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Veröffentlicht am 12.08.2020

1. Überblick

Die Gehirnerschütterung zählt zu den häufigsten Kopfverletzungen. Typische Symptome sind Bewusstlosigkeit, Gedächtnislücken, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) ist eine häufige Kopfverletzung. Beim Sport, im Strassenverkehr, aber auch im Haushalt ist es schnell passiert: Durch einen Sturz oder einen Schlag auf den Kopf kann ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma entstehen. Eine Gehirnerschütterung äussert sich in der Regel durch vorübergehende Bewusstlosigkeit und eine Gedächtnislücke.

Weitere Symptome einer Gehirnerschütterung können Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und Schwindelgefühle sein. In der Regel klingen die Symptome einer Gehirnerschütterung innerhalb weniger Tage ohne Folgen wieder ab.

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollten Sie immer den Arzt aufsuchen beziehungsweise den Notarzt holen. Nur so können ernstere Verletzungen am Schädel oder Gehirn ausgeschlossen werden.

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2. Definition von Gehirnerschütterung

Bei einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) erleidet eine Person ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, das durch einen Sturz oder einen Schlag auf den Kopf ausgelöst wurde. Auch ein kräftiger Anprall mit dem Kopf, etwa an einem Türrahmen, kann der Auslöser sein. Die Gehirnerschütterung verursacht keine bleibenden Schäden am Hirngewebe, das heisst, die Verletzung ist reversibel.

Der Begriff Schädel-Hirn-Trauma umschreibt alle durch Krafteinwirkung entstandenen Schädelverletzungen, bei denen das Hirngewebe verletzt oder in seiner Funktionalität gestört ist. Normalerweise schützt der Schädelknochen das Gehirn vor äusseren Einflüssen. Durch ruckartige Einwirkung auf den Kopf schlägt das Gehirn gegen den Schädelknochen. Eine Gehirnerschütterung ist eine mögliche Folge.

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3. Ursachen von Gehirnerschütterung

Bei einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) sind die Ursachen immer mit äusserer Kraft verbunden. Die Verletzung entsteht durch stumpfe Krafteinwirkung auf den Kopf – beispielsweise durch einen Sturz, Schlag oder heftiges Anstossen oder Anprallen des Kopfes gegen einen harten Widerstand.

Das Gehirn «schwimmt» im Schädel in der Hirnflüssigkeit (Liquor). Durch äussere, ruckartige Einwirkung kann der Schädel stark beschleunigt werden. Stoppt die Bewegung, schlägt das Gehirn gegen den Schädelknochen – eine Gehirnerschütterung kann entstehen. Stürzt beispielsweise eine Person vom Velo, so wird der Fall durch den Aufprall am Boden abrupt gebremst, so dass das Hirn an den Schädel stossen kann.

So kann es etwa beim Sport schnell zu einer Gehirnerschütterung kommen, zum Beispiel beim Boxen, beim Inline-Skating, beim Fussball oder auch beim Velofahren. Aber auch im Haushalt oder im Strassenverkehr sind Stürze, die zu einer Gehirnerschütterung führen, häufig.

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4. Symptome

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) äussert sich durch bestimmte Symptome.

Hierzu gehören:

 

  • Vorübergehende Bewusstlosigkeit: Der Betroffene wird meist kurzzeitig bewusstlos (wenige Sekunden bis 15 Minuten, in seltenen Fällen länger). Die Person fühlt sich noch eine Weile leicht benommen.
  • Gedächtnislücken (Amnesie): Nach einer Gehirnerschütterung kann sich die Person nicht mehr genau an den Unfallhergang erinnern. Die Erinnerungslücken können aber auch die Zeit unmittelbar vor dem Unfall (sog. rückwirkende bzw. retrograde Amnesie) oder nach dem Unfall (sog. vorwärtswirkende bzw. anterograde Amnesie) umfassen.
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Brechreiz bis hin zum Erbrechen
  • Gleichgewichtsstörungen: Der Person ist schwindelig. Sie fühlt sich schwach und sie kann ohne Hilfe kaum aufstehen.

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollte man sofort den Arzt aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt (144) alarmieren.

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5. Diagnose

Der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) muss durch eine sorgfältige ärztliche Untersuchung bestätigt werden. Zur Sicherung der Diagnose muss die Ärztin wissen, was genau passiert ist und welche Symptome der Patient hat. Gegebenenfalls können Zeugen wichtige Hinweise zum Unfallhergang geben. Anhand der Schilderungen kann sich die Ärztin ein erstes Bild darüber machen, wie schwer die Verletzung ist. Anschließend prüft sie Bewusstsein und Motorik sowie den Allgemeinzustand der Person. Bei der Untersuchung ist es besonders wichtig, ernstere Verletzungen auszuschließen. Zudem untersucht die Medizinerin den Kopfbereich und prüft, ob Knochenverletzungen sicht- oder tastbar sind.

Bei einer Gehirnerschütterung handelt es sich um ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Anhand der sogenannten Glasgow-Koma-Skala (engl.: Glasgow Coma Scale, GCS) legt der Arzt den Schweregrad des Traumas fest. Mithilfe der Skala erfasst er den Bewusstseinszustand des Betroffenen: Hierzu führt der Arzt verschiedene Reaktionstests durch und vergibt für jede Reaktion Punkte. Bei den Tests prüft er grob drei Aspekte: Öffnet der Patient die Augen? Bewegt er sich (Motorik)? Spricht er? Je schlechter die Reaktion ausfällt, desto weniger Punkte gibt es. Zeigt der Patient auf einen Test keine Reaktion, erhält er für diese Kategorie nur 1 Punkt. Insgesamt können 3 bis 15 Punkte erreicht werden, wobei 3 Punkte für ein schweres, 15 Punkte für ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma stehen. Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma wie der Gehirnerschütterung erreicht der Patient auf der Skala zwischen 13 und 15 Punkte.

Insbesondere, wenn die Person sehr lange bewusstlos war oder länger anhaltende Erinnerungslücken (Amnesie) aufweist, muss der Arzt ernstere Verletzungen wie zum Beispiel eine Gehirnprellung (Contusio cerebri) oder gar eine Gehirnblutung ausschliessen. Mithilfe einer Computertomographie (CT) kann er feststellen, ob weitere Schäden vorliegen. Dazu zählen zum Beispiel schwerere Verletzungen des Hirns, aber auch zusätzliche Beeinträchtigungen, etwa an der Halswirbelsäule.

Hat die Computertomographie trotz starker Beschwerden kein eindeutiges Ergebnis erbracht, kann der Arzt zusätzlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen. Gegebenenfalls wird er zudem mithilfe einer Elektroenzephalographie (EEG) prüfen, ob die Hirnaktivität verändert ist.

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6. Therapie

Bei einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) besteht die Therapie zunächst darin, den Betroffenen am Unfallort zu versorgen. Die Person sollte ihre bisherige Tätigkeit abbrechen, also zum Beispiel einen sportlichen Wettkampf beenden.

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt (144) alarmieren.

Erstversorgung

Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine andere Person eine Gehirnerschütterung hat:

 

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Reden Sie beruhigend auf die Person ein und lassen Sie sie auf keinen Fall allein!
  • Behandeln Sie vorhandene Wunden und fragen Sie nach dem Unfallhergang, falls der Betroffene ansprechbar ist.
  • Rufen Sie einen Notarzt (144).
  • Wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist:
    • Lagern Sie den Verletzten mit leicht erhöhtem Oberkörper und decken Sie in möglichst zu.
    • Achten Sie auf Puls, Herzschlag und Atmung des Betroffenen.
    • Ist der Person übel, sollten Sie sie seitlich lagern.
    • Auch, wenn es der Person scheinbar besser geht: Geben Sie ihr weder Essen noch Getränke oder Medikamente!
  • Wenn der Betroffene bewusstlos ist:
    • Prüfen Sie Puls, Herzschlag und Atmung der Person (Vitalzeichen).
    • Bringen Sie den Verletzten in die stabile Seitenlage.
    • Bedecken Sie Stirn und Nacken mit kalten Tüchern.

Weitere Behandlung

Nach einer Gehirnerschütterung ist es vor allem wichtig sich zu schonen. Wenn die Ärztin es für nötig hält, sollte man für ein paar Tage Bettruhe halten. Auf Sport sollte man vorübergehend verzichten, ebenso auf Fernsehen.

Gegen Kopfschmerzen kann die Betroffene nach Rücksprache mit der Ärztin Schmerzmittel (Analgetika) einnehmen. Bei Übelkeit verschreibt die Ärztin unter Umständen Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, sogenannte Antiemetika.

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Eine Frau fährt Rad in den Bergen.

Bei gewissen Sportarten wie dem Mountainbiking ist die Gefahr einer Gehirnerschütterung erhöht. Ein Helm hilft, sich dagegen zu schützen.

Quelle: Getty Images

7. Verlauf

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) klingt im weiteren Verlauf in der Regel innerhalb weniger Tage ohne Folgeschäden ab. Wichtig ist, dass man sich ausreichend Zeit für die Genesung nimmt und nicht verfrüht beginnt, wieder Sport zu treiben oder zu aktiv zu sein. Treiben Sie nach einer Gehirnerschütterung erst dann wieder Sport, wenn Sie keine Beschwerden mehr haben und der Arzt Ihnen grünes Licht gibt.

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8. Vorbeugen

Sie können einiges tun, um das Risiko für eine Gehirnerschütterung zu senken – insbesondere wenn Sie sportlich aktiv sind.

Gerade riskantere Sportarten sollten Sie nie ausüben, wenn Sie in einer schlechten körperlichen Verfassung sind. Das Risiko für eine Verletzung ist ansonsten besonders hoch. Schützen Sie Ihren Kopf bei Sturzgefahr, indem Sie einen Helm tragen, so zum Beispiel bei Sportarten wie:

 

  • Velofahren, Mountain-Biking
  • Motorradfahren
  • Inline-Skating
  • Skifahren
  • Rodeln
  • Eishockey

Insbesondere Kinder können auch trotz eines Helms eine Gehirnerschütterung bekommen. Eltern sollten daher immer auf mögliche Anzeichen einer Gehirnerschütterung achten, wenn das Kind gestürzt ist.

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