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1. Überblick

Hepatitis E bringen die meisten Erkrankten von einer Reise in ferne Länder mit. Durchfall, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Bauchbeschwerden und eine Gelbfärbung der Haut sind erste Anzeichen. In der Regel klingt eine Hepatitis E nach einigen Wochen wieder ab.

Eine Hepatitis E ist eine akute Entzündung der Leber, die durch eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) hervorgerufen wird.

Das Hepatitis-E-Virus wird in erster Linie durch kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser übertragen, auch Schmutz- oder Schmierinfektionen sind möglich. Hepatitis-E-ist vor allem in Indien, in Nordafrika sowie in Mittel- und Südamerika verbreitet.

Etwa 15 bis 60 Tage nach der Infektion leiden die Betroffenen unter Symptomen wie Durchfall, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Gelbsucht (Ikterus). Chronische Verläufe der Hepatitis E sind nicht bekannt.

Medikamente gegen Hepatitis E gibt es nicht – daher zielt die Therapie insbesondere darauf ab, die Symptome zu lindern. Die Betroffenen sollten sich körperlich schonen sowie Alkohol und fettreiches Essen meiden. Auch nach Abklingen der Symptome sollten Alkohol und zu viel Fett für einige Monate tabu bleiben.

Die meisten Hepatitis-E-Infektionen verlaufen mild. Komplikationen können insbesondere bei Schwangeren und Personen mit Leberschäden auf. Etwa 20 Prozent der Schwangeren, die an Hepatitis E leiden, entwickeln eine sogenannte fulminante Hepatitis, die mit Komplikationen wie Leberversagen und akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung einhergeht und eine Gefahr für Mutter und Kind darstellt.

Damit eine Hepatitis-E-Infektion gar nicht erst entsteht, ist Vorbeugen das A & O. Insbesondere in Ländern, in denen Hepatitis E häufig auftritt, sollten Sie auf entsprechende Hygiene achten. Eine Schutzimpfung steht derzeit noch nicht zur Verfügung, jedoch forschen Wissenschaftler intensiv daran.

2. Definition

Hepatitis E (griech. hépar, hépatos = Leber, -itis = Entzündung) ist eine entzündliche Erkrankung der Leber, welche die Leberzellen schädigt und die Organfunktion stört. Sie wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) hervorgerufen.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit dem Virus bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt bei Hepatitis E 15 bis 60 Tage.

Rechtliches

Jede Virushepatitis vom Typ E ist laut Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung. Die namentliche Meldung muss bei Vorliegen einer entsprechenden Erkrankung erfolgen.

Häufigkeit

Hepatitis E tritt häufig in Regionen auf, in denen schlechte hygienische Bedingungen herrschen. In tropischen und subtropischen Ländern ist Hepatitis E sehr häufig. In Indien, Nordafrika und Mittel- und Südamerika kommt es regelmässig zu Hepatitis-E-Epidemien.

In Europa, somit auch in der Schweiz, tritt die Krankheit dagegen nur selten auf. Hepatitis-E-Fälle stehen meist mit Reisen in entsprechende Länder in Verbindung: Die Reisenden infizieren sich während ihres Auslandsaufenthalts mit dem Virus und zeigen möglicherweise erst Symptome, wenn sie wieder zu Hause sind. Hepatitis E gilt in Europa deshalb als Reisekrankheit.

Jedoch häufen sich in den letzten Jahren Fälle, die nicht mit Auslandsaufenthalten in Verbindung stehen, das heisst, die Betroffenen haben sich innerhalb des Landes infiziert.

3. Ursachen

Hepatitis E entsteht durch eine Infektion mit dem gleichnamigen Virus. Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist ein einzelsträngiges RNA-Virus ohne Hülle.

Als Ursachen für eine Infektion mit Hepatitis E kommen insbesondere kontaminierte Lebensmittel oder mit Fäkalien verunreinigte Lebensmittel in Betracht.

Der Mensch ist für das Hepatitis-E-Virus ein natürlicher Wirt, ebenso wie einige andere Säugetiere (z.B. Schafe, Schweine, Affen, Ratten, Mäuse). Es gibt Hinweise darauf, dass das Virus auf das ungeborene Kind übertragen werden kann. Auch eine Organtransplantation kann zu einer Infektion führen – durch Geschlechtsverkehr kann Hepatitis E hingegen wahrscheinlich nicht übertragen werden.

In seltenen Fällen ist auch eine Übertragung durch infizierte Personen möglich, denn Betroffene scheiden das Virus während der akuten Phase der Erkrankung – und möglicherweise auch kurz davor – aus.

Die genauen Ursachen für die vermehrte Verbreitung von Hepatitis E in den Industrieländern, die in den letzten Jahren zu beobachten ist, sind noch nicht genau bekannt. Forscher vermuten, dass hier Infektionen durch rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch eine Rolle spielen könnte, insbesondere von Wildschwein, Hirsch oder Hausschwein.

4. Symptome

Personen mit Hepatitis E zeigen ähnliche Symptome wie Menschen, die an Hepatitis A leiden. Häufig beginnt die Erkrankung etwa 15 bis 60 Tage nach der Ansteckung (sog. Inkubationszeit) mit zunächst unspezifischen Allgemeinbeschwerden. Hierzu zählen Symptome wie:

Zudem können Muskel- und Gelenkbeschwerden auftreten.

Im weiteren Verlauf folgen die für eine Hepatitis typischen Symptome einer Gelbsucht:

  • Der Urin färbt sich dunkel.
  • Der Stuhl ist hell bis lehmfarben.
  • Die Haut bzw. Augen färben sich gelblich (Ikterus)

In einigen Fällen leiden die Betroffenen in der akuten Phase der Hepatitis E zudem an starkem Juckreiz.

Die Symptome der Hepatitis E klingen in der Regel nach einigen Wochen ohne Folgen wieder ab, in manchen Fällen können die Symptome auch bis zu drei Monate lang anhalten. Chronische Verläufe einer Hepatitis E sind nicht bekannt.

Im Kindesalter verlaufen Infektionen mit Hepatitis E häufig ohne besondere Symptome und werden möglicherweise gar nicht erkannt; bei Erwachsenen dagegen können schwere Krankheitsverläufe auftreten.

In schweren Fällen kann es zu einer sogenannten fulminanten Hepatitis kommen. Insbesondere Schwangere und Menschen mit Leberschäden sind hier gefährdet. Die fulminante Hepatitis kann zu akutem Leberversagen und zu akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Herzmuskulatur und der Lunge führen und tödlich sein. Bis zu 20 Prozent aller mit Hepatitis E infizierten Schwangeren entwickeln eine fulminante Hepatitis.

5. Diagnose

Um bei Verdacht auf Hepatitis E die Diagnose zu sichern, erfragt der Arzt zunächst, welche Symptome vorliegen. Der Verdacht auf eine Hepatitis besteht, wenn eine Gelbsucht (Ikterus) vorliegt und es zu Beschwerden wie Oberbauchschmerzen und Fieber kommt. Zudem wird der Arzt in der Anamnese erfragen, ob sich der Patient beispielsweise im Ausland aufgehalten hat.

Andere Erkrankungen können zu ähnlichen Beschwerden führen – so zum Beispiel Hepatitis A, das Epstein-Barr-Virus oder auch eine Grippe (Influenza). Um für die Diagnose andere Krankheiten auszuschliessen, sind spezifische Antikörper im Blut der einzig gültige Nachweis (sog. IgM anti-HEV).

6. Therapie

Bei Hepatitis E zielt die Therapie im Wesentlichen darauf ab, die Symptome zu lindern – wirksame Medikamente gegen das Hepatitis-E-Virus gibt es nicht. Antibiotika sind, da sie sich gegen Bakterien richten, zur Therapie viraler Erkrankungen wie Hepatitis E nicht sinnvoll. Da eine Hepatitis E in den meisten Fällen nach einigen Wochen wieder ausheilt, reicht es aus, die Beschwerden durch entsprechende Massnahmen zu mildern.

Personen, die an Hepatitis E erkrankt sind, sollten sich möglichst schonen und gegebenenfalls Bettruhe halten. Falls nötig, können sie auf Schmerzmittel zurückgreifen. Eine zusätzliche Belastung der Leber sollte man während der Therapie vermeiden – fette Speisen und Alkohol sollten daher tabu sein.

Bei einem milden Verlauf von Hepatitis E kann sich der Betroffene zu Hause auskurieren. Sind die Symptome ausgeprägter, empfiehlt sich eine stationäre Therapie.

Wenn die Symptome der Hepatitis E abgeklungen sind, ist die Therapie noch nicht abgeschlossen: Um die Genesung zu unterstützen, sollte der Betroffene für mehrere Monate auf fettreiches Essen und Alkohol verzichten.

7. Verlauf

In den meisten Fällen zeigt die Hepatitis E einen gutartigen Verlauf und heilt ohne Folgeschäden innerhalb weniger Wochen aus. Bei einigen Betroffenen können die Symptome bis zu drei Monate anhalten. Chronische Verläufe der Hepatitis E sind nicht bekannt.

Wichtig für eine erfolgreiche Therapie und einen positiven Verlauf ist, dass sich der Betroffene entsprechend schont und auch nach dem Abklingen der Symptome für einige Monate auf Alkohol und fettes Essen verzichtet.

Komplikationen

Selten kommt es bei einer Hepatitis-E-Infektion zu Komplikationen bis hin zum tödlichen Ausgang (sog. fulminante Hepatitis). Dabei kann es zu akutem Leberversagen und zu akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Herzmuskulatur und der Lunge kommen. Schwangere und Personen mit Leberschäden sind allerdings gefährdet: Bis zu 20 Prozent aller Schwangeren im letzten Schwangerschaftsdrittel, die Hepatitis E haben, entwickeln eine fulminante Hepatitis. Fehl- und Frühgeburten können die Folge sein.

8. Vorbeugen

Hepatitis E können Sie nicht zu 100 Prozent vorbeugen – Sie können das Erkrankungsrisiko jedoch deutlich senken!

Bei Reisen in Länder, in denen ein hohes Infektionsrisiko herrscht, sollten Sie ausreichende hygienische Vorsorgemassnahmen treffen. So ist grundsätzlich Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Strasse geboten. Obst und Gemüse sollten Sie vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abwaschen. Ist dies nicht möglich, können Sie vorbeugen, indem Sie nur zu schälendes Obst oder Gemüse zu sich nehmen.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, ausschliesslich abgepacktes Mineralwasser oder abgekochtes Wasser zu trinken (Vorsicht bei Eiswürfeln!). Schon eine Minute Kochen bei sprudelndem Wasser reicht aus, um das Hepatitis-E-Virus abzutöten – eventuelle andere Erreger wie zum Beispiel die der Cholera, Typhus oder Amöben überleben diese Prozedur ebenfalls nicht.

Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis E ist derzeit noch nicht auf dem Markt, jedoch forschen Wissenschaftler derzeit intensiv an einem Impfstoff.

Personen, die bereits an Hepatitis E erkrankt sind, können einer Verbreitung durch entsprechende Hygiene vorbeugen. Zudem dürfen Erkrankte nicht in Küchen, Lebensmittelbetrieben, Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, zudem dürfen sie Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen vorübergehend nicht besuchen.