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Gestose

(Hypertensive Schwangerschaftserkrankung)
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1. Überblick

Als Gestose bezeichnen Ärzte Erkrankungen während der Schwangerschaft, die mit einem erhöhten Blutdruck einhergehen (hypertensive Schwangerschaftserkrankungen). Eine Gestose tritt frühestens in der 20. Schwangerschaftswoche auf. Meist sind Frauen im letzten Drittel (Trimenon) der Schwangerschaft betroffen.

Mediziner unterscheiden folgende Typen von Gestosen:


Der Begriff Gestose wird in diesem Artikel weit gefasst und steht für alle mit hohem Blutdruck einhergehenden Erkrankungen während der Schwangerschaft. Manche Experten verwenden den Begriff synonym mit Präeklampsie.

Eine Gestose liegt vor, wenn Bluthochdruck und eine vermehrte Eiweissausscheidung über den Urin (Proteinurie) bestehen. Von Bluthochdruck sprechen Mediziner, wenn der erste Messwert mehrmals in Ruhe gemessen höher als 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) und / oder der zweite Wert höher als 90 mmHg ist. Eine Proteinurie definieren sie als eine Eiweissausscheidung von mehr als 300 Milligramm pro Tag, gemessen im 24-Stunden-Sammelurin. Die Gestose gehört zu den häufigsten Komplikationen einer Schwangerschaft: Sie tritt in 6 bis 8 Prozent der Fälle auf, meist handelt es sich um eine Präeklampsie.

Gestosen kann der Arzt mithilfe der Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft (Pränataldiagnostik) meist rechtzeitig erkennen und behandeln. In einigen sehr schweren Fällen von Gestosen ist es nötig, die Geburt vorzeitig einzuleiten und das Kind zu entbinden. Dies geschieht jedoch nur selten vor der 28. Schwangerschaftswoche – ab diesem Zeitpunkt wäre das Neugeborene in der Regel bereits lebensfähig.

Es gibt einige Risikofaktoren für eine Gestose, dazu zählen unter anderem:

  • eine Gestose in einer vorherigen Schwangerschaft,
  • schweres Übergewicht (Fettleibigkeit, Adipositas),
  • Mehrlingsschwangerschaften,
  • Diabetes mellitus sowie
  • bestimmte Ergebnisse einer Ultraschalluntersuchung der Gefässe des Mutterkuchens (Plazenta) und des Kindes.

Die Ursachen von Gestosen sind weiterhin unbekannt. Es gibt jedoch mehrere Hypothesen, die davon ausgehen, dass der Mutterkuchen eine wichtige Rolle für die Entstehung spielt.

Die Therapie einer Gestose konzentriert sich vor allem auf die Kontrolle und ab einem gewissen Schwellenwert auch die Senkung der erhöhten Blutdruckwerte. Sie erfolgt meist stationär, also während eines Klinikaufenthaltes. Dort können die Ärzte besser den Verlauf beobachten und den Blutdruck mit Medikamenten auf die gewünschten Werte senken.

Gestosen sind auch unter dem missverständlichen Begriff der Schwangerschaftsvergiftung bekannt, es handelt sich jedoch nicht um eine Vergiftung.

2. Definition

Der Begriff Gestose (hypertensive Schwangerschaftserkrankung) bezeichnete früher alle Erkrankungen, die durch eine Schwangerschaft ausgelöst oder verstärkt wurden. Schwangerschaftserkrankungen wurden eingeteilt in Frühgestosen (Morgenübelkeit, vermehrte Speichelbildung) und Spätgestosen (Bluthochdruck, Präeklampsie).

Nach mancher Definition steht der Begriff Gestose auch als Synonym für die sogenannte Präeklampsie, eine Unterform der Schwangerschaftserkrankungen, die zu hohem Blutdruck führen.

Mittlerweile umfasst der Begriff Gestose die sogenannten hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen (ehemals Spätgestosen), also Krankheiten, die bedingt durch die Schwangerschaft entstehen oder verstärkt werden und zugleich mit einem erhöhten Blutdruck einhergehen. Der erste Messwert muss bei wiederholter Messung in Ruhe höher als 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) und / oder der zweite Wert höher als 90 mmHg sein. Aufgrund der typischen Symptome wie Ödeme (engl. Edema), eine erhöhte Eiweissausscheidung im Urin (Proteinurie) und Bluthochdruck (Hypertonie) sprach man früher häufig auch von EPH-Gestosen.

Man unterscheidet folgende Formen der Gestose:

Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck

Von einem schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck (Gestationshypertonie) spricht man, wenn die Blutdruckwerte nach der abgeschlossenen 20. Schwangerschaftswoche mehr als 140 zu 90 mmHg betragen beziehungsweise der erste (systolische) Wert im Vergleich zu Werten vor der Schwangerschaft um mehr als 30 mmHg und der zweite (diastolische) Wert um mehr als 15 mmHg ansteigt. Wichtig ist, dass er nur dann als schwangerschaftsbedingt gilt, wenn die Blutdruckwerte vor der Schwangerschaft im Normalbereich lagen, also vorher kein Bluthochdruck bestand.

Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck tritt meist um die 20. Schwangerschaftswoche (SSW) herum auf und bleibt bis etwa sechs Wochen nach der Geburt bestehen. Spätestens zwölf Wochen nach der Geburt sollen die Werte wieder im normalen Bereich (kleiner als 140 zu 90 mmHg) liegen.

Präeklampsie

Typische Kennzeichen einer Präeklampsie sind laut Definition zu hohe Blutdruckwerte (Hypertonie) und eine vermehrte Ausscheidung von Eiweiss mit dem Urin (Proteinurie). Der Blutdruck steigt über den Grenzwert von 140 zu 90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), und im Urin finden sich über einen Zeitraum von 24 Stunden gemessen (Sammelurin) mehr als 300 Milligramm Eiweiss.

Zusätzlich können sich Wassereinlagerungen in Händen, Füssen oder Gesicht (Ödeme) bilden. Eine Präeklampsie kann in schweren Fällen schwangerschaftsbedingten Krämpfen (Eklampsie) vorausgehen. Nach mancher Definition werden die Begriffe Präeklampsie und Gestose als Synonyme gebraucht. Sie betrifft etwa eine von zwanzig Schwangeren, das entspricht fünf Prozent aller Schwangeren.

Eine Präeklampsie kann auch dann vorliegen, wenn die Proteinurie fehlt, dafür aber zumindest eines der folgenden Kriterien erstmals nach der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) zutrifft:

  • Der Fötus wächst zu langsam, er ist zu klein für die entsprechende SSW.
  • Die Leber ist in Mitleidenschaft gezogen.
  • Die Nierenfunktion ist gestört.
  • Es treten neurologische Probleme auf.
  • Die Blutwerte zeigen Auffälligkeiten.

Ferner gibt es eine schwere Präeklampsie. Sie liegt vor, wenn zusätzlich zu den genannten Kriterien eines der folgenden erfüllt wird:

  • Die Funktion der Niere ist stärker eingeschränkt: Die Betroffene scheidet weniger als 500 Milliliter Urin pro 24 Stunden aus oder der sog. Kreatininwert im Sammelurin steigt über den Wert von 0,9 Gramm pro Liter.
  • Die Leberbeteiligung führt zu Schmerzen im Bereich des Oberbauchs und erhöhten Werten bestimmter Leberenzyme (Transaminasen).
  • Die Zahl der Blutplättchen ist erniedrigt (Thrombozytopenie) und es finden sich Zeichen einer Auflösung roter Blutkörperchen (Hämolyse).
  • Die Betroffene leidet unter schweren Kopfschmerzen und beklagt Sehstörungen.
  • Die Blutdruckwerte sind höher als 170 zu 110 mmHg.
  • Die Eiweissausscheidung beträgt mehr als 5 Gramm in 24 Stunden.

Proteinurie

Eine Proteinurie liegt vor, wenn mehr als 300 Milligramm Eiweiss pro Tag mit dem Urin ausgeschieden werden. Die Messung erfolgt im 24-Stunden-Sammelurin. Die Proteinurie ist Zeichen einer Nierenfunktionsstörung.

HELLP-Syndrom

Der Begriff HELLP-Syndrom leitet sich von den englischen Wörtern für die drei Hauptsymptome ab – er bezeichnet eine besonders schwere Variante der Präeklampsie:

  • H = Hemolysis, Hämolyse (Blutzellen zerfallen)
  • EL = Elevated Liver Enzymes (erhöhte Leberwerte)
  • LP = Low Platelets (niedrige Zahl an Blutplättchen = Thrombozyten)

In 5 bis 15 Prozent der Fälle, bei denen die für das HELLP-Syndrom typischen Laborwerte gefunden werden, fehlt die Proteinurie. Bei etwa 20 Prozent fehlt der erhöhte Blutdruck. In 15 Prozent liegt keines der beiden für die Präeklampsie so typischen Symptome vor.

Eklampsie

Die Eklampsie stellt die schwerste Ausprägung einer Gestose dar. Sie bezeichnet einen Krampfanfall oder eine tiefe Bewusstlosigkeit (Koma) während der Schwangerschaft oder während der Geburt. Die Krämpfe sind sehr charakteristisch und werden fachsprachlich als tonisch-klonische Krämpfe bezeichnet. Die Betroffene kann dabei bewusstlos werden. Andere Ursachen für die Krämpfe, etwa neurologische Erkrankungen wie eine Epilepsie, müssen ausgeschlossen werden.

Eine Eklampsie tritt vorwiegend bei Erstgebärenden mit Präeklampsie (Bluthochdruck, vermehrte Eiweissausscheidung im Urin und evtl. Ödeme) auf und kommt bei Mehrlingsschwangerschaften sechsmal häufiger vor als bei einfachen Schwangerschaften.

Nur bei jeder zweiten Frau mit Eklampsie ist der Blutdruck stark erhöht. Eine Eklampsie ist auch dann möglich, wenn der Blutdruck normal ist und die Schwangere nicht vermehrt Eiweiss im Urin ausscheidet, also die typischen Zeichen der Präeklampsie fehlen.

Pfropfgestose (Pfropfpräeklampsie)

Von einer Pfropfgestose spricht man, wenn eine Frau bereits vor einer Schwangerschaft unter Bluthochdruck (chronische Hypertonie) oder einer Nierenerkrankung leidet und während einer späteren Schwangerschaft andere Symptome einer Gestose (Schwangerschaftserkrankung) hinzukommen beziehungsweise sich die bisherige Erkrankung verstärkt.

Folgende Konstellation ist für eine Pfropfgestose typisch:

  • Bei der Frau besteht schon vor der Schwangerschaft Bluthochdruck (chronische Hypertonie) und während der Schwangerschaft scheidet sie vermehrt Eiweiss im Urin aus (Gestationsproteinurie), zusätzlich entwickeln sich nach der 20. SSW

  • ein plötzlicher Anstieg der Proteinurie oder
  • ein plötzlicher Blutdruckanstieg oder
  • es tritt ein klinisches oder laborchemisches Merkmal der schweren Präeklampsie hinzu.

Schwangerschaftsvergiftung

Häufig werden Gestosen auch missverständlich als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Dieser Laienbegriff fasst die unterschiedlichen Formen der Gestose zusammen. «Schwangerschaftsvergiftung» kann also sowohl für eine Präeklampsie als auch für eine Eklampsie oder Propfgestose stehen.

Da keine Vergiftung vorliegt und das Wort falsche Assoziationen weckt, sollte man die Bezeichnung Schwangerschaftsvergiftung nicht verwenden.

3. Ursachen

Die einer Gestose (hypertensive Schwangerschaftserkrankung) zugrunde liegenden Ursachen sind nicht eindeutig geklärt. Die Ursachen der Präeklampsie, die etwa 5 Prozent aller Schwangerschaften kompliziert, sind unbekannt. Sicher scheint nur, dass die Erkrankung in der Plazenta ihren Ursprung nimmt. Von dort geht ein Signal aus, das den Blutdruck der Schwangeren steigen lässt und in schweren Fällen die Nieren schädigt.

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Theorien über die Ursachen einer Gestose. Was genau dazu führt, dass der Blutdruck ansteigt, ist unklar. Da die Erklärungsmodelle sehr komplex sind, beschränkt sich dieser Artikel auf eine kurze Aufzählung der Thesen:

  • Die Gefässe neigen dazu, zu verkrampfen (Neigung zu Vasospasmus).
  • Immunologische Faktoren spielen eine Rolle.
  • Es liegen zu hohe Konzentrationen an Thromboxan vor, einer hormonähnlichen Struktur aus der Gruppe der sog. Prostaglandine.
  • Die Funktion des sog. Trophoblasten ist gestört. Als Trophoblast bezeichnet man bestimmte Zellen im frühen Embryonalstadium.

All diese Modelle vermögen den Krankheitsauslöser einer Gestose nicht genau zu bestimmen. Letztlich scheint eine Gestose eine Anpassungsstörung des mütterlichen Körpers auf die vielfältigen körperlichen Anforderungen während der Schwangerschaft zu sein. Es kommt zu Zirkulationsstörungen, die wiederum Funktionsstörungen in verschiedenen Organen der Schwangeren nach sich ziehen können:

  • Leber (HELLP-Syndrom)
  • Niere (vermehrte Eiweissausscheidung = Proteinurie)
  • Gehirn (Krämpfe = Eklampsie)
  • Plazenta (Plazentainsuffizienz = beeinträchtigter Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind)

Risikofaktoren

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren für Bluthochdruck in der Schwangerschaft (oberster Eintrag mit grösster Bedeutung, unterster mit niedrigster):

  • Antiphospholipid-Syndrom (Betroffene neigen zur Thrombosebildung)
  • Präeklampsie in einer vorherigen Schwangerschaft
  • ausgeprägte Fettleibigkeit (Body-Mass-Index > 35)
  • vorbestehender Diabetes mellitus
  • Vorkommen von Gestosen in der Familie
  • vorbestehende Nierenerkrankung
  • Erstschwangerschaft
  • Alter über 40 Jahre
  • Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes (SLE)

4. Symptome

Eine Gestose (hypertensive Schwangerschaftserkrankung) zeigt Symptome wie Blutdruckerhöhungen, die nach der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) auftreten. Dies ist der Fall, wenn der erste Messwert mehrmals in Ruhe gemessen höher als 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) und/oder der zweite Wert höher als 90 mmHg ist oder ein einmaliger Blutdruck über 160 zu 100 mmHg gemessen wird. Bei einer Präeklampsie kommen weitere Symptome hinzu:

  • vermehrte Eiweissausscheidungen im Urin (Proteinurie)
  • eventuell Ödeme (Wasseransammlungen) in Händen, Füssen oder Gesicht

Eine Proteinurie liegt vor, wenn mehr als 300 mg/l Eiweiss pro Tag mit dem Urin ausgeschieden werden. Die Messung erfolgt im 24-Stunden-Sammelurin. Die Proteinurie ist Zeichen einer Nierenfunktionsstörung. Ödeme entwickeln sich relativ häufig auch bei gesunden Schwangeren.

Die schwerste Form einer Gestose, die heute äusserst seltene Eklampsie, verursacht schwere Krampfanfälle und Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma. Symptome, die einer Eklampsie vorausgehen können (Prodromalsymptome), sind einerseits Magenbeschwerden wie Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen – andererseits neurologische Symptome wie Augenflimmern, übersteigerte Reflexe und dauerhafte Kopfschmerzen.

Eine weitere schwere Form der Präeklampsie, das HELLP-Syndrom, äussert sich durch starke Schmerzen im Oberbauch, Krampfanfälle treten nicht auf.

5. Diagnose

Eine Gestose (hypertensive Schwangerschaftserkrankung) erfordert eine zeitnahe Diagnose. So lässt sich einem schweren Verlauf vorbeugen. Krampfanfälle in der Schwangerschaft legen den Verdacht einer schweren Gestose, einer sogenannten Eklampsie, nahe. Um die Diagnose zu erheben und zu festigen, misst der Arzt unter anderem den Blutdruck, bestimmt die Konzentration an Eiweissen im Urin und untersucht das Blut (z.B. Leberwerte). Zudem prüft er den Gesundheitszustand des Kindes, indem er die Herztöne aufzeichnet (CTG) und die Frau mit Ultraschall untersucht (Dopplersonographie).

Blutdruckmessung

Der Blutdruck muss zweimal im Abstand von mindestens 4 bis 6 Stunden unter Ruhebedingungen gemessen werden. Für eine Gestose spricht, wenn entweder der obere Wert über 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) beträgt oder der zweite (untere) Wert über 90 mmHg und dies reproduzierbar ist, also in beiden Messungen der Fall ist. Auch ein einmalig gemessener Blutdruck über 160 zu 100 mmHg kann aussagekräftig sein. In manchen Situationen ist es sinnvoll, den Blutdruck über 24 Stunden in engen Abständen zu messen. Dies geschieht mit einem mobilen Blutdruckmessgerät, das der Patient eng am Körper (z.B. am Gürtel) tragen kann. Ein solches 24-Stunden-Blutdruckmonitoring eignet sich bei Verdacht auf eine sogenannte «Weisskittel-Hypertonie», bei der die Patientin aufgrund des Praxisbesuchs und damit einhergehender Anspannung erhöhten Blutdruck hat, sowie bei immer mal wieder erhöhten Blutdruckwerten.

Wenn eine Schwangere erhöhten Blutdruck hat und nicht in einer Klinik betreut werden muss, bietet sich im weiteren Verlauf die Eigenkontrolle des Blutdrucks an: Neben den Messungen beim Arzt kontrolliert die Betroffene ihre Werte zuhause selbst. Hierzu eignen sich zertifizierte Geräte für den Oberarm. In einem Protokoll kann die Betroffene die gemessenen Werte in Form eines Tagesprofils notieren.

Urinuntersuchungen

Einen ersten Hinweis erhält der Arzt mittels Urinteststreifen (Urinschnelltest): Sie sind wichtiger Bestandteil der Schwangerenvorsorge und können eine erhöhte Eiweissausscheidung umgehend nachweisen. Schon ab einer geringen Menge Eiweiss muss der Eiweissgehalt im 24-Stunden-Sammelurin bestimmt werden. Liegt die Eiweissausscheidung bei mehr als 300 Milligramm pro Liter Urin, handelt es sich um eine Proteinurie.

Bei jeder Schwangeren, bei der erstmals zu hoher Blutdruck auftritt, sollte im 24-Stunden-Sammelurin die Eiweissausscheidung überprüft werden. In manchen Fällen einer schweren Gestose ist es nötig, die Urinausscheidung zu messen, um die Funktion der Nieren beurteilen zu können.

Blutuntersuchungen

Der Arzt gewinnt einige Hinweise auf den Schweregrad einer Gestose mittels Blutuntersuchungen. Hier spielen zum Beispiel die Werte der folgenden Parameter eine Rolle:

  • Hämatokrit (Anteil der Blutzellen am Gesamtblut)
  • Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten)
  • Leberwerte (Enzyme), z.B. GPT (ALAT), GOT (ASAT), LDH
  • Bilirubinwert
  • Harnsäure
  • Kreatinin

Ödeme

Zwar stehen Wasseransammlungen im Gewebe, die sogenannten Ödeme, heute bei den Gestosen nicht mehr im Vordergrund der Schwangerenvorsorge. Dennoch sollte das Gewicht während einer Risikoschwangerschaft regelmässig kontrolliert werden, um eine übermässige Gewichtszunahme zu erkennen. Solche Ödeme können ein Anzeichen für eine Präeklampsie sein.

Eine deutliche Gewichtszunahme innerhalb kurzer Zeit (> 1 kg pro Woche) sowie ein ausgeprägtes Ödem im Gesicht weisen auf bedeutsame Wassereinlagerungen hin. In der Klinik gehört tägliches Wiegen zur Standardüberwachung, wenn der Verdacht auf eine Gestose besteht oder bereits eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung vorliegt.

HELLP-Syndrom

Die Diagnose eines HELLP-Syndroms, einer schweren Form der Präeklampsie, ergibt sich aus der Bestimmung der Blutwerte: Es besteht eine Hämolyse (Blutzellen zerfallen), die Leberwerte sind erhöht und die Zahl der Blutplättchen erniedrigt.

CTG und Ultraschall

Den Gesundheitszustand des Kindes prüft der Arzt mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Dopplersonographie) und dem Aufzeichnen der Herztöne (CTG, Kardiotokographie). Ein CTG schreibt der Arzt ein- bis mehrmals täglich, die Ultraschalluntersuchung erfolgt wöchentlich bis täglich, je nach Zustand der Schwangeren und des Kindes. Im Ultraschall kann der Arzt auch die Plazenta mit ihren Gefässen untersuchen.

Einweisung in die Klinik

Wann ist die Einweisung ins Spital erforderlich? Es gibt bestimmte Faktoren, anhand derer der Arzt entscheidet, ob eine Schwangere mit Gestose im Spital untersucht und betreut werden muss. Dies ist der Fall, wenn

  • der Blutdruck über 160 mmHg für den ersten Wert oder über 100 mmHg für den zweiten Wert beträgt,
  • eine gesicherte Präeklampsie vorliegt,
  • die Eiweissausscheidung im Urin krankhaft erhöht ist (Proteinurie) und die Schwangere im letzten Drittel der Schwangerschaft mehr als 1 kg pro Woche an Gewicht zugenommen hat,
  • Hinweise auf eine drohende Eklampsie (Krampfanfälle) bestehen,
  • der Verdacht auf ein HELLP-Syndrom besteht,
  • es Hinweise gibt, dass es dem Fötus nicht gut geht (z.B. auffälliges CTG).

Ausserdem ist ein stationärer Aufenthalt nötig, wenn der hohe Blutdruck oder die Proteinurie gemeinsam mit Risikofaktoren auftreten:

  • vorbestehende Erkrankungen der Schwangeren, etwa Diabetes mellitus
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Bluthochdruck und Proteinurie liegen zu einem recht frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft (vor der 34. SSW) vor.
  • Die Menge an Fruchtwasser ist zu gering.

6. Therapie

Eine Gestose (hypertensive Schwangerschaftserkrankung) erfordert eine angemessene Therapie, die sich nach Art und Schweregrad der Erkrankung unterscheidet. Neben Medikamenten stellt auch die frühzeitige Entbindung des Kindes eine Behandlungsmöglichkeit dar. Sie kommt in besonders schweren Fällen zum Einsatz und erfolgt meist durch einen Kaiserschnitt. Ziel ist es zu verhindern, dass sich eine potentiell lebensbedrohliche Eklampsie entwickelt. Die vorzeitige Entbindung wird selten vor der 28. Schwangerschaftswoche (SSW) nötig, so dass das Neugeborene in der Regel bereits lebensfähig ist.

Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck

Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck (Gestationshypertonie) wird je nach Ausprägung mit einer Arbeitsfreistellung über Bettruhe bis zur Einnahme von Medikamenten zur Blutdrucksenkung (Antihypertensiva) therapiert.

Präeklampsie

Eine Präeklampsie muss stationär, also im Spital, behandelt werden. In leichteren Fällen genügen Bettruhe und die sorgfältige Überwachung von Blutdruck, Gewicht und der Eiweissausscheidung im Urin (Proteinurie). Je nach Ausmass der Proteinurie muss die Schwangere vermehrt Eiweiss aufnehmen. Die Senkung des Blutdrucks mit Medikamenten erfolgt in der Regel erst ab anhaltenden Blutdruckwerten über 170 mmHg im ersten Wert (systolischer Wert) oder über 110 mmHg im zweiten Wert (diastolischer Wert). Ärzte setzen hierzu Wirkstoffe wie alpha-Methyldopa (bevorzugtes Mittel), Betablocker, Nifedipin und Dihydralazin ein.

Die Verabreichung von Magnesiumsulfat bei einer schweren Präeklampsie kann einem Krampfanfall (Eklampsie) vorbeugen. Schwangere mit Präeklampsie erhalten häufig einen Dauerblasenkatheter, um die Urinausscheidung überwachen zu können.

HELLP-Syndrom

Beim HELLP-Syndrom gilt es, den Blutdruck zu senken und die Blutgerinnung mithilfe von Heparin zu bremsen. Ausserdem ist es nötig, das Kind frühzeitig zu entbinden, um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Eklampsie

Eine Schwangere mit einer Eklampsie muss auf der Intensivstation behandelt werden. Die Therapie zielt darauf ab, den Krampfanfall zu unterbrechen, vorwiegend durch die Gabe von Magnesiumsulfat. Zusätzlich werden der Blutdruck gesenkt und der Flüssigkeitshaushalt überprüft und – wenn nötig – ausgeglichen.

Hat sich der Zustand der Schwangeren stabilisiert, wird das Kind frühzeitig entbunden. Diese Massnahme wird jedoch selten vor der 28. Schwangerschaftswoche (SSW) nötig, so dass das Neugeborene in der Regel bereits lebensfähig ist.

Wichtig ist, dass betroffene Frauen auch während des Wochenbetts (Zeitraum von etwa 6-8 Wochen nach der Geburt) sorgfältig betreut werden.

Gründe, eine Schwangerschaft vorzeitig zu beenden

In manchen Situationen muss eine Schwangerschaft frühzeitig beendet werden, um entweder die Gesundheit der Mutter, des Kindes oder beider nicht weiter zu gefährden. Indikationen für eine solche Schwangerschaftsbeendigung sind:

  • Beim Kind: schlechter Gesundheitszustand des Fötus
  • Bei der Mutter:
    • Es liegt ein eklamptischer Anfall (Eklampsie) vor.
    • Der Blutdruck lässt sich nicht ausreichend senken.
    • Es besteht eine nicht behandelbare Nierenschwäche.
    • Es besteht ein akutes Lungenödem.
    • Die Blutgerinnung gerät aus dem Lot (es bestehen Hinweise auf eine sog. disseminierte intravasale Gerinnung, DIC).
    • Es droht eine Eklampsie (z.B. schwere, bleibende Schmerzen im Oberbauch, ausgeprägte neurologische Symptome).
    • Es liegen andere Komplikationen bei Mutter und Kind vor, wie eine vorzeitige Plazentalösung.

7. Verlauf

Eine Gestose (hypertensive Schwangerschaftserkrankung) kann je nach Form, Ausprägung und individueller Situation der Schwangeren einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Zum Beispiel unterscheiden sich die Typen darin, wann sie entstehen: Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck (Gestationshypertonie) entwickelt sich meist erst ab der 20. Schwangerschaftswoche (SSW), eine Präeklampsie beginnt häufig nach der 28. Schwangerschaftswoche. Eine schwere Gestose, die eine vorzeitige Entbindung erfordert, ist nach der 28. Schwangerschaftswoche weniger kritisch, da für das Kind bereits gute Überlebenschancen bestehen. Eklampsie und HELLP-Syndrom können lebensbedrohlich für Mutter und Kind sein.

Wenn eine Schwangere von einer Gestose betroffen war, ist es bedeutsam, dass der Arzt mit ihr ein ausführliches Beratungsgespräch führt. Darin sollte er die Erkrankung nochmals erläutern, den individuellen Verlauf erklären und darüber informieren, welche Konsequenzen die Gestose für die Frau hat. Es empfiehlt sich, vor einer weiteren Schwangerschaft wiederum mit dem Arzt zu sprechen und sich zu erkundigen, welche Punkte zu beachten sind.

Nach einer Präeklampsie besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die Frau im weiteren Leben einen Bluthochdruck entwickelt, eine chronische Hypertonie. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau in einer erneuten Schwangerschaft wieder eine Präeklampsie oder ein HELLP-Syndrom erleidet, beträgt 2 bis 19 Prozent und ist gegenüber Frauen mit vorherigen unkomplizierten Schwangerschaften erhöht.

Ein frühes HELLP-Syndrom (vor der 32. SSW) in einer vorangegangenen Schwangerschaft scheint das Risiko für ein erneutes frühes HELLP-Syndrom zu erhöhen.

8. Vorbeugen

Eine konsequente Schwangerenvorsorge mit Überwachung von Blutdruck, Körpergewicht, Nieren- und Leberfunktion sowie der Urinausscheidung macht es möglich, eine Gestose (hypertensive Schwangerschaftserkrankung) früh zu erkennen und somit zu behandeln. Durch die rechtzeitige Behandlung sind schwere Krankheitsverläufe, insbesondere Eklampsien (Krampfanfälle), selten geworden.

Eine Schwangere kann einer Gestose vorbeugen, indem Sie versucht, beeinflussbare Risikofaktoren auszuschalten und zu vermeiden. Zu den Risikofaktoren für einen schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck gehören:

  • Präeklampsie in der Vergangenheit
  • vorbestehender Diabetes mellitus
  • Gestosefälle in der Familie
  • vorbestehende Nierenerkrankungen
  • Fettleibigkeit (Adipositas): Body-Mass-Index (BMI) über 30
  • höheres Lebensalter (> 40 Jahre)
  • Mangelernährung
  • Rauchen
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Familiäre Belastung
  • chronischer Bluthochdruck
  • Lupus erythematodes

Wissenschaftler versuchen herauszufinden, wie sich einer Gestose durch die Einnahme von Medikamenten vorbeugen lässt. Bisher liegen Auswertungen grosser Studien vor, die zu folgenden Ergebnissen kommen:

  1. Vor allem Frauen, die in einer vorangegangenen Schwangerschaft eine schwere Präeklampsie erlitten haben, profitieren von der Einnahme des Wirkstoffes ASS (Acetylsalicylsäure) ab der Frühschwangerschaft, spätestens ab der 16. Schwangerschaftswoche. Die Dosis beträgt meist 100 Milligramm täglich. Nicht geeignet ist ASS, wenn bereits eine Gestose vorliegt sowie bei Frauen mit bekanntem Bluthochdruck (chronischer Hypertonie).
  2. Für die Vitamine E und C konnte bisher kein Nutzen gezeigt werden.
  3. Über den Mund (oral) eingenommenes Kalzium konnte bei Frauen mit hohem Risiko für eine Präeklampsie und geringer Kalziumzufuhr mit der Nahrung die Häufigkeit des Auftretens einer Präeklampsie senken.