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1. Überblick

Unter Gasbrand (auch Gasödem oder malignes Ödem genannt) versteht man eine schwere, lebensbedrohliche Wundinfektion, die vor allem durch die Bakterienart Clostridium perfringens verursacht wird.

Bakterien der Art Clostridium perfringens bilden Giftstoffe (Toxine), die bewirken, dass das Gewebe an der infizierten Stelle abstirbt und sich gleichzeitig Gas im Gewebe bildet. Clostridium perfringens kommt in der Natur fast überall vor. Der Gasbrand-Erreger findet sich zum Beispiel 

  • im Erdboden,
  • im Staub
  • im Wasser,
  • aber auch im Darmtrakt
  • sowie in der weiblichen Genitalflora.

Zu Infektionen kommt es vor allem über verschmutzte Wunden.

Typisch für Gasbrand sind plötzlich auftretende, starke Wundschmerzen sowie eine Schwellung der Wunde infolge der Gasbildung. Verbreiten sich die Gasbrand-Erreger und deren Toxine mit dem Blutstrom in den restlichen Körper, kann die Situation innerhalb weniger Stunden eine lebensbedrohliche Richtung einschlagen. Bei Gasbrand sollte eine Behandlung deshalb so rasch wie möglich beginnen.

Zu den Therapie-Massnahmen bei Gasbrand gehört in der Regel, dass der Arzt das infizierte Gewebe chirurgisch entfernt. Gleichzeitig erhält der Patient Antibiotika, meist den Wirkstoff Penicillin G. Zusätzlich kann eine hyperbare Sauerstofftherapie (Sauerstoff-Überdrucktherapie in einer Druckkammer) den Heilungsprozess unterstützen, wobei die Meinungen über den Nutzen dieser Therapie auseinandergehen.

2. Definition

Unter Gasbrand (Gasödem) versteht man eine lebensbedrohliche Wundinfektion, die hauptsächlich durch die Bakterienart Clostridium perfringens verursacht wird. Nur in seltenen Fällen entsteht Gasbrand durch andere Bakterienarten, wie

 

  • Clostridium novyi,
  • Clostridium septicum,
  • Clostridium histolyticum.

Diese Bakterien bilden Giftstoffe (Toxine) und andere Stoffe, die eine Zerstörung des infizierten Gewebes bewirken. In dem absterbenden Gewebe bildet sich gleichzeitig Gas.

Häufigkeit

Früher war der Gasbrand eine häufige und gefürchtete Erkrankung auf Kriegsschauplätzen und in Spitälern. Erst seit Einführung von Verfahren zur Keimabtötung, wie etwa der Sterilisation und Desinfektion, und der Einführung von Antibiotika ist der Gasbrand selten geworden. Davor geschah es häufig, dass Ärzte den Erreger durch unsterile Geräte in Wunden anderer Patienten übertrugen und diese dadurch infizierten. In Entwicklungsländern tritt Gasbrand häufiger als hierzulande auf.

Meldepflicht

Gasbrand gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen.

3. Ursachen

Erreger

Bei Gasbrand (Gasödem) ist die Ursache meist eine Infektion mit der Bakterienart Clostridium perfringens, in seltenen Fällen auch mit anderen Clostridium-Arten. Die stäbchenförmigen Bakterien geben Giftstoffe (Toxine) und andere Stoffe ab. Diese führen zu den typischen Krankheitssymptomen, indem sie das umgebende Gewebe zerstören und verflüssigen und eine Gasbildung bewirken.

Übertragung

Clostridien kommen überall in der Natur vor. Sie können im Boden, im Wasser, im Staub, in Lebensmitteln, aber auch im Darm (und dadurch auch im Stuhl) sowie in der weiblichen Genitalflora nachgewiesen werden. Der Gasbrand-Erreger gelangt vor allem über Verunreinigungen von Wunden in den Körper (z.B. infolge von Verkehrsunfällen, Sportunfällen oder Kriegsverletzungen).

Ein grosses Problem war Gasbrand vor allem zu Zeiten, in denen noch nicht bekannt war, wie man medizinische Geräte von Keimen befreien kann. So kam es insbesondere auf Kriegsschauplätzen immer wieder dazu, dass der Gasbrand-Erreger von einem Verletzten auf den nächsten übertragen wurde, weil man medizinische Werkzeuge unsteril verwendete.

Voraussetzung für die Entstehung von Gasbrand ist der Luftabschluss der verunreinigten Wunde, da sich Clostridien ausschliesslich bei Abwesenheit von Sauerstoff vermehren können. Begünstigend wirkt sich dabei aus, wenn die Blutversorgung im Wundbereich eingeschränkt oder sogar unterbrochen ist und dadurch weniger Sauerstoff ins Gewebe transportiert wird. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn

 

  • die Wunde schlecht durchblutet ist (etwa durch eine Quetschung),
  • die Wunde verschmutzt ist (z.B. bei einer Schürfwunde mit Strassendreck),
  • die Wundfläche sehr gross ist (z.B. durch eine Amputation) oder
  • sich ein Fremdkörper im Gewebe befindet (z.B. bei einer Pfählungsverletzung).

Auch Begleiterkrankungen, die mit einer verschlechterten Blutversorgung einhergehen, können die Entstehung von Gasbrand begünstigen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Arteriosklerose.

Da Clostridien natürlicherweise auch im Darm des Menschen vorkommen, können bei Operationen am Dickdarm oder Blinddarm unter Umständen Gasbrand-Erreger in umliegende Körpergewebe übertragen werden. Eine direkte Gasbrand-Übertragung von Mensch zu Mensch oder vom Tier auf den Menschen ist dagegen bisher nicht bekannt.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit ist bei Gasbrand relativ kurz und beträgt zwischen fünf Stunden und bis zu zwei Tagen.

4. Symptome

Erste Anzeichen für Gasbrand (Gasödem) sind plötzlich auftretende und sehr starke Wundschmerzen. Die Schmerzen entstehen durch den Sauerstoffmangel im infizierten Hautbereich und sind daher oft wesentlich stärker, als der äussere Anschein des Wundgebiets es vermuten lässt.

Das Gewebe schwillt beim Gasbrand infolge der Gasbildung an. Für den Betroffenen fühlt sich das wie ein zu eng anliegender Verband an. Der Wundbereich ist braungräulich verfärbt und kann eine süsslich-übelriechende, bläschenhaltige und schmutzig erscheinende Flüssigkeit absondern. Eiter ist nur selten und eher bei Mischinfektionen mit anderen Keimen zu beobachten. Beim Abtasten der Wunde hört man durch das Gas im Gewebe ein knisterndes Geräusch – dieses typische Zeichen nennen Mediziner Krepitation. Übt man Druck auf die Wunde aus, können Gasbläschen entweichen. Das betroffene Gewebe stirbt ohne Behandlung immer weiter ab und verflüssigt sich zunehmend.

Gelangen die Clostridien vom infizierten Wundbereich in die Blutbahn, können sie sich – und mit ihnen die Giftstoffe (Toxine) – im restlichen Körper ausbreiten. Dadurch kann innerhalb kurzer Zeit ein toxischer Schock entstehen, der zum Tode führt.

Ohne frühzeitige Therapie verläuft Gasbrand in der Regel immer tödlich. Der Tod tritt dabei meist bereits innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome ein.

5. Diagnose

Beim Gasbrand (Gasödem) muss der Arzt die Diagnose möglichst schnell stellen. Dafür befragt er den Patienten und untersucht ihn. Wichtige Befunde bei der Untersuchung sind zum Beispiel

 

  • die Schwellung und Verfärbung des Wundbereichs,
  • das Knistern der Wunde beim Abtasten der Wunde und
  • das Entweichen von Gasbläschen bei Druck auf den Wundbereich.

Der genaue Erreger des Gasbrands lässt sich zwar durch Anzucht auf speziellen Nährboden nachweisen – da bei Gasbrand jedoch so rasch wie möglich mit der Therapie begonnen werden muss, würde das viel zu lange dauern. Anhand einer speziellen Methode (der sog. Gramfärbung) lassen sich im Wundmaterial unter dem Mikroskop grampositive, stäbchenförmige Bakterien nachweisen. Zusammen mit den auftretenden Symptomen reicht dies zur Diagnosestellung aus. Bei Verdacht auf Gasbrand beginnt der Arzt daher in der Regel sofort mit der Therapie, um keine Zeit zu verlieren, und wartet parallel dazu die mikrobiologischen Ergebnisse ab.

6. Therapie

Beim Gasbrand (Gasödem) muss die Therapie möglichst schnell einsetzen. Die Behandlung besteht zum einen in der Gabe von Antibiotika (in der Regel der Wirkstoff Penicillin G, eventuell zusätzlich Clindamycin), um die Clostridien direkt zu bekämpfen.

Zum anderen muss bei Gasbrand das Wundgewebe mit Sauerstoff versorgt werden. Da Clostridien nur unter Sauerstoffausschluss wachsen, lässt sich so eine Vermehrung der Gasbrand-Erreger vermeiden. Dazu eröffnet der Arzt die Wunde chirurgisch und entfernt abgestorbenes Gewebe oder amputiert notfalls ganze Gliedmassen. Eine hyperbare Sauerstofftherapie (Sauerstoff-Überdrucktherapie in einer Druckkammer) kann nach den chirurgischen Massnahmen zusätzlichen Sauerstoff ins Gewebe bringen und soll sich günstig auf den Heilungsverlauf des Gasbrandes auswirken. Hierzu gibt es jedoch unterschiedliche Meinungen.

7. Verlauf

Beim Gasbrand (Gasödem) handelt es sich um eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung. Unbehandelt nimmt die Erkrankung nahezu immer einen tödlichen Verlauf. Bei frühzeitiger Therapie überleben jedoch in der Regel 40 bis 60 Prozent der Patienten.

Komplikationen

Zu den Komplikationen bei Gasbrand gehört einerseits eine örtlich begrenzte Gangrän, also die Zerstörung und Verflüssigung der umgebenden Muskulatur, die eine Amputation notwendig machen kann. Andererseits kann durch die Verbreitung der Gasbrand-Erreger und ihrer Toxine in den Blutkreislauf ein toxisches Herz-Kreislauf-Versagen auftreten und innerhalb kürzester Zeit zum Tode führen.

8. Vorbeugen

Gasbrand (Gasödem) können Sie vorbeugen, indem sie Wundverschmutzungen möglichst vermeiden. Bei verunreinigten Wunden ist darauf zu achten, dass diese gut durchblutet und so mit Sauerstoff versorgt werden.

Bei Verdacht auf Gasbrand ist es wichtig, dass so rasch wie möglich mit der Therapie begonnen wird. Unter Umständen kann eine vorbeugende Gabe von Antibiotika sinnvoll sein (z.B. bei stark verschmutzen Wunden nach einem Verkehrsunfall).