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1. Überblick

Bei einer Hornhautentzündung (Keratitis) ist die Hornhaut (Kornea) des Auges entzündet. Die entzündete Hornhaut ist getrübt, das betroffene Auge ist lichtempfindlicher und sein Sehvermögen vermindert.

Für eine Hornhautentzündung kommen vielfältige Gründe infrage: Die Auslöser einer Keratitis reichen

  • von Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen (eine solche Hornhautentzündung ist ansteckend)
  • über erblich bedingte Veranlagung
  • bis hin zu Augenverletzungen
  • oder Grunderkrankungen wie HIV oder Diabetes mellitus.

Neben den drei wichtigsten Anzeichen für eine Hornhautentzündung (getrübte Hornhaut, Lichtempfindlichkeit, vermindertes Sehvermögen) treten häufig auch ein verminderter Tränenfluss und schwache bis starke Augenschmerzen auf.

Zur Diagnose einer Hornhautentzündung kommen verschiedene Untersuchungen zum Einsatz: Die Spaltlampe kann Strukturen im Auge deutlicher sichtbar machen, der Schirmer-Test gibt Aufschluss über die Menge der Tränenflüssigkeit. Um die Keartitis-Diagnose zu sichern, eignen sich ein Abstrich zur Bestimmung möglicher Erreger und die Untersuchung einer zuvor entnommenen Gewebeprobe (Biopsie).

Je nach Ursache können Hornhautentzündungen selbstständig und folgenlos abheilen. Heilt eine Hornhautentzündung nicht von selbst aus, erfolgt eine auf die Ursachen abgestimmte Behandlung – zum Beispiel mit Antibiotika oder Antimykotika. Bleibt die Hornhautentzündung über längere Dauer unerkannt und unbehandelt, kann dies die Hornhaut schädigen: Es können sich Narben bilden und die Hornhaut kann sich ablösen. Bei schweren Schäden infolge einer Keratitis kann eine Hornhauttransplantation notwendig sein.

Um das Risiko einer Hornhautentzündung gering zu halten, ist es – besonders wenn Risikofaktoren für die Entstehung einer Keratitis vorliegen (z.B. bei Kontaktlinsenträgern), – wichtig, die Augen regelmässig untersuchen zu lassen und:

  • Kontaktlinsen und Kontaktlinsenbehälter regelmässig zu reinigen,
  • Kontaktlinsen nicht länger zu tragen als vom Hersteller angegeben,
  • Flüssigkeiten, mit denen das Auge in Kontakt kommt (z.B. Augentropfen, Kontaktlinsen-Pflegemittel), in einem geschlossenen Behälter zu verwahren,
  • Bildschirmarbeit auf einen vernünftigen Rahmen zu beschränken,
  • bei starker UV-Einstrahlung eine Sonnenbrille zu tragen.

2. Definition

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) ist eine Entzündung der Hornhaut (Kornea) des Auges. Auslöser der Entzündung können viele unterschiedliche Faktoren sein.

Hornhaut

Die bei der Hornhautentzündung (Keratitis) entzündete Hornhaut ist ein im gesunden Zustand ein klares Gewebe ohne Gefässe. Als transparentes, gleichmässig gewölbtes Fenster ist sie der wichtigste Teil des lichtbrechenden Augenapparats. Die Hornhaut eines Erwachsenen ist im Zentrum etwa 0,6 Millimeter dick, im äusseren Bereich etwa 0,8 Millimeter. Sie weist einen Durchmesser von etwa 11,5 Millimeter auf.

Die Hornhaut trägt einen wichtigen Teil zum scharfen Sehen bei, weshalb eine Hornhautentzündung ebenso wie eine Hornhautverletzung, eine Hornhautvernarbung oder eine Hornhauttrübung schwerwiegende Folgen haben kann.

3. Ursachen

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) kann verschiedene Ursachen haben: Mögliche Auslöser reichen von Infektionen der Augenhornhaut mit Bakterien, Viren oder Pilzen über eine erblich bedingte Veranlagung bis hin zu Augenverletzungen oder Grunderkrankungen wie einer HIV-Infektion oder Diabetes mellitus. Ausserdem gibt es eine Vielzahl von Risikofaktoren, die Hornhautentzündungen begünstigen können.

Erreger

Für eine infektiöse Hornhautentzündung (Keratitis) kommen als Ursachen verschiedene Erreger infrage: Bakterien, Pilze, Viren oder Amöben. Eine solche Hornhautentzündung ist auch ansteckend (infektiös), da man die Erreger übertragen kann (z.B. auch vom infizierten zum gesunden Auge). Die Erreger der Hornhautentzündung können beispielsweise über kontaminierte Flüssigkeiten (Schwimmbad, Pflegemittel für Kontaktlinsen, usw.) oder mit Fremdkörpern ins Auge gelangen und eine Infektion der Hornhaut hervorrufen.

Häufige Erreger der infektiösen Hornhautentzündung sind:

  • Bakterien (Hornhautgeschwür)
    • Staphylococcus aureus
    • Pneumokokken
    • A-Streptokokken
    • Pseudomonas
    • Chlamydia trachomatis
  • Viren (Viruskeratitis)
    • Adenoviren
    • Herpes simplex; dabei kann es sich entweder um eine Erstinfektion handeln oder um eine wiederkehrende Infektion (Rezidiv), bei der das Virus bereits im Organismus vorhanden ist und über ein geschwächtes Immunsystem erneut aktiviert wird
  • Pilze
    • Candida albicans

Seltener hat eine Hornhautentzündung ihre Ursachen in einer Infektion mit Enterobakterien, Neisseria gonorrhoeae oder Haemophilus. Erreger aus der Amöbengattung Acanthamoeba können die sogenannte Akanthamöben-Keratitis verursachen.

Nicht-infektiöse Ursachen

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) kann auch nicht-infektiös entstehen – in dem Fall besteht auch keine Ansteckungsgefahr. Mögliche nicht-infektiöse Ursachen für Hornhautentzündungen sind zum Beispiel eine Augenverletzung, verschiedene Erkrankungen und angeborene Defekte:

  • Verätzung durch Chemikalien
  • angeborene Hornhautdegeneration (Hornhautdystrophie oder Keratitis bullosa, meist bei Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren)
  • unvollständiger Lidschluss bei Fazialisparese (sog. Keratitis e lagophthalmo)
  • übermässige UV-Einstrahlung, beispielsweise durch Schweissen ohne Schutzbrille oder Reflektion auf Schneefeldern (sog. Keratitis photoelectrica)
  • Lähmung des Nervus ophthalmicus (häufig angeboren, sog. Keratitis neuroparalytica)
  • übermässig lange Bildschirmarbeit (Austrocknen der Augen)
  • Knochenmarktransplantationen (Anzeichen für Abstossung)

Zu den Grunderkrankungen, die einer Hornhautentzündung als nicht-infektiöse Ursachen zugrunde liegen können, zählen unter anderem:

  • Syphilis
  • Autoimmunerkrankungen
  • Tumoren
  • Stammhirnblutungen
  • Diabetes mellitus
  • Sjögren-Syndrom
  • Sarkoidose
  • Non-Hodgkin-Lymphome
  • HIV-Infektion

Risikofaktoren

Bei den einer Hornhautentzündung (Keratitis) zugrunde liegenden Ursachen können auch bestimmte Risikofaktoren eine wichtige Rolle spielen. Zu den Risikofaktoren, die eine Hornhautentzündung unter Umständen begünstigen, zählen:

  • chronische Infektionen der okularen Adnexe (äussere Augenmuskeln, Augenlider, Tränenapparat)
  • Kontaktlinsen
  • Benetzungsstörungen, verminderter Tränenfluss
  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva)
  • Störungen des fünften Hirnnervs (Nervus trigeminus)
  • erweiterte Lidspalte mit unvollständigem Lidschluss (Lagophthalmus)
  • kontaminierte Flüssigkeiten (Schwimmbad, Augentropfen, usw.)

4. Symptome

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) äussert sich typischerweise durch folgende Symptome:

  • Die Hornhaut (Kornea) ist getrübt,
  • das betroffene Auge ist stärker lichtempfindlich und
  • das Sehvermögen ist eingeschränkt.

Weitere häufige Anzeichen für eine Hornhautentzündung sind ein verminderter Tränenfluss und schwache bis starke Augenschmerzen. Je nach Ursache der Hornhautentzündung können zusätzliche Symptome auftreten: Bei der meist erblich bedingten Hornhautdystrophie (oder Keratitis bullosa) hebt sich die Augenhornhaut blasenförmig ab. Die Bläschen können platzen und zu vermehrten Schmerzen führen.

Eine leichte Hornhautentzündung, die durch eine Überlastung der Augen entsteht, kann sich durch Symptome wie Fremdkörpergefühl, Brennen und Anzeichen einer sogenannten Asthenopie bemerkbar machen: Bei Letzteren handelt es sich um Sehstörungen und ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, wobei sich die Beschwerden verringern, sobald die Überlastung der Augen nachlässt.

5. Diagnose

Bei einer Hornhautentzündung (Keratitis) kommen zur Diagnose verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Die Verdachtsdiagnose ergibt sich anhand der typischen Symptome wie vermindertes Sehvermögen, verminderter Tränenfluss, Augenschmerzen sowie vermehrte Lichtempfindlichkeit.

Zur genaueren Diagnose der Hornhautentzündung untersucht der Arzt das Auge mithilfe der Stablampe. Dabei sind die Strukturen und Veränderungen im Inneren des Auges unter einer bestimmten Beleuchtung vergrössert sichtbar. So sind zum Beispiel Trübungen der Augenhornhaut, Gefässwucherungen (Vaskularisationen) und Hornhautverletzungen sowie Hornhautablösungen oder Bläschenbildung erkennbar.

Da bei einer Hornhautentzündung der Tränenfluss oft vermindert ist, kann ausserdem der sogenannte Schirmer-Test zur Diagnose beitragen: Mit diesem Test ist der Tränenfluss bestimmbar. Dabei klemmt der Arzt in die Unterlidkante einen Filterpapierstreifen ein. Bei normalem Tränenfluss sind nach fünf Minuten 10 bis 20 Millimeter des Filterpapiers befeuchtet.

Um zu ermitteln, ob die Hornhautentzündung infektiöse Ursachen (z.B. Bakterien, Viren, Pilze) hat, und um die geeignete Behandlung zu bestimmen, kann der Arzt einen Bindehautabstrich nehmen und die Erreger im Labor bestimmen lassen. Bei unklarer Diagnose kann es ausserdem aufschlussreich sein, eine Gewebeprobe zu untersuchen (Biopsie).

6. Therapie

Bei einer Hornhautentzündung (Keratitis) hängt die geeignete Therapie von den zugrunde liegenden Ursachen ab. Gegen eine infektiöse Hornhautentzündung kommen auf den jeweiligen Erreger abgestimmte Medikamente zum Einsatz:

  • Bei einer durch Bakterien ausgelösten Hornhautentzündung erhalten Sie Antibiotika (z.B. Doxycyclin, Cyprofloxacin, Tetracyclin).
  • Sind Viren die Ursache für die Hornhautentzündung, helfen Ihnen Virostatika (z.B. Aciclovir, Trifluorthymidin).
  • Eine durch Pilze verursachte Hornhautentzündung ist mit Antimykotika behandelbar (z.B. Nystatin, Fluconazol).
  • Haben Acanthamoeba zu der Hornhautentzündung geführt, sind Augentropfen zur Behandlung empfehlenswert (wie Chlorhexidin oder Propamidin).

Ist die Hornhautentzündung durch eine verminderte Tränenflüssigkeit bedingt, können Sie zur Therapie Tränenersatzmittel und Lidrandmassagen einsetzen, die Ihre Beschwerden lindern. Zudem ist es wichtig, neben den akuten Beschwerden der Keratitis mögliche Grunderkrankungen therapieren zu lassen.

Hornhauttransplantation

Bei einer Hornhautentzündung (Keratitis) kann zur Therapie eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) ratsam sein, wenn:

  • die Hornhaut (Kornea) infolge der Hornhautentzündung bereits vernarbt ist,
  • die Hornhaut grössere Verletzungen oder Gefässwucherungen aufweist oder
  • die Hornhaut sich ablöst.

Durch eine Hornhauttransplantation sind diese Schädigungen behebbar. Das Transplantieren (Verpflanzen) der Hornhaut zählt zu den Organtransplantationen. Je nach Schwere der Hornhautentzündung transplantiert der Operateur einzelne Hornhautschichten, Teile der Hornhaut oder die gesamte Hornhaut. Als Transplantat kommen Kunststoffpräparate oder die Hornhaut eines Spenders infrage.

7. Verlauf

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) kann einen günstigen Verlauf nehmen: In manchen Fällen verheilt sie nach einigen Tagen selbstständig und ohne Folgen.

Bleibt eine nicht selbstständig abheilende Hornhautentzündung jedoch unbehandelt, kann dies die Hornhaut (Kornea) des Auges im weiteren Verlauf schädigen: Es können sich Narben bilden und die Hornhaut kann sich ablösen. Die Folgen sind Schmerzen sowie ein stark eingeschränktes Sehvermögen bis hin zur Blindheit.

8. Vorbeugen

Einer Hornhautentzündung (Keratitis) können Sie nur bedingt vorbeugen. Das Risiko einer Hornhautentzündung lässt sich beispielsweise durch folgende Verhaltensmassnahmen vermindern:

  • Reinigen Sie Kontaktlinsenbehälter und Kontaktlinsen regelmässig.
  • Tragen Sie Kontaktlinsen nicht länger als vom Hersteller angegeben.
  • Verwahren Sie Flüssigkeiten, mit denen das Auge in Kontakt kommt (Kontaktlinsen-Pflegemittel, Augentropfen, usw.), möglichst in einem geschlossenen Behälter.
  • Beschränken Sie Bildschirmarbeit auf einen vernünftigen Rahmen.
  • Schützen Sie Ihre Augen bei starker UV-Einstrahlung (Schneefelder, Schweissarbeiten, Solarium) durch entsprechende Gläser.

Besonders wenn bei Ihnen bestimmte Risikofaktoren für die Entstehung einer Hornhautentzündung vorliegen, ist es wichtig, dass Sie Ihre Augen vorbeugend regelmässig untersuchen lassen. Zu den Risikofaktoren, die eine Keratitis begünstigen können, zählen:

  • chronische Infektionen der okularen Adnexe (äussere Augenmuskeln, Augenlider, Tränenapparat)
  • Kontaktlinsen
  • Benetzungsstörungen, verminderter Tränenfluss
  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva)
  • Störungen des fünften Hirnnervs (Nervus trigeminus)
  • erweiterte Lidspalte mit unvollständigem Lidschluss (Lagophthalmus)
  • kontaminierte Flüssigkeiten (Schwimmbad, Augentropfen, usw.)