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1. Überblick

Bei einem Gerstenkorn (Hordeolum) sind die Schweissdrüsen am Augenlid oder eine Talgdrüse im Lidinneren akut eitrig entzündet. An der betroffenen Stelle entsteht eine Schwellung und nachfolgend eine kleine Eiteransammlung, die einem Pickel ähnelt.

Verantwortlich für das Gerstenkorn am Auge sind Bakterien: Meist sind Staphylokokken die Auslöser für die beim Hordeolum typische Entzündung. Das Auge rötet sich infolge der bakteriellen Entzündung zunächst, bis das Lid an einer Stelle schmerzhaft eitrig anschwillt. In manchen Fällen können diese Symptome auch die Bindehaut betreffen. Die Schwellung beim Gerstenkorn ist druckempfindlich und kann mit einem Spannungsgefühl einhergehen.

Ein Gerstenkorn ist an sich harmlos. Die Betroffenen empfinden den Lidknoten am Auge aber aufgrund der herausgehobenen Lage und der schmerzhaften Spannung als äusserst unangenehm. Eine Behandlung ist in den meisten Fällen nicht erforderlich, da Gerstenkörner gut von alleine abheilen, sobald sich der Eiter von selbst entleert hat. Wenn das Hordeolum nicht von alleine aufplatzt, ist ein Besuch beim Augenarzt empfehlenswert, um den Abszess öffnen zu lassen. Keinesfalls darf man ein Gerstenkorn mit den Fingern ausdrücken.

2. Definition

Ein Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine akute, durch Bakterien ausgelöste Liddrüsenentzündung, bei der es in den Liddrüsen am Augenlid zu einer Eiteransammlung (Abszess) kommt. Gerstenkörner treten in zwei Formen auf, die sich darin unterscheiden, welche Liddrüsen im Auge betroffen sind:

  • Hordeolum internum (inneres Gerstenkorn): Bei dieser Form von Gerstenkorn sind die sogenannten Meibom-Drüsen an der Innenseite des Augenlids eitrig entzündet. Das Gerstenkorn ist daher unter Umständen nicht deutlich sichtbar.
  • Hordeolum externum (äusseres Gerstenkorn): Bei diesem Gerstenkorn sind die sogenannten Zeis-Drüsen (Talgdrüsen) oder Moll-Drüsen (Schweissdrüsen) am Rand des Augenlids entzündet, so dass das Gerstenkorn im Bereich der Lidkante oder der Wimpern zu sehen ist.

Abzugrenzen vom Gerstenkorn ist eine ähnlich aussehende Veränderung am Auge: das sogenannte Hagelkorn (Chalazion): Bei Letzterem sind – wie beim Hordeolum internum – die Meibom-Drüsen an der Innenseite des Augenlids entzündet. Anders als beim Gerstenkorn ist die Entzündung bei Hagelkorn jedoch chronisch und die entzündungsbedingte Schwellung nicht druckempfindlich.

3. Ursachen

Einem Gerstenkorn (Hordeolum) liegen als Ursachen Infektionen der Augenliddrüsen mit Bakterien zugrunde. Meist sind Staphylokokken die Auslöser, in seltenen Fällen können auch A-Streptokokken ein Gerstenkorn verursachen.

Bei den für ein Gerstenkorn infrage kommenden Ursachen spielen auch verschiedene Risikofaktoren eine Rolle: Vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) neigen zu Staphylokokken-Infektionen der Haut. Tritt ein Gerstenkorn immer wieder auf, ist es daher ratsam, einen Diabetes mellitus ausschliessen zu lassen. Daneben treten Gerstenkörner auch oft zusammen mit Akne auf.

Mögliche Ursachen für ein Hordeolum sind auch mangelnde Hygiene und unsachgemässe Pflege der Augen: Wer mit ungewaschenen Händen die Augen berührt und so Keime in die Augen beziehungsweise von einem auf das andere Auge überträgt, kann leicht eine bakterielle Infektion verursachen, die möglicherweise ein Gerstenkorn zur Folge hat.

4. Symptome

Bei einem Gerstenkorn (Hordeolum) sind die Symptome in der Regel auf das Auge beschränkt: Wenn eine Liddrüse am Augenlid entzündet ist und sich das Gerstenkorn zu entwickeln beginnt, ist die betroffene Stelle am Auge oft gerötet und später angeschwollen. Dabei regiert die Schwellung auf Druck schmerzhaft. Der Schwellung folgt eine kleine Eiteransammlung (ähnlich einem Pickel), die von einem Spannungsgefühl begleitet sein kann.

Wo diese für ein Hordeolum typischen Symptome auftreten, hängt davon ab, welche Liddrüsen im Auge betroffen sind: Beim Hordeolum internum (inneres Gerstenkorn) befindet sich die Entzündung mit den entsprechenden Anzeichen an der Innenseite des Augenlids. In manchen Fällen kann dann auch die Bindehaut in Mitleidenschaft gezogen sein. Das innere Gerstenkorn ist unter Umständen nicht deutlich sichtbar. Beim Hordeolum externum (äusseres Gerstenkorn) sind Drüsen am Rand des Augenlids entzündet, so dass der typische Lidknoten mit dem mittig gelegenen Eiterpunkt im Bereich der Lidkante oder der Wimpern zu sehen ist.

In schwerwiegenden, jedoch sehr seltenen Fällen können sich bei einem Gerstenkorn auch Symptome wie ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber oder Lymphknotenschwellungen entwickeln.

5. Diagnose

Bei einem Gerstenkorn (Hordeolum) gelingt die Diagnose meist schon, indem der Arzt nur das von der Liddrüsenentzündung betroffene Auge betrachtet (Blickdiagnose): Dort zeigt sich typischerweise eine rötliche Augenlidschwellung mit einem in der Mitte gelegenem Eiterpunkt, der einem Pickel ähnelt.

Sind die Talg- oder Schweissdrüsen des Augenlids betroffen, so dass sich das Gerstenkorn im Bereich der Lidkante oder der Wimpern zeigt (äusseres Gerstenkorn bzw. Hordeolum externum), reicht eine Blickdiagnose ohne weitere Hilfsmittel aus. Sind die Drüsen an der Innenseite des Augenlids betroffen (inneres Gerstenkorn bzw. Hordeolum internum), ist das Gerstenkorn nicht immer gleich sichtbar. Um es erkennen zu können, hilft es oft, das Augenlid nach oben umzudrehen, so dass sich die Innenseite des Augenlids untersuchen lässt (Ektropionieren).

Bei der Gerstenkorn-Diagnose sind andere als Ursache für die Veränderungen am Auge infrage kommenden Entzündungen – wie eine Entzündung der Tränendrüse oder ein Hagelkorn (Chalazion) – auszuschliessen: Letzteres ist eine chronische Entzündung der Meibom-Drüsen an der Innenseite des Augenlids. Anders als beim Gerstenkorn reagiert die entzündungsbedingte Schwellung beim Hagelkorn auf Druck nicht mit Schmerzen.

6. Therapie

Bei einem Gerstenkorn (Hordeolum) ist meist keine besondere Therapie erforderlich. Nachdem das Gerstenkorn aufgeplatzt ist, heilt die betroffene Stelle am Augenlid meist von alleine aus. Daher können Sie, wenn sich bei Ihnen ein Gerstenkorn zeigt, zunächst abwarten. Dabei ist allerdings eins wichtig: Das Gerstenkorn auf keinen Fall mit den Fingern ausdrücken!

Um die Heilung der Entzündung zu beschleunigen, kann es hilfreich sein, das Hordeolum mit trockener Wärme (Rotlicht) zu bestrahlen. In einigen Fällen kommt eine Therapie mit Antibiotika gegen das Gerstenkorn zum Einsatz. Diese Mittel sind als Augentropfen oder Salbe verfügbar, die Sie zur örtlichen (lokalen) Behandlung direkt an der betroffenen Stelle gegen das Gerstenkorn einsetzen können.

Sollte das Gerstenkorn nicht von selbst aufplatzen, ist es ratsam, zur Behandlung einen Augenarzt aufzusuchen, um den Abszess öffnen zu lassen. Es ist ratsam, diese kleine Operation in jedem Fall unter keimfreien Bedingungen vorzunehmen, da sonst eine langwierige Entzündung entstehen kann.

7. Verlauf

In der Regel nimmt ein Gerstenkorn (Hordeolum) einen günstigen Verlauf: Das Gerstenkorn platzt nach der Dauer von einigen Tagen auf, worauf die Entzündung am Augenlid von selbst abheilt.

Komplikationen

Ein Gerstenkorn (Hordeolum) zeigt in seinem Verlauf selten Komplikationen. In einigen Fällen treten Gerstenkörner jedoch häufiger (rezidivierend) oder an mehreren Stellen am Auge gleichzeitig (multipel) auf. Ein Grund hierfür kann ein geschwächtes Immunsystem sein. In sehr seltenen Fällen führt ein Gerstenkorn dazu, dass sich Lidabszesse bilden oder dass sich der Augapfel entzündet (Orbitalphlegmon).

Bei einem Gerstenkorn ist zur Vermeidung von Komplikationen Hygiene sehr wichtig. Da sich die Entzündung der Liddrüsen schnell von einem Auge auf das andere ausbreiten kann, ist unbedingt darauf zu achten, den ursächlichen Erreger nicht mit den Händen vom erkrankten zum gesunden Auge zu übertragen. Daher gilt bei einem Gerstenkorn: Die Augen keinesfalls mit verschmutzten Händen berühren! Auch das Ausdrücken von Gerstenkörnern mit den Fingern ist unbedingt zu unterlassen, da so eine Entzündung mit langwierigem Verlauf entstehen kann.

8. Vorbeugen

Einem Gerstenkorn (Hordeolum) können Sie auf vielerlei Weise vorbeugen: Da ein geschwächtes Immunsystem ein Risikofaktor für die Entstehung von Gerstenkörnern ist, sind zum einen alle möglichen Massnahmen empfehlenswert, die das Abwehrsystem stärken (z.B. Sport treiben und auf gesunde Ernährung achten).

Zum anderen ist die richtige Hygiene und Pflege der Augen wichtig, wenn Sie einem Gerstenkorn vorbeugen möchten: Ein Gerstenkorn entsteht durch Bakterien. Um bakterielle Infektionen der Augen zu vermeiden, ist es daher ratsam, Ihre Hände regelmässig zu waschen, besonders vor und nach dem Berühren Ihrer Augen, damit Sie mögliche Keime nicht in die Augen beziehungsweise von einem auf das andere Auge übertragen.