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Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Herzrhythmusstörungen kommen häufig vor. Dass das Herz hin und wieder mal zu schnell oder zu langsam schlägt, passiert gelegentlich und muss kein Zeichen für eine Erkrankung sein. Treten Herzrhythmusstörungen jedoch häufiger oder über einen längeren Zeitraum auf, sollte man die Ursache in jedem Fall ärztlich abklären lassen.

Fällt die Herzfrequenz längerfristig unter 60 Schläge pro Minute, spricht man von einer langsamen (bradykarden) Herzrhythmusstörung. Dies muss nicht immer durch eine Krankheit bedingt sein: Wer etwa viel Ausdauersport betreibt, senkt in der Regel seine Herzfrequenz beziehungsweise seinen Ruhepuls. Trainierte Sportler können also durchaus eine ständig niedrige Herzfrequenz mit unter 60 Schlägen pro Minute haben, ohne krank zu sein.

Schlägt das Herz dagegen zu schnell, spricht man ab mehr als 100 Schlägen pro Minute von einer schnellen (tachykarden) Herzrhythmusstörung.

Die Ursachen krankhafter Herzrhythmusstörungen sind Schädigungen beziehungsweise Störungen am Sinusknoten, dem natürlichen Schrittmachers des Herzens. Auch Schäden am sogenannten Reizleitungssystem, das die elektrischen Impulse vom Sinusknoten zu den Herzmuskelzellen leitet und so für das rhythmische Zusammenziehen des Herzmuskels sorgt, können Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Herzklappenerkrankungen
  • angeborene Herzfehler, z.B. das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (kurz: WPW-Syndrom)
  • Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Nebenwirkung bestimmter Medikamente (z.B. kann eine Überdosierung herzrhythmusbremsender Medikamente wie Betablocker oder Digitalis-Glykoside zu einer langsamen Herzrhythmusstörung führen)

Um Herzrhythmusstörungen festzustellen, befragt der Arzt den Betroffenen zunächst nach seinen Beschwerden. Anschliessend folgen eine körperliche Untersuchung und verschiedene weitere Diagnosemethoden, zum Beispiel eine Echokardiographie (EKG) oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Um die Ursachen der Herzrhythmusstörungen festzustellen, sind manchmal weitere Tests wie eine Blutuntersuchung notwendig.

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen richtet sich unter anderem nach ihrer Art, Schwere und Ursache. Es gibt verschiedene Medikamente, die bei Herzrhythmusstörungen zur Therapie zum Einsatz kommen. Reicht eine medikamentöse Behandlung alleine nicht aus, setzen Ärzte manchmal in einer Operation einen Herzschrittmacher ein.

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2. Definition

Herzrhythmusstörungen kann man laut Definition unterscheiden in

  • langsame (bradykarde) Herzrhythmusstörungen: mit weniger als 60 Herzschlägen pro Minute; bradykarde Herzrhythmusstörungen können zum Beispiel Folge eines Herzinfarkts sein.
  • schnelle (tachykarde) Herzrhythmusstörungen: mit Frequenzen über 100 Schlägen pro Minute; zu diesen auch Tachykardie genannten Herzrhythmusstörungen gehören zum Beispiel:

Ist der Herzrhythmus zusätzlich noch unregelmässig, spricht man von einer bradykarden oder tachykarden Arrhythmie.

Kommt es zwischen den Herzschlägen zu Pausen, die länger als drei Sekunden dauern, nennt man dies Asystolie. Einzelne zusätzliche Herzschläge neben dem Grundrhythmus heissen Extrasystolen. Meist machen diese sich als Herzstolpern bemerkbar.

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3. Ursachen

Herzrhythmusstörungen müssen nicht immer krankhafte Ursachen haben – bei Gesunden kommen sie hin und wieder vor, ohne einen Krankheitswert zu haben. Sie können aber auch Zeichen einer Erkrankung sein.

Für Herzrhythmusstörungen kommen zum Beispiel folgende Ursachen infrage:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Herzinfarkt
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie)
  • Herzklappenerkrankung
  • angeborene Herzfehler, z.B. Wolff-Parkinson-White-Syndrom (kurz: WPW-Syndrom)
  • Bluthochdruckkrise
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) u.a. hormonelle (endokrine) Erkrankungen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Lungenerkrankung (z.B. Asthma bronchiale, COPD)
  • Fehlregulationen des vegetativen Nervensystems
  • Stress
  • Übermässiger Genuss von Alkohol, Kaffee
  • Drogen
  • Nebenwirkung von Medikamenten (z.B. Überdosierung von Betablockern oder Digitalis-Glykosiden)

Bei Herzrhythmusstörungen, die sich in Form eines zu schnellen (tachykarden) Herzschlags äussern, sind mögliche Ursachen ausserdem auch Stress, zu viel Koffein, Anstrengung und Aufregung sowie Nervosität.

WPW-Syndrom

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom – kurz: WPW-Syndrom – kommt bei Herzrhythmusstörungen ebenfalls als eine der Ursachen infrage. Das WPW-Syndrom beruht auf einem Herzfehler: Zwischen Vorhof und Kammer stört eine überzählige Muskelbrücke (sog. Kent-Bündel) die Reizweiterleitung am Herzen. Dadurch führt das WPW-Syndrom zu tachykarden Herzrhythmusstörungen.

Der Herzfehler ist angeboren. Da meist erst im frühen Erwachsenenalter Beschwerden auftreten, wird er aber meist erst dann entdeckt.

4. Symptome

Bei Herzrhythmusstörungen können die Symptome sehr unterschiedlich sein und werden oft auch sehr verschieden wahrgenommen. Leichte und gelegentliche Herzrhythmusstörungen bemerken manche Betroffenen gar nicht, während andere sie als sehr bedrohlich empfinden.

Langsame (bradykarde) Herzrhythmusstörungen äussern sich oft durch Symptome wie:

Schnelle (tachykarde) Herzrhythmusstörungen zeigen sich meist durch Symptome wie:

  • Herzklopfen oder -rasen
  • Nervosität
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5. Diagnose

Liegen Herzrhythmusstörungen vor, lässt sich die Diagnose mit verschiedenen Untersuchungen stellen. Mit ihnen kann der Arzt einschätzen, ob die Herzrhythmusstörungen harmlos oder ernst zu nehmen und behandlungsbedürftig sind.

Zuerst versucht der Arzt im Gespräch mit dem Betroffenen mehr über die auftretenden Beschwerden und mögliche Vorerkrankungen zu erfahren. Daran schliesst sich eine körperliche Untersuchung an (inkl. Messung von Puls, Abhören des Herzens). Mithilfe eines EKGs (Ruhe-, Langzeit- oder Belastungs-EKG) erhält der Arzt genaue Informationen über die Herztätigkeit.

Weitere Untersuchungsmethoden, die bei Herzrhythmusstörungen zum Einsatz kommen und die Diagnose sichern können, sind:

  • Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie)
  • Blutuntersuchungen
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs
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6. Therapie

Bei Herzrhythmusstörungen richtet sich die Therapie nach ihrer Art und Ursache. Ziel der Behandlung ist zum einen, die Beschwerden zu lindern. Zum anderen sollen Komplikationen der Herzrhythmusstörungen (z.B. plötzlicher Herztod) durch die Therapie vermieden werden. Medikamentös lassen sich Herzrhythmusstörungen mit sogenannten Antiarrhythmika behandeln. Antiarrhythmika verändern auf verschiedene Weise die Erregungsleitung am Herzen. Es gibt vier Klassen:

  • Klasse I: Natriumkanalblocker (z.B. Chinidin, Lidocain, Propafenon)
  • Klasse II: Betablocker (z.B. Metoprolol, Carvedilol)
  • Klasse III: Kaliumkanalblocker (z.B. Amiodaron)
  • Klasse IV: Kalziumantagonisten (z.B. Verapamil, Diltiazem)

Im weiteren Sinne zählen zu den gegen Herzrhythmusstörungen wirksamen Medikamenten auch noch folgende Substanzen, die bei der Therapie einer bedrohlichen Bradykardie – also zu langsamer Herzfrequenz – zum Einsatz kommen können:

  • Parasympatholytika (Vagolytika): Wirkstoffe, die einen Teil des vegetativen Nervensystems, den Parasympathikus, hemmen
  • Sympathomimetika: Wirkstoffe, die den Sympathikus, ebenfalls Teil des vegetativen Nervensystems, verstärken
  • Herzglykoside (Digitalis-Glykoside) wie die Wirkstoffe Digoxin und Digitoxin

Manchmal ist bei krankheitsbedingten Herzrhythmusstörungen ein operativer Eingriff als Therapie notwendig: Der Arzt pflanzt dem Betroffenen dabei einen Herzschrittmacher ein.

Haben die Herzrhythmusstörungen keine organische Ursache, sondern werden sie durch Stress oder Nervosität hervorgerufen, können oft Entspannungsübungen helfen (z.B. autogenes Training, progressive Muskelentspannung).

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7. Verlauf

Bei Herzrhythmusstörungen hängt der Verlauf von der Art, Ursache und Schwere der Erkrankung ab. Bei herzgesunden Menschen haben Herzrhythmusstörungen in der Regel keinen Krankheitswert und sind selten behandlungsbedürftig.

Ist die Ursache für eine Herzrhythmusstörung jedoch eine Erkrankung, muss diese behandelt werden. Eine krankhafte Herzrhythmusstörung ist in ihrem Verlauf nicht harmlos, da sie zum einen die Lebensqualität mindern und zum anderen die Lebenszeit verkürzen kann. Mit Medikamenten (Antiarrhythmika) lassen sich viele Herzrhythmusstörungen jedoch gut behandeln. Ist eine medikamentöse Therapie nicht erfolgreich, kann ein Herzschrittmacher dafür sorgen, dass das Herz wieder regelmässig schlägt. Die Einpflanzung eines Herzschrittmachers ist heutzutage ein häufig durchgeführter Routineeingriff, der in vielen Fällen zu einer erheblichen Lebensverlängerung führt und den Alltag kaum beeinträchtigt.

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8. Vorbeugen

Herzrhythmusstörungen können Sie bedingt vorbeugen, indem Sie auf eine gesunde Lebensweise achten – das Risiko für Herzrhythmusstörungen lässt sich so reduzieren. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und bewegen Sie sich ausreichend. Konsumieren Sie idealerweise kein Nikotin und verzichten Sie auf Alkohol beziehungsweise geniessen Sie diesen nur in Massen. Suchen Sie Ausgleich zum stressigen Alltag, indem Sie sich Ihr persönliches Stressventil suchen – das können zum Beispiel regelmässige Entspannungsübungen oder auch ein schönes Hobby sein.

Bei nervös bedingten Herzrhythmusstörungen helfen kurzfristig oft Ruhe und Entspannungsübungen.

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