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1. Überblick

Eine Helicobacter-pylori-Infektion ist ein bakterieller Befall der Magenschleimhaut, der bei den Betroffenen häufig gar keine Beschwerden hervorruft, allerdings die Entstehung von Folgeerkrankungen wie dem Magengeschwür begünstigen kann.

Der namensgebende Erreger Helicobacter pylori (kurz HP) ist ein stäbchenförmiges Bakterium, das trotz des extrem sauren pH-Werts im Magen überleben und eine Infektion verursachen kann. Helicobacter pylori lebt auf und innerhalb der Schleimschicht des Magens. Das Bakterium ist weltweit verbreitet. Wie es zur Übertragung von HP kommt, ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich steckt man sich meist oral (über den Mund) an.

Helicobacter pylori ist massgeblich an der Entstehung von Magenschleimhautschäden (wie Magenschleimhautentzündung) und Geschwüren im oberen Magen-Darm-Trakt beteiligt. Ausserdem ist eine Helicobacter-pylori-Infektion mit einem erhöhten Risiko verbunden, an Magenkrebs oder Lymphdrüsenkrebs im Magen (sog. MALT-Lymphom) zu erkranken.

Eine Helicobacter-pylori-Infektion verläuft oft ohne Symptome.

Sie kann sich aber auch durch Beschwerden im Oberbauch äussern. Die Betroffenen klagen dann zum Beispiel über Magendrücken, Blähungen, Sodbrennen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Bei Verdacht auf eine Helicobacter-pylori-Infektion bieten besondere Testverfahren wie der Harnstoff-Atemtest die Möglichkeit, die Diagnose zu festigen. Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) erlaubt dem untersuchenden Arzt ausserdem, eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) zu entnehmen. Im Labor zeigt sich dann, ob das Bakterium Helicobacter pylori die Magenschleimhaut befallen hat oder nicht.

Therapeutisch setzen Ärzte spezielle Antibiotika zusammen mit Wirkstoffen ein, welche die Säureproduktion im Magen hemmen (sog. Protonenpumpenhemmer). Geläufig ist dabei die Dreifach-Kombination, auch Triple-Therapie genannt. Sie besteht aus zwei antibiotischen Substanzen und einem Protonenpumpenhemmer. Auch eine Vierfach-Kombination ist möglich. Nach der medikamentösen Behandlung, die Mediziner auch als «Eradikation» bezeichnen, ist die Magenschleimhaut in der Regel vom bakteriellen Befall befreit.

2. Definition

Die Helicobacter-pylori-Infektion ist eine Besiedlung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Sie kommt beim Menschen weltweit je nach Nationalität und Volksgruppenzugehörigkeit unterschiedlich häufig vor. So sind in den sogenannten Entwicklungsländern beispielsweise 80 Prozent der 20 bis 30-Jährigen mit Helicobacter pylori infiziert – in Industrieländern ist die Infektion seltener und nimmt aufgrund des gehobenen Lebensstandards immer mehr ab. Auch das Alter spielt eine Rolle: Je älter ein Mensch ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er das Bakterium in sich trägt.

Eine Helicobacter-pylori-Infektion ruft eine chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis) hervor, die allerdings nicht bei allen Infizierten auch zu schwerwiegenden Symptomen führen muss. Jedoch kann Helicobacter pylori Ursache für viele Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sein:

  • 80 Prozent aller chronischen Magenschleimhautentzündungen sind bakteriell bedingt und haben sich meist aus einer Helicobacter-pylori-Infektion entwickelt.
  • Bei 75 Prozent der Magengeschwüre ist auch eine Helicobacter-pylori-Infektion nachweisbar.
  • Bei 99 Prozent der Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwüren ist die Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori besiedelt.
  • Veränderungen der Magenschleimhaut können die Entstehung von Magenkrebs begünstigen. Das Risiko, an Magenkrebs oder an bestimmten den Magen betreffenden Lymphomen (MALT-Lymphom) zu erkranken, ist erhöht, wenn eine Helicobacter-pylori-Infektion vorliegt.

3. Ursachen

Bei einer Helicobacter-pylori-Infektion liegen die Ursachen in der Besiedlung mit Bakterien. Helicobacter pylori gelangen vermutlich meist über den Mund in den Körper und in der Folge in den Magen.

Erreger

Helicobacter pylori ist ein Stäbchenbakterium von etwa drei Tausendstel Millimetern Grösse. Mithilfe von fadenförmigen Zellfortsätzen, den Geisseln, kann sich der Erreger fortbewegen. In der Magenschleimhaut findet Helicobacter pylori optimale Lebensbedingungen, da es unter anderem durch die Schleimhaut vor der Magensäure geschützt ist.

Helicobacter pylori bildet das Enzym Urease, ein Eiweiss, welches in den Stoffwechsel der Magenschleimhautzellen eingreift und hierüber die Produktion von Magensäure anregt. Diese Übersäuerung kann in der Folge zu chronischen Entzündungen und Magengeschwüren führen. Die Urease ist ausserdem in der Lage, Harnstoff aufzuspalten: Sie zerlegt den Harnstoff in Kohlendioxid und Ammoniak. Diese Eigenschaft ermöglicht Medizinern, Urease – und damit eine Helicobacter-pylori-Infektion – nachzuweisen. Beim sogenannten Harnstofftest kann je nach Verfahren das bei der Harnstoffspaltung entstandene Kohlendioxid in der Ausatemluft (Atemtest) oder das Ammoniak in einer Gewebeprobe nachgewiesen werden.

Ammoniak ist ein Gas, das durch seinen basischen pH-Wert die Magensäure neutralisiert und Helicobacter pylori vor dem sauren Milieu schützt, sodass es dort überleben kann.

Übertragungsweg

Die genauen Übertragungswege der Helicobacter-pylori-Infektion sind noch nicht eindeutig geklärt. Vermutlich spielen Übertragungen über Mund-zu-Mund-Kontakt, verunreinigte Lebensmittel und Wasser sowie über Haustiere eine Rolle. Als eine häufige Infektionsquelle gilt der enge Kontakt zwischen Mutter und Kind.

Mit sinkendem Hygienestandard, zum Beispiel in Entwicklungsländern, gewinnt zunehmend die sogenannte fäkal-orale Übertragung von Helicobacter pylori an Bedeutung. Dabei gelangen mit dem Stuhl ausgeschiedene Erreger über den Mund in den Magen einer anderen Person, zum Beispiel durch verunreinigtes Trinkwasser.

4. Symptome

Eine Helicobacter-pylori-Infektion verläuft oft ohne Symptome. Sie kann sich aber auch durch Beschwerden im Oberbauch äussern und Komplikationen im Magen-Darm-Bereich verursachen. Für eine Helicobacter-pylori-Infektion sind folgende Beschwerden und Symptome typisch:

5. Diagnose

Bei einer Helicobacter-pylori-Infektion spielen im Rahmen der Diagnose verschiedene Testverfahren eine Rolle. Zum einen ist es möglich, den sogenannten Antikörpertiter im Blut zu bestimmen. Generell beschreibt ein Antikörpertiter die Blutkonzentration von Antikörpern gegen einen bestimmten Erreger. Das Verfahren nutzt die Tatsache, dass das menschliche Immunsystem bei einer Infektion mit einem Krankheitserreger Antikörper gegen diesen bildet. Sind die entsprechenden Antikörper in hoher Konzentration im Blut zu finden, liegt höchstwahrscheinlich eine aktive Infektion mit dem Erreger vor. Allerdings bleiben die Antikörpertiter auch lange Zeit nach einer erfolgreichen Behandlung der Infektion erhalten. Somit ist dieser Nachweis nur bedingt für eine Helicobacter-pylori-Infektion aussagekräftig – die Diagnose sichert der Arzt dann mithilfe weiterer Untersuchungen.

Eine andere Möglichkeit, Helicobacter pylori nachzuweisen, ist der Harnstoff-Atemtest. Der Patient nimmt hierbei ein Präparat zu sich, das Harnstoff mit speziell markierten Kohlenstoffatomen, sogenannten C13-Harnstoff, enthält. Liegt eine Infektion mit Helicobacter pylori vor, spaltet das vom Bakterium produzierte Enzym Urease den Harnstoff und setzt dabei die markierten Kohlenstoffatome (C13) frei. Beim Ausatmen wird gemessen, ob sich C13 in der Atemluft befindet – ist dies nicht der Fall, liegt keine Helicobacter-pylori-Infektion vor. Der Atemtest gilt heute als Standard bei der Nachsorge bereits behandelter Patienten.

Im Rahmen einer Magenspiegelung kann der Erreger über die Züchtung einer Bakterienkultur aus einer entnommenen Gewebeprobe (Biopsie) nachgewiesen werden. Auch der Nachweis des vom Bakterium produzierten Enyzms Urease ist möglich. Darüber hinaus kann man Helicobacter pylori in einer Stuhlprobe nachweisen.

6. Therapie

Führt eine Helicobacter-pylori-Infektion zu hartnäckigen Beschwerden, ist eine Therapie mit Medikamenten ratsam. Die eingesetzten Wirkstoffe bekämpfen die Bakterien und sorgen dafür, dass Helicobacter pylori aus der Magenschleimhaut verschwindet (sog. Eradikation). Häufigste Therapieform ist dabei die sogenannte Triple-Therapie.

Die Triple-Therapie umfasst in der Regel zwei verschiedene Antibiotika, gegen die Helicobacter pylori empfindlich ist. Die antibiotische Behandlung erfolgt mit Clarithromycin und Metronidazol (alternativ Amoxicillin). Das dritte Arzneimittel ist ein Protonenpumpenhemmer, bei dem es sich meist um Wirkstoffe wie Omeprazol, alternativ um Pantoprazol, handelt. Protonenpumpenhemmer sind bei Helicobacter-pylori-Infektion ein wichtiger Teil der Therapie, da sie die Ausschüttung von Magensäure verringern und dadurch den pH-Wert im Magen anheben, was die Beseitigung des Bakteriums unterstützt.

Eine andere Arzneimittel-Kombination, die bei Helicobacter-pylori-Infektion als Behandlung infrage kommt, ist die Vierfach-Therapie. Sie besteht aus den drei Antibiotika Clarithromycin, Amoxicillin und Metronidazol sowie einem Protonenpumpenhemmer.

7. Verlauf

Eine Helicobacter-pylori-Infektion kann sich im Verlauf zu einer Magenschleimhautentzündung sowie zu Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren entwickeln. Meist jedoch verläuft eine Infektion mit dem Bakterium unbemerkt und ohne weitere Folgen.

Die sogenannte Triple-Therapie, bei der zwei Antibiotika und ein Protonenpumpenhemmer zum Einsatz kommen, ist in der Regel sehr erfolgreich und beseitigt den Keim vollständig. Allerdings ist es möglich sich später wieder mit Helicobacter pylori zu infizieren.

Die Helicobacter-pylori-Infektion kann ausserdem die Entstehung von Magen- und speziell im Magen vorkommendem Lymphdrüsenkrebs (MALT-Lymphom) begünstigen.

8. Vorbeugen

Da die Übertragungswege für Helicobacter pylori nicht vollständig bekannt sind, können Sie einer Helicobacter-pylori-Infektion nur schwer vorbeugen. Auch stehen derzeit keine wirksamen Impfmöglichkeiten gegen den Erreger zur Verfügung.

Ist Helicobacter pylori jedoch in Ihrem Magen nachweislich vorhanden, kann je nach Beschwerden und individuellem Befund eine Therapie ratsam sein. Mithilfe einer vollständigen Beseitigung des Bakteriums (Eradikation) können Sie Folgeerkrankungen einer Helicobacter-pylori-Infektion wie etwa Magengeschwüre oder Magenschleimhautentzündungen vorbeugen.