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1. Überblick

Die Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) ist eine weltweit vorkommende Infektionskrankheit des Dünndarms, die vor allem zu Durchfall führt.

Ursache für die Giardiasis ist der Parasit Giardia intestinalis (oder Giardia lamblia – daher auch die Bezeichnung Lambliasis). Die Übertragung dieses Parasiten erfolgt vorwiegend über verunreinigtes Trinkwasser oder verseuchte Lebensmittel.

Eine Infektion mit Giardien (bzw. Lamblien) kann beim Menschen völlig unbemerkt verlaufen. Eine akute Giardiasis äussert sich jedoch durch Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen und/oder Blähungen. Es kann auch zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Bei länger bestehender Infektion können Zeichen einer Mangelernährung auftreten.

Diagnostizieren lässt sich die Giardiasis oder Lambliasis durch den Nachweis der Erreger im Stuhl oder im Dünndarmsekret der Betroffenen. Zur Behandlung kommen Antibiotika zum Einsatz. Die Prognose und der Verlauf der Giardiasis sind in der Regel günstig.

2. Definition

Die Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) ist eine Erkrankung des Dünndarms, für die der Dünndarmparasit Giardia intestinalis (auch Giardia lamblia oder Lamblia intestinalis genannt) verantwortlich ist.

Häufigkeit

Die Ausbreitung der Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) hängt in hohem Mass von den hygienischen Verhältnissen in einer Gesellschaft ab: Die Häufigkeit der Erreger der Infektionskrankheit – der Giardien (bzw. Lamblien) – ist dort besonders hoch, wo viele Menschen in beengten Verhältnissen zusammenleben und die sanitären Einrichtungen, die Beseitigung der Fäkalien sowie die Trinkwasseraufbereitung mangelhaft organisiert sind. Warmes Klima begünstigt die Verbreitung der Giardiasis-Erreger zusätzlich.

Kinder sind mit grösserer Häufigkeit von der Giardiasis betroffen als Erwachsene: In städtischen Slumgebieten in Lateinamerika, Asien und Afrika sind etwa acht von zehn Kindern mit Giardien infiziert. Auch bei jedem dritten Erwachsenen ist eine Infektion nachweisbar. In Mitteleuropa finden sich Giardien demgegenüber bei weniger als einem Prozent der Bevölkerung. Hier infizieren sich Menschen gehäuft nach Magenoperationen und wenn sie einen bestimmten Immundefekt aufweisen, bei dem ein Mangel an bestimmten Antikörpern – dem sogenannten Immunglobulin A – besteht.

3. Ursachen

Eine Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) hat ihre Ursachen in bestimmten Parasiten, die den Dünndarm infiziert haben: den Giardien (oder auch Lamblien). Ihre wissenschaftliche Bezeichnung lautet Giardia intestinalis. Gelegentlich nennt man sie auch Giardia lamblia und Lamblia intestinalis.

Die für eine Giardiasis als Ursachen verantwortlichen Erreger gehören zu den einzelligen Lebewesen mit einem echten Zellkern, die Bewegungsorganellen besitzen, mit deren Hilfe sie sich aktiv fortbewegen können. Bewegungsorganellen sind zum Beispiel Zilien (Wimpern), Pseudopodien (Scheinfüsschen) oder Flagellen (Geisseln). Giardien haben Flagellen und zählen deshalb zur Klasse der Flagellaten oder Geisseltierchen.

Beim Erreger der Giardiasis sind zwei Entwicklungsstadien unterscheidbar: der Trophozoit und die Zyste. Der Trophozoit ist die aktive Form der Giardien. Sein Körper ist birnenförmig und abgeflacht und verfügt über vier Geisselpaare, mit denen er sich fortbewegt. Mit einer Saugscheibe heftet sich der Parasit an die Oberfläche der Dünndarmschleimhaut. Die Zyste stellt die Dauerform der Giardien dar. Sie hat einen ovalen Körper mit kurzen Geisseln. In ihrem Zystenstadium sind die Parasiten die Ursachen für die Übertragbarkeit der Infektionskrankheit.

Infektionsweg

Für eine Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) kommen verschiedene Infektionswege als Ursachen infrage. Der typische Infektionsweg führt über infiziertes Trinkwasser oder verseuchte Nahrungsmittel: Infizierte Menschen oder Tiere scheiden die Erreger der Giardiasis – die Giardien (bzw. Lamblien) – in ihrer Dauerform (als Zysten) mit dem Stuhl aus. So gelangen die Erreger beispielsweise in Gewässer oder auf pflanzliche Nahrungsmittel. Durch nicht ausreichend aufbereitetes Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel ist dann die Zyste auf fäkal-oralem Weg übertragbar. Wenn Giardien über defekte Trinkwasserspeicher ins öffentliche Trinkwasser gelangen, sind Infektionen epidemischen Ausmasses die Folge.

Bei Kindern kann eine Giardiasis ihre Ursache in einem weiteren Infektionsweg haben: Hier erfolgt die Übertragung der Giardiasis-Erreger auch durch Schmierinfektion (also durch direkte Übertragung des zystenhaltigen Stuhls von Mensch oder verseuchten Gegenständen zu Mensch). Daneben können auch Fliegen die Ursachen für eine Ansteckung mit Giardiasis sein.

Um eine Giardiasis zu entwickeln, muss ein Mensch mindestens zehn infektiöse Zysten aufnehmen. Die Magensäure stellt eine wichtige Abwehrbarriere gegen eine Infektion mit Giardien dar. Gelingt es einigen Zysten dennoch, den Magen zu passieren, entsteht nach etwa sieben Tagen im ersten Dünndarmabschnitt, dem Zwölffingerdarm, aus den Zysten die aktive Form der Giardien. Diese sogenannten Trophozoiten vermehren sich und sind die Ursachen für die mit der Giardiasis einhergehenden Beschwerden. Nach etwa drei bis vier Wochen sind dann in den unteren Dünndarmabschnitten die ersten aus den Trophozoiten gebildeten Zysten nachweisbar.

Inkubationszeit

Bei der Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) beträgt die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infizierung und Ausbruch der Dünndarmerkrankung, eine bis zwei Wochen.

4. Symptome

Die für eine akute Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) typischen Symptome sind Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen und Blähungen, häufig kombiniert mit Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Doch nicht jeder, der sich mit dem Erreger der Giardiasis infiziert, erkrankt zwangsläufig: Eine Infektion des Dünndarms mit den Parasiten der Art Giardia intestinalis (auch Giardia lamblia bzw. Lamblia intestinalis genannt) kann auch ohne Symptome verlaufen.

Führt die Giardiasis zu stark ausgeprägten Symptomen, die lange andauern, nimmt der Körper bestimmte Substanzen, wie beispielsweise Vitamin A, Vitamin B12 oder Fett, nur noch unzureichend aus der Nahrung auf. In solchen Fällen kann die Giardiasis zu sogenannten Fettstühlen führen. Ausserdem können die Betroffenen Eiweisse über den Darm verlieren. Vor allem wenn die Symptome der Giardiasis lange bestehen, können Anzeichen der Mangelernährung auftreten – in erster Linie ein Gewichtsverlust.

Die Giardiasis oder Lambliasis ist eine Dünndarminfektion (daher auch Lamblienruhr genannt: der Begriff Ruhr bezeichnet Infektionskrankheiten des Darms). Die Erreger können aber über den Gallengang, der in den ersten Dünndarmabschnitt (den Zwölffingerdarm) mündet, bis in die Gallenblase gelangen und dort ebenfalls Symptome einer Entzündung hervorrufen. Dies führt bei den Betroffenen zu krampfartigen Beschwerden im Oberbauch.

5. Diagnose

Bei einer Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) erfolgt die Diagnose anhand der typischen Symptome (Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen oder Blähungen) und durch den Nachweis der Erreger: bestimmter Parasiten, die den Dünndarm infiziert haben (sog. Giardien bzw. Lamblien).

Erste Hinweise auf eine Giardiasis liegen vor, wenn die Betroffenen mindestens eine der typischen Beschwerden aufweisen und ein zeitlicher Zusammenhang zwischen deren Auftreten und Reisen in tropische Gebiete besteht. Bei etwa 90 Prozent der Betroffenen erfolgt dann die Diagnose durch den mikroskopischen Nachweis der Erreger in ihrer Dauerform (Zysten) in einer Stuhlprobe. Sind die Erreger im Stuhl nicht nachweisbar und besteht aufgrund der Krankheitsvorgeschichte der hochgradige Verdacht auf eine Infektion mit Giardien, ist es ratsam, Sekret oder eine Schleimhautprobe aus dem Zwölffingerdarm auf die aktive Form der Giardien (Trophozoiten) zu untersuchen.

6. Therapie

Bei einer Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) kommen zur Therapie Antibiotika aus der Gruppe der Nitroimidazole zum Einsatz, wie zum Beispiel Metronidazol, Ornidazol oder Tinidazol. Chloroquin ist in höheren Dosen ebenfalls gegen die Giardiasis wirksam. Durch diese Mittel lässt sich der Giardiasis-Erreger (Giardia intestinalis, Giardia lamblia oder Lamblia intestinalis genannt) in beiden Entwicklungsstadien (also in Form der Zyste und in Form des aktiven Trophozoits) bekämpfen. Die Therapie zeigt, je nachdem, ob im Stuhl nur eine oder beide Erregerstadien nachweisbar sind, unterschiedliche Erfolgsraten.

Wenn bei Ihnen nach einer Tropenreise die Erreger der Giardiasis nachweisbar sind, ist es ratsam, sich auf jeden Fall behandeln zu lassen: Nur durch eine frühzeitige und wirksame Therapie lässt sich verhindern, dass sich die Giardien beziehungsweise Lamblien weiter verbreiten. Dies gilt auch, wenn die Giardiasis ohne Symptome verläuft und die Diagnose zufällig erfolgt. In Gebieten, in denen der Erreger der Giardiasis in der Bevölkerung stark verbreitet ist, wie zum Beispiel in Slumgebieten in tropischem Klima, erfolgt eine Behandlung der Infektion mit Giardien nur bei Menschen mit Beschwerden.

7. Verlauf

Die Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) zeigt meist einen günstigen Verlauf mit guter Prognose. In manchen Fällen verläuft eine Infektion mit den ursächlichen Parasiten (sog. Giardien bzw. Lamblien) sogar völlig unbemerkt.

Kommt es zu akuten Beschwerden einer Giardiasis (typischerweise in Form von Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen, oft mit Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit), klingen diese in der Regel nach zwei bis drei Wochen ab. Anschliessend können jedoch noch über Monate unregelmässig weiche Stühle sowie verstärkt Blähungen auftreten. Auch ohne Behandlung erlöschen die meisten Infektionen mit Giardien innerhalb von einigen Monaten, können aber auch über Jahre bestehen bleiben

Komplikationen

Wenn es im Kindesalter zu einer Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) kommt, kann es im Verlauf der Infektionskrankheit zu Komplikationen kommen: Durch die Infektion mit den ursächlichen Erregern kann der Körper über den Darm nur noch eingeschränkt Nährstoffe aufnehmen (Malabsorbtion). Dies kann das Wachstum der betroffenen Kinder verzögern.

8. Vorbeugen

Sie können einer Giardiasis (Lambliasis, Lamblienruhr) vorbeugen, indem Sie allgemeine hygienische Massnahmen einhalten und vor allem in Gegenden mit besonders hoher Infektionsrate (z.B. in den Tropen) Vorsicht im Umgang mit Nahrungsmitteln und Wasser walten lassen. Die Giardiasis entsteht durch eine Infektion mit dem Dünndarmparasiten Giardia intestinalis (auch Giardia lamblia oder Lamblia intestinalis genannt). Die Ansteckung erfolgt durch die als Zyste bezeichnete Form dieser Giardien (bzw. Lamblien): Infizierte Menschen oder Tiere scheiden die Zysten mit dem Stuhl aus. Wenn Sie diese Zysten über den Mund aufnehmen, können Sie sich mit der Giardiasis anstecken. Darum gilt:

  • Waschen Sie sich regelmässig und gründlich die Hände – vor allem nach jedem Toilettengang und vor dem Essen, aber auch beispielsweise nach einem Windelwechsel oder nach Kontakt mit Tieren.
  • Verzichten Sie darauf, Salate, Gemüse oder Obst zu verzehren.
  • Trinken Sie nur gekochtes, gefiltertes oder chemisch aufbereitetes Wasser (trinken Sie vor allem nicht aus Flüssen, Seen usw.) und verzichten Sie auf Eiswürfel.
  • Gehen Sie nicht in möglicherweise verseuchten Gewässern oder Swimming-Pools schwimmen – Sie könnten Wasser verschlucken.
  • Verwenden Sie bei sexuellen Handlungen – vor allem bei Analverkehr – ein Kondom und waschen Sie sich anschliessend die Hände.

Wenn Sie sich dennoch mit dem Erreger der Giardiasis infiziert haben, können Sie der Ausbreitung der Erkrankung vorbeugen, indem Sie dazu beitragen, den Infektionsweg zu unterbrechen: Auch hierzu ist es wichtig, Toiletten korrekt zu benutzen und sich regelmässig die Hände zu waschen.

Um zu verhindern, dass eine Giardiasis epidemische Ausmasse annimmt, ist es notwendig, das Trinkwasser ausreichend zu chlorieren und zusätzlich durch Sandfiltration aufzubereiten, denn: Die Erreger der Giardiasis können in ihrer Zystenform einen Chloridgehalt von 0,5 Milligramm pro Liter Wasser mehrere Tage überleben. Einer Ausbreitung der Infektion über kontaminiertes Trinkwasser lässt sich auch durch ausreichendes Erhitzen des Wassers vorbeugen: Mit einer Temperatur von über 60 Grad Celsius können Sie die Zysten abtöten.