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1. Überblick

Der Begriff Glaukom (grüner Star) fasst Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Druck im Inneren des Auges erhöht ist. Bei unzureichender Behandlung können sie den Sehnerv schädigen und Sehstörungen mit eingeschränktem Gesichtsfeld (sog. Gesichtsfeldausfall) und Erblindung hervorrufen.

Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind von einem Glaukom betroffen. Das Risiko daran zu erkranken, steigt insbesondere mit zunehmendem Lebensalter.

Es existieren verschiedene Formen des Glaukoms:

Am häufigsten ist das primäre Offenwinkelglaukom. Die Erkrankung schädigt langsam und dauerhaft den Sehnerv, wobei die Betroffenen lange Zeit keine Beschwerden verspüren. Wird die Erkrankung früh erkannt, lässt sie sich mit Augentropfen gut behandeln. Ist eine Therapie des Glaukoms mit Augentropfen nicht ausreichend, kann der grüne Star mit einem Laser oder operativ behandelt werden.

Das akute Glaukom ist eine weitere Form des grünen Stars. Hier liegt ein augenärztlicher Notfall vor, der eine sofortige Behandlung erfordert. Bei einem akuten Glaukom ist das betroffene Auge steinhart und gerötet – die Betroffenen klagen über Schmerzen und Sehstörungen. Eine sofortige Behandlung verspricht in der Regel gute Heilungschancen. Unbehandelt kann ein akutes Glaukom zur Erblindung führen.

Weitere Glaukom-Formen sind das angeborene (kongenitale) Glaukom und das Sekundärglaukom. Bei letzerem entsteht ein Glaukom als Folge anderer Augenerkrankungen oder Allgemeinerkrankungen.

Ab dem 40. Lebensjahr wird eine regelmässige Glaukom-Früherkennung empfohlen.

2. Definition

Das Glaukom (grüner Star) ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Erkrankungen des Auges, die meist drei gemeinsame Charakteristika aufweisen:

  • erhöhter Augeninnendruck
  • Sehstörungen, die das Gesichtsfeld einschränken (Gesichtsfeldausfall). Das Gesichtsfeld bezeichnet den gesamten Bereich, der ohne Bewegung von Kopf und Augen sichtbar ist.
  • der Kopf des Sehnervs (Papille) wird trichterförmig ausgeformt (Papillenexkavation) und sein Gewebe schrumpft (Atrophie)

Mediziner unterscheiden fünf verschiedene Formen des Glaukoms:

  • primäres Offenwinkelglaukom
  • Glaukom ohne erhöhten Augeninnendruck (Normaldruckglaukom)
  • akutes Glaukom bzw. Glaukomanfall (primäres Winkelblockglaukom)
  • primäres angeborenes (kongenitales) Glaukom
  • eine Augeninnendruck-Erhöhung als Folge einer anderen Augenerkrankung oder einer Allgemeinerkrankung (Sekundärglaukom)

Häufigkeit

Von einem Glaukom sind mit einer Häufigkeit von etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen oder stark gefährdet. In den Industrieländern ist der grüne Star eine der häufigsten Erblindungsursachen.

Das primäre Offenwinkelglaukom stellt die häufigste Form des Glaukoms dar. Es betrifft vor allem ältere Menschen – 70- bis 80-Jährige erkranken achtmal so oft wie 30- bis 40-Jährige. Das Erkrankungsrisiko ist bei jüngeren Männern und Frauen gleich hoch.

Das akute Glaukom kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten, allerdings nimmt die Häufigkeit mit höherem Lebensalter deutlich zu. Frauen erkranken im Alter etwas häufiger an grünem Star als Männer.

Das primäre angeborene (kongenitale) Glaukom ist selten und tritt meist innerhalb des ersten Lebensjahrs auf.

3. Ursachen

Tritt ein Glaukom (grüner Star) auf, ist eine der Ursachen meist ein erhöhter Druck im Inneren des Auges. Der Grund: Der sogenannte Ziliarkörper im Innern des Auges produziert fortwährend Flüssigkeit, die den vorderen Teil des Augapfels ausfüllt – das Kammerwasser. Ist der natürliche Abfluss des Kammerwassers gestört, erhöht sich der Druck.

Der erhöhte Augeninnendruck schädigt in erster Linie den empfindlichen Sehnerv. Das geschädigte Gewebe des Sehnervs ist nicht mehr in der Lage, alle Informationen an das Gehirn weiterzugeben. Die Betroffenen bekommen Sehstörungen, die das Gesichtsfeld einschränken (sog. Gesichtsfeldausfälle). Sie sind für das Glaukom typisch. Als Gesichtsfeld bezeichnet man den Bereich, den man sieht, wenn man weder die Augen noch den Kopf bewegt.

Ein Glaukom kann auch bei normalem Augeninnendruck entstehen, weshalb weitere Ursachen diskutiert werden. Beispielsweise ist es möglich, dass Durchblutungsstörungen am Sehnerven und der Netzhaut eine Rolle spielen. Infrage kommen auch Gefässerkrankungen und Blutdruckstörungen.

Bei einem primären Offenwinkelglaukom erhöhen zudem verschiedene Faktoren das Entstehungsrisiko:

  • Alter über 65 Jahre
  • gehäuftes Auftreten in der Familie
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • schwere Entzündungen am Auge
  • Kurzsichtigkeit
  • Kortisonbehandlungen

Wichtige Risikofaktoren für die Entstehung eines akuten Glaukoms sind:

  • ein zu kurzer Augapfel, der häufig bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) auftritt
  • gehäuftes Auftreten in der Familie

Beim primären kongenitalen Glaukom liegt eine erbliche Veranlagung vor. Die Art der Vererbung ist aber noch nicht genau erforscht.

4. Symptome

Offenwinkelglaukom

Bei einem primären Offenwinkelglaukom sind Augentropfen eine geeignete Therapie, um den Augendruck zu senken. Es stehen verschieden Wirkstoffe zur Verfügung, die auch kombiniert werden können.

Senken die Augentropfen den Augeninnendruck nicht, hilft in einigen Fällen eine Laserbehandlung. Allerdings senkt die Lasertherapie den Druck nur gering und nicht dauerhaft. Dann hilft oft nur die operative Methode. Bei der Glaukom-Operation schafft der Operateur einen künstlichen Abfluss für das Augenwasser. Die Operation erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung, also ohne Vollnarkose.

Akutes Glaukom

Das akute Glaukom stellt einen Notfall dar, der sofort behandelt werden muss. Als erstes senkt der Arzt den Augendruck des Patienten mithilfe von Medikamenten. Im Anschluss erfolgt eine Operation (alternativ mittels Laser).

Primäres kongenitales Glaukom

Das primäre angeborene (kongenitale) Glaukom fällt durch lichtscheue, tränende Augen auf. Die Lider sind dabei verkrampft. Sehr grosse Augen bei Säuglingen sind möglicherweise ein Hinweis für ein Glaukom und sollten unbedingt von einem Facharzt abgeklärt werden.

Sekundärglaukom

Ein Sekundärglaukom verläuft entweder ohne Symptome oder mit den typischen Glaukom-Symptomen, je nach zu Grunde liegender Erkrankung.

5. Diagnose

Offenwinkelglaukom

Bei einem primären Offenwinkelglaukom stellt der Augenarzt die Diagnose anhand verschiedener Untersuchungen: Er beurteilt den Augeninnendruck, das Gesichtsfeld und den Augenhintergrund. In einigen Fällen benötigt er langjährige Verlaufskontrollen mit einer Dokumentation aller Befunde, um ein Glaukom zu diagnostizieren.

Akutes Glaukom

Den entscheidenden Hinweis für ein akutes Glaukom geben die Symptome. Der Augenarzt kann die Diagnose dann durch das Messen des Augeninnendrucks und durch die Untersuchung der vorderen Augenabschnitte sowie des Kammerwinkels leicht bestätigen. Der Kammerwinkel ist der Winkel zwischen Iris (Regenbogenhaut) und Hornhaut – hier fliesst normalerweise die Flüssigkeit ab, die den vorderen Teil des Auges ausfüllt (Kammerwasser).

Primäres angeborenes (kongenitales) Glaukom

Beim Verdacht auf ein primäres angeborenes (kongenitales) Glaukom kann der Augenarzt die sichere Diagnose nur durch eine Untersuchung des betroffenen Kindes in Narkose stellen.

Sekundärglaukom

Bei Sekundärglaukomen steht diagnostisch der erhöhte Augeninnendruck im Vordergrund. Die Diagnose ergibt sich dann aus den zu Grunde liegenden Erkrankungen.

Ein Glaukom kann auch dann vorliegen, wenn der Augeninnendruck im Normbereich liegt. Für ein empfindliches Auge kann ein normaler Druck bereits ausreichen, den Sehnerv zu schädigen. Umgekehrt verursacht erhöhter Augeninndruck nicht unbedingt immer ein Glaukom. In diesem Fall ist die Toleranzgrenze des entsprechenden Auges höher als der Normbereich. Der obere Normbereich des Augeninnendrucks liegt bei circa 21 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Mit höherem Alter kann der Druck steigen.

Eine Messung der Hornhautdicke ist daher ein sinnvolle Zusatzuntersuchung, wenn der Augeninnendruck im Grenzbereich liegt. Sie gibt dem Augenarzt zusätzliche Informationen, mit denen er die Messungen des Augeninnendrucks ergänzen und somit besser einschätzen kann.

6. Therapie

Ein Glaukom (grüner Star) erfordert eine augenärztliche Therapie. Die Behandlung richtet sich dabei nach der Form des Glaukoms.

Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom verläuft lange ohne erkennbare Symptome (asymptomatisch). Typischerweise spüren die Betroffenen keine Schmerzen. Bei hohem Augeninnendruck ist es jedoch möglich, dass ein sogenanntes Epithelödem beim Sehen farbige Ringe oder Höfe um Lichtquellen verursacht. Bei einem Epithelödem lagert sich Wasser in der äussersten Schicht der Hornhaut des Auges ein.

Im späteren Verlauf entwickeln sich Gesichtsfeldausfälle und die Betroffenen können erblinden. Bei Gesichtsfeldausfällen handelt es sich um Sehstörungen, die einen Teil des Sehbereichs betreffen, der ohne Bewegung des Kopfes oder der Augen wahrnehmbar ist.

Akutes Glaukom

Das akute Glaukom fällt durch ein steinhartes, rotes Auge auf. Die Pupille reagiert nicht mehr auf Licht (Lichtstarre). Die Betroffenen empfinden Schmerzen und leiden unter Sehstörungen. Häufig berichten Patienten auch von Kopfschmerzen, klagen über Übelkeit und/oder müssen sich übergeben.

Primäres angeborenes (kongenitales) Glaukom

Die Behandlung des angeborenen (kongenitalen) Glaukoms geschieht immer operativ.

Sekundärglaukom

Die Therapie eines Sekundärglaukoms hängt von der zu Grunde liegenden Erkrankung ab. Diese sollte zunächst behandelt werden. Für das Glaukom selbst eignet sich die Behandlung wie beim primären Offenwinkelglaukom, also in erster Linie mit Augentropfen.

7. Verlauf

Bei einem Glaukom (grüner Star) hängt der Verlauf besonders von der Form der Erkrankung ab:

  • Ein rechtzeitig erkanntes akutes Glaukom hat bei geeigneter Behandlung sehr gute Heilungschancen. Bleibt es allerdings unbehandelt, können die Betroffenen schnell erblinden.
  • Ein primäres Offenwinkelglaukom schädigt langsam und chronisch den Sehnerv. Der Krankheitsprozess verläuft über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Therapien stoppen oder verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung.
  • Bei einem angeborenen (kongenitalen) Glaukom ist eine rechtzeitige Therapie besonders wichtig, da so die betroffenen Kinder in den meisten Fällen nicht erblinden. Aber auch bei rechtzeitiger Behandlung kommt es häufig zu eingeschränkter Sehschärfe.
  • Bei einem Sekundärglaukom hängt der Verlauf von der zu Grunde liegenden Erkrankung ab, welche das Glaukom verursacht.

Generell gilt: Ein unbehandeltes Glaukom führt in vielen Fällen zur Erblindung des betroffenen Auges. Eine Therapie kann Sehstörungen, die das Gesichtsfeld einschränken (Gesichtsfeldausfälle), dann nicht mehr beheben.

8. Vorbeugen

Einem Glaukom (grüner Star) lässt sich am besten durch regelmässige Augeninnendruck-Messungen vorbeugen. Dies ist besonders nach Verletzungen des Auges ratsam.

Eine Glaukom-Früherkennung wird bei Menschen durchgeführt, die noch keinerlei Beschwerden haben. Viele Augenärzte empfehlen ab dem 40. Lebensjahr alle drei bis fünf Jahre eine Untersuchung auf grünen Star.

Wer bereits Beschwerden hat oder einer Risikogruppe angehört, sollte sich entsprechend häufiger untersuchen lassen. In diesen Fällen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten der Untersuchung.

Zur Risikogruppe gehören folgende Personen:

  • Ältere Menschen über 65 Jahre
  • Angehörige einer Familie mit Glaukom-Patienten
  • Diabetiker
  • Personen mit vergangener schwerer Entzündung am Auge
  • Stark kurzsichtige Menschen (Kurzsichtigkeit)
  • Patienten, die mit Kortison behandelt werden
  • Menschen mit kurzem Augapfel, der häufig bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) auftritt
  • Personen mit vergangenen Augenverletzungen