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Veröffentlicht am 13. Januar 2022 - 11:11 Uhr

1. Überblick

Die Gicht äussert sich durch schmerzhafte Gelenkentzündungen. Wer ihr vorbeugen will, sollte möglichst wenig Fleisch, Fisch und Alkohol zu sich nehmen.

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich durch schmerzhafte Gelenkschwellungen äussert. Dabei sammelt sich zu viel Harnsäure im Blut an – entweder, weil der Körper zu viel Harnsäure produziert oder, weil nicht ausreichend Harnsäure ausgeschieden werden kann.

Wegen der vielen Harnsäure im Körper bilden sich bei Gicht im Lauf der Zeit Harnsäurekristalle, die sich unter anderem in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen und inneren Organen ablagern. Dadurch entstehen bei Gicht typischerweise schmerzhafte Gelenkentzündungen, die man als Gichtarthritis, Arthritis urica oder – da die Erkrankung meist schubweise auftritt – als Gichtanfall bezeichnet.

Grafische Darstellung von Harnsäurekristallen, die sich im ersten Gelenk des grossen Zehs ablagern.

Die Harnsäurekristalle, die sich bei Gicht ablagern, können unbehandelt zu Gelenkschäden führen.

Quelle: Getty Images/Stocktrek Images

Gicht ist besonders in Wohlstandsländern verbreitet. Grund dafür sind unter anderem die für diese Länder typischen Ernährungsgewohnheiten: Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte enthalten grosse Mengen bestimmter Eiweissstoffe (sogenannter Purine), die im Körper zu Harnsäure abgebaut werden. Alkohol bewirkt, dass der Körper mehr Harnsäure bildet und zugleich weniger Harnsäure ausscheidet.

Dadurch kommt es zu einem Harnsäure-Überschuss (Hyperurikämie), der Gichtanfälle hervorrufen kann. Doch auch wenn die Ernährung meist der Auslöser eines akuten Gichtanfalls ist, ist sie nicht die Ursache der Erkrankung. Schliesslich können viele Menschen purinreiche Lebensmittel essen und Alkohol trinken, ohne eine Gicht zu entwickeln. Denn normalerweise entledigen sich die Nieren überschüssiger Harnsäure, bevor es zu einer Hyperurikämie kommt. Die Harnsäure wird mit dem Urin ausgeschieden.

Bei Menschen mit Gicht ist die sogenannte Harnsäuresekretion in der Niere gestört. Das heisst, ihre Nieren können einen Harnsäure-Überschuss im Körper nicht so schnell ausgleichen. In den meisten Fällen ist diese Störung genetisch bedingt, lässt sich also auf die erbliche Veranlagung zurückführen.

Grafische Darstellung von Harnsäurekristallen, die sich bei Gicht im Fingergelenk ablagern.

Unbehandelt kann ein akuter Gichtanfall zu einer chronischen Gicht führen.

Quelle: Getty Images

Die Gicht-Behandlung gliedert sich in zwei Phasen:

  • Die anfängliche Gicht-Therapie dient dazu, die akuten Symptome zu behandeln – dabei sollen in erster Linie Medikamente die Anfälle stoppen und die Schmerzen lindern.
  • Die anschliessende Dauertherapie dient dazu, den Harnsäurespiegel im Blut zu normalisieren und auf lange Sicht auf einem stabilen Niveau zu halten, um mögliche Spätfolgen zu verhindern. Die Dauertherapie der Gicht basiert auf zwei Säulen: Medikamente und Ernährungsumstellung. Menschen mit Gicht sollten darauf achten, auf besonders purinreiche Lebensmittel zu verzichten.

Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung verläuft eine Gicht in der Regel ohne Komplikationen. Bei unzureichender Behandlung kann die Erkrankung chronisch werden.

Fakten über Gicht

  • Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich im Blut zu viel Harnsäure ansammelt. Der medizinische Fachbegriff für diesen Zustand lautet Hyperurikämie.
     
  • Entweder der Körper scheidet zu wenig Harnsäure aus (dies trifft auf die meisten Menschen mit Gicht zu) ...
     
  • ... oder der Körper bildet zu viel Harnsäure (was jedoch sehr selten geschieht).
     
  • Meistens ist Gicht erblich bedingt: Dies bezeichnen Mediziner als primäre Hyperurikämie.
     
  • Gicht kann aber auch durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente entstehen: Dann sprechen Mediziner von einer sekundären Hyperurikämie.
     
  • Zu den Erkrankungen, die eine Gicht verursachen können, gehören zum Beispiel Nierenerkrankungen und Typ-2-Diabetes (weil die Nieren dann weniger Harnsäure ausscheiden) oder auch ...
     
  • ... Leukämie (weil hier viele körpereigene Zellen absterben, wodurch Purine anfallen, die der Körper zu Harnsäure abbaut).
     
  • Solange keine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Harnsäurewerte stattfindet, bleibt die Hyperurikämie lange Zeit unbemerkt. Bis die Gicht zum ersten Mal spürbare Beschwerden bereitet, können Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen.
     
  • In dieser Zeit steigt die Harnsäurekonzentration immer weiter an, bis sie einen kritischen Wert erreicht: ...
     
  • Dann bilden sich aus der Harnsäure Kristalle und lagern sich im Körper an verschiedenen Stellen ab – vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen. Dadurch entsteht ein akuter Gichtanfall.
     
  • Der erste akute Gichtanfall kommt für die Betroffenen also meist völlig überraschend.
     
  • Oft tritt er am Grundgelenk der grossen Zehe auf: ...
     
  • Das betroffene Gelenk ist entzündet, fühlt sich heiss an, verfärbt sich dabei schlagartig rot bis bläulich und schwillt an. Jegliche Berührung verursacht starke Schmerzen.
     
  • Ohne Behandlung kann die Entzündung bis zu zwei Wochen andauern. Danach haben die Betroffenen erst einmal Ruhe: ...
     
  • Nach einem akuten Gichtanfall vergehen meist mehrere Monate bis Jahre ohne Beschwerden, bevor es erneut zu einem Anfall kommt.
     
  • Bestimmte Umstände können die Entstehung eines akuten Gichtanfalls fördern – dazu gehören zum Beispiel üppige, purinreiche Mahlzeiten (viel Purin ist z.B. in Fleisch enthalten) und ein übermässiger Alkoholkonsum. Darum galt die Gicht früher als typische Krankheit der Reichen.
     
  • Mit der Zeit kann in seltenen Fällen auch eine chronische Gicht mit ständigen Schmerzen und bleibenden Gelenkveränderungen entstehen.
     
  • Dann können unter der Haut – meist an den Sehnenansätzen in der Nähe eines Gelenks – schmerzlose, harte Knötchen auftreten: die sogenannten Gichtknoten (bzw. Gichttophi).
     
  • Dies kann aber nur passieren, wenn die Gicht lange unentdeckt bleibt oder nicht ausreichend behandelt wird.
     
  • Eine rechtzeitig und konsequent behandelte Gicht verläuft hingegen in der Regel ohne Beschwerden und Komplikationen.
     
  • Das Ziel der Behandlung besteht darin, den Harnsäurespiegel frühzeitig zu senken und dauerhaft zu stabilisieren.
     
  • Dies gelingt mithilfe entsprechend wirkender Medikamente und durch eigene Massnahmen.
     
  • So ist es zum Beispiel ratsam, die Ernährung auf eine ausgewogene, purinarme Kost umzustellen, eventuelles Übergewicht abzubauen, möglichst weitgehend auf Alkohol zu verzichten und täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen (z.B. in Form von Mineralwasser, ungesüsstem Kräutertee oder Früchtetee).
     
  • Wichtig ist auch, gegen Schmerzen keine Acetylsaliycylsäure einzunehmen, denn: Dieses Mittel kann den Harnsäurespiegel und somit das Risiko für einen erneuten Gichtanfall erhöhen.
     
  • Wer diese Empfehlungen einhält, kann – selbst bei erblicher Veranlagung für Gicht – akute Gichtanfälle sowie eine chronische Gicht erfolgreich verhindern.
Blick auf die Füsse eines Mannes, der an Gicht leidet.

Bei einer chronischen Gicht bilden sich Gichtknoten in den Gelenken, manchmal auch ausserhalb der Gelenke.

Quelle: Getty Images
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2. Definition von Gicht

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich im Blut zu viel Harnsäure ansammelt. Dies bezeichnen Ärzte auch als Hyperurikämie. In der Folge entstehen Harnsäurekristalle, die sich im Körper an verschiedenen Stellen ablagern – vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen.

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Gicht:

  • Die primäre Gicht entsteht durch erbliche Veranlagung. Der Körper bildet mehr Harnsäure, als er ausscheidet. Als Folge sammelt sich Harnsäure im Körper an.
  • Die sekundäre Gicht entsteht infolge anderer Erkrankungen oder Medikamente.

Die Harnsäurekristalle, die sich bei Gicht ablagern, rufen schmerzhafte Gelenkentzündungen hervor, die unbehandelt zu Gelenkschäden führen können. Mediziner bezeichnen diese Gicht-Folgen auch als Arthritis urica. Auch in inneren Organen können sich die Kristalle einlagern, zum Beispiel in der Niere, und dort Funktionsstörungen verursachen.

Wenn die Harnsäurekonzentration einen kritischen Wert erreicht, zeigt sich der Gelenkbefall anfallartig durch Schmerzen und Schwellung. Tritt ein solcher akuter Gichtanfall zum ersten Mal auf, ist typischerweise das Grundgelenk einer Grosszehe betroffen.

Häufigkeit

Die Gicht tritt in Gebieten mit hohem Lebensstandard mit wesentlich grösserer Häufigkeit auf als beispielsweise in Entwicklungsländern. Dies ist auf die unterschiedliche Ernährung zurückzuführen: Besonders der übermässige Konsum von Fleisch und Alkohol können die Entstehung der Gicht fördern.

80 Prozent der Betroffenen sind männlich, bei Männern ab 40 stellt die Gicht die häufigste entzündliche Gelenkserkrankung dar. Ab 65 erkranken etwa drei Prozent der Männer.

3. Ursachen von Gicht

Eine Gicht entwickelt sich, wenn der Körper entweder

  • zu wenig Harnsäure ausscheidet – was bei den meisten Menschen mit Gicht der Fall ist – oder
  • zu viel Harnsäure bildet – dies ist jedoch selten und kommt bei bestimmten angeborenen Krankheiten vor (z.B. Lesch-Nyhan-Syndrom).

Egal, ob zu wenig Harnsäure ausgeschieden oder ob zu viel Harnsäure gebildet wird: Unabhängig von den Ursachen steigt der Harnsäurespiegel im Blut an. Mediziner sprechen von einer Hyperurikämie.

Ist der Harnsäurespiegel zu hoch, bilden sich Harnsäurekristalle, welche die Ursachen für die typischen Gicht-Beschwerden sind: Die Kristalle lagern sich vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen ab und können zu schmerzhaften Gelenkentzündungen führen.

So kommt es zum Harnsäure-Überschuss

Harnsäure entsteht, wenn der Körper Purine abbaut. Diese Stoffe kommen als Bausteine der Erbsubstanz in jeder Zelle des menschlichen Körpers und auch in Zellen anderer Lebewesen vor. Der Abbau von Purin ist immer dann nötig, wenn

  • eigene Körperzellen absterben und «entsorgt» werden müssen, oder
  • man Lebewesen isst, deren Zellen Purin enthalten. Besonders purinreich sind Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte.

Je mehr Purine freiwerden, desto mehr Harnsäure bildet der Körper. Normalerweise kann der Körper die Harnsäure mit dem Urin ausscheiden. Dafür sorgen die Nieren.

Bei Menschen mit Gicht ist die Harnsäuresekretion in der Niere aber gestört. Das heisst, ihre Nieren können einen Harnsäure-Überschuss im Körper nicht so schnell ausgleichen. In den meisten Fällen ist diese Störung genetisch bedingt, lässt sich also auf die erbliche Veranlagung zurückführen. Ärzte sprechen dann von primärer Gicht. Sie geht häufig mit weiteren Stoffwechselstörungen einher: Viele Betroffene sind am metabolischen Syndrom erkrankt, das heisst, sie haben ÜbergewichtBluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Diabetes mellitus Typ 2.

Übrigens: In Studien hat sich gezeigt, dass vor allem Menschen mit zu viel Viszeralfett zu einem erhöhten Harnsäurespiegel neigen. Viszeralfett ist das im Bauch eingelagerte Fett, welches die inneren Organe umgibt.

Die deutlich seltenere sekundäre Gicht entwickelt sich als Folgeerkrankung. Die Ursache ist dann entweder

  • eine Erkrankung oder eine Therapie, die die Funktion der Nieren stört (z.B. Nierenerkrankungen, Diabetes Typ 2, Behandlung mit Diuretika oder Thiaziden), oder
  • eine Erkrankung, bei der im Körper viele Zellen absterben (z.B. Krebs).

Auslöser eines Gichtanfalls

Meist führt ein plötzlicher Anstieg des Harnsäurespiegels zu einem akuten Gichtanfall, etwa durch übermässigen Alkoholkonsum oder purinreiche Mahlzeiten.

Auch starke körperliche Anstrengung oder ein hoher Gewichtsverlust in kurzer Zeit (z.B. durch Fasten) kann Gichtanfälle auslösen: Wenn man längere Zeit nichts isst oder viel Energie verbraucht, sinkt der Blutzuckerspiegel stark ab und der Körper beginnt, Fett in Energie umzuwandeln. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, die die Organe mit Energie versorgen, jedoch auch bewirken, dass die Nieren weniger Harnsäure ausscheiden.

Zudem muss der Körper, wenn man schnell abnimmt, viel körpereigenes Gewebe abbauen, sodass innerhalb kurzer Zeit viele Purine frei werden.

4. Symptome von Gicht

Wer Gicht hat, bemerkt zunächst keine Symptome. Diese sogenannte asymptomatische Phase der Gicht kann Jahre bis Jahrzehnte andauern. Während dieser Zeit steigt zunächst der Harnsäurespiegel im Blut unbemerkt an.

Akuter Gichtanfall

Deutliche Symptome treten erst auf, wenn die Harnsäurekonzentration einen kritischen Wert erreicht. Der erste Gichtanfall tritt oft überraschend auf. Häufig ist dabei das Grundgelenk der Grosszehen betroffen. Es können jedoch auch Sprunggelenke sowie die Gelenke der Knie, Füsse, Zehen, Hände, Finger (vor allem der Daumen) und der Ellbogen betroffen sein. Typische Symptome: Das Gelenk entzündet sich, schmerzt, fühlt sich heiss an, verfärbt sich rot und schwillt an.

Ohne Behandlung kann es einige Tage bis drei Wochen dauern, bis die Symptome der Entzündung abgeklungen sind. Danach folgt meist eine Monate bis Jahre andauernde Phase, in der keine Symptome einer Gicht auftreten (sog. interkritische Phase).

Chronische Gicht

Nur bei lange unerkannter oder unzureichend behandelter Gicht kann sich eine chronische Gicht manifestieren. Die chronische Gicht ist jedoch selten. Typische Symptome sind ständige Schmerzen und bleibende Gelenkveränderungen, die zunehmend die Funktion des Gelenks beeinträchtigen. Die Schmerzen treten sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung auf.

Eine chronische Gicht führt zudem dazu, dass sich an den Ansätzen der Sehnen in der Nähe eines Gelenks – zum Beispiel an Ellenbogen, Hand und Fuss – Harnsäurekristalle ablagern und Gichtknoten (Gichttophi) bilden. Dabei handelt es sich um schmerzlose, harte Knötchen von maximal einem Zentimeter Grösse, die unmittelbar unter der Haut liegen. Brechen die Gichtknoten auf, entleert sich eine weisse Masse, die vorwiegend aus Harnsäure besteht.

In manchen Fällen bilden sich solche Gichtknoten auch ausserhalb eines Gelenks: Häufig erscheinen sie am Rand des Ohrknorpels, daneben können vor allem auch die Augenlider und Nasenflügel betroffen sein.

Eine Gicht kann im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen, insbesondere, wenn sie unbehandelt bleibt. Neben ausgeprägten Gelenkschäden (Arthritis urica) können Nierensteine entstehen. Wenn sich zu viel Harnsäure in den Nieren ablagert, können die Nieren versagen (sog. chronische Gichtniere).

5. Diagnose von Gicht

Der erste Verdacht auf Gicht entsteht meist, wenn die typischen Symptome eines akuten Gichtanfalls auftreten.

Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Gicht handelt, wird der Arzt eine Blutprobe entnehmen, um die Harnsäurewerte zu bestimmen. Bei den meisten Gichtpatienten ist der Harnsäurespiegel im Blut erhöht.

Während eines Gichtanfalls kann der Harnsäurespiegel auch im Normalbereich liegen. Das kommt vor, wenn ein grosser Teil der Harnsäure nicht mehr im Blut gelöst, sondern auskristallisiert ist und sich im Körpergewebe abgesetzt hat. In diesem Fall kann die Ärztin zwei bis vier Wochen nach Abklingen der akuten Entzündung eine erneute Messung vornehmen. Ist der Harnsäurespiegel dann erhöht, spricht dies für eine Gicht.

Die Harnsäurewerte gelten als erhöht, wenn sie

  • bei Frauen über 6 Milligramm pro 100 Milliliter Blutserum und
  • bei Männern über 7 Milligramm pro 100 Milliliter Blutserum liegen.

Im Frühstadium der Gicht tragen Röntgenuntersuchungen nicht zur Diagnose bei, da die Röntgenbilder dann unauffällig sind. Im weiteren Verlauf verursacht die Gicht jedoch zunehmend erkennbare Veränderungen in den Gelenken und Gichtknoten (Gichttophi). Wenn untypischerweise nur die Fingergelenke von den Knoten betroffen sind, ist es ratsam, andere mögliche Gründe hierfür diagnostisch auszuschliessen (z.B. arthrotische Veränderungen der Fingergelenke).

6. Therapie von Gicht

Ernährung

Eine Ernährungsumstellung ist bei Gicht der wichtigste Teil der Therapie. Gichtpatienten sollten

  • ein gesundes Körpergewicht  anstreben: Übergewicht begünstigt einen erhöhten Harnsäurespiegel.
  • purinreiche Speisen und Getränke meiden (siehe Tabelle).
  • möglichst wenige Lebensmittel zu sich nehmen, die die Harnsäure-Ausscheidung durch die Nieren hemmen. Dazu zählen vor allem fettreiche Nahrungsmittel und Süssgetränke.
  • viel trinken: Je mehr Flüssigkeit man zu sich nimmt, umso mehr Harn scheiden die Nieren aus. 1,5 bis 2,5 Liter täglich sollten es beim Gesunden sein, vorwiegend in Form von Wasser oder ungesüsstem Tee. Patienten mit Herzschwäche sollten nicht über 1,5 Liter trinken.

Wichtig: Eine schnelle Gewichtsabnahme kann Gichtanfälle auslösen. Daher sollten Gichtpatienten langsam abnehmen. Strenges Fasten ist nicht ratsam.

Folgende Tabelle zeigt, welche Lebensmittel und Genussmittel gilt es bei Gicht zu meiden gilt, und was Erkrankte bedenkenlos essen können:

möglichst meiden

nur in geringen Mengen verzehren

empfehlenswert

  • Innereien
     
  • purinreiche Fischsorten
    (vor allem Anchovis,
    Sardellen, Forelle), Meeresfrüchte
     
  • Hülsenfrüchte
     
  • Alkohol
     
  • alkoholfreies Bier
  • Fette, auch pflanzliche:
    Bei fettreicher Kost bildet der Körper
    mehr Ketonkörper, die die Harnsäure-
    Ausscheidung durch die Nieren hemmen
     
  • Fruchtsäfte, Softdrinks und andere mit
    Fructose gesüsste Getränke: Ähnlich wie
    Alkohol hemmt Fruchtzucker die Harnsäure-Ausscheidung durch die Nieren.
     
  • höchstens ca. 150 Gramm pro Tag:
    Wurst, Fleisch und purinarme Fischsorten
    (z.B. Kabeljau, Scholle)
  • Obst und Gemüse
     
  • Nüsse
     
  • Brot und Müsli
     
  • Reis und Nudeln
     
  • fettarme Milchprodukte (z.B. Buttermilch, Joghurt)
     
  • Kaffee und Tee
     
  • Sojaerzeugnisse (z.B. Tofu)

 

Nach aktuell geltenden Empfehlungen sollten sich Gichtpatienten so purinarm ernähren, dass ihr Körper bei der Verwertung der Nahrung nicht mehr als 300 Milligramm Harnsäure pro Tag beziehungsweise 3000 Milligramm Harnsäure pro Woche bildet. Wie viel Harnsäure beim Abbau verschiedener Lebensmitteln anfällt, ist der folgenden Tabelle zu entnehmen:

Lebensmittel

Harnsäure in mg pro 100 g

Innereien

Kalbsbries

900

Kalbsleber

260

Kalbsherz

180

Schweinefleisch

150-170

Geflügel

240

Rindfleisch

140-150

Kalbfleisch

140-160

Fisch/Meeresfrüchte

Anchovis, Sardellen

260

Forelle

200

Thunfisch

180

Krabben

160

Scholle

130

Medikamente

Nicht immer führen erhöhte Harnsäurewerte zu Beschwerden. In diesem Fall sind keine Medikamente notwendig. Hat der Überschuss an Harnsäure hingegen bereits zu Gelenkentzündungen geführt, kann der Arzt Medikamente verschreiben. Es gibt 

  • zum einen Mittel, die bei einem akuten Gichtanfall die Beschwerden lindern, und
  • zum anderen Medikamente zur langfristigen Gichttherapie.

Medikamente bei einem akuten Gichtanfall

Bei einem Gichtanfall sollte man möglichst zeitnah zum Arzt, damit die Gelenkarthritis sich nicht schlimmer wird und sich nicht noch weitere Gelenke entzünden. Der Arzt kann folgende Medikamente verordnen:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Als Mittel der ersten Wahl gelten entzündungshemmend wirkende NSAR wie Naproxen oder Diclofenac, um die Schmerzen zu lindern.
  • Cortisolhaltige (steroidale) Glukokortikoide: Zusätzlich oder als Alternative zu NSAR kann der Arzt Cortisonpräparate verschreiben. Diese enthalten in der Regel den Wirkstoff Prednisolon und können auch bei starken Schmerzen helfen.
  • Colchicin: Bei einem akuten Gichtanfall ist Colchicin ein sehr wirksames Mittel gegen die Gelenkschmerzen. Der Wirkstoff wird aus einer Pflanze, der Herbstzeitlose, gewonnen. Anders als früher kommt Colchicin aufgrund seiner vielen Nebenwirkungen (z.B. Bauchkrämpfe, Durchfall) heutzutage jedoch nur zum Einsatz, wenn andere Medikamente nicht infrage kommen.

Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure sind nicht geeignet – im Gegenteil: Sie können den Harnsäurespiegel im Blut erhöhen und somit das Risiko für einen erneuten Gichtanfall steigern.

Wichtig: Entzündete Gelenke sollten ruhig und hoch gelagert und gekühlt werden. Die Kälte hilft nicht nur gegen die Schmerzen, sondern wirkt auch der Ansammlung von Wasser (Ödembildung) in den Gelenken entgegen, sodass die Schwellungen nachlassen.

Medikamente zur Dauerbehandlung

Zur dauerhaften Gicht-Therapie erhalten Sie auch Medikamente, die den Harnsäurespiegel dauerhaft senken können. Zur Dauertherapie geeignete Mittel gegen Gicht sind:

  • Urikosurika (z.B. Benzbromaron): Diese Mittel wirken gegen Gicht, indem sie eine vermehrte Ausscheidung der Harnsäure fördern (harnsäuretreibende Medikamente).
  • Urikostatika (z.B. Allopurinol): Diese Medikamente hemmen die Bildung der Harnsäure. Die dadurch vermehrt anfallenden Vorstufen der Harnsäure sind wesentlich besser wasserlöslich und lassen sich einfacher über die Nieren ausscheiden. In bestimmten Fällen verordnet der Arzt anstatt Allopurinol das Mittel Febuxostat. Studien zufolge ist dieses für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ungeeignet, weil es bei ihnen das Sterberisiko erhöht.

7. Vorbeugen gegen Gicht

Die meisten Menschen mit Gicht haben eine entsprechende erbliche Veranlagung. Dieses genetische Risiko für Gicht lässt sich nicht beseitigen. Wer entsprechend vorbelastet ist und das weiss – etwa, weil nahe Verwandte bereits an Gicht erkrankt sind –, kann einiges tun, um den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern:

  • Übergewicht abbauen: Der Body-Mass-Index (BMI) sollte unter 25 liegen. Besonders Bauchfett erhöht das Risiko für Gicht.
  • purinarm essen
  • viel trinken, am besten Mineralwasser und Tee
  • so wenig Alkohol wie möglich trinken
«Wissen, was dem Körper gut tut.»
Chantal Hebeisen, Redaktorin
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