1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Hallux valgus (Schiefstand des Grosszehs, Ballenzeh)

Von

1. Überblick

Der Hallux valgus, auch als Ballenzeh bezeichnet, ist die häufigste Zehenfehlstellung des Menschen. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass die normale Stellung der Grosszehe nach aussen abweicht und sich der Kopf des Mittelfussknochens am inneren Rand deutlich sichtbar gegen die Haut drückt.

Für einen Hallux valgus kommen verschiedene Ursachen infrage: Er kann beispielsweise erblich bedingt sein, durch einen in Fehlstellung verheilenden Knochenbruch oder durch entzündliche Gelenkveränderungen entstehen. Doch als häufigster Grund für die Entstehung eines Hallux valgus gilt das jahrelange Tragen zu enger und geschlossener Schuhe. Daher ist er in der westlichen Zivilisation wesentlich häufiger zu finden als bei Naturvölkern. Überwiegend betroffen sind Frauen im fortgeschrittenen Alter.

Ein Hallux valgus bereitet oft wenige Beschwerden. Wenn sich die Zehenfehlstellung schmerzhaft bemerkbar macht, setzen die Schmerzen in der Regel an der Basis der Grosszehe ein, wo das Köpfchen des ersten Mittelfussknochens an der Innenseite hervorspringt (sog. Pseudoexostose). Die Haut und der darunter liegende Schleimbeutel sind mechanisch gereizt. Zu den möglichen Folgen gehören Entzündungen, Schwellungen und Schleimbeutelentzündungen. Zusammen mit dem Hallux valgus besteht oft eine schmerzhafte Arthrose im Zehengrundgelenk. Der schmerzhafte Zustand verschlechtert sich im Laufe der Zeit. Die Grosszehe kann beim Hallux valgus bis zu 90 Grad von der Grundstellung nach innen abweichen.

Barfusslaufen, spezielle Fussgymnastik und entsprechende Einlagen sind wirksame Massnahmen zum Vorbeugen des Hallux valgus und anderer Zehenfehlstellungen. Der fortschreitende Verlauf eines bestehenden Hallux valgus lässt sich dadurch aber meist nur in geringem Masse aufhalten. Zur Heilung stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung, die jedoch grundsätzlich nur bei Beschwerden und nicht aus rein kosmetischen Gründen empfehlenswert sind. Erfolgt die passende Operation, ist die Prognose des Hallux valgus gut.

2. Definition

Der Hallux valgus ist eine Fehlstellung der grossen Zehe, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Grosszehe im Grundgelenk aus ihrer normalen Achse seitlich nach aussen abgewinkelt (lat. valgus = schief) und die Zehe gleichzeitig nach innen gedreht ist (Innenrotation). Diese Abweichung der Grosszehe von ihrer Normalstellung führt dazu, dass der Mittelfussknochen, der die Grosszehe trägt (der 1. Metatarsalknochen), zur Körpermitte hin abgespreizt ist. Dadurch drückt der Kopf des Mittelfussknochens gut sichtbar von innen gegen die Haut und den darunter entstandenen Schleimbeutel. Da der Zehenballen der Grosszehe infolgedessen verdickt ist, spricht man beim Hallux valgus auch vom Ballenzeh. Es entsteht der Eindruck, dass sich am Mittelfussknochen ein echter Knochenauswuchs (sog. Exostose) gebildet hat: Diese scheinbare knöcherne Auswachsung bezeichnet man als Pseudoexostose (griech. pseudo = falsch).

Der Hallux valgus entwickelt sich meistens in Verbindung mit einem Spreizfuss. Beide Fussformänderungen beeinflussen sich gegenseitig negativ.

Häufigkeit

Zehenfehlstellungen wie der Hallux valgus treten in der westlichen Zivilisation mit grosser Häufigkeit auf. Es sind überwiegend Menschen betroffen, die über lange Zeit enges und geschlossenes Schuhwerk getragen haben. Dagegen bildet sich in Ländern und Kulturkreisen, in denen die Menschen keine oder offene Schuhe (z.B. Sandalen) tragen, seltener ein Hallux valgus aus.

Von allen Zehenfehlstellungen weist der Hallux valgus die grösste Häufigkeit auf. Frauen sind deutlich öfter betroffen als Männer. Der Hallux valgus entwickelt sich im Laufe des Lebens, so dass er im Alter zunehmend häufiger auftritt.

3. Ursachen

Ein Hallux valgus kann verschiedene Ursachen haben: Er kann beispielsweise angeboren sein, durch einen in Fehlstellung verheilenden Knochenbruch oder durch entzündliche Gelenkveränderungen entstehen.

Als häufigste Ursache für die Entstehung eines Hallux valgus gilt jedoch das Tragen von zu engem Schuhwerk: Enge Schuhe drücken die Grosszehe ständig nach aussen in Richtung der anderen Zehen. Mit fortschreitender Achsenabweichung der Grosszehe ändert sich auch die Zugrichtung der Muskeln, die die Zehe normalerweise nach innen ziehen und somit gerade halten: Statt von den anderen Zehen weg nach innen ziehen die Muskeln die Grosszehe mit der Zeit immer mehr fusssohlenwärts (Flexion) und wenden sie einwärts (Pronation). Dem Druck der Schuhspitze steht dann keine aktive Kraft mehr entgegen und die Grosszehe weicht dauerhaft von ihrer normalen Stellung ab. Zusätzlich zieht die lange Strecksehne die Grosszehe noch weiter nach aussen und verschlechtert den Zustand zunehmend.

Erbliche Ursachen sind dabei nicht auszuschliessen: Bei mehr als der Hälfte aller Menschen mit Hallux valgus finden sich weitere Familienangehörige mit derselben Zehenfehlstellung. Dies lässt auf eine gewisse Veranlagung schliessen, einen Hallux valgus zu entwickeln.

4. Symptome

Ein Hallux valgus zeigt häufig nur Symptome, die rein kosmetischer Natur sind: Obwohl die Zehenfehlstellung weit verbreitet ist, bereitet sie in den meisten Fällen wenige Beschwerden. Kennzeichnend für den Hallux valgus ist die im Grundgelenk aus ihrer normalen Achse seitlich nach aussen abgewinkelten grossen Zehe (lat. valgus = schief), die gleichzeitig nach innen gedreht ist. Durch diese Schiefstellung der Grosszehe ist der Mittelfussknochen, der die Grosszehe trägt, zur Körpermitte hin abgespreizt, so dass das Köpfchen des Mittelfussknochens gut sichtbar von innen gegen die Haut und den darunter entstandenen Schleimbeutel drückt: Der Zehenballen der Grosszehe ist somit verdickt, weshalb man den Hallux valgus auch als Ballenzehe bezeichnet. Es sieht so aus, als hätte sich am Mittelfussknochen ein echter Knochenauswuchs (sog. Exostose) gebildet. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Anzeichen für den Hallux valgus um eine sogenannte Pseudoexostose (griech. pseudo = falsch).

Wenn ein Hallux valgus schmerzhafte Symptome verursacht, so beginnen diese in der Regel an der Basis der Grosszehe, wo sich die Pseudoexostose befindet. An dieser Stelle ist der Fuss am breitesten, dementsprechend drücken Schuhe hier am stärksten. Die Haut und der darunter liegende Schleimbeutel sind mechanisch gereizt. Infolge eines Hallux valgus können Entzündungen, Schwellungen, nicht durch Bakterien hervorgerufene und sogar bakterielle Schleimbeutelentzündungen (Bursitis) entstehen. Im weiteren Verlauf kann sich ein chronisch wiederkehrender schmerzhafter Zustand entwickeln.

Auch das Zehengrundgelenk bleibt bei einem Hallux valgus nicht unbeteiligt. Es beginnt aufgrund der Schiefstellung oft zu schmerzen, verliert seine Beweglichkeit und verschleisst zunehmend. So kann sich beim Hallux valgus ein schwerwiegender Gelenkverschleiss (Arthrose) des Zehengrundgelenks ausbilden. Die Symptome verschlechtern sich im Laufe der Zeit. Schmerzen und Entzündungen bleiben bestehen und die Grosszehe kann bis zu 90 Grad von der Grundstellung nach innen abweichen. Hierbei kann sich die Grosszehe in extremen Fällen über die zweite und dritte Zehe legen. Häufig tritt ein Spreizfuss zusammen mit dem Hallux valgus auf.

5. Diagnose

Bei einem Hallux valgus erfolgt die Diagnose im Allgemeinen anhand der beschriebenen Symptome und des Untersuchungsbefunds. An der Basis der Grosszehe – also am Zehenballen – ist beim Hallux valgus das hervorspringende Köpfchen des ersten Mittelfussknochens an der Innenseite deutlich zu sehen (sog. Pseudoexostose). An dieser Stelle ist der Fuss am breitesten, so dass hier Schuhe am stärksten drücken. So lassen sich die Druckbeschwerden bei Hallux valgus erklären. Die Haut über diesem Bereich erscheint gereizt, gerötet und entzündlich verändert.

Mithilfe einer Röntgenaufnahme des Fusses lässt sich die Fehlstellung der betroffenen Fussknochen genau untersuchen. Es ist ratsam, die Röntgenaufnahme im Stehen anzufertigen. Ein Spreizfuss, der häufig zusammen mit einem Hallux valgus auftritt, ist im Röntgenbild deutlich erkennbar. Zusätzlich fällt hier im fortgeschrittenen Zustand eine Grosszehengrundgelenksarthrose auf.

6. Therapie

Bei einem Hallux valgus zielt die Therapie darauf ab, bestehende Schmerzen zu verringern, die Fehlstellung der Grosszehe zu korrigieren und die Funktionsfähigkeit des Fusses zu verbessern. Eine konservative (d.h. nicht-operative) Therapie kann nur im Frühstadium bei leichten Fällen verhindern, dass sich die Zehenfehlstellung verschlechtert. In der Regel lässt sich ein Hallux valgus nur mithilfe einer Operation heilen.

Konservative Therapie

Bei einem leicht ausgeprägten Hallux valgus besteht die konservative Therapie am besten vor allem darin, für eine Druckentlastung des Fusses – besonders des Grosszehenballens – zu sorgen. Dies bedeutet: Wenn Sie einen Hallux valgus haben, ist es wichtig, häufiger barfuss zu laufen, offene oder geweitete Schuhe zu tragen sowie ringförmige Schaumstoffpolster in Ihre Schuhe einzulegen. Mit speziellen Einlagen können Sie Ihren Fuss weiter stabilisieren.

Daneben kann eine physikalische Therapie mit Krankengymnastik und selbst durchgeführter Fussgymnastik dazu beitragen, dass sich der Hallux valgus nicht verschlimmert.

Wenn sich im fortgeschrittenem Stadium des Hallux valgus an der Stelle, an der das Köpfchen des Mittelfussknochens hervorspringt (Pseudoexostose), die Haut verändert und entzündet, kann Ihnen eine örtliche entzündungshemmende Therapie helfen. Hierzu stehen feuchte Umschläge mit Ethacridin-haltigen Salben, Salbenverbände (Diclofenac) sowie bei schweren Entzündungen, die nicht durch Bakterien entstanden sind, gelegentlich auch Kortisonspritzen zur Verfügung.

Operation

Ein Hallux valgus lässt sich in den meisten Fällen nur durch eine operative Therapie beheben. Dennoch ist es wichtig, die Entscheidung für eine Operation vorsichtig zu treffen und genau zu überprüfen – vor allem bei Jugendlichen. Fusschirurgie ist grundsätzlich nur ratsam, wenn der Hallux valgus Beschwerden bereitet. Die Zehenfehlstellung aus rein kosmetischen Gründen zu operieren ist nicht empfehlenswert, denn: Ein operativer Eingriff am Fuss ist keinesfalls eine Kleinigkeit und kann schwerwiegende Folgen für die Statik Ihres Fusses und für Ihre gesamte Lebensqualität mit sich bringen.

Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn der Hallux valgus beispielsweise mit hohem Leidensdruck, verminderter Lebensqualität, grossen Problemen beim Schuhetragen und Funktionseinschränkungen einhergeht oder durch die fortschreitende Grosszehenfehlstellung gar eine Fehlstellung der Kleinzehen zu erwarten ist. Zur operativen Therapie eines Hallux valgus stehen etwa 150 verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung, die sich zum Teil nur geringfügig unterscheiden. Die Wahl der Methode hängt zum einen von Ihren Beschwerden, zum anderen von der Erfahrung des Operateurs ab.

Operation nach Keller-Brandes

Bei einem schweren Hallux valgus kann zur Therapie eine Operation nach Keller-Brandes erfolgen. Diese Operationsmethode kommt infrage, wenn Sie älter als 30 bis 40 Jahre sind und eine hochgradige Grosszehenfehlstellung und fortgeschrittene Arthrose im Zehengrundgelenk haben. Bei der Operation nach Keller-Brandes trägt der Operateur zwei Drittel des Grundgelenks der Grosszehe ab und meisselt den Knochenvorsprung an der inneren Seite des Mittelfussknochens ab. Ein Nachteil dieser Hallux-valgus-Behandlung besteht darin, dass die vorgenommene Zehenverkürzung kosmetisch häufig störend wirkt, weil die zweite Zehe die erste Grosszehe überragt.

An die Operation nach Keller-Brandes schliesst sich eine Nachbehandlung an: Diese besteht darin, den betroffenen Fuss hochzulagern und örtlich mit Eis zu behandeln; daneben kommen entzündungshemmende Massnahmen sowie eine Thromboseprophylaxe zum Einsatz. Ausserdem ist es nach der operativen Therapie des Hallux valgus ratsam, drei Monate lang eine Schiene (Nachtschiene) zu tragen. Etwa sechs Wochen nach der operativen Korrektur des Hallux valgus ist die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt.

Operation nach McBride

Bei einem Hallux valgus kommt zur Therapie die Operation nach McBride infrage, wenn Sie die Fehlstellung der Grosszehe noch selbst passiv ausgleichen können und wenn keine (oder allenfalls eine geringgradige) Arthrose im Grosszeh vorliegt. Diese Operationsmethode kommt hauptsächlich bei jüngeren Menschen zum Einsatz.

Das Ziel dieser Operation nach McBride besteht darin, den beim Hallux valgus bestehenden Knochenvorsprung abzumeisseln und die einzelnen Zehmuskeln (Muskulus adductor) und die Kapsel zu verlagern und zu straffen. Die Nachbehandlung ist bei dieser Therapie dieselbe wie bei jeder anderen Methode: Der betroffene Fuss ist hochzulagern und örtlich mit Eis zu behandeln. Daneben erfolgen entzündungshemmende Massnahmen sowie eine Thromboseprophylaxe. Auch hier ist die Arbeitsfähigkeit etwa sechs Wochen nach der operativen Behandlung wiederhergestellt.

Ein Hallux valgus, bei dem die Fehlstellung der Grosszehe nicht mit arthrotischen Veränderungen des Gelenks verbunden ist, lässt sich besonders bei jüngeren Menschen auch mithilfe der Methode nach Kramer und der Basisosteotomie des Mittelfussknochens (Os Metatarsale) operativ behandeln.

7. Verlauf

Bleibt ein Hallux valgus unbehandelt, nimmt er in der Regel einen fortschreitenden Verlauf: Die Fehlstellung der Zehen verstärkt sich in den meisten Fällen mehr und mehr. Dies ist jedoch nicht zwangsläufig mit Schmerzen oder starkem Leidensdruck verbunden.

Bei einem mit einer geeigneten Operationsmethode behandelten Hallux valgus ist die Langzeitprognose gut. Nach dem operativen Eingriff ist jedoch mit einer längeren Arbeits- und Sportunfähigkeit zu rechnen. Bei Verfahren zur Behandlung des Hallux valgus, die Knochenkorrekturen beinhalten, ist von einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten auszugehen.

8. Vorbeugen

Es gibt einige wirksame Massnahmen, mit denen Sie einem Hallux valgus vorbeugen können. So ist es ratsam, grundsätzlich Schuhe mit genügend Zehenspielraum und flachen Absätzen zu tragen. Vor allem Kinderschuhe sind häufig zu klein und stellen so schon frühzeitig die Weichen für die Entwicklung von Zehenfehlstellungen wie dem Hallux valgus. Achten Sie daher zum Schutz vor solchen Entwicklungen ganz besonders darauf, dass die Schuhe (oder auch Socken) Ihrer Kinder die Füsse nicht einengen. Häufiges Baurfusslaufen ist ebenso empfehlenswert wie regelmässige Fussgymnastik. Hierbei sind vor allem Übungen geeignet, bei denen Sie die Grosszehe abspreizen.

Wenn Sie schon einen Hallux valgus haben, können Sie einer zunehmenden Verschlimmerung vorbeugen: Auch hierzu ist Zehengymnastik geeignet; daneben sind bei Hallux valgus entsprechende Einlagen für Ihre Schuhe empfehlenswert.