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1. Überblick

Herpes genitalis (Genitalherpes) entsteht durch eine Infektion mit bestimmten Herpesviren und ist eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten.

Typische Symptome bei Herpes genitalis sind kleine, schmerzhaft juckende Bläschen an den Geschlechtsorganen. In den meisten Fällen verursacht das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) den Genitalherpes, manchmal aber auch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1). Beide Virustypen können auch zu Lippenherpes führen. Herpes-simplex-Viren sind weltweit verbreitet und für ein breites Spektrum von Erkrankungen verantwortlich: Es reicht von örtlich auftretenden Haut- oder Schleimhautverletzungen bis hin zu schweren Infektionen, die sich über den ganzen Körper ausbreiten.

Durch Typ 2 verursachter Herpes genitalis überträgt sich hauptsächlich über sexuelle Kontakte. Das Typ-1-Virus geht dagegen in den meisten Fällen bereits im Kindesalter von der Mutter auf das Kind über. Ausserdem ist eine Übertragung von Herpes genitalis während der Geburt möglich. Knapp 70 Prozent der Schweizer sind mit Typ 1 infiziert, allerdings kommt es nicht bei allen Infizierten zu Symptomen. Herpesviren bleiben lebenslang im Körper, so dass die Herpesinfektion immer wieder ausbrechen kann.

Welche Therapie bei Herpes genitalis hilft, hängt davon ab, wie schwer er ausgeprägt ist. Wirksam gegen die Herpesviren ist zum Beispiel der Wirkstoff Aciclovir, den es verschreibungspflichtig in Salben- und Tablettenform gibt. In schweren Fällen ist es auch möglich, ihn als Infusion zu verabreichen.

2. Definition

Herpes genitalis (Genitalherpes) ist eine Virusinfektion und gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten.

Es gibt mehrere Erkrankungen, die den Begriff «Herpes» als Teil ihrer Bezeichnung führen (neben Herpes genitalis z.B. Herpes Zoster, also Gürtelrose). Für ihre Entstehung sind verschiedene Herpesviren verantwortlich. Ein Vertreter dieser Herpesviren ist das Herpes-simplex-Virus (HSV), auch humanes Herpesvirus (HHV) genannt.

Nur Infektionen mit Herpes-simplex-Viren – wie den Herpes genitalis – bezeichnet man umgangssprachlich häufig kurz als Herpes. Vom Herpes-simplex-Virus gibt es acht Typen. Die Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 und Typ 2 (HSV-1 und HSV-2) können folgende Herpesformen verursachen:

  • Herpes (simplex) genitalis oder Genitalherpes: 70 bis 80 Prozent aller Fälle entstehen durch HSV-2, 20 bis 30 Prozent durch HSV-1.
  • Herpes (simplex) labialis oder Lippenherpes: Entsteht meist durch HSV-1, selten durch HSV-2.

Häufigkeit

Der Herpes genitalis (Genitalherpes) zählt zu den mit grösster Häufigkeit auftretenden sexuell übertragbaren Krankheiten. Etwa 10 bis 30 Prozent der Weltbevölkerung sind mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) infiziert.

3. Ursachen

Erreger

Für Herpes genitalis (Genitalherpes) kommen als Ursachen zwei verschiedene Erreger infrage: das Herpes-simplex-Virus (HSV) beziehungsweise humanes Herpesvirus (HHV) vom Typ 1 und vom Typ 2. Herpes-simplex-Viren zählen zur Gruppe der Herpesviren, die wiederum zu den DNA-Viren gehören.

Beide Erreger des Genitalherpes – HSV-1 und HSV-2 – sind eng miteinander verwandt. Sie sind für eine Reihe von bekannten Herpesausprägungen verantwortlich. Beim Auftreten eines Herpes genitalis kann der Zeitpunkt der Ansteckung schon länger zurückliegen, denn die erste Infektion mit den Herpesviren verläuft, ähnlich wie beim Lippenherpes, häufig unbemerkt. Die eindringenden Viren gelangen vom Ort der Erstinfektion (z.B. Schleimhaut der Genitalien, Mundschleimhaut) über die Nervenleitbahnen (Axone) zum dazugehörigen Nervenknoten (Ganglion) und infizieren ihn ebenfalls.

Während der ersten Woche einer Herpesinfektion beseitigt das Immunsystem sowohl die Viren in der Schleimhaut als auch in einem Teil der infizierten Nervenzellen. Das Erbgut (DNA) der Herpesviren versteckt sich jedoch im Zellkern der Nervenzellen. Dies ist die Ursache dafür, dass das Immunsystem die Virus-DNA nicht erkennen und somit auch nicht angreifen kann. So kann die Virus-DNA lebenslang in den Nerven überdauern und für die Herstellung weiterer Herpes-Viren sorgen. Sobald das Immunsystem der Betroffenen geschwächt ist, reaktiviert sich die Virus-DNA – und in den infizierten Zellen entstehen zahlreiche neue Viren. Es kommt zu einer Zweitinfektion: dem sichtbaren Herpes genitalis oder Genitalherpes.

Für die Reaktivierung des Herpesvirus und somit für die Entstehung des Herpes genitalis oder Genitalherpes kommen zum Beispiel folgende Ursachen infrage:

  • Hautreizungen
  • Verbrennungen
  • Sonnenbrand
  • Verletzungen
  • Reizungen des infizierten Nervenknotens (Entzündung, zahnärztliche Behandlung, ...)
  • Stress
  • Hormonschwankungen (z.B. im Rahmen des Menstruationszyklus)
  • Fieber
  • Tumorerkrankungen
  • bakterielle Lungenentzündungen

Übertragung

Für eine Ansteckung mit Herpes genitalis (Genitalherpes) kommen verschiedene Ursachen infrage. Die Übertragung der für die Infektion verantwortlichen Herpesviren geschieht wie folgt:

  • Das Herpes-simplex-Virus vom Typ 2 (HSV-2) ist durch sexuelle Kontakte übertragbar,
  • das Herpes-simplex-Virus vom Typ 1 (HSV-1) dagegen über Tröpfcheninfektion und Schmierinfektion.

Häufig kommt es schon im Kindesalter zur Infektion mit Herpes genitalis durch HSV-1. Ursachen hierfür sind Mutter-Kind-Kontakte, der enge Kontakt zu Geschwistern oder zu Spielkameraden. Die Ansteckung mit Genitalherpes durch HSV-2 findet in der Regel in der Pubertät oder später statt. In seltenen Fällen erfolgt die Übertragung der Erreger des Herpes genitalis während der Geburt, vorwiegend wenn die werdende Mutter während der Schwangerschaft eine Erstinfektion durchläuft.

4. Symptome

Herpes genitalis (Genitalherpes) äussert sich durch ähnliche Symptome wie Lippenherpes:

Wie beim Lippenherpes ist die vom Genitalherpes betroffene Haut typischerweise gereizt, überempfindlich und juckt. Nachfolgend entstehen als Anzeichen für den Herpes genitalis entzündete, oft schmerzhafte Bläschen mit eitrigen, verkrusteten Belägen an den Schleimhäuten im Genitalbereich. Weitere mögliche Symptome bei Herpes genitalis sind eine Wasseransammlung im Gewebe (Ödem) und ein glasiger Ausfluss. In einigen Fällen sind bei einem Genitalherpes die angrenzenden Lymphknoten geschwollen.

Ob das Herpes-simplex-Virus Typ 2 oder das Herpes-simplex-Virus Typ 1 den Herpes genitalis verursacht hat, ist anhand der äusseren Symptome nicht feststellbar.

5. Diagnose

Bei Herpes genitalis (Genitalherpes) erfolgt die Diagnose anhand der typischen Symptome: Entzündliche Bläschen an den Geschlechtsorganen weisen deutlich auf Herpes genitalis hin.

Ob das Herpes-simplex-Virus vom Typ 2 oder vom Typ 1 für den Herpes genitalis verantwortlich ist, lässt sich bei der Diagnose anhand der äusserlich sichtbaren Anzeichen nicht feststellen. Um den ursächlichen Erreger zu bestimmen, schickt der Arzt daher Bläscheninhalt, Schleimhaut- beziehungsweise Hautabstriche oder Gewebeproben (Biopsie) ins Labor. Dort lässt sich das Erbgut (DNA) des Virus nachweisen.

6. Therapie

Bei Herpes genitalis (Genitalherpes) richtet sich die Therapie danach, wie schwer die Symptome sind: Ein begrenzter Herpesbefall der Haut oder der Schleimhäute kann meist unbehandelt bleiben.

Ist eine Behandlung des Herpes genitalis erforderlich, zielt sie darauf ab, den Ausbruch der Infektion einzudämmen und die Beschwerden zu lindern. Dabei ist zu beachten: Liegt bei Ihnen Genitalherpes vor, ist es wichtig, dass sich auch Ihr Sexualpartner untersuchen beziehungsweise behandeln lässt.

Die Eindämmung des Genitalherpes und die Linderung der Beschwerden gelingt durch virenhemmende Wirkstoffe (sog. Virostatika) wie Aciclovir oder Famciclovir. Diese verschreibungspflichtigen Mittel gegen Herpes genitalis verhindern die Vermehrung des Herpesvirus.

Wenn es sich bei Ihnen um einen leichten Herpes genitalis handelt, können Sie die virenhemmenden Medikamente als Tablette oder Salbe anwenden. In schweren Fällen verabreicht der Arzt die Mittel gegen Genitalherpes per Injektion direkt in die Vene. Die Ursache des Herpes genitalis lässt sich durch diese Behandlung jedoch nicht völlig beseitigen: Die Herpesviren bleiben Ihr Leben lang im Körper, so dass es jederzeit zu einem erneuten Ausbruch des Genitalherpes kommen kann.

Entwickelt sich während eines Ausbruchs von Genitalherpes zusätzlich eine bakterielle Infektion, sind zur Therapie gelegentlich Antibiotika und örtlich desinfizierende Massnahmen notwendig.

7. Verlauf

Die erste Infektion mit Herpes genitalis (Genitalherpes) nimmt häufig einen unbemerkten Verlauf. Die ursächlichen Herpesviren bleiben jedoch lebenslang im Körper. Bei ihrer Reaktivierung kommt es zu einer Zweitinfektion, dem sichtbaren Genitalherpes. Die Prognose des Herpes genitalis ist unterschiedlich: Bei ansonsten gesunden Menschen heilt er meist von alleine aus. Besonders bei Kindern, bei einem Befall des ganzen Körpers, bei immungeschwächten Menschen und Infektion des Gehirns kann der Herpes genitalis unter Umständen jedoch lebensbedrohlich verlaufen.

Ein Herpes genitalis kann auch nach seiner Heilung im weiteren Verlauf immer wieder auftreten. Solche Rezidive sind bei einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus vom Typ 2 häufiger als bei Typ 1.

Komplikationen

Ein Herpes genitalis (Genitalherpes) kann in seinem Verlauf mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein. Ist die Immunabwehr gestört, kann sich die Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 auf das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark), die Leber, die Lunge und auf andere Organe ausbreiten. Diese sogenannte HSV-Sepsis kann lebensbedrohlich verlaufen.

Eine Infektion mit Herpes genitalis kann im weiteren Verlauf ausserdem verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Symptomen nach sich ziehen. Hierzu zählen:

  • Entzündung von Vulva und Scheide durch Herpes (Vulvovaginitis herpetica)
  • Entzündung der Eichel durch Herpes (Balanitis herpetica)
  • Entzündung der Darmschleimhaut (Proktitis)
  • Gebärmutterhalskrebs ( Zervixkarzinom): Liegt bereits eine Infektion durch humane Papillomviren (HPV) vor, erhöht eine Genitalherpes-Infektion das Risiko der Krebsentstehung.

Vulvovaginitis herpetica

Ist infolge eines Herpes genitalis (Genitalherpes) bei der Frau die Vulva und die Scheide entzündet, spricht der Arzt von einer Vulvovaginitis herpetica. Hierbei treten etwa eine Woche nach der Infektion gruppiert stehende Bläschen auf. Sie finden sich in der Scheide, am Muttermund, im Gebärmutterhals und an der Harnröhre. Dem gehen oft wenig kennzeichnende entzündliche Veränderungen an der Harnröhre voraus. Mit der Infektion können zusätzliche Komplikationen auftreten:

Balanitis herpetica

Kommt es durch einen Herpes genitalis (Genitalherpes) beim Mann im weiteren Verlauf zur Entzündung der Eichel des Penis, nennt man dies Balanitis herpetica (bzw. Balanoposthitis herpetica). Sie entspricht der Vulvovaginitis herpetica bei der Frau. Es treten gruppierte Bläschen und Geschwüre an der Eichel (Balanitis) oder zusätzlich auch an der Vorhaut (Balanoposthitis) auf. Hierbei sind dieselben Komplikationen möglich wie bei der Vulvovaginitis.

8. Vorbeugen

Bei einem bekannten Herpes genitalis (Genitalherpes) können Sie einem Ausbruch mit verschiedenen Massnahmen weitgehend vorbeugen:

  • Schlafen Sie ausreichend.
  • Achten Sie auf einen gesunden Lebensstil.
  • Vermeiden Sie Stress.
  • Stärken Sie Ihr Immunsystem.
  • Sorgen Sie für ausreichenden UV-Schutz.

Dennoch bricht ein Herpes genitalis in einigen Fällen ohne ersichtlichen Auslöser aus. Dann können Sie möglichen Komplikationen und der Weiterverbreitung des Erregers vorbeugen, indem Sie es während einer Herpesinfektion vermeiden, die entzündeten Stellen zu berühren beziehungsweise sich nach Berührung die Hände waschen. Da der Genitalherpes eine sexuell übertragbare Erkrankung ist, können Sie sich ausserdem beim Geschlechtsverkehr durch Kondome wirksam vor einer Ansteckung schützen.