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1. Überblick

Die Leber ist das grösste innere Organ des Körpers und arbeitet wie eine Art Zentrallabor: Sie ist beteiligt am Stoffwechsel wichtiger Nahrungsmittel und entgiftet Schadstoffe und Abfallprodukte. Ist die Leber entzündet, spricht man von Hepatitis. Eine Leberentzündung kann die Leberzellen schädigen und damit die Funktionen der Leber beeinträchtigen.

Die Ursachen für eine Hepatitis sind unterschiedlich: Viren, Bakterien oder Parasiten können ebenso eine Leberentzündung auslösen wie bestimmte Krankheiten (z.B. Sarkoidose). Auch übermässiger Alkoholkonsum oder Medikamente können zu einer Leberentzündung führen.

Am häufigsten lösen allerdings Viren eine Hepatitis aus (sog. Virushepatitis). Hierbei stehen vor allem fünf Virentypen im Vordergrund:

 

Je nachdem welcher Virus der Infektion zugrunde liegt, bezeichnet man die Art der Leberentzündung entsprechend als Hepatitis A, B, C, D oder E.

Welche Symptome bei einer Leberentzündung auftreten, hängt unter anderem von dem jeweiligen Virustyp ab. Eine Hepatitis beginnt in der Regel mit eher unspezifischen Allgemeinsymptomen. Man fühlt sich müde oder empfindet ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Später können charakteristische Symptome dazukommen: Beispielsweise färben sich die Haut und Teile der Augen gelb (Gelbsucht).

Die Hepatitis-Viren gelangen auf verschiedenen Wegen in den Körper: Hepatitis A und Hepatitis E werden über Schmierinfektionen übertragen. Das heisst der Erreger gelangt über fäkale Verunreinigungen aus dem Stuhl an Gegenstände oder Lebensmittel und kann somit weitere Personen infizieren. Hepatitis B wird dagegen sowohl sexuell als auch auf dem Blutweg (z.B. über Bluttransfusionen), die Hepatitis C vorrangig auf dem Blutweg übertragen. Eine Hepatitis D kann nur bei Personen auftreten, die bereits mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert sind.

2. Definition

Eine Hepatitis ist eine Leberentzündung, die zu einer Schädigung der Leberzellen führen kann.

Der Begriff Hepatitis leitet sich aus dem Griechischen ab: hépar beziehungsweise hépatos bedeutet Leber, und die Endung -itis steht für Entzündung.

Zentrallabor Leber – Funktion und Anatomie

Die Leber ist eine Drüse und mit einem Gewicht von etwa 1,2 bis 1,8 Kilogramm auch das grösste Organ des menschlichen Körpers. Durch ihre Vielzahl an Funktionen kann man sie als eine Art Zentrallabor betrachten. Die Leber verstoffwechselt Eiweisse, Kohlenhydrate und Fette. Sie bildet unter anderem die für den Fettstoffwechsel wichtige Galle. Die Galle wird in der Gallenblase gesammelt und bei Bedarf (z.B. bei Mahlzeiten) in den Zwölffingerdarm geleitet. Dort beteiligt sie sich am Abbau der Fette. Ausserdem dient die Leber als Entgiftungsstation: Schadstoffe, Alkohol, Reste von Medikamenten und Stoffwechselabfälle baut sie ab und macht sie unschädlich.

Die Form der Leber ähnelt einer Halbkugel, deren gewölbte Seite in der rechten Zwerchfellkuppel liegt, während die flache Seite an Magen und Darm angrenzt. Die Leber besteht aus einem linken und einem rechten Leberlappen. Diese sind wiederum in zahlreiche Leberläppchen unterteilt. In den Leberläppchen befinden sich die Leberzellen (Hepatozyten).

Die Leber verfügt als einziges Organ über die Fähigkeit, sich zu erneuern (sog. Regeneration). Entfernt man zum Beispiel Teile der Leber bei einer Operation, können diese innerhalb weniger Wochen wieder heranwachsen. Die normale Funktionsfähigkeit der Leber wird wiederhergestellt. Voraussetzung ist, dass der verbliebene Leberanteil gesund ist.

Häufigkeit

Weltweit erkranken jedes Jahr etwa 1,4 Millionen Menschen an Hepatitis A, während rund 2 Milliarden Menschen von einer Hepatitis-B-Infektion betroffen sind und circa 130 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis C leiden.

3. Ursachen

Eine Hepatitis (Leberentzündung) kann verschiedene Ursachen haben.

Zu den häufigsten Ursachen einer Leberentzündung zählen Infektionen mit Viren. In der Medizin grenzt man Entzündungen, bei denen die Leberzellen direkt von den Viren infiziert werden (Virushepatitis) von Entzündungen ab, die im Rahmen einer allgemeinen Viruserkrankung (z.B. Herpes, pfeiffersches Drüsenfieber) auftreten (Virusbegleithepatitis).

Weitere Ursachen neben Infektionen mit Viren sind:

  • starker Alkoholkonsum
  • leberschädigende Medikamente (z.B. durch nicht-steroidale Antirheumatika wie Paracetamol oder Zytostatika wie Methotrexat oder Tamoxifen)
  • Infektionen mit Bakterien (z.B. Salmonellen)
  • Infektionen mit Parasiten (z.B. Malaria, Amöbenruhr)
  • immunologische Erkrankungen (z.B. Sarkoidose)
  • Morbus Wilson (Erkrankung, bei der der Kupferstoffwechsel der Leber gestört ist und sich Kupfer im Körper ansammelt)
  • Chemikalien (z.B. Lösungsmittel)
  • Fettleber

Virushepatitis

Mediziner unterscheiden sechs verschiedene Formen der Virushepatitis:

 

 

Medizinisch relevant sind jedoch nur Hepatitis A bis E.

 

  Hepatitis A Hepatitis B Hepatitis C
Übertragung fäkal-oral sexuell (50 %), Blut(produkte), Geburt (Mutter --> Kind) sexuell, Blut(produkte), Organtransplantate, Geburt (Mutter --> Kind)
Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen (Inkubationszeit) 2 bis 6 Wochen 2 bis 6 Monate 2 bis 10 Wochen
schneller, schwerwiegender Verlauf bei akuter Hepatitis selten selten sehr selten
chronischer Verlauf nein ca. 1 bis 10 % ca. 60 bis 80 %
Impfung ja ja nein

 

 

  Hepatitis D Hepatitis E
Übertragung Blut(produkte), Geburt (Mutter --> Kind), sexuell fäkal-oral
Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen (Inkubationszeit) 3 bis 4 Monate etwa 6 Wochen
schneller, schwerwiegender Verlauf bei akuter Hepatitis bei Superinfektion* mit HBV häufig häufig (5 bis 10 %, bei Schwangeren bis 25 %)
chronischer Verlauf ja nein
Impfung ja: Hepatitis-B-Impfung schützt auch vor Hepatitis D nein

* Superinfektion = Infektion mit Hepatitis-D-Virus (HDV) bei bereits bestehender Hepatitis B. Im Gegensatz zu einer Superinfektion verläuft die Hepatitis D bei einer gleichzeitigen Infektion (Simultaninfektion) mit Hepatitis-B-Viren (HBV) wie die Hepatitis B.

** i.v.-Drogen = intravenöser Drogenkonsum: Die Droge wird in die Vene gespritzt.

Virusbegleithepatitis

Auslöser einer begleitenden Hepatitis können zum Beispiel folgende Viren sein:

4. Symptome

Bei einer Hepatitis (Leberentzündung) können unterschiedliche Symptome auftreten, abhängig davon, welcher Virustyp der Auslöser ist. Zu Beginn zeigen sich in der Regel eher allgemeine Symptome wie:

Im Anschluss daran kann sich die Leberentzündung durch charakteristische Symptome bemerkbar machen, beispielsweise:

  • Dunkelfärbung des Urins
  • Hellfärbung des Stuhls
  • Gelbfärbung der Haut bzw. der Augen (Ikterus)

Mitunter tritt in der akuten Phase der Hepatitis zudem ein starker Juckreiz auf.

Je nachdem, welche Hepatitis-Form vorliegt, verläuft die Erkrankung möglicherweise auch ohne jegliche Symptome.

5. Diagnose

Besteht ein Verdacht auf Hepatitis (Leberentzündung), lässt sich dies durch eine gezielte Diagnose rasch bestätigen. In der Regel nimmt der Arzt dazu eine Blutprobe und ordnet eine Blutuntersuchung an. Lassen sich im Blut spezifische Antikörper gegen das jeweilige Hepatitis-Virus oder Virusbestandteile (Antigene) nachweisen, liegt eine Leberentzündung vor.

6. Therapie

Je nachdem, welche Form der Hepatitis (Leberentzündung) vorliegt, unterscheiden sich die Therapie-Möglichkeiten.

Hepatitis A, Hepatitis D, Hepatitis E

Gegen Hepatitis A, Hepatitis D und Hepatitis E gibt es derzeit keine wirksamen Medikamente, sie heilen in der Regel von allein aus. Die Therapie konzentriert sich daher vor allem auf die Behandlung der Symptome (z.B. Erbrechen oder grippeähnliche Beschwerden).

Im Falle einer Hepatitis A kann ein Alkoholverzicht die Heilung fördern. Auch Medikamente mit leberschädigenden (hepatotoxischen) Eigenschaften wie zum Beispiel Paracetamol oder Wirkstoffe aus der Gruppe der Zytostatika sind vorerst nicht zu empfehlen. Anfangs kann eine Ernährung mit wenig Fetten und viel Kohlenhydraten sinnvoll sein. Eine spezielle Hepatitis-Ernährung ist jedoch nicht notwendig. Sofern sich der Patient durch die Leberentzündung müde fühlt und ein allgemeines Krankheitsgefühl hat, ist eine vorrübergehende Bettruhe zu empfehlen.

Hepatitis B

Bei einer akuten Hepatitis B ist es essenziell, dass der Betroffene auf Alkohol verzichtet und Bettruhe hält. Medikamente mit lebertoxischer Wirkung sollten möglichst erst einmal nicht zur Anwendung kommen.

Zur Therapie der chronischen Hepatitis B setzt man vor allem folgende Medikamente ein:

 

  • pegyliertes Interferon alfa-2a (Pegnterferon alfa-2a)
  • virenhemmende Medikamente (sog. Virostatika, z.B. die Wirkstoffe Lamivudin oder Adefovir)

Hepatitis C

Bei einer akuten Hepatitis C verhindert in den meisten Fällen eine 24-wöchige Therapie mit dem Wirkstoff Interferon alfa-2a den Übergang in eine chronische Leberentzündung.

Eine chronische Hepatitis C behandelt man mit einer Kombination aus dem Wirkstoff Peginterferon alfa-2a und dem virenhemmenden Wirkstoff Ribavirin.

Hepatitis G

Eine Infektion mit dem Hepatitis-G-Virus erfordert in der Regel keine Behandlung.

7. Verlauf

Eine Hepatitis (Leberentzündung) kann einen akuten oder chronischen Verlauf nehmen.

Eine akute Hepatitis tritt plötzlich auf und klingt nach einigen Wochen oder Monaten wieder ab.

Eine chronische Hepatitis hält dagegen länger als sechs Monate an. Bei einem günstigen Verlauf der Leberentzündung bleiben die Leberläppchen funktionsfähig (chronisch-persistierende Form). Im ungünstigen Fall entwickelt sich im Verlauf der Hepatitis frühzeitig eine Leberzirrhose (Schrumpfleber). Hierbei schrumpft das Lebergewebe, verhärtet sich und vernarbt, sodass die Leberläppchen ihre Funktionsfähigkeit verlieren.

Rechtliches

Jede Virushepatitis vom Typ A, B, C, D oder E ist eine meldepflichtige Erkrankung.

Besteht der Verdacht, dass beim Betroffenen eine Virushepatitis vorliegt oder weisen Tests diese nach, muss die Erkrankung gemeldet werden.

8. Vorbeugen

Es gibt verschiedene Massnahmen, mit denen Sie einer Hepatitis (Leberentzündung) vom Typ A, B, C, D oder E vorbeugen können.

Hepatitis-Impfung

Vor Hepatitis A oder B können Sie sich am besten durch eine Impfung schützen. Die Hepatitis-B-Impfung schützt Sie zudem gleichzeitig gegen Hepatitis D. Gegen Hepatitis C und Hepatitis E existieren dagegen bisher noch keine Impfstoffe.

Allgemeine Vorsichtsmassnahmen

Ausserdem können Sie sich mit allgemeinen Vorsichtmassnahmen vor einer Hepatitis-Infektion schützen:

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome.
  • Vermeiden Sie direkten Blutkontakt.
  • Für Menschen, die drogenabhängig sind und Spritzen benutzen, gilt: Verwenden Sie keine Spritzen, die bereits benutzt wurden. Denn die Blutreste an der Nadel können zu einer Ansteckung mit Hepatitis führen.

 

Zur Übertragung von Hepatitis A kommt es vor allem durch Schmierinfektionen. Der Erreger gelangt hierbei aus dem Stuhl an Gegenstände oder Lebensmittel sowie ins Wasser und kann dadurch weitere Menschen infizieren. Besonders bei Reisen in Regionen mit schlechten hygienischen Bedingungen, wie zum Beispiel manche Gebiete in Asien oder Afrika, sollten Sie deshalb einige Hygieneregeln einhalten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen:

  • Waschen Sie sich regelmässig die Hände.
  • Kochen Sie Trinkwasser ab.
  • Verzichten Sie auf Eiswürfel.
  • Bevorzugen Sie Getränke aus verschlossenen Behältern (Dose, Flasche).
  • Schälen Sie Obst und Gemüse.
Generell gilt: Vor einer Ansteckung mit Hepatitis A oder Hepatitis B können Sie sich am besten durch eine Impfung schützen.