entfernen, diese kommen aber nur selten zum Einsatz. Gallensteine können zum Beispiel durch Medikamente, die Gallensäuren enthalten, aufgelöst werden. Nach dieser Behandlung treten allerdings häufig wieder Gallensteine auf (sog. Rezidiv). Gegen Beschwerden wie eine Gallenkolik helfen Schmerzmittel.

Gallensteine nehmen allgemein einen guten Verlauf. Bei drei von vier Betroffenen treten keinerlei Beschwerden auf. Verursachen Gallensteine Symptome, verschwinden diese, nachdem die Gallenblase entfernt wurde. Nach einer Cholezystektomie treten nur in Ausnahmefällen erneut Gallensteine auf.

Ein Mann hält einen entfernten Gallenstein in seiner Hand.

Helle Gallensteine können durch eine Ernährung mit zu viel Cholesterin oder zu wenig Ballaststoffen entstehen.

Quelle: Getty Images
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2. Definition von Gallensteine

Gallensteine sind feste kristallartige Ablagerungen (sog. Konkremente) in der Gallenblase, in den Gallengängen oder im Hauptgallen- und Ausführungsgang der Gallenwege in den Darm. Die Ablagerungen entstehen, wenn die verschiedenen Bestandteile der Gallenflüssigkeit nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen und schlecht lösliche Bestandteile verklumpen. Gallensteine können unterschiedlich gross sein: Ihre Grösse reicht von einigen Millimetern (auch Sludge oder Griess genannt) bis hin zu zentimetergrossen Steinen. Es kann sich ein einzelner Gallenstein bilden, oft treten aber mehrere Gallensteine gleichzeitig auf. Nach ihrer Zusammensetzung teilen Mediziner sie in zwei Hauptgruppen ein: Cholesterin- beziehungsweise Cholesterinmischsteine und Pigmentsteine (Bilirubin-Steine).

Die Galle: Wichtiger Verdauungshelfer

Die Leber bildet jeden Tag kontinuierlich Gallenflüssigkeit, kurz Galle genannt. Deren Hauptbestandteile sind:

  • Wasser (ca. 80 Prozent),
  • Gallensäuren und Phospholipide, die eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel spielen,
  • Gallenfarbstoffe (z.B. Bilirubin) als Abbauprodukte des Blutfarbstoffs Hämoglobin,
  • Cholesterin,
  • zahlreiche weitere Stoffwechselabbauprodukte und
  • Salze.

Die in der Leber produzierte Galle fliesst über Gallengänge in einen grösseren Hauptgallengang, der in den Zwölffingerdarm mündet. Dort unterstützt die Galle die Fettverdauung. Ausserdem hilft sie dabei, Abfallprodukte des Körpers zu beseitigen. Die Gallengänge transportieren also Gallenflüssigkeit aus der Leber in den Zwölffingerdarm.

Wenn sich gerade keine Nahrung im Verdauungstrakt befindet, benötigt der Darm weniger Gallenflüssigkeit. An diesem Punkt kommt die Gallenblase ins Spiel: Überschüssige Galle gerät nicht in den Darm, sondern wird in die Gallenblase umgeleitet. Die Gallenblase ist ein birnenförmiger Sack, der sich an der Unterseite der Leber befindet. Bei Bedarf kann sie die gespeicherte Gallenflüssigkeit jederzeit wieder freigeben: Isst der Mensch etwas, zieht sich die Gallenblasenmuskulatur zusammen, sodass die Gallenflüssigkeit in den Hauptgallengang entweicht. Die Gallenblase ist also ein Reservoir für Gallenflüssigkeit, die der Körper gerade nicht benötigt.

Sowohl die Gallenflüssigkeit aus der Leber als auch die zwischengespeicherte Galle aus der Gallenblase fliessen in den Hauptgallengang. Der Hauptgallengang mündet gemeinsam mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse im Zwölffingerdarm.

Steinarten

Gallensteine entstehen in der Regel, wenn in der Gallenflüssigkeit die verschiedenen Bestandteile nicht im richtigen Verhältnis vorliegen. Die schlecht löslichen Komponenten bilden dann «Klumpen». Daraus ergeben sich drei Steinformen, deren Zusammensetzung unterschiedlich ist:

 

  • Cholesterinsteine: Meist kommt es zu Gallensteinen, wenn die Gallensäure zu viel Cholesterin enthält. Cholesterin ist nicht wasserlöslich und muss deshalb immer von genügend Gallensäuren und Phospholipiden umgeben sein. Ist dieses Verhältnis gestört, verklumpt das Cholesterin und es bilden sich helle Gallensteine – die Cholesterinsteine. Nicht nur zu viel Cholesterin, auch zu wenig Gallensäure kann zu einem solchen Missverhältnis führen.
  • Pigmentsteine: Seltener entstehen Gallensteine, wenn die Gallensäure zu viel Bilirubin enthält. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs. Pigmentsteine sind klein, sehr hart und schwarz.
  • Gemischte Steine: Sowohl Cholesterin- als auch Pigmentsteine können verkalken. Dabei entsteht eine Mischung aus Cholesterin, Pigment und Kalk.
Häufigkeit

Ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis) verursacht nur bei etwa jedem vierten Betroffenen Krankheitssymptome. Deshalb werden Gallensteine häufig nur zufällig entdeckt oder bleiben unerkannt.

3. Ursachen von Gallensteine

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis). Dazu zählen Eigenschaften wie etwa das Geschlecht, aber auch bestimmte Erkrankungen.

Einen Überblick über die wichtigsten Risikofaktoren bietet die sogenannte 6F-Regel:

  • female: Frauen
  • forty: über 40 Jahre alt
  • fertile: mit mehreren Kindern
  • fatÜbergewicht
  • fair: helles Haar (nordischer Typ)
  • family: Fälle von Gallensteinen in der Familie
Genetische Faktoren

Zum Teil treten Gallensteine innerhalb einer Familie häufiger auf. Dies spricht dafür, dass erbliche Faktoren bei Gallensteinen als Ursachen eine Rolle spielen. Grund sind Veränderungen in bestimmten Genen, die dazu führen, dass häufiger Cholesterinsteine entstehen.

Geschlecht

Frauen sind etwa doppelt bis dreimal so häufig betroffen wie Männer. Dabei spielen möglicherweise weibliche Hormone (Östrogene) eine Rolle: Das Risiko für eine Cholelithiasis steigt unter anderem während einer Schwangerschaft und durch eine Hormontherapie mit Östrogenen in den Wechseljahren.

Alter

Je älter eine Person, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine: Ab dem Alter von 40 Jahren steigt das Risiko für ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis) deutlich.

Ernährung

Eine cholesterinreiche Ernährung lässt den Cholesterinspiegel im Blut steigen und begünstigt so die Entstehung von cholesterinhaltigen Gallensteinen. Auch eine ballaststoffarme Ernährung erhöht das Risiko, dass Gallensteine auftreten. Sie bewirkt, dass die Nahrung lange im Darm verbleibt. Dadurch gelangen mehr Fette ins Blut und der Blutcholesterinspiegel steigt.

Auch eine extrem kalorienarme Ernährung begünstigt, dass Gallensteine entstehen. Künstliche (parenterale) Ernährung stellt einen weiteren Risikofaktor dar.

Übergewicht

Übergewicht gilt heutzutage in den westlichen Industriestaaten als wichtigster Risikofaktor für Gallensteine. Ein Übergewicht von etwa 20 Prozent verdoppelt das Risiko für die Entstehung von Gallensteinen. Auch eine starke Gewichtsabnahme in kurzer Zeit, etwa durch eine Magen-OP oder übertriebene Fastenkuren, erhöht die Wahrscheinlichkeit.

Gallensäuremangel

Wird zu wenig Gallensäure produziert beziehungsweise verwertet, können sich leichter Gallensteine bilden.

Wenn die Gallensäure ihre Aufgabe bei der Fettverdauung erfüllt hat, wird sie normalerweise vom Darm wieder aufgenommen (resorbiert). Nur ein kleiner Anteil der Gallensäure geht mit dem Stuhl verloren, der Rest gelangt zurück in die Leber.

Funktioniert dieser Prozess nicht reibungslos, ist das Risiko für Gallensteine erhöht. Dies kann zum Beispiel im Rahmen von Morbus Crohn, einer entzündlichen Erkrankungen des Darms, der Fall sein. Dabei ist die Wiederaufnahme der Gallensäuren durch die Darmschleimhaut gestört. Die Folge: Es gehen vermehrt Gallensäuren über den Stuhl verloren. Die Leber kann diesen Verlust nicht ausgleichen, sodass der Anteil der Gallensäuren in der Galle sinkt. Auch nach einer operativen Entfernung bestimmter Darmabschnitte (Dünndarm vor der Einmündung in den Dickdarm) kann die Wiederaufnahme von Gallensäuren gestört sein: Die Gallensäuren gehen über den Stuhl verloren und es kommt zu einer Durchfallerkrankung, der sogenannten chologenen Diarrhoe.

Bilirubinüberschuss

Pigmentsteine entstehen in der Regel, wenn die Gallenflüssigkeit zu viel Bilirubin enthält. Dabei handelt es sich um einen rot-orangenen Gallenfarbstoff, der beim Abbau des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) aus den roten Blutkörperchen entsteht. Alle Erkrankungen, bei denen der Abbau der roten Blutkörperchen erhöht ist, bewirken eine gesteigerte Bildung von Bilirubin.

Daneben führen bestimmte angeborene oder erworbene Erkrankungen der Leber zu einem gestörten Bilirubinstoffwechsel und begünstigen, dass Pigmentsteine entstehen. Auch Erkrankungen, die den Abfluss der Galle aus der Gallenblase behindern, oder häufig auftretende Infektionen der Gallenwege mit Bakterien oder Parasiten sind Risikofaktoren für die Bildung von Gallensteinen.

Weitere Risikofaktoren

Zu weiteren Risikofaktoren für Gallensteine zählen:

  • Funktionsstörungen der Gallenblase
  • Diabetes mellitus
  • bestimmte Medikamente; dazu zählen zum Beispiel sog. Somatostatinanaloga wie der Wirkstoff Octreotid

4. Symptome von Gallensteine

Gallensteine rufen bei etwa 75 Prozent der Betroffenen keine Symptome hervor. Man spricht dann von stummen Gallensteinen: Die Person ist zwar Gallensteinträger, aber kein Gallensteinkranker. Treten Symptome auf (sog. Cholelithiasis), steht ein typisches Beschwerdebild im Vordergrund: die Gallenkolik.

Wenn Beschwerden auftreten, sind diese häufig zunächst eher unspezifisch. Besonders nach fettreichen Mahlzeiten treten Schmerzen im rechten Oberbauch auf, die häufig mit Völlegefühl, Blähungen und Übelkeit verbunden sind. Auch kann es sein, dass die Betroffenen bestimmte Speisen nicht mehr so gut vertragen – etwa Kaffee, Gebratenes oder blähende Nahrungsmittel.

Solche Symptome können auf Gallensteine hinweisen. Allerdings können sie auch im Rahmen vieler anderer Erkrankungen vorkommen, am häufigsten ausgelöst durch Beschwerden des Magens. Magen- und Gallenbeschwerden sind anhand der Symptome manchmal sehr schwer zu unterscheiden, weil Schmerzen im Bauch immer auch fortgeleitet werden.

Gallenkolik

Typisches Symptom eines Gallensteinleidens (Cholelithiasis) ist die Gallenkolik. Sie entsteht, wenn sich die Gallenblase zusammenzieht, um Gallenflüssigkeit in den Darm abzugeben, ein Gallenstein jedoch im Weg liegt. Etwa kann ein Gallenstein den Ausgang der Gallenblase oder den eigentlichen Gallengang versperren. Die Muskeln in der Wand der Gallenwege ziehen sich zusammen, um den Stein weiterzubefördern. Der Druck in den Gallenwegen steigt. Heftige krampfartige Schmerzen sind die Folge.

Symptome einer Gallenkolik sind

  • starke, krampfartige Schmerzattacken unter dem rechten Rippenbogen oder unter dem Brustbein, die 15 Minuten bis zu 5 Stunden anhalten können und in Wellen auftreten
  • die Schmerzen können bis in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen
  • begleitende Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Blähungen, Aufstossen

Beachten Sie: Wenn die Symptome über mehrere Stunden anhalten oder wenn sie sehr stark sind, sollten Sie in jedem Fall einen (Not-)Arzt aufsuchen.

Gallengangsteinen

Seltener befindet sich ein Gallenstein nicht in der Gallenblase, sondern in einem Gallengang. Dann kann die Gallenflüssigkeit möglicherweise nicht mehr richtig in den Darm abfliessen. Die Folge: Der gelbe Gallenfarbstoff wird nicht ausreichend abgebaut und lagert sich im Gewebe ab. Neben einer Gallenkolik bekommt der Patient dann häufig Fieber und entwickelt eine sogenannte Gelbsucht (Ikterus). Typische Symptome der Gelbsucht:

  • Die Haut verfärbt sich gelb, das Weiss der Augen ebenfalls.
  • Der Urin ist dunkel gefärbt.
  • Der Stuhl hat eine helle Farbe.

5. Diagnose von Gallensteine

Unspezifische Beschwerden wie BauchschmerzenVöllegefühl oder Blähungen können viele Ursachen haben und sind kein sicheres Anzeichen für Gallensteine. Eine Gallenkolik in der Vorgeschichte ist hingegen bereits ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich um Gallensteine handeln könnte.

Im Gespräch wird die Ärztin zum Beispiel wissen wollen,

  • ob noch andere Familienmitglieder Gallensteine haben,
  • wann die Beschwerden auftreten (z.B. nach dem Essen) oder
  • wie sich der Patient ernährt.

Bei der anschliessenden körperlichen Untersuchung entstehen oft Schmerzen im rechten Oberbauch, wenn der Arzt den Bauch abtastet (sog. Druckschmerz).

Die einfachste Methode, um Gallensteine in der Gallenblase zu diagnostizieren, ist die Ultraschalluntersuchung (Sonographie).

Im Ultraschall kann die Ärztin unter anderem erkennen, ob die Gallenblase durch Gallensteine vergrössert oder ihre Wand verdickt ist.

Auch eine Blutuntersuchung kann sinnvoll sein. Verschiedene Blutwerte geben dem Arzt Hinweise darauf,

  • ob die Gallenblase möglicherweise entzündet ist,
  • ob der Hauptgallengang verengt ist oder
  • ob er entzündet ist.

In untypischen Fällen können weitere Untersuchungen zur Abklärung notwendig sein, zum Beispiel, wenn der Patient noch sehr jung ist. Die Ärztin wird dann prüfen, ob eine bestimmte Krankheit hinter den Gallensteinen steckt, zum Beispiel eine chronische Darmentzündung.

Steine im Gallengang

Vermutet der Arzt einen Stein im Gallengang (Choledocholithiasis), kann die Diagnosestellung etwas komplizierter sein. Nicht immer reicht es aus, einen Stein im Gallengang durch eine Ultraschalluntersuchung und die Blutwerte sicher nachzuweisen. Daher können weitere Untersuchungsmethoden nötig sein. Dazu zählen vor allem:

  • die ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie): Bei der ERCP begutachtet die Ärztin die ableitenden Gallenwege und gegebenenfalls auch das Gangsystem der Bauchspeicheldrüse mithilfe eines Röntgenkontrastmittels. Zunächst schiebt sie ein Untersuchungsinstrument (Endoskop) über den Mund bis zum Zwölffingerdarm vor, wo der Gallengang mündet. Mithilfe einer Sonde spritzt sie ein Kontrastmittel in die Gallenwege und kann diese so auf dem Röntgenbild sichtbar machen. Kleinere Steine kann die Ärztin gegebenenfalls direkt in einem kleinen Eingriff entfernen. Auch kann sie eine Gewebeprobe entnehmen, die im Labor untersucht wird. 
  • die MRC (Magnetresonanz-Cholangiographie): Die MRC ist eine Untersuchung, bei der im Kernspintomographen Schichtbilder der Gallengänge dargestellt werden.
  • ein Ultraschall der Gallenblase von innen (Endosonographie): Mithilfe eines Endoskops kann der Arzt vom Zwölffingerdarm aus ohne Überlagerung von Darmluft eine Ultraschalluntersuchung von Gallenblase und Gallenwegen anfertigen.

Der Arzt wird sorgfältig abwägen, ob er eine ERCP durchführt. Der Grund: In 5 bis 10 von 100 Fällen können Komplikationen auftreten. Dazu gehören etwa eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Verletzungen in den Gallengängen. Daher sollte die ERCP nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es sich tatsächlich um Gallengangsteine handelt. Dies wird der Arzt gegebenenfalls vorher durch MRC oder Endosonographie abklären.

6. Therapie von Gallensteine

Gallensteine erfordern eine unterschiedliche Therapie, je nachdem, ob sie Beschwerden verursachen oder nicht. Verursachen die Gallensteine keine Symptome, ist eine Therapie meist nicht notwendig.

Bei geringen Symptomen verschaffen schmerzstillende oder krampflösende Medikamente Linderung. Die Gallensteine werden durch eine solche Behandlung jedoch nicht beseitigt. Treten die Beschwerden häufiger auf oder sind Komplikationen zu erwarten, wird die Ärztin empfehlen, die Gallensteine samt Gallenblase zu entfernen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung von Gallensteinen:

  • Gallenblasen-OP: Befinden sich die Steine in der Gallenblase, kann die Gallenblase entfernt werden. Hierfür kommen unterschiedliche Operationsmöglichkeiten infrage.
  • Nicht-operative Methoden: Mithilfe von Medikamenten mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure können Gallensteine aufgelöst werden. Allerdings ist diese Methode extrem aufwändig, langwierig und führt nicht immer zum Erfolg. Zudem besteht das Risiko, dass sich nach kurzer Zeit erneut Gallensteine bilden. 

Gallensteine, die sich in den Gallengängen befinden, kann der Arzt in einer Operation oder im Rahmen einer Gallenwegspiegelung entfernen.

Die Gallenblasen-OP gilt als Standardtherapie zur Behandlung von Gallensteinen in der Gallenblase.

Leben ohne Gallenblase: Spezielle Ernährung nötig?

Ohne Gallenblase fehlt dem Körper das Reservoir, in dem er die Gallenflüssigkeit speichern kann. Dadurch fliesst kontinuierlich etwas Galle aus dem Hauptgallengang in den Darm, auch dann, wenn er eigentlich gerade keine Galle benötigt. Umgekehrt stehen nach einem üppigen Essen keine grösseren Gallenreserven mehr zur Verfügung, die in den Darm geleitet werden können.

Eine spezielle Ernährung oder Diät ist ohne Gallenblase jedoch in den meisten Fällen nicht nötig. Es kann aber sein, dass einige Betroffene bestimmte Mahlzeiten nicht mehr so gut vertragen, so zum Beispiel üppiges, fettreiches Essen. Es kann vorkommen, dass der Stuhlgang etwas weicher ist oder dass die Stuhlfrequenz erhöht ist. In diesem Fall gilt: Achten Sie bei der Ernährung darauf das zu essen, was Ihnen bekommt. Hilfreich ist oft eine fettarme Ernährung mit reichlich Ballaststoffen. Nur sehr selten ist die Fettverdauung nach dem Eingriff so gestört, dass chronische Durchfälle die Folge sind.

In der Regel kann der Mensch auch ohne Gallenblase gut leben. Meist ist es nicht nötig, die Ernährung stark umzustellen oder es sind nur kleine Anpassungen erforderlich.

7. Verlauf von Gallensteine

In drei von vier Fällen verursachen Gallensteine keinerlei Beschwerden. Machen sie sich bemerkbar, können sie in der Regel leicht beseitigt werden.

Zwei von drei Patienten, die bereits eine Gallenkolik hatten, bekommen im weiteren Verlauf erneut eine Kolik. Meist wird der Arzt bei Beschwerden vorschlagen, die Gallenblase zu entfernen. Zum einen ist die Patientin damit die Koliken los, zum anderen können durch eine Operation mögliche Komplikationen verhindert werden.

Eine entferne Gallenblase ist keine Garantie dafür, dass man nie wieder Gallensteine bekommt – denn es können sich auch Steine in den Gallengängen bilden.

Komplikationen

Zu möglichen Komplikationen von Gallensteinen zählen zum Beispiel:

  • Gallenblasenentzündung (Cholezystitis): Wenn ein Stein den Gallengang blockiert, kann die Gallenflüssigkeit nicht mehr in den Darm abfliessen. Es entsteht ein Gallenstau. Die aufgestaute Galle reizt die Schleimhaut und überdehnt die Wand der Gallenblase. Bakterien können sich leichter vermehren und eine Gallenblasenentzündung auslösen. In schweren Fällen kann es passieren, dass weitere Organe oder sogar der ganze Körper von der Entzündung in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies kann lebensbedrohlich sein.
  • akute Gallengangentzündung (Cholangitis): Nicht nur die Gallenblase, auch der Gallengang kann sich entzünden, wenn ein Gallenstein den Weg versperrt.
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): Versperrt ein Gallenstein den gemeinsamen Ausgang von Bauchspeicheldrüse und Hauptgallengang, kann sich Erstere entzünden. Der Grund: Die Verdauungssäfte, die die Bauchspeicheldrüse produziert, stauen sich an und können nicht in den Darm abfliessen. In der Folge nimmt die Bauchspeicheldrüse Schaden. 
  • Verkalkung der Gallenblasenwand (Porzellangallenblase): Wenn sich die Gallenblase häufig entzündet, können in der Gallenblasenwand Verkalkungen entstehen. Dies erhöht das Risiko, an Gallenblasenkrebs zu erkranken.

Sehr selten durchbrechen Gallensteine die Gallenblasenwand und gelangen in den Dünndarm oder in die freie Bauchhöhle. Eine mögliche Folge ist eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). In der Regel ist dann eine Notfall-Operation notwendig.

Erhöhtes Krebsrisiko

Das Risiko für Gallengangskrebs oder Gallenblasenkrebs ist bei Menschen mit Gallensteinen etwas höher als bei Personen ohne Gallensteine. Das gilt insbesondere, wenn die Gallensteine sehr gross sind oder wenn die Gallenblase schon sehr oft entzündet war.

Insgesamt kommen Krebserkrankungen der Gallenblase/der Gallengänge jedoch selten vor. Schätzungen zufolge erkranken 5 von 1'000 Personen, die Gallensteine haben, später an Gallenblasenkrebs.

8. Vorbeugen gegen Gallensteine

Dass Gallensteine entstehen, können Sie nicht sicher verhindern – Risikofaktoren können Sie aber vorbeugen. Achten Sie dazu auf eine ballaststoffreiche, fettarme Ernährung und lassen Sie Ihre Blutfettwerte regelmässig kontrollieren, insbesondere das Cholesterin. Halten Sie ausserdem Ihr Normalgewicht, denn Übergewicht begünstigt Gallensteine. Vermeiden Sie Nulldiäten und eine zu schnelle Gewichtsabnahme.

Gallensteine und Ernährung

Dass Gallensteine entstehen, wird mitunter durch eine falsche Ernährung begünstigt. Während bei Pigmentsteinen bisher kein Zusammenhang bekannt ist, spielt bei der Entstehung der Gallensteine, die vorwiegend Cholesterin enthalten, die Ernährung eine wichtige Rolle. Denn: Die Cholesterinwerte lassen sich zumindest teilweise durch eine entsprechende Ernährung beeinflussen.

Günstig ist eine ballaststoffreiche, fettarme Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse.

Übergewicht kann Gallensteine begünstigen. Mithilfe einer ausgewogenen Ernährung können Sie dazu beitragen, dass Ihr Gewicht im Normalbereich bleibt.

Nicht nur Übergewicht, auch Nulldiäten, strenges Fasten oder eine zu schnelle Gewichtsabnahme erhöhen das Gallensteinrisiko. Wenn Sie etwas abnehmen möchten, empfiehlt sich keine Radikaldiät, sondern eine langsame Gewichtsabnahme, die Sie am besten durch viel Bewegung und eine gesunde Ernährung erreichen.

Auch bei Personen, bei denen sich bereits Gallensteine gebildet haben, spielt die Ernährung eine Rolle. Sehr fettreiche Mahlzeiten können etwa eine Gallenkolik hervorrufen und sind deshalb bei Gallensteinen nicht empfehlenswert.

Betroffene, denen die Gallensteine mit der Gallenblase entfernt wurden, sind in ihrer Ernährung kaum eingeschränkt. Da mit der Gallenblase das Speicherorgan für die Gallenflüssigkeit fehlt, gelangen immer nur kleine Mengen Galle in den Darm. Sie sollten deshalb auf sehr fettreiche und üppige Mahlzeiten verzichten, um Fettverdauungsstörungen zu vermeiden.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»
Chantal Hebeisen, Redaktorin
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