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Gehörgangsentzündung

(Otitis externa)
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1. Überblick

Bei einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) ist die Haut des äusseren Gehörgangs entzündet. Eine Otitis externa ist meist sehr schmerzhaft und manchmal auch langwierig, verläuft aber in der Regel ohne Komplikationen und heilt bei fachgerechter Behandlung folgenlos aus.

Die häufigsten Ursachen einer Gehörgangsentzündung sind kleine Verletzungen der Haut des Gehörgangs (z.B. durch eine falsch durchgeführte Ohrreinigung). Durch diese Verletzungen können Bakterien eindringen und eine Entzündung verursachen. Auch durch (bakteriell) verunreinigtes Badewasser oder Wasser in Schwimmbädern können für eine Gehörgangsentzündung verantwortlich sein. Mediziner bezeichnen die Gehörgangsentzündung daher auch als «Swimmer's Ear».

Kennzeichnend für eine Gehörgangsentzündung sind starke Ohrenschmerzen, die sich durch leichtes Ziehen an der Ohrmuschel deutlich verstärken. Das erste Symptom einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) ist allerdings meist ein heftiger Juckreiz. Die Schmerzen setzen erst danach ein und nehmen durch Kaubewegungen oder Ziehen an der Ohrmuschel noch zu. Oft tritt Flüssigkeit aus dem Ohr aus und der Gehörgang schwillt zu, weshalb Betroffene schlechter hören.

Der Arzt erkennt eine Gehörgangsentzündung neben den Ergebissen einer allgemeinen Untersuchung und den Beschwerden des Patienten durch eine Ohrenspiegelung.

Behandelt wird die Gehörgangsentzündung durch sorgfältiges Reinigen des Gehörgangs und lokal angewendete Antibiotika, Glukokortikoide (Kortison) oder Antipilzmittel (Antimykotika).

Um einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) vorzubeugen, sollten Sie Ihre Ohren nicht ständig mit Wattestäbchen oder anderen Instrumenten reinigen. Das Ohrenschmalz ist für den Selbstschutz und die Selbstreinigung des Ohrs verantwortlich. Ständiges Säubern des Ohrs stört diese Funktion gestört und schafft eine Basis für Entzündungen. Ausserdem sollten Sie das Ohr immer trocken halten beziehungsweise nach dem Baden immer gut abtrocknen. Ein feuchter Gehörgang bietet Bakterien und Pilzen hervorragende Wachstumsbedingungen.

2. Definition

Bei einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) ist die Haut des äusseren Gehörgangs durch Verletzungen, Bakterien- und Pilze oder Allergien entzündet. Eine Gehörgangsentzündung kommt häufig vor.

Anatomie

Der äussere Gehörgang ist etwa 3,5 Zentimeter lang und endet vor dem Trommelfell. Er verläuft S-förmig, so dass das Trommelfell nicht direkt sichtbar ist, wenn man ins Ohr sieht. An der Übergangsstelle zwischen seinem knorpeligen (äusseren) und seinem knöchernen Anteil – die sich etwa einen Zentimeter vor dem Trommelfell befindet – ist der Gehörgang sehr eng. Dort können sich sehr leicht Fremdkörper und Schmutz festsetzen.

Im knorpeligen Teil des Gehörgangs besitzt die Haut Haare sowie Drüsen, die das Ohrenschmalz (Zerumen) absondern. Das Ohrenschmalz schützt den Gehörgang auf zwei Arten:

  • Reinigung: Es reinigt den Gehörgang, indem es Schmutz, Bakterien und andere Verunreinigungen nach aussen transportiert.
  • Schutz vor Infektion: Durch seine bakteriziden (Bakterien abtötenden) und fungostatischen (das Wachstum von Pilzen hemmenden) Eigenschaften, verhindert das Ohrenschmalz, dass sich in den Gehörgang eingedrungene Bakterien und Pilze ansiedeln.

3. Ursachen

Eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) kann unterschiedliche Ursachen haben. Einige der häufigsten Auslöser sind kleinste Verletzungen der Haut des Gehörgangs wie sie zum Beispiel durch falsches Reinigen mit Wattestäbchen oder anderen Hilfsmitteln. Durch diese Verletzungen können Bakterien eindringen, welche die Gehörgangsentzündung verursachen. Ausserdem verschwindet durch ständiges Reinigen des Gehörgangs mit Wattestäbchen oder Reinigungssubstanzen (Seife) das schützende Ohrenschmalz, wodurch sich Bakterien und Pilze leichter im Gehörgang ansiedeln können.

Auch nach dem Schwimmen in öffentlichen Schwimmbädern oder Badeseen tritt eine Gehörgangsentzündung häufig auf. Ursachen hierfür sind Becken oder Seen mit (bakteriell) verunreinigtem Wasser, welches beim Schwimmen in den Gehörgang eindringt und nicht sofort wieder abfliesst. Auch zu viel Ohrenschmalz oder Exostosen (gutartige Knochenvorsprünge im Gehörgang) können ein Abfliessen des Wassers verhindern und so dazu beitragen, dass eine Gehörgangsentzündung entsteht.

Eine Gehörgangsentzündung kann auch bei chronischer Mittelohrentzündung mit länger bestehender Ohrsekretion (Absonderung von Sekreten), durch Gehörgangsekzeme oder infolge von Allergien (z.B. durch Haarwaschmittel) entstehen.

Auch eine «feuchte Kammer» im Ohr – zum Beispiel durch Hörgeräte, Ohrstöpseln oder in das Ohr gesteckte Watte – begünstigt die Entstehung einer Gehörgangsentzündung.

Eine weitere, seltene aber mögliche Ursache für eine Gehörgangsentzündung ist eine bösartige Neubildung im Gehörgang, die besonders dann entstehen kann, wenn ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) vorliegt.

4. Symptome

Eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) zeigt sich anfänglich meist durch Symptome wie einen heftigen Juckreiz. Danach setzen starke Ohrenschmerzen ein, die durch Kaubewegungen oder Ziehen an der Ohrmuschel noch zunehmen. Oft kommt es zu einer Sekretion von Flüssigkeit (Ohrenlaufen). Schwillt der Gehörgang zu, können die Betroffenen schlechter hören. Auch Fieber und eine Schwellung der Halslymphknoten können hinzukommen.

Bei der chronischen Form der Gehörgangsentzündung steht vor allen der Juckreiz im Vordergrund.

5. Diagnose

Bei einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) stellt der Arzt die Diagnose durch eine körperliche Untersuchung fest: Liegt eine Gehörgangsentzündung vor, verstärken sich die bestehenden Ohrenschmerzen durch Ziehen an der Ohrmuschel oder Drücken auf den Knorpelvorsprung vor dem Gehörgangseingang (Tragus).

Eine anschliessende Ohrenspiegelung zeigt, dass der Gehörgang gerötet und geschwollen ist. Damit sichert der Arzt bei einer Gehörgangsentzündung die Diagnose. Auch Flüssigkeit (Sekret) und Verunreinigungen können sichtbar sein.

Bei einer Haarbalgentzündung (Furunkel) zeigen sich anfangs oft folgende Symptome:

  • Schwellung
  • Rötung
  • Eiteraustritt am Gehörgangseingang

Eine Pilzinfektion zeichnet sich durch einen weisslichen bis dunkelbräunlichen Belag im Gehörgang aus.

Bei einer Hörminderung führt der Arzt einen Hörtest und gegebenenfalls eine Gleichgewichtsprüfung durch. Im Einzelfall sind auch eine Röntgenaufnahme, ein Abstrich zur Erregerbestimmung, Blutuntersuchungen oder ein Allergietest notwendig.

6. Therapie

Der Arzt setzt bei einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) in der Regel eine ambulante Therapie. Dazu nutzt er hauptsächlich lokal wirkende Massnahmen:

  • Erster Schritt einer erfolgreichen Behandlung ist eine gründliche Reinigung des Gehörgangs.
  • Gegen die Schwellung helfen Kortisonsalben (Glukokortikoide).
  • Bei einer bakteriellen Infektion kommen antibiotische Salben oder Ohrentropfen zur Anwendung.
  • Bei einer Pilzinfektion eignen sich antimykotische (das Pilzwachstum hemmende) Salben und Tropfen.

Während einer Gehörgangsentzündung muss der Erkrankte neben der richtigen Therapie zudem darauf achten, nach dem Duschen oder Baden für einen trockenen Gehörgang zu sorgen – zum Beispiel mithilfe eines Haartrockners.

Bei Diabetikern – aber auch wenn Komplikationen auftreten – verabreicht der Arzt die Antibiotika als Tabletten oder Infusionen (über die Vene). Hat sich im Ohr schon Eiter angesammelt, entfernt der Arzt diesen mithilfe einer kleinen Operation.

Gegen die Schmerzen helfen Schmerztabletten. Auch kühlende und desinfizierende Umschläge werden als angenehm empfunden. Da Kaubewegungen die Schmerzen oft verstärken, eignet sich als Nahrung weiche Kost, zum Beispiel Brei und Suppen.

Wenn eine Stoffwechselkrankheit (z.B. Diabetes mellitus) vorliegt, behandelt der Arzt auch die zugrunde liegende Erkrankung.

7. Verlauf

Eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) ist in ihrem weiteren Verlauf nach dem anfänglichen Juckreiz sehr schmerzhaft und kann langwierig sein. Sie heilt aber in den meisten Fällen folgenlos aus. Tritt sie öfters auf, versucht der Arzt mögliche Ursachen zu beseitigen – Exostosen (Knochenvorsprünge im Gehörgang) kann ein Chirurg zum Beispiel operativ entfernen.

Komplikationen

Im Rahmen einer Gehörgangsentzündung können Komplikationen wie ein Abszess (Eiteransammlung) auftreten. Dies geschieht, wenn sie verschleppt wird und sich auf die Umgebung ausbreitet. Dabei entzünden sich die Ohrmuschel oder die angrenzende Ohrspeicheldrüse ebenfalls.

Wenn ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder eine Störung des Immunsystems vorliegt, kann die Gehörgangsentzündung einen komplizierten Verlauf nehmen und zu Knorpel- oder Knochenschäden führen und in seltenen Fällen Lähmungen verursachen.

8. Vorbeugen

Einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) können Sie in erster Linie vorbeugen, indem Sie Ihre Ohren nicht oder nur wenn unbedingt notwendig, mit Wattestäbchen oder anderen Instrumenten reinigen. Der Gehörgang verfügt über eine Selbstreinigungs- und Schutzfunktion: Das Ohrenschmalz transportiert Verunreinigungen aus dem Gehörgang und verhindert durch seine antiseptischen Eigenschaften, dass sich Bakterien oder Pilze im Gehörgang ansiedeln. Durch ständiges Säubern des Ohrs wird diese Funktion gestört und schafft eine Basis für Entzündungen. Nicht zu vergessen sind mikroskopisch kleine Verletzungen der Haut, die bei der Reinigung entstehen können und Bakterien als Eintrittspforte ins Gewebe dienen.

Damit keine Gehörgangsentzündung entsteht, sollten Sie Ihr Ohr ausserdem trocken halten. Ein feuchter Gehörgang bietet Bakterien und Pilzen hervorragende Wachstumsbedingungen. Daher sollten Sie Ihre Ohren nach dem Baden mit einem Haartrockner trocknen.

Wenn Sie ein Hörgerät tragen oder zu einer verstärkten Bildung von Ohrenschmalz neigen, sollte Sie Ihre Ohren regelmässig reinigen lassen.

Sind Sie Diabetiker sollten Sie Ihren Blutzucker regelmässig überprüfen und entsprechend einstellen lassen.