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1. Überblick

Die Gicht, früher im Volksmund als Zipperlein bezeichnet, galt lange als Krankheit der Reichen. Das ist heute nicht mehr so. Allerdings ist Gicht in Ländern mit einem höheren Lebensstandard verbreiteter – unter anderem wegen der hier vorherrschenden Ess- und Trinkgewohnheiten.

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung. Dabei sammelt sich zu viel Harnsäure im Blut an – entweder, weil der Körper zu viel Harnsäure produziert oder, weil nicht ausreichend Harnsäure ausgeschieden werden kann.

Wegen der vielen Harnsäure im Körper bilden sich bei Gicht im Lauf der Zeit Harnsäurekristalle, die sich unter anderem in Gelenken, Schleimbeuteln und inneren Organen ablagern. Dadurch entstehen bei Gicht typischerweise schmerzhafte Gelenkentzündungen, die unbehandelt auf Dauer zu Gelenkschäden (sog. Arthritis urica) führen können.

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Ein akuter Gichtanfall tritt auf, wenn der Harnsäurepegel einen bestimmten Wert überschritten hat. Betroffene leiden plötzlich, wie aus heiterem Himmel, an starken Schmerzen an einem Gelenk – schon kleine Berührungen können den Schmerz verstärken. Oft ist das Grundgelenk des grossen Zehs betroffen. Die schmerzende Stelle schwillt an, wird heiss und verfärbt sich.

Nach einigen Tagen ist der Anfall abgeklungen und es kann viel Zeit vergehen, bis es zum nächsten Anfall kommt. Nur selten wird eine Gicht chronisch, sodass dauerhafte Schmerzen und Gelenkveränderungen entstehen.

Gicht entsteht meist durch erbliche Veranlagung. Es gibt jedoch Faktoren, die einen Gichtanfall fördern: Hierzu zählen unter anderem eine besonders purinreiche Ernährung – zum Beispiel in Form von Innereien und Fleisch –, aber auch exzessiver Alkoholkonsum.


Die Gicht-Behandlung gliedert sich in zwei Phasen:

  • Die anfängliche Gicht-Therapie dient dazu, die akuten Symptome zu behandeln – dabei sollen in erster Linie Medikamente die Anfälle stoppen und die Schmerzen lindern.

  • Die anschliessende Dauertherapie dient dazu, den Harnsäurespiegel im Blut zu normalisieren und auf lange Sicht auf einem stabilen Niveau zu halten, um mögliche Spätfolgen zu verhindern. Die Dauertherapie der Gicht basiert auf zwei Säulen: Medikamente und Ernährungsumstellung. Menschen mit Gicht sollten darauf achten, auf besonders purinreiche Lebensmittel zu verzichten.


Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung verläuft eine Gicht in der Regel ohne Komplikationen.

32 Fakten über Gicht

  • Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich im Blut zu viel Harnsäure ansammelt. Der medizinische Fachbegriff für diesen Zustand lautet Hyperurikämie.

  • Entweder der Körper scheidet zu wenig Harnsäure aus (dies trifft auf die meisten Menschen mit Gicht zu) ...

  • ... oder der Körper bildet zu viel Harnsäure (was jedoch sehr selten geschieht).

  • Meistens ist Gicht erblich bedingt: Dies bezeichnen Mediziner als primäre Hyperurikämie.

  • Gicht kann aber auch durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente entstehen: Dann sprechen Mediziner von einer sekundären Hyperurikämie.

  • Zu den Erkrankungen, die eine Gicht verursachen können, gehören zum Beispiel Nierenerkrankungen und Typ-2-Diabetes (weil die Nieren dann weniger Harnsäure ausscheiden) oder auch ...

  • ... Leukämie (weil hier viele körpereigene Zellen absterben, wodurch Purine anfallen, die der Körper zu Harnsäure abbaut).

  • Bis die Gicht zum ersten Mal spürbare Beschwerden bereitet, können Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen.

  • In dieser Zeit steigt die Harnsäurekonzentration immer weiter an, bis sie einen kritischen Wert erreicht: ...

  • Dann bilden sich aus der Harnsäure Kristalle und lagern sich im Körper an verschiedenen Stellen ab – vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen. Dadurch entsteht ein akuter Gichtanfall.

  • Der erste akute Gichtanfall kommt für die Betroffenen also meist völlig überraschend.

  • Oft tritt er am Grundgelenk der grossen Zehe auf: ...

  • Das betroffene Gelenk ist entzündet, fühlt sich heiss an, verfärbt sich dabei schlagartig rot bis bläulich und schwillt an. Jegliche Berührung verursacht starke Schmerzen.

  • Ohne Behandlung kann die Entzündung bis zu zwei Wochen andauern. Danach haben die Betroffenen erst einmal Ruhe: ...

  • Nach einem akuten Gichtanfall vergehen meist mehrere Monate bis Jahre ohne Beschwerden, bevor es erneut zu einem Anfall kommt.

  • Bestimmte Umstände können die Entstehung eines akuten Gichtanfalls fördern – dazu gehören zum Beispiel: ...

  • ... üppige, purinreiche Mahlzeiten (viel Purin ist z.B. in Fleisch enthalten) und ...

  • ... ein übermässiger Alkoholkonsum. Darum galt die Gicht früher als typische Krankheit der Reichen.

  • Mit der Zeit kann in seltenen Fällen auch eine chronische Gicht mit ständigen Schmerzen und bleibenden Gelenkveränderungen entstehen: Dann ...

  • ... können unter der Haut – meist an den Sehnenansätzen in der Nähe eines Gelenks – schmerzlose, harte Knötchen auftreten: die sogenannten Gichtknoten (bzw. Gichttophi).

  • Dies kann aber nur passieren, wenn die Gicht lange unentdeckt bleibt oder nicht ausreichend behandelt wird.

  • Eine rechtzeitig und konsequent behandelte Gicht verläuft hingegen in der Regel ohne Beschwerden und Komplikationen.

  • Das Ziel der Behandlung besteht darin, den Harnsäurespiegel frühzeitig zu senken und dauerhaft zu stabilisieren. Dies gelingt ...

  • ... mithilfe entsprechend wirkender Medikamente und durch eigene Massnahmen – so ist es zum Beispiel ratsam, ...

  • ... die Ernährung auf eine ausgewogene, purinarme Kost umzustellen, ...

  • ... eventuelles Übergewicht abzubauen, ...

  • ... möglichst weitgehend auf Alkohol zu verzichten und ...

  • ... täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen (z.B. in Form von Mineralwasser, ungesüsstem Kräutertee oder Früchtetee).

  • Wichtig ist auch, gegen Schmerzen keine Acetylsaliycylsäure einzunehmen, denn: Dieses Mittel kann den Harnsäurespiegel und somit das Risiko für einen erneuten Gichtanfall erhöhen.

  • Wer diese Empfehlungen einhält, kann – selbst bei erblicher Veranlagung für Gicht – akute Gichtanfälle sowie eine chronische Gicht erfolgreich verhindern.

2. Definition

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich im Blut zu viel Harnsäure ansammelt. Dies bezeichnen Ärzte auch als Hyperurikämie. In der Folge entstehen Harnsäurekristalle, die sich im Körper an verschiedenen Stellen ablagern – vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen.


Mediziner unterscheiden zwei Formen der Gicht:

  • Die primäre Gicht entsteht durch erbliche Veranlagung. Der Körper bildet mehr Harnsäure, als er ausscheidet. Als Folge sammelt sich Harnsäure im Körper an.

  • Die sekundäre Gicht entsteht infolge anderer Erkrankungen oder Medikamente.


Die Harnsäurekristalle, die sich bei Gicht ablagern, rufen schmerzhafte Gelenkentzündungen hervor, die unbehandelt zu Gelenkschäden führen können. Mediziner bezeichnen diese Gicht-Folgen auch als Arthritis urica. Auch in inneren Organen können sich die Kristalle einlagern, zum Beispiel in der Niere, und dort Funktionsstörungen verursachen.

Wenn die Harnsäurekonzentration einen kritischen Wert erreicht, zeigt sich der Gelenkbefall anfallartig durch Rötung, Schmerzen und Überwärmung. Tritt ein solcher akuter Gichtanfall zum ersten Mal auf, ist typischerweise das Grundgelenk einer Grosszehe betroffen (sog. Podagra = Fussgicht).

Häufigkeit

Die Gicht tritt in Gebieten mit hohem Lebensstandard mit wesentlich grösserer Häufigkeit auf als beispielsweise in Entwicklungsländern. Dies ist auf die unterschiedliche Ernährung zurückzuführen: Besonders der übermässige Konsum von Lebensmitteln wie Innereien und Fleisch sowie von Alkohol können die Entstehung der Gicht fördern.

In Wohlstandsgebieten ist mit einer Häufigkeit der Gicht von 1 bis 2 Prozent zu rechnen, wobei vorwiegend ältere Menschen betroffen sind – davon hauptsächlich Männer.

Historisches

Früher nannte man die Gicht im Volksmund Zipperlein und betrachtete sie als eine Krankheit der Wohlhabenden. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts unterschied man nicht zwischen Rheuma und Gicht. Erst ein Jahrhundert später, im Jahr 1797, entdeckte William Hyde Wollaston erstmals Harnsäure-Kristalle in Gichtknoten (sog. Gichttophi). Aber erst 50 Jahre später erkannte man, dass es sich um eine Stoffwechselstörung handelt. Bis zu diesem Zeitpunkt ging man von einer Störung der Körpersäfte aus. Schon früh war jedoch bekannt, dass ein Zusammenhang zwischen der Erkrankung und erhöhtem Fleisch- und Alkoholkonsum besteht.

3. Ursachen

Eine Gicht hat in den meisten Fällen erbliche Ursachen: Eine entsprechende erbliche Veranlagung hat zur Folge, dass der Körper entweder

  • zu wenig Harnsäure ausscheidet – was bei den meisten Menschen mit Gicht der Fall ist – oder

  • zu viel Harnsäure bildet – dies ist jedoch selten und kommt zum Beispiel bei der primären kindlichen Gicht vor (sog. Lesch-Nyhan-Syndrom).


Egal, ob zu wenig Harnsäure ausgeschieden oder ob zu viel Harnsäure gebildet wird: Unabhängig von den Ursachen steigt der Harnsäurespiegel im Blut an. Mediziner sprechen von einer Hyperurikämie.

Ist der Harnsäurespiegel zu hoch, bilden sich Harnsäurekristalle, welche die Ursachen für die typischen Gicht-Beschwerden sind: Die Kristalle lagern sich vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen ab und können zu schmerzhaften Gelenkentzündungen führen.

Aber auch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente können Ursachen einer Gicht sein. Ärzte sprechen dann von einer sekundären Hyperurikämie.

Zum einen können Nierenerkrankungen oder Diabetes Typ 2 dazu führen, dass Nieren weniger Harnsäure ausscheiden. Zum anderen kann eine sekundäre Gicht dadurch entstehen, dass viele körpereigene Zellen absterben – etwa bei Leukämie – und dabei höhere Purinmengen anfallen: Purine sind Naturstoffe, die der Körper (beim normalen Zellstoffwechsel) selbst bildet und (über den sog. Purinstoffwechsel) zu Harnsäure abbaut. Je mehr Purine im Körper vorhanden sind, desto mehr Harnsäure entsteht also.

Der Mensch nimmt Purine über die Nahrung auf. Purinhaltige Nahrungsmittel sind zwar nicht als direkte Ursachen für Gicht anzusehen, aber sie können einen Gicht-Anfall begünstigen.

Wer erblich vorbelastet ist und sich purinreich ernährt, erhöht dauerhaft seinen Harnsäurespiegel und fördert damit, dass ein Gichtanfall entsteht.

Gichtanfall: Auslöser

Ein Gichtanfall kann durch bestimmte Faktoren begünstigt werden. Hierzu zählen:

  • übermässiger Alkoholkonsum,

  • der Verzehr von grossen Mengen purinreicher Lebensmittel,

  • starke körperliche Anstrengung und

  • ein hoher Gewichtsverlust, etwa durch Fasten.

4. Symptome

Wer Gicht hat, bemerkt zunächst keine Symptome. Diese sogenannte asymptomatische Phase der Gicht kann Jahre bis Jahrzehnte andauern. Während dieser Zeit steigt zunächst der Harnsäurespiegel im Blut an – es entsteht eine sogenannte Hyperurikämie.

Akuter Gichtanfall

Deutliche Symptome treten erst auf, wenn die Harnsäurekonzentration einen kritischen Wert erreicht: Dann bilden sich Harnsäurekristalle, die sich in den Gelenken einlagern können, sodass ein akuter Gichtanfall entsteht. Häufig ist dabei das Grundgelenk der Grosszehen betroffen (sog. Podagra bzw. Fussgicht). Typische Symptome: Das Gelenk entzündet sich, fühlt sich heiss an, verfärbt sich dabei schlagartig rot bis bläulich und schwillt an. Jede Berührung ist äusserst schmerzhaft. Die Betroffenen können nur noch auf der Ferse auftreten und zeigen einen charakteristischen humpelnd-hüpfenden Gang. Es können aber auch andere Gelenke vom Anfall betroffen sein.

Bei etwa 90 Prozent der Gichtanfälle liegt nachweislich eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut vor. Die Symptome eines akuten Gichtanfalls treten in den meisten Fällen völlig überraschend bei scheinbar gesunden Menschen auf. Zu den Auslösern zählen übermässiges fettreiches Essen oder ausschweifender Alkoholkonsum. Auch wer sich körperlich überanstrengt, kann diese anfallartig auftretenden Gicht-Symptome auslösen.

Ohne Behandlung kann es ein bis zwei Wochen dauern, bis die Symptome der Entzündung abgeklungen sind. Danach folgt meist eine Monate bis Jahre andauernde Phase, in der keine Symptome einer Gicht auftreten (sog. interkritische Phase).

Chronische Gicht

Nur bei lange unerkannter oder unzureichend behandelter Gicht kann sich eine chronische Gicht manifestieren. Die chronische Gicht ist jedoch selten. Typische Symptome sind ständige Schmerzen und bleibende Gelenkveränderungen, die zunehmend die Funktion des Gelenks beeinträchtigen. Die Schmerzen treten sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung auf.

Eine chronische Gicht kann dazu führen, dass sich an den Ansätzen der Sehnen in der Nähe eines Gelenks – zum Beispiel an Ellenbogen, Hand und Fuss – Harnsäurekristalle ablagern und Gichtknoten (Gichttophi) bilden. Dabei handelt es sich um schmerzlose, harte Knötchen von maximal einem Zentimeter Grösse, die unmittelbar unter der Haut liegen. Brechen die Gichtknoten auf, entleert sich eine weisse Masse, die vorwiegend aus Harnsäure besteht.

In manchen Fällen bilden sich solche Gichtknoten auch ausserhalb eines Gelenks: Häufig erscheinen sie am Rand des Ohrknorpels, daneben können vor allem auch die Augenlider und Nasenflügel betroffen sein.

5. Diagnose

Bei Verdacht auf Gicht besteht ein Schritt zur Diagnose darin, die Harnsäurewerte im Blut zu bestimmen: So kann der Arzt feststellen, ob ein erhöhter Harnsäurespiegel (sog. Hyperurikämie) vorliegt.

Die Gicht führt ausserdem zu sichtbaren Veränderungen, die zur Diagnose beitragen können: Ein akuter Gichtanfall zeigt sich meistens am grossen Zeh, dessen Grundgelenk dann entzündet ist und stark schmerzt (sog. Podagra bzw. Fussgicht).

Im Frühstadium der Gicht tragen Röntgenuntersuchungen nicht zur Diagnose bei, da die Röntgenbilder dann unauffällig sind. Im weiteren Verlauf verursacht die Gicht jedoch zunehmend erkennbare Veränderungen in den Gelenken und Gichtknoten (Gichttophi). Wenn untypischerweise nur die Fingergelenke von den Knoten betroffen sind, ist es ratsam, andere mögliche Gründe hierfür diagnostisch auszuschliessen (z.B. arthrotische Veränderungen der Fingergelenke).

6. Therapie

Wenn Sie eine Gicht haben, ist eine frühzeitige Therapie empfehlenswert – auch wenn die ersten Symptome schon wieder von selbst verschwunden sind. Denn ohne Behandlung kann Gicht auf Dauer die Gelenke (sog. Arthritis urica) und auch innere Organe schädigen.

Die Gicht-Therapie zielt darauf ab, Ihren erhöhten Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) zu senken und Ihre Beschwerden zu lindern. Dabei gliedert sich die Behandlung in anfängliche (initiale) und dauerhafte Massnahmen: Die anfängliche Gicht-Therapie dient dazu, den akuten Gichtanfall zu unterbrechen und die Schmerzen zu lindern. Die Dauertherapie soll verhindern, dass die Gicht chronisch verläuft. Dabei spielt vor allem die richtige Ernährung eine bedeutende Rolle (Diät-Therapie).

Initiale Therapie

Wenn Ihr Harnsäurespiegel bei Gicht so steigt, dass Sie einen Gichtanfall bekommen, kann eine schnelle Therapie Ihre akuten Beschwerden lindern. Für diese anfängliche (initiale) Gicht-Therapie stehen folgende Medikamente zur Verfügung:

  • Kortisolfreie (nicht-steroidale) Antirheumatika (NSAR): NSAR wirken entzündungshemmend und kommen vor allem bei einem schweren Gichtanfall zur Behandlung zum Einsatz.
  • Kortisolhaltige (steroidale) Glukokortikoide (z.B. Prednisolon): Diese Mittel helfen ebenfalls bei schwerem Anfall, indem sie schmerzlindernd sowie entzündungshemmend wirken.
  • Colchicin: Bei einem akuten Gichtanfall ist Colchicin ein sehr wirksames Mittel gegen die Gelenkschmerzen. Es bessert die Beschwerden eines akuten Gichtanfalls, ohne allerdings den Harnsäurespiegel im Blut zu senken oder direkt die Schmerzen zu lindern. Vielmehr verringert Colchicin durch seine entzündungshemmende Wirkung die Schmerzen indirekt. Aufgrund seiner Nebenwirkungen setzen Ärzte es jedoch zurückhaltend ein.

Sie können diese initiale Gicht-Therapie unterstützen, indem Sie die entzündeten Gelenke mit Umschlägen kühlen und Beine beziehungsweise Arme ruhig lagern. Ausserdem ist es zur anfänglichen Gicht-Behandlung wichtig, dass Sie viel trinken, dabei aber auf Alkohol verzichten.

Dauertherapie

Bei Gicht ist neben der akuten Therapie des Gichtanfalls eine Dauertherapie wichtig, um weitere Gichtanfälle zu verhindern und einen dauerhaften Verlauf (chronische Gicht) zu vermeiden. Dazu ist es nötig, den erhöhten Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) zu senken und auf lange Sicht zu stabilisieren. Das Ziel besteht darin, Ihren Harnsäurespiegel im Blutplasma auf einen Wert von etwa 5,5 bis 6,5 Milligramm pro Deziliter zu bringen – dann sind Sie gut eingestellt.

Umstellung der Ernährung

Bei der dauerhaften Gicht-Therapie spielt die Umstellung der Ernährung eine wichtige Rolle: Die richtige Ernährung bildet bei Gicht die Grundvoraussetzung dafür, dass die Dauertherapie im Kampf gegen einen zu hohen Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) und somit gegen Gicht erfolgreich ist. Die richtige Diät senkt und stabilisiert den Harnsäurespiegel und beeinflusst den Verlauf der Gicht so günstig, dass Sie weniger Medikamente einnehmen oder sogar ganz auf sie verzichten können. Deswegen empfiehlt sich bei Gicht Folgendes:

  • Bauen Sie Übergewicht ab: Wenn Ihr Körpergewicht einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25 entspricht, senken Sie es auf einen Wert kleiner als 25. Allein durch diese Massnahme sinkt der Harnsäurespiegel im Blut. Gehen Sie bei der Gewichtsabnahme aber behutsam vor: Strenges Fasten ist nicht ratsam.
  • Begrenzen Sie den Fettanteil in Ihrer Nahrung so, dass die insgesamt verzehrte Kalorienmenge höchstens zu 30 Prozent aus Fett stammt. Zu viel Nahrungsfett hemmt die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren und erhöht somit die Harnsäurewerte im Blut.
  • Vermeiden Sie purinreiche Nahrungsmittel, zum Beispiel Fleisch wie Innereien, Leber oder Niere. Auch mit dem Verzicht auf gewisse Fischsorten tragen Sie dazu bei, ihren Harnsäurespiegel auf einem unbedenklichen Niveau zu halten. Zur Dauertherapie von Gicht ist es ratsam, höchstens 170 Milligramm Purine pro Tag zu sich zu nehmen (sog. purinarme Kost).
    • Purinreich sind zum Beispiel folgende Lebensmittel: grüne Erbsen, Rinderfilet, Schweineschnitzel, Kalbslende, Brathähnchen, Kalbsleber, Schweineniere, Salami, Forelle, Hering, Schellfisch, Anchovis und Sardellen.
    • Purinfrei oder purinarm sind zum Beispiel: Nudeln (aus Hartweizengriess), Reis, Haferflocken, Mischbrot, Kartoffeln, Blumenkohl, Karotten, Tomaten, Äpfel, Bananen, Orangensaft, Milchprodukte (Trinkmilch, Buttermilch, Joghurt, Käse), Eier und Zartbitterschokolade.
  • Verzichten Sie möglichst auf Alkohol, da durch Alkohol die Harnsäurekonzentration im Blut ansteigt. Vor allem Alkoholexzesse und auch dauerhafter Alkoholkonsum sind ungünstig, da sie bei Gicht einen erneuten Anfall auslösen können.
  • Trinken Sie viel, mindestens 2 Liter täglich. Empfehlenswert sind Mineralwasser, ungesüsster Kräutertee oder Früchtetee. Neben dieser Flüssigkeitszufuhr können Sie auch bei Gicht Kaffee, schwarzen Tee oder Kakao unbeschwert geniessen: Die darin enthaltenen Purine baut der Körper nicht zu Harnsäure um, so dass sie den Harnsäurespiegel nicht negativ beeinflussen.

Von der purinarmen Kost, bei der Sie als Dauertherapie die tägliche Purinzufuhr dauerhaft auf 170 Milligramm Purine begrenzen, ist die zur Gicht-Behandlung über einen begrenzten Zeitraum infrage kommende streng purinarme Kost zu unterscheiden: Bei dieser Diät nehmen Sie höchstens 100 Milligramm Purine pro Tag zu sich. Da bei dieser Gicht-Diät aber ein aufwendiger Ernährungsplan nötig ist und die geeigneten Lebensmittel sorgfältig auszuwählen sind, erfolgt diese strenge Einschränkung der Purinzufuhr am besten nur unter stationären Bedingungen.

Medikamente

Zur dauerhaften Gicht-Therapie erhalten Sie auch Medikamente, die den Harnsäurespiegel dauerhaft senken können. Zur Dauertherapie geeignete Mittel gegen Gicht sind:

  • Urikosurika (z.B. Benzbromaron): Diese Mittel wirken gegen Gicht, indem sie eine vermehrte Ausscheidung der Harnsäure fördern (harnsäuretreibende Medikamente).
  • Urikostatika (z.B. Allopurinol): Diese Medikamente hemmen die Bildung der Harnsäure. Die dadurch vermehrt anfallenden Vorstufen der Harnsäure sind wesentlich besser wasserlöslich und lassen sich einfacher über die Nieren ausscheiden. Allopurinol kann folgende Nebenwirkungen hervorrufen:

Zu Beginn der Gicht-Dauertherapie erhalten Sie womöglich Urikosurika und Urikostatika gleichzeitig. Nach mehreren Monaten ist es möglich, zu einer alleinigen Therapie mit Urikostatika, welche die Harnsäurebildung hemmen, zu wechseln.

7. Verlauf

Die Gicht nimmt bei frühzeitig gesenktem und stabilisiertem Harnsäurespiegel in der Regel einen guten Verlauf ohne Komplikationen.

Ohne Behandlung kann sich die Gicht jedoch nach einem akuten Gichtanfall über eine beschwerdefreie Zwischenphase (sog. interkritische Phase) zu einer dauerhaften Erkrankung (chronische Gicht) entwickeln. Im Allgemeinen unterscheidet man beim Gicht-Verlauf zwischen folgenden Krankheitsphasen, wobei dem akuten Anfall eine oft lange Zeit ohne Beschwerden vorausgeht (sog. asymptomatische Phase):

  • akuter Gichtanfall
  • interkritische Phase
  • chronische Gicht

Asymptomatische Phase

Die Gicht nimmt zunächst einen symptomfreien Verlauf. Diese asymptomatische Phase der Gicht ist durch eine oft über Jahre und Jahrzehnte leicht erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) gekennzeichnet, durch die keinerlei Beschwerden ausgehen. Im weiteren Verlauf nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen Gichtanfall jedoch mit steigendem Harnsäurespiegel im Blut zu:

  • Bei Werten zwischen 6,5 und 7 Milligramm Harnsäure pro Deziliter ist in weniger als 2 Prozent mit einem Gichtanfall zu rechnen.
  • Bei Werten um 8 Milligramm pro Deziliter steigt das Risiko auf 40 Prozent.
  • Bei mehr als 9 Milligramm Harnsäure pro Deziliter Blut beträgt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten 1 bis 1,5 Jahre einen Gichtanfall zu bekommen, nahezu 100 Prozent.

Akuter Gichtanfall

Wenn sich im Gicht-Verlauf zu viel Harnsäure im Gewebe ablagert, entsteht ein akuter Gichtanfall. In über 90 Prozent der Fälle liegt nachweislich eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) vor. Akute Gichtanfälle betreffen typischerweise das Grundgelenk am grossen Zeh (sog. Podagra bzw. Fussgicht). Die Betroffenen können nur noch auf der Ferse auftreten und bewegen sich humpelnd-hüpfend fort. Nachdem ein akuter Gichtanfall abgeklungen ist, folgt meist die sogenannte interkritische Phase der Gicht, die ohne Beschwerden verläuft.

Interkritische Phase

Die Gicht nimmt zwischen zwei Gichtanfällen einen beschwerdefreien Verlauf. Diese Zeitspanne bezeichnet man als interkritische Phase. Sie kann Monate bis Jahre andauern. Je länger die Gicht unbehandelt fortbesteht, desto mehr verkürzt sich die symptomfreie Zeit jedoch, bis schliesslich das letzte Stadium der Gicht erreicht ist. Zunehmend treten auch in den Zwischenzeiträumen Schmerzen auf.

Chronisch verlaufende Gicht

Die Gicht kann bei später Diagnose oder unzureichender Behandlung in einen chronischen Verlauf übergehen. Dies geschieht jedoch sehr selten. Die chronisch verlaufende Gicht ist gekennzeichnet durch ständige Schmerzen und bleibende Gelenkveränderungen, die zunehmend Beschwerden bereiten. An den Sehnenansätzen in der Nähe der Gelenke (v.a. an Ellenbogen, Händen und Füssen) bilden sich häufig sogenannte Gichtknoten (Gichttophi) – schmerzlose, harte Knötchen unter der Haut, die eine Grösse von bis zu einem Zentimeter erreichen. Wenn sie aufbrechen, entleert sich eine weisse Masse, die überwiegend aus Harnsäure besteht. Die Gichtknoten können sich auch ausserhalb von Gelenken bilden, häufig am Rand des Ohrknorpels.

Komplikationen

Eine Gicht kann im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen: Neben ausgeprägten Gelenkschäden (Arthritis urica) kann es zur Ablagerung von Harnsäure in der Niere kommen. Diese abgelagerte Harnsäure und die damit verbundenen Entzündungsreaktionen können ein bleibendes Nierenversagen hervorrufen (sog. chronische Gichtniere).

Ist die Niere im Gicht-Verlauf akut durch Harnsäure geschädigt (sog. Uratnephropathie), kommt es dagegen zu einem plötzlichen Nierenversagen, wenn massiv Harnsäure ins Nierengewebe eindringt. Dies kann beispielsweise passieren, wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit bekommt und einen hochkonzentrierten, sauren Urin bildet. Über einen ähnlichen Ablauf können sich Nierensteine bilden.

Diese Komplikationen im fortgeschrittenen Gicht-Verlauf kann man durch entsprechende Therapiemassnahmen heilen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Betroffenen mehr trinken.

8. Vorbeugen

Da die Gicht in der Regel durch erbliche Veranlagung entsteht, können Sie ihr nicht vorbeugen.

Bei einer bestehenden Gicht können Sie allerdings einiges tun, um Gichtanfälle oder eine chronische Gicht zu verhindern: So können Sie beispielsweise Ihre Medikamente regelmässig einnehmen, die Ihr Arzt Ihnen zur Senkung des erhöhten Harnsäurespiegels im Blut (Hyperurikämie) verordnet hat.

Die richtige Ernährung spielt nicht nur bei der Behandlung von Gicht eine wichtige Rolle, sondern ist auch eine wirksame Massnahme zum Vorbeugen von Gichtanfällen oder einer chronisch verlaufenden Gicht: Mit einem geeigneten Ernährungsplan können Sie die Gicht möglicherweise so positiv beeinflussen, dass Ihr Arzt Ihre Medikamente in geringerer Dosierung verabreichen oder sie sogar völlig absetzen kann. Die allgemeinen Tipps zur Ernährung bei Gicht lauten:

  • Abbau von Übergewicht: Es ist wichtig, dass Ihr Body-Mass-Index (BMI) kleiner als 25 ist. Bei einer Gewichtsabnahme ist aber auf völliges Fasten zu verzichten.
  • Purinarme Kost: Essen Sie bei Gicht purinreiche Nahrungsmittel nur in geringen Mengen, da der Körper die in der Nahrung enthaltenen Purine zu Harnsäure umbaut. Eine purinarme Ernährung bei Gicht hilft, den Harnsäurespiegel zu senken beziehungsweise zu stabilisieren. Die unten stehende Tabelle listet Lebensmittel auf und gibt an, wie viel Harnsäure im Körper aus ihnen entsteht.
  • Alkoholverzicht: Verzichten Sie bei Gicht möglichst auf Alkohol, da er zu einem Anstieg der Harnsäurekonzentration im Blut führt. Vor allem Alkoholexzesse und auch dauerhafter Alkoholkonsum sind ungünstig, da sie einen erneuten Gichtanfall auslösen können.
  • Hohe Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie viel, mindestens zwei Liter täglich, am besten in Form von Mineralwasser, Kräutertee und/oder Früchtetee. Übrigens: Kaffee, schwarzen Tee oder Kakao können Sie – trotz der darin enthaltenen Purine – zusätzlich bedenkenlos trinken, da der Organismus sie nicht in Harnsäure umwandelt und sie so den Harnsäurespiegel nicht erhöhen.

Menge Lebensmittel daraus sich ergebende
Harnsäure in Milligramm
1 Glas (150 ml) Milch 0
100 g Quark 0
125 ml Bohnenkaffee oder Tee 0
5 g Kaviar 1
30 g Speck 3
30 g Gouda, 45% F.i.Tr. 5
10 g Zwieback 6
50 g Zwiebeln 8
30 g Camembert, 45% F.i.Tr. 9
100 g Vanilleeis 10
200 g Salatgurke 12
20 g (Esslöffel) Tomatenketchup 12
150 ml Cola 15
50 g Brötchen 20
200 g Tomaten 20
150 g Äpfel 23
200 ml Orangensaft 24
125 g Weintrauben 25
250 ml Bier (Pils) 25
200 g Kartoffeln, gekocht 30
125 g Erdbeeren 31
125 g Teigwaren eifrei, gekocht 38
25 g Sonnenblumenkerne 40
125 g Naturreis, gekocht 44
100 g Tofu 70
100 g Soja-Knackwurst 100
200 g Spinat 100
200 g Rosenkohl 120
115 g Bockwurst 127
125 g Putenschnitzel, Rohgewicht 150
125 g Rinderfilet, Rohgewicht 188
150 g Scholle, ohne Haut, Rohgewicht 195
150 g weisse Dosenbohnen 195
125 g Schweinefilet, Rohgewicht 213
125 g Entenbraten mit Haut 225
150 g Forelle mit Haut, Rohgewicht 300
200 g grüne Erbsen 300
125 g Kalbsleber, Rohgewicht 325
100 g Ölsardinen 350
100 g Sprotten 500
125 g Kalbsbries, Rohgewicht (Thymus) 1.125