1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Unter Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) versteht man bösartig verändertes Gewebe im Bereich des Gebärmutterhalses (Zervix). Die anatomische Lage des Gebärmutterhalses ermöglicht es dem Frauenarzt, im Rahmen einer Früherkennungs-Untersuchung auffällige Gewebeveränderungen zu entdecken. So lässt sich Gebärmutterhalskrebs oft schon in einem frühen Stadium erkennen und dann wirksam behandeln.

Gebärmutterhalskrebs ist in vielen Fällen die Folge einer zurückliegenden und chronisch andauernden Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV). Die Viren übertragen sich hauptsächlich über direkten Haut- und Schleimhautkontakt, insbesondere durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. HPV-Infektionen sind durchaus häufig – zwischen 50 und 80 Prozent der Bevölkerung haben im Laufe ihres Lebens bereits eine Infektion durchgemacht und höchstwahrscheinlich noch nicht einmal etwas davon bemerkt, da die Beschwerden oft unauffällig sind.

Ein Zervixkarzinom infolge einer HPV-Infektion entsteht aber nach heutigem Erkenntnisstand nur, wenn die Infektion chronisch verläuft – insbesondere wenn sie länger als 12 Monate andauert. Dies ist nur bei wenigen Frauen der Fall. Durchschnittlich tritt Gebärmutterhalskrebs durch HP-Viren erst dann auf, wenn die Infektion mindestens 15 Jahre besteht.

Frühe Stadien eines Zervixkarzinoms lassen sich mittels Laserchirurgie oder einer sogenannten Konisation (einem operativen Eingriff am Gebärmutterhals) mit sehr guten Heilungsaussichten behandeln. Bei diesen Methoden bleibt die Gebärmutter erhalten und auch Schwangerschaften sind meist problemlos möglich. Bei fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs ist eine grössere Operation oder eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie notwendig.

Seit 2008 werden die Kosten für eine HPV-Impfung von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen, ohne dass eine Franchise erhoben wird. Jedoch muss dies im Rahmen eines kantonalen Impfprogramms vorgenommen werden. Anspruch haben Mädchen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren sowie bis Ende 2012 junge Frauen im Alter von 15 und 26 Jahren. Die Impfung schützt vor zwei sogenannten Hochrisiko-HP-Viren, die für etwa 70 Prozent aller Fälle von Zervixkarzinom verantwortlich sind: HPV 16 und 18. Sie heissen aus diesem Grund auch «Hochrisiko-HP-Viren». Den grössten Nutzen im Hinblick auf das Zervixkarzinom hat die Impfung bei Frauen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten. Aber auch junge, bereits sexuell aktive Frauen können von der Impfung profitieren – wenn auch in geringerem Masse. Eine der beiden Impfungen schützt zusätzlich vor den HPV-Typen 6 und 11, die gutartige Genitalwarzen verursachen.

Bedeutsam ist, dass die HPV-Impfung zwar vor einer Infektion mit den krebsauslösenden Viren der Typen 16 und 18 schützen kann. Es gibt allerdings weitere HP-Viren, die ebenfalls, wenn auch deutlich seltener Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Vor ihnen schützen beide Impfstoffe nicht. Daher sollten auch gegen HPV geimpfte Frauen weiterhin jährlich zur Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt gehen.

Anzeige

2. Definition

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist ein bösartiger Tumor, der aus dem Gewebe des Gebärmutterhalses (Zervix) entsteht.

Anatomie der Gebärmutter

Die Gebärmutter ist ein Hohlorgan und besteht hauptsächlich aus Muskel- und Bindegewebe. Die Gebärmutter dient der Fortpflanzung: Hier kann sich eine befruchtete Eizelle einnisten und der daraus hervorgehende Embryo bis zur Geburt heranwachsen. Bei der Geburt befördern Muskelkontraktionen der Gebärmutter (Wehen) das Kind durch die Scheide nach aussen.

Der Gebärmutterhals – der Fachbegriff lautet die Zervix – verbindet das obere Scheidenende mit der Gebärmutter. Das untere Ende des Gebärmutterhalses heisst Portio und ragt zapfenförmig in die Scheide hinein. Die Schleimhaut von Gebärmutter und Scheide ist unterschiedlich aufgebaut. Im Bereich der Portio bildet sie eine Art Übergangszone.

Bösartige Tumoren der Gebärmutter (Endometriumkarzinom, Korpuskarzinom) unterscheiden sich dagegen in vielfacher Hinsicht von Tumoren des Gebärmutterhalses. Mediziner betrachten diese beiden Tumorarten daher gesondert.

Zervikale intraepitheliale Neoplasie (epitheliale Dysplasie)

Zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN), auch epitheliale Dysplasien genannt, sind Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Epitheliale Dysplasien werden in drei Schweregrade eingeteilt:

  • CIN I: leichte Dysplasie (Zellveränderungen nur in der oberen Epithelschicht)
  • CIN II: mittelschwere Dysplasie (Zellveränderungen in mehreren Schichten des Epithels)
  • CIN III: schwere Dysplasie (Zellveränderungen im gesamten Epithel)

Der Begriff Dysplasie steht für Veränderungen im Gewebe, das bedeutet, Zellen entwickeln oder bilden sich falsch. Wenn die Veränderungen im Gebärmutterhals auftreten, also in der Zervix, spricht man von zervikaler oder epithelialer Dysplasie. Der Begriff Krebsvorstufe bedeutet nicht, dass die Frau Krebs hat oder zwingend Krebs bekommt. Es bedeutet lediglich, dass sich aus diesen Vorstufen ein Krebs entwickeln könnte – daher muss eine epitheliale Dysplasie besonders engmaschig überwacht und gegebenenfalls therapiert werden.

Auch aus CIN I und CIN II kann theoretisch Krebs entstehen, die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering. In mehr als fünf von zehn Fällen bilden sich die Veränderungen einer CIN I und CIN II von selber zurück. Daher lassen sich diese Formen der epithelialen Dysplasie in der Regel zunächst regelmässig daraufhin überprüfen, ob sie sich von selbst zurückbilden. Bestehen sie aber über mehr als zwölf Monate oder entwickelt sich eine CIN III, wird die Dysplasie operativ entfernt.

Häufigkeit

In den letzten Jahren (2004-2008) erkrankten in der Schweiz 240 Frauen an Gebärmutterhalskrebs.  Gebärmutterhalskrebs entsteht gehäuft bei Frauen zwischen 40 und 59 Jahren Frauen.

Im Vergleich zu den 1970er Jahren ist die Erkrankungsrate deutlich zurückgegangen. Damals war Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Man erklärt sich diesen Rückgang mit der verbesserten Frühdiagnostik. Durch die besseren Früherkennungs-Untersuchungen stellen Ärzte nun auch häufiger Vorstufen des Zervixkarzinoms (epitheliale Dysplasie) fest.

Anzeige

3. Ursachen

Bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) zählen zu den wichtigsten Ursachen sogenannte humane Papillomaviren (HPV). Die humanen Papillomaviren können unterschiedliche Erkrankungen (z.B. Hautwarzen oder Genitalwarzen) hervorrufen. Es gibt Untergruppen dieser Viren, die Krebs auslösen können. Vor allem die HPV-Typen 16 und 18, die man auch Hochrisikotypen nennt, sind an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt.

Warum eine Infektion mit HPV zu Krebs führen kann, haben Forscher mittlerweile herausgefunden: Bestimmte Gene der humanen Papillomaviren (E6 und E7) bauen sich in das Erbgut der Schleimhautzellen des Gebärmutterhalses ein. Über längere Zeit kann dies schliesslich dazu führen, dass sich die Schleimhautzellen bösartig verändern.

HPV-Übertragungsweg

Die HPV-Übertragung erfolgt vor allem über direkten Haut- oder Schleimhautkontakt, vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Infektionen mit HPV sind recht häufig:

  • Circa fünf bis acht von zehn Menschen machen im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion durch.

Meist heilt die Infektion nach wenigen Monaten aus, ohne Beschwerden verursacht zu haben. Nur bei etwa ein bis zwei von zehn Infizierten verläuft die Infektion chronisch und das Virus nistet sich dauerhaft im Körper ein. Auch in diesem Fall entsteht nicht zwingend Gebärmutterhalskrebs: Nur etwa fünf bis zehn von hundert Betroffenen entwickeln ein Zervixkarzinom.

Da HPV sexuell übertragen wird, können sich auch Männer mit dem HP-Virus anstecken beziehungsweise das Virus übertragen.

Risikofaktoren

Risikofaktoren für die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) sind:

  • Rauchen und Passivrauchen: Krebserregende Abbauprodukte von Tabakrauch sind bei Raucherinnen in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses in höherer Konzentration nachweisbar. Dadurch können Krankheitserreger wahrscheinlich leichter in die Schleimhautzellen eindringen. Im Vergleich zu Nichtraucherinnen steigt bei Raucherinnen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um 60 Prozent. Dabei erhöht sich das Risiko umso mehr, je mehr eine Frau raucht und je früher sie damit anfängt.
     
  • zusätzliche Infekte im Genitalbereich: Liegt bereits eine HPV-Infektion vor, können gleichzeitige Infektionen mit Geschlechtskrankheiten (z.B. Genitalherpes, Chlamydien) das Risiko einer Krebsentstehung erhöhen.
     
  • Immunschwäche: Ist das Immunsystem der Frau geschwächt, steigt das Risiko einer HPV-Infektion bzw. generell für Infektionen. Ein geschwächtes Immunsystem kann z.B. vorliegen bei einer HIV-Infektion oder weil die Frau Medikamente einnimmt, die das Immunsystem unterdrücken (z.B. nach einer Organtransplantation). Das geschwächte Immunsystem ist dann nicht in der Lage, ausreichend auf das Virus zu reagieren.
     
  • Verhütung mit hormonellen Mitteln: Wenden Frauen längere Zeit hormonelle Verhütungsmittel (z.B. die sog. Pille) an, steigt dadurch möglicherweise das Risiko eines Gebärmutterhalskrebses. Ob wirklich die Hormone die Ursache sind, ist jedoch nicht vollkommen klar. Möglich wäre auch, dass die Verwendung der Pille Einfluss auf das Sexualverhalten hat und Frauen in der Folge z.B. weniger auf eine zusätzliche Verhütung mit Kondomen achten. Dies würde eine HPV-Infektion begünstigen.
     
  • mangelnde Hygiene, aber auch Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern steigern die Wahrscheinlichkeit einer HPV-Infektion und dadurch die Entstehung eins Zervixkarzinoms.
     
  • genetische Veranlagung: Unterschiede im eigenen Erbgut können bewirken, dass das Immunsystem das Virus nicht ausreichend bekämpft. Genetische Einflüsse scheinen jedoch keine vorrangige Rolle für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs zu spielen.
Anzeige

4. Symptome

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) verursacht kaum Symptome, wenn die Erkrankung noch im Frühstadium ist. Auch später müssen bei Gebärmutterhalskrebs nicht unbedingt Beschwerden auftreten. 80 bis 90 der Frühformen können jedoch im Rahmen von gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen erkannt und so geheilt werden.

Wenn Symptome auftreten, können diese wie folgt aussehen:

  • übel riechender, blutiger Ausfluss
     
  • Schmierblutung nach dem Geschlechtsverkehr
     
  • ungewöhnliche Blutung bzw. Blutung ausserhalb des normalen Menstruationszyklus oder nach den Wechseljahren
     
  • unklare Becken-, Kreuz- oder Bauchschmerzen
     
  • auffällig geschwollene Beine (z.B. einseitig)
     
  • Schmerzen beim Wasserlassen
     
  • Schmerzen beim Stuhlgang

Gebärmutterhalskrebs-Symptome müssen nicht ausschliesslich den Genitalbereich betreffen. Unklare Bauchschmerzen oder Schmerzen im Beckenbereich können ebenfalls im Rahmen einer Krebserkrankung der Zervix auftreten. Auch länger andauernde Rückenschmerzen, für die sich keine andere Erklärung (z.B. ein Bandscheibenvorfall) finden lässt, können durch einen Gebärmutterhalskrebs verursacht sein.

Im späteren Verlauf kann ein unbehandeltes Zervixkarzinom auch zu allgemeiner Schwäche, Gewichtsverlust oder Blutarmut (Anämie) führen.

Generell gilt es zu bedenken, dass die genannten Symptome nicht nur bei Gebärmutterhalskrebs auftreten, sondern häufig deutlich harmlosere Ursachen haben. Sollten Sie also Beschwerden wie Ausfluss, Schmierblutungen oder Rückenschmerzen haben, machen Sie sich keine Sorgen – lassen Sie aber die Symptome durch Ihren Arzt abklären.

Anzeige

5. Diagnose

Bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Es gibt es keine Frühsymptome – deswegen ist die jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen ab dem 20. Lebensjahr unbedingt zu empfehlen. Denn dank regelmässiger gynäkologischer Früherkennungs-Untersuchungen lassen sich 80 bis 90 Prozent der Fälle rechtzeitig erkennen und wirksam behandeln.

Im Rahmen solch einer Früherkennungs-Untersuchung schaut sich der Frauenarzt das untere Ende des Gebärmutterhalses an, das zapfenförmig in die Scheide hineinragt (die Portio), und tastet es ab. Ausserdem macht er Abstriche, die im Labor ausgewertet werden (sog. Pap-Test).

Besteht nach der Vorsorgeuntersuchung tatsächlich ein Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs, entnimmt der Arzt Gewebeproben (Biopsie), um das veränderte Gewebe beurteilen zu können. Ist der Befund hiernach unklar, folgt eine Konisation. Bei einer Konisation entnimmt der Arzt von der Scheide her eine kegelförmige (konusförmige) Gewebeprobe aus der Portio. Die Konisation kann ambulant unter Kurznarkose oder auch stationär im Spital erfolgen. Bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) dient eine Konisation nicht nur der Diagnose, sondern ist gleichzeitig oft auch schon Teil der Therapie, da der Arzt dabei das veränderte Gewebe entfernt.

Liegt tatsächlich Gebärmutterhalskrebs vor, folgen weitere Untersuchungen, um die Ausbreitung des Tumors abzuschätzen, wie:

  • Ultraschall von Unterbauch und Oberbauch sowie vom Inneren der Scheide her (über eine in die Scheide eingeführte Ultraschallsonde)
  • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) vom Bauch (Beurteilung der Lage des Tumors sowie der Lymphknoten und zur Stadieneinteilung)
  • Röntgenuntersuchung der Lunge und des Beckens
  • Spiegelung (Endoskopie) von Enddarm und Blase

Zur Routine gehört in der Regel auch eine Blutuntersuchung; sie erlaubt eine Aussage über die allgemeine körperliche Verfassung der Betroffenen.

Anzeige

6. Therapie

Bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist für die Therapie entscheidend, wie weit der Krebs bereits fortgeschritten ist. Handelt es sich beim Gebärmutterhalskrebs noch um ein Frühstadium und ist der Tumor also noch klein, entfernt der Arzt den Tumor in der Regel in einer Operation. Bei späteren Krebsstadien entscheidet sich der Arzt dagegen meist für eine Strahlentherapie, die er manchmal auch mit einer Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie).

Bei den Vorstadien von Gebärmutterhalskrebs richtet sich die Therapie danach, wie sehr das Gewebe verändert ist. Leichte Unregelmässigkeiten der Zellen bilden sich oft von selbst zurück. Bis zur Ausheilung reichen hier engmaschige, regelmässige Abstrichkontrollen und die Betrachtung des unteren Endes des Gebärmutterhalses, das zapfenförmig in die Scheide hineinragt (Portio): Der Arzt nutzt hierzu eine spezielle Lupe, das Kolposkop (die Untersuchung bezeichnet man als Kolposkopie). Zusätzlich lässt sich mit einem speziellen Abstrichtest, dem Pap-Test, feststellen, ob eine HPV-Infektion vorliegt und um welchen HPV-Typ es sich handelt. Wenn diese Zellveränderung längere Zeit bestehen bleibt oder sich verschlimmert, muss der Arzt den auffälligen Bezirk entfernen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

Operation

Konisation

Abhängig vom Befund der Kolposkopie, also der Untersuchung des Gebärmutterhalses mit einer speziellen Lupe, richtet der Arzt die weitere Behandlung aus: Er entscheidet, ob eine Zerstörung des veränderten Gewebes, beispielsweise mit einem Laser (Laserchirurgie), ausreicht oder ob eine Konisation (ein operativer Eingriff) erforderlich ist. Mithilfe der Konisation lassen sich Vor- und Frühstadien des Gebärmutterhalskrebses entfernen.

Bei einer Konisation entnimmt der Arzt ein kegelförmiges Gewebestück (Konus) mit dem veränderten Gewebe aus dem Gebärmutterhals (Portio). Dies ist auf verschiedene Weise möglich, etwa operativ mittels Skalpell als Messer-Konisation oder mithilfe einer elektrischen Schlinge, der sogenannten Schlingen-Konisation, LEEP. In beiden Fällen erfolgt die Gewebeentnahme von der Scheide her. Nimmt der Arzt eine Konisation vor, schabt er in der Regel auch gleichzeitig die Gebärmutterschleimhaut im Gebärmutterhals aus (Zervix-Kürettage). Dies soll verhindern, dass sich das bösartig veränderte Gewebe auf das Innere der Gebärmutter ausbreitet. Nach der Ausschabung regeneriert sich die Schleimhaut vollständig.

Bei jungen Frauen versucht der Arzt, die veränderten Strukturen besonders gewebeschonend zu entfernen, um einen zukünftigen Kinderwunsch nicht zu beeinträchtigen.

Während der Konisation befindet sich die Patientin in der Regel in einer kurzen Vollnarkose. Der Eingriff ist jedoch auch unter Betäubung nur der unteren Körperregionen (regionale Anästhesie) möglich. Nach der Konisation heilt die Wunde innerhalb von vier bis sechs Wochen ab. Auch eine HPV-Infektion ist dann normalerweise nicht mehr nachzuweisen.

Strahlentherapie

Meist wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert, wobei man dann von einer Radiochemotherapie spricht. Die Radiochemotherapie ist mit die wichtigste Therapiemöglichkeit bei späteren Stadien von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Bei kleineren Tumoren wenden Ärzte manchmal auch eine Strahlentherapie allein an, die Kombination mit einer Chemotherapie scheint nach aktuellem Kenntnisstand jedoch die besseren Ergebnisse zu liefern und kann sogar zu genauso guten Ergebnissen wie eine Operation führen.

Spätestens wenn der Tumor sehr weit fortgeschritten ist und bereits die Beckenwand erreicht hat, ist die Strahlentherapie einer Operation vorzuziehen. Eine Strahlentherapie wenden Ärzte ausserdem an, wenn nach einer Operation noch ein Resttumor vorhanden ist beziehungsweise wenn sich ein Tumorrückfall (Rezidiv) bildet. Bei erneut auftretenden Tumoren ist aber gegebenenfalls auch eine Operation möglich.

Anzeige

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

In weiter fortgeschrittenen Krebsstadien oder wenn Gebärmutterhalskrebs wiederholt auftritt, empfiehlt der Arzt meist eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie).

Gebärmutter-Teilentfernung (Trachelektomie): Eine Gebärmutter-Teilentfernung kommt infrage, wenn das Zervixkarzinom bereits tieferliegende Gebärmutterbereiche befallen hat und eine Konisation zur Entfernung nicht ausreicht. Bei einer Teilentfernung ist es unter Umständen auch nach der Operation noch möglich, Kinder zu bekommen.

Einfache Gebärmutterentfernung: Hierbei wird die komplette Gebärmutter entfernt sowie manchmal zusätzlich einzelne Lymphknoten. Anderes umliegendes Gewebe, wie der Halteapparat der Gebärmutter oder der obere Scheidenbereich, bleibt unangetastet.

Vollständige Gebärmutterentfernung: Eine vollständige Gebärmutterentfernung ist notwendig, wenn sich der Gebärmutterhalskrebs auf grössere Bereiche über die Gebärmutter hinaus ausgedehnt hat. Bei der Operation entnimmt der Arzt die komplette Gebärmutter sowie zusätzlich die zur Region gehörigen Lymphknoten und entfernt gegebenenfalls weiteres befallenes Gewebe (z.B. im oberen Scheidenbereich, Halteapparat der Gebärmutter, Eierstöcke).

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie setzt der Arzt Wirkstoffe (sog. Zytostatika) ein, die als Zellgift auf alle Körperzellen – also sowohl die gesunden Zellen als auch die Krebszellen – wirken und deren Wachstum bremsen. Da Krebszellen sich schneller als gesunde Zellen teilen, werden sie durch die Zytostatika eher geschädigt.

Eine Chemotherapie allein ist meist wenig erfolgreich. Sie ist jedoch angebracht, wenn sich zum Beispiel Tochtergeschwulste in anderen Körperbereichen als dem Bauchraum gebildet haben (Fernmetastasen). Da eine Ganzkörperbestrahlung nicht möglich ist, kann eine Chemotherapie in solch einem Fall dennoch das Krebswachstum verlangsamen, wenn auch nicht stoppen.

Auch wenn der Gebärmutterhalskrebs bereits örtlich (lokal) fortgeschrittenen ist und in diesem Zustand nicht operiert werden kann, setzen Ärzte zum Teil eine Chemotherapie ein, um den Tumor etwas zu verkleinern (sog. Downstaging) – so lassen sich die Ausgangsbedingungen vor einer Operation verbessern.

Anzeige

7. Verlauf

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entwickelt sich im Verlauf aus Vorstufen. Entdeckt der Frauenarzt solche Vorstufen oder einen Tumor in einem frühen Stadium, ist eine vollständige Heilung möglich. Schreitet die Erkrankung unentdeckt und unbehandelt voran, verringert sich die Chance auf eine vollständige Heilung. Besonders ungünstige Prognosen haben Frauen, bei denen der Gebärmutterhalskrebs bereits Tochtergeschwulste in anderen Körperbereichen als der Bauchregion gebildet hat (Fernmetastasen) oder bei denen Nachbarorgane beteiligt sind.

Anzeige

8. Vorbeugen

Einer der Hauptursachen für Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) kann man vorbeugen: der Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV). Die Viren übertragen sich über direkte Haut- und Schleimhautkontakte, insbesondere durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Einer HPV-Infektion können Sie daher grösstenteils vorbeugen, indem Sie Kondome verwenden. Dies galt zwar lange als umstritten, eine Studie im Jahre 2006 zeigte jedoch, dass Kondome das Risiko einer HPV-Infektion um etwa 70 Prozent senken können. Indirekt schützen Kondome dadurch also auch vor Gebärmutterhalskrebs.

In den vergangenen Jahren (2004-2008) erkrankten in der Schweiz 240 Frauen an einem Zervixkarzinom. Anfang der 1970er Jahre war Gebärmutterhalskrebs noch der häufigste Tumor der Frau. Dieser Rückgang ist vermutlich auf die Einführung der gynäkologischen Früherkennungs-Untersuchung zurückzuführen. Seitdem haben Frauen ab dem 20. Lebensjahr Anspruch auf eine jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung. Hierbei untersucht der Frauenarzt die inneren und äusseren Geschlechtsorgane und macht ausserdem einen Abstrich. Wenn Sie die Vorsorgeuntersuchungen regelmässig wahrnehmen, kann der Arzt eventuelle Gewebeveränderungen rechtzeitig erkennen und frühzeitig mit therapeutischen Massnahmen beginnen.

Für Gebärmutterhalskrebs-Patientinnen ist ausserdem die regelmässige Nachuntersuchung nach Abschluss der Therapie wichtig, um ein Wiederauftreten (Rezidiv) rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Gebärmutterhalskrebs-Impfung (HPV-Impfung)

Es wird eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) , also gegen die auslösenden humanen Papillomaviren (HPV), empfohlen. Es gibt zwei Impfstoffe, die beide gegen die Hochrisikotypen HPV 16 und 18 wirken und somit verhindern, dass eine Frau sich mit diesen Viren infiziert. Einer der beiden Impfstoffe schützt zudem vor den HP-Viren 6 und 11 – sie verursachen gutartige Genitalwarzen. Die Gebärmutterhalskrebs-Impfung (HPV-Impfung) sollte idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen, da beim Geschlechtsverkehr eine Ansteckung mit HPV möglich ist.

Mithilfe der HPV-Impfung lassen sich sowohl eine Infektion mit bestimmten HPV-Typen als auch hierdurch bedingte krankhafte Veränderungen des Gebärmutterhalses verhindern. Auch für junge, sexuell aktive Frauen über 17 Jahren kommt die HPV-Impfung infrage. Da die Wahrscheinlichkeit, dass man bereits mit HPV in Berührung kam, mit jedem Sexualpartner steigt, ist die Schutzwirkung der Impfung bei dieser Gruppe aber entsprechend geringer.

Hinweis: Die HPV-Impfung kann zwar vor einer Infektion mit den krebsauslösenden Viren der Typen 16 und 18 schützen. Es gibt allerdings weitere HP-Viren, die ebenfalls, aber deutlich seltener Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Gegen HPV geimpfte Frauen sollten daher weiterhin die jährliche Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt beanspruchen. Andernfalls kann es passieren, dass eine Krebsvorstufe oder eine bereits bestehendes Zervixkarzinom zu spät oder nicht entdeckt wird. Dies mindert die Chancen auf Heilung deutlich.