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Herzmuskelentzündung

(Myokarditis)
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1. Überblick

Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kommt es zu akuten oder dauerhaften (chronischen) entzündlichen Prozessen des Herzens. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein: Leichtere Formen verlaufen symptomarm, schwere Formen können zu ausgeprägten körperlichen Beeinträchtigungen führen.

In etwa 50 Prozent der Fälle sind Viren für die Myokarditis verantwortlich. Häufig ist der Herzmuskelentzündung ein Infekt vorausgegangen: So kann zum Beispiel nach einer Erkältung, Durchfallerkrankung oder Grippe eine Herzmuskelentzündung auftreten.

Im Zusammenhang mit einer Herzmuskelentzündung kann es zu einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) kommen, die sich mit Symptomen wie Kurzatmigkeit äussern kann. Weitere Beschwerden, die bei einer Myokarditis oft auftreten, sind: Herzrasen, Blässe und Atemnot.

Eine Herzmuskelentzündung lässt sich nicht immer einfach diagnostizieren. Wichtig sind eine eingehende kardiologische Untersuchung und die Erhebung der Krankengeschichte. Blutuntersuchungen, ein EKG und der Herzultraschall (Echokardiographie) steuern ebenfalls wertvolle Informationen bei. Nur mithilfe einer Myokardbiopsie lässt sich die Diagnose sichern: Hierbei erfolgt eine Entnahme und anschliessende Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Herzmuskel.

Als Behandlung einer Herzmuskelentzündung steht körperliche Schonung im Vordergrund. Treten Symptome einer Herzinsuffizienz auf, versucht man, sie durch entsprechende Medikamente abzuschwächen. Liegt der Herzmuskelentzündung eine andere Erkrankung zugrunde, ist es wichtig, diese zu erkennen und ebenfalls zu behandeln. Früh entdeckt und richtig therapiert hat die Herzmuskelentzündung eine gute Prognose und heilt in der Regel ohne Folgen aus.

2. Definition

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist per Definition eine Entzündung (-itis) des Herzmuskels (Myokard), bei der es zu einer Flüssigkeitsansammlung (Ödem) und durch eine veränderte Herzmuskelstruktur zur Erweiterung der Herzhöhlen bei gleichzeitig abnehmender Schichtzahl der Muskelfasern (sog. Gefügedilatation) sowie nachfolgend zum Absterben (Nekrose) der Herzmuskelfasern kommt. Die Herzmuskelentzündung kann sowohl akut als auch chronisch verlaufen.

Je nachdem, welche Bereiche des Herzens betroffen sind, liegt eine parenchymatöse, interstitielle oder gemischte Form der Herzmuskelentzündung vor: Das Parenchym ist das Funktionsgewebe eines Organs. Das Interstitium hingegen ist das zugehörige Bindegewebe, das keine Organfunktion im engeren Sinne hat, sondern die zu- und abführenden Blutgefässe und Nervenbahnen enthält und Stützfunktion besitzt. Die parenchymatöse Myokarditis betrifft somit den Herzmuskel direkt, die interstitielle Myokarditis das andere Gewebe.

Häufigkeit

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) weist eine geringe Häufigkeit auf, kann aber in jedem Alter auftreten: Bei kleinen Kindern ist sie ebenso möglich wie bei alten Menschen. Häufig verläuft die Herzmuskelentzündung ohne Beschwerden, so dass ihre Diagnose ausbleibt. Deshalb sind keine genauen Angaben über die Häufigkeit möglich.

3. Ursachen

Für eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kommen verschiedene Ursachen infrage: vor allem Infektionen mit Erregern (Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten), aber auch Autoimmunvorgänge sowie giftig wirkende Substanzen.

Hierzulande sind Virusinfektionen die wichtigsten Auslöser der Herzmuskelentzündung: Etwa die Hälfte aller Herzmuskelentzündungen lassen sich auf eine Virusinfektion zurückführen. Als Ursache in Betracht kommen dabei unter anderem:

  • Parvovirus B 19
  • Herpesviren (v.a. humanes Herpesvirus 6)
  • ECHO-Viren
  • Adenoviren
  • Coxsackie-B-Viren
  • Grippeviren
  • Masernviren

Geht eine virale (d.h. virusbedingte) Herzmuskelentzündung vom akuten in ein chronisches Stadium über, können daran in einigen Fällen erblich bedingte Faktoren beteiligt sein: Manchmal kommt es vier bis sechs Wochen nach Beginn einer akuten Virusmyokarditis zu autoimmunologischen Vorgängen, die gegen bestimmte Bestandteile der Herzmuskelfasern gerichtet sind und so dafür sorgen, dass die Entzündung fortbesteht. Als mögliche Ursache für diese Reaktion gilt eine erbliche Veranlagung.

Zu den Bakterien, die eine Herzmuskelentzündung verursachen können, gehören Streptokokken, Staphylokokken oder Borrelien.

In einigen Fällen kann die Entzündung des Herzmuskels die Folge einer Autoimmunerkrankung sein, wie beispielsweise einer Sarkoidose oder Rheuma, deren genaue Ursachen nicht bekannt sind. Für eine toxische Myokarditis (d.h. eine durch Gift verursachte Herzmuskelentzündung) kann beispielsweise die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Clozapin oder Paracetamol) verantwortlich sein.

4. Symptome

Eine akute Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zeigt meist Symptome einer unter Umständen rasch fortschreitenden Herzschwäche. Der Allgemeinzustand verschlechtert sich und es entstehen oft:

  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Atemnot
  • Blässe bzw. bläuliche Verfärbung der Haut aufgrund von Sauerstoffmangel im Blut (Zyanose)
  • stechende Schmerzen im Brustkorb (hinter dem Brustbein)

Weitere mögliche Symptome bei akuter Herzmuskelentzündung sind Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern bzw. Palpitationen) sowie eine gleichzeitige Vergrösserung oder Schwellung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie). Es kann auch zu Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen (Beinödeme) kommen. Je nach Schweregrad der Herzmuskelentzündung können bereits leichte körperliche Anstrengungen eine starke Atemnot auslösen.

Im chronischen Stadium sind die Symptome der Myokarditis weniger kennzeichnend: Anzeichen für eine chronische Herzmuskelentzündung sind oft eine allgemeine Schwäche mit Abgeschlagenheit, Leistungsminderung und rascher Ermüdbarkeit, Appetitstörungen und Gewichtsverlust sowie Gliederschmerzen. Möglicherweise bestehen auch Symptome einer begleitenden Herzbeutelentzündung (Perikarditis) oder einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikarderguss). Eine Herzmuskelentzündung kann jedoch auch ohne Beschwerden verlaufen.

5. Diagnose

Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) die Diagnose zu stellen, ist nicht immer einfach. Im akuten Stadium lässt sich die Entzündung durch eine körperliche Untersuchung und den Einsatz technischer Apparate diagnostizieren. Eine chronische Myokarditis macht zur weiteren Diagnostik eine Gewebeentnahme aus dem Herzmuskel (sog. Myokardbiopsie) sinnvoll, um die wirksamste Therapie festlegen zu können.

Zunächst sind für die Diagnose der Myokarditis genaue Informationen der Betroffenen zu den Beschwerden wichtig: Eine akute Herzmuskelentzündung führt neben Entzündungszeichen meist zu Anzeichen von Herzschwäche mit Verschlechterung des Allgemeinzustands, Herzrasen (Tachykardie), Atemnot, Blässe oder bläulicher Verfärbung der Haut aufgrund von Sauerstoffmangel im Blut (Zyanose), Schmerzen hinter dem Brustbein und Herzrhythmusstörungen. Eine chronische Herzmuskelentzündung äussert sich weniger kennzeichnend, zum Beispiel durch Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, Appetitstörungen und Gewichtsabnahme. Bei der Erhebung der Krankengeschichte ist von besonderem Interesse, ob aktuell ein anderer Infekt vorliegt oder kürzlich vorlag (z.B. Erkältung, Grippe, Durchfall). Anschliessend erfolgt bei Verdacht auf Myokarditis eine eingehende Untersuchung des Herzens mit Elektrokardiogramm (EKG) und Herzultraschall (Echokardiographie).

Im EKG können die bei einer Herzmuskelentzündung erhöhte Herzfrequenz und möglicherweise auch Herzrhythmusstörungen sichtbar sein. Mitunter zeigen sich auch herzinfarktähnliche Veränderungen. Mit dem Ultraschall lassen sich die Herzgrösse und die Pumpleistung ermitteln. Gelegentlich ist bei einer Myokarditis eine Flüssigkeitsansammlung zwischen dem Herzmuskel und dem Herzbeutel sichtbar (Perikarderguss). Seit einiger Zeit spielt auch die Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens eine wichtige Rolle in der Diagnostik.

Ausserdem sind zur Diagnose einer Herzmuskelentzündung eine Blutentnahme und die anschliessende Blutuntersuchung ratsam, um die Herzenzyme (z.B. Kreatininkinase, Troponin T) zu bestimmen und nach Entzündungszeichen wie einer beschleunigten Blutsenkungsgeschwindigkeit oder einer Vermehrung der weissen Blutkörperchen zu suchen. Auch eine Röntgenuntersuchung kann sinnvoll sein.

Unter Umständen liegt der Herzmuskelentzündung eine andere Erkrankung zugrunde. Dies ist bei der Diagnose zu bedenken.

Myokardbiopsie

Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) lässt sich die Diagnose nur mithilfe einer Myokardbiopsie sichern, da nur so die Entzündung am Herzmuskel direkt nachweisbar ist.

Bei der Myokardbiopsie platziert der Arzt einen Katheter über eine grosse Vene in der rechten Herzkammer, um Gewebeproben vom Herzmuskel zu entnehmen. Anschliessend erfolgt eine mikroskopische, molekularbiologische und immunhistologische Untersuchung der Proben. So ist es möglich, die Entzündungsprozesse im Herzen genau zu beurteilen. Ausserdem lässt sich bei einer virusbedingten Herzmuskelentzündung so eventuell vorhandenes Erbmaterial des Virus nachweisen und somit der Erreger bestimmen. Daher ist diese Gewebeuntersuchung vor allem bei einer chronischen Herzmuskelentzündung empfehlenswert, um eine auf die Ursachen der Entzündung abzielende Behandlung festzulegen.

Die Myokardbiopsie ist mittlerweile eine Routineanwendung, die nicht nur zur Diagnose einer Herzmuskelentzündung geeignet ist: Sie kommt beispielsweise standardmässig nach Herztransplantationen zum Einsatz, um sicherzustellen, dass keine Abstossungsreaktion gegen das neue Organ vorliegt.

6. Therapie

Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist die wichtigste Therapie eine langfristige körperliche Schonung. Äussert sich die Entzündung Ihres Herzmuskels durch Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit schon in Ruhe auftretender Atemnot, ist strikte Bettruhe empfehlenswert. Zur Behandlung erhalten Sie dann entwässernde Medikamente (Diuretika), Beta-Blocker, ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (AT1-Rezeptor-Antagonisten). Liegt Ihrer Herzmuskelentzündung eine andere Grunderkrankung zugrunde, ist diese ebenfalls zu behandeln.

Um Thrombosen und Embolien zu vermeiden, bekommen Sie ausserdem Heparin. Bei einer schwer verlaufenden Herzmuskelentzündung können intensivmedizinische Massnahmen zur Therapie notwendig sein.

Falls Ihrer Herzmuskelentzündung eine Autoimmunerkrankung zugrunde liegt, kommt zusätzlich eine sogenannte immunsuppressive Therapie infrage. Hierbei kommen bestimmte Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken: sogenannte Immunsuppressiva (z.B. mit Prednison, Azathioprin). Mit diesen Mitteln gelingt es, die körpereigene Immunabwehr, die bei autoimmunbedingter Myokarditis gegen das Herzmuskelgewebe gerichtet ist, zu unterdrücken.

Lässt sich bei chronisch verlaufender Herzmuskelentzündung ein Virus als Ursache nachweisen, ist ausserdem eine Behandlung mit Interferon möglich. Wenn die Herzmuskelentzündung trotz der Therapie unaufhaltsam voranschreitet, kann eine Herztransplantation notwendig sein. Bei schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen bekommen Sie, auch wenn Sie jünger sind, einen Herzschrittmacher.

7. Verlauf

Eine akute Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nimmt in den meisten Fällen einen guten Verlauf – sie heilt in der Regel folgenlos aus. Es sind jedoch bei einer akuten Herzmuskelentzündung vereinzelt schwere Verläufe möglich, in deren Folge es innerhalb weniger Tage aufgrund von Herzrhythmusstörungen oder einer akuten Pumpschwäche des Herzens zum Tod kommt.

Daneben können Herzmuskelentzündungen auch chronisch verlaufen: Bei einer virusbedingten Herzmuskelentzündung verbleiben die Viren in manchen Fällen im Herzmuskel, so dass die Erkrankung in einen chronischen Verlauf übergehen kann. In anderen Fällen setzt bei akuter Myokarditis nach vier bis sechs Wochen ein autoimmunologischer Prozess ein, bei dem sich die Immunabwehr gegen Zellbestandteile der Muskelfibrillen in den Herzmuskelfasern richtet und so die Herzmuskelentzündung aufrechterhält.

Komplikationen

Wenn eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) einen chronischen Verlauf nimmt, ist dies problematisch: Im chronischen Stadium kann die Entzündung zu Komplikationen in Form einer Herzvergrösserung mit eingeschränkter Pumpfunktion (dilatative Kardiomyopathie) führen. Hierzu kommt es in etwa zehn Prozent aller Herzmuskelentzündungen, die mit deutlichen körperlichen Beschwerden verbunden sind.

8. Vorbeugen

Einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) können Sie nicht vorbeugen. Das Risiko für Entzündungen des Herzmuskels lässt sich jedoch vermindern: Schonen Sie sich hierzu während und nach Infekten (z.B. bei einer Erkältung, Durchfallerkrankung oder Grippe) körperlich und treiben Sie in diesem Zeitraum keinen Sport, um die Entstehung einer Herzmuskelentzündung nicht zu begünstigen.