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1. Überblick

Ein Hohlfuss (Pes excavatus) ist eine angeborene oder erworbene Fussfehlstellung, bei der das Längsgewölbe des Fusses stark überhöht ist. Vom äusseren Erscheinungsbild her ist der Hohlfuss gewissermassen das Gegenstück zum Plattfuss.

Je nachdem, ob beim Hohlfuss die Körperlast infolge der Fussfehlbildung stärker auf dem Ballen oder auf der Ferse liegt, lassen sich zwei Formen unterscheiden: der Ballenhohlfuss und der seltenere Hackenhohlfuss. Die meisten durch einen Hohlfuss ausgelösten Beschwerden gehen vom Vorfuss aus: Das überhöhte Längsgewölbe belastet typischerweise den Fussballen unnatürlich, wodurch schmerzhafte Druckstellen entstehen. Oft sind beim Hohlfuss auch Klauen- oder Krallenstellung der Zehen zu beobachten, ausserdem können sich Hühneraugen ausbilden.

Für einen Hohlfuss kommen verschiedene Ursachen infrage. Meist entsteht der Pes excavatus dadurch, dass die kleine Fussmuskulatur geschwächt oder gelähmt ist. Ausgeprägtere Hohlfüsse, die sich erst im Erwachsenenalter entwickeln und deren Formänderung (Deformation) fortschreitend zunimmt, stehen oft mit einer die Nerven betreffenden Grunderkrankung (z.B. amyotrophe Lateralsklerose) in Zusammenhang. Lässt sich der Auslöser der Fussformänderung nicht feststellen, liegt ein sogenannter idiopathischer Hohlfuss vor (idiopathisch = ohne erkennbare Ursache).

Diagnostizieren lässt sich ein Hohlfuss vor allem anhand einer körperlichen Untersuchung. Häufig ist die Fehlstellung schon mit blossem Auge erkennbar, mit grösserer Sicherheit am Fussabdruck. Wie stark der Pes excavatus ausgeprägt ist, zeigt sich auf Röntgenaufnahmen des Fusses von der Seite und von oben. Nach dem beim der Diagnose ermittelten Schweregrad der Fussdeformation richtet sich die gegen den Hohlfuss eingesetzte Therapie. Hierbei stehen sowohl konservative (d.h. nicht-operative) als auch operative Massnahmen zur Verfügung. Die konservative Hohlfuss-Behandlung besteht aus orthopädischen Einlagen (Stufeneinlagen) und Nachtschienen. Auch Gymnastik ist bei einem Hohlfuss geeignet: Mit entsprechenden Übungen lässt sich die orthopädische Behandlung unterstützen. Erfolgen diese Massnahmen rechtzeitig, ist der Verlauf der Fussfehlstellung oft positiv beeinflussbar.

2. Definition

Der Begriff Hohlfuss (Pes excavatus) bezeichnet per Definition eine Formänderung des Fusses (sog. Fussdeformation), die durch ein stark überhöhtes Fusslängsgewölbe gekennzeichnet ist. Damit ist beim Hohlfuss auch der Rist stark überhöht. Die Ferse nimmt häufig eine O-Stellung (nach innen gerichtet) ein. Hohlfüsse sind allgemein kürzer und gedrungener als gesunde Füsse. Häufig liegt gleichzeitig eine Krallen- beziehungsweise Klauenstellung der Zehen vor. Der für einen Pes excavatus typische Fussabdruck zeigt, dass nicht der Mittelfuss die Körperlast trägt, sondern ausschliesslich die Ferse und der Vorfuss. Der Hohlfuss ist gewissermassen das Gegenstück zum Plattfuss.

Abhängig davon, ob der Hohlfuss die Körperlast stärker mit dem Ballen oder mit der Ferse aufnimmt, liegt ein Ballenhohlfuss oder ein Hackenhohlfuss vor. Letzterer ist die seltenere Fom des Pes excavatus. Hierbei kommt es zu einer Steilstellung des Fersenbeins.

3. Ursachen

Für einen Hohlfuss (Pes excavatus) kommen verschiedene Ursachen infrage. Häufig ist er angeboren. Die Formveränderung des Fusses kann sich aber auch im Lauf des Lebens durch unterschiedliche Faktoren entwickeln. In manchen Fällen ist der Grund für die Formänderung nicht feststellbar, dann liegt ein sogenannter idiopathischer Hohlfuss vor (idiopathisch = ohne erkennbare Ursache).

Ein leichterer Hohlfuss kann seine Ursachen in einer anlagebedingten Abwandlung der normalen Fussform haben. Ob der Pes excavatus eine Behandlung erfordert, hängt davon ab, wie schwer die Fussfehlstellung ist und ob sie weiter fortschreitet.

Eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines Pes excavatus spielt wahrscheinlich eine Lähmung der kleinen Fussmuskulatur. Für einen erworbenen Hohlfuss kommen als Ursachen oft zu kleine Schuhe oder zu hohe Absätze infrage. Stärker ausgeprägte Hohlfüsse haben, vor allem wenn sie allmählich im Wachstumsalter entstehen oder die Formänderung zunimmt, oft eine neurologische Ursache. Zu den möglichen Auslösern zählen folgende Systemerkrankungen des ZNS (= zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark):

  • Friedreich-Ataxie, eine Nervenerkrankung des Rückenmarks, wobei vor allem die Hinterstränge betroffen sind
  • amyotrophe Lateralsklerose, bei der Nervenzellen absterben und sich bindegewebig verändern
  • neurogene Muskelatrophie, ein durch erkrankte Nerven bedingter Schwund einzelner Muskelgruppen
  • Rückenmarkstumoren

4. Symptome

Der Hohlfuss (Pes excavatus) stellt durch seine äusseren Symptome das Gegenstück zum Plattfuss dar.

Typischerweise ist beim Pes excavatus das Längsgewölbe, besonders das innere, übermässig erhöht. Dadurch verändert sich der Auftritt des Fusses, was die für den Hohlfuss typischen Symptome verursacht: Der Fussballen ist übermässig beansprucht, so dass sich das Beschwielungsmuster unterhalb des Ballens verändert und starke Schmerzen entstehen.

Je nach der zugrunde liegenden Ursache verändert sich die für den Hohlfuss kennzeichnende Fehlstellung sehr langsam über Jahre hinweg. Auch die Symptome nehmen schleichend zu. In der Regel suchen die Betroffenen dann Hilfe, wenn der Pes excavatus beim Tragen ihrer Schuhe Beschwerden bereitet: Auf dem Fussrücken, an der Fusssohle des Ballens und an den Zehen verursacht ein Hohlfuss Druckstellen, die schmerzen.

Die meisten durch einen Hohlfuss hervorgerufenen Beschwerden gehen vom Vorfuss aus. Schmerzhafte Schwielen an der Fusssohle weisen auf deren Überbeanspruchung hin. Die Zehen sind häufig stark eingekrallt und mehr oder weniger versteift. So können sich bei einem Pes excavatus im weiteren Verlauf der Fussdeformation Hammerzehen und Krallenzehen entwickeln. Als weitere Hohlfuss-Symptome bilden sich Hühneraugen (Clavi) an den Zehen aus.

5. Diagnose

Beim Hohlfuss (Pes excavatus) basiert die Diagnose vor allem auf einer körperlichen Untersuchung. Oft ist die Fehlstellung des Fusses schon mit blossem Auge erkennbar, mit grösserer Sicherheit jedoch am Fussabdruck. Um Grundkrankheiten des Nervensystems auszuschliessen, erfolgt ausserdem eine ausführliche neurologische Untersuchung.

Um festzustellen, wie stark der Hohlfuss ausgeprägt ist, kommt bei der Diagnose eine Röntgenuntersuchung des Fusses zum Einsatz. Dabei sind zwei Aufnahmen im Stehen nötig: eine seitliche und eine von oben (vom Fussrücken zur Fusssohle hin). Zusätzlich kann bei einem Pes excavatus eine Röntgenuntersuchung oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Wirbelsäule erfolgen.

6. Therapie

Beim Hohlfuss (Pes excavatus) richtet sich die Therapie danach, wie stark die Fussfehlstellung ausgeprägt ist. Es können sowohl konservative (d.h. nicht-operative) als auch operative Massnahmen zum Einsatz kommen.

Ist die Formänderung der Füsse (Fussdeformation) nur leicht ausgeprägt, liegt ein sogenannter flexibler Hohlfuss vor. In diesem Fall kann bereits eine konservative Therapie zum Erfolg führen. Bei einem flexiblen Hohlfuss geeignet sind beispielsweise spezielle orthopädische Einlagen (Stufeneinlagen) und Nachtschienen. Auch Gymnastik kann bei einem Hohlfuss hilfreich sein: Durch entsprechende Übungen können Sie Ihre Fussmuskulatur kräftigen und die orthopädische Behandlung unterstützen.

Bei einem stark ausgeprägten Hohlfuss und bei schmerzhaften Fällen oder bei erfolgloser konservativer Therapie ist es möglich, die für den Hohlfuss typische Fehlstellung durch eine Operation zu korrigieren.

7. Verlauf

Ein Hohlfuss (Pes excavatus) kann einen fortschreitenden Verlauf zeigen, in dem die Formänderung des Fusses stetig zunimmt. Durch rechtzeitige Gegenmassnahmen ist der Verlauf jedoch oft positiv beeinflussbar: Schon eine konservative (d.h. nicht-operative) Behandlung (durch Krankengymnastik, Einlagen, Nachtschienen) und weite Schuhe sowie häufiges Barfusslaufen können sich günstig auf den Zustand der Füsse auswirken.

Ohne geeignete Behandlung können sich die beim Hohlfuss funktionslosen Zehen im weiteren Verlauf zu Krallenzehen entwickeln. Ausserdem bilden sich beim Pes excavatus Hühneraugen und druckschmerzhafte Schwielen an der Fusssohle. Menschen mit Hohlfüssen zeigen durch die Form ihrer Füsse und die typischen Beschwerden einen unsicheren Gang und knicken leicht um, was zu Verletzungen führen kann.

8. Vorbeugen

Es gibt keine Massnahmen, mit denen Sie einem angeborenen Hohlfuss (Pes excavatus) vorbeugen könnten. Angeborene Fussfehlbildungen (Fussdeformitäten) lassen sich jedoch häufig durch rechtzeitige Gegenmassnahmen in ihrem Verlauf positiv beeinflussen.

Wenn Sie schon Hohlfüsse haben, können Sie einem Fortschreiten Ihrer Fussdeformation entgegenwirken, indem Sie weite und bequeme Schuhe tragen und Ihre Fussmuskulatur durch häufiges Barfusslaufen und Laufen auf Naturboden kräftigen.